{"id":264,"date":"2010-02-01T12:00:00","date_gmt":"2010-02-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/02\/01\/newsletter-februar-2010-nr-41\/"},"modified":"2026-05-20T18:36:37","modified_gmt":"2026-05-20T17:36:37","slug":"newsletter-februar-2010-nr-41","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/02\/01\/newsletter-februar-2010-nr-41\/","title":{"rendered":"Newsletter Februar 2010 Nr. 41"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"Inhalt\" name=\"Inhalt\">INHALT<\/a><\/h2>\n<h3 id=\"anker_Sinologeundselbststndig\" style=\"text-align: justify;\">\n\tSinologe und selbstst\u00e4ndig<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tSinologe &#8211; was dann? Eine M\u00f6glichkeit ist der Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit. Wie dieser zu gehen ist, erkl\u00e4rten vier Experten beim SHAN-Workshop zum Thema Existenzgr\u00fcndung. Mit dabei war Dr. Kai Blanck, Berater f\u00fcr Stundenten an der Universit\u00e4t Heidelberg. SHAN hat ihn interviewt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#1\"><strong>&gt;&gt; zum Interview<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_ErzhlenSiemal...LenaHenn\" style=\"text-align: justify;\">\n\tErz\u00e4hlen Sie mal &#8230; Lena Henningsen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tVermutlich gibt es niemanden am Institut f\u00fcr Sinologie, der Lena Henningsen nicht kennt &#8211; steht sie doch als Fachstudienberaterin ratlosen Studierenden zur Seite, und sie hat auch schon zahlreiche Kurse unterrichtet. Aber wie sie zur Sinologie gekommen ist, was sie w\u00e4hrend ihres ersten Chinaaufenthalts erlebt hat, und was ihre Highlights im Studium und als Dozentin waren, wissen wahrscheinlich die wenigsten.<\/p>\n<p> \t<a href=\"#2\"><strong>&gt;&gt; zum Interview<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_LondonParisHeidelberg-Ve\" style=\"text-align: justify;\">\n\tLondon, Paris, Heidelberg &#8211; Vertreter aus Yangzhou auf der Job- und Praktikumsb\u00f6rse<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tKaffee kochen und kopieren &#8211; aber bitte in China! SHAN unterst\u00fctzt Studenten bei der Suche nach Praktikumspl\u00e4tzen, die mehr bieten als die eben genannten Aufgaben. So auch am 18. und 19. Januar, als chinesische Verteter aus Wirtschaft und Verwaltung in Heidelberg die Stadt Yangzhou vorstellten. Welche M\u00f6glichkeiten f\u00fcrJobs und Praktika sich hierbei ergaben, lesen Sie im Artikel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#3\"><strong>&gt;&gt; zum Artikel<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_Agent-Berater-bersetzer:\" style=\"text-align: justify;\">\n\tAgent &#8211; Berater &#8211; \u00dcbersetzer: Otto Brauns Aktivit\u00e4ten in China, der Sowjetunion und der DDR<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tVor 110 Jahren wurde Otto Braun in Bayern geboren, vor 75 Jahren befand er sich in China auf dem langen Marsch. Vor 40 Jahren begang er in der DDR seine Aufzeichnungen zu ver\u00f6ffentlichen &#8211; der Originaltitel hie\u00df: &#8222;Von Schanghai bis Y\u00e4nan&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#4\"><strong>&gt;&gt; zum Artikel<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"1\" name=\"1\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Existenzgr\u00fcndungsworkshop: Interview mit Kai Blanck <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<em>\u201cIch studiere Sinologie\u2026\u201d \u2013 \u201c\u2026und was willst du sp\u00e4ter mal werden?\u201d Die uns allen bekannte Frage, f\u00fcr die meisten Studenten die Frage der Fragen. Die Option Selbstst\u00e4ndigkeit ist f\u00fcr die meisten Studenten, wenn auch nicht direkt im Anschluss an das Studium, dann immerhin als sp\u00e4terer Karriereschritt, attraktiv. Am 16. Januar 2010 kamen vier Referenten im Institut f\u00fcr Sinologie zusammen, um einen Einblick in das Thema \u201cExistenzgr\u00fcndung\u201d zu geben.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDr. Kai Blanck vom Gr\u00fcndungsmanagement der Uni Heidelberg machte den Anfang und kl\u00e4rte uns zun\u00e4chst \u00fcber die Anforderungen an Existenzgr\u00fcnder auf: \u201cEs bedarf keines BWL-Studiums um Existenzgr\u00fcnder zu werden, viel wertvoller ist ein kreativer Kopf und ein Team das sich gegenseitig in seinen Kompetenzen erg\u00e4nzt\u201d. Nachdem Frau Petra Kuhn vom Hochschulteam der Agentur f\u00fcr Arbeit Unterst\u00fctzungen f\u00fcr Hochschulabg\u00e4nger bei Existenzgr\u00fcndungen dargelegt hatte, \u00fcbernahm G\u00fcnther Teichert, beratender Dipl.-Volkswirt\/Existenzgr\u00fcndungsberater und f\u00fchrte uns durch alle Phasen und \u00dcberlegungen einer Existenzgr\u00fcndung: Rechtsformen, Steuer, Marketing etc. Abschlie\u00dfend referierte Volker Oberkircher, M.A., Inhaber der Firma Madhyam Consulting. \u201cSo wie Herr Teichert es beschrieben hat, ist es richtig. Aber bei mir lief alles anders\u201d, erkl\u00e4rte Herr Oberkircher. Mit einer gro\u00dfen Offenheit erz\u00e4hlte er von seinen Erfahrungen als junger Existenzgr\u00fcnder, von seiner Strategie, von dem \u201cGewusst wie\u201d. An dem Seminar aus der Reihe \u201cSinologie in den Beruf\u201d nahmen 27 Studenten teil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDr. Kai Blanck studierte Forstwissenschaften mit den darin inbegriffenen F\u00e4chern BWL und VWL. In der Zeit von 2005 bis 2008 war er Gr\u00fcndungsmitglied und auch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eines Unternehmens, das sich mit nachwachsenden Rohstoffen besch\u00e4ftigte. Nachdem er von 2001 bis 2008 an der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen als Gr\u00fcndungsberater t\u00e4tig war, wechselte er Anfang 2008 an die Universit\u00e4t Heidelberg, wo er unter anderem das Projekt semesterbooks.de