{"id":262,"date":"2010-01-01T12:00:00","date_gmt":"2010-01-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/01\/01\/newsletter-januar-2010-nr-40\/"},"modified":"2026-05-20T18:36:39","modified_gmt":"2026-05-20T17:36:39","slug":"newsletter-januar-2010-nr-40","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/01\/01\/newsletter-januar-2010-nr-40\/","title":{"rendered":"Newsletter Januar 2010 Nr. 40"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"Inhalt\" name=\"Inhalt\">INHALT<\/a><\/h2>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_SoSorryAiWeiwei\">\n\tSo Sorry! Ai Weiwei<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&#8222;So Sorry!&#8220; ist der Titel von Ai Weiweis j\u00fcngster Ausstellung in Deutschland, die noch bis zum 17. Januar im Haus der Kunst in M\u00fcnchen zu sehen ist. Der Titel spielt auf die Entschuldigungen an, die regelm\u00e4\u00dfig von Politik- und Finanzwelt weltweit vorgebracht werden. Kristina Bodrozic-Brnic hat sich die Ausstellung f\u00fcr uns angeschaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong><a href=\"#1\">&gt;&gt; zum Artikel<\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_SushifrZwei:WolfgangKubi\">\n\tSushi f\u00fcr Zwei: Wolfgang Kubin \u00fcber Leung Ping-kwan<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\u00dcber Essen wurde viel geschrieben, viel gedichtet. Wie gro\u00df der Genuss beim Lesen sein kann beweist der K\u00fcnstler Leung Ping-kwan, der mit seiner kreativen Wortwahl humorvolle Poesie schafft. Kubin bezeichnet ihn als Mutlitalent, was nur best\u00e4tigt werden kann. W\u00e4hrend Goethe allenfalls den Appetit auf ein z\u00fcnftiges Bier anregte (&#8222;Ein starkes Bier, ein beizender Tobak und eine Magd in Putz, das ist mein Geschmack.&#8220;), m\u00f6chte man nach Leungs Lekt\u00fcre sofort in die hohe Kunst des Sushi-Rollens eingewiesen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong><a href=\"#2\">&gt;&gt; zum Artikel<\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_DieLangenMrschevor75Jahr\">\n\tDie Langen M\u00e4rsche vor 75 Jahren<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tVor 75 Jahren, vom 15. bis 17. Januar 1935, fand die ber\u00fchmte Zunyi-Konferenz statt. Dr. Thomas Kampen erinnert in seinem Beitrag an die Langen M\u00e4rsche, die auf die Flucht der Kommunisten aus ihren St\u00fctzpunkten in Mittel- und S\u00fcdchina folgten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong><a href=\"#3\">&gt;&gt; zum Artikel<\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_Rezension:FerneQuellenvo\">\n\tRezension: &#8222;Ferne Quellen&#8220; von Alai<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tLousie Raasch hat das nun ins Deutsche \u00fcbersetzte Buch des 1959 in Nordsichuan geborenen Alai f\u00fcr SHAN rezensiert. Ber\u00fchmtheit erlangte der Autor &#8211; auch in Deutschland &#8211; durch seinen ersten Roman &#8222;Roter Mohn&#8220;. Dabei stellt sich auch die Frage, wie ein tibetischer Schriftsteller trotz seiner durchaus kritischen Ansichten relativ ungehindert in China schreiben kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong><a href=\"#4\">&gt;&gt; zur Rezension<\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_DieVerbesserungenbertref\">\n\t&#8222;Die Verbesserungen \u00fcbertreffen alles, was ich mit vorgestellt habe&#8220; &#8211; Interview mit Jing Yongming<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tBei einer von SHAN organisierten Lesung im letzten Jahr pr\u00e4sentierte Jing Yongming den Zuh\u00f6rern Ausz\u00fcge aus seinem Werk \u201ePekinger Zugv\u00f6gel\u201c. SHAN traf ihn nach der Veranstaltung zu einem kurzen Gespr\u00e4ch \u00fcber die Lebensbedingungen der Wanderarbeiter, seine B\u00fccher und sein Restaurant.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong><a href=\"#5\">&gt;&gt; zum Interview<\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_DieschneDiaoSiam-ZweiteV\">\n\t&#8222;Die sch\u00f6ne Diao Siam&#8220; &#8211; Zweite Vorstellung<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tIm Weihnachtsnewsletter haben wir vom gro\u00dfen Erfolg des taiwanesischen Puppentheaters auf der Weihnachtsfeier des Instituts f\u00fcr Sinologie berichtet. F\u00fcr alle, die die Auff\u00fchrung verpasst haben, gibt es gute Nachrichten: Das St\u00fcck wird am Dienstag, den 26.01.2010, um 18.30 Uhr in Raum 136 des Institut f\u00fcr Sinologie (Akademiestra\u00dfe 4-8, 69117 Heidelberg) noch einmal gezeigt!