{"id":203,"date":"2007-01-01T12:00:00","date_gmt":"2007-01-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2007\/01\/01\/newsletter-januar-2007-nr-7\/"},"modified":"2026-05-20T18:37:38","modified_gmt":"2026-05-20T17:37:38","slug":"newsletter-januar-2007-nr-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2007\/01\/01\/newsletter-januar-2007-nr-7\/","title":{"rendered":"Newsletter Januar 2007 Nr. 7"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"Inhalt\" name=\"Inhalt\">INHALT<\/a><\/h2>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_Magisterfeier\">\n\tMagisterfeier<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tAm 09. Februar veranstaltet SHAN zusammen mit dem Institut eine Magisterfeier f\u00fcr alle Absolventen des Instituts f\u00fcr Sinologie seit dem Sommersemester 2005!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tWir haben ein kleines Programm organisiert und freuen uns auf Ihr kommen. Falls Sie von uns keine Einladung bekommen haben und zwischen dem SS2005 und dem WS2006\/07 euren Abschlu\u00df in moderner oder klassischer Sinologie abgelegt habt, meldet euch bitte umgehend bei uns! Vielen Dank!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tZeit: 19:30 Uhr<br \/> \tOrt: Institut f\u00fcr Sinologie, Akademiestra\u00dfe 4-8, Heidelberg, Raum 136 im 1. Stock<\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_Sinologenwerdengebraucht\">\n\t\u201eSinologen werden gebraucht&#8220;<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\u201eUnd was willst du nach dem Studium dann damit anfangen?\u201c \u2013 diese Frage m\u00fcssen sich auch Sinologiestudenten h\u00e4ufig von sorgenvollen Eltern, Verwandten und Freunden anh\u00f6ren. Die Veranstaltungsreihe \u201eSinologen in den Beruf\u201c (SiB), die von SHAN in Gemeinschaftsarbeit mit der Fachschaft durchgef\u00fchrt wird, soll helfen, Antworten auf diese Frage zu finden. Zuletzt im Rahmen einer dreit\u00e4gigen Exkursion nach Berlin, bei der sich 18 Heidelberger Sinologiestudenten vom Zweitsemester bis zum Magistranden \u00fcber verschiedenste Berufswege informieren konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDie Eltern k\u00f6nnen beruhigt sein, denn der Grundtenor ist positiv: Sinologen werden gebraucht. Vom Bundestagsabgeordneten bis zum Bibliothekar stehen viele Berufswege offen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#1\"><strong>&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Artikel<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_Wirhabennichtsmehrzuverl\">\n\t&#8222;Wir haben nichts mehr zu verlieren&#8220;<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tProf. Dr. Jhy-Wey Shieh ist Taiwans Repr\u00e4sentant und Quasi-Botschafter in Deutschland. Neben seiner T\u00e4tigkeit als Germanistikprofessor engagierte er sich seit den achtziger Jahren politisch, organisierte Wahlk\u00e4mpfe, schrieb Reden und war Moderator einer Talkshow im Fernsehen. SHAN sprach mit ihm \u00fcber seine Arbeit, die taiwanische Innenpolitik und China.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#2\"><strong>&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Interview<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_Rezension:ZurLagederChin\">\n\tRezension: &#8222;Zur Lage der Chinesischen Bauern: Eine Reportage.&#8220; von Chen Guidi und Wang Chuntao<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tFalls China im Jahre 2099 das einflussreichste Buch des Jahrhunderts w\u00e4hlen sollte, wird &#8222;Zhongguo nongmin diaocha&#8220; es ganz sicher auf die Kandidatenliste schaffen. Jetzt ist das Werk nun auch in deutscher Sprache bei Zweitausendeins erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#3\"><strong>&gt;&gt; zur vollst\u00e4ndigen Rezension<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_Rezension:DerChina-Knigg\">\n\tRezension: &#8222;Der China-Knigge. Eine Gebrauchsanweisung f\u00fcr das Reich der Mitte.&#8220; von Yu-Chien Kuan und Petra H\u00e4ring-Kuan<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tWas hat es mit dem langen Fingernagel am kleinen Finger mancher chinesischer M\u00e4nner auf sich? Wieso ist es lustig, wenn M\u00e4nner eine gr\u00fcne M\u00fctze tragen? Wie ist die Sitzordnung bei einem offiziellen Abendessen? Antworten auf diese Fragen findet der Leser im fl\u00fcssig geschriebenen &#8222;China-Knigge&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#4\"><strong>&gt;&gt; zur vollst\u00e4ndigen Rezension<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_DGANachwuchstagungAsienf\">\n\tDGA Nachwuchstagung Asienforschung im Dezember 2006<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tSeit vielen Jahren gibt es in der angels\u00e4chsischen Wissenschaft die Tradition der &#8222;postgraduate workshops&#8220; bzw. der &#8222;postgraduate conferences&#8220;. Das sind Tagungen und Workshops, die gezielt Magistranden und Doktoranden ein Forum bieten, auf dem sie ihre Arbeiten vorstellen und diskutieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tEine solche M\u00f6glichkeit bot auch die Nachwuchstagung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Asienkunde, die letzten Dezember im idyllischen Schloss Buchenau bei Fulda stattfand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#5\"><strong>&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Bericht<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_DerHelddesXianZwischenfa\">\n\tDer Held des Xi&#8217;an Zwischenfalls starb auf Hawaii &#8211; General Zhang Xueliang (1901-2001)<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tVor 70 Jahren, am 12. Dezember 1936, wurde der F\u00fchrer der Nationalen Volkspartei (Kuomintang\/KMT), ,Generalissimo&#8216; Chiang Kai-shek, von seinen eigenen Gener\u00e4len in Xi&#8217;an festgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tIm Mittelpunkt der Aktion stand Zhang Xueliang, der Sohn des ber\u00fcchtigten Warlords Zhang Zuolin. Der Vater, der in den zwanziger Jahren die Mandschurei beherrschte, war 1928 einem japanischen Attentat zum Opfer gefallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#6\"><strong>&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Artikel<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_DieKonferenzderEuropeanA\">\n\tDie Konferenz der European Association of Chinese Studies (EACS) in Slowenien<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tVor genau dreissig Jahren fand in Paris &#8211; zur gleichen Zeit als Mao Zedong in der chinesischen Hauptstadt starb (1976) &#8211; die erste Tagung der kurz zuvor neu organisierten EACS statt. Aus einem kleinen Verein, dem vor allem klassische Sinologieprofessoren angeh\u00f6rten, ist inwischen eine gro\u00dfe Organisation mit etwa 700 Mitgliedern geworden. Nach der erfolgreichen Tagung in Heidelberg vor zwei Jahren (August 2004) fand nun in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana die 16. Tagung der EACS statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#7\"><strong>&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Artikel<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"1\" name=\"1\"><span id=\"parent-fieldname-title\">\u201eSinologen werden gebraucht\u201c <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\u201eUnd was willst du nach dem Studium dann damit anfangen?