betreut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>SHAN: Herr Blanck seit wann ber\u00e4t die Uni Heidelberg in Gr\u00fcndungsfragen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tKai Blanck: Das Gr\u00fcndungsmanagement gibt es seit 2006. Zeitweise wurde es von UniTT (Technologietransfer) betreut. Seit 2004 verf\u00fcgen wir \u00fcber ein UniTT-Gr\u00fcnderzentrum. In Zusammenarbeit mit der Heidelberger Gewerbeimmobilien GmbH wurde es erm\u00f6glicht das Gr\u00fcnder das erste Jahr dort mietfreien Raum zur Verf\u00fcgung gestellt bekommen k\u00f6nnen. Zur Zeit sind dort zwar alle R\u00e4ume belegt, aber wenn Gr\u00fcnder zu uns kommen und Raumbedarf besteht dann versuchen wir geeignete R\u00e4ume zu finden, zum Beispiel auch \u00fcber den Technologiepark, zu dem ebenfalls eine Partnerschaft besteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>In welcher Phase einer Gr\u00fcndung kommen die Gr\u00fcnder zu Ihnen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDas ist ganz unterschiedlich. Manche kommen mit einer ganz ungenauen Idee und wollen sich nur erkundigen. Manche kommen, wenn sie eigentlich schon gegr\u00fcndet haben und F\u00f6rdergelder oder dergleichen beantragt werden sollen. Der ideale Ablauf w\u00e4re folgenderma\u00dfen: Wir machen eine Informationsveranstaltung, wie zum Beispiel bei Ihnen im Institut f\u00fcr Sinologie, daraufhin kommen die Studenten auf eine Gr\u00fcndungsidee, sie entwickeln die Idee weiter und kommen dann zu mir und lassen sich beraten. Gemeinsam \u00fcberlegen wir dann, welche F\u00f6rderma\u00dfnahmen es gibt, welche anderen Programme aus denen Geld beantragt werden kann, welche Gr\u00fcnderwettbewerbe in Frage k\u00e4men, wo es sich anbieten w\u00fcrde teilzunehmen. Dann wird ein Businessplan entwickelt und sich der Raumfrage angenommen. Und irgendwo dazwischen kommt die Gr\u00fcndung selbst. Aber in Realtit\u00e4t laufen die Sachen durcheinander ab, einige kommen zu Schulung, obwohl sie schon seit Jahren gegr\u00fcndet haben und andere bringen den Businessplan bereits fertig mit. Das ist ganz unterschiedlich. In manchen F\u00e4llen geht es auch darum geeignete Partner zu finden um das Gr\u00fcnderteam interdisziplin\u00e4r aufzustellen. Speziell bei den Naturwissenschaftler, wo die Projekte oft von einer anderen Gr\u00f6\u00dfenordnung sind, fehlt oft die kaufm\u00e4nnische Kompetenz, die wir dann nach M\u00f6glichkeit dort hineinzubringen versuchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Empfinden Sie die Heidelberger Studenten denn als sehr gr\u00fcndungsfreudig?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDas Interesse ist von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich. Die Zahlen h\u00e4ngen aber auch sehr stark vom Arbeitsmarkt ab. Sie verlaufen meist gegenl\u00e4ufig zur Konjunktur. Auch jetzt wird wieder erwartet dass die Gr\u00fcndungszahlen hochgehen, weil unsere Absolventen Schwierigkeiten haben auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden. Aber ob es tats\u00e4chlich wieder so sein wird, wie ich es vor 5 Jahren in G\u00f6ttingen bereits erlebt habe, ist zu beobachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Welche Arten von Gr\u00fcndungen wiegen in Heidelberg vor?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tWir haben einen Schwerpunkt bei den LifeSciences: Medizin, Medizintechnik und alles was dazugeh\u00f6rt. Weitere Gr\u00fcndungen kommen h\u00e4ufig aus der IT, wenn man alles rund um Software, Datenbanken etc. dazuz\u00e4hlt. Es ist allerdings nicht nur in Heidelberg, sondern auch an vielen anderen Universtit\u00e4ten so, dass viele Gr\u00fcndungsideen gar nicht so sehr aus dem Studium kommen, sondern eher von dem, was man zu Hause als Hobby macht. Und da gibt es eben viele Leute, die sich mit Computern, Netzwerken, Software, Blogs und \u00e4hnlichem auseinandersetzen. Unsere letzte Gr\u00fcndung beispielsweise die semesterbooks.de haben aus eigener Betroffenheit die Idee gehabt eine Homepage f\u00fcr den Gebrauchtbuchhandel von Studentenliteratur aufzubauen, weil es Ihnen zu teuer war, all die Lehrb\u00fccher Semester zu Semester neu zu kaufen. Da war der eigene Bedarf der Ansto\u00df zu Gr\u00fcndung, gar nicht so sehr das VWL-Studium.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Was passiert, wenn eine Gr\u00fcndung fehlschl\u00e4gt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tBestandteil der Vereinbarung mit der Heidelberg Gewerbeimmobilien GmbH ist, dass wir sehr kurze K\u00fcndigungsfristen haben. Gr\u00fcnderInnen k\u00f6nnen von jetzt auf Ende des Monats aufh\u00f6ren, wenn sie merken, dass es wirklich dringend ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Passiert das oft?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tNein, bisher gibt es ganz wenige Abbr\u00fcche. Im Allgemeinen ist die Abbrecherquote in Deutschland zwar sehr hoch, aber bei den Gr\u00fcndungen aus der Hochschule ist sie wesentlich geringer. Sie liegt bei unter 10%. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind nat\u00fcrlich, dass Studenten gelernt haben, sich in eine neue Materie einzuarbeiten und hoffentlich auch, dass ich sie entsprechend berate.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Kommt es manchmal vor, dass Studenten mit bestimmten Ideen zu Ihnen kommen und sie daraufhin von der Gr\u00fcndung abraten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDirekt ablehnen werde ich die Ideen nicht. Es kommt aber vor, dass ich zum n\u00e4chsten Beratungstermin bestimmte Aufgaben oder Anforderungen stelle, beispielsweise die schriftliche Fixierung der Idee auf einer Seite. Dabei stellt sich heraus, dass die Idee noch nicht ausgereift ist oder dass noch keine Angaben zum Markt oder den Wettbewerbern gemacht werden k\u00f6nnen, Wenn es da auf dem Weg zu einem schriftlichen Gesch\u00e4ftskonzept \u00fcberhaupt nicht weitergeht, weil bestimmte Fragen nicht beantwortet werden k\u00f6nnen, dann h\u00f6rt die Beratung auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Welche sind die ersten wichtigsten Fragen, die ein Gr\u00fcnder beantworten sollte?