<\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"1\" name=\"1\"><span id=\"parent-fieldname-title\">So Sorry! Ai Weiwei <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tSo Sorry! ist der Titel Ai Weiweis j\u00fcngster Ausstellung in Deutschland, die noch bis zum 17. Januar im Haus der Kunst in M\u00fcnchen zu sehen ist. Der Titel spielt auf die Entschuldigungen, die regelm\u00e4\u00dfig von Politik- und Finanzwelt weltweit an uns herangetragen wird, an. Dass Ai Weiwei ein K\u00fcnstler mit politischem Background ist, ist in Deutschland durch seine Medienpr\u00e4senz sehr bekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDenn kurz vor der Er\u00f6ffnung der Ausstellung machte Weiwei Schlagzeilen mit seiner Notoperation in einem M\u00fcnchner Krankenhaus. Die diagnostizierte Gehirnblutung geht zur\u00fcck auf einen Konflikt mit der chinesischen Polizei in Chengdu, wo Weiwei eigentlich f\u00fcr einen seiner Mitarbeiter vor Gericht aussagen sollte. Der K\u00fcnstler und ein von ihm gegr\u00fcndetes Team machten auf die Baum\u00e4ngel der beim Erdbeben von Sichuan im Mai 2008 eingest\u00fcrzten Schulbauten aufmerksam. Sie kritisierten, dass ohne die Fahrl\u00e4ssigkeiten mehr Sch\u00fcler aus den Geb\u00e4uden h\u00e4tten entkommen k\u00f6nnen. Au\u00dferdem ver\u00f6ffentlichten sie eine Liste mit den Namen der verstorbenen Kinder auf Ai Weiweis ehemaligem Blog bei Sina.com.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tTrotz der Schlie\u00dfung des Blogs setzt sich Weiwei weiterhin mit dem Tod der Kinder auseinander. So finden sich Spuren der Geschehnisse unter anderem in seinem Werk &#8222;Remembering, 2009\u201c, das Teil der M\u00fcnchner Ausstellung ist. Wer auf das Haus der Kunst zul\u00e4uft, erkennt es kaum wieder, denn 9000 Kinderrucks\u00e4cke kleiden die Fassade des Baus. Das Werk ist wie ein Mosaik aus Stoff zusammengesetzt, die farbliche Gestaltung der Rucks\u00e4cke ergibt den klar erkennbaren Schriftzug &#8222;Ta zai zhe ge Shijie shang xin de shenghuo guo qi nian&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t(\u5979\u5728\u8fd9\u4e2a\u4e16\u754c\u4e0a\u5fc3\u7684\u751f\u6d3b\u8fc7\u4e03\u5e74) was hei\u00dft: &#8222;Sie lebte sieben Jahre gl\u00fccklich auf dieser Welt&#8220;.&nbsp; Eine beeindruckende Einleitung!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tBetritt man die Vorhalle, so kl\u00e4ren diverse vergr\u00f6\u00dferte Zeitungsartikel und Fernsehmitschnitte \u00fcber die Situation des K\u00fcnstlers und seine Vergangenheit auf. Er ist Sohn des w\u00e4hrend der Kulturrevolution zwangsversetzten Dichters Ai Qing. Die Familie lebte gezwungenerma\u00dfen ein Leben in Armut in der Stadt Dongbei, das den K\u00fcnstler sehr pr\u00e4gte. Die Erfahrungen seiner Kindheit, die nicht leicht war, dr\u00fccken sich auch in der Zusammenarbeit in seinem Team aus. Es herrscht Meinungsfreiheit und Respekt, angemessene Geh\u00e4lter sind keine Frage, jeder wird gleich behandelt. Hier muss das gro\u00dffl\u00e4chig angelegte Werk &#8222;Though&#8220; von 2007\/2008 erw\u00e4hnt werden. Weiwei stellte einfachen Tischlern das Material zur Verf\u00fcgung und bat sie, einfach das zu machen, wonach ihnen der Sinn stand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tUnd was kam heraus? Die durchaus k\u00fcnstlerisch begabten Handwerker pr\u00e4sentierten einen Drachen, der, aus der Vogelperspektive betrachtet, die wichtigsten Knotenpunkte der VR China aufzeigen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDas Ai Weiwei ein K\u00fcnstler der Superlative ist, zeigte er bereits 2007 bei der Dokumenta 12 in Kassel, wo er f\u00fcr sein Werk &#8222;Fairytale&#8220; 1001 ChinesenInnen, einschlie\u00dflich seiner selbst, einfliegen lie\u00df. Auf diese Weise bot sich den Teilbehmern die Gelegenheit f\u00fcr einen kulturellen Austausch mit Deutschland und Europa au\u00dferhalb Chinas. In M\u00fcnchen sind nun die Bilder der TeilnehmerInnen sowie das Video zur Aktion, an dem die deutsche Filmemacherin Ursula Scheid in gro\u00dfem Ma\u00dfe beteiligt war, zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie \u00fcbergro\u00dfen Werke, wie beispielsweise der im Haus der Kunst ausgestellte &#8222;Soft Ground&#8220;, lassen den Besucher erahnen was f\u00fcr ein gro\u00dfes Team hinter dem K\u00fcnstler Ai Weiwei steht. F\u00fcr diesen 10615 x 35615 Meter gro\u00dfen Teppich, der den historischen Boden samt seiner Besch\u00e4digungen des Hauses imitiert, brauchte man allein 20 Leute zum Verlegen. Die Anzahl der Mitarbeiter aus der Wollweberei in Hebei ist zwar unbekannt, aber sicher nicht unerheblich gewesen, denn in nur 90 Tagen wurde die Kopie der 969 Fliesen der Halle 2 im Haus der Kunst gefertigt. Wer dies und mehr mit eigenen Augen sehen will, hat noch bis zum 17. Januar Gelegenheit dazu.