\u201c \u2013 diese Frage m\u00fcssen sich auch Sinologiestudenten h\u00e4ufig von sorgenvollen Eltern, Verwandten und Freunden anh\u00f6ren. Die Veranstaltungsreihe \u201eSinologen in den Beruf\u201c (SiB), die von SHAN in Gemeinschaftsarbeit mit der Fachschaft durchgef\u00fchrt wird, soll helfen, Antworten auf diese Frage zu finden. Zuletzt im Rahmen einer dreit\u00e4gigen Exkursion nach Berlin, bei der sich 18 Heidelberger Sinologiestudenten vom Zweitsemester bis zum Magistranden \u00fcber verschiedenste Berufswege informieren konnten. Die Eltern k\u00f6nnen beruhigt sein, denn der Grundtenor ist positiv: Sinologen werden gebraucht. Vom Bundestagsabgeordneten bis zum Bibliothekar stehen viele Berufswege offen.<\/p>\n<p> \t\tDie Exkursion begann mit einem Termin bei Thomas Gerberich, Ostasienreferent im Ausw\u00e4rtigen Amt, einem Traumberuf f\u00fcr viele Sinologiestudenten. Der studierte Sinologe schilderte seine \u00fcberaus vielf\u00e4ltigen Karriere beim Ausw\u00e4rtigen Amt, die ihn \u00fcber Europa und Afrika schlie\u00dflich an die Konsulate in Guangzhou und Chengdu und schlie\u00dflich wieder zur\u00fcck nach Deutschland f\u00fchrte. Auf die Frage, worin deutsche Unterst\u00fctzung f\u00fcr China in Zukunft bestehen sollte, antwortet Gerberich: \u201eDie Entwicklungshilfe f\u00fcr China muss ge\u00e4ndert werden. Man sollte sich mehr auf Menschenrechts- und Rechtsprogramme konzentrieren, in dem chinesische Anw\u00e4lte in Seminaren erfolgreich ausgebildet werden\u201c. Er betont den starken wirtschaftlichen Auftrieb und die Devisenreserven in China: \u201eDer Status Chinas als Entwicklungsland sollte aberkannt werden!\u201c Nur indem Menschenrechtsfragen durch ausl\u00e4ndische Gespr\u00e4chspartner immer wieder thematisiert werden, k\u00f6nne die chinesische F\u00fchrung dazu gebracht werden, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Gerberichs tiefes Verst\u00e4ndnis der chinesischen Verh\u00e4ltnisse zeigt die Bedeutung sinologischer Kompetenz f\u00fcr den ausw\u00e4rtigen Dienst in China. Besonders hellh\u00f6rig wurden die Teilnehmer, als Gerberich darauf hinwies, dass in mehreren Bereichen des Amtes bereits Chinawissenschaftler im Einsatz sind. Sinologie ist hier kein Fremdwort. Wer sich allerdings einen Platz im Ausw\u00e4rtigen Amt erhofft, muss ein anspruchsvolles Auswahlverfahren durchlaufen, nur ein kleiner Teil der Bewerber wird genommen. Au\u00dfer fachlichem Wissen kommt es vor allem auf Flexibilit\u00e4t und Belastbarkeit an. Bewerbungen um Praktika seien immer erw\u00fcnscht und auch oft erfolgreich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDass Sinologen Perspektive haben, wird auch in der Diskussionsrunde mit Fritz Kuhn, dem Fraktionsvorsitzenden und au\u00dfenpolitischen Sprecher der Gr\u00fcnen, deutlich: \u201eSinologen werden gebraucht. Der Bedarf ist riesengro\u00df, wenn die Ausbildung breit angelegt ist\u201c, sagt er im Hinblick auf die wachsende Bedeutung Chinas. Sprache sollte nicht die einzige Kompetenz sein, sondern auch das Wissen in anderen Fachgebieten ist f\u00fcr die Karriere als Sinologe wichtig. Wie Gerberich \u00e4u\u00dferte sich auch Kuhn kritisch zu den Menschenrechtsverletzungen in der Volksrepublik. Auf die Frage nach der Unterst\u00fctzung Taiwans von deutscher Seite, wei\u00df Kuhn: \u201eGute Beziehungen zu China sind im deutschen Interesse, dahinter muss die normative Unterst\u00fctzung von Taiwan als Demokratie zur\u00fcckstehen.\u201c Er r\u00e4umte ein, dass auch eine Partei wie die Gr\u00fcnen, die von ihren Urspr\u00fcngen her ideelle Grunds\u00e4tze habe, reale Bedingungen anerkennen und sich diesen anpassen m\u00fcsse.<\/p>\n<p> \t\tIm Berlinb\u00fcro der franz\u00f6sischen Nachrichtenagentur AFP gab Mathias Heine, Ressortleiter f\u00fcr Multimedia- und Infografik einen ausf\u00fchrlichen Einblick in die Arbeit und die Abl\u00e4ufe in einer Presseagentur. Heine sieht f\u00fcr Geisteswissenschaftler generell und f\u00fcr Sinologen im Speziellen auf Grund von deren Flexibilit\u00e4t gute Chancen. Er schildert jedoch auch die in letzter Zeit sehr angespannte Jobsituation im journalistischen Arbeitsumfeld und betont, wie wichtig verschiedene Praktika f\u00fcr den erfolgreichen Berufseinstieg seien.<\/p>\n<p> \t\tNicht zuletzt mit Blick auf die wissenschaftliche Seite der Sinologie war auch ein Besuch in der Staatsbibliothek Teil des Programms. Der Leiter der Ostasienabteilung, Matthias Kaun, erl\u00e4uterte Geschichte und Arbeitsweise einer der wichtigsten deutschen Bibliotheken. Er wies insbesondere auf die umfangreichen Onlinedatenbanken der Ostasienabteilung hin, die im Rahmen der Institute deutschlandweit kostenfrei genutzt werden k\u00f6nnen. Der Bibliothekar berichtete au\u00dferdem \u00fcber seine berufliche Laufbahn, die ihn nach seinem Sinologiestudium zun\u00e4chst als Referendar an die Bibliotheksschule in M\u00fcnchen und schlie\u00dflich nach Berlin f\u00fchrte. Als weiteres Beispiel f\u00fcr eine erfolgreiche Sinologin im Bereich Bibliothekswesen nannte er Claudia Lux. Die promovierte Sinologen ist Generaldirektorin der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Heute fungiert sie au\u00dferdem als Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes und als Pr\u00e4sidentin des Weltverbandes der Bibliotheken.<\/p>\n<p> \t\tDen Abschluss der Berlinfahrt bildete die Besichtigung des Museums f\u00fcr Ostasiatische Kunst in Dahlem. F\u00fcr die Heidelberger Studierenden bot der Besuch in Berlin nicht nur ein abwechslungsreiches Programm, sondern vor allem einen informativen und motivierenden Einblick in die Berufswelt. Dank gilt an dieser Stelle vor allem Fabian L\u00fcbke f\u00fcr die Organisation der Berlin-Fahrt.<\/p>\n<p> \t\tKathrin Achenbach und Laura Jehl<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"2\" name=\"2\"><span id=\"parent-fieldname-title\">\u201eWir haben nichts mehr zu verlieren\u201c <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tProf. Dr. Jhy-Wey Shieh ist Taiwans Repr\u00e4sentant und Quasi-Botschafter in Deutschland. Er kam als Quereinsteiger in den diplomatischen Dienst. Neben seiner T\u00e4tigkeit als Germanistikprofessor engagierte er sich seit den achtziger Jahren politisch, organisierte Wahlk\u00e4mpfe, schrieb Reden und war Moderator einer Talkshow im Fernsehen. SHAN sprach mit ihm \u00fcber seine Arbeit, die taiwanische Innenpolitik und China.<\/p>\n<p> \t<strong>Sie haben mehrere Jahre auch in Deutschland studiert und sind Germanistikprofessor. Wie kamen Sie dazu, Deutsch zu studieren und warum haben Sie sich f\u00fcr Deutschland entschieden?<\/strong><\/p>\n<p> \tIn Taiwan musste man zu meiner Zeit, das war 1973, einer Aufnahmepr\u00fcfung an der Universit\u00e4t unterziehen, bevor man das Zeugnis, gleichbedeutend dem Abitur erlangt. Ich habe die Pr\u00fcfung zwar bestanden, war aber nicht so gut, so dass mein erster Wunsch, Englisch, nicht ber\u00fccksichtig werden konnte. Ich habe also nicht Deutsch gew\u00e4hlt, sondern Deutsch hat mich gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p> \t<strong>Sie waren in den achtziger Jahren in der Demokratisierungs- und in der Studentenbewegung sehr aktiv. Was war f\u00fcr Sie die Motivation, sich dort zu engagieren?