{"id":237,"date":"2008-09-01T12:00:00","date_gmt":"2008-09-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2008\/09\/01\/newsletter-september-2008-nr-26\/"},"modified":"2026-05-20T18:37:07","modified_gmt":"2026-05-20T17:37:07","slug":"newsletter-september-2008-nr-26","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2008\/09\/01\/newsletter-september-2008-nr-26\/","title":{"rendered":"Newsletter September 2008 Nr. 26"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\"><a id=\"Inhalt\" name=\"Inhalt\">INHALT<\/a><\/h2>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><a id=\"1\" name=\"1\">Fortbildung: Multimedialer Chinesischunterricht<\/a><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Samstag, den 08. November 2008 bietet das Schulteam von SHAN e.V. eine Fortbildung zum Thema &#8222;Multimedialer Chinesischunterricht&#8220; f\u00fcr ChinesischlehrerInnen an. Daf\u00fcr wird die erfahrene Chinesischlehrerin Petra M\u00fcller vorstellen, welche Medien im Chinesischunterricht eingesetzt und f\u00fcr das Selbststudium zuhause empfohlen werden k\u00f6nnen.Thema sind mediengest\u00fctzte Lernprogramme, die bereits auf dem Markt verf\u00fcgbar oder \u00fcber das Internet abrufbar sind. F\u00fcr SHAN-Mitglieder ist die Fortbildung kostenfrei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Externe Interessenten sind herzlich dazu eingeladen, f\u00fcr einen Unkostenbeitrag von 10 Euro an der Fortbildung teilzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Veranstaltungsdauer: 10:00 &#8211; 17:00 Uhr<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Veranstaltungsort: Sinologisches Seminar der Universit\u00e4t Heidelberg<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anmeldung unter SHAN-Schulteam@gmx.de<\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_NurinformelleZusagenanda\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Nur informelle Zusagen an das IOC &#8220; &#8211; Prof. Wagner zur Rolle der Olympischen Spiele in China<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 01. Juli 2008 hielt Prof. Dr. Rudolf G. Wagner einen Vortrag am Institut f\u00fcr Politische Wissenschaft der Universit\u00e4t Heidelberg. Im Rahmen eines Kolloquiums f\u00fcr Doktoranten und Examenskandidaten referierte er sowohl aus sinologischer als auch aus politikwissenschaftlicher Perspektive \u00fcber die Olympischen Spiele in China und deren Rolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen sind die Spiele zwar vorbei, dennoch sind Prof. Wagners Ausf\u00fchrungen zur Rolle der Olympiade in der Strategie der chinesischen F\u00fchrung interessant und aufschlussreich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#2\"><strong>&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Artikel<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_SpieldesLebens-WieeineSt\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Spiel des Lebens&#8220; &#8211; Wie eine Studentin der Sinologie die Olympischen Spiele erlebte<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verena La Mela, Studentin der Sinologie im Grundstudium arbeitete im August und September 2008 w\u00e4hrend der Olympischen Spiele und Paralympics als Redaktionsassistentin beim NDR.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#3\"><strong>&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Bericht<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_Veranstaltungskalender\" style=\"text-align: justify;\">Veranstaltungskalender<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gespr\u00e4chskonzert: Guqin &#8211; Worte und Weisen der alten Chinesen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">01.10.2008, 19:00 Uhr, Institut f\u00fcr Medizinische Psychologie, Bergheimer Stra\u00dfe 20 in Heidelberg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gespr\u00e4chskonzert mit Manfred Dahmer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sonderausstellung und Retrospektive des japanischen K\u00fcnstlers Murakami Takashi<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab 26.09.2008, Museum f\u00fcr Moderne Kunst, Frankfurt\/Main<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Feierliche Er\u00f6ffnung des