{"id":221,"date":"2007-12-01T12:00:00","date_gmt":"2007-12-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2007\/12\/01\/newsletter-dezember-2007-nr-17\/"},"modified":"2026-05-20T18:37:24","modified_gmt":"2026-05-20T17:37:24","slug":"newsletter-dezember-2007-nr-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2007\/12\/01\/newsletter-dezember-2007-nr-17\/","title":{"rendered":"Newsletter Dezember 2007 Nr. 17"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"Inhalt\" name=\"Inhalt\">INHALT<\/a><\/h2>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"1\" name=\"1\">Nacht der Wissenschaft<\/a><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tIn der Nacht vom 10. auf den 11. November, zwischen 18 Uhr abends und 2 Uhr morgens, fand in Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen zum ersten Mal die &#8222;Nacht der Wissenschaft&#8220; statt. Dabei stellten sich die Universit\u00e4ten und Forschungseinrichtungen der Region der \u00d6ffentlichkeit vor. Das buntgemischte Programm der Sinologie war sehr gut besucht. Insbesondere der Programmpunkt &#8222;Chinesisch lernen in 45 Minuten&#8220; lockte wahre Menschenmassen ins Institut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tAn dieser Stelle m\u00f6chten wir uns noch einmal ganz herzlich bei SHAN-Vorstandsmitglied Lena Henningsen bedanken, die die Organisation der Nacht am Institut f\u00fcr Sinologie in die Hand genommen hat.<\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_Interview:Indenkommenden\">\n\tInterview: \u201eIn den kommenden Monaten wird sich das Konfliktpotential der Taiwan-Frage erh\u00f6hen.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tVielen d\u00fcrfte die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) ein Begriff sein. Immerhin ber\u00e4t die mittlerweile in Berlin ans\u00e4ssige Denkfabrik, die 1962 in M\u00fcnchen gegr\u00fcndet wurde, bereits seit Jahrzehnten den deutschen Bundestag und die Bundesregierung in Fragen der Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik. SHAN traf Dr. Sebastian Bersick, der neben Politikwissenschaft auch Sinologie studiert hat und heute in der SWP als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe Asien t\u00e4tig ist, zum Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#2\"><strong>&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Interview<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"3\" name=\"3\">SHAN-Schulteam bei der Kinderuni<\/a><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tZum wiederholten Mal fand an zwei Wochenenden im November die Heidelberger Kinderuni statt, die Kindern auf altersgerechte Weise Einblicke in die Universit\u00e4t und die Wissenschaft bietet. Auch das Institut f\u00fcr Sinologie war wieder vertreten. Neben einem Vortrag von Prof. Barbara Mittler gab es einen vom SHAN-Schulteam veranstalteten Workshop unter dem Motto &#8222;Chinesisch in 90 Minuten&#8220;. Mit einfachen Dialogen wurden die Kinder an die Sprache herangef\u00fchrt. &#8222;Chinesisch ist einfach&#8230; und nicht nur Lernen, sondern auch Spa\u00df!&#8220; &#8211; so fasst eine junge Teilnehmerin ihre ersten Erfahrungen mit der Sprache zusammen. Anschlie\u00dfend wurden einige einfache Schriftzeichen erkl\u00e4rt, einge\u00fcbt &#8211; und dann als bunte Scherenschnitte ausgeschnitten. Zum Abschluss haben die Kinder noch das Lied &#8222;Liang zhi laohu&#8220; einstudiert und den Eltern, die zum Abholen kamen, als vierstimmigen Kanon vorgesungen. Ein begeisterter Junge meinte zum Schluss: &#8222;Alles hat Spa\u00df gemacht, nur nicht, dass es so schnell vorbeiging.