{"id":272,"date":"2010-09-01T12:00:00","date_gmt":"2010-09-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/09\/01\/newsletter-september-2010-nr-46\/"},"modified":"2026-05-20T18:36:26","modified_gmt":"2026-05-20T17:36:26","slug":"newsletter-september-2010-nr-46","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/09\/01\/newsletter-september-2010-nr-46\/","title":{"rendered":"Newsletter September 2010 Nr. 46"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"Inhalt\" name=\"Inhalt\">INHALT<\/a><\/h2>\n<h3 id=\"anker_ChineseLabourContractLaw\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span class=\"special\">Chinese Labour Contract Law \u2013 A Bargain for Political Legitimacy? &#8211; Liisi Karindi<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDie Sinologie ist ein weites Feld. Die Wahl eines geeigneten Themas f\u00fcr<br \/> die Abschlussarbeit f\u00e4llt da nicht leicht. So bewegen sich die Arbeiten<br \/> der Sinologie zwischen Analyse klassischer Gedichte bis hin zu<br \/> aktuellen Themen der chinesischen Wirtschaftspolitik. SHAN-Mitglied<br \/> Liisi Karindi stellt mit ihrem Beitrag ihr Magisterthema aus einem der<br \/> aktuellsten Bereiche der&nbsp; Sinologie &#8211; dem Arbeitsrecht- vor. <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2010\/september\/chinese-labour-contract-law-2013-a-bargain-for-political-legitimacy-lisii-karindi\" title=\"Chinese Labour Contract Law \u2013 A Bargain for Political Legitimacy? - Lisii Karindi\"> <\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#1\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_DerRichardSorge-Kultunds\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span class=\"special\">Der Richard Sorge-Kult und seine Autoren: Ruth Werner und Julius Mader<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tSpionage ist ein Thema, das immer wieder fasziniert. Nicht ohne Grund<br \/> rangieren Agentenfilme immer ganz oben in den Kinolisten. Dabei werden<br \/> die Hauptpersonen, Spione und ihre Gegenspieler, als schillernde,<br \/> glamour\u00f6se Pers\u00f6nlichkeiten mit undurchschaubaren und geheimnisvollen<br \/> Z\u00fcgen. dargestellt. Richard Sorge, Top-Spion der Sowjetunion in Asien,<br \/> war eine solche Pers\u00f6nlichkeit. Ein ganzer Kult entstand um seine<br \/> Person. Eine fesselnde Lekt\u00fcre, nicht nur f\u00fcr die Semesterferien. <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2010\/september\/der-richard-sorge-kult-und-seine-autoren-ruth-werner-und-julius-mader\" title=\"Der Richard Sorge-Kult und seine Autoren: Ruth Werner und Julius Mader\"> <\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#2\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_DerZeitgeistBuchladeninS\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span class=\"special\">Der <em>Zeitgeist<\/em> Buchladen in Shanghai und die Buchh\u00e4ndlerinnen Irene, Isa und Ursula<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tZu einem Spionagering, wie ihn Richard Sorge aufgebaut hatte, geh\u00f6ren<br \/> immer auch Orte, die den Mitgliedern Treffen erm\u00f6glichen, in deren<br \/> Umfeld man neue Mitglieder oder Helfer rekrutieren oder sich bei Bedarf<br \/> verstecken kann. Ein solcher Ort war der <em>Zeitgeist<\/em> Buchladen in Shanghai. Lesen Sie mehr \u00fcber diesen besonderen Buchladen! <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2010\/september\/der-zeitgeist-buchladen-in-shanghai-und-die-buchhaendlerinnen-irene-isa-und-ursula\" title=\"Der Zeitgeist Buchladen in Shanghai und die Buchh\u00e4ndlerinnen Irene, Isa und Ursula\"> <\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#3\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_ZhangFangundseineMemoire\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span class=\"special\">Zhang Fang und seine Memoiren : Richard Sorges chinesischer Assistent berichtet<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\u00dcber die japanischen Helfer von Richard Sorge ist mittlerweile einiges<br \/> bekannt. \u00dcber seine chinesischen Mitarbeiter dagegen kaum. Einige<br \/> Erkenntnisse \u00fcber den chinesischen Assistenten Richard Sorges hat Dr.<br \/> Thomas Kampen f\u00fcr SHAN zusammengestellt. <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2010\/september\/zhang-fang-und-seine-memoiren-richard-sorges-chinesischer-assistent-berichtet\" title=\"Zhang Fang und seine Memoiren : Richard Sorges chinesischer Assistent berichtet\"> <\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#4\"><strong>&gt;&gt; Zum Artikel<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_Rezension:ChristianY.Sch\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span class=\"special\">Rezension: Christian Y. Schmidt &#8211; Bliefe von dl\u00fcben<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\u00dcber 5 Jahre schrieb Christian Y. Schmidt f\u00fcr das Satiremagazin Titanic<br \/> seine Kolumne &#8222;Bliefe von dl\u00fcben&#8220;. Sein gleichnamiges Buch beschreibt<br \/> allt\u00e4gliche, und vielen Sinologen bekannte, Lebenserfahrungen in China<br \/> auf ironische und am\u00fcsante Art und Weise und stellt eine erholsame<br \/> Alternative zum sonst so beliebten China-Bashing dar. Eine Lekt\u00fcre, die<br \/> auf jeden Fall ins Reisegep\u00e4ck nach Peking sollte, findet unser Autor<br \/> Oliver Lutz Radtke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#5\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; Zur Rezension<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_Filmrezension:EatDrinkMa\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span class=\"special\">Filmrezension: Eat, Drink, Man, Woman<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDie Rubrik der Buchrezensionen ist schon lange ein fester Bestandteil<br \/> des SHAN-Newsletters. Aber es gibt nicht nur B\u00fccher, sondern auch eine<br \/> Vielzahl an Spielfilmen, Dokumentationen oder Serien aus oder \u00fcber<br \/> China. Den Anfang dieser neuen Reihe macht ein absoluter Klassiker:<br \/> &#8222;Eat, Drink, Man, Woman&#8220;. Mehr \u00fcber diesen, nicht nur optisch,<br \/> empfehlenswerten Film erfahren Sie im Beitrag:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#6\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"1\" name=\"1\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Chinese Labour Contract Law \u2013 A Bargain for Political