{"id":248,"date":"2009-04-01T12:00:00","date_gmt":"2009-04-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2009\/04\/01\/newsletter-april-2009-nr-32\/"},"modified":"2026-05-20T18:36:58","modified_gmt":"2026-05-20T17:36:58","slug":"newsletter-april-2009-nr-32","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2009\/04\/01\/newsletter-april-2009-nr-32\/","title":{"rendered":"Newsletter April 2009 Nr. 32"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"Inhalt\" name=\"Inhalt\">INHALT<\/a><\/h2>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_AufdenSpurenderSinologie\">\n\tAuf den Spuren der Sinologie: Die Entwicklung des Faches an der Universit\u00e4t S\u00e3o Paulo<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDie Sinologische Abteilung der Universit\u00e4t S\u00e3o Paulo wurde 1968 gegr\u00fcndet. Auch in Brasilien hat der Chinaboom seit einigen Jahren zu einem gestiegenen Interesse an sinologischen Studieng\u00e4ngen gef\u00fchrt, dennoch muss das Fach gegen seine Marginalisierung k\u00e4mpfen &#8211; und sich gleichzeitig den neuen Anforderungen der Studierenden anpassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#1\"><strong>&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Artikel<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_DasGebietderSinologieinB\">\n\t&#8222;Das Gebiet der Sinologie in Brasilien war wie ein Urwald, und ich hatte sozusagen die Schmutzarbeit zu erledigen.&#8220;<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tMario Bruno Sproviero ist italienischer Abstammung und wuchs in Italien auf. Er studierte Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t in M\u00fcnchen und belegte Klassische Sinologie nur aus Vergn\u00fcgen. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Brasilien schubste ihn das Schicksal weiter in diese Richtung und er begann an der Sinologischen Abteilung der Universit\u00e4t von S\u00e3o Paulo, damals unter der Leitung von Dr. Sun Chia-Chin, zu unterrichten. Mittlerweile ist Professor Sproviero im Ruhestand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tMit SHAN sprach er \u00fcber seine ersten Kontakte mit der chinesischen Kultur, die Sinologie in Brasilien und die Schwierigkeit des &#8222;Nichtsmachens&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong><a href=\"#2\">&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Interview<\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_MaoZedongszweiteFrauHeZi\">\n\tMao Zedongs zweite Frau He Zizhen und ihre Tochter Li Min \u2013 in China und in der Sowjetunion<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tVor hundert Jahren wurde Mao Zedongs zweite Frau He Zizhen geboren \u2013 sie starb vor f\u00fcnfundzwanzig Jahren. Sie war eine der wenigen Frauen, die am Langen Marsch teilnahmen, lebte zehn Jahre in der Sowjetunion, galt als psychisch krank und war in China lange Zeit vergessen. Ihre Tochter Li Min ist eines von wohl nur noch zwei lebenden Kindern Maos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong><a href=\"#3\">&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Artikel<\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_JohnRabeMatinee\">\n\tJohn Rabe Matinee<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDer Film \u00fcber John Rabe, der seit Anfang April in den Kinos l\u00e4uft, hat &#8211; auch Dank einer aufwendigen Werbekampagne &#8211; f\u00fcr viel Aufmerksamkeit gesorgt. SHAN lud am 5. April seine Mitglieder zum gemeinsamen Besuch der von der China Initiative und dem John Rabe Zentrum Heidelberg organisierten Vorf\u00fchrung des Films und der anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4chsrunde mit John Rabes Enkel Thomas Rabe, Professorin M\u00fcller-Saini und Professor Seifert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#4\"><strong>&gt;&gt; zum vollst\u00e4ndigen Bericht<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_RezensionzumFilmJohnRabe\">\n\tRezension zum Film \u201eJohn Rabe\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tJohn Rabe stellt den Anspruch historischer Authentizit\u00e4t bei einem politisch sensiblen Thema, zielt aber gleichzeitig auf ein gro\u00dfes Publikum. Kann er diesen Spagat meistern? Laura Jehl hat sich den Film angeschaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#5\"><strong>&gt;&gt; zur vollst\u00e4ndigen Rezension<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"1\" name=\"1\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Auf den Spuren der Sinologie: Die Entwicklung des Faches an der Universit\u00e4t S\u00e3o Paulo <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tElf Uhr auf dem Campus der Universit\u00e4t S\u00e3o Paulo (USP). Man sieht kaum Studenten auf dem weitl\u00e4ufigen Gel\u00e4nde. W\u00fcsste man nicht, wohin man ginge, man w\u00fcrde sich rasch verlaufen. Nach einem Besuch der Bibliothek der Fakult\u00e4t f\u00fcr Philosophie, Literatur und Sozialwissenschaften mache ich mich auf den Weg zum Lehrerzimmer der Sinologischen Abteilung im Institut f\u00fcr Orientalische Sprachen. Hier treffe ich Herrn Antonio Jos\u00e9 Bezerra de Menezes, Dozent f\u00fcr klassische Literatur und Geschichte Chinas. Er