INHALT

„Grundsätzlich stehen die Chancen für Sinologen gut.“

Viele Studenten wissen lange Zeit nicht,
welche Möglichkeiten sich ihnen nach dem Abschluss bieten. Deshalb
stellen wir von Zeit zu Zeit Alumni vor, die über ihre Erfahrungen nach
dem Studium berichten. Lars Anke hat bis 2004 in Heidelberg
Mittlere/Neue Geschichte als Hauptfach, Moderne Sinologie und
Politikwissenschaften Südasiens als Nebenfächer studiert. Jetzt arbeitet
er im Auftrag der Stadt Hamburg in Shanghai. SHAN traf ihn zum
Gespräch.

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Mehr als 1000 Meter Bücher umgeräumt – Aktionstage in der Bibliothek des Instituts für Sinologie

Auch Mitglieder von SHAN waren mit von
der Partie am 5. Bibliotheksaktionstag am 20. September 2007 im Institut
für Sinologie und konnten sich vom Fortschritt der Umräumarbeiten
überzeugen. Allerdings werden weiterhin dringend Helfer gebraucht!

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Die Heidelberger Sinologin Netty Reiling und die Berliner Schriftstellerin Anna Seghers

In der vergangenen Ausgaben des
Newsletters hatten wir über die Anfänge der Sinologie in Heidelberg
berichtet. Zu den frühesten Studenten des Faches zählte auch die später
als Anna Seghers bekannt gewordenen Netty Reiling.

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Rezension: „China.de – Was Sie wissen müssen, um mit Chinesen erfolgreich Geschäfte zu machen“ von Manuel Vermeer

Der Autor, selbst Sinologe mit
jahrelanger Erfahrung als interkultureller Berater und Dolmetscher,
erweist sich als Experte sowohl für chinesische Kultur als auch für die
speziellen Probleme deutscher Firmen in der Zusammenarbeit mit Chinesen.
Er betont vor allem die Notwendigkeit des Respekts vor der chinesischen
Seite.

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Jobangebot

Com-Unic GmbH Unternehmensgruppe

Unsere Firma ist ein
Beratungsunternehmen für betriebliche Aus- und Weiterbildung. Unser
Mitarbeiter und unser Trainerteam stammen aus 23 verschiedenen Nationen,
deren Wissen und Kompetenz wir unter Anderem auch im Rahmen von
interkulturellem Training an unsere Kunden weitergeben. Leider ist unser
Trainer für interkulturelles Training ausgeschieden und nun suchen wir
einen adäquaten Ersatz. Ich wende mich daher mit der Bitte an Sie, falls
Sie in Ihrem Vereinsumfeld Menschen kennen, welche gerne als Trainer
für interkulturelles Training China arbeiten würden, an diese doch bitte
unsere Kontaktadresse weiter zu geben.

Gerne stehe ich Ihnen auch für weitere Auskünfte zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen / Best regards

Alexander Seiler

Adresse:

Com-Unic GmbH
Unternehmensgruppe
Waldhofer Str. 100
69123 Heidelberg

Tel: +49(0)6221 – 739 11 60
Fax: +49(0)6221 – 739 11 80

Mail: alex.seiler@com-unic.de

Web:

www.com-unic.de
www.hotline.com-unic.de
www.thecomunicator.de


Veranstaltungskalender

Symposium: „Cultural Studies of Wine in China and Germany“,

International & Interdisciplinary Symposium, 04. – 07.10.2007,

Auditorium Maximum, Johannes Gutenberg Universität Mainz, Germersheim

Themen: „The influence of the development of viticulture on the history of culture of grape wine in China“ – Luo Guoguang

„Das Motiv des Weintrinkens in der Dichtung Tao Yuanmings (365-427)“ – Maria Rohrer u.v.m.

Näheres unter: www.fask.uni-mainz.de

Kino

Tuyas Hochzeit

,Drama von Wang Quan´an, China , läuft bereits im Gloria Kino, Heidelberg

Tragikomödie über eine junge Mongolin,
die sich einen neuen Ehemann suchen muss, nachdem ihr Gatte durch einen
Unfall zum Invaliden wurde. Der Film erhielt bei der diesjährigen
Berlinale den Goldenen Bären.

