{"id":274,"date":"2010-11-01T12:00:00","date_gmt":"2010-11-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/11\/01\/newsletter-november-2010-nr-47\/"},"modified":"2026-05-20T18:36:23","modified_gmt":"2026-05-20T17:36:23","slug":"newsletter-november-2010-nr-47","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/11\/01\/newsletter-november-2010-nr-47\/","title":{"rendered":"Newsletter November 2010 Nr. 47"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\"><a id=\"Inhalt\" name=\"Inhalt\">INHALT<\/a><\/h2>\n<h3 id=\"anker_EXPO2010inShanghai\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">EXPO 2010 in Shanghai<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor noch nich allzu langer Zeit wurde<br \/> die EXPO 2010 in Shanghai beendet. Zum Abschluss der EXPO berichtet SHAN<br \/> \u00fcber das Gro\u00dfereignis aus unterschiedlichen Perspektiven.&nbsp; Eine<br \/> Sinologie-Studentin berichtet \u00fcber ihre <span class=\"internal-link\">T\u00e4tigkeit als Messehostess,<\/span> eine Besucherin l\u00e4sst Sie an ihrem <span class=\"internal-link\">pers\u00f6nlichen Eindruck<\/span> teilhaben, au\u00dferdem haben wir&nbsp; weitere <span class=\"internal-link\">wissenswerte Daten und Fakten<\/span> f\u00fcr Sie aufbereitet.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"#1\">&gt;&gt; Als Messehostess auf der Expo 2010<\/a><\/strong><\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"#2\">&gt;&gt; Byebye Haibao! &#8211; Ein Besuch der EXPO<\/a><\/strong><\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#3\"><strong>&gt;&gt; \u201eBetter City, Better Life\u201c &#8211; die gr\u00f6\u00dfte Weltausstellung aller Zeiten<\/strong><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_KristinaBodrozic-Brnic:A\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">Kristina Bodrozic-Brnic: Ai Weiwei: Ein selbstgeschaffenes Ready-Made<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Newsletter September startete SHAN<br \/> die Reihe die Artikel-Serie der Sinologie Abschlussarbeiten mit einem<br \/> Artikel aus dem wirtschaftlich-rechtlichen Bereich. In diesem Newsletter<br \/> erfaren wir im Artikel von SHAN-Mitglied Kristina Bodrozic-Brnic mehr<br \/> \u00fcber den chinesischen K\u00fcnstler Ai Weiwei und sein Werk, das die<br \/> ehemalige Leiterin des SHAN-PR Teams f\u00fcr ihre Magisterarbeit untersucht<br \/> hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#4\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_ChinaUnderground:Chinesi\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">China Underground:Chinesisches Filmfestival in Heidelberg<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Chinesische Independentproduktionen gab<br \/> es Ende September im Karlstorkino in Heidelberg zu sehen. SHAN hat diese<br \/> Gelegenheit genutzt Alumni und Mitglieder zu einem gemeinsamen Abend<br \/> einzuladen und hatte Gelegenheit die anwesenden Regisseure zu einem<br \/> Interviewtermin zu treffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#5\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; Zum Interview<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_WalterWoidt-einungewhnli\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">Walter&#8220; Woidt &#8211; ein ungew\u00f6hnlicher Gesch\u00e4ftsmann in China<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer war &#8222;Walter&#8220; Woid? Zum Beispiel<br \/> Mitglied im shanghaier Spionagering von Ruth Werner oder deutscher<br \/> Gesch\u00e4ftsmann mit Kontakten zur Regierung in Nanking. Doch trotz<br \/> zahreicher Hinweise, blieb seine Identit\u00e4t doch immer ein R\u00e4tsel. Lesen<br \/> Sie mehr \u00fcber diesen mysteri\u00f6sen Gesch\u00e4ftsmann.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#6\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_EnglishCaidan:SHAN-Redak\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">English Caidan: SHAN-Redakteurin Viktoria D\u00fcmer berichtet aus Taipeh<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viktoria D\u00fcmer, SHAN-Redakteurin, ist in<br \/> Taipeh und seit kurzem ungern Europ\u00e4erin. In ihrer Glosse schreibt sie<br \/> \u00fcber Hunde, Ausl\u00e4nder, einen Kulturschock der ganz anderen Art und \u2013<br \/> unvorstellbar f\u00fcr die Redaktion &#8211; den ersten sprachlosen Moment ihres<br \/> Lebens. Wie es dazu kam, erfahren Sie in ihrem Beitrag.<a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2010\/oktober\/english-caidan-eindruecke-aus-taipeh\" title=\"English Caidan - Eindr\u00fccke aus Taipeh\">&nbsp;<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#7\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; <\/span><span class=\"internal-link\">Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_MondkuchenBecksundBecken\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\"><span class=\"special\">Mondkuchen, Becks und Beckenbauer &#8211; Ein Jahr Konfuzius-Institut Heidelberg e.V.<\/span><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 22. September gab es im<br \/> Konfuzius-Institut Heidelberg gleich zwei Gr\u00fcnde zum Feiern: Das<br \/> einj\u00e4hrige Bestehen des Vereins Konfuzius-Institut Heidelberg e.V. und<br \/> das chinesische Mondfest. Gefeiert wurde mit vielen G\u00e4sten, einem bunt<br \/> gemischten Programm und nat\u00fcrlich mit Mondkuchen. SHAN hat f\u00fcr Sie<br \/> einige Eindr\u00fccke gesammelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#8\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; <\/span><span class=\"internal-link\">Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<div>\n<h3 id=\"anker_ChinesischeFilmevorsiebz\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">Chinesische Filme vor siebzig Jahren &#8211; aus \u00f6sterreichischer Sicht<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von brandaktuellen Filmen in Heidelberg<br \/> machen wir einen Zeitsprung und betrachten die chinesische<br \/> Filmlandschaft und ihre Rezeption in \u00d6sterreich vor 70 Jahren. Viele<br \/> dieser Filme sind heute Klassiker der chinesischen Filmgeschichte.<br \/> Begleiten Sie Dr. Thomas Kampen auf eine spannende Reise in die<br \/> Geschichte des chinesischen Films.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#9\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<\/div>\n<h3 id=\"anker_Filmrezension\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">Filmrezension<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Start der Filmrezensionen gab es<br \/> einen absoluten Klassiker, dieses Mal hat Johann Platt das Deb\u00fct-Drama<br \/> der Jungregisseurin Wang Bang f\u00fcr SHAN rezensiert. Mehr zu diesem<br \/> ungew\u00f6hnlichen und auf eigene Art bemerkenswerten Deb\u00fct lesen Sie <span class=\"internal-link\">im Artikel<\/span><strong>.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#10\"><strong>&gt;&gt; Zum Artikel<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"1\" name=\"1\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Als Messehostess auf der Expo 2010 <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Expo 2010 in Shanghai war<br \/> zweifelsfrei eines der Gro\u00dfereignisse dieses Jahres und eine<br \/> Weltausstellung der Superlative. Melanie Adamietz hatte, wie einige<br \/> andere Stundenten der Sinologie in Heidelberg, die Chance ein halbes<br \/> Jahr in Shanghai zu leben und auf der Expo zu arbeiten. Eine<br \/> Lebenserfahrung \u00fcber die sie f\u00fcr SHAN berichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Expo 2010 ist in vielerlei Hinsicht<br \/> die gr\u00f6\u00dfte Weltausstellung, die es je gab. Angefangen bei der<br \/> Grundfl\u00e4che von 5,28 Quadratkilometern auf beiden Seiten des Huangpu<br \/> Flusses auf der die Messe platziert wurde, bis hin zu der Teilnehmerzahl<br \/> an Nationen und internationalen Organisationen sprengt die Expo in<br \/> China jeden bisher vorhandenen Ma\u00dfstab. Es wird mit einer<br \/> Gesamtbesucherzahl von ca. 70 Millionen Menschen gerechnet, wobei die<br \/> t\u00e4gliche Gesamtbesucherzahl sich auf durchschnittlich 400.000 bel\u00e4uft.