&#8220;<\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_WolfgangBauerunddieWiede\">\n\tWolfgang Bauer und die Wiederbelebung der Heidelberger Sinologie<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tWolfgang Bauer geh\u00f6rte zu den bekanntesten und einflussreichsten deutschen Sinologen des 20. Jahrhunderts; er wurde zwar als &#8222;M\u00fcnchener&#8220; Sinologe ber\u00fchmt, war jedoch Anfang der sechziger Jahre zun\u00e4chst nach Heidelberg berufen worden. Mit Bauers Ankunft in Heidelberg wurde vor 45 Jahren das Fach wieder belebt und ein neues Institut aufgebaut. Zehn Jahre nach seinem Tod (1997) soll hier kurz an ihn erinnert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#4\"><strong>&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Artikel<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_DaserstegroeChina-Alumni\">\n\tDas erste gro\u00dfe China-Alumni-Treffen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach 35 Jahren<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tVom 30. November bis 1. Dezember trafen sich in Bonn zum ersten Mal fr\u00fchere DAAD-Stipendiaten, die in den letzten 35 Jahren in der Volksrepublik China studiert hatten. 1972 war &#8211; kurz nach der Etablierung diplomatischer Beziehungen zwischen der Volksrepublik und der Bundesrepublik &#8211; die erste kleine Gruppe von Stipendiaten nach Hongkong geflogen und dann mit dem Zug in die Hauptstadt gefahren; Direktfl\u00fcge gab es noch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#5\"><strong>&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Bericht<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_ChinesischeMenschenbilde\">\n\tChinesische Menschenbilder: 18. Jahrestagung der DVCS<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&#8222;Was ist der Mensch?&#8220;, &#8222;Woher kommt er?&#8220;, &#8222;Welche Rollenbilder verk\u00f6rpert er?&#8220; und &#8222;Wie wird der Mensch in China gesehen?&#8220; &#8211; das waren die Leitfragen, zu denen man auf der 18. Jahrestagung der Deutschen Vereinigung f\u00fcr Chinastudien e.V. (DVCS) nach Antworten suchen wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#6\"><strong>&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Bericht<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_Rezension:MaoismusChinau\">\n\tRezension: &#8222;Maoismus, China und die Linke &#8211; Bilanz und Perspektive&#8220; von Henning B\u00f6ke<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tChinas eigener Weg des Sozialismus hat, insbesondere in den Sechziger und Siebziger Jahren, viele fasziniert. Dass diese romantische Sichtweise des Maoismus noch immer Anziehungskraft besitzt, beweist dieses Buch, herausgegeben von theorie.org. Die Publikationsreihe m\u00f6chte &#8222;die zentralen Themen linker Debatten kritisch&#8220; aufgreifen, das aber &#8222;sachlich, n\u00fcchtern und ohne Nostalgie&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#7\"><strong>&gt;&gt; zur vollst\u00e4ndigen Rezension<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_Veranstaltungskalender\">\n\tVeranstaltungskalender<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tWeihnachtsfeier der Sinologie<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t18.12.07, ab 18:30 Uhr in Raum 136 des Instituts f\u00fcr Sinologie: Das Prop\u00e4deutikum l\u00e4dt zur traditionellen Weihnachtsfeier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tChinesischer Nationalzirkus: &#8222;Buddha&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t30.12.07, 19 Uhr, Rosengarten, Mannheim: Den Zuschauern durch eine spektakul\u00e4re Show die Faszination und Einzigartigkeit der Kultur ihres Heimatlandes n\u00e4her bringen &#8211; das ist das Konzept des chinesischen Nationalzirkus. Dabei beeindruckt vor allem die schier unglaubliche Perfektion der Artisten.<\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"2\" name=\"2\"><span id=\"parent-fieldname-title\">\u201eIn den kommenden Monaten wird sich das Konfliktpotential der Taiwan-Frage erh\u00f6hen.