<\/strong><\/p>\n<p> \tDaran ist Deutschland schuld. Als ich 1982 als DAAD-Stipendiat hierher kam, kannte ich keinen Unterschied zwischen Partei, Regierung und Staat. Alle diese Begriffe waren f\u00fcr mich ein und dasselbe. Ich wurde so erzogen, dass es keinen Unterschied daf\u00fcr geben kann.<br \/> \tAls ich nach Deutschland kam, habe ich pl\u00f6tzlich mit eigenen Augen gesehen, dass erstens die Regierung kritisierbar ist, zweitens sie sich verteidigen muss und drittens dass die jetzige Regierung eine Opposition erlaubt und die Opposition die M\u00f6glichkeit hat, an die Macht zu kommen. Das sind alles Dinge, die uns unbekannt waren. Als ich nach Hause kam und an der Universit\u00e4t anfing zu arbeiten, habe ich mir gesagt: alles was ich jetzt erlebe und was ich in meiner Kindheit erlebt habe, dagegen m\u00f6chte ich k\u00e4mpfen. Ich hab es sehr bedauert, dass ich mich bis dahin nicht im Geringsten daf\u00fcr interessiert habe.<\/p>\n<p> \t<strong>Die urspr\u00fcngliche Demokratisierungsbewegung war auch eine sehr idealistische Bewegung und hat unter anderem die Korruption der KMT angeprangert. Der jetzige Pr\u00e4sident aus der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) und seine Frau, die aus dieser Bewegung hervorgegangen sind sehen sich massiven Korruptionsvorw\u00fcrfen ausgesetzt. Sind Sie als Mitglied dieser Bewegung entt\u00e4uscht?<\/strong><\/p>\n<p> \tNein, und zwar aus den folgenden Gr\u00fcnden: Solange sich die KMT nicht entschuldigt f\u00fcr das was sie den Taiwanern angetan haben &#8211; also viele hingerichtet, ermordet und ins Gef\u00e4ngnis gebracht -, ist die beste KMT immer noch schlechter als die schlimmste DPP. Ich kenne viele Menschen, die unter der KMT gelitten haben, angefangen mit dem Massaker 1947 bis in die achtziger Jahre hinein. Wenn man die Opfer dieses Zeitraums zusammenz\u00e4hlt, sind da ein Drittel der taiwanischen Bev\u00f6lkerung direkt oder indirekt betroffen. Ohne diese Einsicht wird es in Taiwan nie eine richtige Vers\u00f6hnung geben und das ist das Problem.<br \/> \tZudem ist die KMT nach der Demokratisierung Taiwans immer noch die reichste Partei. Warum? Weil sie von den Japanern viel Eigentum, Unternehmen und Grundst\u00fccke direkt \u00fcbernommen haben, die die Japaner wiederum den Taiwanern genommen hatten. Das ist Eigentum, das eigentlich wieder zur\u00fcckgegeben werden sollte an die Republik China auf Taiwan und nicht in den H\u00e4nden der KMT bleiben d\u00fcrfte. Weder das eine noch das andere hat die KMT eingesehen. Die KMT ist heute immer noch so gut ausgestattet, dass sie in vielen Wahlk\u00e4mpfen von vorneherein die gr\u00f6\u00dften Siegeschancen hat &#8211; das ist einfach unfair.<\/p>\n<p> \t<strong>Es ging mir auch nicht darum, das zu vergleichen, sondern eher darum, dass Chen Shuibian und die DPP urspr\u00fcnglich f\u00fcr \u201eclean politics\u201c standen.<\/strong><\/p>\n<p> \tJa, viele von damals, wir sind entt\u00e4uscht \u2013 und zwar entt\u00e4uscht nicht von ihm selbst, sondern durch diesen faux pas. Die jetzige F\u00fchrung h\u00e4tte doch einsehen m\u00fcssen, dass viele Regeln, die f\u00fcr die KMT gegolten haben jetzt nicht mehr gelten d\u00fcrfen. Der Pr\u00e4sident hat, das kommt aus der KMT-Zeit, Aufgaben im Bereich der Geheimdiplomatie. Als die KMT an der Macht war, musste man keine Rechnungen oder Quittungen daf\u00fcr abgeben und man brauchte keine Rechenschaft abzulegen. Von Chen Shuibian wurde eben verlangt, was vorher unter der KMT nicht der Fall war. Bisher ist au\u00dferdem noch nicht bewiesen, dass er oder seine Frau das Geld in eigene Taschen gewirtschaftet h\u00e4tten.<\/p>\n<p> \t<strong>Seit den letzten Wahlen spricht man von einer gegenseitigen Blockade der beiden Lager im Parlament \u2013 sehen Sie die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Blockade bei den Parteien oder im politischen System verankert?<\/strong><\/p>\n<p> \tBeides. Allerdings ist es keine gegenseitige Blockade, denn es wird nicht gegenseitig blockiert, sondern geht ja nur von der KMT aus. Die haben schlie\u00dflich die Mehrheit im Parlament. Ein Beispiel ist der Waffeneinkauf bei den Amerikanern: das sind Einkaufspl\u00e4ne, die die KMT vor l\u00e4ngerer Zeit ins Parlament eingebracht hat. Jetzt ist sie nicht mehr an der Macht und sagt, das seien unn\u00f6tige Dinge.<br \/> \tDas dr\u00e4ngendere aktuelle Problem sehe ich aber eher darin, dass die KMT nach zwei Wahlniederlagen damit begonnen hat, mit den Kommunisten zu lieb\u00e4ugeln. Ein Beispiel ist der ehemalige Vorsitzende Lian Zhan, der nach der Verabschiedung des Anti-Abspaltungsgesetzes zwei Tage sp\u00e4ter aufs Festland gereist ist, die Demokratie von Taiwan beschimpft hat und &#8211; das kann ich ihm nicht verzeihen &#8211; die Kommunisten in der Verabschiedung des Anti-Abspaltungsgesetzes best\u00e4tigt hat. Das verbindet die KMT und die Kommunistische Partei Chinas: die sehen in der Demokratisierung haupts\u00e4chlich eine zu verdammende taiwanische Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung und leider nicht eine Demokratisierung.<\/p>\n<p> \t<strong>Ein Punkt, der auch in Deutschland kontrovers diskutiert wird ist die Frage, inwieweit die wirtschaftliche \u00d6ffnung auch eine graduelle politische Liberalisierung nach sich ziehen wird. Sehen Sie eine solche Entwicklung derzeit in China?<\/strong><\/p>\n<p> \tIn diesem Fall w\u00fcrde ich dem deutschen Spruch \u201eWandel durch Handel\u201c nicht zustimmen. Das ist nur bis zu einem gewissen Grad korrekt, aber ich glaube nicht, dass ein solcher Spruch im Kern der Sache korrekt ist. Die Realit\u00e4t sieht einfach anders aus, als man sich das in Deutschland oder Europa w\u00fcnscht. Die chinesische Regierung sieht sich dadurch best\u00e4tigt, dass die ganze Welt vor ihr einen Kotau macht, damit man Gesch\u00e4fte machen und Markanteile erringen kann. Selbst wenn der Wunsch nach Wandel durch Handel im Hintergrund eine Rolle spielen mag \u2013 wenn man sich anschaut, wie deutsche Unternehmer und Politiker auf die innenpolitischen Entwicklungen in China reagieren, da sehe ich keine Grundlage f\u00fcr einen solchen Spruch. Obwohl unabh\u00e4ngig davon ich der Ansicht zustimme, dass allein durch den Kontakt mit dem Ausland China schon seine T\u00fcr f\u00fcr Liberalisierung oder Demokratisierung auch ungewollt etwas ge\u00f6ffnet hat.<\/p>\n<p> \tWie <strong>wichtig ist Japan f\u00fcr die Sicherheit Taiwans?<\/strong><\/p>\n<p> \tJapan ist f\u00fcr Taiwan insofern wichtig, als dass es f\u00fcr Taiwan einer der wichtigsten Handelspartner ist. Zudem ist Japan f\u00fcr die USA wichtig geworden, weil die Japaner sich ziemlich gut mit dem aufstrebenden Nationalismus in China auskennen. Japan hat fr\u00fcher Taiwan kolonialisiert und es gibt verschiedene M\u00f6glichkeiten, sich daf\u00fcr zu entschuldigen. Sie haben sich nie richtig offiziell entschuldig, weder gegen\u00fcber China, noch gegen\u00fcber Taiwan. Eines haben Sie aber gemacht als Ersatz f\u00fcr diese Entschuldigung: die Japaner sch\u00e4tzen die Demokratisierung Taiwans nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten. Sie machen das besser als viele in Europa, auch wenn Japan Taiwan nicht als selbst\u00e4ndigen Staat anerkennt.