<br \/> Der Deutsche Pavillon, der sich im Europ\u00e4ischen Distrikt auf der Pudong<br \/> Seite des Expogel\u00e4ndes befand und mit seinen 6000 Quadratmeter nach<br \/> Australien der zweitgr\u00f6\u00dfte nationale Pavillon ist (der Chinesische<br \/> Pavillon nat\u00fcrlich ausgeschlossen), kn\u00fcpft mit seinem Konzept \u201ebalancity<br \/> &#8211; Eine Stadt in Balance\u201c direkt an das Expomotto \u201eBetter City, Better<br \/> Life\u201c an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ausschreibungen f\u00fcr die zahlreichen<br \/> Stellen, die im Deutschen Pavillon zu haben waren, begannen bereits im<br \/> Fr\u00fchjahr 2009 und richtete sich vorwiegend an Bewerber mit Deutschen,<br \/> Chinesischen und Englischen Sprachkenntnissen. Auf die Stelle aufmerksam<br \/> wurde ich durch eine Rekrutierungswerbung der Koelnmesse International<br \/> GmbH, welche durch die institutsinterne Sino-Info Mailingliste<br \/> verschickt wurde. Nach einem kurzen Online-Bewerbungsverfahren und einem<br \/> Bewerbungsgespr\u00e4ch verbunden mit einem 15-min\u00fctigen Sprachtest wurde<br \/> mir die Stelle als Messehostess letztendlich zugesichert. Um die Stelle<br \/> antreten zu k\u00f6nnen nahm ich ein Urlaubssemester im Sommer 2010 in<br \/> Anspruch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Aufgabe als Hostess ist es,<br \/> zusammen mit meinen 200 Kollegen, alle sich im Pavillon befindlichen<br \/> Stationen und Exponate in allen drei erforderlichen Sprachen, also<br \/> Deutsch, Chinesisch und Englisch bedienen und erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen und die<br \/> Einlasskontrolle und das Besuchermanagement zu regeln. Au\u00dferdem stehen<br \/> jeden Tag viele F\u00fchrungen durch den Pavillon und nach Bedarf Betreuung<br \/> von Delegationen aus verschiedenen Bereichen der Politik und Wirtschaft<br \/> an. Das Pavillonkonzept ist, wie bereits erw\u00e4hnt stark an das EXPO Motto<br \/> \u201eBetter City, Better Live\u201c oder \u201e\u57ce\u5e02\u8ba9\u751f\u6d3b\u66f4\u7f8e\u597d\u201c angelehnt und hatt neben der<br \/> Darstellung einer Stadt in Balance den Anspruch eine Vielzahl von<br \/> neuartigen Methoden aufzuzeigen, die das Leben in St\u00e4dten nachhaltig<br \/> verbessern soll. Der Fokus liegt dabei vorwiegend auf den<br \/> verschiedenartigsten Formen von erneuerbaren Energien, nachhaltigen<br \/> Geb\u00e4udetechnologien oder Schl\u00fcsseltechnologien zum Umweltschutz. Der<br \/> Pavillon fasst pro Tag zwischen 20.000 und 25.000 Besuchern von denen<br \/> \u00fcber 95% aus den verschiedensten Provinzen Chinas anreisen. Auf Grund<br \/> der gewaltigen Besuchermengen, die tagt\u00e4glich in das Expogel\u00e4nde hinein<br \/> geschleust werden belaufen sich die Wartezeiten f\u00fcr die beliebtesten<br \/> Pavillons (Japan, Deutschland, China und Saudi Arabien) auf 3 &#8211; 7<br \/> Stunden. Vor dem Deutschen Pavillon warten die Menschen in der Regel 3 &#8211;<br \/> 4 Stunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist schwer die Erfahrung hier auf der<br \/> Expo in Worte zu fassen. Die Massen, die sich tagt\u00e4glich zwischen den<br \/> Pavillons hindurch schlagen, die Weite des Terrains und der oft auch<br \/> sehr schwierige Umgang mit den Besuchern l\u00e4sst sich mit nichts<br \/> vergleichen was man zuvor in China erlebt hat. Man macht zwar viele<br \/> sch\u00f6ne Bekanntschaften und hat sch\u00f6ne Erlebnisse, doch gibt es auch<br \/> leider eine Kehrseite des Ganzen, welche bei einem Zusammentreffen so<br \/> vieler Menschen mit Sicherheit unvermeidlich ist. Bei den Shanghainesen,<br \/> welche ein Expo Ticket geschenkt bekommen, gilt: \u201eGehst du nicht hin,<br \/> wirst du es ein Leben lang bereuen, gehst du hin, bereust du es auch!\u201c<br \/> Dieser Satz beschreibt das zwiesp\u00e4ltige Gef\u00fchl sehr gut, welches man<br \/> nach einem gewissen Aufenthalt hier empfindet. Einerseits ist es eine<br \/> gro\u00dfartige Chance, die Kultur und die Denkart anderer Nationen und<br \/> Kulturkreise zu erkunden, woraus sich interessante Bekanntschaften und<br \/> auch Freundschaften ergeben. Auf der anderen Seite ist es sehr<br \/> anstrengend mit der gewaltigen Menschendichte ( bis zu 623000 Besucher<br \/> t\u00e4glich ), der Lautst\u00e4rke und auch dem \u00e4u\u00dferst r\u00fcpelhaften Verhalten<br \/> vieler Besucher umzugehen. Alles in allem w\u00fcrde ich jedoch die<br \/> Erfahrungen, die ich auf der EXPO gewonnen habe nicht missen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Melanie Adamietz<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"2\" name=\"2\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Byebye Haibao! &#8211; Ein Besuch der EXPO <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie lebt es sich in der Stadt, die sich<br \/> sechs Monate lang im Dauer-Ausnahmezustand befindet? Anfang Oktober<br \/> fallen nur noch gleichg\u00fcltige Blicke auf die Bildschirme in der U-Bahn.<br \/> Die Dauerschleife aus Besucherstatistiken, die sich inzwischen konstant<br \/> bei rund 400 000 eingependelt hat, und \u201eNews from the Expo site\u201c mit den<br \/> Zusammenfassungen der H\u00f6hepunkte des Tagesprogramms scheint bei den<br \/> meisten Pendlern nur noch wenig Begeisterung zu wecken. Denn abgesehen<br \/> von den Klagen \u00fcber die allgemeine Teuerungsrate wird es sogar den<br \/> Menschenmassen-erprobten Shanghaiern inzwischen zu bunt. Viele sehnen<br \/> das Ende der Veranstaltung und ein Qu\u00e4ntchen mehr Ruhe entgegen. Sie<br \/> sind stolz auf ihre Stadt und deren repr\u00e4sentative Darstellung, doch<br \/> nicht wenige sehen sich das baldige Ende der Gro\u00dfveranstaltung mit<br \/> Erleichterung. Ist das Gro\u00dfveranstaltungs-Fieber f\u00fcr bereits am<br \/> Abklingen?<\/p>\n<p>Unterwegs durch die Stadt, auf der Suche nach dem \u201eEXPO-Spirit\u201c sind die<br \/> luxuri\u00f6s gro\u00dfen EXPO-Taxis rar und hei\u00dfbegehrt. Die zahlreichen<br \/> Busverbindungen erg\u00e4nzen die letzten Neuzug\u00e4nge zu den insgesamt 11<br \/> Metro-Linien: eben p\u00fcnktlich fertig geworden, sind sie bereits jetzt zur<br \/> Rush Hour an der Kapazit\u00e4tsgrenze. Linien und Pfeile an den Eing\u00e4ngen<br \/> sollen die Menschenmengen kanalisieren. Doch es wiederholt sich stetig<br \/> dasselbe Spiel: noch w\u00e4hrend es aus den Lautsprechern pl\u00e4rrt: \u201eXian xia,<br \/> hou shang!\u201c dr\u00fcckt es schon von allen Seiten in den U-Bahn-Wagen. Die<br \/> Menge wogt, schiebt und man kann sich dem Sog nicht entziehen: die Flut<br \/> schwemmt alle und alles mit in den Waggon. Manche Idealisten knurren<br \/> \u00fcber die \u201eunzivilisierten Bauern\u201c, doch die allgemeine Reaktion ist<br \/> Resignation. Zu den Sto\u00dfzeiten gibt es hier kein Erbarmen. Die<br \/> Bildschirme an jeder Seite zeigen eine der zahlreichen<br \/> Erziehungskampagnen zu richtigem Verhalten in der Metro: die kleinen<br \/> gr\u00fcnen M\u00e4nnchen im Cartoon haben allen Umstehenden, die an den<br \/> Haltegriffen baumeln, sich an den Haltestangen l\u00fcmmeln oder auf ihrem<br \/> stolzen Sitzplatz d\u00f6sen (daddeln\/tratschen\/Fingern\u00e4gel pflegen) neben<br \/> ihrer offenbar als ziviler angesehenem Verhalten eine selige<br \/> Gelassenheit voraus.<\/p>\n<p>Doch Gelassenheit und eine gute Kondition sind Grundvoraussetzungen f\u00fcr<br \/> einen Tag auf der EXPO. Noch str\u00f6men t\u00e4glich hunderttausende Besucher<br \/> aus dem In- und Ausland auf das Austellungsgel\u00e4nde. Die letzten<br \/> Shanghaier l\u00f6sen die kostenlos an alle Haushalte verteilten Tickets ein.<br \/> Eine bewunderswerte Geduld eint viele in den endlosen Schlangen vor den<br \/> beliebten Pavillons; selbst Fr\u00fchaufsteher mit langem Atem und<br \/> Durchhalteverm\u00f6gen bis in den sp\u00e4ten Abend schaffen bei stundenlangem<br \/> Anstehen oftmals nicht mehr als drei Pavillons an einem Tag. Nach den<br \/> tropischen Temperaturen, bei denen auch die \u00fcberall verteilten<br \/> Wasserspender und Spr\u00fchnebel entlang der l\u00e4ngsten Schlangen kaum<br \/> Linderung boten, lockt das milde Oktoberwetter mit strahlendem<br \/> Sonnenschein.<\/p>\n<p>Allein ein Wassertropfen auf Beinen st\u00f6rt die Harmonie und spaltet die<br \/> Besucher: es kann nur Liebe oder Hass sein. Die positiven Reaktionen<br \/> \u00fcberwiegen, viele finden ihren pers\u00f6nlichen Schatz der Meere in<br \/> Pl\u00fcschform und entdecken in der Hawaii \u00e0 la Strohrock oder auch der<br \/> Cowboy-Variante die weniger softe Seite des kleinen Blauen. Die<br \/> Skeptiker dagegen lassen sich auch von dem Hinweis auf den tieferen Sinn<br \/> als stilisiertes Schriftzeichen von ren in der Farbe des wichtigsten<br \/> aller Elemente, Wasser, nicht \u00fcberzeugen. Was soll dieser dauergrinsende<br \/> Tropfen mit einer Weltausstellung zu nachhaltiger Entwicklung und<br \/> umweltbewusstem Leben in Stadt zu tun? Und niemand hat die Wahl: Haibao<br \/> ist allgegenw\u00e4rtig. Er baumelt als Anh\u00e4nger von Handys und<br \/> Schl\u00fcsselanh\u00e4ngern, tanzt auf den Bildschirmen der Taxis, wird von<br \/> Kinderarmen umarmt und liebkost. Auf allen Verpackungen f\u00fcr<br \/> Lebensmittel, auf Flaschen und T\u00fcten, Verpackungen wie Kleidung, es<br \/> besteht kein Entkommen.