\u201c <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tVielen d\u00fcrfte die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) ein Begriff sein. Immerhin ber\u00e4t die mittlerweile in Berlin ans\u00e4ssige Denkfabrik, die 1962 in M\u00fcnchen gegr\u00fcndet wurde, bereits seit Jahrzehnten den deutschen Bundestag und die Bundesregierung in Fragen der Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik. SHAN traf Dr. Sebastian Bersick, der neben Politikwissenschaft auch Sinologie studiert hat und heute in der SWP als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe Asien t\u00e4tig ist, zum Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>SHAN: Herr Dr. Bersick, vor einiger Zeit hat Bundeskanzlerin Merkel den Dalai Lama empfangen, worauf die Volksrepublik China mit heftigen Protesten reagierte. Wenig sp\u00e4ter hat sich Au\u00dfenminister Steinmeier kritisch \u00fcber Frau Merkels Vorgehen ge\u00e4u\u00dfert. Wei\u00df die Bundesregierung nicht so recht, wie sie mit China umgehen soll?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tSebastian Bersick: Die Wahrnehmung Chinas in Europa befindet sich zurzeit im Wandel. Das Land wird zunehmend nicht mehr nur als Chance, sondern auch als Konkurrent wahrgenommen. Frau Merkel bringt kritische Themen wie die Menschenrechte deutlich \u00f6ffentlichkeitswirksamer zur Sprache als ihr Vorg\u00e4nger. Dieses Verhalten kann man auch im Kontext dieser neuen Wahrnehmung Chinas sehen. Andererseits hat Herr Steinmeier bisher, im Gegensatz zu seinen Amtsvorg\u00e4ngern, den Dalai Lama nicht empfangen.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Kann die Politikberatung hier eine Rolle spielen?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tDen Dalai Lama zu empfangen war eine Entscheidung der Kanzlerin, dem Vernehmen nach auch gegen Ratschl\u00e4ge aus dem Kanzleramt. Nicht einmal das Au\u00dfenministerium bzw. dessen Ministerb\u00fcro war dar\u00fcber informiert. In solchen F\u00e4llen spielt Politikberatung naturgem\u00e4\u00df nur eine geringe Rolle. Letztlich sind es eben die gew\u00e4hlten Politiker, die die Entscheidungen f\u00e4llen, und das ist ja auch richtig so. Als Kanzler Schr\u00f6der das Ende des Waffenembargos gegen China beschlossen hat, hat auch er dies gegen die Empfehlungen seiner Berater getan. Die Aufgabe der Politikberatung liegt eher in der Entwicklung langfristiger Strategien sowie deren Bewertung. Au\u00dferdem ist erfolgreiche Politikberatung in der Lage, Debatten anzusto\u00dfen oder zu begleiten und so auch Einfluss darauf auszu\u00fcben, was als politisch relevant betrachtet wird.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Sie haben als Wissenschaftler an Universit\u00e4ten gearbeitet und nun als Politikberater an der SWP. Unterscheidet sich die Arbeit in diesen beiden Berufsfeldern grundlegend?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tDie SWP betreibt wissenschaftliche Politikberatung. Deshalb habe ich auch gro\u00dfe Freiheiten bei der Wahl meines jeweiligen Forschungsgegenstandes. Andererseits muss das Thema schon eine praxisbezogene Relevanz besitzen. Grundlagenforschung wird in diesem Sinne bei uns nicht betrieben.<br \/> \t\tDie Unterschiede zur Arbeit des Wissenschaftlers sind gr\u00f6\u00dfer bei Think Tanks, die sich st\u00e4rker mit Ereignisinszenierung besch\u00e4ftigen. In Br\u00fcssel beispielsweise haben viele Veranstaltungen vor allem Eventcharakter. Die SWP besitzt vielen anderen Denk- und Beratungsfabriken gegen\u00fcber aber auch den gro\u00dfen Vorteil, aufgrund der Finanzierung durch den Bund nicht so sehr auf das Einwerben von Drittmitteln angewiesen zu sein.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Einer Ihrer Forschungsschwerpunkte ist die Beziehung zwischen der EU und Ostasien. Kann die EU auf ein Land wie China Einfluss aus\u00fcben?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tAuch wenn es momentan einen Wandel im europ\u00e4ischen Chinabild gibt, so wird die Volksrepublik doch noch immer stark als Chance wahrgenommen \u2013 anders als in den USA, wo ein Bedrohungsgef\u00fchl schon lange sehr pr\u00e4sent ist. Zudem sind die USA auch aufgrund ihrer Sicherheitsfunktion in Ostasien \u2013 man denke etwa an die Allianzen mit Japan oder S\u00fcdkorea \u2013 in einer ganz anderen Situation als die EU.