arbeitet gerade an seiner Promotion und befasst sich hierf\u00fcr mit dem Leben des Jesuitenpaters Joaquin Guerra. Obwohl er schon seit mehreren Jahren in der Abteilung aktiv unterrichtet muss er jetzt gem\u00e4\u00df neuer Regelungen bald seine Doktorarbeit fertig stellen um weiter lehren zu d\u00fcrfen. Dies wird nicht das einzige Problem sein, dass die Sinologen an der USP in den n\u00e4chsten Jahren zu l\u00f6sen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tGegr\u00fcndet wurde die Sinologische Abteilung 1968 vom taiwanischen K\u00fcnstler Sun Chia-Chin. Sun begleitete seinen Meister Zhang Daqian auf einer Brasilienreise. Nachdem Sun aus privatem Interesse Forschung an der USP betrieb wurde ihm angeboten, einen Lehrstuhl f\u00fcr Chinesische Sprach- und Literaturstudien einzurichten, den er dann besetzen k\u00f6nne. Der Bundesstaat S\u00e3o Paulo verlieh ihm sp\u00e4ter eine Medaille f\u00fcr seine F\u00f6rderung von \u201eKultur &amp; Zivilisation\u201c und k\u00fcrte damit seine herausragenden Leistungen als Dozent der USP. Damals belegten im Durchschnitt 4-5 Studenten Suns Kurse. Heutzutage hat das Chinafieber auch Brasilien gepackt. Auf 15 angebotene Studienpl\u00e4tze bewerben sich mehr als doppelt so viele Studenten. Aber ist die Sinologische Abteilung hierauf vorbereitet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tIch treffe mich mit einigen Studenten, um mehr hier\u00fcber zu erfahren. Jo\u00e3o Eduardo schloss 2006 sein Studium der Betriebswirtschaft an der USP ab. Aus Interesse belegte er damals Sinologie im Nebenfach. China reizt ihn besonders wegen seines Wirtschaftsystems. Im letzten Jahr seines Masterstudiums belegte er den 1er und 2er Kurs (mit 120 Std. pro Semester) des chinesischen Sprachunterrichts. Dieser legt einen Schwerpunkt auf die klassische Schriftsprache, aber nicht ausschlie\u00dflich. Nach Abschluss seines Studiums belegte er den 3er Kurs, brach jedoch ab, weil ihn die Pr\u00e4sentation des Unterrichts nicht \u00fcberzeugte. Weil Jo\u00e3o Eduardo mehr wissen wollte ging er f\u00fcr ein Semester nach Peking und arbeitete dort in der Brasilianischen Botschaft. Anders als erwartet verbesserte sich allenfalls die Kenntnis seiner Muttersprache, denn Chinesisch brauchte man f\u00fcr die Arbeit in der Botschaft eigentlich nicht. Er erz\u00e4hlt mir: \u201eDer Unterricht an der USP gilt bereits als elit\u00e4r, denn hier lernen Studenten tats\u00e4chlich neben der gesprochenen Sprache auch die Schriftsprache und kulturelles Hintergrundwissen. Und bis zum 3er Kurs lief auch alles gut.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tJo\u00e3o Eduardo sieht das gr\u00f6\u00dfte Problem der USP vor allem im mangelnden Nachwuchs qualifizierter Fachleute. Der b\u00fcrokratische Aufwand zum Erhalt neuer Mittel sei enorm, und au\u00dferdem werden Universit\u00e4tsabschl\u00fcsse aus der VR China und Taiwan in Brasilien nicht ohne weiteres anerkannt. Die Dozenten, die heute in der Sinologischen Abteilung unterrichten, kommen aus den verschiedensten Fachbereichen, wie beispielsweise Chemie und Erziehungswissenschaften. Unter den Lehrkr\u00e4ften sind drei chinesischst\u00e4mmig, aber nicht alle Lehrkr\u00e4fte sprechen Chinesisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tFragt man, was die Abteilung unbedingt in Angriff nehmen solle, so sind sich Studenten und Dozenten einig: ein fachlicher Masterabschluss muss erm\u00f6glicht werden. Eine andere Studentin gibt mir weitere Details. Ligia war eine der wenigen in den letzten Jahren, die einen Bachelor in Sinologie erworben hatte. Obwohl durchaus gr\u00f6\u00dferes Interesse da ist, rechnen viele Studenten die Kurse nicht an, da sie eine Verschlechterung des Gesamtergebnisses f\u00fcrchten. Ligia glaubt, dass das Interesse der Studenten nicht ausschlie\u00dflich auf dem wirtschaftlichen Wachstum Chinas beruht, sondern vor allem auf dem damit verbundenen Anwachsen des Wissens \u00fcber das Land im Westen. \u201eChina ist kein unbekanntes Land mehr.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tNach Erreichen des Bachelors war es schwer f\u00fcr Ligia, weiterhin einen Fokus auf China an der USP beizubehalten. Sie fand heraus, dass zwei Dozenten am Historischen Institut eine \u201eAsian Study Group\u201c ins Leben riefen. So kommt es, dass Ligia zwar offiziell Ihren Master in Geschichte machen wird, sie sich in ihrer Abschlussarbeit aber auch mit der Kulturrevolution auseinandersetzen wird. Wenn Ligia sich nach dem Studium frei f\u00fcr einen Beruf entscheiden k\u00f6nnte, dann w\u00fcrde sie als Dozentin der Sinologischen Abteilung arbeiten. Sie w\u00fcnscht sich sehr, dass dieser Fachbereich an der USP erweitert und verbessert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tStudenten empfehlen eine \u00dcberarbeitung der Kursstrukturen, gezielte Einf\u00fchrungskurse und mehr Erweiterungskurse. Sie m\u00f6chten in dem mittlerweile auf f\u00fcnf Jahre ausgelegten Studiengang tiefer auf konkrete Themen eingehen. Bei den Studierenden ist die Dozentin Frau Ho Ye Chia am beliebtesten, denn sie bem\u00fcht sich darum, Stipendienpl\u00e4tze f\u00fcr ihre Studenten zu finden und versucht, sie an die Felder der Forschung heranzuf\u00fchren. Sie und ihre Kollegen Herr Menezes und Herr Horta bem\u00fchen sich seit einigen Jahren darum, neue Kurse anzubieten und auch den Wahlbereich interessanter zu gestalten. Engagiert sind sie allesamt, Dozenten wie Studenten. Doch Engagement allein reicht nicht aus, das komplexe Regelwerk zu \u00fcberschauen. Der Institutsleiter Prof. Mario Bruno Sproviero trat letztes Jahr den Ruhestand an. Eine Nachfolge ist noch nicht klar. Aber sie ist dringend. Ein Institut ohne Leitung kann die aufgestellten beh\u00f6rdlichen H\u00fcrden nicht \u00fcberwinden und folglich nicht weiter wachsen.