&nbsp; Entlang der Stra\u00dfen und an jeder Ecke in<br \/> Form akkurat gestutzter Buchsb\u00e4ume oder Blechschilder gr\u00fc\u00dft der kleine<br \/> Blaue. Seinen gr\u00f6\u00dften Auftritt hat er im Video zum EXPO-Song, ein<br \/> Ohrwurm der ganz fiesen, peinigend schlechten Sorte.<\/p>\n<p>EXPO-Ticker vor vielen Wohnanlagen und an prominenten Stellen in der<br \/> Innenstadt z\u00e4hlten Jahre, Monate, Tage, Stunden und Sekunden bis zur<br \/> Er\u00f6ffnung am 1. Mai; jetzt l\u00e4uft der Countdown bis zur Abschlu\u00dffeier am<br \/> 31. Oktober. Welches Gro\u00dfereignis wird folgen?Sicher ist: die EXPO wird<br \/> als internationale Gro\u00dfveranstaltung von ungekannter Dimension in<br \/> Erinnerung bleiben. \u00dcber 60 Millionen Besucher haben in den<br \/> L\u00e4nderpavillons, Urban Best Practice&nbsp; Area, bei Pr\u00e4sentationen und<br \/> Veranstaltungen in der ganzen Stadt Ideen zum Thema \u201eBetter City, Better<br \/> Life\u201c gesehen. \u00dcber die architektonische und inhaltliche Gestaltung<br \/> einiger Pavillons l\u00e4sst sich sicher diskutieren: nicht alle Macher der<br \/> Konzept schienen sich f\u00fcr das Motto zu interessieren oder sich weiter<br \/> damit auseinandergesetzt zu haben, sondern pr\u00e4sentierten auf Hochglanz<br \/> polierte Demonstrationen ihrer nationalen Gr\u00f6\u00dfe, Natursch\u00f6nheit oder<br \/> schlicht touristischer Perlen. Doch gerade auch diese Selbstdarstellung<br \/> kann f\u00fcr den Besucher von besonderem Interesse sein: Marokko vermittelt<br \/> den dringenden Wunsch sofort das n\u00e4chste Flugzeug in einen Traum aus<br \/> 1001 Nacht zu nehmen, in Afghanistan l\u00e4sst sich fantastisch einkaufen<br \/> und die Henna-Tattoos sind ein weiteres Souvenir der besonderen Art,<br \/> \u201egegen\u00fcber\u201c im \u201eStaat Pal\u00e4stina\u201c schlendert man durch die Stra\u00dfen der<br \/> \u201eHauptstadt\u201c Jerusalem und Nordkorea entf\u00fchrt seine Besucher auf eine<br \/> Zeitreise in die ebenso unwirklichen wie ewiges, allgemeines Gl\u00fcck<br \/> versprechende Sph\u00e4ren des gelebten Sozialismus in der Liebe zur Heimat<br \/> und den geliebten F\u00fchrern. Pakistan und Iran in n\u00e4chster N\u00e4he bringen<br \/> der Welt den langersehnten Frieden, Neuseeland ist ein einziges gro\u00dfes,<br \/> gr\u00fcnes Spielkinder-Paradies&nbsp; und die Niederlande sind im<br \/> Modellma\u00dfstab beinahe so bunt und putzig wie in der Realit\u00e4t. Dabei<br \/> lassen sich diese Pavillons oftmals ohne Wartezeiten und abseits der<br \/> gro\u00dfen Besuchermassen besichtigen.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein Praktikum war ich die Sommermonate \u00fcber in Shanghai und in<br \/> dieser Zeit insgesamt auch drei Mal auf dem EXPO-Gel\u00e4nde. Von gro\u00dfer<br \/> Freude war dabei jede einzelne der Begegnungen mit den chinesischen<br \/> Besuchern aus fern und nah, die auch nach stundenlangem Anstehen noch<br \/> fr\u00f6hlich und mit ungebremster Neugierde mit dem laowai plaudern wollten.<br \/> Meine Favoriten unter den Pavillons? Der UK-Pavillon in seiner<br \/> Konzeption als gestalterischer Blickfang, hinter mit der \u201eSeed<br \/> Cathedral\u201c au\u00dferdem ein spannendes, wie nachhaltiges Konzept steht.<br \/> Au\u00dferdem die Pavillons Deutschlands, insbesondere der Teil zum Umgang<br \/> mit der deutschen Vergangenheit, die Urban Best Practice Area, die Joint<br \/> Pavillons des Nahen Ostens und der Pavillon Nordkoreas sowie das<br \/> Deutsch-Chinesische Haus in seiner filigranen Bambusstruktur.<br \/> Befremdlich erschienen mir dagegen die inflation\u00e4r verteilten VIP-P\u00e4sse<br \/> sowie der wundersame Handhabung dieser seitens des Personals diverser<br \/> Pavillons; au\u00dferdem empfand ich Verwunderung jedes Mal aufs Neue, dass<br \/> auch auf dem EXPO-Gel\u00e4nde KFC und Family Mart das Essensangebot<br \/> dominierten.<\/p>\n<p>Meinen eigenen Eindr\u00fccken m\u00f6chte ich au\u00dferdem noch die folgenden<br \/> Kurzantworten zu Fragen an drei weitere Besucher gegen\u00fcberstellen:<\/p>\n<p> Jiawen, Germanistikstudentin, hat als Freiwillige eineinhalb Monate auf der EXPO gearbeitet:<\/p>\n<p>SHAN: Was hat dir an der EXPO besonders gut gefallen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jiawen: Die Pavillons da sind super. Sie<br \/> bieten uns eine ausgezeichnete Gelegenheit an, durch welche wir die<br \/> Landeskunde, die Geschichte, den Lebensstil u.s.w von einem Land<br \/> kennenlernen, auch wenn wir es noch nie besucht haben.<\/p>\n<p>Gab es auch negative Erlebnisse?<br \/> &nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss stundenlang in der Schlange<br \/> stehen, bevor man einen beliebten Pavillon besuchen m\u00f6chte. Ich kann es<br \/> nicht ertragen, dass man vor irgendeinem Pavillon wie Saudi Arabien \u00fcber<br \/> 8 Stunden zu warten braucht, wenn die Temperatur \u00fcber 35 Grad liegt.<\/p>\n<p>Wird die EXPO einen nachhaltigen Eindruck auf die Entwicklung im Land<br \/> hinterlassen? Glaubst du, dass es einen messbaren Fortschritt geben<br \/> wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> Mithilfe der EXPO haben viele Ausl\u00e4ndische Shanghai und China besser<br \/> kennengelernt, eine ganze Reihe Touristen und Investoren werden<br \/> infolgedessen hier angezogen. Dann wird unsere Stadt sowie unser Land<br \/> sich weiterentwickeln.<\/p>\n<p>Hannes Mayer, Redakteur der Z\u00fcricher Architekturzeitschrift \u201eArchithese\u201c, war einen Tag lang zu Besuch auf der EXPO:<\/p>\n<p>SHAN: Was hat dir an der EXPO besonders gefallen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> Mayer: Die Parkanlage am Huangpo River und der Niederl\u00e4ndische Pavillon von John K\u00f6rmeling (Eindhoven).<br \/> &nbsp;<br \/> Was hat dich auf der EXPO gest\u00f6rt, was h\u00e4tte man bei der Planung beachten sollen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> Die bis auf die Ufergestaltung \u00e4usserst ideenlose und konventionelle<br \/> Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes, also des Raumes, welcher auch \u00fcber<br \/> die Expo hinaus benutzt werden wird und die Grundlage f\u00fcr eine<br \/> zuk\u00fcnftige Bebauung bildet.<br \/> &nbsp;<br \/> Wird die EXPO einen nachhaltigen Eindruck auf die Entwicklung im Land<br \/> hinterlassen? Glaubst du, dass es einen messbaren Fortschritt geben<br \/> wird?&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> Die Expo hat sicherlich auf Seite der chinesischen Entscheidungstr\u00e4ger<br \/> f\u00fcr die Darstellung von zukunftsrelevanten Fragen sensibilisiert. Es<br \/> bleibt jedoch zweifelhaft, ob die Darstellungen tats\u00e4chlich als Leitbild<br \/> \u00fcbernommen und zum Massstab f\u00fcr das Land erkoren werden. F\u00fcr viele<br \/> chinesische Besucher war die Expo eine M\u00f6glichkeit von fernen L\u00e4ndern zu<br \/> erfahren.<br \/> &nbsp;<br \/> Die \u00c4rztin Wang Huilin, hat insgesamt bereits sechs Mal mit Freunden die EXPO besucht:<\/p>\n<p>SHAN: What did you like about the EXPO?<\/p>\n<p>Wang Huilin: They put some of the best or famous restaurant there, but a<br \/> large crowd made the dining environment worse.It is really too many<br \/> people, impossible to enjoy without VIP pass. Lining feels more tiring<br \/> that work.<\/p>\n<p>Any downturn?<\/p>\n<p>Without enough coordination, EXPO pavilions are filled with multimedia<br \/> presentation, on the contrary lack of bringing the national treasures<br \/> for demonstration which is a real resemble of different characteristic<br \/> of each civilization. I like the EXPO in older time before better.<\/p>\n<p>What do you think is going to be the long-term effect of the EXPO on Shanghai? Is there going to be any sustainable progress?<\/p>\n<p>Don&#8217;t exactly know except to hear so much about many expats want to find<br \/> a job in Shanghai. My parents were very happy to travel along all the<br \/> national pavilions and enjoyed seeing all different cultures. Of course<br \/> there are always many positive prospective from PRC saying that it will<br \/> make Shanghai an international city. Actually it already is, maybe after<br \/> EXPO it will be more famous.<br \/> &nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interview und Artikel: Helen H\u00fcbner<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"3\" name=\"3\"><span id=\"parent-fieldname-title\">\u201eBetter City, Better Life\u201c &#8211; die gr\u00f6\u00dfte Weltausstellung aller Zeiten <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem die Weltausstellung im Laufe des<br \/> vergangenen Jahrhunderts mehrmals in Japan (1970, 1975, 1985) und auch<br \/> in S\u00fcdkorea (1993) stattfand, reiht sich nun auch die Volksrepublik<br \/> China in die ostasiatischen Gastgeberl\u00e4nder ein. Vom 01. Mai bis 31.