<br \/> \tMan darf ebenso nicht \u00fcbersehen, wie wichtig Taiwan f\u00fcr Japan ist. Das Regime in Peking hat keine Demokratie, und dieses Regime holt sich seine Legitimit\u00e4t von der Macht. Wenn Taiwan in die H\u00e4nde von chinesischen Kommunisten f\u00e4llt, w\u00fcrden sie diesen Zuwachs von Macht derart ausnutzen, dass es keinesfalls zum Frieden oder zur Sicherheit in der Region beitragen wird. Im Gegenteil, Taiwan hat eine geografische Schl\u00fcsselposition. Die ganze K\u00fcste und wichtige Handelswege w\u00fcrde ununterbrochen unter Chinas Kontrolle geraten, und das w\u00e4re ganz schlecht f\u00fcr Japan, aber eigentlich auch f\u00fcr die gesamte Region.<\/p>\n<p> \t<strong>Wie chinesisch ist Taiwan Ihrer Ansicht nach?<\/strong><\/p>\n<p> \tKulturell ist Taiwan immer noch zu 80% Chinesisch, wenn nicht noch mehr. Aber politisch sind wir Taiwan und China. Taiwan ist kein Teil von China, auch wenn die ganze Welt davon offiziell ausgeht.<br \/> \tZudem muss man eigentlich von den Kommunisten, nicht von China sprechen. Das ist ein Unterschied. Die Chinesen sind unsere Schwestern und Br\u00fcder, in Peking sitzt f\u00fcr mich eine Fremdherrschaft. Wir Taiwaner sind bedroht von diesem kommunistischen Regime und nicht weniger die Chinesen auch. Sie haben sicherlich mitbekommen, dass vor einem Monat mehrere Tibeter, die China in Richtung Indien verlassen wollten, einfach so erschossen wurden. Die bringen rund um die Uhr fast jeden Tag einen Regimekritiker ins Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p> \t<strong>Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der BRD und Taiwan sind recht eng. Gleichzeitig unterliegt die deutsche Au\u00dfenpolitik gegen\u00fcber Taiwan strengen Beschr\u00e4nkungen. Worin sehen Sie die gravierendsten M\u00e4ngel?<\/strong><\/p>\n<p> \tWirtschaftlich und kulturell gibt es absolut keine Probleme, obwohl China immer versucht hat, jeden Kontakt zwischen Deutschland und Taiwan zu vereiteln. Zum Gl\u00fcck gelingt es nicht immer, aber manchmal schon. Zum Beispiel d\u00fcrfen wir nicht im Namen der \u201eRepublic of China\u201c auftreten, ebenso aber auch nicht im Namen von Taiwan. Wir d\u00fcrfen keinen Namen haben, wenn schon, dann Konstrukte wie \u201eChinese Taipeh\u201c. Nach dem Wunsch des chinesischen Botschafters in Deutschland m\u00fcsste ich sagen: ich bin der Repr\u00e4sentant von Chinese Taipeh. Das finde ich ein wenig \u00fcbertrieben. Auf meiner Visitenkarte habe ich daher geschrieben: ich bin Repr\u00e4sentant von Taiwan, auch wenn die Botschaft Taipehvertretung hei\u00dft \u2013 das ist doch Quatsch! Wird Kaoshiung dann etwa nicht vertreten? Selbst wenn es irgendwann eine Vereinigung geben sollte: Man darf von einer Frau auch erst nach der Hochzeit verlangen, den Namen des Ehemanns zu tragen, nicht vorher. Da macht Deutschland mit, wir d\u00fcrfen nicht den Namen Taiwan benutzen. Ich spreche in Deutschland auch Politikern gegen\u00fcber immer von Taiwan und ich merke, dass das denen \u00fcberhaupt nicht mehr auff\u00e4llt.<\/p>\n<p> \t<strong>Das wird nicht als provokant aufgefasst von ihren deutschen Gespr\u00e4chspartnern?<\/strong><\/p>\n<p> \tDie sprechen alle selber von Taiwan. Keiner sagt: ich habe Chinese Taipeh besucht, alle sagen selbstverst\u00e4ndlich: ich war in Taiwan.<br \/> \tDennoch gibt es ganz klare Vorraussetzungen, die wir nicht \u00fcberschreiten d\u00fcrfen. Ich zum Beispiel darf nicht eingeladen werden von Au\u00dfenminister Steinmeier oder seinem Stellvertreter, ich bin nicht akkreditiert worden und f\u00fchre eigentlich als Diplomat eine Schattenexistenz. Dennoch habe ich direkten Zugang zum Ausw\u00e4rtigen Amt, aber offiziell auch da nur bis zum Asienbeauftragten, nicht dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p> \t<strong>Sie haben eben davon gesprochen, dass man sich als Vertreter Taiwans oft in der Rolle des Bittstellers wieder findet. Woraus sch\u00f6pfen Sie Ihre Motivation, ist das nicht auch ein sehr frustrierender Job?<\/strong><\/p>\n<p> \tNicht immer. Ich kenne Deutschland gut und glaube behaupten zu d\u00fcrfen, es einigerma\u00dfen zu kennen. Deutschland hat, nachdem es im 20. Jahrhundert einen so hohen Preis gezahlt hat, den Anspruch, zum Frieden in der Welt beizutragen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Deutschen sich wirklich mit dem System von China identifizieren k\u00f6nnen, mit einem System, das keine zweite Partei zul\u00e4sst und Andersdenkende ins Gef\u00e4ngnis bringt. Viele Leute in Deutschland sind ja nicht gegen Taiwan, sondern eben f\u00fcr China und keiner glaubt, dass das ein demokratisches System ist. Das bedeutet, die Deutschen haben seit der Demokratisierung Taiwans ein schlechtes Gewissen gegen\u00fcber uns. Auf dieses schlechte Gewissen muss man best\u00e4ndig ansprechen.<br \/> \tFrustrierend ist das also weniger, eher entt\u00e4uschend. Aber wenn man bedenkt, dass die au\u00dfenpolitische Lage von Taiwan bereits derart schlecht ist, dann hat man nichts mehr zu verlieren. Man kann nur noch etwas hinzu gewinnen. Au\u00dferdem besteht Deutschland ja nicht nur aus Politikern, und es macht auch nicht jeder Deutsche Gesch\u00e4fte mit China. Ich bin immer vielen Menschen begegnet, die mir sagen: ich kann mich nicht damit identifizieren, wie Deutschland mit Taiwan umgeht.<\/p>\n<p> \t<strong>2008 finden die Olympischen Spiele in China und Pr\u00e4sidentschaftswahlen in Taiwan statt. Wie werden sich diese beiden Ereignisse auf die Beziehungen auswirken?<\/strong><\/p>\n<p> \tIch glaube nicht, dass damit eine Gefahr f\u00fcr Taiwan ausgeht. Die n\u00e4chsten Pr\u00e4sidentschaftswahlen haben eine gro\u00dfe Relevanz. Gewinnt die KMT, dann wird sie sich bei den Kommunisten anbiedern und Zugest\u00e4ndnisse machen. Ma Yingjiu, der Vorsitzende der KMT hat gesagt: Wenn sie keine Gewalt anwenden, dann wird es keine Unabh\u00e4ngigkeit geben. Das halte ich f\u00fcr Unsinn, denn dass Gewalt als L\u00f6sung angesehen wird, ist von vorneherein zu verdammen. Die Unabh\u00e4ngigkeit jedoch ist unser gutes Recht, auch wenn wir einsehen, dass wir das in den n\u00e4chsten Jahren nicht schaffen werden.<br \/> \tDennoch, auch wenn die KMT die Wahlen gewinnt, muss die KMT aufpassen, wenn sie Frieden mit dem kommunistischen Regime schlie\u00dfen will. Was sagen sie sonst den Dissidenten, zu den Tibetern, zu jedem Demokraten in China? Die Deutschen und die Europ\u00e4er, die k\u00f6nnen das Regime anerkennen, das ist deren Sache. Aber wir Taiwaner d\u00fcrfen nicht als normal betrachten, was sich in China abspielt. Wir werden uns wohl nicht f\u00fcr unabh\u00e4ngig erkl\u00e4ren, aber ich w\u00fcrde nie mein Recht aufgegeben, zum Beispiel mit chinesischen Dissidenten zusammenzuarbeiten. Nicht um das Land ins Chaos zu st\u00fcrzen, sondern um China zur Demokratie zu zwingen.