Das Filmfestival Mannheim-Heidelberg,
10.-21. Oktober 2007 zeigt in diesem Jahr in einer Sonderreihe „Neue
Filme aus China“. Mehr dazu unter www.mannheim-filmfestival.com


„Grundsätzlich stehen die Chancen für Sinologen gut.“

Sinologie ist ein Studienfach
mit einem unklaren Berufsbild. Viele Studenten wissen lange Zeit nicht,
welche Möglichkeiten sich ihnen nach dem Abschluss bieten. Deshalb
stellen wir von Zeit zu Zeit Alumni vor, die über ihre Erfahrungen nach
dem Studium berichten. Lars Anke hat bis 2004 in Heidelberg
Mittlere/Neue Geschichte als Hauptfach, Moderne Sinologie und
Politikwissenschaften Südasiens als Nebenfächer studiert. Jetzt arbeitet
er im Auftrag der Stadt Hamburg in Shanghai.

SHAN: Herr Anke, wie sind Sie zu ihrem Arbeitsplatz gekommen?

Lars Anke: Während des Studiums habe ich
ein Jahr auf Taiwan verbracht und verschiedene Praktika absolviert,
unter anderem beim Deutschen Wirtschaftsbüro in Taipeh, im Bereich
Regionalkooperationen Asien im Auswärtigen Amt in Berlin, und beim
Ostasiatischen Verein in Hamburg mit Schwerpunkt
Außenwirtschaftsförderung. Direkt im Anschluss an mein Studium begann
ich dann mit meiner Tätigkeit als Regionalmanager Greater China,
Mongolei beim Ostasiatischen Verein und beschäftigte mich dort mit der
Interessenvertretung und Unterstützung für deutsche Firmen im
Chinageschäft.

Wie sieht ihre Arbeit aus?

Seit September 2006 bin ich als Leiter
des Hamburg Liaison Office in Shanghai. Dieses vertritt den Hamburger
Senat, die Handelskammer Hamburg, den Hafen Hamburg Marketing e.V., die
Hamburg Tourismus GmbH und die Hamburgische Gesellschaft für
Wirtschaftsförderung und ist somit die offizielle Repräsentanz Hamburgs
in China.

Die Aufgaben sind sehr vielfältig. Dazu
gehören die Unterstützung von Hamburger Unternehmen vor Ort, die
politische Kontaktpflege, die Ansprache von chinesischen Unternehmen auf
den Standort Hamburg, Logistikprojekte, sowie der Bereich Tourismus und
Reisegruppen in beide Richtungen. Auch der akademische Austausch und
die Einrichtung gemeinsamer Studiengänge wie zum Beispiel zwischen der
Universität Hamburg und der Fudan Universität sowie kulturelle
Austauschprogramme spielen eine wichtige Rolle. Die Tätigkeit spiegelt
also die gesamte Bandbreite der beiderseitigen Beziehungen wieder. Das
Hamburg Liaison Office besteht seit 1986. Im selben Jahr wurde auch die
Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Shanghai begründet.

Können Sie einige konkrete Beispiele für Ihre Arbeit geben?

Wir unterstützen beispielsweise
Unternehmen, die aus Hamburg nach Shanghai kommen. Drei bis fünf
Unternehmen können sich einen ortskundigen Pool Manager teilen, was
Kosten und Risiko einer Investition senkt. Wir bieten darüber hinaus
Beratungsservice für Unternehmen und fungieren als Ansprechpartner vor
Ort, organisieren Roadshows in China, sind für die Hafenkooperation
zuständig und stehen auch als Ansprechpartner für die chinesische Seite
zur Verfügung.

Daneben koordinieren wir Projekte
zwischen Hamburg und China, halten Kontakt zu chinesischen Behörden,
Institutionen, Unternehmen, Universitäten und Privatpersonen wie
Künstlern oder Akademikern und bemühen uns, Hamburgs Position als das
China-Zentrum Europas weiter auszubauen. “

Was sind in Ihren Augen die größten Probleme, denen westliche Unternehmen in China ausgesetzt sind?

Ein Stichwort sind Intellectual Property
Rights, deren Durchsetzung ein großes Problem ist. Dies gilt jedoch
auch für die chinesischen Unternehmen, die sich dessen immer bewusster
werden. Aber sich in der Grauzone zwischen Recht und Rechtswirklichkeit
in China zurechtzufinden ist eine anspruchsvolle Aufgabe für deutsche
Unternehmen. Darüber hinaus ist China ein sich extrem schnell
entwickelnder und verändernder Markt. Alles ist ständig im Fluss, so
auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen wie etwa das Steuerrecht. Die
Konkurrenz wird immer größer, gerade die einheimische. Deutsche
Unternehmen haben keine Monopolstellung mehr und müssen sich anpassen.
Die größte Herausforderung für Investoren ist sicherlich, den Anschluss
nicht zu verlieren.