<\/p>\n<p> \t\tAuf der Finnisage am letzten Ausstellungstag wird Pascal Filiu-Derleth, Leiter des Institut Fran\u00e7ais, eine Einf\u00fchrung geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tKristina Bodrozic-Brnic<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"2\" name=\"2\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Sushi f\u00fcr Zwei: Wolfgang Kubin \u00fcber Leung Ping-kwan <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<em>In seiner Nachbemerkung zu \u201eVon Jade und Holz\u201c bezeichnet Wolfgang Kubin den Dichter Leung Ping-kwan (\u6881\u79c9\u921e) \u201eals eine Multibegabung unter der auf Chinesisch schreibenden Schriftstellerzunft.\u201c Mancher vergleicht Leung Ping-kwan und seinen Stil mit dem franz\u00f6sischen Dichter Antoine Emaz (Marchand 2003). Nach Marchand \u201e[\u2026] betonen die beiden Autoren die Sch\u00f6nheit, die normalerweise [unserer] Aufmerksamkeit entgeht und dr\u00fccken diese Sch\u00f6nheit aus in der einfachsten und anscheinend zug\u00e4nglichsten Sprache\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tWer ist Leung Ping-kwan? Leung Ping-kwan, ein Hongkonger Dichter, schrieb viele Gedichte \u00fcber das Essen von den Orten, an denen er fr\u00fcher gewesen war. Im Gespr\u00e4ch mit Wolfgang Kubin in der Veranstaltung \u201eLiterarische Begegnung: Hongkong, Wolfgang Kubin im Gespr\u00e4ch mit Leung Ping-kwan\u201c im Internationalen Zentrum der Frankfurter Buchmesse, wurde ihm eine Frage \u00fcber die Beziehung zwischen Essen und seinen Gedichten gestellt. Ohne Zweifel m\u00fcsse man jeden Tag essen, um weiterzuleben, gab er zu bedenken. Wenngleich gro\u00dfe Ereignisse, wie Revolution, wichtige Themen f\u00fcr viele Schriftsteller seien, so schreibe er gerne \u00fcber das Allt\u00e4gliche und kleine Dinge wie eben das Essen. F\u00fcr ihn sei Essen ein wichtiges Thema, da es uns durch seinen verschiedenen Geschmack, durch Zutaten und Farbe die Kultur eines jeweiligen Landes n\u00e4her bringe. Er las das Gedicht \u201eSushi f\u00fcr Zwei\u201c, das er in Hochchinesisch schrieb, in kantonesischer Aussprache vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\u201eIch m\u00f6chte Seetang sein, der dich einrollt, doch magst du meinen plumpen Leib ums\u00e4umen? Kannst du helle Seeigeleier auf mir ertragen? Eine Liebe zu dir ist auch eine Liebe zu Tintenfisch, Gurke und Krabbe.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t(Sushi f\u00fcr Zwei von Leung Ping-kwan aus dem Gedichtband \u201eVon Jade und Holz\u201c s. 126)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDas Gespr\u00e4ch zwischen Leung Ping-kwan und Wolfgang Kubin, Professor des Sinologischen Seminar der Universit\u00e4t Bonn, wurde auf Chinesisch gef\u00fchrt. Als Leung Ping-kwan gefragt wurde, warum er nicht nur in China beliebt sei, sondern auch in deutschsprachigen L\u00e4ndern, antwortete er ironisch: \u201eWeil ich einen sch\u00f6nen Namen habe.\u201c Das Publikum lachte. \u201eIch finde, dass meine Beliebtheit in der Besonderheit meiner Ansichten liegt, die mich von anderen chinesischen Autoren unterscheidet, Ich versuche, verschiedene Aspekte und Perspektiven in meinen Werken aus zu dr\u00fccken,\u201c f\u00fcgte er noch an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tAuf die Frage von Wolfgang Kubin, was er von der Ansicht vieler Chinesen und Ausl\u00e4nder halte, welche Hongkong zur Kulturw\u00fcste verdammten, antwortete Leung Ping-kwan l\u00e4chelnd: \u201eHongkong hat sich in der letzten Zeit sehr ver\u00e4ndert. Jetzt ist die Stadt ein Kultur- und Wirtschaftszentrum in Asien geworden. Viele Schriftsteller aus Hongkong haben sich auch bem\u00fcht, der Welt in ihren Werken die Kultur der Stadt vorzustellen.