<br \/> \t\tEuropa f\u00f6rdert seit 30 Jahren, vor allem aber seit Mitte der 90er Jahre, eine Politik der Regionalisierung in S\u00fcdostasien und Einbindung Chinas in der Region, beispielsweise im ASEAN Regional Forum. Gleichzeitig ist das Interesse vieler asiatischer Staaten gestiegen, die EU in Asien einzubeziehen. Europa wird als Zone des Wohlstands und der Sicherheit gesehen, und dies macht es unter anderem f\u00fcr die ASEAN in vielerlei Hinsicht zum Vorbild.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Der Aufstieg Chinas hat zu deutlichen Machtverschiebungen in Ostasien gef\u00fchrt. Wie reagieren die anderen Staaten der Region auf China?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tChina geht mit seiner neuen Rolle sehr souver\u00e4n um. Aber es ist ja auch auf ein stabiles regionales Umfeld angewiesen, wenn es seine Modernisierung nicht gef\u00e4hrden will. Die chinesische Politik des friedlichen Aufstiegs wird auch von den anderen Staaten der Region wahrgenommen.<br \/> \t\tEs gibt trotzdem Versuche, Chinas neues Gewicht auszubalancieren. So war es beispielsweise den Mitgliedern der ASEAN wichtig, neben China auch das gro\u00dfe Indien als Teilnehmer der East-Asia-Summits gewinnen zu k\u00f6nnen. Dennoch setzen die kleineren L\u00e4nder der Region, \u00e4hnlich wie die EU, vor allem auf eine Einbindung Chinas. Es gibt viele Versuche, eine ostasiatische Gemeinschaft aufzubauen. Gegenseitige Abh\u00e4ngigkeiten machen ernsthafte Konflikte unwahrscheinlicher. Auch hier ist die EU ein Vorbild, denn wenn diese Abh\u00e4ngigkeiten nicht durch politische Institutionen erg\u00e4nzt werden, bleiben eventuell auftretende Konflikte nur schwer l\u00f6sbar.<\/p>\n<p> \t\t<strong>N\u00e4chstes Jahr stehen in Taiwan Wahlen an. Hu Jintao hat gesagt, dass 2008 ein gef\u00e4hrliches Jahr f\u00fcr Taiwan werden k\u00f6nnte. Sehen Sie diese Gefahr auch, und worin besteht sie?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tChen Shuibian hat die Pr\u00e4sidentschaftswahlen im M\u00e4rz 2008 mit einem Referendum gekoppelt, in dem dar\u00fcber abgestimmt werden soll, ob sich die Republik China, also Taiwan, um einen Sitz in der UNO unter dem Namen \u201eTaiwan\u201c bewerben soll. Pekings Handlungsspielraum ist aufgrund der Olympischen Spiele eingeschr\u00e4nkt. Chen testet aus, wie weit er gehen kann. Gleichzeitig ist die taiwanesische Innenpolitik zurzeit \u00e4u\u00dferst nerv\u00f6s. So hat Chen etwa auf einer Wahlkundgebung k\u00fcrzlich mit der Verh\u00e4ngung des Kriegsrechts gedroht, falls bis zu den Parlamentswahlen im Januar oder den Pr\u00e4sidentschaftswahlen keine Einigkeit zwischen der DPP und der KMT hinsichtlich spezifischer wahltechnischer Fragen erzielt werden kann. Die Drohung nahm er am darauffolgenden Tag zur\u00fcck. Durch diese Politik wird aber nicht nur Peking, sondern auch Washington provoziert. Die USA haben ihre Opposition zum Referendum angek\u00fcndigt. In den kommenden Monaten wird sich das Konfliktpotential der Taiwan-Frage erh\u00f6hen.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Herr Dr. Bersick, vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p> \t\tDas Interview f\u00fchrten Johannes Lejeune und Kathrin Achenbach.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"4\" name=\"4\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Wolfgang Bauer und die Wiederbelebung der Heidelberger Sinologie <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tWolfgang Bauer geh\u00f6rte zu den bekanntesten und einflussreichsten deutschen Sinologen des 20. Jahrhunderts; er wurde zwar als &#8222;M\u00fcnchener&#8220; Sinologe ber\u00fchmt, war jedoch am 23. Februar 1930 in Halle geboren und Anfang der sechziger Jahre zun\u00e4chst nach Heidelberg berufen worden. Mit Bauers Ankunft in Heidelberg wurde vor 45 Jahren das Fach wieder belebt und ein neues Institut aufgebaut. Zehn Jahre nach seinem Tod (1997) soll hier kurz an ihn erinnert werden.