Welchen Stellenwert hat in Ihren Augen das Thema interkulturelles Management bei deutschen Investoren?

Hier gibt es deutliche Unterschiede
zwischen großen und kleinen Unternehmen. Große haben dieses Problem
sicherlich weniger, da es sich oft um international operierende Konzerne
handelt, deren Büros größtenteils lokalisiert sind. Für Mittelständler
spielt es auf jeden Fall eine Rolle. Ein Bewusstsein für interkulturelle
Probleme ist sicherlich vorhanden. Man sollte diese aber auch nicht
überschätzen. Wichtig ist es, auf kulturell gleichberechtigter Ebene
miteinander umzugehen und sich nicht zu devot zu geben. Beide Seiten
sollten ein gesundes kulturelles Selbstbewusstsein mit sich bringen.
Bei einer Unternehmensgründung in China müssen kulturelle Eigenheiten
was Aufbau, Kommunikation und ähnliches angeht selbstverständlich
berücksichtigt werden. Wichtiger als in den alltäglichen Lebens- oder
Verhandlungssituationen sind interkulturelle Fragestellungen bei
Management-, Personal- und Unternehmensführungsaufgaben, also überall
dort, wo „unchinesisches“ Verhalten in seinem Ergebnis nicht direkt auf
den ausländischen Verursacher zurück geführt werden kann.

Wie sehen Sie die beruflichen Chancen für Sinologen in deutschen Unternehmen?

Grundsätzlich stehen die Chancen für
Sinologen gut. Auch hier muss man nach Größe der Unternehmen
unterscheiden. Große Firmen haben sicherlich mehr Möglichkeiten, einen
Sinologen in seiner Eigenschaft als Sinologen einzustellen. Kleine
Unternehmen stellen dagegen eher BWLer, Juristen oder Techniker mit
Chinakenntnissen ein. Insgesamt ist der Wert von Sinologen am
Arbeitsmarkt eher steigend als sinkend einzuschätzen. Jedoch ist es
wichtig, auch praktische Kenntnisse mitzubringen. „Nur“ Sinologe zu sein
macht die Sache entschieden schwieriger. Am besten ist es, wenn man
schon früh Kenntnisse in dem Bereich sammelt, in den man später gehen
will, sei es Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft oder im institutionellen
Bereich. Am besten sucht man sich praktische Erfahrungen außerhalb des
Studiums, etwa in Form der viel beschworenen Praktika.

Welche Vorteile hat Ihr Sinologiestudium für Ihre derzeitige Tätigkeit in China gebracht?

Die Sprache steht natürlich an
vorderster Stelle. Dann die Horizonterweiterung im Allgemeinen und die
Möglichkeit, länger ins Ausland zu gehen, dort auch Praktika zu
absolvieren. Dadurch erreicht man eine Art „internationales“
Selbstbewusstsein. Darüber hinaus führt ein Sinologiestudium deutlicher
als viele andere Studiengänge zum Erkennen des eigenen Potentials, und
dass man „es schaffen“ kann, gerade wenn man an das Propädeutikum
zurückdenkt.

Welche Fähigkeiten sollte Ihrer Meinung nach ein Sinologe mitbringen, wenn er für ein Unternehmen in China arbeiten möchte?

Sprachkenntnisse sind der Hauptfaktor.
Eine weitere Rolle spielen die Offenheit, Herausforderungen anzunehmen,
und eine gewisse Leidensfähigkeit – weniger im Bezug auf die
Lebensumstände, als mit Blick auf Arbeitsbelastung und
Improvisationstalent. Für die Arbeit vor Ort ist ein generalistischer
Ansatz sehr wichtig, den das Sinologiestudium aber sehr gut vermittelt.
Denn der Bereich „China“ ist nun einmal sehr breit gefächert. Man muss
daher lernen, auch über persönliche Grenzen hinweg zu denken. Ich selbst
hatte zu Beginn meines Studiums kein ausgeprägtes Wirtschaftsinteresse,
dennoch hat es mich dann in diese Richtung verschlagen, bevor ich in
meiner jetzigen Tätigkeit neben den wichtigen Wirtschaftsfragen auch
andere Bereiche betreue.

Was fehlt dem Studium der Sinologie in Heidelberg Ihrer Meinung nach?