\u201c Leung Ping-kwan wurde auch zu einem Blick in die Zukunft aufgefordert. Es wurde gefragt, ob die beiden Autorengruppen aus Hongkong und Festlandchina zusammenwachsen oder nebeneinander bestehen bleiben werden. Leung antwortete nicht direkt, sondern gab ein Beispiel: Das in Hongkong sehr beliebte Getr\u00e4nk Yuan-Yang, das aus einer Mischung von Kaffee und Tee zubereitet wird, bezeichnete der Dichter in einem seiner Werke als \u201eGl\u00fcckliches Paar\u201c, ein perfektes mix and match-Getr\u00e4nk. Er meinte, Schriftsteller aus China und Hongkong sollten ihre Meinungen miteinander austauschen und voneinander lernen, um die Kultur von beiden Seiten besser zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\u201eHei\u00dfes Wasser auf f\u00fcnf verschiedene Sorten, dann den kr\u00e4ftigen Tee mit Milch, in Beuteln oder in sagenhaften Socken vorsichtig gemengt, in eine Kanne gegossen. \u00dcber kurz oder lang macht sich ein Aroma bemerkbar. Hat man es noch im Griff das rechte Ma\u00df? Oder wenn man Tee mit Milch in eine Kaffeetasse schenkt? Das kr\u00e4ftige Gebr\u00e4u duldet nichts an seiner Seite, es verfl\u00fcchtigt den Partner\u2026\u201c (Ein gl\u00fcckliches Paar von Leung Ping-kwan aus dem Gedichtband \u201eVon Jade und Holz\u201c s. 110).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tSeine Gedichtsammlung \u201eVon Jade und Holz\u201c wurde in einer Buchpr\u00e4sentation mit einer Lesung und anschlie\u00dfendem Gespr\u00e4ch, vorgestellt. Wer Interesse hat, kann das Programm auch als Podcast aus dem Online-Archiv h\u00f6ren oder herunterladen: <a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.literadio.org\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.literadio.org<\/a> .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie Gedichtsammlung \u201eVon Jade und Holz\u201c wurde herausgegeben von der EDITION MILO des Drava Verlags. Dieser Gedichtband erz\u00e4hlt die Geschichte von Leungs Reise um die Welt, von China, von seiner Heimatstadt Hongkong, und vom Essen. Leung Ping-kwan spielt auf kreative Weise mit Worten, und schafft so eine eigene Stimmung in seinen Werken. Seine Sprache verbindet seine eigene Geschichte, die klassischen Gedichte der Tang-Dynastie sowie lange und freie postmoderne Erz\u00e4hlungen.<\/p>\n<p> \t\tArisa Ratanapinsiri<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"relatedItems\" style=\"text-align: justify;\">\n\t&nbsp;<\/div>\n<h5 class=\"hiddenStructure\" style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_Artikelaktionen\">\n\tArtikelaktionen<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"3\" name=\"3\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Die Langen M\u00e4rsche vor 75 Jahren <\/span><\/a><\/h2>\n<p class=\"documentDescription\" style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIn den Jahren 1934\/35 eroberten die zahlen- und waffenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegenen Truppen der Guomindang (GMD\/KMT) und der mit ihr verb\u00fcndeten Milit\u00e4rmachthaber die kommunistischen St\u00fctzpunkte in Mittel- und S\u00fcdchina.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Die Flucht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie Fluchtman\u00f6ver der Roten Armee entwickelten sich zu \u201eLangen M\u00e4rschen\u201c, die anfangs weder als solche geplant noch so bezeichnet wurden. Insgesamt waren daran vor allem vier Armeen beteiligt, die aus ihren jeweiligen St\u00fctzpunkten nacheinander aufbrachen: 1. Armee, 25. Armee, 4. Armee und 2. Armee. Die 1. und 4. Armee besa\u00dfen zu Beginn der M\u00e4rsche jeweils mehr als 80.000 Soldaten, die 2. und 25. Armee jeweils weniger als 10.000, die Gesamtzahl lag zu Beginn bei etwa 180.000 Soldaten. Die 1. Armee traf im Herbst 1935 \u2013 nach Verlust von 90% ihrer Soldaten \u2013 im Norden der Provinz Shaanxi ein, die anderen Armeen folgten bis zum Herbst 1936; insgesamt erreichten weniger als 60.000 Soldaten den neuen St\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Yan\u2019an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Die Vertriebenen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie Vertreibung der Kommunisten aus den politisch und wirtschaftlich wichtigsten Provinzen und die Vernichtung von mehr als zwei Dritteln der Roten Armee waren ein Triumph f\u00fcr die GMD und eine Niederlage f\u00fcr die Kommunistische Partei Chinas (KPCh). Dennoch wird das knappe \u00dcberleben von Partei und Armee seit Jahrzehnten als Sieg und der Lange Marsch als Beginn der kommunistischen Eroberung Chinas dargestellt. Hierbei steht der Marsch der 1. Armee, an dem die wichtigsten Politiker der sp\u00e4teren Volksrepublik China \u2013 Mao Zedong, Zhou Enlai, Liu Shaoqi, Lin Biao, Chen Yun und Deng Xiaoping \u2013 teilnahmen, meist im Vordergrund.