<\/p>\n<p> \t\tWolfgang Bauer hatte fr\u00fch seine Eltern verloren und machte 1948 in M\u00fcnchen Abitur, zur Wehrmacht war er nicht mehr eingezogen worden. Er studierte neben Sinologie, Japanologie und Philosophie auch Mongolistik, Sanskrit und Tibetisch und promovierte schon 1953. Er blieb als Assistent in M\u00fcnchen und habilitierte sich 1959; danach verbrachte er mehr als ein Jahr in den Vereinigten Staaten. 1962 wurde Bauer \u2013 vier Jahrzehnte nach der T\u00e4tigkeit von <a href=\"http:\/\/www.sino.uni-heidelberg.de\/alumni\/newsletter\/07-07\/krause.htm\" target=\"_blank\">Friedrich Ernst August Krause<\/a> \u2013 nach Heidelberg berufen.<\/p>\n<p> \t\tSeine Sch\u00fclerin und Kollegin K\u00e4te Finsterbusch beschrieb die damalige Situation folgenderma\u00dfen: &#8222;Als im Jahr 1962 an der Ruprecht-Karls-Universit\u00e4t in Heidelberg das Sinologische Seminar begr\u00fcndet und der junge Sinologe Wolfgang Bauer als erster Fachvertreter auf den Lehrstuhl f\u00fcr Sinologie berufen wurde, war ihm, gerade von einer Gastprofessur aus den USA nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt, ein kleines Team sehr ergebener Sch\u00fcler und Doktoranden dorthin gefolgt. [&#8230;] Studenten der Kunstgeschichte, die in Heidelberg von Dietrich Seckel in die ostasiatische Kunst eingef\u00fchrt wurden, erhielten nun am Sinologischen Seminar die M\u00f6glichkeit, erg\u00e4nzend das Studium der chinesischen Sprache aufzunehmen.&#8220;<\/p>\n<p> \t\tHwang Shen-chang erg\u00e4nzte: &#8222;von Anfang an mit von der Partie waren auch Rudolf Wagner, Lothar Ledderose, Helmut Brinker&#8220;. Laut Rudolf Wagner schaffte es Bauer &#8222;zugleich Taoist und Konfuzianer zu sein&#8220;. Lothar Ledderose schrieb \u00fcber seinen Lehrer: &#8222;Die Facettenvielfalt der Pers\u00f6nlichkeit faszinierte uns, und sie pr\u00e4gte auch unser Selbstverst\u00e4ndnis als angehende Wissenschaftler. Bauer lebte uns vor, wie sich Engagement und Ernsthaftigkeit eines Wissenschaftlers auch und gerade darin erweisen, dass er seine Wissenschaft zur Pers\u00f6nlichkeitsbildung nutzt.&#8220;<\/p>\n<p> \t\t1966 wechselte Bauer dann nach M\u00fcnchen, wo er \u2013 nur unterbrochen durch viele Forschungsreisen \u2013 bis zu seinem Tod blieb. Obwohl er nur knapp vier Jahre an der Universit\u00e4t Heidelberg lehrte, hatte seine T\u00e4tigkeit f\u00fcr das Fach und seine StudentInnen sehr gro\u00dfe Bedeutung. Wenn man bedenkt, dass zu den damaligen Studenten auch die heutigen Professoren Lothar Ledderose und Rudolf Wagner geh\u00f6rten, wird die &#8222;Nachhaltigkeit&#8220; seines Wirkens deutlich. Als er Heidelberg verlie\u00df, folgten ihm einige Sch\u00fcler nach M\u00fcnchen, w\u00e4hrend G\u00fcnther Debon, mit dem er dort zusammen studiert hatte, in Heidelberg sein Nachfolger wurde. Debon bemerkte: Bauer &#8222;baute das dort gegr\u00fcndete Sinologische Seminar tatkr\u00e4ftig aus. 1968 konnte ich dieses \u00fcbernehmen, zun\u00e4chst am Hans-Thoma-Platz in Handschuhsheim, schon bald in einer ehrw\u00fcrdigen Villa im Osten der Stadt nahe dem Karlstor.&#8220;<\/p>\n<p> \t\tWolfgang Bauer hat sich f\u00fcr zahlreiche Themen aus Geschichte, Kunst, Literatur, Philosophie, Religion und Sprache interessiert und sehr viele und sehr unterschiedliche Forschungsprojekte betreut. Ab 1953 ver\u00f6ffentlichte er zahlreiche Monographien und Aufs\u00e4tze und hat au\u00dferdem die mehrb\u00e4ndige Bibliographie Das chinesische Deutschlandbild herausgegeben; besonders beliebt ist bis heute die von Herbert Franke und ihm \u00fcbersetzte Novellensammlung <em>Die goldene Truhe<\/em> (1959). Wolfgang Bauer geh\u00f6rte mit Herbert und Wolfgang Franke zu den ersten deutschen Nachkriegssinologen, die international bekannt wurden; er besuchte zahlreiche Konferenzen, viele seiner Werke wurden in mehrere Sprachen \u00fcbersetzt. Vor drei\u00dfig Jahren (1977) war Bauer mit Debon, Ledderose und den beiden Frankes Mitglied der ersten Delegation von Sinologieprofessoren der Bundesrepublik, die die VR China besuchte.