<br \/> Oktober findet die Weltausstellung Expo 2010 unter dem Motto Better<br \/> City, Better Life in Shanghai statt, an der 242 Aussteller, davon 192<br \/> Nationen und 50 internationale Organisationen, teilnehmen. Dieser<br \/> Artikel m\u00f6chte einige Zahlen und Fakten dieser gr\u00f6\u00dften Weltausstellung<br \/> aller Zeiten vorstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das 5,28 Quadratkilometer gro\u00dfe<br \/> Expogel\u00e4nde auf beiden Seiten des Flusses Huangpu, ist offiziell das<br \/> gr\u00f6\u00dfte in der Geschichte der Weltausstellung. Zentral f\u00fcr diese Expo<br \/> sind f\u00fcnf verschiedene Themenpavillons, die sich unterschiedlichen<br \/> Aspekten st\u00e4dtischer Entwicklung widmen: Urban Footprints, Urban Planet,<br \/> Urban Dwellers, Urban Beings und Urban Dreams. Ein Teil dieser<br \/> Themenpavillons befinden sich in einem Ausstellungsgeb\u00e4ude mit 11,5<br \/> Hektar Grundfl\u00e4che, dem gr\u00f6\u00dften Bau in der Geschichte der Expo.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch verkehrstechnisch ist die Expo 2010<br \/> ein Mammutprojekt. Das Expogel\u00e4nde ist \u00fcber den Huangpu durch mehrere<br \/> F\u00e4hrverbindungen vernetzt. Auf dem Gel\u00e4nde selbst verkehren \u00fcber 200<br \/> Elektrobusse und Elektro-Spezialfahrzeuge. Nach dem Ende der Expo sollen<br \/> diese Busse im \u00f6ffentlichen Verkehrsnetz von Shanghai zum Einsatz<br \/> kommen. Um den gro\u00dfen Besucherandrang, der schon vor Beginn der Expo<br \/> rasant wuchs, zu entlasten, wurde das Shanghaier Verkehrsnetz u.a. mit<br \/> mehreren neuen U-Bahnstationen sowie 4000 zus\u00e4tzlichen Taxis ausgebaut.<br \/> W\u00e4hrend des chinesischen Neujahrsfest 2010 konnte eine 12% Steigerung<br \/> der Touristenanzahl in Shanghai zum Vorjahr vermerkt werden, sowie ein<br \/> 13% plus im Umsatz in der Tourismusbranche.<br \/> &nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit Anfang Mai haben nahezu 60<br \/> Millionen Menschen die Weltausstellung in Shanghai besucht, mit den<br \/> h\u00f6chsten Besucherzahlen pro Tag in den Monaten Juni und Juli.<br \/> Interessierte k\u00f6nnen auf der offiziellen englischsprachigen Homepage der<br \/> Expo Shanghai t\u00e4glich ablesen, wie viele Besucher zu welchen<br \/> Tageszeiten auf das Gel\u00e4nde str\u00f6men sowie die kompletten Besucherzahlen<br \/> vom 01. Mai bis zum aktuellen Datum. So l\u00e4sst sich beispielsweise f\u00fcr<br \/> die Tage vom 05.10. bis 07.10. beobachten, dass es am Tag zwei<br \/> Besucheranst\u00fcrme gab. Der erste zwischen 9:00 und 11:00 morgens, und der<br \/> zweite zwischen 16:00 und 18:00. (http:\/\/en.expo2010.cn\/yqkl\/index.htm)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> Wir freuen uns, Ihnen in dieser Ausgabe des SHAN Newsletters interessante Beitr\u00e4ge von <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2010\/oktober\/expo-besucherbericht\" title=\"Byebye Haibao! - Ein Besuch der EXPO\">Besuchern<\/a>, die Teil dieser Besucheranst\u00fcrme waren, sowie beeindruckende Bilder der Expo 2010 in Shanghai pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Johann Platt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"4\" name=\"4\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Ai Weiwei: Ein selbstgeschaffenes Ready-Made &#8211; Kristina Bodrozic-Brnic <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ai Weiwei \u2013 das ist ein K\u00fcnstler, der in<br \/> den westlichen Medien gerne immer dann aufgegriffen wird, wenn es darum<br \/> geht, Kritik \u00fcber China zu formulieren. Er ist aber auch ein K\u00fcnstler,<br \/> der den Westen mit China verbindet. 1993 kehrte er nach einem<br \/> zw\u00f6lfj\u00e4hrigen USA-Aufenthalt zur\u00fcck in die Volkrepublik China und<br \/> brachte dabei auch einiges an Erfahrung und westlichem Kunstverst\u00e4ndnis<br \/> mit. Die Bedeutung Ai Weiweis f\u00fcr die Entwicklung der Beijinger<br \/> Kunstszene seit Mitte der 1990er wird heute noch leider von Vielen<br \/> untersch\u00e4tzt. Bei meiner Magisterarbeit interessierte ich mich weniger<br \/> f\u00fcr Ai Weiweis Kritik an seiner Heimat, oder auch am Westen, als<br \/> vielmehr, f\u00fcr das was sein k\u00fcnstlerisches Schaffen ausmacht. 2009 sagte<br \/> Ai Weiwei in einem Interview der FAZ gegen\u00fcber, er sei sein eigenes<br \/> Ready-Made. Und da war sie: Die Idee meiner Magisterarbeit. Ai Weiwei =<br \/> Mensch = Ready-Made. Wer und was ist das und wie ist es m\u00f6glich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der modernen Kunst gibt es eine<br \/> Theorie, die besagt, dass alles ein Kunstwerk sein kann, wenn es vom<br \/> K\u00fcnstler zu einem solchen erkl\u00e4rt wird. Der franz\u00f6sisch-st\u00e4mmige<br \/> K\u00fcnstler Marcel Duchamp (1887-1968) war der Urvater der sogenannten<br \/> Ready-Mades und hatte Zeit seines Lebens und auch noch lange nach seinem<br \/> Tod einen gro\u00dfen Einfluss auf das k\u00fcnstlerische Arbeiten folgender<br \/> Generationen. F\u00fcr Duchamp lagen bei der Kreation eines Ready-Mades<br \/> allt\u00e4gliche Gegenst\u00e4nde im Zentrum seines Schaffens. Er entriss sie aus<br \/> ihrem gewohnten Zusammenhang und pr\u00e4sentierte sie als Kunstobjekte in<br \/> privaten und \u00f6ffentlichen Ausstellungen. Viele kennen sicherlich sein<br \/> ber\u00fchmtes Werk \u201eFountain\u201c von 1917, das lediglich aus einem von ihm mit<br \/> seinem Pseudonym signierten handels\u00fcblichen Urinal bestand. \u201eFountain\u201c<br \/> ist das Symbol f\u00fcr eine Art Revolution in der Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Ai Weiwei in den USA lebte, kam er<br \/> mit den Ideen Marcel Duchamps, Andy Warhols und Joseph Beuys in Kontakt,<br \/> doch sein gr\u00f6\u00dfter Einfluss ist nach eigenen Angaben Marcel Duchamp<br \/> gewesen. Aber Ai Weiweis Kunstbegriff unterscheidet sich von dem<br \/> Ready-Made Verst\u00e4ndnis Duchamps. Das Ausarbeiten der Anf\u00e4nge und der<br \/> Weiterentwicklung der Ready-Made-Idee, in Betracht von Ai Weiweis<br \/> kreativem Arbeiten, ist das Hauptthema meiner Magisterarbeit. Untersucht<br \/> werden in chronologischer Folge das Werk \u201eProfile Duchamp\u201c von 1985,<br \/> welches den Anfang der Auseinandersetzung mit Ready-Mades setzt, seine<br \/> Ausstellungsobjekte auf der von ihm kuratierten Shanghaier Ausstellung<br \/> \u201eFuck Off\u201c aus dem Jahr 2000, die eine erste Ver\u00e4nderung seines Begriffs<br \/> Ready-Made darstellen, das Ph\u00e4nomen des Bloggens als<br \/> Pr\u00e4sentationsplattform des Ready-Mades \u201eAi Weiwei\u201c, und abschlie\u00dfend die<br \/> Niederschlagung seiner bis dahin erfolgten k\u00fcnstlerischen Entwicklung<br \/> in dem St\u00fcck \u201eRemembering\u201c, bei dem 9000 Rucks\u00e4cke von Oktober 2009 bis<br \/> Januar 2010 im Haus der Kunst (HDK) in M\u00fcnchen ausgestellt wurden, die<br \/> repr\u00e4sentativ an die kindlichen Opfer des Sichuan-Erdbebens von 2008<br \/> erinnern sollten.&nbsp; Bei der Betrachtung dieser Werke f\u00e4llt einem<br \/> gleich auf, dass bei Ai Weiwei alles miteinander zu tun hat und<br \/> ineinander verstrickt ist. Wenn auch ein Werk sich&nbsp; dem Betrachter<br \/> nicht auf den ersten Blick erschlie\u00dft, so zeigt sich nach einer gewissen<br \/> Recherche ein roter Faden in der Kunst Ai Weiweis. Dieser rote Faden<br \/> besteht vor allem im Aufarbeiten der Bedeutungswandlung chinesischer<br \/> historischer Kulturg\u00fcter und dem Hinterfragen von sozialer Realit\u00e4t in<br \/> seiner Heimat China. Wenn es um Ready-Mades geht, so l\u00f6ste sich Ai<br \/> Weiwei nach seiner R\u00fcckkehr nach Beijing von Duchamps Vorstellung und<br \/> wurde allm\u00e4hlich zum Massenproduzenten seiner eigenen Kunst. Um dies zu<br \/> verdeutlichen, sei kurz das Werk \u201eSunflower Seeds\u201c (2010 in der Tate<br \/> Modern) erw\u00e4hnt, wof\u00fcr Ai Weiwei hundertmillionen von keramischen<br \/> Sonnenblumenkernen in Chinas ber\u00fchmtester Porzellan-Manufaktur-Stadt<br \/> Jingdezhen produzieren lie\u00df. Auch f\u00fcr die in der Magisterarbeit<br \/> besprochene Installation \u201eRemembering\u201c (2009) lie\u00df er 9000 formgleiche<br \/> R\u00fccks\u00e4cke anfertigen. Dieser Aspekt des k\u00fcnstlerischen Produzenten, des<br \/> Ideengebers hinter der Verwirklichung, gepaart mit der offenen<br \/> Pr\u00e4sentation seiner Gedanken auf diversen Blogs im Internet, erschaffen<br \/> das Ready-Made Ai Weiwei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die Ausf\u00fchrung dieses Themas im<br \/> Rahmen einer