Legitimacy? &#8211; Liisi Karindi<\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\u201cIf this kind of law is going to be implemented,<br \/> \twe will withdraw our investments\u201d<\/p>\n<p> \tDie urspr\u00fcngliche Idee f\u00fcr meine Magisterarbeit bekam ich bereits in<br \/> China, als ich an der Tsinghua University studierte und nebenbei ein<br \/> Praktikum bei einer Unternehmensberatungsfirma absolvierte. Wie der<br \/> scherzhafte Spruch \u6ee1\u6e05\u738b\u671d man Qing wangchao (ein Kaiserhof voller Qing)<br \/> andeutet, ist die Tsinghua University \u6e05\u534e\u5927\u5b66 vor allem auf Grund ihrer<br \/> prominenten Absolventen auf der politischen F\u00fchrungsebene bekannt,<br \/> wie&nbsp; Hu Jintao, Wu Bangguo,&nbsp; oder Xi Jinping. So bekam ich die<br \/> einmalige Gelegenheit, gemeinsam mit den chinesischen F\u00fchrungskr\u00e4ften<br \/> von morgen, unter Anleitung&nbsp; von Experten der chinesischen Politik<br \/> zu studieren und einen Einblick in deren Denkweise zu bekommen. Durch<br \/> das Praktikum lernte ich wiederum die Interessen multinationaler<br \/> Unternehmen in China kennen. So erfuhr ich, mit welcher Anspannung<br \/> Gesch\u00e4ftsleute den Gesetzgebungsprozess des Arbeitsvertragsgesetzes<br \/> verfolgten und wie vehement sie das neue Gesetz ablehnten, weil sie<br \/> dadurch Nachteile f\u00fcr ihre Gesch\u00e4fte in China f\u00fcrchteten.<\/p>\n<p>\tZur\u00fcck in Heidelberg besuchte ich zwei interessante Seminare, die mich<br \/> zu meinem Magisterarbeitsthema f\u00fchrten: Das Seminar \u201eNeuere Entwicklung<br \/> in der Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik der VR China\u201c von Prof.<br \/> Sebastian Heilmann und das Seminar \u201eWirtschaftsrecht Ostasiens\u201c von Dr.<br \/> Urs Matthias Zachmann. In beiden Kursen habe ich f\u00fcr Referate und<br \/> Seminararbeiten ein arbeitsrechtliches Thema gew\u00e4hlt und damit war die<br \/> Entscheidung mehr oder weniger gef\u00e4llt. Da ich zu einem aktuellen Thema<br \/> forschen wollte, entschied ich mich, meine Magisterarbeit \u00fcber das<br \/> Arbeitsvertragsgesetz von 2008 zu schreiben. Allerdings je mehr Wissen<br \/> ich mir \u00fcber die Entwicklung des chinesischen Arbeitssystems und<br \/> Arbeitsrechts aneignete und je besser ich den Gesetzgebungsprozess des<br \/> Arbeitsvertragsgesetzes kennenlernte, desto faszinierender fand ich eine<br \/> entscheidende Frage: Wieso war die chinesische F\u00fchrung bereit, trotz<br \/> heftigstem Widerstand von der Unternehmerseite das Arbeitsvertragsgesetz<br \/> so rigoros durchzusetzen? Ich entwickelte daraus die These, dass der<br \/> Gesetzgebungsprozess und die Implementierung des Arbeitsvertragsgesetzes<br \/> im Kontext der sozialpolitischen Zielsetzung der kommunistischen<br \/> F\u00fchrung zu verstehen seien und damit dier Legitimierung ihrer eigenen<br \/> Machtposition dienen w\u00fcrde. Der au\u00dfergew\u00f6hnlich offene<br \/> Gesetzgebungsprozess mit \u00f6ffentlichen Konsultationen und Diskussionen<br \/> ist wiederum als Teil des \u201esozialistischen Demokratisierungsprozesses\u201c<br \/> zu sehen, mit dem Ziel eine \u201eharmonische Gesellschaft\u201c aufzubauen.<\/p>\n<p>\tDas Arbeitsvertragsgesetz hat das Ziel, die Rechte und Interessen der<br \/> Arbeitnehmer in China besser zu sch\u00fctzen. Bei der Erarbeitung des<br \/> Gesetzes orientierte sich der chinesische Gesetzgeber an westlichen<br \/> Arbeitsgesetzen und lie\u00df sich von internationalen Experten, wie z.B. der<br \/> Gesellschaft f\u00fcr Technische Zusammenarbeit (GTZ), beraten.<br \/> Dementsprechend \u00e4hnelt das Gesetz dem europ\u00e4ischen bzw. deutschen<br \/> Arbeitsgesetz. F\u00fcr die Unternehmer, die wegen der billigen Arbeitskr\u00e4fte<br \/> und den flexiblen Arbeitsverh\u00e4ltnissen nach China gegangen waren, war<br \/> eine solche \u00c4nderung inakzeptabel. Der chinesische Gesetzgeber betonte<br \/> aber, dass das Gesetz auf lange Sicht die Arbeitsverh\u00e4ltnisse<br \/> stabilisieren und \u201eharmonisieren\u201c w\u00fcrde, was dann auch den Unternehmen<br \/> zugute kommen w\u00fcrde. Interessant zu beobachten war, dass nicht nur<br \/> ausl\u00e4ndische Unternehmen, sondern auch die heimischen Staatsunternehmen<br \/> gegen dieses Gesetz vorgingen. Die Auseinandersetzung nahm<br \/> internationale Dimensionen an, als einige Vertretungen von<br \/> Auslandsinvestoren und multinationalen Konzernen ihre Interessen mit<br \/> heftiger Lobby-Arbeit durchzusetzen versuchten. Daraufhin schalteten<br \/> sich internationale Arbeits- und Menschenrechtsorganisationen ein und<br \/> unterst\u00fctzten die Bem\u00fchungen des chinesischen Gesetzgebers, sodass das<br \/> Arbeitsvertragsgesetz am Ende doch in einer Form verabschiedet wurde,<br \/> welche die Interessen und Rechte der Arbeitnehmer besser sch\u00fctzt.<\/p>\n<p>\tWie der vorangehende Abschnitt demonstriert, waren viele Unternehmen<br \/> bereit China zu verlassen,&nbsp; sollte das Arbeitsvertragsgesetz<br \/> verabschiedet werden. Dies bedeutete keine unbedeutende Bedrohung in<br \/> einem Land, dessen Wirtschaftswachstum haupts\u00e4chlich von<br \/> Auslandsinvestitionen abh\u00e4ngig gewesen ist. Wirtschaftswachstum wiederum<br \/> stellt die Grundlage f\u00fcr das Wohlergehen der Bev\u00f6lkerung und damit f\u00fcr<br \/> soziale Stabilit\u00e4t dar. Ger\u00e4t die Gesellschaft aber in Unruhe, bleibt<br \/> dies nicht ohne politische Konsequenzen, d.h. die Legitimit\u00e4t der<br \/> Staatsf\u00fchrung k\u00f6nnte in Frage gestellt werden. Dieser Gefahr waren sich<br \/> auch die chinesischen F\u00fchrungskr\u00e4fte bewusst, trotzdem haben sie das<br \/> Arbeitsvertragsgesetz verabschiedet. Das Ergebnis war, dass viele<br \/> Unternehmen sich tats\u00e4chlich aus China zur\u00fcck zogen, was steigende<br \/> Arbeitslosenzahlen, heftige Arbeitsstreitigkeiten und viele Unruhen mit<br \/> sich brachte. Hatte die chinesische F\u00fchrung also ihr Ziel verfehlt?<\/p>\n<p>\tZieht man die langfristige Zielsetzung der chinesischen F\u00fchrung in<br \/> Betracht, lautet die Antwort auf diese Frage: Nicht unbedingt. Zwar hat<br \/> die globale Finanzkrise die Situation in China unerwartet<br \/> verschlechtert, aber die \u00c4nderungen, die das Arbeitsvertragsgesetz mit<br \/> sich brachte, passen zur langfristigen Planung der chinesischen F\u00fchrung.