<\/p>\n<p> \t\tAlle Zitate aus Li-Yun Bauer-Hsieh: <em>Facies \u2013 Facetten, In Memoriam Wolfgang Bauer (1930-1997)<\/em>, Taipei, 2000.<\/p>\n<p> \t\tLiteratur:<\/p>\n<p> \t\tWolfgang Bauer:<br \/> \t\t<em>Chang Liang und Ch\u2019en P\u2019ing, zwei Politiker aus der Gr\u00fcnderzeit der Han-Dynastie<\/em> (Diss.), M\u00fcnchen, 1953.<br \/> \t\t<em>Der chinesische Personenname<\/em> (Habil.), Wiesbaden, 1959.<br \/> \t\t<em>China und die Hoffnung auf Gl\u00fcck<\/em>, M\u00fcnchen, 1971.<br \/> \t\t<em>Das Antlitz Chinas<\/em>, M\u00fcnchen, 1990.<\/p>\n<p> \t\tLi-Yun Bauer-Hsieh:<br \/> \t\t<em>Facies \u2013 Facetten, In Memoriam Wolfgang Bauer (1930-1997)<\/em>, Taipei, 2000.<\/p>\n<p> \t\tHelwig Schmidt-Glintzer:<br \/> \t\t<em>Das andere China, Festschrift f\u00fcr Wolfgang Bauer zum 65. Geburtstag<\/em>, Wiesbaden, 1995.<\/p>\n<p> \t\tThomas Kampen:<br \/> \t\t<em>Der erste Sinologe: Friedrich Ernst August Krause<\/em>, Heidelberg, 2007. (http:\/\/www.sino.uni-heidelberg.de\/alumni\/newsletter\/07-07\/krause.htm).<\/p>\n<p> \t\tDr. Thomas Kampen<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"5\" name=\"5\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Das erste gro\u00dfe China-Alumni-Treffen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach 35 Jahren <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tVom 30. November bis 1. Dezember trafen sich in Bonn zum ersten Mal fr\u00fchere DAAD-Stipendiaten, die in den letzten 35 Jahren in der Volksrepublik China studiert hatten. 1972 war \u2013 kurz nach der Etablierung diplomatischer Beziehungen zwischen der Volksrepublik und der Bundesrepublik \u2013 die erste kleine Gruppe von Stipendiaten nach Hongkong geflogen und dann mit dem Zug in die Hauptstadt gefahren; Direktfl\u00fcge gab es noch nicht. Einer der Pioniere, der Jurist Ulrich Manthe, der heute Professor in Passau ist, geh\u00f6rte zu den mehr als hundert Teilnehmern des Treffens und berichtete von seinen Erlebnissen. Er hatte sich urspr\u00fcnglich f\u00fcr Taiwan beworben, nutzte dann aber spontan die erste M\u00f6glichkeit, in Beijing zu studieren.<\/p>\n<p> \tNeben einem Dutzend Alumni-Referent(inn)en berichteten etwa ebenso viele DAAD-Mitarbeiter und Referatsleiter \u2013 darunter die weithin bekannte Birgitt B\u00f6hme \u2013 \u00fcber ihre langj\u00e4hrige Arbeit und ihre Vorstellungen zum Ausbau der Alumniarbeit, die der DAAD erst sp\u00e4t begonnen hat. Sie erinnerten auch an die fr\u00fche Gr\u00fcndung des DAAD vor mehr als achtzig Jahren (1925) und die Taiwanaktivit\u00e4ten vor 1972. Ausserdem sprachen Vertreter der chinesischen Botschaft und des ehemaligen Spracheninstituts Beijing (yuyan xueyuan). Abends gab es noch ein kleines Guqin-Konzert des fr\u00fcheren Stipendiaten Manfred Dahmer (Frankfurt).<\/p>\n<p> \tDie Alumni selbst diskutierten nicht nur ihre Chinaaufenthalte, sondern auch ihre sp\u00e4tere T\u00e4tigkeit in vielen verschiedenen Bereichen und Institutionen (BMBF, DFG, MPG, Lufthansa, Siemens und Universit\u00e4ten). Seit den achtziger Jahren sind viele R\u00fcckkehrer \u2013 darunter Monika Sch\u00e4dler (Bremen) und Volker Kl\u00f6psch (K\u00f6ln) \u2013 als Dozent(inn)en an Universit\u00e4ten und Fachhochschulen t\u00e4tig. Einer \u2013 Klaus Birk \u2013 wurde selbst Referatsleiter beim DAAD. Einige wenige blieben in China, wie z.B. Kosima Weber-Liu; andere kehrten nach einigen Jahren nach Beijing zur\u00fcck, wie Eva Sternfeld.<\/p>\n<p> \tDa bei so vielen Teilnehmern und Themen vieles nicht diskutiert werden konnte, gab es immer wieder Forderungen nach einem weiteren Treffen und besserer Kommunikation. Daher ist schon bald mit weiteren Aktivit\u00e4ten und auch Ver\u00f6ffentlichungen zu rechnen.