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie wichtigste Frage ist: Wer sind meine Kunden? Mann muss wissen was die Zielgruppe ist. Au\u00dferdem sollte man in der Lage sein das Gr\u00fcndungsprojekt einem Laien verst\u00e4ndlich zu beschreiben. Viele Wissenschaftler sind so sehr in Ihrer Fachwelt eingebunden, dass sie Schwierigkeiten haben einem Au\u00dfenstehenden verst\u00e4ndlich klarzumachen, worum es in dem Gesch\u00e4ft geht. Wichtig ist das vor allem bei der Suche nach Geldgebern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tSind die ersten Vorbereitungen gut gelaufen wird das Projekt dem Gr\u00fcnderverbund Heidelberg vorgestellt oder ich empfehle die Teilnahme an Gr\u00fcnderwettbewerben, die oftmals wesentlich zur Qualit\u00e4tsverbesserung des Businessplans beitragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Wann und wo k\u00f6nnen die Studenten sich von Ihnen beraten lassen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIch vergebe Termine nach Vereinbarung entweder telefonisch unter <strong>06221-543932<\/strong> oder per E-Mail an <strong>kai.blanck@zuv.uni-heidelberg.de<\/strong>.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDas Interview f\u00fchrte Hanni Truong<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"2\" name=\"2\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Erz\u00e4hlen Sie mal, Frau Henningsen! <\/span><\/a><\/h2>\n<p class=\"documentDescription\" style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<em>Vermutlich gibt es niemanden am Institut f\u00fcr Sinologie, der Lena Henningsen nicht kennt \u2013 steht sie doch als Fachstudienberaterin ratlosen Studierenden zur Seite, und sie hat auch schon zahlreiche Kurse unterrichtet. Aber wie sie zur Sinologie gekommen ist, was sie w\u00e4hrend ihres ersten Chinaaufenthalts erlebt hat, und was ihre Highlights im Studium und als Dozentin waren, wissen wahrscheinlich die wenigsten.&nbsp;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong>SHAN: Hallo Lena. Wie bist Du eigentlich zur Sinologie gekommen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tLena Henningsen: Ich war ein klassischer orientierungsloser Abiturient \u2013 ich hatte eine diffuse Vorstellung, dass ich noch eine Sprache lernen wollte, konnte mich ansonsten nicht entscheiden zwischen Geschichte, Literatur, Politik und Philosophie. Da bot sich Sinologie doch sehr an \u2013 das Fach bietet eine Sprache, die in meiner Familie noch keiner kannte, und keine disziplin\u00e4re Festlegung. Ich habe dann in Berlin an der Humboldt-Uni angefangen und habe das Prop\u00e4deutikum dazu genutzt, querbeet den restlichen F\u00e4cherkatalog auszuprobieren, ehe ich mich f\u00fcr die Nebenf\u00e4cher Musikwissenschaften und Politologie entschied.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong>Wann warst Du das erste Mal in China und was waren Deine Eindr\u00fccke?<\/strong><\/p>\n<p> \tDas war 1998, nach dem Prop\u00e4deutikum, ich bin mit einer Kommilitonin r\u00fcber gefahren. Was uns im Nachhinein aufgefallen war: Wir sind nach China gefahren, ohne eine bestimmte Erwartung zu haben, wie China wohl sein w\u00fcrde. Daher sind wir auf der einen Seite nat\u00fcrlich etwas blau\u00e4ugig durchs Land gereist, auf der anderen Seite konnten wir, dadurch, dass wir keine Vorerwartungen hatten, alles auf uns zukommen lassen und wahrnehmen.<\/p>\n<p> \tUnser einziges richtiges Handicap: irgendwie waren wir nicht bis zu der Lektion mit dem Essen gekommen. Am Anfang ging das Essenbestellen dann auch mehr mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen. Wir haben nat\u00fcrlich nicht immer das serviert bekommen, was wir dachten, bestellt zu haben, aber lecker war es immer. Und wir hatten eine enorm steile Lernkurve.<\/p>\n<p> \t<strong>In welcher Stadt warst Du zum Studium?<\/strong><\/p>\n<p> \tNach der Zwischenpr\u00fcfung war ich ein Jahr in Nanjing. Im Juli ist es dort zwar extrem hei\u00df, aber Nanjing war eine tolle Stadt zum Studieren, denn auf der einen Seite gibt es dort zwar auch andere Ausl\u00e4nder,&nbsp; aber es war relativ leicht aus dieser Ausl\u00e4nder-Ghettoisierung heraus zu kommen. Das ist etwas, was ich den Heidelbergern gerne mit auf den Weg gebe. Wenn man sich entscheidet, auf eigene Faust nach China zu gehen, sollte man sich fragen: \u201eWill ich wirklich in eine ganz gro\u00dfe Stadt oder will ich \u201anur\u2018 in eine Provinzhauptstadt gehen? Oder will ich vielleicht in eine \u201arichtig kleine\u2018 Stadt?\u201c Das sind ja in China oft auch noch Millionen-St\u00e4dte , aber man kann dort noch ganz andere Erfahrungen machen, denn f\u00fcr eine Reihe Leute ist man dort doch immer noch der erste Ausl\u00e4nder. Das ist etwas, was einem in Shanghai und Beijing heute nicht mehr so passiert. Eine Freundin von mir hat es das \u201eMarsm\u00e4nnchensyndrom\u201c genannt: Sie kam dann nach Deutschland zur\u00fcck und hat sich gewundert, dass sich auf einmal die Leute nicht mehr nach ihr umgedreht haben. Das kann einem nat\u00fcrlich auch auf die Nerven gehen, aber man erlebt eben ein ganz anderes China. Das w\u00fcrde ich mir \u00fcberlegen, bevor ich nach China gehe, denn das sind Faktoren, die dieses Jahr ganz anders machen.<\/p>\n<p> \tIch w\u00fcrde mir auch im Vorfeld \u00fcberlegen, was man unternehmen kann (oder will), um einer Ausl\u00e4nder-Ghettoisierung zu entgehen und chinesische Freunde zu finden. Deshalb w\u00fcrde ich auch versuchen, in China die Hobbys aus Deutschland weiterzumachen. So lernt man Leute kennen, die die eigenen Interessen teilen \u2013 mit denen man jenseits von Sprachaustausch einfach auf einer Wellenl\u00e4nge ist.