<br \/> Gem\u00e4\u00df dem 11. F\u00fcnfjahresplan soll Chinas Wirtschaft aufgewertet werden.<br \/> Dies bedeutet, dass sich die Regierung das Ziel gesetzt hat, die Zahl<br \/> der umweltverschmutzenden, energieverschwendenden Unternehmen in China<br \/> zu reduzieren. Stattdessen plant China High-Tech-Wirtschaftszonen und<br \/> Forschungszentren in verschiedenen Regionen zu f\u00f6rdern und m\u00f6chte bei<br \/> jenen ausl\u00e4ndischen Investoren Interesse wecken, die h\u00f6herwertige<br \/> Arbeitspl\u00e4tze mit besseren L\u00f6hnen bieten und es ihren Mitarbeitern<br \/> erm\u00f6glichen ihre F\u00e4higkeiten und Kompetenzen zu erweitern. Diese<br \/> Unternehmen, so die Vorstellung der chinesischen Regierung, sollen dann<br \/> heimische (noch) arbeitslosen Absolventen in ihre Dienste nehmen. Andere<br \/> Unternehmen werden zudem ermutigt ins Inland zu gehen, wo die<br \/> Arbeitskosten im Vergleich zu den K\u00fcstenregionen niedriger sind. Seit<br \/> Jahren hat es in den K\u00fcstenregionen Mangel an Arbeitskr\u00e4ften gegeben,<br \/> sodass die Lohnkosten in die H\u00f6he getrieben wurden. Dahingegen findet<br \/> sich in den westlichen Regionen oft ein \u00dcberschuss an Arbeitskr\u00e4ften,<br \/> die bereit sind f\u00fcr weniger Geld zu arbeiten. Da die \u201eGo West\u201c-Bewegung<br \/> von der Regierung gef\u00f6rdert wird, k\u00f6nnen Unternehmen in den Genuss von<br \/> Steuernachl\u00e4ssen und anderen&nbsp; Beg\u00fcnstigungen kommen. Wenn wir das<br \/> Arbeitsvertragsgesetz in diesem Kontext betrachten, entspricht es der<br \/> Erf\u00fcllung der Ziele, wie sie sich die chinesische F\u00fchrung gesetzt hat<br \/> und damit w\u00e4re ihre Legitimit\u00e4t tats\u00e4chlich begr\u00fcndet.<\/p>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tLiisi Karindi<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tWer mehr \u00fcber dieses Thema erfahren m\u00f6chte, Liisi Karindi h\u00e4lt am 28.<br \/> Oktober 2010 um 19.30 Uhr einen Vortrag mit dem Titel: &#8222;China&#8217;s<br \/> Arbeits(vertrags)gesetz&#8220; bei SinaLingua.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"2\" name=\"2\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Der Richard Sorge-Kult und seine Autoren: Ruth Werner und Julius Mader <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tVor zehn Jahren &#8211; im Juli 2000 &#8211; starb in ihrer Heimatstadt Berlin die<br \/> im Westen kaum, im Osten jedoch sehr bekannte Autorin Ruth Werner. Die<br \/> am 15. Mai 1907 als Ursula Kuczynski geborene Kommunistin geh\u00f6rte einer<br \/> der prominentesten DDR-Familien an; ihr Bruder, J\u00fcrgen Kuczynski&nbsp;<br \/> (1904-1997), war nicht nur einer der bekanntesten&nbsp; Intellektuellen<br \/> der Republik, sondern auch einflu\u00dfreicher Berater Erich Honeckers. Trotz<br \/> ihres langen, aktiven und ereignisreichen Lebens wurde ihr Name vor<br \/> allem mit einem Mann assoziiert, dem Sowjetspion Richard Sorge mit dem<br \/> sie von 1930 bis 1932 in Shanghai zusammen gearbeitet hatte. Ihr gr\u00f6\u00dfter<br \/> Erfolg war wohl die Tatsache, da\u00df ihre Spionaget\u00e4tigkeit f\u00fcr die<br \/> sowjetische Rote Armee niemals entdeckt und sie selbst nie verhaftet<br \/> wurde. Daher war auch in den fr\u00fchen Publikationen \u00fcber Richard Sorges<br \/> Spionagering nichts \u00fcber sie zu erfahren. Erst durch die<br \/> Ver\u00f6ffentlichung ihres Buches Sonjas Rapport hat Ruth Werner selbst<br \/> ihren Anteil an der Arbeit des Sorgerings bekannt gemacht und damit auch<br \/> einen wichtigen Beitrag zum osteurop\u00e4ischen Sorgekult geleistet.<\/p>\n<p>\tEin Gutachten des Verlags Neues Leben zeigt, da\u00df die Publikation von<br \/> h\u00f6chster Stelle gef\u00f6rdert wurde: &#8222;Im November 1976 teilte uns der<br \/> Genosse [&#8230;] mit, da\u00df er vom B\u00fcro Honecker beauftragt worden sei, uns<br \/> davon in Kenntnis zu setzen, da\u00df im Verlag Neues Leben das Manuskript<br \/> \u201aSonjas Rapport&#8216; in einer m\u00f6glichst hohen Auflage zum 60. Jahrestag der<br \/> Oktoberrevolution herausgegeben werden soll. Wir bekamen das Manuskript<br \/> Anfang Februar vom Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit \u00fcbermittelt. Es ist<br \/> vereinbart worden, da\u00df die Genossen dort den Umbruch zu lesen bekommen.<br \/> Von diesem Ministerium wurden 18.000 Exemplare f\u00fcr den Direktbezug<br \/> bestellt.&#8220; (19.4.1977)<\/p>\n<p>\tUrsula Kuczynski, eine Tochter des Wirtschaftswissenschaftlers Ren\u00e9<br \/> Kuczynski, hatte in Berlin eine Buchh\u00e4ndlerlehre gemacht und war 1926<br \/> der KPD beigetreten. 1929 heiratete sie den Architekten Rudolf Hamburger<br \/> und ging mit ihm im Sommer 1930 nach Shanghai, wo ihm eine Stelle<br \/> angeboten worden war. Noch im gleichen Herbst lernte sie dort die<br \/> amerikanische Journalistin Agnes Smedley kennen, die zuvor mehrere Jahre<br \/> in Berlin gelebt hatte.(<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/03\/01\/newsletter-maerz-2010-nr-42\/#3\" title=\"Ausl\u00e4nderinnen in China: Die amerikanische Journalistin Agnes Smedley und ihre chinesischen Freundinnen\">&gt;&gt; Ausl\u00e4nderinnen in China: Die amerikanische Journalistin Agnes Smedley und ihre chinesischen Freundinnen<\/a>)<br \/> Sie hatte Smedleys Buch Eine Frau allein schon in Deutschland gelesen<br \/> und war sehr erfreut, die Autorin zu treffen. Smedley stellte sie im<br \/> November 1930 Richard Sorge (1895-1944) vor, der zu Beginn des Jahres in<br \/> Shanghai eingetroffen war, um einen Spionagering aufzubauen. In den<br \/> folgenden zwei Jahren unterst\u00fctzte Ursula Hamburger Richard Sorge und<br \/> seine Mitarbeiter vor allem indem sie ihr Haus f\u00fcr Treffen und die<br \/> Lagerung von Waffen und Dokumenten zur Verf\u00fcgung stellte. So begegnete<br \/> sie 1932 auch Otto Braun, der kurz darauf als einziger Europ\u00e4er am<br \/> Langen Marsch teilnahm, und Manfred Stern, der im Spanischen B\u00fcrgerkrieg<br \/> ber\u00fchmt wurde (<a href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/02\/01\/newsletter-februar-2010-nr-41\/#4\">&gt;&gt; und sp\u00e4ter in einem sibirischen Lager starb<\/a>). Im gleichen Jahr traf sie Egon Erwin Kisch, der gerade <a href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2008\/05\/01\/newsletter-mai-2008-nr-22\/#3\">&gt;&gt; f\u00fcr sein Buch China geheim recherchierte<\/a>, und feierte mit ihm und Agnes Smedley ihren 25. Geburtstag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tSie arbeitete auch gelegentlich in einem Buchladen und lernte den<br \/> bekannten Schriftsteller Lu Xun kennen, mit dem sie eine K\u00e4the<br \/> Kollwitz-Ausstellung organisierte. Der Spionagering l\u00f6ste sich im Winter<br \/> 1932-33 auf und die Wege trennten sich: Sorge wurde nach einem<br \/> Aufenthalt in Moskau nach Japan versetzt (und dort 1944 get\u00f6tet); Ursula<br \/> Hamburger nahm in der Sowjetunion an einer Funkerausbildung teil. 1934<br \/> ging sie noch einmal f\u00fcr ein Jahr nach China und arbeitete in Shenyang,<br \/> das von japanischen Truppen besetzt war, als Funkerin. 