Magisterarbeit betrifft, muss ich sagen, dass es enorm<br \/> schwierig war auf profunde Literatur zur\u00fcckzugreifen. Die Aktualit\u00e4t<br \/> seines Erfolgs l\u00e4sst viele Kunsthistoriker erst jetzt aufsehen. Was den<br \/> Effekt auf mein eigenes Kunstverst\u00e4ndnis chinesischer Gegenwartskunst<br \/> betrifft, kann ich aber nicht klagen. Mit diesem Thema habe ich nicht<br \/> nur den K\u00fcnstler Ai Weiwei aufgearbeitet, sondern auch wichtige<br \/> Ereignisse der zeitgen\u00f6ssischen chinesischen Kunst betrachtet, und<br \/> dar\u00fcber hinaus die Einfl\u00fcsse aus dem Westen unter die Lupe genommen. Im<br \/> Anschluss an die Arbeit hatte ich nach sechs-j\u00e4hrigem Studium endlich<br \/> das Gef\u00fchl ein wenig von Moderner Kunst und Gegenwartskunst und ihrer<br \/> Interkulturalit\u00e4t zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> Kristina Bodrozic-Brnic<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere SHAN-Beitr\u00e4ge zu diesem Thema<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2010\/januar\/so-sorry-ai-weiwei\" title=\"So Sorry! Ai Weiwei\">Ai Weiwei So Sorry<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"5\" name=\"5\"><span id=\"parent-fieldname-title\">China Underground &#8211; Chinesische Independent-Filme in Heidelberg <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur j\u00e4hrlichen Chinaveranstaltung <em>China Time 2010<\/em><br \/> in Hamburg wurden dieses Jahr chinesische Independent-Filmemacher nach<br \/> Deutschland eingeladen. Vom 28. bis zum 30. September 2010 wurden einige<br \/> von ihnen nach Heidelberg eingeladen, ihre Filme im Karlstorkino in<br \/> Heidelberg zu zeigen. Die Filmveranstaltung unter dem Namen C<em>hina Underground \u2013 Ein kritischer Blick von unten<\/em>,<br \/> zeigte spezielle Wahrnehmungen der Regisseure zur chinesischen<br \/> Gesellschaft und bot Betrachtungsperspektive, die in Mainstream-Filmen<br \/> \u00fcber China selten zu sehen sind. SHAN interviewte w\u00e4hrend der<br \/> Veranstaltung den chinesischen Organisator Herrn Ni Kun (\u502a\u6606) und beiden<br \/> Regisseure, <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2010\/oktober\/filmrezension-the-rat-trap-and-the-rose\" title=\"Filmrezension:The rat trap and the rose\">Frau Wang Bang<\/a> (\u738b\u6886) und Herrn Ma Zhandong (\u9a6c\u5360\u51ac).&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p><strong><span class=\"special\">Shan:<\/span><\/strong> Herzlich willkommen<br \/> in unserer Universit\u00e4tsstadt Heidelberg. Herr Ni (\u502a\u6606), Sie sind einer<br \/> der Organisatoren dieser chinesischen Filmveranstaltung und kennen sich<br \/> im Bereich der Independentfilme in China aus . K\u00f6nnen Sie bitte kurz<br \/> darstellen, wie sich die Independentfilme in China in der letzten<br \/> Zeit&nbsp; entwickelt haben?<\/p>\n<p>Ni: Der erste H\u00f6hepunkt in der Entwicklung der Independentfilme in China<br \/> war im Jahr 2002. Es lag an der Verbreitung der Videotechnik. Aber es<br \/> ist sehr interessant zu sehen, dass dieser Trend in den Jahren 2003 und<br \/> 2004 wieder zur\u00fcckgegangen ist. Viele Filmmacher, die nur f\u00fcr eine kurze<br \/> Zeit Interesse hatten, sind nicht mehr in diesem Bereich geblieben.<br \/> Diejenigen die bleiben, k\u00f6nnen wir als richtige Independentfilmmacher<br \/> ansehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Shan: Arbeiten die Independent-Filmemacher in einigen bestimmten Gro\u00dfst\u00e4dten in China?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ni: Nein. Die Festivals oder<br \/> Austauschprogramme f\u00fcr Independentfilme sind normalerweise in<br \/> Gro\u00dfst\u00e4dten, aber&nbsp; die Regisseure sind \u00fcberall in China verteilt.<\/p>\n<p>Sind die meisten Independent-Filmemacher Studenten?<\/p>\n<p>Ni: Das kann man so sagen. In China haben heutzutage fast alle K\u00fcnstler<br \/> der bildenden Kunst eine akademische Ausbildung. Entweder waren sie,<br \/> oder sind sie, Kunststudenten oder Literaturstudenten. Zum Beispiel war<br \/> der ber\u00fchmte Independent-Filmemacher Zhu Wen (\u6731\u6587) fr\u00fcher ein<br \/> Schriftsteller, hat aber sp\u00e4ter Filme gedreht, wie z.B. <em>Meeresfr\u00fcchte<\/em> (\u6d77\u9c9c <em>Haixian<\/em>),<br \/> und daf\u00fcr auch einen Preis bekommen (Venice International Film Festival<br \/> 2001, Cinema of The Present-Special Jury Prize). Der Film ist eine<br \/> andere Ausdrucksm\u00f6glichkeit f\u00fcr die Literaten. Die Independentfilmmacher<br \/> versuchen ihre Filme auf den nicht-staatlichen Filmveranstaltungen oder<br \/> bei den Austauschprogrammen im Ausland zu zeigen. So wie diesmal in<br \/> Heidelberg. Das ist sehr wichtig f\u00fcr diese Regisseure.<\/p>\n<p>In welchen L\u00e4ndern findet ein Austausch mit den Independent-Filmemachern statt?<\/p>\n<p>Ni: Europa ist jetzt so zu sagen der Fokus des Austausches. Im<br \/> Mittelpunkt stehen L\u00e4nder wie Frankreich, England und Deutschland.<\/p>\n<p>Finanzieren die chinesischen Independentfilmmacher&nbsp; ihre Filme immer selbst?<\/p>\n<p>Ni: In der fr\u00fchen Phase ihrer Filmkarriere finanzieren sie sich fast<br \/> alle selbst. Danach kommt es darauf an, wie gut sie sind. Manche<br \/> bekommen Sponsoren f\u00fcr ihre n\u00e4chsten Filme.<\/p>\n<p>Und warum haben die deutschen Partner diesmal diese Filme ausgew\u00e4hlt?<\/p>\n<p>Ni: Wir glauben, dass diese Filme die individuelle Einstellung und eine<br \/> individuelle politische Haltung gut zeigen. Wenn man einen der Filme f\u00fcr<br \/> sich betrachtet, ist das noch nicht so auff\u00e4llig. Betrachtet man sie<br \/> aber zusammen, merkt man das sofort. Diese Filme unterscheiden sich<br \/> stark von den chinesischen Mainstream-Filmen, die man in Deutschland<br \/> sonst sehen kann. Wenn die deutsche Presse \u00fcber China berichtet (oft<br \/> negativ), sind kaum Stimmen von einzelnen Chinesen zu h\u00f6ren. Die Filme<br \/> der aktuellen Veranstaltung zeigen, wie einzelne Chinesen in schwierigen<br \/> Situationen handeln. Unsere deutschen Partner glauben, dass diese Filme<br \/> das Mainstream-Image \u00fcber China in Deutschland ein St\u00fcck weit ver\u00e4ndern<br \/> k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Filmveranstaltung hei\u00dft <em>China Underground- Ein kritischer Blick von Unten<\/em> (\u4e2d\u56fd\u5730\u4e0b\u7535\u5f71\u8282 \u2013 \u6279\u5224\u7684\u89c6\u89d2). Ich wei\u00df, dass sich die deutschen Organisatoren diesen Titel ausgedacht haben. Der Begriff <em>Dixia<\/em> (\u5730\u4e0b <em>Underground<\/em>)<br \/> klingt auf Chinesisch eher negativ. Wie finden Sie diesen Titel? Und<br \/> wollten Sie beim Drehen der Filme wirklich irgendwas kritisieren? Oder<br \/> wollten Sie nur dokumentieren?<\/p>\n<p>Ma: Ich pers\u00f6nlich finde, dass es egal ist welchen Namen die<br \/> Veranstaltung hat. Wichtig ist, unsere Filme von&nbsp; den<br \/> Mainstream-Filmen zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Shan: Herr Ma, Sie haben den Film \u00fcber das Erdbeben in Sichuan gedreht. War es aus einer kritischen Perspektive?<\/p>\n<p>Ma: Ich wollte nicht unbedingt irgendetwas kritisieren. Aber ich dr\u00fccke<br \/> nat\u00fcrlich meine eigene Einstellung damit aus. Es gibt sehr viele<br \/> offizielle Berichte \u00fcber dieses Erdbeben. Ich habe mich auf die<br \/> ignorierten, einzelnen Personen konzentriert, die meistens nicht<br \/> beachtet werden.&nbsp; Eine Familie, eine&nbsp; Person und so weiter.<\/p>\n<p>Das war damals ihr Anlass, das Erdbeben zu filmen? Im Internet steht,<br \/> dass Sie zuerst den Leuten dort helfen wollten und Ihnen dann die Idee<br \/> kam den Film zu machen. Stimmt das?<\/p>\n<p>Ma: Nicht ganz. Ich wohne in Chengdu. Als das Erdbeben kam, war ich im<br \/> 13. Stock. Ich habe das Erdbeben sehr stark gesp\u00fcrt. Am Tag danach bin<br \/> ich mit meiner Frau direkt in das Katastrophengebiet gefahren. Wir haben<br \/> ein Auto gemietet und sind \u00fcberall herum gefahren, wo wir mit Auto<br \/> hinfahren konnten und haben immer dabei gefilmt.&nbsp; Die Idee, einen<br \/> Film aus diesen Video-St\u00fccken zu machen, kam mir erst Ende Mai. Die<br \/> &#8222;Hauptfiguren&#8220; haben wir auch zuf\u00e4llig getroffen. Der Film dreht sich<br \/> haupts\u00e4chlich um eine Familie, ein junges Ehepaar. Sie haben ein Kind,<br \/> das in der Stadt zur Schule geht. Die beiden arbeiten ziemlich hart, um<br \/> das Kind zu finanzieren. Ihr Kind ist im Erdbeben gestorben. Als ich sie<br \/> getroffen habe, wollten die beiden ihre traurige Geschichte erz\u00e4hlen,<br \/> um ihre Trauer zu erleichtern. Deswegen haben wir ihre Geschichte<br \/> dokumentiert.<\/p>\n<p>Wie lange waren Sie insgesamt im Katastrophengebiet?