<br \/> \tWenn die DPP 2008 noch mal best\u00e4tigt wird, dann muss das chinesische Regime einsehen, dass das Volk zum dritten Mal eine Partei gew\u00e4hlt hat, der man immer aus dem Weg gegangen ist. Das kann sich das Regime dann nicht mehr leisten und sich dazu zu bequemen, mit der DPP ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Ich w\u00fcrde mir sehr w\u00fcnschen, dass es einen Dialog zwischen Taiwan und China gibt. Aber ebenso, wie von taiwanischer Seite sowohl Leute von der DPP als auch von der KMT kommen w\u00fcrden, m\u00fcssen von chinesischer Seite auch mehr Leute als nur von der KPCh kommen. Da m\u00fcssen auch andere Stimmen beteiligt sein, so dass man wirklich \u00fcber eine gemeinsame Zukunft sprechen und diese gemeinsam gestalten kann.<\/p>\n<p> \t<strong>Das w\u00fcrde bedeuten, dass die KPCh ihren Alleinvertretungsanspruch aufgegeben m\u00fcsste. Wie real sch\u00e4tzen Sie die Chancen daf\u00fcr ein?<\/strong><\/p>\n<p> \tDie KMT hat sich in den vergangenen 50 Jahren nie einverstanden erkl\u00e4rt, ihre Alleinherrschaft aufzugeben. Die haben 40 Jahre lang ohne Kompromisse regiert. Und warum haben die dann mitgemacht? Die wurden dazu gezwungen \u2013 von der taiwanischen Bev\u00f6lkerung, von der Welt au\u00dfen. Genauso, meine ich, muss das auch mit China laufen. Die Europ\u00e4er gehen einen falschen Weg. Wenn Politiker in China sind und von Menschenrechten sprechen, dann meinen sie immer, dieser oder jener Menschenrechtler muss aus dem Gef\u00e4ngnis. Als ob es kein Thema w\u00e4re, dass eine Partei so ein riesiges Land allein vertritt. Grundlage f\u00fcr eine Demokratie ist eine andere Stimme. Ich bin der Meinung, dass eine zweite Partei \u2013 egal ob eine Abspaltung der KPCh oder neugegr\u00fcndet &#8211; irgendwann entstehen wird, die dann die Demokratie ins Rollen bringt.<\/p>\n<p> \t<strong>Herr Prof. Dr. Shieh, wir danken f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p> \tDas Interview f\u00fchrten Wan Li und Benjamin Kemmler.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"3\" name=\"3\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Chen Guidi und Wang Chuntao &#8211; Zur Lage der Chinesischen Bauern: Eine Reportage. <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tFalls China im Jahre 2099 das einflussreichste Buch des Jahrhunderts w\u00e4hlen sollte, wird <em>\u201eZhongguo nongmin diaocha\u201c<\/em> es ganz sicher auf die Kandidatenliste schaffen. Trotz des Verbotes kurz nach dem Erscheinen begegnete einem der grellgelbe Einband, wo immer man sich bewegte: Schwarzmarkth\u00e4ndler boten das Buch vor den Augen der Sicherheitspolizei am Eingang von U-Bahnstationen feil oder verh\u00f6kerten es f\u00fcr einen Euro vor den Universit\u00e4ten der Gro\u00dfst\u00e4dte. Sogar in den Kreisst\u00e4dten des durch das Werk zu trauriger Ber\u00fchmtheit gelangten Nordens der Provinz Anhui zogen Bedienstete der staatlichen Xinhua-Buchl\u00e4den ein Exemplar unter dem Ladentisch hervor, wenn man sie nett darum bat. Jeder Kader scheint das Buch gelesen, jeder andere Bewohner des Landes zumindest schon davon geh\u00f6rt zu haben. Kurz nach dem Erscheinen der englischen \u00dcbersetzung (\u201eWill the boat sink the water?\u201c) ist das Werk unter dem Titel \u201eZur Lage der Chinesischen Bauern \u2013 Eine Reportage\u201c nun auch in deutscher Sprache bei Zweitausendeins erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Anhui als Beispiel f\u00fcr die fortgeschrittene Entfremdung zwischen Staat und Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p> \t\tBekannt wurde das Buch vor allem durch seine ersten vier Kapitel, in denen ausgezeichnet recherchierte und deshalb so schockierende F\u00e4lle von lokaler Despotie, Folter, einem Vizedorfchef im Blutrausch, b\u00e4uerlichem Widerstand und Vertuschungsversuchen h\u00f6herer Ebenen detailliert und gleichzeitig einf\u00fchlsam wiedergegeben werden. Der Leser soll nun aber nicht verleitet sein zu glauben, dass Mord und Totschlag die Realit\u00e4t des b\u00e4uerlichen Lebens in China darstellen, denn die zwei Gr\u00e4ueltaten wurden in einem einzigen Bezirk des armen Nordens der Provinz Anhui in einem Zeitraum von f\u00fcnf Jahren begangen. Diese Geschehnisse stellten jedoch den Endpunkt einer Entwicklung dar, die sich in unterschiedlichen Stadien in vielen chinesischen D\u00f6rfern vollzieht. Der in Kapitel drei geschilderte Steuerboykott, der von den Dorf- und Gemeindefunktion\u00e4ren mit der Verhaftung eines halben Dorfes beantwortet wird, ist Indikator f\u00fcr ein recht fortgeschrittenes Stadium der Entfremdung zwischen Staat und Gesellschaft. Beinahe schon allt\u00e4glich dagegen ist das in Kapitel vier beschriebene Schicksal einer Delegation von Petitenten, deren Marsch durch die Institutionen ebenfalls mit der St\u00fcrmung ihres Dorfes durch die Kreispolizei beantwortet wird.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Hilfe nur m\u00f6glich, wenn Vorf\u00e4lle ans Licht der \u00d6ffentlichkeit gelangen<\/strong><\/p>\n<p> \t\tDie ersten vier Kapitel vermitteln, dass Chinas Bauern fast ohnm\u00e4chtig sind gegen die Willk\u00fcr der lokalen Beh\u00f6rden. Sie zeigen aber auch, dass die sonst recht unt\u00e4tige Zentralregierung zum Eingreifen bewegt werden kann, wenn sie ihre Legitimit\u00e4t gef\u00e4hrdet sieht. Dies war der Fall, als eine Delegation verzweifelter Bauern am Platz des Himmlischen Friedens vor der Landesfahne niederkniete, oder als ein Dorfbewohner sich nicht weit davon entfernt das Leben nahm. Chen und Wang deuten an, dass es nicht unbedingt die vielbeachteten Massenproteste sind, die die Zentralregierung letztlich zum Eingreifen bewegen, sondern h\u00e4ufig die mutigen Taten einzelner Menschen. Sie berichten von Bauern, die drohenden Dem\u00fctigungen und Strafen zum Trotz wieder und wieder nach Peking fuhren und ihre Beschwerden so lange hervorbrachten, bis sie endlich geh\u00f6rt wurden. Besondere Aufmerksamkeit verdient auch die Rolle von Journalisten, die trotz der Versuche der Lokalregierungen, Vorf\u00e4lle zu vertuschen und die Medienberichterstattung zu lenken, F\u00e4lle von Korruption und Rechtsbeugung aufdecken und so in die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit r\u00fccken. Das ist aber nur m\u00f6glich, so vermitteln es zumindest die Autoren, weil die Zentralregierung auf Seiten der Bauern steht und diese gegen die selbsts\u00fcchtigen und korrupten Dorf- und Gemeindekader und die Kreisf\u00fchrung verteidigt.