1935 wurde sie<br \/> nach Polen versetzt und 1938 in die Schweiz. In den vierziger Jahren<br \/> arbeitete sie (weiterhin f\u00fcr die sowjetische Milit\u00e4rspionage) in<br \/> England, wohin auch ihre Eltern geflohen waren. Sie traf 1950 mit ihrem<br \/> englischen Gatten und drei Kindern in der DDR ein. In Berlin arbeitete<br \/> sie zun\u00e4chst im Amt f\u00fcr Information, dann f\u00fcr die Presseabteilung der<br \/> Kammer f\u00fcr Au\u00dfenhandel und wurde schlie\u00dflich zur Schriftstellerin Ruth<br \/> Werner. Obwohl sie \u00fcber ihre Spionaget\u00e4tigkeit selbst nicht reden (und<br \/> schreiben) durfte, hat sie immer wieder \u00fcber China geschrieben und schon<br \/> ihr erstes Buch Ein ungew\u00f6hnliches M\u00e4dchen (1957) wurde ein gro\u00dfer<br \/> Erfolg. Ihr zweites Buch schilderte das tragische Leben von Otto Braun&#8217;s<br \/> fr\u00fcherer Freundin Olga Benario (1961), die ebenfalls f\u00fcr die<br \/> sowjetische Milit\u00e4rspionage gearbeitet hatte und dann von den Nazis<br \/> umgebracht wurde. Erst 1977 &#8211; mehr als zehn Jahre nach dem Ausbruch des<br \/> Sorge-Kults und nach der Aufhebung des Schreibverbots &#8211; ver\u00f6ffentlichte<br \/> sie ihr autobiographisches Werk Sonjas Rapport, das schnell zu einem<br \/> Bestseller wurde. Hierin beschrieb sie ihre Zusammenarbeit mit Richard<br \/> Sorge und ihre Aufenthalte in Polen, der Schweiz und Gro\u00dfbritannien. (Im<br \/> gleichen Jahr wurde ihr von Honecker der Nationalpreis I. Klasse<br \/> verliehen, schon in den drei\u00dfiger Jahren hatte sie im Kreml von Kalinin<br \/> pers\u00f6nlich einen Orden erhalten.) Der Sorge-Kult war 1964 zum 20.<br \/> Todestag Sorges in der Sowjetunion initiiert woren. In der DDR war vor<br \/> allem der k\u00fcrzlich im Alter von 71 Jahren verstorbene Julius Mader f\u00fcr<br \/> die Propagierung Sorges verantwortlich. Mader war Offizier im besonderen<br \/> Einsatz (OibE) des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit und verfasste<br \/> mehrere B\u00fccher \u00fcber westliche Geheimdienste, besonders den CIA. Schon<br \/> 1966 ver\u00f6ffentlichte er im Milit\u00e4rverlag Dr. Sorge funkt aus Tokyo,<br \/> dessen erweiterte Neuauflage sp\u00e4ter als der Dr. Sorge Report verbreitet<br \/> wurde. Mader hatte mit einigen fr\u00fcheren Mitarbeitern Sorges wie <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/02\/01\/newsletter-februar-2010-nr-41\/#4\" title=\"Agent \u2013 Berater \u2013 \u00dcbersetzer: Otto Brauns Aktivit\u00e4ten in China, in der Sowjetunion und in der DDR\"> &gt;&gt; Otto Braun<\/a><br \/> und Max Christiansen-Clausen Gespr\u00e4che gef\u00fchrt und zahlreiche Dokumente<br \/> ausgewertet, die letzten Auflagen hatten einen Umfang von \u00fcber 500<br \/> Seiten. Richard Sorge, der einen deutschen Vater und eine russische<br \/> Mutter hatte, wurde zum Symbol f\u00fcr die deutsch-sowjetische Freundschaft<br \/> und wurde gleichzeitig als Opfer des Faschismus verehrt. Da\u00df die<br \/> sowjetische F\u00fchrung zu seinen Lebzeiten seine Berichte nicht besonders<br \/> ernst genommen hatte und nach seiner Verhaftung keine Bem\u00fchungen um<br \/> seine Freilassung unternahm, wurde nicht erw\u00e4hnt. Auch die unr\u00fchmlichen<br \/> Gest\u00e4ndnisse von Sorge und Christiansen-Clausen, die noch f\u00fcr die<br \/> Sowjetunion t\u00e4tige Spione gef\u00e4hrdeten, wurden ignoriert. W\u00e4hrend sich<br \/> Sorge durch Mader und andere zum Vorbild f\u00fcr die M\u00e4nner der<br \/> Staatssicherheit entwickelte, wurde Ruth Werner bzw. \u201aSonja&#8216; das Modell<br \/> f\u00fcr die Agentinnen. Beide spielten f\u00fcr die Legitimierung des MfS eine<br \/> wichtige Rolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDr. Thomas Kampen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tLiteratur zum Thema:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tCharles Willoughby: &#8222;Sorge: Soviet Master Spy&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tJulius Mader : &#8222;Dr. Sorge-Report&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tRobert Whymant: &#8222;Richard Sorge &#8211; Der Mann mit den drei Gesichtern&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"3\" name=\"3\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Der Zeitgeist Buchladen in Shanghai und die Buchh\u00e4ndlerinnen Irene, Isa und Ursula <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIn vielen B\u00fcchern \u00fcber Shanghai in der Republikzeit und vor allem in<br \/> der Spionageliteratur wird der Zeitgeist Buchladen erw\u00e4hnt; unklar blieb<br \/> lange, wer die mysteri\u00f6se Buchh\u00e4ndlerin war. In MacKinnon&#8217;s Buch \u00fcber <a href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/03\/01\/newsletter-maerz-2010-nr-42\/#3\">&gt;&gt; Agnes Smedley<\/a><br \/> hei\u00dft es: &#8222;Von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung f\u00fcr Smedley war Shanghais kleiner<br \/> Kreis deutscher Linker, deren politische Ansichten ihr n\u00e4her standen.<br \/> Sie verkehrten alle im Zeitgeist-Buchladen in der N\u00e4he von Soochow<br \/> Creek, und die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Zeitgeists, Irene Wiedemeyer, wurde<br \/> <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2010\/maerz\/auslaenderinnen-in-china-die-amerikanische-journalistin-agnes-smedley-und-ihre-chinesischen-freundinnen\" title=\"Ausl\u00e4nderinnen in China: Die amerikanische Journalistin Agnes Smedley und ihre chinesischen Freundinnen\">&gt;&gt; Smedleys<\/a> Freundin und Vertraute. &#8222;Die \u00d6sterreicherin <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/students\/reviews\/15-ruth-weiss-am-rande-der-geschichte\" title=\"15 :: Ruth Weiss - Am Rande der Geschichte\">Ruth Weiss<\/a>,<br \/> die 1933 in Shanghai eintraf, berichtete von der Bekanntschaft mit<br \/> einer deutschen Kommunistin: &#8222;sie leitete einen Buchladen, in dem man<br \/> deutsche, englische und &nbsp;<a href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2006\/12\/01\/newsletter-dezember-2006-nr-6\/#3\">&gt;&gt; russische fortschrittliche B\u00fccher erstehen konnte<\/a>.