<\/p>\n<p>Ma: Von Mai bis Oktober.<\/p>\n<p>Wenn man jetzt spontan fragen w\u00fcrde, was ihr gr\u00f6\u00dfter Eindruck von diesem Erdbeben ist, was w\u00fcrden Sie sagen?<\/p>\n<p>Ma: Man kann gar nicht nachvollziehen und nachsp\u00fcren, welche Schmerzen<br \/> die Leute dort empfunden haben, egal wie man f\u00fcr sie weint, egal wie man<br \/> ihnen hilft.<\/p>\n<p>&nbsp;Frau Wang, ihre beiden Filme sind vom Thema und Stil her sehr<br \/> unterschiedlich. Haben Sie die beiden Filme in einem bestimmten Kontext<br \/> zusammen gedreht?<\/p>\n<p>Wang: Die beiden Filme sind meine neuesten Filme, ungef\u00e4hr aus dem<br \/> letzten Jahr. Ich habe mehr als zehn Jahre in Guangzhou gelebt. Mit den<br \/> beiden Filmen m\u00f6chte ich verschiedene Seiten von Guangzhou zeigen: Ein<br \/> Guangzhou mit Konflikten zwischen der Regierung und den Bauern, ein<br \/> anderes Guangzhou als internationale Metropole, wo Menschen aus vielen<br \/> Kulturen aufeinander treffen. Man kann in den Filmen die Spuren der<br \/> Urbanisierung Guangzhous sehen.&nbsp;<\/p>\n<p>Frau Wang, eine Frage \u00fcber den Film <em>University City Savages<\/em>: Wussten Sie am Anfang schon, dass das Thema sehr sensibel ist?<\/p>\n<p>Wang: Am Anfang dachte ich gar nicht, dass das Thema sensibel ist. Als<br \/> ich angefangen habe, den Aufbau der Universit\u00e4tsstadt zu filmen, waren<br \/> die Bauarbeiten noch nicht sehr weit fortgechritten- Das war im Jahr<br \/> 2004. In China schenkte man damals dem Dingzihu (\u9489\u5b50\u6237)-Problem nicht so<br \/> gro\u00dfe Beachtung. Es gibt zwar auch offizielle Berichte dra\u00fcber. Aber es<br \/> war (oder ist) kein so gro\u00dfes Thema. Ich wollte damals nur einem Freund<br \/> helfen, der Anwalt f\u00fcr diesen Fall in Guangzhou war. Er hat mich<br \/> gebeten, Fotos von den demonstrierenden Bauern zu machen. Ich dachte,<br \/> dass das kein Problem w\u00e4re. Aber im Jahr 2009 wurde dieser Fall<br \/> ernsthaft, weil die Regierung von Guangzhou die Stadt zu einer Art<br \/> \u201ezivilisierten Stadt&#8220; (\u6587\u660e\u57ce\u5e02) bauen wollte. So wie damals die Regierung<br \/> Beijing f\u00fcr die Olympischen Spiele umgebaut hat, wollte die Regierung<br \/> diesmal Gaungzhou f\u00fcr die Asian Games (\u4e9a\u8fd0\u4f1a) umbauen. Das<br \/> Dingzihu-Problem, bleibt normalerweise unter der Oberfl\u00e4che. Aber weil<br \/> es solche Gro\u00dfevents, spitzt sich die Sitation immer \u00f6fter zu und es ist<br \/> es zu einem ernsten Problem geworden, das man dringend l\u00f6sen muss. Die<br \/> Regierung hat viel Polizei eingesetzt um die Bauern wegzutreiben, die<br \/> dort zelteten und demonstrierten. Nach den Gro\u00dfevents beruhigt sich die<br \/> Situation dann wieder. Aber beim n\u00e4chsten Gro\u00dfevent, wird das Problem<br \/> wieder aufkommen. So geht es hin und her.<\/p>\n<p>Zelten die Bauern jetzt immer noch da?<\/p>\n<p>Wang: Nein, sie wurden weggetrieben und haben keine Zelte mehr, sie<br \/> mieten jetzt Appartements. Aber das Gerichtsverfahren l\u00e4uft immer noch.<\/p>\n<p>Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Independentfilme in China in der Zukunft entwickeln?<\/p>\n<p>Ni: Ich denke in den n\u00e4chsten zehn Jahren werden viele gute Regisseure<br \/> auftauchen. Jetzt gibt es schon ziemlich gute. Wie ich gesagt habe,<br \/> traten viele Jung-Regisseure erst 2000 auf die Bildfl\u00e4che. Sie m\u00fcssen<br \/> erst einmal&nbsp; \u201eerwachsen\u201c werden, m\u00fcssen auch ihre Technik und ihren<br \/> Ausdruck verfeinern.<\/p>\n<p>Wang:&nbsp; Ich stimme dem zu. Ich sehe es auch optimistisch.<\/p>\n<p>Ma: Ich stimme auch zu. Ich pers\u00f6nlich versuche mehr Filme zu drehen.<\/p>\n<p>Wir freuen uns auf ihre neuen Filme. Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"6\" name=\"6\"><span id=\"parent-fieldname-title\">&#8222;Walter&#8220; Woidt &#8211; ein ungew\u00f6hnlicher Gesch\u00e4ftsmann in China <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Als <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/09\/01\/newsletter-september-2010-nr-46\/#3\" title=\"Der Zeitgeist Buchladen in Shanghai und die Buchh\u00e4ndlerinnen Irene, Isa und Ursula\"> &gt;&gt; Rudolf und Ursula Hamburger<\/a><br \/> 1930 von Berlin nach Shanghai reisten, konnten sie vor\u00fcbergehend in dem<br \/> Haus von &#8222;Walter&#8220; wohnen, der zu dieser Zeit selbst verreisen wollte.<br \/> &#8222;Walter&#8220; war der Name, den <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/students\/reviews\/09-ruth-werner-sonjas-rapport\" title=\"09 :: Ruth Werner - Sonjas Rapport\">Ruth Werner<\/a><br \/> in ihrem Buch &#8222;Sonjas Rapport&#8220; f\u00fcr einen Bekannten w\u00e4hlte, dessen Namen<br \/> sie nicht verraten wollte. Trotzdem schrieb sie einige interessante<br \/> Details: Die Hamburgers kannten den Herrn schon viele Jahre; dieser<br \/> hatte &#8211; nachdem er selbst eine Stelle in China bekommen hatte &#8211; seinem<br \/> Freund Rudolf in Shanghai eine Stelle vermittelt und lud sie ein, in<br \/> ihrem Haus zu wohnen (S.31). Nachdem Ursula ihre Agentent\u00e4tigkeit f\u00fcr <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/09\/01\/newsletter-september-2010-nr-46\/#4\" title=\"Der Richard Sorge-Kult und seine Autoren: Ruth Werner und Julius Mader\">&gt;&gt; Richard Sorge<\/a><br \/> begonnen hatte, versuchte sie &#8222;Walter&#8220; ebenfalls anzuwerben. Sie<br \/> bezeichnete ihn als &#8222;einer der f\u00fchrenden europ\u00e4ischen Gesch\u00e4ftsleute in<br \/> Shanghai mit Verbindung zu chinesischen Gesch\u00e4ftsleuten und zur<br \/> Nanking-Regierung&#8220;. (S.96) Eigentlich sollten diese Angaben ausreichen,<br \/> um einen &#8211; von nicht allzu vielen &#8211; deutschen Gesch\u00e4ftsleuten in<br \/> Shanghai zu identifizieren, dies ist aber bisher wohl nicht gelungen.<br \/> Erst nach dem Tod der Autorin (2000) gab es entscheidende Hinweise in<br \/> einem Buch eines Kollegen aus DDR-Zeiten: E. Panitz schrieb in<br \/> &#8222;Treffpunkt Banbury oder Wie die Atombombe zu den Russen kam&#8220;: in<br \/> Shanghai &#8222;hatte Rudi Hamburger eine Anstellung als Architekt durch<br \/> Vermittlung seines Freundes Helmuth Woidt gefunden, in dessen Haus er<br \/> zun\u00e4chst mit seiner Frau wohnte&#8220;. &nbsp;Dies scheint nun der richtige<br \/> Name zu sein, weitere Informationen gibt es an dieser Stelle nicht.<br \/> Interessant ist jedoch, da\u00df der SPIEGEL vor mehr als einem halben<br \/> Jahrhundert (34\/1951) in einem Artikel eine Reihe von Mitarbeitern von<br \/> Richard Sorge aufz\u00e4hlte &#8211; darunter: &#8222;Dr. Woidt (auch sonst unbekannt)&#8220;<br \/> Die Klammer steht so im Original und deutet an, da\u00df weitere<br \/> Informationen auch hier nicht zu finden sind, auch bleibt die Quelle<br \/> unklar. Bemerkenswert ist, da\u00df sich die Liste auf Japan Ende der<br \/> drei\u00dfiger Jahre bezieht; dies scheint eine Best\u00e4tigung daf\u00fcr zu sein,<br \/> da\u00df der mysteri\u00f6se Herr erstens f\u00fcr Sorge arbeitete und zweitens sowohl<br \/> in China und als auch in Japan t\u00e4tig war. Da hier nicht nur der seltene<br \/> Name in gleicher Schreibweise auftaucht, sondern auch der Titel, stellt<br \/> sich die Frage, wann und wo Woidt studiert und promoviert hat. Da er<br \/> 1930 bereits in China war, m\u00fc\u00dfte er schon in den zwanziger Jahren sein<br \/> Studium abgeschlossen haben. In der Universit\u00e4t Jena gab es 1924 von<br \/> einem Helmut Woidt die folgende wirtschaftswissenschaftliche<br \/> Dissertation: &#8222;Die Anwendung der Kartellverordnung gegen Missbrauch<br \/> wirtschaftlicher Machtstellung.