Ich kann natürlich nur für die Zeit
sprechen, zu der ich am Institut war. Dies ist bereits drei Jahre her.
In jedem Fall mangelt es an Praxisbezug, gerade was den Bereich
Wirtschaft oder Institutionen angeht. Zu letzterem wäre es sinnvoll mal
ein Seminar abzuhalten, um den Studierenden einen Überblick zu
verschaffen, welche Institutionen es in diesem Bereich überhaupt gibt.
Damals wurde außerdem die Notwendigkeit von Praktika gar nicht
angesprochen. Das ganze Studium war nur auf die Universität und die
Wissenschaft bezogen, also von einem relativ engen Horizont geprägt.
SHAN hat erheblich zur Besserung dieser Verhältnisse beigetragen und
bietet sicher weiteres Potential.
Wichtig wäre jedoch eine engere Tuchfühlung zu Unternehmen, die von den
Professoren oder sogar der Fakultät selbst betrieben wird. Diese haben
eine größere Autorität gegenüber den Unternehmen als wenn dies von den
Studenten selbst durchgeführt wird.

Herr Anke, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Cora Jungbluth.

 

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Mehr als 1000 Meter Bücher umgeräumt – Aktionstage in der Bibliothek des Instituts für Sinologie

Auch Mitglieder von SHAN waren mit von
der Partie am 5. Bibliotheksaktionstag am 20. September 2007 im Institut
für Sinologie und konnten sich vom Fortschritt der Umräumarbeiten
überzeugen. Diese geschehen anlässlich der Entstehung eines gemeinsamen
Computerlabors des Zentrums für Ostasienwissenschaften und des Instituts
für Religionswissenschaften in der Zeitschriftenabteilung. Ursprünglich
befand sich dort die Kompaktusanlage, eine bewegliche Regalanlage.
Diese wird nun in einer mehrmonatigen Mammutaktion abgebaut und eine
Etage tiefer wieder aufgestellt: in Zukunft werden ca. 1700 Meter
Zeitschriften und andere Kostbarkeiten einer der größten sinologischen
Bibliotheken Europas in der ehemaligen „Chefgarage“ – der Tiefgarage
unter dem Institut für Sinologie – ihrer Nutzung harren. Die Chefgarage
wurde hierzu eigens um zwei Räume erweitert. Sicherlich kein ganz
gewöhnlicher Ort zur Aufbewahrung von Buchbeständen. So entfuhr einem
der Helfer beim ersten Anblick auch der Kommentar: „Das ist ja echt
schräg hier.“ Da die räumlichen Ressourcen der Bibliothek schon seit
Jahren an ihre Grenzen stoßen, bietet sich zunächst jedoch keine andere
Lösung an.

Holger Winheller, studentische
Hilfskraft in der Zeitschriftenabteilung, erklärte, dass bereits etwa
zwei Drittel der Bücher umgeräumt seien und bei den bisherigen Aktionen
stets eine nette Atmosphäre geherrscht habe, in der man gut zusammen
arbeiten konnte. Dennoch wünsche er sich mehr Helfer bei den kommenden
Umräumarbeiten. Anne Labitzky-Wagner, seit 2003 Leiterin der Bibliothek,
betonte SHAN gegenüber, dass eine solche Aktion ohne den engagierten
Einsatz der freiwilligen Helfer und Helferinnen kaum zu bewältigen sei.
Auch sie hoffe weiterhin auf tatkräftige Unterstützung von Seiten der
Studierenden, da die Umräumarbeiten noch nicht abgeschlossen seien.

Für Bibliotheksnutzer wird sich mit
Vollendung der Arbeiten in der Nutzung der Bibliothek einiges ändern:
ähnlich dem System des Tiefenmagazins in der Universitätsbibliothek
müssen die nun in der Tiefgarage eingelagerten Bestände vorbestellt und
dann von den Hiwis ausgehoben werden. Die 258 laufenden Zeitschriften
verbleiben jedoch im Erdgeschoss und können weiterhin direkt genutzt
werden. Anfang des kommenden Semesters soll alles fertig sein, damit der
Unterricht wie gewohnt stattfinden kann. Zuvor stehen jedoch noch
mehrere Aktionstage an, an denen das Bibliotheksteam wie bereits erwähnt
weiterhin auf freiwillige Helfer hofft, für deren leibliches Wohl
übrigens dank der Spenden von Seiten der Professoren bestens gesorgt
wird.