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tSchon fr\u00fcher konnte man in dem Buch &#8222;<a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Richard-Sorge-Geschichte-gro%C3%9Fen-Doppelspiels\/dp\/B0000BHBHB\">Richard Sorge<\/a>&#8220;<br \/> lesen, wie dieser (angeblich) seinen japanischen Mitarbeiter Ozaki<br \/> Hotsumi kennen lernte: &#8222;Diese Bekannschaft hatte eine gewisse Frau Irene<br \/> Wiedemeyer vermittelt, die die Buchhandlung &#8222;Zeitgeist&#8220; an der<br \/> Soochow-Bucht betrieb. Derartige Darstellungen finden sich in vielen<br \/> B\u00fcchern \u00fcber Richard Sorges Spionagering und gehen gr\u00f6\u00dftenteils auf die<br \/> Aussagen von <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/09\/01\/newsletter-september-2010-nr-46\/#2\" title=\"Der Richard Sorge-Kult und seine Autoren: Ruth Werner und Julius Mader\"> &gt;&gt; Richard Sorge<\/a><br \/> und seinen Mitarbeitern in Japan (nach deren Verhaftung 1941), sowie<br \/> auf Akten des Shanghaier Polizeiarchivs zur\u00fcck. Eine vollkommen andere<br \/> Quelle sind die Werke Lu Xuns, die verschiedene Texte mit Bezug auf den<br \/> Buchladen und die Buchh\u00e4ndlerinnen enthalten. Da Lu Xun Agnes Smedley<br \/> und viele andere Ausl\u00e4nder kannte, waren solche Kontakte nicht<br \/> \u00fcberraschend, er hatte selbst dort schon 1931 B\u00fccher gekauft. 1932 fand<br \/> in dem Buchladen eine Ausstellung von Werken von K\u00e4the Kollwitz statt.<br \/> Lu Xun war an den Vorbereitungen beteiligt und erw\u00e4hnt gelegentlich eine<br \/> Hanbaojia furen &#8211; auf Deutsch: <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2006\/10\/01\/newsletter-oktober-2006-nr-4\/#2\" title=\"09 :: Ruth Werner - Sonjas Rapport\">&gt;&gt; Frau Hamburger<\/a>;<br \/> ein Name, der \u00c4hnlichkeit mit Wiedemeyer hat, ist jedoch nicht zu<br \/> finden. Wer die Spionageliteratur kennt, weiss, dass auch Richard Sorge<br \/> in den Verh\u00f6ren eine Frau Hamburger erw\u00e4hnte, die aber damals nicht<br \/> identifiziert werden konnte &#8211; manche Autoren vermuteten, da\u00df es bei<br \/> Hamburger und Wiedemeyer um die gleiche Person ging. Die Frage, wer Frau<br \/> Hamburger war, l\u00e4sst sich inzwischen leicht beantworten: die Frau von<br \/> Rudolf Hamburger, die mit ihrem Ehemann 1930 in Shanghai eintraf. Erst<br \/> als sie &#8211; in ihrem eigenen Buch &#8211; selbst ihre Identit\u00e4t preisgab, wurde<br \/> das Geheimnis gel\u00fcftet: es handelte sich um die (sp\u00e4tere)<br \/> Schriftstellerin Ruth Werner, die 1977 in der DDR das Buch &#8222;<a href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2006\/10\/01\/newsletter-oktober-2006-nr-4\/#2\">&gt;&gt; Sonjas Rapport<\/a>&#8220;<br \/> ver\u00f6ffentlichte. In dem Buch schrieb Ruth Werner auch \u00fcber ihre<br \/> Freundin Isa (!) in Shanghai: &#8222;Eines Tages kam ein junges M\u00e4dchen hier<br \/> mutterseelenallein mit einigen B\u00fccherkisten angereist. Sie er\u00f6ffnete ein<br \/> L\u00e4dchen voll radikaler deutscher, englischer und franz\u00f6sischer<br \/> Literatur.[&#8230;] Mir kribbelt es in den Fingern, ihr zu helfen.&#8220; Damit<br \/> wird deutlich, dass es um zwei Frauen ging und dass I.W. die Leiterin<br \/> war. Ursula Hamburger, die gerade ein Kind bekommen hatte, unterst\u00fctzte<br \/> sie dabei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDer Laden soll im Auftrag der Kommunistischen Internationale betrieben<br \/> worden sein. Keiner der genannten Quellen ist besonders zuverl\u00e4ssig, es<br \/> gibt sicherlich \u00dcbertreibungen und Fehlinterpretationen: so ist es<br \/> unwahrscheinlich, dass westliche Kommunisten dort regelm\u00e4\u00dfig verkehrten,<br \/> da sie immer ihre Verhaftung bef\u00fcrchten mussten. Au\u00dferdem kam I.W. wohl<br \/> nicht allein nach Shanghai, sie war schlie\u00dflich verheiratet. In Sonjas<br \/> Rapport heisst es: &#8222;Isas Mann schlo\u00df sich einer trotzkistischen Gruppe<br \/> an, es gab politische Streitigkeiten, und sie trennte sich von ihm.&#8220;<br \/> ObRuth Werner nicht mehr wusste oder nicht mehr schreiben wollte ist<br \/> unklar. Das Ehepaar lebte offenbar in Shanghai noch zusammen und der<br \/> Gatte, der in Deutschland studiert hatte, war ein Mitarbeiter von<br \/> Richard Sorge und wird h\u00e4ufig in den Memoiren der damaligen Sekret\u00e4rin <a href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2008\/07\/01\/newsletter-juli-2008-nr-24\/#3\">&gt;&gt; Zhang Wenqiu<\/a><br \/> erw\u00e4hnt. In manchen Spionageb\u00fcchern steht auch dessen damals<br \/> verwendeter Name: Wu Shao kuo, sonst war lange nichts \u00fcber ihn bekannt.<br \/> Inzwischen gibt es aus China mehr Informationen: tats\u00e4chlich hiess er Wu<br \/> Jianxi, wurde sp\u00e4ter Universit\u00e4tsprofessor und hatte in den f\u00fcnfziger<br \/> Jahren in der Volksrepublik wichtige Posten inne, er starb 1973; zu<br \/> dieser Zeit lebte Ruth Werner in der DDR, ihre Freundin Irene, die<br \/> eigentlich nicht Wiedemeyer sondern Weitemeyer hiess, soll 1978 in der<br \/> BRD gestorben sein, Ruth Werner starb im Jahr 2000 in Berlin. Da die<br \/> politischen Beziehungen zwischen BRD, DDR und der VR China oft<br \/> problematisch waren, ist davon auszugehen, dass die drei in den letzten<br \/> Jahrzehnten ihres Lebens keinen Kontakt mehr miteinander hatten. Ozaki<br \/> Hotsumi und Richard Sorge wurden kurz vor Kriegsende in Japan get\u00f6tet,<br \/> Agnes Smedley starb 1950 in England.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tLiteratur:<\/p>\n<p>\t\tF.W. Deakin + G. R. Storry: <a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Richard-Sorge-Geschichte-gro%C3%9Fen-Doppelspiels\/dp\/B0000BHBHB\"> Richard Sorge, G\u00fctersloh, 1965.<\/a><br \/> \t\tJ. + S. MacKinnon: Agnes Smedley, Z\u00fcrich, 1989.<br \/> \t\tRuth Weiss: Am Rande der Geschichte, Osnabr\u00fcck, 1999.<br \/> \t\tRuth Werner: Sonjas Rapport, Berlin, 1977.