<\/p>\n<p> \t<em>Im Interview spricht der ehemalige Institutsleiter Prof. Sproviero \u00fcber seine ersten Kontakte mit der chinesischen Kultur, die Sinologie in Brasilien und die Schwierigkeit des &#8222;Nichtsmachens&#8220;.<\/em> <a class=\"internal-link\" href=\"#2\" title=\"&quot;Das Gebiet der Sinologie in Brasilien war wie ein Urwald, und ich hatte sozusagen die Schmutzarbeit zu erledigen.&quot;\"> &gt;&gt; zum Interview<\/a><\/p>\n<p> \tKristina Bodrozic-Brnic<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"2\" name=\"2\"><span id=\"parent-fieldname-title\">&#8222;Das Gebiet der Sinologie in Brasilien war wie ein Urwald, und ich hatte sozusagen die Schmutzarbeit zu erledigen.&#8220; <\/span><\/a><\/h2>\n<p class=\"documentDescription\" style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<em>Gegen 13 Uhr verdunkelt sich der Himmel \u00fcber der Stadt und Menschen eilen, um einen Unterschlupf zu finden. Wer einen Regentag in Sao Paulo erwischt, der w\u00e4re mit einem Flo\u00df gut beraten. Herr Menezes und ich sind auf dem Weg zu Prof. Sprovieros Haus. Eine Studentin warnte mich vor meinem Interview mit folgenden Worten: \u201eVielleicht wirst du etwas verwirrt sein, denn Prof. Sproviero wei\u00df so viele Dinge, dass es l\u00e4nger dauert, bis er zum Punkt kommt. Seinen Gedanken zu folgen ist nicht einfach.\u201c Am Ende des Interviews verstand ich, was sie meinte.<\/p>\n<p> \t\tMario Bruno Sproviero ist italienischer Abstammung und wuchs in Italien auf. Er studierte Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t in M\u00fcnchen und belegte Klassische Sinologie nur aus Vergn\u00fcgen. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Brasilien schubste ihn das Schicksal weiter in diese Richtung und er begann an der Sinologischen Abteilung der Universit\u00e4t von Sao Paulo (USP), damals unter der Leitung von Dr. Sun Chia-Chin, zu unterrichten. Mittlerweile ist Prof. Sproviero im Ruhestand. Er war sehr begeistert von den seinerzeit modernen Sprachlaboren der Sinologie in M\u00fcnchen. Weil er auch heute noch gerne Deutsch spricht, f\u00fchren wir das Interview auf Deutsch.<\/em><\/p>\n<p> \t\t<strong>SHAN: Herr Sproviero, wie war das damals mit ihrem Studium?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tMario Bruno Sproviero: Es war sehr kompliziert. Ich hatte eine intellektuelle Krise. Ich habe mich zuerst den Mathematikwissenschaften gewidmet, und dann habe ich zur Philosophie gewechselt. Aber auch Philosophie war problematisch. Ich hatte einen j\u00fcdischen Professor aus Prag, Prof. Vil\u00e9m Flusser, der sich mit der Philosophie der Sprache besch\u00e4ftigte, und Theorien zu Sprache und Realit\u00e4t aufstellte. Da ich etwas Neues erfahren wollte habe ich die chinesische Sprache in M\u00fcnchen als Nebenfach gew\u00e4hlt. Als ich nach Brasilien zur\u00fcckkehrte wurde Chinesisch zu meinem Hauptinteresse, aber das war ein Zufall. Urspr\u00fcnglich hatte ich keine Pl\u00e4ne, mich mit der chinesischen Kultur zu befassen. Mein eigentliches Interesse galt immer der Philosophie und damit wollte ich arbeiten.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Damals hatte Sie auch Sun Chia-Chin beeinflusst?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tJa, nat\u00fcrlich, und auch Zhang Daqian, der Maler. Sun kam nach Brasilien, um vom Maler Zhang Daqian zu lernen. Sun lebt jetzt in Taiwan, ist 81 Jahre alt und sehr ber\u00fchmt. Er sprach hochsprachliches Chinesisch und war somit eine Rarit\u00e4t in Brasilien. Ich habe viel von ihm gelernt. Wir hatten zwei weitere chinesische Lehrer, beide sehr gut. Es war nicht einfach, nach dem zweiten Weltkrieg gab es einen gro\u00dfen Zuwanderungsstrom.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Wenn Sie sagen, dass die Sinologie ein Zufall in Ihrem Leben war, ist dann mit der Zeit nicht Ihr Herz doch hineingewachsen?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tNein. Als ich damals zur\u00fcck nach Brasilien kam und Professor Sun erfuhr, dass ich etwas Chinesisch spreche, hat er mich gefragt, ob ich nicht unterrichten will. So hat es angefangen. Sun sagte: Sie m\u00fcssen nach Taiwan, und dort k\u00f6nnen Sie sich sprachlich weiterentwickeln. 1977 ging ich f\u00fcr ein Jahr nach Taiwan. Der Aufwand war sehr b\u00fcrokratisch und die Gelegenheiten f\u00fcr so einen Aufenthalt selten. Bis etwa 20 Jahre sp\u00e4ter konnte niemand ein Stipendium bekommen. So schwer war es.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Wie war es, als Sie das erste Mal chinesische Kultur erlebten?