&#8220; Es ist zwar nicht eindeutig der gleiche<br \/> Autor, das Thema w\u00fcrde jedoch zu einem Gesch\u00e4ftsmann der drei\u00dfiger<br \/> Jahre passen. Interessant w\u00e4re es auch zu wissen f\u00fcr wen der Dr. nun in<br \/> China t\u00e4tig war. Ein chinesischer Aufsatz von 1997 &#8211; in dem der Name<br \/> Woidt vorkommt &#8211; erw\u00e4hnt, da\u00df dieser 1938 (im Regierungsauftrag) in<br \/> China war und einige Jahre vorher in Shanghai f\u00fcr die deutsche PUTONG<br \/> DIANLIAO GONGSI gearbeitet hatte &#8211; das ist die AEG. Ein deutscher Autor &#8211;<br \/> Udo Ratenhof &#8211; best\u00e4tigt beide Angaben; im Register seines Buches<br \/> steht: Woidt, Mitarbeiter der AEG, Generalbevollm\u00e4chtigter des<br \/> Reichswirtschaftsministers f\u00fcr Ostasien. (Dies w\u00fcrde Ruth Werners oben<br \/> erw\u00e4hnte Einsch\u00e4tzung, er w\u00e4re &#8222;einer der f\u00fchrenden europ\u00e4ischen<br \/> Gesch\u00e4ftsleute&#8220; gewesen, durchaus best\u00e4tigen. Gleichzeitig verwundert<br \/> es, da\u00df so wenig \u00fcber diesen Mann bekannt wurde.) In Ratenhofs Buch<br \/> steht \u00fcber die Person und die fr\u00fchen Chinaaktivit\u00e4ten Woidts nichts, die<br \/> Darstellung beschr\u00e4nkt sich auf die Zeit 1938\/39. In einer<br \/> umfangreichen Dissertation \u00fcber Shanghai erw\u00e4hnt Astrid Freyeisen einen<br \/> Brief des Journalisten Klaus Mehnert (1906-1984) an Woidt (1942), der<br \/> beweist, da\u00df die beiden sich kannten. (Kurioserweise findet sich in<br \/> Mehnerts Shanghaier Zeitschrift &#8222;XXth Century&#8220; &#8211; 1945 &#8211; ein Beitrag von<br \/> einer Hanna Woidt, \u00fcber die sonst nichts bekannt ist.) Es ist auch davon<br \/> auszugehen, da\u00df der NS-Propagandamann Erwin Wickert (1915-2008), der<br \/> damals in China und Japan arbeitete und Sorge kannte, Woidt gesehn oder<br \/> zumindest von ihm geh\u00f6rt hat. Interessant ist in diesem Zusammenhang<br \/> auch, da\u00df der Gesch\u00e4ftsmann <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2009\/april\/john-rabe-regie-florian-gallenberger\" title=\"Rezension zum Film \u201eJohn Rabe\u201c\">John Rabe<\/a><br \/> (1882-1950),der ebenfalls NSDAP-Mitglied und ein Bekannter von Wickert<br \/> war, zur gleichen Zeit in China (f\u00fcr Siemens) arbeitete und vermutlich<br \/> in den gleichen Kreisen wie Woidt verkehrte. Ein weiterer<br \/> Propagandaexperte, der sich &#8211; wie Woidt &#8211; f\u00fcr den deutsch-chinesischen<br \/> Handel interessierte, war Wolf Schenke (1914-1989). Dieser publizierte<br \/> im Winter 1937\/38 ebenso wie Woidt im OAB (Ostasiatischer Beobachter)<br \/> \u00fcber ostasiatische Wirtschaftsprobleme. Auf diesen Zusammenhang wies<br \/> Christian Taaks in einem neueren Buch hin, in dem er Woidt als Leiter<br \/> der Wirtschaftsstelle der Landesgruppe China der NSDAP-AO<br \/> (Auslandsorganisation) in Shanghai bezeichnet. (S.445) In diesem Buch<br \/> wird auch f\u00fcr &#8222;Hellmut Woidt&#8220; das Geburtsjahr 1903 angegeben (Geburtsort<br \/> Penzig oder Landeshut, beides Schlesien), au\u00dferdem: NSDAP Mitglied seit<br \/> 1933, Autor zahlreicher OAB-Beitr\u00e4ge. Ein weiterer Name, der schon in<br \/> Sonjas Rapport auftauchte, findet sich auch in dem neuen auch: der<br \/> Lehrer Fritz Kuck. Laut Ruth Werner war dieser einer der ersten<br \/> Deutschen, die sie in Shanghai kennen lernte als sie bei &#8222;Walter&#8220; wohnte<br \/> (S.36); laut Taaks wurde er 1934 Leiter der Pressestelle der<br \/> NSDAP-Landesgruppe China-Japan und \u00fcbernahm 1937 die Schriftleitung des<br \/> OAB &#8211; Woidt war zu dieser Zeit einer der Autoren. (S.546) (Das in diesem<br \/> Buch angegebene Geburtsjahr von Woidt ist das gleiche wie bei dem oben<br \/> erw\u00e4hnten Rudolf Hamburger, auch dieser stammte aus Landeshut &#8211;<br \/> m\u00f6glicherweise kannten sich beide schon als Sch\u00fcler.) Allerdings steht<br \/> auch in dem letztgenannten Buch nichts \u00fcber die Nachkriegsaktivit\u00e4ten<br \/> Woidts, ein Todesjahr ist auch nicht angegeben. Ruth Werner schrieb in<br \/> ihrem Buch von 1977: &#8222;Er starb vor einigen Jahren.&#8220; Bemerkenswert ist,<br \/> da\u00df sie davon wu\u00dfte, da er sicher bis dahin nicht in der DDR &#8211; sondern<br \/> vermutlich in der BRD &#8211; gelebt hatte. (<a href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2006\/10\/01\/newsletter-oktober-2006-nr-4\/#2\" target=\"_blank\">Vgl. SHAN-NL Nr. 04, Oktober 2006<\/a>)<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann man also festhalten, da\u00df Woidt wohl aus Schlesien<br \/> stammte, in den fr\u00fchen zwanziger Jahren in Deutschland studiert hatte<br \/> und &#8211; mit Unterbrechungen &#8211; mindestens zehn Jahre in China gearbeitet<br \/> hat und in dieser Zeit &#8222;nebenberuflich&#8220; f\u00fcr Richard Sorge t\u00e4tig war. Da<br \/> beide in der \u00d6ffentlichkeit als Nazis auftraten und in den Botschaften<br \/> verkehrten, konnten sie sich problemlos treffen. Unklar sind vor allem<br \/> die tats\u00e4chliche politische Einstellung des Mannes und der Zeitpunkt des<br \/> Endes der Zusammenarbeit mit Sorge. Weiterhin w\u00e4re es interessant zu<br \/> wissen, ob Woidts Aufstieg vom<br \/> AEG-Gesch\u00e4ftsmann zum NSDAP-Funktion\u00e4r von Sorge (und seinen<br \/> sowjetischen Auftraggebern) inspiriert oder gef\u00f6rdert wurde und wie weit<br \/> Sorge sp\u00e4ter von Informationen aus diesem Umfeld profitierte. Woidt war<br \/> offenbar nicht von der Verhaftung der meisten Mitglieder des<br \/> Spionagerings in Japan (1941) betroffen und lebte vermutlich &#8211; wie<br \/> Mehnert, Rabe, Schenke und Wickert &#8211; nach Kriegsende im Westen<br \/> Deutschlands und war in den f\u00fcnfziger Jahren wahrscheinlich noch<br \/> berufst\u00e4tig. Da die heutigen Bibliothekskataloge ihn nicht als Autor<br \/> weiterer B\u00fccher auff\u00fchren, gibt es wohl keine (ver\u00f6ffentlichten)<br \/> Memoiren, zumindest nicht unter seinem Namen. Man w\u00fc\u00dfte gern mehr.<\/p>\n<p> Literatur:<\/p>\n<p>Ruth Werner: Sonjas Rapport, Berlin, 1977.<\/p>\n<p>Eberhard Panitz: Treffpunkt Banbury oder Wie die Atombombe zu den Russen kam, Berlin, 2003.<\/p>\n<p>Udo Ratenhof: Die Chinapolitik des Deutschen Reiches 1871 bis 1945, Boppard, 1987.<\/p>\n<p>Huang Cuifang: 1938 nian Deguo teshi Fode mimi fang Hua shuping, Minguodang&#8217;an, 1997\/4.<\/p>\n<p>Astrid Freyeisen: Shanghai und die Politik des Dritten Reiches,W\u00fcrzburg, 2000.<\/p>\n<p>Christian Taaks: Federf\u00fchrung f\u00fcr die Nation ohne Vorbehalt, Stuttgart,2009.<\/p>\n<p> Dr. Thomas Kampen<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"7\" name=\"7\"><span id=\"parent-fieldname-title\">English Caidan &#8211; Eindr\u00fccke aus Taipeh <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es reicht. Ich habe die Nase voll &#8211; von<br \/> Leuten, die sich in Sachen China, Wirtschaftswunder, gelber Gefahr und<br \/> \u00e4hnlich sch\u00f6nen Stammtisch-Themen zu profilieren versuchen. Vor allem,<br \/> wenn eben diese Menschen zu mir sagen: \u201eIch habe mal eine ganz spezielle<br \/> Frage an dich, du studierst das doch\u2026 Was genau ist nun eigentlich<br \/> Mandarin?\u201c Und nur f\u00fcr den Fall, dass einige vorhaben, jetzt mit dem<br \/> Lesen aufzuh\u00f6ren, eines sollen sie gelernt haben &#8211; wobei ich keinen<br \/> Zweifel hege, dass die Leser dieses Newsletters es nicht eigentlich<br \/> schon wissen: In China essen sie keine Hunde. Zumindest nicht in dem<br \/> bestialischen Umfang wie es gerne von sensationsl\u00fcsternen Touristen und<br \/> Austauschstudenten behauptet wird. Die meisten Chinesen, m\u00f6chte ich<br \/> behaupten, haben kein Interesse an Hunden. Und wenn, dann als Haustier,<br \/> als Scho\u00dfh\u00fcndchen, als Dekorationsobjekt. Die wenigsten werden sie<br \/> gegessen haben. Seit knapp vier Wochen studiere ich in Taipeh und bin<br \/> kurz davor abzureisen. Ich habe einen Kulturschock und zwar nicht wegen<br \/> der 2,6 Mio. Taiwanesen, die hier leben, sondern wegen der gesch\u00e4tzten<br \/> zweihundert Ausl\u00e4nder, die mit mir studieren.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> Zum ersten Mal sprachlos in meinem Leben war ich genau vor einer Woche.<br \/> Ich sa\u00df mit einer Gruppe internationaler Studenten in einem<br \/> italienischen Restaurant. Wo auch sonst? Denn, wie einer der Spanier,<br \/> bemerkte: \u201eChinesisches Essen kann man nicht essen. Wei\u00dft du, es ist<br \/> ganz anders und\u2026 die benutzen hier Holzst\u00e4bchen.\u201c Bedeutungsvolles<br \/> Schweigen seiner-, Belustigung meinerseits. Dann sagte Rodriguez,<br \/> genannt \u201eRollo\u201c: \u201eNun, ich bin erst seit drei Wochen in Taipeh, aber<br \/> eines fasziniert mich wirklich. Die Spuren der alten Kolonialm\u00e4chte sind<br \/> noch immer zu sp\u00fcren.\u201c \u201eWelche meinst du da genau?\u201c, hakte ich<br \/> vorsichtig nach und was dann folgte, m\u00f6chte ich eigentlich nicht<br \/> schreiben. \u201eNun ja, du wei\u00dft schon, Portugal, England\u2026 Und die<br \/> Taiwanesen sehen ja, dass wir aus Europa kommen. Sie behandeln uns mit<br \/> viel mehr Respekt als ihre eigenen Landsleute, die Klassenunterschiede<br \/> sind noch deutlich zu sp\u00fcren. Was sagst du als, \u00e4hem, Sino, Sino\u2026<br \/> China-Wissenschaftlerin dazu?\u201c Er strahlte. Mir fehlten die Worte. Als<br \/> ich mich \u00fcber so viel Dummheit, Ignoranz, Arroganz bei einer Freundin<br \/> beschwerte, sagte sie: \u201eWei\u00dft du, sie sind hier, weil sie BWL studieren.<br \/> Es macht sich gut in ihrem Lebenslauf, du wei\u00dft schon, wegen des<br \/> Wirtschaftsaufschwungs in China und so.\u201c Ich war gereizt und<br \/> wortklauberisch, sagte: \u201eWir.Sind.In.Taiwan.