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDr. Thomas Kampen<\/p>\n<p>\t\tWeitere Literatur zum Thema:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.amazon.com\/Instance-Treason-Ozaki-Hotsumi-Sorge\/dp\/0804717664\">An Instance of Treason: Ozaki Hotsumi and the Sorge Spy Ring.<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"4\" name=\"4\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Zhang Fang und seine Memoiren : Richard Sorges chinesischer Assistent berichtet <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tAls der Sowjetspion Richard Sorge 1941 in Japan verhaftet wurde, waren<br \/> viele chinesische Mitglieder seines Spionagerings noch aktiv. Dennoch<br \/> blieben ihre Namen und Aktivit\u00e4ten jahrzehntelang im Dunkeln.<br \/> Sorge&nbsp;hatte zwar nach seiner Verhaftung in Tokyo genaue Angaben<br \/> \u00fcber seine europ\u00e4ischen und japanischen Mitarbeiter gemacht, die genaue<br \/> Identit\u00e4t seiner chinesischen Assistenten jedoch nicht mitgeteilt. Die<br \/> Andeutungen \u00fcber die Herren \u201eWang\u201c, \u201ePai\u201c, \u201eLi\u201c, \u201eChiang\u201c und ein<br \/> Ehepaar \u201eChui\u201c waren zu ungenau, um ihre Identifizierung zu erm\u00f6glichen.<br \/> Auch in der umfangreichen Sekund\u00e4rliteratur von Charles Willoughby<br \/> (\u201eSorge: Soviet Master Spy\u201c), Julius Mader (\u201eDr. Sorge-Report\u201c) und<br \/> Robert Whymant (\u201eRichard Sorge &#8211; Der Mann mit den drei Gesichtern\u201c)<br \/> wurde zwar ausf\u00fchrlich \u00fcber Sorges westliche und japanische Mitarbeiter<br \/> berichtet, \u00fcber die Chinesen gab es jedoch keine genauen Informationen.<br \/> Auch von chinesischer Seite wurde bis in die achtziger Jahre praktisch<br \/> nichts \u00fcber den Sorgering ver\u00f6ffentlicht: vor allem wegen des<br \/> sino-sowjetischen Konflikts waren die sowjetischen Spionageaktivit\u00e4ten<br \/> in Ostasien ein \u00e4u\u00dferst heikles Thema. Im \u00fcbrigen hatten chinesische<br \/> Autoren auch kaum Zugang zu deutschen, japanischen und russischen<br \/> Quellen \u00fcber Sorge und seine Mitarbeiter.<\/p>\n<p>\t\t<strong><span class=\"special\">Der Unbekannte<\/span><\/strong><\/p>\n<p>\t\tDaher war die Ver\u00f6ffentlichung der Erinnerungen von Sorges<br \/> chinesischem Stellvertreter Zhang Fang in den achtziger Jahren eine<br \/> kleine Sensation, die jedoch nur von wenigen bemerkt wurde. Zhang, der<br \/> vor fast 110 Jahren &#8211; im Sommer 1901 &#8211; geboren wurde, publizierte unter<br \/> verschiedenen Pseudonymen mehrere B\u00fccher und Artikel in denen er \u00fcber<br \/> seine T\u00e4tigkeit f\u00fcr Sorge und dessen Nachfolger berichtete, doch der<br \/> Name Sorge tauchte in den relativ nichtssagenden Titeln seiner Werke nie<br \/> auf. Au\u00dferdem erschienen die meisten Texte bei Provinzverlagen oder in<br \/> schwer zug\u00e4nglichen Zeitschriften. Die Geheimnistuerei hing wohl nicht<br \/> nur mit der schwierigen Thematik zusammen, sondern auch mit der<br \/> Tatsache, da\u00df Zhang auch nach der Gr\u00fcndung der Volksrepublik China noch<br \/> lange geheimdienstlich t\u00e4tig war. Er starb erst 1995 im Alter von 94<br \/> Jahren.<\/p>\n<p>\t\t<strong><span class=\"special\">Einstellung<\/span><\/strong><\/p>\n<p>\t\tUm zu verstehen warum gerade Zhang Fang eine f\u00fchrende Position im<br \/> Sorgering einnehmen konnte, mu\u00df auf Sorges Anforderungen an seine<br \/> chinesischen Mitarbeiter hingewiesen werden: sie sollten zwar \u00fcberzeugte<br \/> Kommunisten, aber nicht Mitglieder der chinesischen KP sein, denn<br \/> Parteimitglieder h\u00e4tten bei Verhaftung sowohl die KP als auch den<br \/> Spionagering verraten k\u00f6nnen; da Sorge kein Chinesisch konnte, sollten<br \/> sie m\u00f6glichst Englisch oder Deutsch, aber &#8211; um keinen Verdacht zu<br \/> erregen &#8211; auf keinen Fall Russisch sprechen (daher waren die zahlreichen<br \/> in Moskau ausgebildeten Chinesen f\u00fcr diese Arbeit ungeeignet); au\u00dferdem<br \/> sollten sie gen\u00fcgend politisch gebildet sein, um eigenst\u00e4ndig Berichte<br \/> und Einsch\u00e4tzungen abfassen zu k\u00f6nnen. Zhang Fang entsprach diesen<br \/> Anforderungen sehr gut: er hatte Mitte der zwanziger Jahre an der<br \/> Pekinger Yenching-Universit\u00e4t Englisch studiert und war dort 1927 der KP<br \/> beigetreten, verlor dann jedoch in den Wirren des B\u00fcrgerkriegs den<br \/> Kontakt zur Partei. Da er in Peking von Verhaftung bedroht war, floh er<br \/> 1929 nach Shanghai, wo kurz zuvor auch die amerikanische Journalistin<br \/> Agnes Smedley eingetroffen war, Richard Sorge kam im folgenden Winter<br \/> dort an. Wahrscheinlich wurde der Kontakt zwischen Sorge und Zhang durch<br \/> Smedley vermittelt, die damals &#8211; wie sp\u00e4ter auch Sorge &#8211; f\u00fcr die<br \/> Frankfurter Zeitung schrieb. (<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/03\/01\/newsletter-maerz-2010-nr-42\/#3\" title=\"Ausl\u00e4nderinnen in China: Die amerikanische Journalistin Agnes Smedley und ihre chinesischen Freundinnen\"> &gt;&gt; Ausl\u00e4nderinnen in China: Die amerikanische Journalistin Agnes Smedley und ihre chinesischen Freundinnen<\/a>)<br \/> Von 1930 bis Ende 1932 arbeitete Zhang f\u00fcr Sorge und nach dessen<br \/> Abreise f\u00fcr Sorges Nachfolger. Sorge beauftragte Zhang damit, einen<br \/> chinesischen Spionagering zu gr\u00fcnden und daf\u00fcr zuverl\u00e4ssige Mitarbeiter<br \/> aus seinem Bekanntenkreis zu suchen. Zun\u00e4chst waren einige Dutzend,<br \/> sp\u00e4ter \u00fcber hundert \u201eAgenten\u201c f\u00fcr den Ring t\u00e4tig. Die meisten glaubten<br \/> f\u00fcr die Komintern zu arbeiten, nur die wichtigsten Mitglieder wu\u00dften,<br \/> da\u00df der Ring f\u00fcr die sowjetische Rote Armee spionierte. Milit\u00e4rische und<br \/> au\u00dfenpolitische Fragen standen im Vordergrund, vor allem die<br \/> japanischen Aktivit\u00e4ten in China und die Beziehungen zwischen dem<br \/> Kuomintang-Regime Chiang Kai-sheks und den wichtigsten westlichen<br \/> Staaten. Besonders die Aktivit\u00e4ten der deutschen Milit\u00e4rberater in China<br \/> und deutsche Waffenexporte nach China waren von gro\u00dfer Bedeutung.