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDar\u00fcber hinaus wird seit 1949 sowohl in der offiziellen Geschichtsschreibung der KP als auch in westlichen Darstellungen die Bedeutung der personellen Ver\u00e4nderungen in der Partei- und Armeef\u00fchrung besonders hervorgehoben. Danach soll Mao Zedong im Januar 1935 auf der Konferenz von Zunyi (in Guizhou) die bis dahin dominierende stalinistische Fraktion kritisiert und ausgeschaltet haben und selbst den Posten des Partei- bzw. Politb\u00fcrovorsitzenden \u00fcbernommen haben. Diese Darstellung wird jedoch durch die seit den 80er Jahren zug\u00e4nglichen chinesischen Quellen widerlegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Die Zunyi-Konferenz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIn den ersten zwei Monaten nach ihrer Flucht aus Jiangxi hatte die vom Politkommissar Zhou Enlai, dem Parteichef Qin Bangxian und dem deutschen Komintern-Berater Otto Braun gef\u00fchrte 1. Armee bei schwierigen K\u00e4mpfen in Hunan und Guangxi etwa zwei Drittel ihrer Soldaten verloren. Daraufhin forderten einige Partei- und Milit\u00e4rf\u00fchrer eine \u00c4nderung der bisher verfolgten Strategie, die sowohl zum Verlust des Sowjetgebietes als auch zu den Niederlagen zu Beginn des Marsches gef\u00fchrt hatte. Auf der erweiterten Politb\u00fcrotagung von Zunyi, die \u2013 nach neueren chinesischen Recherchen \u2013 vom 15.-17. Januar 1935 stattfand, kritisierten vor allem Zhang Wentian und Mao Zedong sowie der stellvertretende Vorsitzende der Milit\u00e4rkommission, Wang Jiaxiang, die Milit\u00e4rstrategie, jedoch nicht die politische Linie der Parteif\u00fchrung. Abgesehen von der Entmachtung Otto Brauns, die schon vor der Konferenz vollzogen worden war, gab es zun\u00e4chst keine Neuordnung der Parteif\u00fchrung. Erst im folgenden Monat erkl\u00e4rte sich Qin Bangxian bereit, den Posten des Generalsekret\u00e4rs der KP Chinas an Zhang Wentian abzugeben. Da beide ebenso wie Wang Jiaxiang in Moskau studiert und der stalinistischen Gruppe der \u201e28 Bolschewiken\u201c angeh\u00f6rt hatten, bedeutete dies keine wesentliche Ver\u00e4nderung der Machtverh\u00e4ltnisse. Mao Zedong wurde zwar in das ZK-Sekretariat aufgenommen und im M\u00e4rz an der Milit\u00e4rf\u00fchrung beteiligt, aber nicht zum Partei- oder Politb\u00fcrovorsitzenden gew\u00e4hlt; anders lautende Darstellungen sind schon deshalb unzutreffend, weil es diese \u00c4mter in den dreissiger Jahren noch nicht gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIm Sommer 1935 kam es beim Zusammentreffen der von Zhou Enlai gef\u00fchrten 1. Armee und der von Zhang Guotao gef\u00fchrten \u2013 zu jener Zeit viermal so gro\u00dfen \u2013 4. Armee im Nordwesten Sichuans zu einem heftigen Machtkampf. Im Laufe dieser Kontroverse, in der die vorher zerstrittenen F\u00fchrer der 1. Armee weitgehend zusammenhielten, gab Zhou Enlai den Posten des Politkommissars an Zhang Guotao ab und verlor damit \u2013 f\u00fcr immer \u2013 seine F\u00fchrungsposition in der Armee.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Die Trennung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tNach der bald darauf folgenden Trennung der beiden Armeen erlitt die 4. Armee, die nun von Zhang Guotao und Zhu De gef\u00fchrt wurde, gro\u00dfe Verluste und traf erst ein Jahr nach der 1. Armee in Nord-Shaanxi ein. Der politisch geschw\u00e4chte und im Politb\u00fcro isolierte Zhang Guotao verlie\u00df im Fr\u00fchjahr 1938 die KP und lief zur GMD \u00fcber. Dies ist ein wesentlicher Grund f\u00fcr die langj\u00e4hrige Vernachl\u00e4ssigung der 4. Armee in der Geschichtsschreibung. Von den Misserfolgen Zhou Enlais und Qin Bangxians in der Anfangsphase des Marsches und dem Scheitern Zhang Guotaos und Zhu Des in der Sp\u00e4tphase profitierten langfristig der neue Generalsekret\u00e4r Zhang Wentian sowie Mao Zedong, Wang Jiaxiang und Liu Shaoqi.