 

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Die Heidelberger Sinologin Netty Reiling und die Berliner Schriftstellerin Anna Seghers

Netty Reiling gehörte Anfang der
zwanziger Jahre zu den frühesten Sinologiestudentinnen Heidelbergs. Sie
wurde am 19. November 1900 in Mainz als Tochter des Antiquitätenhändlers
Isidor Reiling und seiner Frau Hedwig geboren und machte dort 1920
Abitur. Sie studierte in Heidelberg und Köln Kunstgeschichte und
Sinologie und promovierte im November 1924 (in Kunstgeschichte). Sie
hatte allerdings mehr Lehrveranstaltungen über die Geschichte,
Philosophie und Religion Chinas als über Kunstgeschichte besucht.

Zu dem Hintergrund ihres
Chinesischstudiums sagte sie später: „Ich war der irrigen Ansicht, ich
könnte schnell lernen Texte auf alten chinesischen Bildwerken zu
entziffern. So naiv war ich.“ Sie hatte besonderes Interesse an Laozi,
Liezi und Zhuangzi, aber eine Abneigung gegen Konfuzius. Ihr
Sinologielehrer in Heidelberg war der außerordentliche Professor Major
Friedrich Ernst August Krause (1879-1942). Zusammen mit ihr studierte
unter anderem der spätere Widerstandskämpfer Philipp Schaeffer
(1894-1943), mit dem sie gut befreundet war.

1924 begann auch ihre
schriftstellerische Karriere mit der Veröffentlichung einer Erzählung in
der Frankfurter Zeitung. Im folgenden Jahr heiratete sie den linken
ungarischen Emigranten Laszlo Radvanyi und bekam bald zwei Kinder. Sie
benutzte nun offiziell den Nachnamen ihres Mannes, veröffentlichte
jedoch ihre literarischen Werke als Anna Seghers. 1925 siedelten sie
nach Berlin über und blieben dort sieben Jahre. 1928 wurde sie Mitglied
der Kommunistischen Partei Deutschlands und des Bundes
proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. Damals lernte sie auch den
kommunistischen Sinologen K.A. Wittfogel kennen, der in Berlin mit ihrem
Mann zusammenarbeitete.

1932 veröffentlichte Anna Seghers
mehrere Erzählungen über die chinesische Revolution („Die Gefährten“,
„Die Stoppuhr“, „1. Mai Yanshuhpou“, usw.), die zum Teil die Lebenswege
der ihr in Deutschland bekannten Chinesen beschrieb. Die Kommunistische
Internationale und die KPD ermunterten damals linke Schriftsteller über
die chinesische Revolution zu schreiben. Der „rasende Reporter“ Egon
Erwin Kisch, der auch in Berlin lebte und mit Seghers befreundet war,
wurde im gleichen Jahr nach Shanghai geschickt und veröffentlichte nach
seiner Rückkehr das Buch China geheim.

Seghers konnte damals nicht nach China
fahren, sondern ging 1933 ins Exil nach Frankreich, später nach Mexiko.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte sie nach Deutschland zurück und ließ
sich in Ostberlin nieder. Mit einer offiziellen DDR-Delegation konnte
sie dann zum ersten Mal 1951 nach China reisen. Nach ihrer Rückkehr war
sie an der Herausgabe einer DDR-Ausgabe von Mao Zedongs Yan’aner Reden
über Literatur und Kunst beteiligt.

Wegen der Verschlechterung der
Beziehungen zur Volksrepublik China infolge des sino-sowjetischen
Konflikts konnte sie später nicht mehr nach China reisen und
beschäftigte sich auch in ihren späteren Werken kaum noch mit China. In
der DDR leitete sie mehr als 25 Jahre den Schriftstellerverband und war
lange die prominenteste Autorin ihrer Republik. Sie starb am 1. Juni
1983 in Berlin.

Literatur:

Christiane Zehl Romero: Anna Seghers, Reinbek: Rowohlt Verlag, 1993.

Christiane Zehl Romero: Anna Seghers – Eine Biographie 1900-1947, Berlin: Aufbau Verlag, 2000.

Frank Wagner: Anna Seghers – Eine Biographie in Bildern, Berlin: Aufbau Verlag, 2000.

Thomas Kampen: Der erste Sinologiestudent: Philipp Schaeffer, SHAN Newsletter, Nr. 14, August 2007

 

Dr. Thomas Kampen

 

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25 :: Manuel Vermeer – China.de. Was Sie wissen müssen, um mit Chinesen erfolgreich Geschäfte zu machen.