<\/p>\n<p> \t<strong>Was war Dein bester Kurs, als Studentin und als Dozentin?<\/strong><\/p>\n<p> \tGute Frage, mein bester Kurs als Studentin\u2026 Ich habe wahnsinnig viel gelernt in den Kursen von Andrea Janku, die eine unglaublich gute Lehrerin ist und jetzt in London an der SOAS unterrichtet. Zum einen ein Lekt\u00fcrekurs, zum anderen ein Rezensionskurs zur Sozialgeschichte der Qing-Zeit. In diesem Kurs war Andrea so wagemutig anzubieten, eine Vorabversion der Hausarbeit zu korrigieren. Das war f\u00fcr mich etwas ganz Neues. Normalerweise bekommt man ja die Hausarbeit ein halbes Jahr, nachdem man den Kurs gemacht hat, zur\u00fcck. Man liest sich die Kommentare dann durch und denkt sich \u201eja fein, ja, ja \u2026\u201c Aber bei diesen Kommentaren war ich gezwungen, mich damit auseinanderzusetzen, um das dann in der Endversion umzusetzen. Das sollte man didaktisch viel mehr nutzen. Manche Sachen sind nat\u00fcrlich Quatsch, die ein Dozent hinschreibt, ich nehme an, das gilt auch f\u00fcr Dinge, die ich den Studierenden in die Arbeiten hineinschreibe. Aber aus so einer Auseinandersetzung damit, kann man, wie ich finde, sehr viel lernen. Letztlich ist das auch ein erster Schritt hin zu einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung, denn dort geht es ja auch darum, sich mit den Argumenten und Gegenargumenten auseinanderzusetzen, die es zu einem Thema gibt.<\/p>\n<p> \tEinen weiteren Super- Kurs habe ich bei Peter Hoffmann gemacht, als ich schon l\u00e4ngst keine Scheine mehr brauchte. Das war ein Kurs zum literarischen \u00dcbersetzen, in dem wir taiwanesische, avantgardistische Gedichte \u00fcbersetz haben, die sp\u00e4ter auch in einem Buch ver\u00f6ffentlicht wurden. Ich denke, das sind so die Highlights aus meinem Studium. Ich hoffe, dass ich nichts vergessen habe.<\/p>\n<p> \t<strong>Und Dein bester Kurs als Dozentin?<\/strong><\/p>\n<p> \tIch habe ja eine Reihe von Kursen angeboten, die kein gutes Preis-Leistungsverh\u00e4ltnis waren, was den Zeitaufwand f\u00fcr einen Schein angeht. Was mir sehr viel Spa\u00df gemacht hat waren die Schnelllesekurse, die ich vor ein paar Jahren unterrichtet habe. Da ging es darum, in einer Woche so zwischen 40-60 Seiten chinesischen Text zu beackern. So einen Kurs zu besuchen ist nat\u00fcrlich nicht sinnvoll, wenn man schnell und ohne Widerst\u00e4nde durchs Studium gehen will. Aber es ist ein bisschen wie Marathon-Training: ist man erst einmal am Ziel, f\u00fchlt man sich unglaublich gut, und man wird ja in der Regel mit neuen F\u00e4higkeiten belohnt \u2013 dass man von nun an mit einer gewissen Souver\u00e4nit\u00e4t auch l\u00e4ngere Texte angeht.<\/p>\n<p> \tAber das absolute Highlight war vor zwei Jahren f\u00fcr mich der Kurs zum literarischen \u00dcbersetzen. Ein bisschen habe ich mich da \u201ainspirieren\u2018 lassen von dem Kurs von Peter Hoffmann. Das Ziel des Kurses war, die Texte so zu \u00fcbersetzen, dass sie nachher richtig ver\u00f6ffentlicht werden konnten. Das auf der einen Seite ein Ansporn, auf der anderen Seite bedeutet das nat\u00fcrlich viel Arbeit \u2013 f\u00fcr alle Beteiligten.<\/p>\n<p> \tWir haben uns dann im Zweiwochenrhythmus f\u00fcr 4 Stunden getroffen und pro Sitzung zwischen 30 und 40 Seiten chinesischen Text besprochen. Jeder Text wurde w\u00e4hrend des Semesters zweimal diskutiert: erst eine Rohversion, die m\u00f6glichst dicht am Original war; dann eine Version, die zwar noch gebunden war an den Originaltext, sich aber schon ein bisschen von diesem l\u00f6ste. Ziel f\u00fcr die Endversionen (also die Hausarbeiten, die dann nach dem Semester entstanden) war es, einen im Deutschen gut lesbaren Text zu machen, der von den Stilebenen dem Original gerecht wird, der aber auch ein deutsches Lesepublikum anspricht. Das war ein absolut gigantischer Kurs. Wir haben alle ziemlich hart gearbeitet, ich habe aber noch nie einen so kollegialen Kurs erlebt: die Studierenden haben ja nicht nur ihre \u00dcbersetzungen erstellt, sondern die Texte der Kollegen korrigiert und Verbesserungsvorschl\u00e4ge gemacht. Der Kurs hatte sehr starken Werkstattcharakter \u2013 weil es uns um ein gemeinsames Projekt, n\u00e4mlich eine Buchver\u00f6ffentlichung, ging. Leider&nbsp; kann man solche Kurse nicht so h\u00e4ufig anbieten, einfach weil sie f\u00fcr den Dozenten dann doch noch geringf\u00fcgig mehr Arbeit bedeuten als f\u00fcr die Studenten.<\/p>\n<p> \t<strong>Mit welchen Themen besch\u00e4ftigst Du Dich denn gerade im Cluster?<\/strong><\/p>\n<p> \tWir haben gerade ein Projekt laufen, Rethinking Trends, das aus unserer Doktorandengruppe entstanden ist. Hier geht es darum, wie globale Trends wandern, wie sie sich dabei \u00e4ndern \u2013 und wie sie m\u00f6glicherweise die Gesellschaften \u00e4ndern, in die sie auf ihren Reisen kommen. In meinem Teilprojekt geht es um Trends in der chinesischen Essenskultur \u2013 ich interessiere mich daf\u00fcr, wie all die Essensketten wahrgenommen werden, die gerade in China \u201ein\u201c sind: Warum gehen die Leute also zu Starbucks, und was bedeutet das f\u00fcr sie?<\/p>\n<p> \t<strong>Bleibst Du uns erhalten als Dozentin?<\/strong><\/p>\n<p> \tJa, ich hoffe doch sehr. Schon auch, weil es hier wirklich viele unglaublich nette, schlaue und motivierte Studierende gibt. Da macht das Unterrichten einfach Spa\u00df. Ich denke, Kurse wie diesen \u00dcbersetzungskurs oder auch die Schnelllesekurse kann man nicht an jedem beliebigen Institut anbieten. Aber die Motivation und die Bereitschaft, sich f\u00fcr Dinge einzusetzen, beschr\u00e4nkt sich ja nicht nur auf den Unterricht, ich empfinde SHAN auch als etwas ganz Besonderes: nicht nur dass der Verein im Wesentlichen von den Studierenden getragen wird \u2013 auch die Idee dazu und ihre Umsetzung kam ja aus der Mitte der Studentenschaft.