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Die Ankunft in Nordwestchina<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tW\u00e4hrend des Langen Marsches konnte Mao jedoch noch nicht die Macht \u00fcbernehmen, sein Aufstieg war ein langwieriger Prozess, der 1937 durch die R\u00fcckkehr Wang Mings aus Moskau noch einmal verz\u00f6gert wurde. Mao wurde erst am 20. M\u00e4rz 1943 zum Vorsitzenden des Politb\u00fcros und Sekretariats und 1945 zum ZK-Vorsitzenden ernannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Die Geschichtsschreibung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIn der Volksrepublik China gilt die Konferenz von Zunyi als offizielle \u201eAmts\u00fcbernahme\u201c Maos; dies wurde von vielen westlichen Autoren widerspruchslos \u00fcbernommen. Damit konnte von den Misserfolgen Zhous und dessen Konflikt mit Mao abgelenkt und die Hauptverantwortung f\u00fcr die damaligen Fehler und Verluste dem schon 1946 verstorbenen Qin Bangxian zugeschoben werden. Auch nach dem Tode Mao Zedongs und Zhou Enlais wurde an dieser Darstellung festgehalten und im Januar 1985 \u2013 beim 50. Jahrestag der Konferenz \u2013 die Teilnahme der damaligen Politb\u00fcromitglieder Chen Yun, Deng Xiaoping und Yang Shangkun an diesem \u201ehistorischen\u201c Ereignis besonders betont. F\u00fcr Yang Shangkun, als einem der \u2013 offiziell \u2013 1935 ausgeschalteten \u201e28 Bolschewiken\u201c, war der 50. Jahrestag ein Schritt auf dem Weg zur \u00dcbernahme des Amtes des chinesischen Staatspr\u00e4sidenten (1988-93).<\/p>\n<p> \t\t<strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tBraun, Otto, Chinesische Aufzeichnungen, Berlin 1973.<br \/> \t\tKampen, Thomas, \u201eThe Zunyi Conference and further Steps in Mao\u2019s Rise to Power\u201c, China Quarterly, 117 (1989), 118-134.<br \/> \t\tKampen, Thomas, Mao Zedong, Zhou Enlai and the Evolution of the Chinese Communist Leadership, Copenhagen, 2000.<br \/> \t\tSalisbury, Harrison E., The Long March \u2013 the Untold Story, New York 1985.<br \/> \t\tShort, Philip, Mao \u2013 A Life, New York, 1999.<\/p>\n<p> \t\tDr. Thomas Kampen<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"4\" name=\"4\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Rezension: &#8222;Ferne Quellen&#8220; von Alai <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tEin scheuer Junge im tibetischen Grenzland beneidet Gongba, den schuppengesichtigen Pferdehirten, um sein Einsiedlerdasein. Dieser war nach Ausbruch einer Hautkrankheit von seiner Frau verlassen worden und lebt nun fern vom Dorf, bei den Quellen, und h\u00fctet die Pferde. Der Junge besucht ihn immer wieder und lauscht seinen Geschichten. So erf\u00e4hrt er auch von den fernen Quellen, die hei\u00dfer als die hiesigen seien und alle Krankheiten zu heilen verm\u00f6gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\u201e[\u2026] die Sehnsucht nach den hei\u00dfen Quellen war in mir geweckt. Diese Quellen gaben meinem Fernweh erstmals ein konkretes Ziel. Sie wollte ich sehen, diese wahrhaft hei\u00dfen, fernen, wunderkr\u00e4ftigen Quellen. Ich war ein so wortkarges Kind, dass sich meine Eltern nichts sehnlicher w\u00fcnschten, als das ich unter Menschen ohne Hemmungen und mit lauter Stimme sprechen k\u00f6nnte. Die fernen Quellen, dachte ich, w\u00fcrden mich bestimmt von dieser Schw\u00e4che kurieren.\u201c (S. 15)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tAlai erz\u00e4hlt die Geschichte aus der Sicht eines alternden Schriftstellers und Photographen, der seine Kindheitserinnerungen niederschreibt. Jahre sp\u00e4ter erf\u00fcllt er sich seinen Traum und reist zu den sagenumwobenen \u201eFernen Quellen\u201c, doch der Traum l\u00f6st sich auf, als er ankommt. Dort wo fr\u00fcher die Nomaden aus allen Richtungen hin ritten und Frauen und M\u00e4nner gemeinsam nackt badeten, findet sich nun eine Betonlandschaft: Die fernen Quellen sind Opfer eines gescheiterten Tourismus-Projekts geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDie Geschichte handelt von Fernweh und Heimweh; von einem Tibet, das es so nicht mehr gibt, denn auch hier hinterlie\u00df die Kulturrevolution w\u00e4hrend seiner Kindheit in den 60er Jahren ihre Spuren. Dennoch vermag Alai es, den Leser zum Tr\u00e4umen von seiner Heimat zu verf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tAlai wurde 1959 im tibetischen Grenzland in Nordsichuan geboren. In den 80er Jahren begann er, Gedichte und Erz\u00e4hlungen in der Zeitschrift Tibetische Literatur zu ver\u00f6ffentlichen. In Chengdu, wo er heute als freier Schriftsteller lebt, wurde er zum Chefredakteur von Science Fiction World, dem gr\u00f6\u00dften