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tEs war sehr beeindruckend! Ich habe den Vergleich zu Deutschland gemacht. Es war ganz anders. In Deutschland war alles vertrauter, nicht so anders. Aber als ich in China war konnte ich kaum glauben, wirklich da zu sein und die Sprache zu sprechen. Es war wie ein Traum. In Deutschland befand ich mich in einer Krise. Prof. Flusser fragte mich, was ich mache. Und als ich sagte, dass ich Philosophie und Sinologie studierte, da sagte er: Sie sind verr\u00fcckt.<\/p>\n<p> \t\tIn Taiwan hatte ich einen chinesischen Freund. Er hatte mir sehr geholfen. Jetzt unterrichtet er an einer taiwanischen Universit\u00e4t. Er hatte zu mir gesagt: \u201eIch glaube, dass die chinesische Kultur die einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Welt ist, Frieden zu haben.\u201c Ich war anderer Meinung. Obwohl wir Freunde waren hatten wir immer eine kulturelle Auseinadersetzung, dennoch blieb er mein Freund. Und er hatte ein Seminar f\u00fcr etwa 30 Postgraduierte, 15 Chinesen, und 15 Ausl\u00e4nder aus aller Welt. Und alle wollten \u201echinesisch\u201c werden. Unter den Ausl\u00e4ndern war ich der einzige, der das nicht wollte. Dennoch hat er sich unter allen Studenten mich ausgesucht, um mit mir eine Freundschaft aufzubauen und meinte: \u201eSie sind der einzige, der chinesisch ist.\u201c Er polemisierte nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p> \t\tIch habe damals vieles gelernt, zwar nicht aus B\u00fcchern, aber die Erfahrung war phantastisch. Seitdem war ich nicht mehr in China. Als ich zur\u00fcckkam erlebte ich eine gro\u00dfe Krise. Ich konnte nicht nur eine Richtung anstreben, hatte keine wirkliche Berufung. Dann habe ich mich mit chinesischer Philosophie und auch mit Religionen auseinandergesetzt, nicht mehr so sehr mit Logik und wissenschaftlicher Philosophie. In M\u00fcnchen war mein Hauptfach Logischer Positivismus bei Prof. Steckm\u00fcller. Das war der \u201eWiener Kreis\u201c, dort sagt man, es handle sich um eine Enantiodromie: zuerst geht man in eine Richtung, aber dann schwenkt man auf eine ganz andere Richtung.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Was machen Sie jetzt, nachdem Sie im Ruhestand sind?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tDas ist das erste Jahr meines Ruhestandes. Es war kein Problem, aber ich denke nach, und jetzt meditiere ich mehr. Mein Leben wird mir klarer. Das ist eine Reflektion, und ich denke dar\u00fcber nach, was ich gemacht habe. Ich kann immer noch entscheiden.<\/p>\n<p> \t\tIch habe ein Werk zu Laozi verfasst und mich mit dem \u201eWei\u201c, dem \u201eNichtsmachen\u201c auseinandergesetzt, und dieses Nichtsmachen\u2026 (er zittert aus \u201eWas geht uns Noah an?\u201c von Wolfgang von Sch\u00f6fer) \u201eDas Medium, das Bewusstsein der Sprache, es ist weder passiv noch aktiv, denn dies beinhaltet Trennung von der Welt\u201c, und Laozi sagt, dass man diese Trennung nicht vollziehen soll. Man kann die Natur nicht verwandelt, aber man ist auch nicht von der Natur getrennt. Und das ist das Medium. Man soll nichts gegen etwas machen, was mit einem in Einheit steht.<\/p>\n<p> \t\tAber ich pers\u00f6nlich finde nichts zu machen passiv, meine Tendenz geht in diese Richtung, aber wenn etwas aufkommt \u2026 Bis jetzt konnte ich nicht nein sagen. Als ich meine Doktorarbeit machte, wollte ich nicht, aber ich konnte nicht anders als es zu verwirklichen. Aber ich suchte es nicht. Dieses Buch von Wolfgang von Sch\u00f6fer hat mich sehr beeinflusst, weil er sagt: Sprache ist Bewusstsein. Wenn man das Medium der Sprache nicht mehr hat, dann ist etwas aus dem Bewusstsein verschwunden, man hat etwas verloren. Die Einheit bildet sich daraus, wie man mit dieser Sache arbeitet, nicht dagegen zu sein, aber auch nicht aktiv zu sein. Der Autor hat, soweit ich wei\u00df, nur dieses eine Buch geschrieben.<\/p>\n<p> \t\t<strong>In Brasilien gibt es kaum noch \u00fcbersetzte Literatur aus dem Chinesischen. Wenn ich mir Ihre Vita anschaue sehe ich, dass sie viel geleistet haben. Wenn Sie selbst zur\u00fcckblicken, haben Sie das Gef\u00fchl, etwas erreicht zu haben, um k\u00fcnftige Forschungsbedingungen zu verbessern?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tEs ist schwer zu beurteilen, was man selbst gemacht hat. Das Gebiet der Sinologie in Brasilien war wie ein Urwald, und ich hatte sozusagen die Schmutzarbeit zu erledigen. An unserer Universit\u00e4t sind alle Verbliebenen einmal meine Sch\u00fcler gewesen. Er schaut zu Herrn Menezes und \u00fcbersetzt f\u00fcr ihn ins Portugiesische, und teilt ihm mit, dass er und seine Kollegen f\u00fcr ihn die Fr\u00fcchte seiner Arbeit darstellen.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Was haben Sie am Anfang unterrichtet?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tDie alte Sprache und Kultur. Ich habe immer Kultur gemacht. Unsere Fakult\u00e4t ist prim\u00e4r eine Sprachenfakult\u00e4t, der Kulturunterricht umfasste nur zwei Kurse im ersten Jahr, aber ich habe immer Wert auf den kulturellen Hintergrund gelegt, besonders auf die Philosophie des Konfuzianismus und des Daoismus. Ich habe mich in meinen Thesen mit dem Han Feizi befasst. Prof. Sproviero holt das Buch und erz\u00e4hlt. Man verlor den Konfuzianismus, aber man verlor ihn nicht als Staatsreligion.