<\/p>\n<p> \t<strong>Hattest Du fr\u00fcher einen anderen Traumberuf? Was w\u00e4re aus Dir geworden, wenn Du nicht Sinologin geworden w\u00e4rest?<\/strong><\/p>\n<p> \tIn der Grundschule war jedenfalls Pirat mein Traumberuf.<\/p>\n<p> \t<strong>Deshalb wohl auch die Produktpiraterie als Forschungsgebiet?<\/strong><\/p>\n<p> \tJa eigentlich passt das ganz gut \u2013 eine Art Seitenwechsel. Meine Freundin und ich hatten uns damals auch schon unseren Lieblingsbadesee als Revier ausgesucht. Der hat eine kleine Insel in der Mitte, das schien uns geeignet als R\u00fcckzugsgebiet. Wir hatten auch schon mal Konstruktionspl\u00e4ne f\u00fcr unser Boot gezeichnet, aber irgendwann hat sich das dann wohl verfl\u00fcchtigt.<\/p>\n<p> \t<strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<p> \tDas Interview f\u00fchrte Sylvia Schneider<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"3\" name=\"3\"><span id=\"parent-fieldname-title\">London, Paris, Heidelberg \u2013 Vertreter aus Yangzhou zu Besuch am Neckar <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Am 18. und 19. Januar durfte sich Heidelberg \u00fcber den Besuch einer Delegation aus Yangzhou freuen. Sechzehn Vertreter aus Wirtschaft und Verwaltung hatten sich auf den Weg nach Europa gemacht, um ihre Stadt zu gr\u00f6\u00dferer Bekanntheit zu bringen und ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte anzuwerben. Nach London und Paris kamen die Delegierten auch an den Neckar.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tYangzhou ist eine 4,5-Millionen-Stadt in der Provinz Jiangsu (6634 km2, BIP 15,8 Mrd. EUR). Sie ist in den vergangenen Jahren aufgebl\u00fcht, wirtschaftlich aber auch kulturell. Einst erlangte die Stadt Bedeutung und Bekanntheit durch ihre Lage am Kaiserkanal. Yangzhou war Drehscheibe f\u00fcr den Salzhandel und stieg so zu einer der wohlhabendsten St\u00e4dte Chinas auf. Vom alten Glanz zeugt heute eine der am besten erhaltenen Altst\u00e4dte Chinas, die als Weltkulturerbe anerkannt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tNach ihrer Ankunft am 18. Januar lernten die Delegationsmitglieder zun\u00e4chst die Heidelberger Altstadt kennen. Beim anschlie\u00dfenden Abendessen im \u201cNew Shanghai\u201d nahmen auch Mitglieder des SHAN-Vorstandes teil. Es bot sich die Gelegenheit, in ungezwungener Atmosph\u00e4re mit den G\u00e4sten aus Yangzhou ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Neben dem allgemeinen Austausch und Erz\u00e4hlungen \u00fcber Europa und China wurde schlie\u00dflich auch die Reisemotivation der Yangzhou-Vertreter angesprochen: das Anwerben hoch qualifizierter ausl\u00e4ndischer Fachkr\u00e4fte. F\u00fcr SHAN war nat\u00fcrlich vor allem die Frage von Bedeutung, ob auch Geisteswissenschaftler zur Zielgruppe der Delegation aus Yangzhou geh\u00f6ren; ferner, ob neben Absolventen auch Studenten eine Chance haben, ein Praktikum zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie Antwort war erfreulich positiv. F\u00fcr Sinologen k\u00f6nnten sich unter Anderem Praktika in der Sprachlehre an einer von mehreren Universit\u00e4ten Yangzhous oder f\u00fcr \u00dcbersetzungs- und Dolmetscht\u00e4tigkeiten in den Unternehmen vor Ort ergeben. Forum f\u00fcr dieses Thema bildete die Jobb\u00f6rse am folgenden Tag. Der Empfang am 19. Januar begann gegen 16 Uhr in den R\u00e4umen des Heidelberger V\u00f6lkerkundemuseums. Das Publikum war zahlreich und bestand haupts\u00e4chlich aus deutschen und chinesischen Studierenden der Region; die Veranstaltung war au\u00dfer in Heidelberg auch in Mannheim und Ludwigshafen bekannt gemacht worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie Er\u00f6ffnungsrede hielten Zheng Yao und Sabine Hieronymus (SHAN-Alumni-Team), die Organisatoren vor Ort (beide Mitglieder der China-Initiative Heidelberg e.V.). Sie brachten ihre Freude \u00fcber den Besuch aus Yangzhou zum Ausdruck sowie die Hoffnung auf eine dauerhafte k\u00fcnftige Zusammenarbeit zwischen Yangzhou und der Stadt am Neckar. Dann trat WU Fang ans Mikrophon, Vizedirektorin des Personalb\u00fcros der Stadt Yangzhou. Frau WU bedankte sich herzlich f\u00fcr den Empfang in Heidelberg und lud alle Interessenten ein, Stellenangebote aus Yangzhou wahrzunehmen und die Stadt am Kaiserkanal zu besuchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tMit der Er\u00f6ffnung des Buffets verteilten sich Delegationsmitglieder und Studierende auf die R\u00e4umlichkeiten und der Austausch wurde in vielen kleinen Gespr\u00e4chsrunden fortgesetzt. Im Hintergrund zeigte eine Foto-Pr\u00e4sentation Bilder von Yangzhou und seinen neuen Industrie- und Technologiebezirken. Glasfassaden, B\u00fcror\u00e4ume und Werkhallen mischten sich mit Impressionen vom Kaiserkanal und den Parkanlagen zu seinen Ufern. Vertreter \u00f6rtlicher Betriebe sowie Mitglieder der Tourismusabteilung standen f\u00fcr Fragen bereit. Frau Wu und ihre Kollegen nahmen freundlich Bewerbungen auf und verteilten Kontaktformulare und Informationsmaterial an Interessierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie Mitglieder von SHAN freuten sich erneut zu h\u00f6ren, dass die Stadt Yangzhou auch durchaus an deutschen Praktikanten Interesse habe und nicht nur f\u00fcr Ingenieure und Naturwissenschaftler, sondern auch f\u00fcr Studenten der Sinologie Stellen zu finden seien. Kandidaten k\u00f6nnen die entsprechenden Kontaktformulare ausf\u00fcllen und zusammen mit ihren Bewerbungen an die zust\u00e4ndigen Stellen in Yangzhou weiterleiten lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDas Team Unternehmenskontakte ermutigt jeden Interessenten, sich zu bewerben und ist gern bei der Weiterleitung behilflich. Ein Praktikum in Yangzhou scheint sich schon allein zu lohnen, weil es die sch\u00f6ne Gelegenheit bietet, chinesische Normalit\u00e4t und das chinesische Arbeitsleben vor den Kulissen einer alten Kaiserstadt kennenzulernen.