Science-Fiction-Magazin Chinas. Ber\u00fchmtheit erlangte er \u2013 auch in Deutschland \u2013 durch seinen ersten Roman Roter Mohn, der 2004 in deutscher Sprache erschien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tAuf der Frankfurter Buchmesse, bei der von Seiten der deutschen Presse gerne eine Unterteilung zwischen Dissidenten am Rande und Staatsschriftstellern auf der anderen Seite zelebriert wurde, war Alai, Angeh\u00f6riger der tibetischen Minderheit, im zweiten Lager zu finden. Wie ein kritischer Tibeter in die offizielle Delegation des chinesischen Schriftstellerverbandes kam, dar\u00fcber kann nur spekuliert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tIst Kritik in Ma\u00dfen also erlaubt, um dem Vorwurf der Zensur zu entgehen? Schlie\u00dflich beschr\u00e4nkt sich seine Kritik weitestgehend auf die \u201eunruhigen Zeiten\u201c w\u00e4hrend der Kulturrevolution und die Zerst\u00f6rung der Sch\u00f6nheit der Natur durch die Geldgier der Kader. Die Kulturrevolution und die Kehrseiten der Moderne, das sind Themen, die ganz China betreffen. Tibet wird also nicht als Sonderfall behandelt, wodurch das Buch eines kritischen Tibeters nicht die politische Brisanz erh\u00e4lt, die ein westlicher Leser vielleicht erwartet h\u00e4tte.<\/p>\n<p> \t<em>Alai (2009): Ferne Quellen (dt. \u00dcbersetzung: Marc Hermann)<br \/> \tISBN-13: 978-3293004054<br \/> \tOriginaltitel: Yaoyuan de Wenquan<br \/> \tZ\u00fcrich: Unionsverlag<\/em><\/p>\n<p> \tLouise Raasch<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"5\" name=\"5\"><span id=\"parent-fieldname-title\">&#8222;Die Verbesserungen \u00fcbertreffen alles, was ich mit vorgestellt habe&#8220; &#8211; Interview mit Jing Yongming <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tJing Yongming wurde 1958 in Chifeng in der Inneren Mongolei geboren. Er ist Han-Chinese und lebt und schreibt heute in Peking. Bei einer von SHAN organisierten Lesung im letzten Jahr pr\u00e4sentierte er den Zuh\u00f6rern Ausz\u00fcge aus seinem Werk \u201ePekinger Zugv\u00f6gel\u201c, in dem er sich mit dem Leben der Wanderarbeiter auseinandersetzt. SHAN traf ihn nach der Veranstaltung zu einem kurzen Gespr\u00e4ch:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>SHAN: Herr Jing Yongming, Sie sind erst vor Kurzem in Deutschland angekommen. Hatten Sie schon Zeit, sich ein bisschen umzusehen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tJing: Leider gar nicht. Au\u00dfer heute, da habe ich das Heidelberger Schloss gesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Sie befassen sich in einigen ihrer j\u00fcngsten Werke mit dem Thema Wanderarbeit, so zum Beispiel&nbsp; in \u201eEin Pekinger Zugvogel\u201c. Sie haben eben w\u00e4hrend der Lesung gesagt, dass Sie mit Wanderarbeitern zusammen gelebt haben. Wie darf man das verstehen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tGanz genau stimmt die Aussage so nicht. Als ich mein Restaurant er\u00f6ffnete war ich der Chef und sie waren die Angestellten. Wir haben nicht im selben Raum geschlafen, aber wir haben zusammen gegessen. Ich habe nicht nur gekocht, sondern auch die gleichen Arbeiten wie sie erledigt: Vom Gem\u00fcse waschen bis zum Fische t\u00f6ten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Beruhen alle Ihre Geschichten auf wahren Begebenheiten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tEinige sind wahr, andere nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Sie besch\u00e4ftigen sich schon eine Weile mit dem Thema. Sehen Sie Ver\u00e4nderungen, beispielsweise, dass sich die St\u00e4dte mehr bem\u00fchen, Unterk\u00fcnfte bereitzustellen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tEs gibt sehr gro\u00dfe Verbesserungen und sie \u00fcbertreffen alles, was ich mir vorgestellt hatte. Die Regierung widmet der Gruppe der Wanderarbeiter gro\u00dfe Aufmerksamkeit. Ein Beispiel ist das Arbeitsvertragsgesetz, das letztes Jahr in Kraft getreten ist und gesetzliche Regelungen f\u00fcr die Lohnprobleme der Wanderarbeiter trifft. Unter anderem m\u00fcssen Unternehmen, gleich welcher Gr\u00f6\u00dfe, nun Vertr\u00e4ge mit den angeheuerten Wanderarbeitern schlie\u00dfen. Fr\u00fcher wurden sie f\u00fcr ihre Arbeit von Tag zu Tag bezahlt, und manchmal waren die Arbeitgeber mit ihren Zahlungen im R\u00fcckstand \u2013 diese Probleme gibt es jetzt nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Letztes Jahr w\u00e4hrend der Olympischen Spiele wurde viel dar\u00fcber berichtet, dass die Wanderarbeiter Peking verlassen mussten. Dennoch gab es sie auch w\u00e4hrend dieser Zeit. Ich konnte sehen, wie mehrere M\u00e4nner sich ein offenes Zelt teilten. Sieht man dies jetzt, wo die Aufmerksamkeit des Auslands etwas schw\u00e4cher ist, wieder \u00f6fter?