<\/p>\n<p>\t\t<strong><span class=\"special\">Arbeit<\/span><\/strong><\/p>\n<p>\t\tDa Zhang Fang viele Freunde und Kommilitonen aus Peking anwarb,<br \/> bestand der Kern des sowjetischen Spionagerings in China aus Absolventen<br \/> der amerikanischen Yanjing Universit\u00e4t. Gerade weil diese Universit\u00e4t<br \/> unter ausl\u00e4ndischer Leitung stand, waren linke Studenten dort sicherer<br \/> als an den strenger kontrollierten chinesischen Universit\u00e4ten. Die<br \/> Studenten, die in Peking aktiv gewesen waren, waren in Shanghai, der<br \/> KMT-Hauptstadt Nanking und im s\u00fcdchinesischen Kanton weitgehend<br \/> unbekannt und nicht besonders gef\u00e4hrdet. Das von Sorge erw\u00e4hnte Ehepaar<br \/> \u201eChui\u201c geh\u00f6rte zu Zhang Fangs und Agnes Smedleys engsten Freunden und<br \/> der lungenkranke Mann wird auch in Ruth Werners \u201eSonjas Rapport\u201c<br \/> erw\u00e4hnt. Diese und andere Details best\u00e4tigen, <a href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2006\/10\/01\/newsletter-oktober-2006-nr-4\/#2\">&gt;&gt; da\u00df sowohl Sorges Angaben bei den Verh\u00f6ren als auch Ruth Werners Berichte relativ wahrheitsgetreu waren<\/a>.&nbsp;<br \/> Da Sorge in den ersten Monaten seines Aufenthalts vor allem an Kanton<br \/> und S\u00fcdchina interessiert war &#8211; sein Vorgesetzter \u201eAlex\u201c war offenbar<br \/> f\u00fcr Shanghai zust\u00e4ndig &#8211; spielte die dort aufgewachsene Frau \u201eChui\u201c eine<br \/> wichtige Rolle. Eine weitere Mitarbeiterin namens Zhang Yiping <a href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2008\/07\/01\/newsletter-juli-2008-nr-24\/#3\">&gt;&gt; soll ihm vom damaligen Leiter des chinesischen KP-Geheimdienstes, Zhou Enlai,&nbsp; vermittelt worden sein.<\/a><\/p>\n<p>\t\t<strong><span class=\"special\">Flucht<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tZhang Fang arbeitete zun\u00e4chst f\u00fcr Sorge, dann f\u00fcr dessen Nachfolger<br \/> \u201ePaul\u201c (Karl Rimm, der auch von Sorge, Mader und Ruth Werner erw\u00e4hnt<br \/> wurde) und &#8211; als dieser eine neue Aufgabe in Nordchina \u00fcbernahm &#8211; f\u00fcr<br \/> Joseph Walden. Im Fr\u00fchjahr 1935 wurde dieser jedoch verhaftet und<br \/> dadurch die Spionaget\u00e4tigkeit in Shanghai zeitweise unterbrochen. Die<br \/> wichtigsten chinesischen Mitarbeiter konnten in China untertauchen oder<br \/> in die Sowjetunion fliehen, einige wurden verhaftet und hingerichtet. Da<br \/> Walden jedoch keinerlei Aussagen machte, ihm kaum etwas nachgewiesen<br \/> werden konnte und die KMT-Regierung an einer Verbesserung der<br \/> Beziehungen zu Moskau interessiert war, lie\u00df man ihn bald in die<br \/> Sowjetunion ausreisen. Nach Zhangs Darstellung war der KMT nicht<br \/> bekannt, da\u00df sie einen Spion der sowjetischen Armee gefa\u00dft hatte,<br \/> sondern hielt ihn f\u00fcr einen Kominternagenten. Auch Karl Rimm und Ruth<br \/> Werner, die zu dieser Zeit als Funkerin Shenyang arbeitete, konnten<br \/> unentdeckt China verlassen. Zhang Fang floh 1935 mit Frau und Kindern<br \/> nach Moskau und wurde dann im nordwestchinesischen Xinjiang eingesetzt.<br \/> Nachdem er dort knapp der Verhaftung entkommen war, setzte er seine<br \/> Spionaget\u00e4tigkeit in Nordchina fort. Dort wurde er von den Japanern<br \/> verhaftet, konnte jedoch aus dem Gef\u00e4ngnis entfliehen und ging dann in<br \/> das kommunistische Zentrum Yan&#8217;an. Damit war seine T\u00e4tigkeit f\u00fcr die<br \/> Sowjetunion beendet und er \u00fcbernahm Aufgaben in der chinesischen KP.<br \/> Einige seiner in den drei\u00dfiger Jahren angeworbenen Mitarbeiter hatten<br \/> ebenfalls bis in die vierziger Jahre f\u00fcr die sowjetische Milit\u00e4rspionage<br \/> gearbeitet. Da sie meist nicht der chinesischen KP beigetreten waren,<br \/> brachte ihnen der Sieg der Kommunisten und die Gr\u00fcndung der<br \/> Volksrepublik China h\u00e4ufig eher Probleme als Vorteile. Manche traten in<br \/> den f\u00fcnfziger Jahren noch der KP, andere den kleinen \u201eBlockparteien\u201c<br \/> bei. Mit der Verschlechterung der sino-sowjetischen Beziehungen galten<br \/> sie oft als Agenten des Gegners und bekamen vor allem in der<br \/> Kulturrevolution erhebliche Schwierigkeiten. Hierbei war besonders<br \/> fatal, da\u00df sie vorher nicht &#8211; wie sie oft selbst angenommen hatten &#8211; f\u00fcr<br \/> die Komintern sondern f\u00fcr die sowjetische Armee gearbeitet hatten. Auch<br \/> Zhang Fang bekam in dieser Zeit Probleme, wurde aber &#8211; wahrscheinlich<br \/> von Zhou Enlai &#8211; gesch\u00fctzt und \u00fcberlebte die Kulturrevolution<br \/> unbeschadet.<\/p>\n<p>\t\tDr. Thomas Kampen<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"5\" name=\"5\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Rezension:Christian Y. Schmidt &#8211; Bliefe von dl\u00fcben <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDer Mann hat ordentlich Wut im Bauch. Eine waschechte Bielefelder<br \/> Schnauze. Und jede Menge Humor, vor allem sich selbst gegen\u00fcber. Diese<br \/> dreifache Erkenntnis stellt sich fr\u00fch ein bei der Lekt\u00fcre von Christian<br \/> Y. Schmidts Sammelband \u201eBliefe von dl\u00fcben \u2013 Ein China-Crashkurs\u201c.<br \/> Christian Y. Schmidt ist kein Unbekannter. 5 Jahre lang schrieb er f\u00fcr<br \/> das Satiremagazin Titanic seine gleichnamige Kolumne aus dem Reich der<br \/> Mitte. Und hat dabei manches gesehen, das ihm nicht schmeckt \u2013 zum<br \/> Beispiel den Unsinn, den selbsternannte deutsche China-Experten in<br \/> Dauerschleife \u00fcber seine zweite Heimat (Schmidt lebt mit seiner<br \/> chinesischen Frau in Beijing) zu Papier bringen.<\/p>\n<p>\tGr\u00fcnde f\u00fcr ein erneutes Kompendium zum chinesischen Alltagsleben gibt<br \/> es angesichts der eklatanten Wissensl\u00fccken hierzulande eigentlich genug.<br \/> Der Autor liefert einen weiteren, ganz Titanic-Korrespondent, hinzu:<br \/> \u201eDas in diesem Buch versammelte h\u00f6chst disparate Wissen ist eher dazu<br \/> gedacht, den Leser in die Lage zu versetzen, auf Partys zu gl\u00e4nzen.\u201c Es<br \/> handele sich um \u201etypisches Angeber- und Aufschneiderwissen\u201c, dass f\u00fcr<br \/> Stehempf\u00e4nge in Berlin oder Beijing vielf\u00e4ltig einsetzbar sei, schreibt<br \/> Schmidt und stellt damit sein eigenes Licht unter den gro\u00dfen Schemel der<br \/> Chinaschreiberlinge. Denn dem Autor ist es trotz der gew\u00e4hlten<br \/> satirischen Form ernst mit dem Gegenentwurf zum China-Bashing der<br \/> Mainstream-Presse.