Exzellenzclusters \u201eAsia and Europe in a Global Context\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">20.10.2008, 18:00 Uhr, Alte Aula, Universit\u00e4t Heidelberg<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begr\u00fc\u00dfung durch Prof. Dr. B. Eitel, Rektor der Universit\u00e4t; Gru\u00dfwort von Prof. Dr. P. Frankenberg, Minister f\u00fcr Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-W\u00fcrttemberg<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(auf Einladung und mit Anmeldung)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausstellung: Farben und olympischer Gedanke<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">25.10.2008 bis 07.12.2008, Heidelberger Forum f\u00fcr Kunst, Heiliggeiststra\u00dfe 21, Heidelberg<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Austausch mit K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern aus Beijing, ausgew\u00e4hlt vom chinesischen K\u00fcnstlerverband.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Circus: Der gro\u00dfe Chinesische Circus Hebei<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">09.02.2009 sowie weitere Termine ab Februar 2009, Karten sind bereits verf\u00fcgbar, Kongresshaus Stadthalle Heidelberg<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Faszination Akrobatik &#8211; Geschichte einer altehrw\u00fcrdigen Kunst Chinas.<\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_SpruchdesMonats\" style=\"text-align: justify;\">Spruch des Monats<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;W\u00e4ren Adam und Eva keine Deutschen gewesen, sondern Chinesen, h\u00e4tten sie die Schlange im Paradies aufgegessen und uns w\u00e4re viel erspart geblieben.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Franz M\u00fcntefering<\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"2\" name=\"2\"><span id=\"parent-fieldname-title\">&#8222;Nur<br \/>\n informelle Zusagen an das IOC&#8220; &#8211; Professor Dr. Rudolf G. Wagner \u00fcber<br \/>\ndie Olympischen Spiele in China und deren Auswirkungen <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 01. Juli 2008 hielt Prof. Dr. Rudolf G. Wagner einen solchen Vortrag am Institut f\u00fcr Politische Wissenschaft der Universit\u00e4t Heidelberg. Eingeladen von Prof. Dr. Sebastian Harnisch, referierte Prof. Wagner im Rahmen eines Kolloquiums f\u00fcr Doktoranten und Examenskandidaten sowohl aus sinologischer als auch aus politikwissenschaftlicher Perspektive \u00fcber die Olympischen Spiele in China und deren Auswirkungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es fand sich eine Zuh\u00f6rerschaft von etwa drei\u00dfig Studenten und Doktoranten ein, um von Prof. Wagners fachlichem Wissen zu profitieren und einen Vortrag zu h\u00f6ren, welcher \u00fcber den normalen politikwissenschaftlichen Blickwinkel hinausging. Inzwischen sind die Spiele zwar vorbei, dennoch sind Prof. Wagners Ausf\u00fchrungen zur Rolle der Olympiade in der Strategie der chinesischen F\u00fchrung interessant und aufschlussreich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seiner Meinung nach greifen klassische Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze hier meist zu kurz. Der \u00f6konomische Anreiz der Spiele sei f\u00fcr China wenig relevant, da im Gegensatz zu fr\u00fcheren Spielen, wie beispielsweise in Athen, die Olympischen Spiele nicht ben\u00f6tigt werden, um einen Anreiz f\u00fcr Investitionen zu bieten. China hat hierf\u00fcr mit seinen W\u00e4hrungsreserven von \u00fcber einer Billion Dollar bereits genug Spielraum und br\u00e4uchte kein Olympia, um notwendige \u00c4nderungen anzuschieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die unter westlichen Politikwissenschaftlern beliebte These, die totalit\u00e4re F\u00fchrung Chinas ben\u00f6tige die Spiele, um sich Legitimit\u00e4t im eigenen Land zu schaffen, zeigt laut Prof. Wagner Erkl\u00e4rungsm\u00e4ngel. Sie betrachtet die Situation in China rein aus der externen Perspektive und vernachl\u00e4ssigt, dass Chinas kommunistische F\u00fchrung sich selber nicht als totalit\u00e4r perzipiert, und somit auch keiner Erh\u00f6hung der Legitimation bedarf. Sie nutzt ihre Legitimit\u00e4t