<\/p>\n<p> \tweitere Informationen:<\/p>\n<p> \t<a href=\"http:\/\/www.daad.de\/\" target=\"_blank\">DAAD<\/a><\/p>\n<p> \t<a href=\"http:\/\/www.daad.de\/alumni\/de\/index.html\" target=\"_blank\">Alumni-Seiten des DAAD<\/a><\/p>\n<p> \tDAAD: Spuren in die Zukunft \u2013 Der Deutsche Akademische Austauschdienst 1925-2000, Bonn 2000.<\/p>\n<p> \tDr. Thomas Kampen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"6\" name=\"6\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Chinesische Menschenbilder: 18. Jahrestagung der DVCS <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tIm Fr\u00fchjahr 1990 wurde in Berlin die Deutsche Vereinigung f\u00fcr Chinastudien e.V. (DVCS) gegr\u00fcndet, um die Chinastudien in Deutschland durch einen intensiveren Dialog zwischen Chinaforschern und Chinainteressierten zu f\u00f6rdern. Zu diesem Zweck finden jedes Jahr Tagungen mit verschiedenen Themen statt, bei denen neue Forschungsergebnisse im Rahmen der Chinastudien vorgestellt und diskutiert werden. Vor allem dem sinologischen Nachwuchs soll ein Diskussionsforum geboten werden, um Forschungsprojekte zu pr\u00e4sentieren und Publikationsm\u00f6glichkeiten zu schaffen.<\/p>\n<p> \tDie 18. Jahrestagung fand vom 23. bis 24. November 2007 in den R\u00e4umen der Ruhr-Universit\u00e4t in Bochum statt und trug den Titel &#8222;Chinesische Menschenbilder&#8220;<\/p>\n<p> \tDie Tagung wurde er\u00f6ffnet vom DVCS-Vorsitzenden, Herrn Dr. Kl\u00f6psch, der in seiner Begr\u00fc\u00dfungsansprache darauf hinwies, dass die Frage nach der menschlichen Natur eine der faszinierendsten Fragen \u00fcberhaupt sei. &#8222;Was ist der Mensch?&#8220;, &#8222;Woher kommt er?&#8220;, &#8222;Welche Rollenbilder verk\u00f6rpert er?&#8220; und &#8222;Wie wird der Mensch in China gesehen?&#8220; &#8211; das waren die Leitfragen, zu denen man auf der Tagung nach Antworten suchen wollte.<\/p>\n<p> \tNach Ansicht von Heiner Roetz, Professor an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum, gewinnt der Faktor Kultur, in dessen Mittelpunkt der Mensch steht, immer mehr an Bedeutung und wirkt sich auch auf aktuelle Themen wie die Menschenrechtsfrage in China aus. Daher sollte das Menschenbild nicht isoliert betrachtet, sondern in einem gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang gesehen werden.<\/p>\n<p> \tIn den Vortr\u00e4gen wurden die chinesischen Menschenbilder von der fr\u00fchen Zhou-Zeit bis heute beleuchtet. Die weiteren Vortr\u00e4ge befassten sich mit unterschiedlichen Menschenbildern in Literatur, Gesellschaft, Kultur, Psychologie und in der Werbung.<\/p>\n<p> \tAuch Lena Henningsen von der Ruprecht-Karls Universit\u00e4t Heidelberg bereicherte die Tagung mit ihrem Vortrag &#8222;Totgesagte Leben l\u00e4nger &#8211; Der Autor in der gegenw\u00e4rtigen popul\u00e4ren chinesischen Literatur&#8220; , in dem es unter anderem um die Selbstdarstellung junger Autoren in ihren Romanen und in der \u00d6ffentlichkeit ging.<\/p>\n<p> \tAbschlie\u00dfend k\u00f6nnen wir sagen, dass die Exkursion nach Bochum und die Teilnahme an dieser Tagung sehr lohnend und informativ f\u00fcr uns Studierende war. In diesem Zusammenhang m\u00f6chten wir auch auf die Tagung f\u00fcr junge Chinaforscher im Februar n\u00e4chsten Jahres in Leipzig hinweisen.<\/p>\n<p> \tMy Linh Lam, Ilka Sagner<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"7\" name=\"7\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Henning B\u00f6ke: &#8222;Maoismus, China und die Linke \u2013 Bilanz und Perspektive&#8220; <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tChinas eigener Weg des Sozialismus hat viele fasziniert. Am sichtbarsten war das in der Zeit der gro\u00dfen sozialistischen und antiautorit\u00e4ren Bewegungen, wie beispielsweise ein Blick auf Deutschland in den sp\u00e4ten Sechziger und Siebziger Jahren zeigt. Moskau, so meinten damals nicht wenige, gehe verdeckt den kapitalistischen Weg, der wahre Kommunismus aber werde in China verwirklicht. Dass diese romantische Sichtweise nichts von ihrer Anziehungskraft verloren hat, beweist dieses Buch, herausgegeben von theorie.org. Diese Publikationsreihe m\u00f6chte \u201edie zentralen Themen linker Debatten kritisch\u201c aufgreifen, das aber \u201esachlich, n\u00fcchtern und ohne Nostalgie\u201c. &nbsp;Dass das dem Autor gelingt, darf getrost bezweifelt werden. Herausgekommen ist dennoch ein Buch, das einen Blick wert ist, interessant insbesondere f\u00fcr diejenigen, die wichtige Kernpunkte des Maoismus nachvollziehen m\u00f6chten.