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Was war der Unterricht in den Anf\u00e4ngen an der USP, als Sun Chia-Chin am Institut war?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tAm Anfang war die Vermittlung von Sprache eher intuitiv, weil eine vertiefte Kenntnis der chinesischen Grammatik nicht vorhanden war. Die alten Sprachen sind sehr schwer. Ich habe die Gabe diese Dinge zu lernen und habe mich in die Grammatik vertieft. Ich habe den Bereich zur Kultur gemacht, weil ich besser Portugiesisch konnte als die chinesischen Kollegen, so auch die alten Sprachen. Ich lernte Wenyan und Baihua. Am Anfang wollte ich Baihua nicht erlernen. Ich bin zu theoretisch. Ich kann nicht einfach etwas voraussetzen, sondern muss es hinterfragen. Es ist schwer eine Sprache ohne linguistische B\u00fccher, ohne Theorie, zu lehren.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Was war vorher? Wie wurde unterrichtet?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tProf. Sproviero schmunzelt. Unsere Studenten sind leider nicht wie die Studenten in Deutschland, die ernsthaft studieren. Wir m\u00fcssen alles genau erkl\u00e4ren, viele \u00dcbungen machen. Sie k\u00f6nnen nicht von sich aus lernen. So ist es sehr langsam. Ich kann nicht sagen, lesen sie das Buch und dann k\u00f6nnen wir weiterreden. Nein, ich muss alles erkl\u00e4ren. Es sind zu viele \u00dcbungen zu einer Lektion. Es ist viel Arbeit. Jetzt haben wir auch das chinesische Fernsehen hier, aber damals war das nicht so. Es war sehr schwer. Mit jetzt ist das nicht vergleichbar.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Wie viele Studenten studierten damals Sinologie?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tDamals waren das f\u00fcnf oder sechs Studenten, manchmal auch nur drei. Jetzt ist die Zahl explodiert. Ganz andere Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Hat sich der Typ Student ge\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tDamals gab es viele Studenten, die gerne Chinesisch gelernt haben. Sie konnten ein anderes Fach nicht ausw\u00e4hlen und haben sich dann f\u00fcr Chinesisch entschieden. Sie hatten keine Wahl. Jetzt ist es ganz anders. Es ist peinlich, wenn ein Lehrer unterrichtet und die Studenten kein Interesse zeigen.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Wenn Sie die Entwicklung Ihres Faches an der USP betrachten, haben Sie dann das Gef\u00fchl, das bis jetzt schon vieles erreicht wurde?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tEs war eine gute Entwicklung. Heute haben alle Dozenten einen Doktor gemacht oder arbeiten daran. Sie sind mehr im Business. Die Dozenten am Anfang waren gute, aber auch chinesische Betrachter, nicht von unserer Universit\u00e4t. Die Lehrer in Taiwan waren genauso. Sie wollten nicht Grammatik lehren, sie hatten alte chinesische Erziehungsmethoden, und wir waren anders. Jetzt ist das nicht mehr so, die Chinesen wenden unsere Methoden an und wir nat\u00fcrlich auch ihre.<\/p>\n<p> \t\tDie brasilianischen Universit\u00e4ten waren immer gegen uns. Das ist etwas provinziell. In Deutschland war das nicht so. In Brasilien hatte man die chinesische Sprache und andere exotische Sprachen nicht besonders gern. Die Leute haben es nicht verstanden. Und jetzt wo China boomt ist es wieder anders.<\/p>\n<p> \t\t<strong>In Deutschland war das aber nicht anders. Man hat auch viel um Anerkennung und Akzeptanz k\u00e4mpfen m\u00fcssen.<\/strong><\/p>\n<p> \t\tAber es war anders. Er legt mir das Buch von Leo Gabriel \u201eInterkulturelle Philosophie\u201c vor und belegt, dass man sich doch anders mit der Methodik zur Kulturforschung auseinandersetzte. Leibnitz war sehr begeistert von China. Wolf befasste sich auch mit China. Und Hegel hat die chinesischen Gedanken sokratisiert.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Was w\u00fcnschen Sie der Sinologischen Abteilung?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tDen Masterstudiengang, sonst werden wir nicht \u00fcberleben. Das w\u00e4re eine gute Sache.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Ist es bald realisierbar?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tJa, das Japanische Institut ist nicht wirklich besser als wir, sie haben ein paar Lehrer mehr, aber sie haben die Bewilligung bekommen.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Sie sind im Ruhestand, eine neue Leitung muss gefunden werden, welche Kriterien gibt es f\u00fcr Ihre Nachfolge?<\/strong><\/p>\n<p> \t\tKlar, das ist notwendig f\u00fcr den Masterstudiengang. Wir sollten nicht nur Modernes Chinesisch unterrichten, sondern auch mehr Geschichte und Kultur. Das ist ein gro\u00dfer Unterschied zwischen Europa und Brasilien. In Brasilien wei\u00df man \u00fcberhaupt nichts \u00fcber Geschichte, nichts \u00fcber den Ersten Weltkrieg, nichts \u00fcber Kriege zwischen China und Japan. Wir m\u00fcssen die geschichtliche und kulturelle Basis f\u00f6rdern. Wer war Mao? Wer Stalin? Und warum Mao und Stalin? Solche Informationen sind wichtig.