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIch war im Vorfeld der Olympischen Spiele die ganze Zeit in Peking, und nach allem was ich wei\u00df mussten nur Wanderarbeiter auf Baustellen in relativ gro\u00dfer N\u00e4he zu den olympischen St\u00e4tten die Stadt verlassen. Aber auch das ist jetzt bestimmt nicht mehr so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tSeit einiger Zeit \u00fcbt die Finanzkrise einen starken Einfluss aus. Um das letzte Fr\u00fchlingsfest herum fanden viele Wanderarbeiter in den St\u00e4dten keine Arbeit, und jetzt ist es genau umgekehrt: Einige kleine und mittlere Betriebe haben sich erholt und finden keine Arbeitskr\u00e4fte mehr. Ich habe in einem chinesischen Artikel gelesen, dass es von einer Arbeiterangst zu einem Arbeitermangel gekommen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Eine Frage zu Ihren Anf\u00e4ngen. Was hat Sie zum Schreiben bewegt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tSeit der Mittelschule habe ich gerne geschrieben, und bis heute hat es in meinem Werk viele Richtungswechsel gegeben. Das liegt vor allem daran, dass ich mehr Lebenserfahrung gesammelt habe, insbesondere was Emotionen anbelangt. Inzwischen hat sich die Situation stark ver\u00e4ndert, aber die vergangenen Jahre waren sehr hart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Sie sagten eben, dass es drei Gruppen von Autoren in China gibt. Die erste Gruppe bilden diejenigen, die ein Teil des Systems sind und ein festes Gehalt als Schriftsteller bekommen. Die zweite bilden jene Autoren au\u00dferhalb des Systems, die von der Schriftstellerei leben k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich gibt es noch die Gruppe derer, die in ihrer Freizeit schreiben und f\u00fcr ihre Finanzierung noch einen anderen Beruf aus\u00fcben m\u00fcssen. Sie ordnen sich bei der letzten Gruppe ein. Glauben Sie, dass die Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse Sie in die Lage versetzen wird, nur von der Schriftstellerei zu leben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIn China gibt es viele staatliche Einschr\u00e4nkungen. Eines gro\u00dfes praktisches Problem ist, dass ich zwar einen Vertrag unterschreiben und beispielsweise ein Mitglied des Pekinger Schriftstellerverbandes werden k\u00f6nnte, mein hukou aber noch immer in der Inneren Mongolei w\u00e4re. Das bereitet gro\u00dfe Schwierigkeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tAu\u00dferdem sind meine Werke nicht besonders herausragend. Deshalb besteht eine solche M\u00f6glichkeit nicht. Aber nat\u00fcrlich ist es ein gro\u00dfer Ansporn f\u00fcr mich, dass meine B\u00fccher \u00fcbersetzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Welche\/r chinesische AutorIn verdient Ihren Respekt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tEs gibt keinen Schriftsteller, den ich besonders verehre. In erster Linie lese ich B\u00fccher. Auch wenn der Autor ber\u00fchmt ist \u2013 wenn ich ein Buch nicht mag, dann lese ich es auch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Lesen Sie denn auch ausl\u00e4ndische Werke, die ins Chinesische \u00fcbersetzt wurden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tEs gibt viele ausl\u00e4ndische B\u00fccher, die ich sehr gerne mag, zum Beispiel Ein fliehendes Pferd von Martin Walser und ein weiteres Standardwerk, Die Blechtrommel von G\u00fcnther Grass.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Haben Sie noch ihr Restaurant?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIm Moment ist es geschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Herr Jing, vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDas Interview f\u00fchrte Kristina Bodrozic-Brnic. Aus dem Chinesischen ins Deutsche \u00fcbersetzte Johannes Lejeune.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INHALT So Sorry! Ai Weiwei &#8222;So Sorry!&#8220; ist der Titel von Ai Weiweis j\u00fcngster Ausstellung in Deutschland, die noch bis zum 17. 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