Der Titel „China.de“ führt zunächst zu
einem Trugschluss. In dem Buch des Heidelberger Alumnus und
SHAN-Mitglieds Manuel Vermeer, das in diesem Sommer in der 2. Auflage
erschienen ist, geht es nicht ums Internet. Vielmehr verbirgt sich
hinter „China.de“ ein Wortspiel, wie es auch ein Chinese machen würde:
„de“ steht für die erste Silbe von „Deguo“ – Chinesisch für
„Deutschland“. Der Titel soll, so das Vorwort, eine sprachliche
Verbindung zwischen China und Deutschland herstellen.

Ein Buch für China-Laien
Ganz pragmatisch ist dagegen der Untertitel: „Was Sie wissen müssen, um
mit Chinesen erfolgreich Geschäfte zu machen“. Und genau darauf ist der
Inhalt zugeschnitten. Das Buch beginnt mit einem sehr kurzen
historischen Überblick, es folgt eine knappe Darstellung des
wirtschaftspolitischen Umfelds sowie kultureller Besonderheiten wie etwa
Zahlen- und Farbsymbolik, die im Hinblick auf geschäftliche
Zusammenarbeit relevant sind. Zwei ausführliche Kapitel behandeln
Personalmanagement und Verhandlungsführung. Der Autor betont immer
wieder, dass ein Buch wie „China.de“ nicht als Ersatz für ein
interkulturelles Training und konkrete Erfahrung dienen kann. Aber die
Lektüre hilft einem China-Laien, eine realistische Einschätzung dessen
zu erreichen, was ihn erwartet. Außerdem stattet sie ihn mit genügend
Hintergrundwissen aus, um einen Abend lang Smalltalk zu führen und
Peinlichkeiten zu vermeiden.

Maßgeschneidert auf die Zielgruppe
Der Autor, selbst Sinologe mit jahrelanger Erfahrung als
interkultureller Berater und Dolmetscher, erweist sich als Experte
sowohl für chinesische Kultur als auch für die speziellen Probleme
deutscher Firmen in der Zusammenarbeit mit Chinesen. Er betont vor allem
die Notwendigkeit des Respekts vor der chinesischen Seite. Die
Darstellungen sind prägnant formuliert und durch Grafiken
veranschaulicht. Der Autor vermeidet es jedoch, Zahlen zu nennen, da
diese schnell veralten oder wenig Aussagekraft besitzen, und verweist
lieber auf entsprechende Informationsquellen, die in einer kurzen
Bibliographie im Anhang zusammengestellt sind. In den meisten Kapiteln
werden wichtige Inhalte am Ende noch einmal stichpunktartig aufgelistet.
Dass der Autor historische Hintergründe extrem gerafft darstellt und
fast keine Schriftzeichen verwendet, dient dem Zweck des Buches. Es ist
maßgeschneidert auf seine Zielgruppe, deutsche Manager, die keine Zeit
haben, sich eingehender mit China zu beschäftigen. Als einzigen
wirklichen Kritikpunkt könnte man vielleicht das stellenweise etwas
schlampige Layout anführen.

Lesenswert für Sinologen?
„China.de“ richtet sich nicht an Sinologen. Trotzdem sollte es aus zwei
Gründen unsere Beachtung finden. Erstens: Wer einen Chef des oben
genannten Profils hat, kann ihm dieses Buch guten Gewissens empfehlen.
Neben der Sensibilität für interkulturelle Unterschiede betont Manuel
Vermeer nämlich insbesondere die außergewöhnlichen Schwierigkeiten beim
Übersetzen zwischen Chinesisch und Deutsch. Nach der Lektüre wird der
Vorgesetzte hoffentlich besser verstehen, warum der Praktikant aus der
Sinologie blass wird, wenn er „mal eben dolmetschen“ soll. Zweitens: Wer
während der Arbeit oder eines Praktikums deutschen Mitarbeitern China
näher bringen soll, kann sich bei „China.de“ nützliche Anregungen holen.
Nicht zuletzt, da wir Sinologen ja viel über Chinesen wissen, aber
möglicherweise wenig über deutsche Manager.

Laura Jehl

 

Manuel Vermeer
China.de – Was Sie wissen müssen, um mit Chinesen erfolgreich Geschäfte zu machen
2., üsberarbeitete Auflage 2007, gebunden
192 Seiten – Gabler
ISBN: 978-3-8349-0566-6
EUR 39,90

 

 

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