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Herr Sproviero, vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p> \t\t<em>Im Artikel erfahren Sie mehr \u00fcber die Geschichte der Sinologischen Abteilung an der USP, ihren Kampf gegen die Marginalisierung und die gewandelten Anforderungen der Studierenden. <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2009\/april\/auf-den-spuren-der-sinologie-die-entwicklung-des-faches-an-der-universitaet-sao-paulo\" title=\"Auf den Spuren der Sinologie: Die Entwicklung des Faches an der Universit\u00e4t S\u00e3o Paulo\"> &gt;&gt; zum Artikel<\/a><\/em><\/p>\n<p> \t\tDas Interview f\u00fchrte Kristina Bodrozic-Brnic.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"3\" name=\"3\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Mao Zedongs zweite Frau He Zizhen und ihre Tochter Li Min \u2013 in China und in der Sowjetunion <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<em>Vor hundert Jahren wurde Mao Zedongs zweite Frau He Zizhen geboren \u2013 sie starb vor f\u00fcnfundzwanzig Jahren. Nach dem Ende der Ersten Einheitsfront von Kuomintang (KMT) und KP Chinas war Mao 1927 in die s\u00fcdchinesische Provinz Jiangxi geflohen, um dort einen neuen revolution\u00e4ren St\u00fctzpunkt aufzubauen. Seine erste Frau Yang Kaihui blieb mit ihren S\u00f6hnen in ihrer Heimatprovinz Hunan, wo sie sp\u00e4ter get\u00f6tet wurde (siehe Artikel im Newsletter 24).<\/em><\/p>\n<p> \t<strong>In Jiangxi<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tIn Jiangxi lernte Mao Zedong He Zizhen (1909-1984) kennen, die damals schon mit ihrem \u00e4lteren Bruder He Minxue (1904-1988) an kommunistischen Aktivit\u00e4ten beteiligt war. Ihr Heimatort lag in der N\u00e4he des bekannten revolution\u00e4ren St\u00fctzpunkts Jinggangshan. He Zizhen war 1925 dem kommunistischen Jugendverband und 1926 der KP beigetreten. Mao lebte knapp zehn Jahre mit He Zizhen zusammen, sein kleiner Bruder Mao Zetan (1905-1935) heiratete 1931 die j\u00fcngere Schwester He Yi (1911?-1949).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tHe Zizhen geh\u00f6rte zu den wenigen Frauen, die 1934 am Langen Marsch teilnahmen und erreichte mit ihrem Mann im Herbst 1935 die nordwestliche Provinz Shaanxi. 1936 lebten sie in Bao\u2019an, wo im Sommer der amerikanische Journalist Edgar Snow eintraf, daher wird sie auch in seinem Buch <em>Roter Stern \u00fcber China<\/em> erw\u00e4hnt. Im folgenden Jahr traf sie in Yan\u2019an auch die beiden Amerikanerinnen Helen Foster Snow und Agnes Smedley.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tIn den fr\u00fchen dreissiger Jahren bekam He Zizhen etwa f\u00fcnf Kinder. Da auf dem Langen Marsch keine Kinder mitgenommen werden konnten, wurden diese in Jiangxi bei Bauernfamilien gelassen, keines von ihnen wurde sp\u00e4ter wieder gefunden. Als Edgar Snow Mao und He traf, beschrieb er sie als stolze Eltern eines kleinen M\u00e4dchens \u2013 das war die 1936 geborene Li Min.<\/p>\n<p> \t<strong>In der Sowjetunion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tIm Herbst 1937 verliess He Zizhen das kommunistische Gebiet und reiste \u00fcber Xi\u2019an in die Sowjetunion. Da sie w\u00e4hrend des Langen Marsches schwer verletzt worden war und in Yan\u2019an nicht behandelt werden konnte, wollte sie zun\u00e4chst nach Shanghai reisen. Da Nanjing und Shanghai zu dieser Zeit aber von den Japanern angegriffen wurden und etwa gleichzeitig eine neue Flugverbindung nach Moskau geschaffen wurde, nutzte sie diese Gelegenheit und flog 1938 in die Sowjetunion. (W\u00e4hrend der Reise war sie auch schwanger; der in Moskau geborene Sohn starb jedoch bald.) Bald darauf wurde auch ihre junge Tochter Li Min nach Moskau gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tAufgrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs wurde aus einem kurzen Genesungsaufenthalt ein fast zehnj\u00e4hriges Exil, das durch ihre mangelnden Sprachkenntnisse und die harten Kriegsbedingungen f\u00fcr die S\u00fcdchinesin besonders unangenehm war. Hinzu kam, da\u00df ihr in der Sowjetunion mitgeteilt wurde, da\u00df Mao nun Jiang Qing geheiratet hatte. \u00dcber ihren Zustand in der damaligen Zeit gibt es widerspr\u00fcchliche Angaben; sie wurde als krank beziehungsweise geistesgest\u00f6rt bezeichnet, manche Quellen erw\u00e4hnen Krankenhausaufenthalte, andere geschlossene Anstalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tZuf\u00e4lligerweise waren schon vor He Zizhens Ankunft zwei weitere Kinder Maos in Moskau eingetroffen: Mao Anying und Anqing. Sie waren die Kinder Yang Kaihuis, die nach dem Tod ihrer Mutter einige Jahre in Shanghai gelebt hatten und dann aus Sicherheitsgr\u00fcnden in die Sowjetunion gebracht worden waren. So verbrachten nun alle \u00fcberlebenden Kinder Maos die Kriegsjahre im Ausland. Sie lebten mehrere Jahre in dem Kinderheim von Iwanowo.