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Lokalkader nicht nur T\u00e4ter, sondern auch Opfer<\/strong><\/p>\n<p> \t\tTrotzdem sind Chen und Chun weit davon entfernt, ein einseitiges Bild der Probleme zu zeichnen. In den Kapiteln f\u00fcnf bis acht, die sich der Frage nach den systemischen Ursachen der die Bauern bedr\u00fcckenden Steuern und Geb\u00fchren widmen, portraitieren sie die Lokalkader nicht nur als T\u00e4ter, sondern auch als Opfer. Nat\u00fcrlich haben die Kader den Kontrollverlust der Zentralregierung \u00fcber die Lokalebene nach den Dezentralisierungsma\u00dfnahmen der Reform- und \u00d6ffnungspolitik seit 1978 ausgenutzt und trotz anderslautender Vorgaben munter \u00fcberfl\u00fcssiges Personal eingestellt. Nat\u00fcrlich haben sie den Verboten der Zentralregierung getrotzt und mit perverser Kreativit\u00e4t immer absurdere Abgaben von den Bauern eingefordert. Auf der anderen Seite aber war die Erhebung solcher Abgaben auch notwendig. Die Steuerreform des Jahres 1994 erh\u00f6hte den Anteil der Zentralregierung am Gesamtsteueraufkommen um \u00fcber 30 Prozent, vor allem auf Kosten der Gemeinden. Gleichzeitig hing die politische Karriere der Gemeindef\u00fchrungen an der Erf\u00fcllung von Vorgaben, die die Zentralregierung ohne Kenntnis des lokalen Kontextes zunehmend \u00fcber die Lokalregierungen des ganzen Landes verh\u00e4ngte. Wie diese teuren Ziele trotz des gerade erw\u00e4hnten Einnahmeverlusts finanziert werden sollten, wurde jedoch nicht geregelt.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Landbewohner tragen Hauptlast der Modernisierung Chinas<\/strong><\/p>\n<p> \t\tWeiterhin legen die Autoren sehr deutlich dar, wie die Modernisierung Chinas von seinen Bauern geschultert wurde. Sie mussten zum einen die St\u00e4dte ern\u00e4hren, zum anderen wurde der im Agrarsektor erwirtschaftete Mehrwehrwert abgezwackt, um die Entwicklung des Industriesektors zu finanzieren. Unter solchen Umst\u00e4nden wirkte die Strategie der Zentralregierung, die Provinzf\u00fchrung f\u00fcr illegale Abgaben auf der Lokalebene in Kollektivschuld nehmen, kontraproduktiv. Sie diente nicht als Anreiz, pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen gegen das Abgabenunwesen einzuleiten, denn es war effizienter, in der Vertuschung solcher F\u00e4lle zu kolaborieren.<\/p>\n<p> \t\t<strong>F\u00fchrungskader haben keine Ahnung von Chinas Landleben<\/strong><\/p>\n<p> \t\tKapital neun bis elf liefern die mit Abstand beste Beschreibung, die es von der Entstehung und Umsetzung der in China als \u201edritte l\u00e4ndliche Revolution\u201c gefeierten l\u00e4ndlichen Steuer- und Abgabenreformen bisher gibt. Das Ziel der Reformen war die signifikante Erh\u00f6hung der Agrarsteuer, wof\u00fcr aber s\u00e4mtliche anderen regul\u00e4ren und irregul\u00e4ren Abgaben bis auf sehr wenige Ausnahmen abgeschafft werden sollten. Trotz der gro\u00dfen Probleme, der sich Anhui durch den Wegfall von Einnahmen vor allem in fiskalischer Hinsicht ausgesetzt sah, wurden die Reformen auf Beschlu\u00df der Zentrale im Jahr 2003 in ganz China implementiert. Chen und Chun st\u00fctzen sich in ihrer beinahe minuti\u00f6sen Beschreibung der Reform vor allem auf interne Dokumente und zahlreiche Interviews und zeigen so, dass wiederum gesellschaftliche Vorreiter eine sehr wichtige Rolle f\u00fcr den Reformprozess spielten. Sie verdeutlichen aber auch den Schritt f\u00fcr Schritt-Charakter der Politikgestaltung (Inkrementalismus) und zeigen, wie wenig sich die F\u00fchrungskader der Lebensumst\u00e4nde im l\u00e4ndlichen China bewusst sind.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Nach dem Wegfall der Agrarsteuer haben sich die Probleme lediglich verlagert<\/strong><\/p>\n<p> \t\tDer Wert der Studie besteht neben ihrer Informationsf\u00fclle und Detailtreue vor allem darin, das Netz der Ursachen aufzuzeigen, in dem die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Belastung der Bauern begr\u00fcndet liegt. In diesem Punkt ist sie auch nach den j\u00fcngsten Reformen, die keinen Einzug mehr in das Buch halten konnten, nach wie vor von gro\u00dfem Wert. Denn obwohl die Agrarsteuer seit Anfang des Jahres abgeschafft und die Vielzahl an Geb\u00fchren stark reduziert wurde, bestehen diese Ursachen fort, die Probleme haben sich lediglich verlagert. Die sich mehrenden Berichte \u00fcber illegale Landenteignungen f\u00fcr kommerzielle Zwecke geben hier\u00fcber beredtes Beispiel.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Das gesamte System krankt<\/strong><\/p>\n<p> \t\tLetztendlich, und das ist wohl der Grund, warum das Buch in China verboten wurde, entlarven Chen und Chun die \u201el\u00e4ndlichen Probleme\u201c als Defizite des gesamten Systems, in dem die Kosten des wirtschaftlichen Aufschwungs und des politischen \u00dcberlebens der Partei von Chinas Bauern geschultert werden. Sie zeigen, dass dieses System von den lokalen Funktion\u00e4ren getragen wird, die damit gleichzeitig die Rollen von Misset\u00e4tern und Opfern, von Feldsoldaten und S\u00fcndenb\u00f6cken tragen. Die Zentralregierung beschr\u00e4nkt sich darauf, Richtliniendokumente zu verabschieden und Petitenten zu empfangen, um sie gleich wieder nach Hause zu schicken. Politische F\u00fchrer r\u00fchren bei ihren Landbesuchen die Bauern mit Versprechungen zu Tr\u00e4nen, doch gehen sie den potemkinschen D\u00f6rfern der Lokalfunktion\u00e4re auf den Leim, die beispielsweise f\u00fcr viel Geld einen Getreidespeicher f\u00fcllen lassen, weil der Premierminister zu Besuch kommt.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Lobenswerte \u00dcbersetzung mit Sch\u00f6nheitsfehlern<\/strong><\/p>\n<p> \t\tHans-Peter Hoffmann legt eine ausgezeichnete \u00dcbersetzung dieses wichtigen Werkes vor. Ihm ist es gelungen, den Text in fl\u00fcssiges, sehr gut lesbares Deutsch zu \u00fcbertragen. Vor allem die geschickte Handhabung der umgangssprachlichen Idiome und Phrasen, mit denen das 460 Seiten lange Original gespickt ist zeigt, dass Hoffmann sein Handwerk versteht. Trotzdem finden sich vereinzelte \u00dcbersetzungsfehler dort, wo Zeichen, Ausdr\u00fccke und vor allem Zahlen leicht zu verwechseln sind. So liegt der Protagonist der l\u00e4ndlichen Steuer- und Abgabereformen nicht im Kreis \u201eWoyang\u201c (S. 362 ff.), sondern in <em>Guoyang<\/em> (das Wort \u201eStrudel\u201c <em>(wo)<\/em> und der Fluss <em>Guo<\/em> in der Provinz Anhui teilen sich ein chinesisches Zeichen), und es war kein \u201eNichtparteimitglied\u201c, \u201edas diese Stinktiere vom Fernsehen geholt hat\u201c, sondern \u201eeinzelne Parteimitglieder\u201c <em>(gebie de dangyuan,<\/em> S. 92, im Original: S. 54). Besonders Milliardenbetr\u00e4ge sind, seltsamerweise nur in der ersten H\u00e4lfte des Buches, oft falsch dargestellt. So lag zum Beispiel die Getreideernte 1960 nicht bei \u201e2.870 Milliarden Pfund\u201c, sondern bei 287 Milliarden Pfund (S. 198; im Original: S. 141), das Defizit der Kreise und Gemeinden im Jahre 1993 betrug nicht \u201e4221 Milliarden Yuan\u201c, sondern 4,221 Milliarden Yuan und stieg bis 1995 nicht auf \u201e82.770 Milliarden Yuan\u201c, sondern auf 82,77 Milliarden Yuan (S. 233, im Original: S. 168). Auch bei den von den Bauern erhobenen Gesamtsteuern (S. 209) m\u00fcssen die Dezimalpunkte durch Kommas ersetzt werden. Dies schm\u00e4lert aber weder den Wert des Werkes noch die ansonsten sehr gelungene \u00dcbersetzung. Wer sich mit dem l\u00e4ndlichen China besch\u00e4ftigt, hat das Buch wahrscheinlich schon gelesen, und f\u00fcr alle anderen, die einen Blick auf die Schattenseite des chinesischen Booms werfen m\u00f6chten, ist es Pflichtlekt\u00fcre.