vielmehr klug aus und hat in den Verhandlungen im Rahmen der Vergabe der Spiele sehr effizient mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) agiert.So gab es beispielsweise nie einen rechtsverbindlichen Vertrag \u00fcber die St\u00e4rkung der Pressefreiheit, sondern nur informelle Zusagen. Daher brauche sich niemand zu wundern, dass die Freiheit der Presse wieder eingeschr\u00e4nkt wurde und trotz aller Proteste niemand etwas dagegen unternehmen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andere Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze sind hier fruchtbarer. Es sei soziologisch durchaus erkennbar, dass die Spiele in einem Land des rasanten gesellschaftlichen Wandels zur Herstellung einer gemeinsamen Identit\u00e4t mittels des gemeinsamen Ziels, der Welt brillante Olympische Spiele zu pr\u00e4sentieren, veranstaltet werden. Prof. Wagner erweiterte die Analyse noch um die Funktion der Olympischen Spiele als Strategieinstrument der chinesischen F\u00fchrung, um das au\u00dfenpolitische Ziel des friedlichen Aufstiegs im beginnenden 21. Jahrhundert zu bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">China sieht sich als wieder erstarkte Weltmacht und m\u00f6chte seine internationale Rolle bedeutender darstellen. Dabei hat es nach dem Ende des kalten Krieges die Strategie des friedlichen Aufstiegs (\u201c????\u201c) entwickelt, um sich gegen den als kriegerisch gesehenen Aufstieg anderer M\u00e4chte wie der USA und auch der europ\u00e4ischen Staaten abzugrenzen. Eines der Instrumente zur Verdeutlichung dieses Aufstiegs sind nun auch die Olympischen Spiele. Prof. Wagner nannte als weitere Instrumente dieses soft power- Ansatzes die weltweit mit Begeisterung aufgenommen chinesischen Akrobaten und auch die Pandab\u00e4ren, welche aktiv als Symboltiere f\u00fcr Frieden und Harmonie benutzt w\u00fcrden. Ganz konkret st\u00e4rken die Olympischen Spiele die Macht des Zentralstaates in Peking gegen\u00fcber den Kr\u00e4ften der Regionen. Chinas Machtverteilung unterliegt stark zentrifugalen Kr\u00e4ften und die Zentrale in Peking muss sich best\u00e4ndig starker regionaler Konkurrenzkr\u00e4fte erw\u00e4hren. Die Olympischen Spiele helfen dies teilweise auszusetzen, da der Zentralstaat in diesem Fall f\u00fcr das IOC und alle Teilnehmerl\u00e4nder der einzige Ansprechpartner ist. Des Weiteren dienen die Spiele zur Mobilisierung der Unterst\u00fctzung der Auslandschinesen f\u00fcr das Mutterland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den asiatischen Staaten lebt teilweise eine beachtliche Anzahl von chinesischst\u00e4mmigen Staatsb\u00fcrgern. Diese machen zwar prozentual nur einen sehr geringen Anteil der Bev\u00f6lkerung aus, verf\u00fcgen aber oft \u00fcber eine weit \u00fcberproportionale Finanz- und Wirtschaftskraft. F\u00fcr die Volksrepublik China ist es daher sehr positiv, wenn sich das Wohlwollen dieser Auslandschinesen auf China als Ausrichter der Olympischen Spiele richtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Prof. Wagners Vortrag trat somit eine Vielzahl von Funktionen der Olympischen Spiele zu Tage, welche jeweils theoretisch verordnet wurden. Der fundierte und kurzweilige Vortrag stie\u00df beim politikwissenschaftlichen Publikum auf reges Interesse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">von Sven Lippmann<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"3\" name=\"3\"><span id=\"parent-fieldname-title\">&#8222;Spiel des Lebens&#8220; &#8211; Wie eine Studentin der Sinologie die Olympischen Spiele erlebte <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist Ende Oktober 2007 und an einem Donnerstagabend geschieht etwas, mit dem ich nach wochenlangem Warten nicht mehr gerechnet hatte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bekomme einen Anruf von der H\u00f6rfunk-Produktionsleiterin des Norddeutschen Rundfunks, mit der Zusage f\u00fcr einen Ferienjob bei den Olympischen Spielen in Peking. Zun\u00e4chst h\u00e4lt sich meine Begeisterung in Grenzen. Nachdem ich vergangenes Jahr ein vorolympisches Peking im Aufbau erlebt habe und einige von Olympia noch weitgehend unber\u00fchrte Orte zu Gesicht bekam, war ich recht kritisch gegen\u00fcber der zur Perfektion getriebenen Neugestaltung der Hauptstadt eingestellt.