<\/p>\n<p> \t<strong>In der Volksrepublik China<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tHe Zizhen und Li Min kehrten 1947 mit der Bahn nach China zur\u00fcck, sie wohnten erst in Harbin und Shenyang und trafen dort He Yi. 1949 reisten sie nach Shanghai weiter. Kurz zuvor waren Mao Zedong und Jiang Qing in Beijing eingetroffen. Auch He Zizhen wollte damals in die Hauptstadt fahren, bekam hierf\u00fcr jedoch keine Genehmigung. Allerdings erhielt sp\u00e4ter die Tochter Li Min die Erlaubnis, ihren Vater zu treffen; auch Hes Bruder Minxue traf Mao. Ende 1949 starb He Yi bei einem Autounfall, He Zizhen k\u00fcmmerte sich nun auch um deren Sohn. In den folgenden Jahrzehnten lebte He Zizhen in Shanghai und in Jiangxi. Als Mao Zedong im Sommer 1959 nach Jiangxi reiste um an der Lushan Konferenz teilzunehmen, traf er dort He Zizhen \u2013 dies war die letzte Begegnung der beiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tNach dem Tod Maos und der Verhaftung Jiang Qings (1976) begann eine Propagandakampagne in der Jiang Qing kritisiert und Maos erste Frau Yang Kaihui wiederentdeckt wurde; He Zizhens Name tauchte in den Medien erstmal nicht auf. Sp\u00e4ter wurde sie aber in die Politische Konsultativkonferenz gew\u00e4hlt und konnte die Hauptstadt besuchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tHe Zizhen starb im April 1984 in einem Krankenhaus in Shanghai. In ihren letzten Lebensjahren hatte sie zahlreiche Gespr\u00e4che mit der Journalistin Wang Xingjuan gef\u00fchrt. Die Versuche, diese Erinnerungen zu ver\u00f6ffentlichen, wurden jedoch lange von verschiedenen Institutionen behindert, die unangenehme \u201eEnth\u00fcllungen\u201c vermeiden wollten. Vier Jahre nach Fertigstellung des Manuskripts einigte man sich darauf, eine gek\u00fcrzte Fassung intern zu drucken. In den neunziger Jahren konnte die Autorin schlie\u00dflich doch noch ein Buch \u00fcber He Zizhen und Li Min ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tLi Min studierte in den f\u00fcnfziger Jahren in Beijing, ging dann zur Armee und heiratete 1959 den Studenten Kong Linghua. Von den etwa zehn Kindern Maos leben heute wohl nur noch Li Min und Li Na, die einzige Tochter von Jiang Qing.<\/p>\n<p> \t<strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tKomplizierte Familienverh\u00e4ltnisse: Mao Zedongs S\u00f6hne, Schwiegert\u00f6chter und die geheimnisvolle Schw\u00e4gerin<br \/> \tHua Ying: <em>Mao Zedong de ern\u00fcmen<\/em>, Beijing, 1989.<br \/> \tWang Xingjuan: <em>He Zizhen de lu<\/em>, Beijing, 1985 (neibu).<br \/> \tWang Xingjuan: <em>Li Min, He Zizhen yu Mao Zedong<\/em>, Beijing, 1993.<br \/> \tEdgar Snow: <em>Red Star over China<\/em>, London, 1937.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDr. Thomas Kampen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"4\" name=\"4\"><span id=\"parent-fieldname-title\">John Rabe Matinee am 5. April 2009 <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<em>P\u00fcnktlich zum Kino-Start von \u201eJohn Rabe\u201c organisierte die<\/em> <em>China Initiative Heidelberg in Zusammenarbeit mit dem<\/em> <em>John Rabe Zentrum Heidelberg am 5. April ein Matinee im Studio Europa. Als besonderes Highlight erhielten die Zuschauer die M\u00f6glichkeit, sich im Anschluss des Films in einer Gespr\u00e4chsrunde mit dem Enkel John Rabes, Prof. Thomas Rabe, sowie der Sinologin Prof. Gotelind M\u00fcller-Saini und dem Japanologen Wolfgang Seifert \u00fcber die geschichtlichen Hintergr\u00fcnde der Ereignisse in Nanjing auszutauschen.<\/em><\/p>\n<p> \tSchon eine halbe Stunde vor Filmbeginn um elf Uhr bildete sich eine lange Schlange vor dem Kino. Es war ein bunt gemischtes Publikum, das die Kinositze, die mit zus\u00e4tzlichem Informationsmaterial zu John Rabe best\u00fcckt waren, bis in die letzten Reihen f\u00fcllte.<\/p>\n<p> \tDer zweist\u00fcndigen Film r\u00fchrte nicht wenige zu Tr\u00e4nen und regte zum Nachdenken an. Dementsprechend gro\u00df war auch die Beteiligung an der Diskussion, die interessante Fragen hervorbrachte. Viele wollten wissen, inwiefern manche Szenen eher k\u00fcnstlerisch als historisch einzuordnen seien, welche Auswirkungen die Ausstrahlung des Films auf die deutsch-chinesischen Beziehungen habe und wie die Reaktionen in Japan sein k\u00f6nnten. Diesbez\u00fcglich wurde deutlich gemacht, dass der Film dazu beitragen soll, das Verh\u00e4ltnis zwischen Japan zu China neu zu definieren.<\/p>\n<p> \tDer abschlie\u00dfende Beifall des Publikums zeigte die positive Annahme der Veranstaltung. Ob der Film seinen eigenen Anspr\u00fcchen gerecht wird, erfahren Sie in der <a class=\"internal-link\" href=\"#5\" title=\"John Rabe (Regie: Florian Gallenberger)\">Rezension<\/a>.<\/p>\n<p> \tChristel Kemnitz<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"5\" name=\"5\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Rezension zum Film \u201eJohn Rabe\u201c <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<em>Mit dem Film \u201eJohn Rabe\u201c w\u00fcrdigt Regisseur Florian Gallenberger den deutschen Gesch\u00e4ftsmann John Rabe (1882-1950), der 1937 w\u00e4hrend des japanischen Angriffs auf Nanjing f\u00fcr die Errichtung einer Sicherheitszone f\u00fcr die Zivilbev\u00f6lkerung k\u00e4mpfte und dadurch Hunderttausenden das Leben rettete. Basierend auf Rabes Tageb\u00fcchern erz\u00e4hlt der Film die Geschichte eines Helden, der in Deutschland bis dato weitgehend unbekannt geblieben ist. SHAN f\u00fchrte bereits 2007 ein Interview mit John Rabes Enkel, Thomas Rabe, der in Heidelberg das <a href=\"http:\/\/www.john-rabe.de\/\">John Rabe Communication Centre<\/a> unterh\u00e4lt und dadurch die Erinnerung an seinen Gro\u00dfvater lebendig halten will.