<\/p>\n<p> \t\tChristian G\u00f6bel<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"4\" name=\"4\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Yu-Chien Kuan und Petra H\u00e4ring-Kuan &#8211; Der China-Knigge. Eine Gebrauchsanweisung f\u00fcr das Reich der Mitte. <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tWas hat es mit dem langen Fingernagel am kleinen Finger mancher chinesischer M\u00e4nner auf sich? Wieso ist es lustig, wenn M\u00e4nner eine gr\u00fcne M\u00fctze tragen? Wie ist die Sitzordnung bei einem offiziellen Abendessen?<br \/> \t\tAntworten auf diese Fragen findet der Leser im fl\u00fcssig geschriebenen \u201eChina-Knigge\u201c. Das deutsch-chinesische Ehepaar Petra H\u00e4ring-Kuan und Yu-Chien Kuan vermitteln den Lesern in ihrer \u201eGebrauchsanweisung f\u00fcr China\u201c ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Leben in China und chinesische Denkweisen. Die einzelnen Kapitel umfassen die wichtigsten Lebensbereiche, mit denen man im chinesischen Alltag konfrontiert wird, zum Beispiel die Beziehung zur Familie, Umgangsformen und die Bedeutung des Essens.<\/p>\n<p> \t\tGrundlagen der chinesischen Geschichte und Philosophie werden ebenso behandelt wie Feiertage, religi\u00f6ses Leben und die Bedeutung von Guanxi, dem Netzwerk pers\u00f6nlicher Beziehungen. Durch unterhaltsame Episoden aus dem Leben der beiden Autoren wird der eher sachliche Stil aufgelockert.<\/p>\n<p> \t\tDas Buch h\u00e4lt was es verspricht. Es gibt den Lesern einen Einblick in die \u201eSitten und Gebr\u00e4uche der Chinesen, in ihre Mentalit\u00e4t und Gewohnheiten\u201c, wie es in der Nachbemerkung hei\u00dft. Die Autoren, beide Sinologen, f\u00fchlen sich in der chinesischen und der deutschen Kultur zu Hause. Mit dieser Vertrautheit und ihrem fundierten Wissen geben sie den Lesern einen Kompass f\u00fcr einen Aufenthalt in China an die Hand. \u201eDer China-Knigge\u201c ist f\u00fcr alle zu empfehlen, die beruflich oder privat mit Chinesen zu tun haben \u2013 nicht nur in China.<\/p>\n<p> \t\tSarah L\u00fcdecke<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"5\" name=\"5\"><span id=\"parent-fieldname-title\">DGA Nachwuchstagung Asienforschung 8.-10. Dezember 2006 im Schloss Buchenau <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tSeit vielen Jahren gibt es in der angels\u00e4chsischen Wissenschaft die Tradition der \u201epostgraduate workshops\u201c bzw. der \u201epostgraduate conferences\u201c. Das sind Tagungen und Workshops, die gezielt Magistranden und Doktoranden ein Forum bieten, auf dem sie ihre Arbeiten vorstellen und diskutieren k\u00f6nnen. Eine solche M\u00f6glichkeit bot auch die Nachwuchstagung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Asienkunde, die letzten Dezember im idyllischen Schloss Buchenau bei Fulda stattfand. Etwa 30 \u201eNachwuchswissenschaftler\u201c waren dabei; neben ein paar Sino- und Japanologen vor allem S\u00fcd- und S\u00fcdostasienwissenschaftler.<\/p>\n<p> \tDiese Mischung f\u00fchrte dazu, dass das Themenspektrum sehr weit gef\u00e4chert war und damit Einblicke in Bereiche und Ans\u00e4tze erlaubte, mit denen man sich als Sinologe normalerweise selten besch\u00e4ftigt.<br \/> \tDie sechs Panels waren in f\u00fcnf Bereicht unterteilt: vom Panel \u201eAkteure in der Entwicklungspolitik\u201c (mit Beitr\u00e4gen \u00fcber NGOs im Entwicklungsbereich und Ethnotourismus), \u00fcber \u201eTrends in der Entwicklung\u201c (u.a. \u201epublic space in Hanoi\u201c, \u201etax reform in rural China\u201c), \u201eTransformation und Sicherheit\u201c (politologische Analysen Nordkoreas, der ASEAN und Afghanistans), \u201eWissensdiskurse\u201c (u.a. chinesische Strategielehre, indische Wahrnehmung des Faschismus in den 30ern und 40ern) bis hin zum Panel \u201eIdentit\u00e4t und Identit\u00e4tspolitik\u201c (mit Beitr\u00e4gen \u00fcber die rituelle Souver\u00e4nit\u00e4t in Indonesien und die kulturelle Transformation der Hmong).<\/p>\n<p> \tNach den Panels, bei Mittag- und Abendessen oder Spazierg\u00e4ngen in der Umgebung blieb viel Zeit zum Austausch und zur Diskussion oder einfach nur zum gem\u00fctlichen Beisammensein.<br \/> \tDie zwei Tage in dem abgelegenen Ort glichen einem \u201emini think tank\u201c und haben die etwas m\u00fchselige Anreise auf alle F\u00e4lle wettgemacht. Eine dritte Nachwuchstagung wird voraussichtlich im Januar 2008 stattfinden.<\/p>\n<p> \tDie DGA-Nachwuchsgruppe sieht sich als Forum f\u00fcr Studierende, Promovierende, Habilitanden aus asien-, sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Ziel soll die Pflege des fachlichen Austauschs sein: \u00fcber laufende Projekte, Abschlussarbeiten, Dissertationen und Habilitationen.<\/p>\n<p> \tJennifer Altehenger<\/p>\n<p> \tInformationen zur DGA finden sich unter <a href=\"http:\/\/www.dga-ev.de\/index.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.dga-ev.de\/<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"6\" name=\"6\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Der Held des Xi\u2019an Zwischenfalls starb auf Hawaii General Zhang Xueliang (1901-2001) <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tVor 70 Jahren, am 12. Dezember 1936, wurde der F\u00fchrer der Nationalen Volkspartei (Kuomintang\/KMT),&nbsp; \u201aGeneralissimo\u2019 Chiang Kai-shek, von seinen eigenen Gener\u00e4len in Xi\u2019an festgenommen. Im Mittelpunkt der Aktion stand Zhang Xueliang, der Sohn des ber\u00fcchtigten Warlords Zhang Zuolin. Der Vater, der in den zwanziger Jahren die Mandschurei beherrschte, war 1928 einem japanischen Attentat zum Opfer gefallen.<\/p>\n<p> \t\tZhang Xueliang wurde am 3. Juni 1901 in der nordostchinesischen Provinz Liaoning geboren und war in den zwanziger Jahren vor allem als drogens\u00fcchtiger Playboy bekannt. Nach der Ermordung seines Vaters entwickelte er sich jedoch zu einem einflu\u00dfreichen General und Politiker. Er hatte damals \u2013 abgesehen von seiner antijapanischen Haltung \u2013 keine klaren politischen Vorstellungen; zeitweilig sah er die deutschen und italienischen Faschisten als Vorbilder an. Als er Mitte der drei\u00dfiger Jahre von Chiang Kai-shek nach Xi\u2019an geschickt wurde, um die chinesischen Kommunisten zu bek\u00e4mpfen, \u00e4nderte sich seine Haltung: er nahm Kontakte zu den KP-F\u00fchrern auf und verhandelte mit Ihnen \u00fcber die Bildung einer antijapanischen Einheitsfront. Als Chiang Kai-shek von diesen Kontakten erfuhr, flog er erz\u00fcrnt nach Xi\u2019an \u2013 und wurde festgenommen.<\/p>\n<p> \t\tDer Ausgang des Xi\u2019an-Zwischenfalls war ebenso \u00fcberraschend wie die Aktion selbst. Obwohl die meisten Beteiligten und Beobachter die Hinrichtung Chiang Kai-sheks erwarteten (und gr\u00f6\u00dftenteils auch w\u00fcnschten), wurde Chiang nach wenigen Tagen freigelassen. Hintergrund war eine klare Anweisung Stalins: er bef\u00fcrchtete, da\u00df die Aktion vor allem den japanischen Besatzern (in Nord- und Nordostchina) n\u00fctzen w\u00fcrde, und behauptete, China k\u00f6nne sich nur unter Chiang Kai-sheks F\u00fchrung gegen die Japaner zur Wehr setzen. Stalin setzte sich mit seiner Meinung gegen die chinesischen Kommunisten und deren Repr\u00e4sentanten in Moskau durch.