<\/p>\n<p> \t\tLena Hessel<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"4\" name=\"4\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Agent \u2013 Berater \u2013 \u00dcbersetzer: Otto Brauns Aktivit\u00e4ten in China, in der Sowjetunion und in der DDR <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tVor 110 Jahren wurde Otto Braun in Bayern geboren, vor 75 Jahren befand er sich in China auf dem langen Marsch, vor 40 Jahren begann er in der DDR seine Aufzeichnungen zu ver\u00f6ffentlichen \u2013 der Originaltitel hie\u00df: \u201cVon Schanghai bis J\u00e4nan\u201d.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Kommunist und Journalist<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tNur wenige Monate vor sei\u00adner Ab\u00adrei\u00adse in das Sowjet\u00adge\u00adbiet von Jiang\u00adxi traf der deutsche Kom\u00admu\u00adnist Otto Braun im Fr\u00fchjahr 1933 in Peking zum ersten Mal den amerikanischen Journa\u00adlisten Ed\u00adgar Snow (1905-1972), kurz nach dem Langen Marsch begegneten sie sich wieder. H\u00e4tte Braun seine Beo\u00adbach\u00adtun\u00adgen vor und w\u00e4hrend des Langen Marsches noch in den drei\u00dfi\u00adger Jah\u00adren ver\u00ad\u00f6f\u00adfent\u00adlicht, dann w\u00e4\u00adre er wohl welt\u00adbe\u00adr\u00fchmt ge\u00adwor\u00adden. Der im Jahr 1900 in der N\u00e4he von M\u00fcnchen geborene Braun war schlie\u00df\u00adlich an den inner\u00adpartei\u00adlichen Auseinandersetzungen der chi\u00adnesischen KP und den K\u00e4mpfen der Roten Armee, die Snow nur aus Erz\u00e4hlungen kann\u00adte, pers\u00f6nlich beteiligt gewesen. W\u00e4h\u00adrend Snows \u201cRed Star over China\u201d je\u00addoch schon 1937 erschien und schnell ein Best\u00adseller wurde, verfasste Braun nach sei\u00adner R\u00fcck\u00adkehr aus China nur einen Rechen\u00adschafts\u00adbericht f\u00fcr seine Moskauer Arbeit\u00adge\u00adber, der \u00fcber Jahrzehnte der \u00d6f\u00adfent\u00adlich\u00adkeit vor\u00adent\u00adhal\u00adten blieb. W\u00e4hrend Snow noch meh\u00adre\u00adre Rei\u00adsen nach China unternahm und da\u00adr\u00fc\u00adber zahl\u00adrei\u00adche B\u00fccher schrieb war Brauns Ab\u00adschied 1939 endg\u00fcltig. Er konnte sich, wie er im Epilog der \u201cChine\u00adsi\u00adschen Auf\u00adzeich\u00adnungen\u201d zugab, \u201clange Jahre hindurch nicht mehr mit der chi\u00adne\u00adsischen Problematik befassen. Auch wurde mir nahegelegt, \u00fcber Erlebnisse und Beo\u00adbach\u00adtun\u00adgen in Chi\u00adna Stillschwei\u00adgen zu be\u00adwah\u00adren. Dieses Schweige\u00adgebot hielt ich strikt ein.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tWie kam es nun noch 1973 \u2013 ein Jahr vor dem Tod des Autors \u2013 zur Ver\u00f6ffentli\u00adchung der \u201cAuf\u00adzeich\u00adnungen\u201d? Hierzu und zur Aufhe\u00adbung des \u201cSchweige\u00adgebots\u201d macht Braun im Epi\u00adlog kei\u00adne genauen An\u00adgaben, erw\u00e4hnt je\u00addoch wie er \u2013 genau ein Viertel\u00adjahr\u00adhundert nach seiner Ab\u00adrei\u00adse aus China \u2013 sein Schwei\u00adgen brach: \u201cErst 1964, als die antisozia\u00adlisti\u00adsche, anti\u00adsowje\u00adti\u00adsche Politik der maoisti\u00adschen F\u00fch\u00adrungs\u00adgrup\u00adpe aller Welt sichtbar war, trat ich mit einem Ar\u00adti\u00adkel \u2018In wessen Na\u00admen spricht Mao Tse-tung?\u2019, der im Zentral\u00ador\u00adgan der SED, \u2018Neues Deutsch\u00adland\u2019, erschien, an die \u00d6f\u00adfent\u00adlich\u00adkeit.\u201d Hier wird deutlich, dass Braun, der in den f\u00fcnf\u00adzi\u00adger Jah\u00adren einer der erfahrensten Chinaexperten in der SED war, erst zu einer Zeit f\u00fcr seine Partei sprechen durfte, als die Be\u00adzie\u00adhun\u00adgen zu den chinesischen Kom\u00admunisten an einem Tief\u00adpunkt angelangt wa\u00adren.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Berater und Dolmetscher<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tEin Schl\u00fcssel\u00aderlebnis war sicherlich der Sechste Par\u00adtei\u00adtag der SED im Januar 1963 als die KP Chinas ausgerechnet durch Brauns fr\u00fcheren Dol\u00admetscher Wu Xiu\u00adquan (1908-1997) \u2013 inzwi\u00adschen stellvertretender Leiter der Ab\u00adtei\u00adlung f\u00fcr In\u00adter\u00adna\u00adtio\u00adna\u00adle Ver\u00adbin\u00addun\u00adgen \u2013 ver\u00adtreten wurde. In seinen \u201cAuf\u00adzeich\u00adnungen\u201d schreibt Braun allerdings, dass er Wu Xiu\u00adquan nur \u201cvon weitem\u201d sah, offenbar kam es zwi\u00adschen den beiden M\u00e4nnern, die sich seit 1933 kannten, zu keinem direkten Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tMit dem Ausbruch der Kul\u00adtur\u00adre\u00advo\u00adlu\u00adtion, in der Wu Xiu\u00adquan unter anderem wegen seiner Dol\u00admetscher\u00adt\u00e4tig\u00adkeit in den drei\u00dfi\u00adger Jah\u00adren kri\u00adti\u00adsiert und abgesetzt wurde, wuchs das In\u00adteres\u00adse der SED-F\u00fchrung an Braun, da die\u00adser nicht nur den Aufstieg Mao Ze\u00addongs mit\u00ader\u00adlebt hatte, son\u00addern auch dessen neuen Stell\u00advertreter Lin Biao und andere Parteif\u00fchrer per\u00ads\u00f6nlich kann\u00adte. Am 10. No\u00advem\u00adber 1966 f\u00fchr\u00adten Her\u00admann Ma\u00adtern und Her\u00admann Axen, die zu der Zeit dem Politb\u00fcro angeh\u00f6rten, ein l\u00e4ngeres Gespr\u00e4ch mit Braun in dem schon zu Beginn eine direkte Ver\u00adbin\u00addung zwi\u00adschen dem Lan\u00adgen Marsch und der Kul\u00adtur\u00adre\u00advo\u00adlu\u00adtion fest\u00adge\u00adstellt wurde: \u201cDie gegen\u00adw\u00e4r\u00adti\u00adge Politik der chinesi\u00adschen F\u00fchrer hat so\u00adziale und histo\u00adri\u00adsche Ursachen, die bis in die 30er Jahre rei\u00adchen.