<\/p>\n<p>\tZwar verhei\u00dft der ausgelutschte Witz im Titel des Buches zun\u00e4chst<br \/> nichts Gutes. Auch ist Skepsis angebracht angesichts der Tatsache, dass<br \/> hier eine aufpolierte Kolumnensammlung herausgebracht wird. Doch schon<br \/> die Widmung zeigt, dass der Leser dieses Buch \u2013 neben den flei\u00dfig<br \/> recherchierten Infobl\u00f6cken und dem generellen Anliegen des Autors \u2013<br \/> nicht immer ernst nehmen darf: \u201eF\u00fcr Walter Myna\u201c steht dort. Damit<br \/> widmet Schmidt das Buch seinem Alter Ego, unter dessen Namen er<br \/> jahrelang seine \u201eBliefe\u201c f\u00fcr die Titanic verfasste. Und auch das Vorwort<br \/> macht Laune auf mehr: Schmidt gibt freim\u00fctig zu, dass der Titel rein<br \/> aus Gr\u00fcnden der besseren Vermarktung gew\u00e4hlt worden sei, um dann seine<br \/> aktualisierten \u201eBliefe\u201c in einer ungew\u00f6hnlichen Form zu pr\u00e4sentieren: in<br \/> f\u00fcnf Abteilungen wird der Leser auf das \u201egro\u00dfe China-Abitur\u201c<br \/> vorbereitet. Den Lehrplan en detail zu beschreiben ist unn\u00f6tig, denn oft<br \/> sei die Zuordnung des Stoffes, \u201eso \u00e4hnlich wie im echten Leben\u201c, v\u00f6llig<br \/> willk\u00fcrlich und an den Haaren herbeigezogen.<\/p>\n<p>\tEines muss man dem Joschka Fischer-Biograf lassen: Schmidt hat sich zu<br \/> einem Zeitpunkt f\u00fcr das Leben im Reich der Mitte entschlossen, da andere<br \/> schon langsam f\u00fcr das Campingmobil im Ruhestand zu sparen beginnen. Der<br \/> Autor \u2013 und das macht seine Kolumnen am\u00fcsant und lesenswert \u2013 schreibt<br \/> sich hier in oft unmittelbarer N\u00e4he zum Erlebten die eigenen Erfahrungen<br \/> vom Leib. Die Leidenschaft f\u00fcr China, die Herausforderungen als<br \/> dauernder Fremdk\u00f6rper, aber auch der Stolz \u00fcber die eigenen Verst\u00e4ndnis-<br \/> und Lernerfolge des Autors sind den Crash-Kurs hindurch sp\u00fcrbar.<br \/> Schmidt schreibt von Ayis, Gongbao Jiding, Pandas oder Falun Gong \u2013<br \/> seine Themen sind nicht neu, der Charme seiner Ausf\u00fchrungen liegt im<br \/> wie. Das Gleiche gilt auch f\u00fcr sein \u201ePraktisches Chinesisch \u2013 die<br \/> wichtigsten S\u00e4tze\u201c, darunter: \u201eBeim Einkaufen: Diese Qualit\u00e4tsfake-Rolex<br \/> ist mir zu teuer. Haben Sie keine normalen Kopien?\u201c oder \u201eAuf der<br \/> Stra\u00dfe: Nein, ich will in keine Lady-Bar!\u201c<\/p>\n<p>\tSchmidts Bilanz nach den ersten f\u00fcnf Jahren: Es wird langsam Zeit, dass<br \/> Deutschland einen chinesischen Bundeskanzler erh\u00e4lt.&nbsp; Denn immer<br \/> da, wo Chinesen an der Macht seien, boome auch die Wirtschaft. Hier, wie<br \/> zu Beginn und an vielen Stellen des Buches, spricht wieder der Schalk<br \/> aus ihm, der oft auch Kritik an seiner alten Heimat \u00fcbt. Das macht<br \/> Schmidt und seine t\u00e4glichen Abenteuer im Reich der Mitte sehr<br \/> sympathisch. Fazit: Ein Buch \u00fcber China, in dem die Revolution\u00e4re<br \/> Marxistische Allianz genauso vorkommt wie Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd oder<br \/> Fahrstuhlknopfdr\u00fcckerinnen, geh\u00f6rt in jedes Handgep\u00e4ck nach Beijing.<\/p>\n<p>\tChristian Y. Schmidt<br \/> \t\u201eBliefe von dl\u00fcben \u2013 Der China-Crashkurs\u201c<br \/> \t224 Seiten<br \/> \tISBN-13: 978-3871346583<br \/> \tRowohlt<br \/> \t14,90 \u20ac<\/p>\n<p>\tRezension von Oliver Lutz Radtke<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"6\" name=\"6\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Filmrezension: Eat, Drink, Man, Woman <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tZu Beginn der neuen Newsletter-Rubrik&nbsp; \u201cFilmrezension\u201d, ein<br \/> Klassiker: \u201cEat, Drink, Man, Woman\u201d (\u996e\u98df\u7537\u5973) von Ang Lee (\u674e\u5b89) aus dem<br \/> Jahre 1994.&nbsp; Sicherlich ein, nicht nur unter Sinologiestudenten und<br \/> sonstigen China-Liebhabern,&nbsp; bekannter Film und allgemein sehr zu<br \/> empfehlen.&nbsp; Visuell ansprechend (besonders in der Anfangssequenz<br \/> des Films in der Herr Zhu, ein Meisterkoch gespielt von Lang Xiong, das<br \/> Sonntagsessen fuer sich und seine Familie vorbereitet), abwechselnd<br \/> lustig und traurig mit einer Prise Romantik, so ist dieser fr\u00fche Film<br \/> des Staregisseurs stets kurzweilig und mitrei\u00dfend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tAng Lees dritter Spielfilm behandelt, wie die meisten seiner fr\u00fchen<br \/> Filme, das Zusammenleben in einer Familie, sowie die Spannungen zwischen<br \/> verschiedenen Generationen im Wandel der Chinesischen\/Taiwanesischen<br \/> Gesellschaft, ausgel\u00f6st durch den wachsenden Einfluss Westlicher Kultur<br \/> und Werte.&nbsp; Der Hauptankerpunkt in \u201cEat, Drink, Man, Woman\u201d ist das<br \/> Essen und dessen Zusammenhang mit Liebe und Familie.<br \/> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\u201cEat, Drink, Man, Woman\u201d spielt im modernen Taipei.&nbsp; Herr Zhu, ein<br \/> verwitweter Meisterkoch, und zwei seiner drei erwachsenen T\u00f6chter leben<br \/> gemeinsam in einem alten Haus mitten in der Stadt, umringt von<br \/> Hochh\u00e4usern.&nbsp; Die Kommunikation zwischen Vater und T\u00f6chtern<br \/> verl\u00e4uft nicht immer reibungslos, jedoch tauscht man sich jeden Sonntag<br \/> Abend beim gemeinsamen Essen \u00fcber das Leben, das Liebesleben, und die<br \/> Suche nach dem passenden Partner aus.&nbsp; Langsam l\u00f6sen sich die<br \/> T\u00f6chter aus ihrem stellenweise autorit\u00e4ren Elternhaus, und Zhu muss<br \/> feststellen, dass ihm allm\u00e4hlich der Geschmackssinn verloren geht.&nbsp;<br \/> Abwechselnd werden der Handlungsstrang des Vaters, sowie die der<br \/> einzelnen T\u00f6chter gezeigt, bis alle Str\u00e4nge (besonders der von Herrn Zhu<br \/> selbst, und seiner zweit\u00e4ltesten Tochter Zhu Jiaqian) am Ende des<br \/> Filmes, nicht ohne den sogenannten twist, zusammengef\u00fchrt werden.&nbsp;<\/p>\n<p>\tRundum ein sch\u00f6ner Film, bietet \u201cEat, Drink, Man, Woman\u201d, 1995 f\u00fcr den<br \/> Oscar als Bester fremdsprachiger Film nominiert, zwei Stunden<br \/> empfehlenswerten Filmspass die keinsfalls als vergeudet zu bezeichnen<br \/> w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INHALT Chinese Labour Contract Law \u2013 A Bargain for Political Legitimacy? &#8211; Liisi Karindi Die Sinologie ist ein weites Feld. 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