<\/p>\n<p> \t\tDer deutsche Kommunist Otto Braun schrieb hierzu 1973 in seinen <em>Chinesischen Aufzeichnungen<\/em>: \u201aBuchst\u00e4blich \u00fcber Nacht trat eine entscheidende Wende ein, wie ich vertraulich erfuhr, durch einen Funkspruch des EKKI (Exekutivkomitee der Komintern) aus Moskau. Es wurde sogar gemunkelt, Stalin habe pers\u00f6nlich eingegriffen und Mao eine Art Ultimatum gestellt. [&#8230;] Das Politb\u00fcro trat in aller Eile zusammen. Nach l\u00e4ngerem Hin und Her beschlo\u00df es, die Forderung nach einer Aburteilung Tschiang Kai-scheks durch ein Volksgericht fallen zu lassen. [&#8230;] Unzweifelhaft steht fest, da\u00df Mao dem EKKI seine sektiererische, abenteuerliche Politik aufdr\u00e4ngen wollte und sie zuerst auch noch nach Eingang des Funkspruchs verteidigte, w\u00e4hrend Bo Gu (Qin Bangxian) und Lo Fu (Zhang Wentian) sofort auf die Linie des EKKI umschwenkten. Mao stellte sich erst um, als er einsehen mu\u00dfte, da\u00df er mit dieser Ansicht nicht durchdrang.\u2019<br \/> \t\tDiese Darstellung wird durch die heute zug\u00e4nglichen Dokumente weitgehend best\u00e4tigt. In den vor wenigen Jahren ver\u00f6ffentlichten Tageb\u00fcchern Dimitroffs (2000) wird ein mittern\u00e4chtlicher Anruf von Stalin erw\u00e4hnt, in dem er gegen die Festnahme Chiangs protestierte: \u201aDas ist der gr\u00f6\u00dfte Nutzen, den man Japan erweisen konnte.\u2019 Zwei Tage sp\u00e4ter wurde von Stalin und Dimitroff im Kreml das Telegramm entworfen, das zur Freilassung Chiangs f\u00fchrte. Dieser Vorgang verdeutlicht auch, da\u00df die chinesischen Kommunisten 1936 keineswegs unabh\u00e4ngig waren, sondern sich nach den Anweisungen Moskaus richteten.<\/p>\n<p> \t\tF\u00fcr die meisten Beobachter war mit der Freilassung Chiangs die Aktion gescheitert, in sp\u00e4teren Jahren sprach man in China jedoch von der \u201afriedlichen L\u00f6sung\u2019 des Zwischenfalls und r\u00fchmte die Weisheit der KP-F\u00fchrer, ohne auf die Meinungsverschiedenheiten zwischen Mao und den \u00fcbrigen Politb\u00fcromitgliedern einzugehen. Tats\u00e4chlich entstand 1937 die antijapanische Einheitsfront von Kuomintang und KP, die zum Teil bis heute von kommunistischer Seite als Vorbild f\u00fcr die Wiedervereinigung mit Taiwan zitiert wird.<br \/> \t\tDas Schicksal Zhang Xueliangs war ebenso ungew\u00f6hnlich: er wurde nach dem Xi\u2019an Zwischenfall unter Hausarrest gestellt, dann 1947 nach Taiwan gebracht und erst nach dem Tod Chiang Kai-sheks (1975) freigelassen. In den neunziger Jahren konnte er in die Vereinigten Staaten ausreisen. Er starb am 14. Oktober 2001 \u2013 wenige Monate nach seinem 100. Geburtstag &#8211; auf Hawaii.<\/p>\n<p> \t\tQuellen:<br \/> \t\tBernhard H. Bayerlein (Hg.): Georgi Dimitroff Tageb\u00fccher 1933-1943, Berlin, 2000.<br \/> \t\tOtto Braun: Chinesische Aufzeichnungen, Berlin, 1973.<\/p>\n<p> \t\tDr. Thomas Kampen<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"7\" name=\"7\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Die Konferenz der European Association of Chinese Studies (EACS) in Slowenien <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tVor genau drei\u00dfig Jahren fand in Paris &#8211; zur gleichen Zeit als Mao Zedong in der chinesischen Hauptstadt starb (1976) &#8211; die erste Tagung der kurz zuvor neu organisierten EACS statt. Aus einem kleinen Verein, dem vor allem klassische Sinologieprofessoren angeh\u00f6rten, ist inwischen eine gro\u00dfe Organisation mit etwa 700 Mitgliedern geworden, die sich mit Geschichte und Politik, \u00d6konomie und Geographie, Literatur und Film, Internet und \u00d6kologie befasst. Nach der erfolgreichen Tagung in Heidelberg vor zwei Jahren (August 2004, <a href=\"http:\/\/www.sino.uni-heidelberg.de\/eacs2004\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.sino.uni-heidelberg.de\/eacs2004\/<\/a>) fand nun in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana die 16. Tagung der EACS ( <a href=\"http:\/\/www.soas.ac.uk\/eacs\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.soas.ac.uk\/eacs\/<\/a>) statt.<\/p>\n<p> \t\tEtwa 250 Teilnehmer aus den meisten europ\u00e4ischen und einigen ostasiatischen L\u00e4ndern besuchten das erst vor f\u00fcnfzehn Jahren unabh\u00e4ngig gewordene Land.<br \/> \t\tDas umfangreiche Programm, das auch online zug\u00e4nglich ist (<a href=\"http:\/\/www.ff.uni-lj.si\/oddelki\/azafr\/eacs\/index.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.ff.uni-lj.si\/oddelki\/azafr\/eacs\/index.html<\/a>), enthielt neben den gewohnten geistes- und sozialwissenschaftlichen Themen auch Vortr\u00e4ge \u00fcber Intercultural Approaches, Environment und Ecology. Den Er\u00f6ffnungsvortrag hielt Harriet Zurndorfer (Leiden) \u00fcber das Thema China und Global History. Neben den wissenschaftlichen Veranstaltungen gab es noch ein attraktives Kulturprogramm, zu dem auch Vorf\u00fchrungen der Sichuan-Oper geh\u00f6rten.<br \/> \t\tDer Young Scholar Award (<a href=\"http:\/\/www.soas.ac.uk\/eacs\/ysaward.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.soas.ac.uk\/eacs\/ysaward.htm<\/a>) wurde an Rossela Ferrari (London) f\u00fcr ihren Beitrag &#8222;Pop &#8211; Goes the Avant-garde<br \/> \t\t&#8211; Meng Jinghui and the Latest Developments in Chinese Avant-garde Theatre&#8220; vergeben. Auch auf der n\u00e4chsten Tagung soll wieder ein Preis f\u00fcr eine(n) Nachwuchswissenschaftler(in) vergeben werden.<br \/> \t\tBei den Vorstandswahlen wurden die Pr\u00e4sidentin Brunhild Staiger<br \/> \t\t(Hamburg) wiedergew\u00e4hlt, der neue Secretary ist Roel Sterckx (Cambridge) (<a href=\"http:\/\/www.soas.ac.uk\/eacs\/addresse.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.soas.ac.uk\/eacs\/addresse.htm<\/a>). Weitere Details werden demn\u00e4chst im EACS Newsletter ver\u00f6ffentlicht (<a href=\"http:\/\/www.soas.ac.uk\/eacs\/newsl\/index.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.soas.ac.uk\/eacs\/newsl\/index.htm<\/a>).<\/p>\n<p> \t\tIm September 1976 fand in Paris die erste Tagung der kurz zuvor neu organisierten EACS statt (<a href=\"http:\/\/www.sino.uni-heidelberg.de\/staff\/kampen\/eacs.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.sino.uni-heidelberg.de\/staff\/kampen\/eacs.htm<\/a>), seit 1948 hatten sich die Junior Sinologues j\u00e4hrlich getroffen.<br \/> \t\tDie n\u00e4chste Tagung der European Association of Chinese Studies soll im August 2008 im s\u00fcdschwedischen Lund stattfinden.<br \/> \t\tHeidelberg war durch viele Vortragende gut vertreten (N. Frisch, J. Gross, L. Henningsen, T. Kampen, E. Kaske, N. Kim, U. Middendorf, N. Statu), dazu noch mehrere Alumni und die offiziellen SHAN- und Fachschaftsrepr\u00e4sentantinnen (M. Rudyak, S. L\u00fcdecke).<br \/> \t\tSiehe auch: <a href=\"http:\/\/www.sino.uni-heidelberg.de\/talkpubl\/talk06.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.sino.uni-heidelberg.de\/talkpubl\/talk06.htm<\/a><\/p>\n<p> \t\tDr. Thomas Kampen<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INHALT Magisterfeier Am 09. Februar veranstaltet SHAN zusammen mit dem Institut eine Magisterfeier f\u00fcr alle Absolventen des Instituts f\u00fcr Sinologie seit dem Sommersemester 2005! 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