\u201d W\u00e4hrend Braun in den f\u00fcnfziger Jah\u00adren f\u00fcr die Freund\u00adschaft zwi\u00adschen den chine\u00adsi\u00adschen, sowje\u00adti\u00adschen und deutschen Kom\u00admu\u00adnisten eher eine Be\u00adlastung war, galt er seit Mitte der sech\u00adziger Jah\u00adre als ein China\u00adexperte, der in der Lage war, die von der SED- F\u00fchrung mit Unver\u00adst\u00e4nd\u00adnis (und Schrecken) beobachtete kultur\u00adre\u00advolu\u00adtio\u00adn\u00e4re Ent\u00adwick\u00adlung Chinas und den \u201cwahren Cha\u00adrak\u00adter\u201d des Maoismus zu er\u00adkl\u00e4\u00adren. Hier\u00admit erh\u00f6hte sich der Wert seiner \u2013 zu\u00adn\u00e4chst unge\u00addruckten \u2013 Erinnerungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tZur intensiveren Erfor\u00adschung der innerchinesischen Entwicklung und \u00fcberzeugenderen Darstellung der Haltung der Sowjet\u00adunion und ihrer Verb\u00fcndeten wurden mit der Spaltung des sozialistischen Lagers die wissen\u00adschaft\u00adlichen Kontakte verst\u00e4rkt und in den ost\u00adeuro\u00adp\u00e4ischen Haupt\u00adst\u00e4dten wie\u00adder\u00adholt Konferen\u00adzen zur China\u00adfor\u00adschung durch\u00adge\u00adf\u00fchrt. In einem Bericht \u00fcber eine Kon\u00adfe\u00adrenz, die im Januar 1969 in Berlin statt\u00adfand, hei\u00dft es: \u201cGro\u00dfen Eindruck hin\u00adter\u00adlie\u00df ein qua\u00adli\u00adfi\u00adzierter Vortrag des Genossen Otto Braun, der \u00fcber seine T\u00e4tigkeit als Berater im Auf\u00adtra\u00adge der KOMINTERN in den Jahren 1932 \u2013 1939 in Chi\u00adna berichtete. Die sowje\u00adti\u00adschen Ge\u00adnos\u00adsen legten gro\u00dfen Wert da\u00adrauf, da\u00df Ge\u00adnos\u00adse Braun auf der Bera\u00adtung spricht, weil er der einzige ausl\u00e4ndi\u00adsche Teil\u00adnehmer am Lan\u00adgen Marsch und Augen\u00adzeu\u00adge der soge\u00adnann\u00adten er\u00adwei\u00adter\u00adten Po\u00adlit\u00adb\u00fc\u00adro\u00adsitzung in Dsunyi&nbsp; [Zunyi]&nbsp; im Jah\u00adre 1935 war, auf der Mao Tse-tung mit Un\u00adter\u00adst\u00fctzung von Lin Bjao die Macht in der KP China an sich ri\u00df.\u201d Wichtig ist hierbei der Hin\u00adweis darauf, dass das Interes\u00adse an Braun bei den \u201csowjeti\u00adschen Ge\u00adnos\u00adsen\u201d am st\u00e4rksten war, vor allem wenn in Betracht gezogen wird, dass wohl auch das er\u00adw\u00e4hn\u00adte \u201cSchweige\u00adgebot\u201d ein sowje\u00adti\u00adsches war. Au\u00dferdem taucht in diesem Bericht der Be\u00adgriff \u201cReha\u00adbi\u00adli\u00adtierung\u201d auf, der in Brauns Buch sp\u00e4ter nicht erw\u00e4hnt wird. Im Epilog steht die Behauptung, dass er in der Sowjet\u00adunion keinen Einschr\u00e4n\u00adkungen seiner \u201cper\u00ads\u00f6nlichen Freiheit oder gar Repressalien un\u00adter\u00adworfen\u201d gewesen w\u00e4re. Dann folgt jedoch: \u201cTrotzdem wirkten sich nat\u00fcrlich die von Mao Tse-tung gegen mich insze\u00adnierte Hetze und ihre Folge\u00aderschei\u00adnun\u00adgen auf mein ganzes weiteres Leben aus.\u201d Auff\u00e4llig ist im\u00admer\u00adhin, dass der schon 1919 der KPD bei\u00adge\u00adtre\u00adte\u00adne Braun auch nach einem halben Jahr\u00adhundert noch keine wichti\u00adgen \u00c4mter inne hatte; in den f\u00fcnf\u00adziger Jahren war er vor allem als \u00dcber\u00adsetzer und Redakteur t\u00e4tig gewesen.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Autor und Redner<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDiese Konfe\u00adrenz und sein Vortrag \u201c\u00dcber einige historische Ursachen der gegen\u00adw\u00e4rtigen Po\u00adli\u00adtik Mao Tse-tungs\u201d hatten aller\u00addings f\u00fcr Braun wichtige Kon\u00adse\u00adquen\u00adzen: noch 1969 wur\u00adde er wis\u00adsen\u00adschaft\u00adli\u00adcher Mitarbeiter des In\u00adsti\u00adtuts f\u00fcr Gesell\u00adschafts\u00adwis\u00adsen\u00adschaf\u00adten beim ZK der SED und dazu aufge\u00adfordert, sei\u00adne Erin\u00adne\u00adrun\u00adgen nie\u00adder\u00adzu\u00adschrei\u00adben. Im gleichen Jahr konn\u00adte er in der Artikel\u00adserie \u201cVon Shang\u00adhai bis J\u00e4nan\u201d in der Zeitschrift \u201chorizont\u201d zum ersten Mal ei\u00adnem breite\u00adren Publi\u00adkum von seinen Erleb\u00adnis\u00adsen in China berichten. Schon die ersten S\u00e4tze ver\u00addeut\u00adlichen den zeitlichen Hintergrund und Brauns Einstellung: \u201cDie Sch\u00fcsse am Us\u00adsu\u00adri, dem fern\u00ad\u00f6stli\u00adchen Grenz\u00adstrom zwi\u00adschen Chi\u00adna und der So\u00adwjet\u00adunion, sind ver\u00adhallt. Die\u00adse unge\u00adheuerli\u00adche sowjet-feind\u00adliche Pro\u00advo\u00adka\u00adtion hat die ganze Welt erregt. Die Im\u00adpe\u00adria\u00adli\u00adsten, allen voran die Regie\u00adrungen in Wa\u00adshing\u00adton und Bonn reiben sich schaden\u00adfroh die H\u00e4n\u00adde.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIn den folgen\u00adden Jahren ent\u00adstan\u00adden dann die \u201cChi\u00adnesi\u00adschen Auf\u00adzeich\u00adnungen\u201d, die 1973 im Dietz Verlag erschienen. Im Epilog des knapp vierhundertseitigen Werks erkl\u00e4rt der Autor noch einmal unmissverst\u00e4ndlich: \u201cDie Auf\u00adzeich\u00adnungen sind von mir als Waffe gedacht, die der Entlarvung der maoistischen Geschichts\u00adf\u00e4l\u00adscher und dem politisch-ideolo\u00adgi\u00adschen Kampf gegen den Maoismus dienen soll.