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">August 2008. In Peking angekommen, versuchte ich mich in meiner neuen Aufgabe als Stringerin (so hei\u00dfen die Taxifahrer bei meinem Arbeitgeber). Wichtigste Voraussetzung f\u00fcr diesen Job ist, dass man alle \u00c4ngste, die einen beim Gedanken an eine Autofahrt durch Peking befallen, verdr\u00e4ngen kann! Mein Arbeitsplatz befindet sich hinter dem Steuer eines automatikbetriebenen VW Tourans. Als erstes wurde mir die verantwortungsvolle Aufgabe der Abholung der F\u00fchrerscheine des H\u00f6rfunkteams zugeteilt. Beim Verlassen des verkehrsgesch\u00fctzten Olympischen Gel\u00e4ndes bewahrheiten sich meine schlimmsten Bef\u00fcrchtungen: Auf Pekings Stra\u00dfen gibt es keine Gesetze, hier gilt nur das Recht des St\u00e4rkeren. Busse und LKWs stehen in der Rangordnung ganz oben. Darauf folgen PKWs und Motorr\u00e4der. Fu\u00dfg\u00e4nger und Radfahrer sind die Verlierer in Peking &#8211; &#8222;Spiel des Lebens&#8220;. Obwohl ich mich in der Hierarchie nicht an letzter Stelle befinde, f\u00fchle ich mich wie ein Nagetier, das nach jahrelanger Haustierhaft in die Wildnis ausgesetzt wird. Gefahren lauern vor jeder Kreuzung und nach jeder Abbiegespur, auf die sich vehement ein l\u00e4stiger Taxifahrer dr\u00e4ngelt &#8211; die heimlichen K\u00f6nige der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00e4hrt man fernab der so genannten &#8222;Olympic Lanes&#8220;, speziellen Fahrstreifen, die lediglich von ausgewiesenen Fahrzeugen mit Olympiabezug nutzbar sind, so n\u00e4hert sich die Beschilderungsdichte gen Null. Ich verlasse mich auf meinen Orientierungssinn und fahre nach Gef\u00fchl. Pl\u00f6tzlich befinde ich mich auf dem 3. Ring. Hier gibt es keine Olympic Lane mehr, und ich dr\u00e4ngle mich mit unz\u00e4hligen Taxi- und Busfahrern, die beim Anblick einer Ausl\u00e4nderin hinter dem Steuer beinahe den Griff des Lenkrads verlieren, auf eine Spur. Ich f\u00fchle mich leicht \u00fcberfordert: Karte lesen, Schwei\u00df abwischen, Handy f\u00fcr den Notfall bereithalten, fahren, Stra\u00dfenschilder beachten, Ausfahrt nicht verpassen und &#8211; das Wichtigste &#8211; auf keinen Fall nachgeben und den Taxidr\u00e4nglern die Vorfahrt lassen! Stau. Nach etwa einer Stunde f\u00fcr gesch\u00e4tzte drei Kilometer Luftlinie erreiche ich die F\u00fchrerscheinstelle. Puh\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">N\u00e4chster Tag. Im tiefgek\u00fchlten Media Shuttlebus mache ich mich an diesem eigentlich br\u00fctend hei\u00dfen Augustmorgen auf den Weg ins noch k\u00e4ltere International Broadcast Center (IBC), in dem gef\u00fchlte 16 Grad herrschen. Als der Bus auf den Parkplatz f\u00e4hrt, bekomme ich eine G\u00e4nsehaut: Vor dem IBC parkt ein Panzer. Ungute Erinnerungen an 1989 werden wach. Wer soll hier besch\u00fctzt werden, und vor wem? Ambitionierte, m\u00e4\u00dfig Englisch sprechende Freiwillige, bewaffnet mit Detektoren, unterziehen mich \u2013 der Sicherheit wegen &#8211; regelm\u00e4\u00dfigen Leibesvisitationen: &#8222;What`s in your pocket? Please turn around. Thank you for your cooperation.&#8220; Die Fummelei geh\u00f6rt zur Routine, nicht nur der Journalisten; auch Besucher werden derartigen Kontrollen unterzogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf M\u00fclltrennung &#8211; insbesondere im IBC &#8211; wird seit Beginn der Spiele gr\u00f6\u00dften Wert gelegt. An den Mensam\u00fclltonnen stehen je zwei chinesische Helfer, die den ausl\u00e4ndischen Journalisten beim Sortieren behilflich sind. China will sich schlie\u00dflich von seiner umweltbewussten Seite pr\u00e4sentieren. Leider ist dies keineswegs im ganzen Riesenreich der Fall, sondern eigentlich nur hier, direkt vor den Augen der internationalen Presse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich stehe auf dem Olympiagel\u00e4nde, vor mir der Wasserw\u00fcrfel, im R\u00fccken das Vogelnest und um mich herum eifrig knipsende Chinesen, die nicht nur ausl\u00e4ndische Staatsoberh\u00e4upter sondern eigentlich alles und jeden fotografieren. Obwohl es f\u00fcr chinesische Verh\u00e4ltnisse bereits