<\/p>\n<p> \tMao und seine Ideen bleiben f\u00fcr viele ein R\u00e4tsel. Zu unterschiedlich erscheinen die politischen Konsequenzen, die er im 20. Jahrhundert f\u00fcr China und die Welt gehabt hat und zu irrational die gro\u00dfen Kampagnen. Kaum w\u00fcrde man jedoch anzweifeln, dass sich hinter all dem ein umfangreiches theoretisches Konstrukt und politisches Kalk\u00fcl verbirgt. Dankbarerweise schafft es der Autor, beides &#8211; also theoretische Weiterentwicklungen des Marxismus-Leninismus durch Mao und politische Geschehnisse &#8211; miteinander zu verkn\u00fcpfen. Chronologisch werden die Ereignisse geschildert. H\u00e4ufig stellt der Autor dabei der Schilderung einzelner Konflikte innerhalb der chinesischen F\u00fchrung und der Darstellung ideologischer Pr\u00e4missen der chinesischen F\u00fchrung eine Erl\u00e4uterung der urspr\u00fcnglichen Ideen von Marx und deren Weiterentwicklung von Lenin zur Seite. Anschaulich wird etwa erkl\u00e4rt, aus welchen \u00dcberlegungen heraus Mao Widerspr\u00fcche in antagonistische sowie nichtantagonistische unterteilte und wie sich diese theoretische Nuance in der Praxis auswirkte. Ausf\u00fchrlich werden alle wichtigen Geschehnisse in der politischen Geschichte Chinas des 20. Jahrhunderts, die Rezeption bei den Linken Westeuropas &nbsp;sowie die Reformpolitik der letzten 20 Jahre aufgezeigt. Auch Details finden sich wieder.<\/p>\n<p> \tGetr\u00fcbt wird all das jedoch von der ideologischen Brille, durch die der Autor permanent auf sein Untersuchungsobjekt schaut.<br \/> \tSichtweise und Rhetorik bleiben im gedanklichen Gef\u00e4ngnis des Marxismus verhaftet und m\u00f6gen manchen Leser sicherlich hier und da zum Schmunzeln anregen. Jung Changs vor zwei Jahren erschiene, durchaus kritisierbare Mao-Biografie ist bei B\u00f6ke nichts weiter als \u201eantikommunistischer Geschichtsrevisionismus\u201c, der \u201edie Zerst\u00f6rung eines Mythos\u201c anstrebt. Katastrophale politische Gro\u00dfereignisse wie der Gro\u00dfe Sprung werden zwar ausf\u00fchrlich in ihren kapitalen Fehlern und Auswirkungen geschildert; aber immerhin, so der Autor, ging es \u201emit guten Vors\u00e4tzen in die H\u00f6lle\u201c. Umst\u00e4ndliche Abschweifungen, die zumindest der rhetorischen Abmilderung menschlicher Katastrophen dienen, erscheinen dabei zus\u00e4tzlich fragw\u00fcrdig.<\/p>\n<p> \tTrotz seiner offensichtlichen M\u00e4ngel scheint das Buch gut recherchiert und greift auf umfangreiches Material zur\u00fcck. Angesichts der Tatsache, dass dem Verlag zu den Referenzen des Autors nicht mehr einf\u00e4llt als \u201ePublikationen in diversen linken Zeitungen und Zeitschriften\u201c, scheint das doch immerhin erstaunlich. Ebenso das Kapitel \u00fcber die Rezeption und die Wirkungsgeschichte des Maoismus auf linke Kreise im Westen geh\u00f6ren zu den St\u00e4rken des Buches.<\/p>\n<p> \tFazit: Ein f\u00fcr den interessierten Leser sehr n\u00fctzliches Buch, dass einen brauchbaren \u00dcberblick \u00fcber die maoistische Ideologie, deren Besonderheiten sowie Abweichungen vom Marxismus und Leninismus gibt. F\u00fcr den Sinologen, der sich mal eben mit wenig Aufwand einlesen m\u00f6chte, allemal die Lekt\u00fcre wert.<\/p>\n<p> \tBenjamin Kemmler<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong>Henning B\u00f6ke<\/strong><br \/> \tMaosimus<br \/> \tSchmetterling Verlag<br \/> \tISBN 978-3896575968<br \/> \tEUR 10,00<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INHALT Nacht der Wissenschaft In der Nacht vom 10. auf den 11. 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