\u201d Eine weitere Bemerkung erkl\u00e4rt nicht nur viele M\u00e4ngel seines Buches sondern auch einen der wich\u00adtigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr sein Scheitern in China: \u201cDie Einstellung zur Sowjetunion habe ich zeit\u00adlebens als Pr\u00fcfstein f\u00fcr jeden Kom\u00admunisten, ganz gleich welcher Nationali\u00adt\u00e4t und in wel\u00adcher Si\u00adtua\u00adtion, betrachtet. Davon habe ich mich auch in Chi\u00adna leiten lassen und die In\u00adteres\u00adsen des Sowjetvolkes, die sich in der Po\u00adli\u00adtik der Sowjet\u00adregierung verk\u00f6r\u00adperten, so gut ich es verstand und vermochte, in v\u00f6lliger Iso\u00adlie\u00adrung und unter schwierigsten Ver\u00adh\u00e4lt\u00adnissen, stets verfochten.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie \u201cAuf\u00adzeich\u00adnun\u00adgen\u201d waren trotz jahrzehn\u00adte\u00adlan\u00adger Versp\u00e4tung relativ erfolgreich. Schon bald wur\u00adden \u2013 wie vorher geplant \u2013 \u00dcbersetzungen in russischer und in an\u00adderen osteurop\u00e4ischen Sprachen ver\u00adbrei\u00adtet. (1973 wur\u00adden in Moskau auch die sogenannten \u201cWladimirow -Tage\u00adb\u00fccher\u201d ver\u00ad\u00f6f\u00adfent\u00adlicht, die zeitlich an die \u201cAuf\u00adzeich\u00adnun\u00adgen\u201d an\u00adschlos\u00adsen und \u00e4hnlichen Zwecken dienten; drei Jahre sp\u00e4\u00adter brachte der Dietz Verlag die deutsche \u00dcbersetzung \u201cDas Sondergebiet Chinas\u201d he\u00adraus). 1980 er\u00adschien Brauns Werk auch auf Chinesisch, wurde jedoch zun\u00e4chst nur einem kleinen Kreis von Spezia\u00adlisten zur Verf\u00fcgung gestellt; Massen\u00adauflagen wie bei den chi\u00adne\u00adsi\u00adschen Aus\u00adgaben von Snows Werken waren wohl nicht er\u00adw\u00fcnscht. Inzwischen sind jedoch Neu\u00adauflagen und zahlreiche Aufs\u00e4tze, sowie min\u00addestens ein umfang\u00adreiches Buch \u00fcber Braun in China er\u00adschienen. Nach heftiger Kri\u00adtik in fr\u00fche\u00adren Jahren gibt es inzwischen auch posi\u00adtive \u00c4u\u00dferungen zu Braun, selbst Wu Xiu\u00adquan ver\u00f6ffentlichte 1987 noch einige freund\u00adlichere Bemerkungen \u00fcber ihn. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Be\u00adzie\u00adhun\u00adgen zwischen China und der DDR schon stark verbessert.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Amerikanische und sowjetische \u201cAgenten\u201d<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tOtto Braun starb 1974 und hat von dem Erfolg seines Buchs nicht mehr viel erlebt; nur wenige Jahre zu\u00advor war Ed\u00adgar Snow gestorben, den Braun als \u201cGe\u00adheim\u00adagenten der USA\u201d beschrieb, w\u00e4hrend er bei dessen Frau Helen Snow und bei Agnes Smed\u00adley \u201ctrotzkistische Neigungen\u201d feststellte. Interessant sind jedoch einige Parallelen, denn Snow und Braun beka\u00admen beide nach ihrer R\u00fcckkehr aus China Schwie\u00adrig\u00adkeiten. In den f\u00fcnfziger Jahren wurde Snow Opfer der chinesisch-amerikanischen Feindschaft, w\u00e4hrend Braun wegen der Freundschaft zwi\u00adschen China, der Sowjetunion und der DDR zun\u00e4chst zum Schweigen verurteilt war. Anfang der siebziger Jahre konnte Snow dann zur Ver\u00adbes\u00adserung der Bezie\u00adhun\u00adgen zwischen China und den USA bei\u00adtragen, w\u00e4hrend Braun mit seinem Kampf gegen den Maoismus schlie\u00dflich die offizielle Unterst\u00fctzung der F\u00fchrung der KPdSU und SED erlangte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDass Braun kurz vor seinem Tod die \u201cAuf\u00adzeich\u00adnun\u00adgen\u201d ver\u00f6ffentlichte, bedeutete allerdings nicht, dass er das anfangs erw\u00e4hnte Schweige\u00adgebot nun vollkommen ignorierte \u2013 viele wichtige Details blieben weiterhin unerw\u00e4hnt. Die wichtigsten Probleme sind hierbei: wer schickte ihn nach China und was waren seine Aufgaben? Inzwischen ist bekannt, dass er nicht von einer Kommunistischen Partei oder der Kommunistischen Internationale nach Ostasien geschickt wurde, sondern vom der sowjetischen Armee; es ging dabei um Spionage. Er traf in Shanghai unter anderem die Agenten Richard Sorge und Ruth Werner \u2013 dar\u00fcber ist in seinem Buch nicht viel zu finden. Als Ruth Werner drei Jahre nach Brauns Tod ihr Buch \u201cSonjas Rapport\u201d ver\u00f6ffentlichte, erw\u00e4hnte sie, dass sie 1932 in Shanghai nicht nur Richard Sorge und Otto Braun traf, sondern auch Brauns Frau, die in seinem Buch ebenfalls fehlt.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tBraun, Otto, \u201cIn wessen Na\u00admen spricht Mao Tse-tung?\u201d In: Neues Deutsch\u00adland, 1964.<br \/> \t\tBraun, Otto, \u201cVon Shanghai bis J\u00e4nan\u201d. In: Horizont, 1969.<br \/> \t\tBraun, Otto, Chinesische Aufzeichnungen, Berlin, 1973.<br \/> \t\tBraun, Otto, Zhongguo Jishi (Chinesische Aufzeichnungen), Beijing, 1980.<br \/> \t\tKampen, Thomas, \u201cDeutsche und \u00f6sterreichische Kommunisten im revolution\u00e4ren China (1925-1949)\u201d. In: Jahrbuch f\u00fcr Historische Kommunismusforschung 1997, 88-104.<br \/> \t\tKampen, Thomas, \u201cWestern Books on Twentieth Century China in Chinese<br \/> \t\tTranslation\u201d. In: East-West Dialogue, Vol. V, No. 2, November 2000, 76-101.<br \/> \t\tKampen, Thomas, \u201cDie Langen M\u00e4rsche vor 75 Jahren\u201d. In: SHAN Newsletter Nr.40, Januar 2010, http:\/\/sinoalumni.wordpress.com\/2010\/01\/15\/die-langen-marsche-vor-75- jahren\/.<br \/> \t\tSnow, Ed\u00adgar, Red Star over China, London, 1937.<br \/> \t\tWerner, Ruth, Sonjas Rapport, Berlin, 1977.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDr. Thomas Kampen<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<p> \t&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INHALT Sinologe und selbstst\u00e4ndig Sinologe &#8211; was dann? Eine M\u00f6glichkeit ist der Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit. Wie dieser zu gehen ist, erkl\u00e4rten vier Experten beim SHAN-Workshop zum Thema Existenzgr\u00fcndung. 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