sp\u00e4t ist, scheint das Olympiagel\u00e4nde nach meinem Feierabend um 20 Uhr gerade erst zum Leben erwacht. Vor dem Coca-Cola Sponsorengeb\u00e4ude bildet sich eine endlose, mit M\u00fche in Reihe gehaltene Menschenschlange. Vor dem Eingang der futuristischen U-Bahn-Haltestelle der neuen Linie 8 stehen Liebespaare Arm in Arm und l\u00e4cheln vertr\u00e4umt in die Kamera. Den Hintergrund stellt ein an Schweizer K\u00e4se gemahnendes, rot-wei\u00dfes Gebilde dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlendert man weiter \u00fcber das weitl\u00e4ufige Olympiagel\u00e4nde, so trifft man fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auf ein seltsames Geb\u00e4ude. W\u00fcsste ich nicht, dass es sich hierbei um die &#8222;Ling Long Pagode&#8220; handelt und dass dort unter anderem das chinesische Staatsfernsehen CCTV w\u00e4hrend der Spiele untergebracht ist, so h\u00e4tte ich es glatt mit einer Rakete kurz vor dem Start verwechselt, der die Sicherungen durchgeknallt sind, und die vor Schmerz nun in allen Farben aufleuchtet. Ein weiteres merkw\u00fcrdiges Geb\u00e4ude ist anscheinend einem Drachen nachempfunden, w\u00e4hrend ich es zun\u00e4chst f\u00fcr eine Hommage an einen gigantischen Haartrockner hielt. Die eigentliche Bestimmung des weithin sichtbaren Komplexes blieb mir bis zum Schluss verborgen, konnte ihn aber stets als Orientierung im verwirrenden Pekinger Stadtverkehr nutzen.<br \/> Anders hingegen der als Schwimmstadion dienende Wasserw\u00fcrfel: Schon allein aufgrund seiner kompakten Gr\u00f6\u00dfe sch\u00fcchtert er weniger ein als die anderen, monumentaleren, Olympiabauwerke. Nein, der blaue Kubus ist das einzige Bauwerk, das dem Vogelnest in Sachen \u00c4sthetik Konkurrenz machen k\u00f6nnte. Sobald es dunkel wird, zeigt sich das volle Farbenspiel seiner Oberfl\u00e4che: Neben st\u00e4ndig wechselnden Farben, sieht man hin und wieder auch pinke Fische um den W\u00fcrfel schwimmen. Technik, die begeistert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Schatten des Vogelnests jedoch ist selbst der heimliche Liebling der Menge nicht in der Lage, seine Betrachter vor Ehrfurcht erstarren zu lassen. Monstr\u00f6s erheben sich vor mir die Stahlpfeiler des Olympiastadions, lediglich das flackernde olympische Feuer haucht dem Vogelnest um diese Tageszeit ein wenig Leben ein. Auf dem gepflegten Rasen vor Chinas Nationalstolz liegen sich ganze Familien l\u00e4chelnd in den Armen und posieren f\u00fcr Fotos in allen m\u00f6glichen Formationen. Das Olympiagel\u00e4nde scheint mit Liebe zum Detail gestaltet: Die zahlreichen kleinen Laternen am Wegrand stellen allesamt graue Vogelnester dar, auf denen Eltern ihre Kinder f\u00fcr ein weiteres Erinnerungsfoto platzieren.<br \/> V\u00f6llig unkontrolliert scheint mir hingegen die Musik, welche aus den omnipr\u00e4senten Lautsprechern t\u00f6nt. Vermengt mit den Tausenden Stimmen der Besucher und der Klicks ihrer Fotoapparate, f\u00fchrt diese bei mir zu anschwellender Reiz\u00fcberflutung. Ich ergreife die Flucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Stra\u00dfen weiter lasse ich mich ersch\u00f6pft auf dem angenehm unsterilen Plastikstuhl einer Gark\u00fcche nieder und beobachte gl\u00fcckliche Chinesen, die, mit Olympiamemorabilia beladen und die Wangen mit &#8222;zhongguo jiayou&#8220; verziert, den Weg nach Hause antreten. Auch ich steige wieder in mein vom Sender gestelltes Auto und stelle mich der Herausforderung Stra\u00dfenverkehr. Anf\u00e4nglich kostete das Fahren viel Schwei\u00df und Nerven, mittlerweile, wenige Tage nach den Spielen, vermisse ich es schon. In einer riesigen Stadt wie Peking gab mir das \u201eeigene\u201c Fahrzeug ein St\u00fcckchen von der Freiheit zur\u00fcck, die ich w\u00e4hrend der Olympischen Spiele vermisst habe.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p> Verena La Mela<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INHALT Fortbildung: Multimedialer Chinesischunterricht Am Samstag, den 08. November 2008 bietet das Schulteam von SHAN e.V. eine Fortbildung zum Thema &#8222;Multimedialer Chinesischunterricht&#8220; f\u00fcr ChinesischlehrerInnen an. 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