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDer Film ist eine deutsch-chinesische Koproduktion. Ohne chinesische Beteiligung w\u00e4re es nicht m\u00f6glich gewesen, in China einen Film \u00fcber dieses politisch hochsensible Thema zu drehen, wie Thomas Rabe berichtet. Man merkt dem Film an, dass er sich um eine objektive Darstellung bem\u00fcht, so dies \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Die Grausamkeit der japanischen Armee wird dem Zuschauer in einigen Szenen deutlich vor Augen gef\u00fchrt. Dass man aber bestrebt ist, auch den Japanern ein menschliches Antlitz zu verleihen, wird deutlich an der Figur des Colonel Nakajima Kesago (Tetta Sugimoto). Dieser zweifelt an der unerbittlichen H\u00e4rte der japanischen Armee und begeht am Ende sogar Verrat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie Bem\u00fchung um Authentizit\u00e4t der Darstellung wird unterstrichen durch die Verwendung von Original-Filmdokumenten, die in das Geschehen integriert werden. Leider \u00fcberdeckt die fast durchgehende deutsche Synchronisierung das Sprachenchaos, das zwischen den Chinesen, Japanern, Deutschen, Engl\u00e4ndern und Franzosen geherrscht haben muss. Hier scheint das Kalk\u00fcl um die Zuschauerzahlen die Oberhand behalten zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIm Mittelpunkt des Films steht die Person John Rabe, \u00fcberzeugend dargestellt von Ulrich Tukur. Er ist ein solider Firmenchef, der ein gutm\u00fctig-v\u00e4terliches Verh\u00e4ltnis zu seinen chinesischen Angestellten hat. Seine R\u00fcckkehr nach Deutschland steht unmittelbar bevor. Doch die Ereignisse \u00fcberschlagen sich, Nanjing wird von den Japanern bombardiert und Rabe wird vor die Wahl gestellt, als Vorsitzender der internationalen Sicherheitszone den Menschen vor Ort zu helfen oder sich davonzumachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tBesonders am Anfang des Films gelingt eine Darstellung John Rabes, die auch zur kritischen Auseinandersetzung mit seiner Person anregt. Beispielsweise gibt es einen direkten Schnitt von einer n\u00e4chtlichen Massenerschie\u00dfungsszene zu einer Einstellung, die John Rabe am Klavier zeigt. Hier wird klar, wie gro\u00df die Distanz zwischen der Realit\u00e4t des deutschen Kaufmanns und der Wirklichkeit des Krieges vor den Stadttoren ist \u2013 Rabe h\u00e4tte genauso gut in Hamburg sitzen k\u00f6nnen. Weil er den Nationalsozialisten angeh\u00f6rt, ist er f\u00fcr die Japaner unantastbar \u2013 und steht gerade dadurch auch in der Verantwortung zu handeln. Die Szene ist so \u00fcberzeugend, weil sie den Zuschauer nicht nur emotional anspricht, sondern auch zur Reflexion \u00fcber die Problematik von John Rabes Situation anregt. Schade, dass im Verlauf des Films zunehmend die emotionale Ebene die Oberhand beh\u00e4lt, was durch den dramatisierenden Soundtrack, der an Hollywoodfilme wie \u201ePearl Harbour\u201c erinnert, noch verst\u00e4rkt wird. Zum Schluss bleibt der Eindruck vom Helden John Rabe, der Nanjing von einer jubelnden Menschenmenge begleitet verl\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tVor allem im zweiten Abschnitt verliert der Film Rabe immer wieder aus den Augen. Einen zweiten Handlungsstrang, der mit John Rabe kaum in Beziehung steht, bildet die Liebesgeschichte zwischen der chinesischen Sch\u00fclerin Langshu (Zhang Jingchu) und dem deutschen Botschaftssekret\u00e4r j\u00fcdischer Abstammung, Dr. Georg Rosen (Daniel Br\u00fchl), fungieren. Sollte hier in Hollywood-Manier ein junges, gutaussehendes Liebespaar das Entsetzen des Publikums im Angesicht der Kriegsgreuel abmildern? Oder erf\u00fcllten die Macher des Films m\u00f6glicherweise Forderungen von chinesischer Seite, die chinesische Bev\u00f6lkerung nicht nur als Opfer darzustellen, wenn Langshu todesmutig nachts als japanischer Offizier verkleidet aus dem Pensionat flieht und entgegen dem Bestattungsverbot der Japaner ihren Vater beerdigt? Unabh\u00e4ngig von der Motivation ber\u00fchrt die Zweithandlung den Zuschauer wenig. Auch Daniel Br\u00fchl, der wohl als deutsche Starbesetzung den Kassenerfolg garantieren soll, liefert keine besondere schauspielerische Leistung. Insgesamt h\u00e4tte es nicht geschadet, diesen Handlungsstrang zugunsten einer st\u00e4rkeren Fokussierung auf John Rabe und einer Straffung des 134 Minuten langen Films komplett wegzulassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tTrotz einiger M\u00e4ngel, entfaltet \u201eJohn Rabe\u201c aber eine starke Wirkung beim Publikum und driftet nie v\u00f6llig ins Kitschige ab. Ein sehenswerter Film zu einem Thema, bei dem noch viel Diskussionsbedarf besteht.<br \/> \t\tJohn Rabe<\/p>\n<p> \t\tLaura Jehl<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INHALT Auf den Spuren der Sinologie: Die Entwicklung des Faches an der Universit\u00e4t S\u00e3o Paulo Die Sinologische Abteilung der Universit\u00e4t S\u00e3o Paulo wurde 1968 gegr\u00fcndet. 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