\u201c \u2013 \u201eJa, ja, schon klar. Nur<br \/> ist es eben so, dass die meisten von uns, bevor sie hierhergekommen<br \/> sind, nicht einmal wussten, dass es Taiwan gibt, geschweige denn, dass<br \/> es sich von&nbsp; der Volksrepublik unterscheidet.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle sollte ich sagen, wer<br \/> \u201euns\u201c ist. \u201eUns\u201c ist eine unertr\u00e4glich gro\u00dfe Gruppe internationaler<br \/> Studenten, die BWL und International Management studieren. F\u00fcr drei bis<br \/> zw\u00f6lf Monate sind sie hier, belegen Kurse, die in Englisch angeboten<br \/> werden. Man stelle sich vor: Als Vorbereitung m\u00fcssen sie englische Texte<br \/> lesen. DAS ist in Spanien und Frankreich, glaubt man dieser Horde, eher<br \/> un\u00fcblich. Die Amerikaner beschweren sich hingegen, dass die Professoren<br \/> keine Muttersprachler sind. Wer h\u00e4tte all dies vorher ahnen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Ohnehin lohnt es sich nicht, so auch die Meinung vieler<br \/> Master-Studenten, die hier zwei Jahre sein werden, die chinesische<br \/> Sprache zu lernen. S\u00e4tze wie folgende reichen vollkommen aus, um mit den<br \/> Einwohnern zu kommunizieren. Hier die Top 3 der internationalen Gruppe<br \/> (ich verzichte auf die T\u00f6ne (T\u00f6ne? Welche T\u00f6ne?):<\/p>\n<p>1.&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wo yao he pijiu. (Alternativ: Pijiu, pijiu!)<br \/> 2.&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ni de toufa hen piaoliang.<br \/> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (Lustige Anekdote eines anderen<br \/> Spaniers: \u201eSo hat mein Kumpel seine Freundin kennen gelernt!\u201c)<br \/> 3.&nbsp;&nbsp;&nbsp; English caidan!<\/p>\n<p>Ich \u00fcberlege einen Verein zu gr\u00fcnden. Dieser Verein wird Geld sammeln,<br \/> um pro Semester ein Flugzeug zu chartern, das solche Menschen au\u00dfer<br \/> Landes bringt. Wer m\u00f6chte mitmachen?<\/p>\n<p>Viktoria D\u00fcmer<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"8\" name=\"8\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Mondfest im Konfuzius-Institut Heidelberg <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 22. September wurden im<br \/> Konfuzius-Institut Heidelberg gleich zwei freudige Anl\u00e4sse gefeiert. Die<br \/> Gr\u00fcndung des Vereins Konfuzius-Institut Heidelberg e.V. am 22.<br \/> September 2009 und das chinesische Mondfest. F\u00fcr das durchaus zahlreiche<br \/> und bunt gemischte Publikum gab es \u00fcber den ganzen Tag verteilt<br \/> verschiedene Angebote, die einen ersten Kontakt mit chinesischer Kultur<br \/> erm\u00f6glichten. Nach der Begr\u00fc\u00dfung durch den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Direktor<br \/> des Instituts Dr. Klaus Grimm hatten die G\u00e4ste bei Zheng Qian<br \/> Gelegenheit sich zu entspannen, die Kunst der chinesischen Teezeremonie<br \/> zu genie\u00dfen und ein wenig zur Ruhe zu kommen. Auch \u00fcber Verarbeitung,<br \/> Ernte und Herkunft des Tees wusste die aus Ningbo stammende Zheng Qian<br \/> einiges zu berichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im n\u00e4chsten Raum wartete eine ganz<br \/> andere Herausforderung auf die Besucher: Tuschemalerei mit Li Haibin.<br \/> Die Motive der chinesischen Tuschemalerei sind den meisten Sinologen<br \/> vertraut. Berglandschaften, Kaki-Fr\u00fcchte, Pflaumenbl\u00fcten und nicht<br \/> zuletzt der Bambus begegnen uns, nicht nur im Studium, immer wieder.<br \/> Aber die Bewunderung f\u00fcr diese Kunstform nimmt tats\u00e4chlich noch zu, wenn<br \/> man einmal versucht hat selbst eine Garnele aufs Papier zu bringen. Die<br \/> Technik der Pinself\u00fchrung, der Umgang mit dem Reibestein und die<br \/> unterschiedlichen Mischverh\u00e4ltnisse von Wasser und Farbe sind f\u00fcr viele<br \/> nicht so m\u00fchelos zu erlenen, wie es die anmutigen Landschaften<br \/> vielleicht vermuten lassen. Schon gar nicht an einem Nachmittag.<br \/> Letztendlich verlie\u00dfen aber doch fast alle den Saal mit einem kleinen<br \/> Kunstwerk. Egal wieviel Nerven und M\u00fchen die Mitbringsel f\u00fcr zu Hause am<br \/> Ende gekostet hatten, stolz und zufrieden mit ihrem Werk waren dann<br \/> doch alle. Zur Tradition und Legende des Mondfestes konnten die<br \/> Besucher&nbsp; im Anschluss von Heidi Marweg, Leiterin des<br \/> Kulturprogramms des Konfuzius-Instituts Heidelberg, einiges erfahren.<br \/> Das musikalische Glanzlicht des Tages war der Auftritt von Zhang<br \/> Yuanfang, die mit ihrer Darbietung auf der Guzheng und ihrer charmanten<br \/> Art das Publkum bezauberte und mit zarten, nachdenklichen und fr\u00f6hlichen<br \/> Kl\u00e4ngen f\u00fcr eine wirklich festliche Stimmung sorgte. Unter den von ihr<br \/> dargebotenen St\u00fccken befand sich auch \u6625\u6c5f\u82b1\u6708\u591c <em>Chunjiang Huayueye,<\/em><br \/> ein klassisches Musikst\u00fcck, das h\u00e4ufig anl\u00e4sslich des chinesischen<br \/> Mondfestes gesungen und gespielt wird und ein harmonisches Zusammensein<br \/> bei Mondlicht muskalisch darstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00f6hepunkt des Abends war zweifellos der<br \/> Vortrag von SHAN-Gr\u00fcndungsmitglied Oliver Lutz Radtke, der mit seinem<br \/> Vortragstitel \u201eBenz, Beck\u2019s und Beckenbauer \u2013 Gedanken zur<br \/> Deutschlandwahrnehmung in China\u201c nicht nur Sinologie-Studenten ins<br \/> Konfuzius-Institut gelockt hatte. Und er entt\u00e4uschte seine Zuh\u00f6rer<br \/> nicht. Mit seiner lockeren Art und seinen scharfsinnigen Beobachtungen<br \/> hatte er nicht nur die Lacher der Zuh\u00f6rer, sondern auch ihr Interesse<br \/> schnell auf seiner Seite. Ausgehend von einer typischen Konversation mit<br \/> einem chinesischen Taxifahrer, zeigte er typische Deutschlandbilder \u2013<br \/> schnelle Autos, Bier, Fussball \u2013 auf und machte seinen Zuh\u00f6rern kreative<br \/> Vorschl\u00e4ge, wie ein jeder, als Botschafter deutscher Kultur, mehr aus<br \/> dieser Unterhaltung machen k\u00f6nne. Eine Alternative zur einfache<br \/> Zustimmung auf S\u00e4tze wie &#8222;Deutsche trinken sehr viel Bier&#8220; oder<br \/> &#8222;Deutsche Frauen vertragen mehr Bier als chinesische Frauen&#8220; sei es zu<br \/> erw\u00e4hnen, dass es in Deutschland auch die meisten Biersorten oder so<br \/> etwas wie ein Reinheitsgebot g\u00e4be. Ein n\u00fctzlicher Hinweis f\u00fcr alle, die<br \/> bald wieder nach China fahren, auch wenn die meisten <em>Reinheitsgebot<\/em><br \/> wohl erst im W\u00f6rterbuch nachschlagen m\u00fcssen. Nach einigen Anekdoten und<br \/> anschaulichen Beispielen entspann sich dann eine lebhafte Diskussion<br \/> \u00fcber Deutschlandbilder, Chinabilder und unterschiedliche Wahrnehmungen.<br \/> F\u00fcr den stimmungsvollen Abschluss des Tages sorgte dann Zhang Yuanfang<br \/> mit einem zweiten Auftritt und der Vollmond, der sich an diesem&nbsp;<br \/> Abend am sternenklaren Himmel zeigte, begleitete die Besucher auf ihrem<br \/> Heimweg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sylvia Schneider<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"9\" name=\"9\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Chinesische Filme vor siebzig Jahren &#8211; aus \u00f6sterreichischer Sicht<\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> In der 1939 von <a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.pep-web.org\/document.php?id=paq.014.0234a\">A. J. Storfer (1888-1944)<\/a><br \/> in Shanghai gegr\u00fcndeten Zeitschrift GELBE POST erschienen auch einige &#8211;<br \/> von ihm selbst verfa\u00dfte &#8211; Aufs\u00e4tze \u00fcber Filme. Schon im ersten Heft vom<br \/> Mai 1939 gab es einen \u00dcberblick \u00fcber einige bekannte chinesische Werke.<br \/> Bemerkenswert ist, da\u00df nicht nur Filme und Schauspieler(innen), sondern<br \/> auch politische und \u00f6konomische Hintergr\u00fcnde behandelt wurden: &#8222;Wie<br \/> gross der Filmbedarf in China ist, kann man daraus ersehen, da\u00df im Jahre<br \/> 1936 in Shanghai der Filmzensurstelle des Municipal Councils und der<br \/> franz\u00f6sischen Polizei neben 812 ausl\u00e4ndischen und 21 chinesischen<br \/> Kurzfilmen 415 abendf\u00fcllende Spielfilme vorgelegt worden sind, unter<br \/> denen 51 chinesischer Erzeugung waren.&#8220; Weiter heisst es: &#8222;Unter den<br \/> ersten chinesischen Filmen \u00fcberwogen Melodramen, M\u00e4rchen, mythologische<br \/> Geschichten; die Nationalregierung erliess aber im Filmgesetz vom 4.<br \/> April 1935 ein Verbot der Filme, &#8218;die geeignet sind, den Aberglauben zu<br \/> ermuntern.&#8216; &#8220; Hier wird schon deutlich, da\u00df es auch in den drei\u00dfiger<br \/> Jahren schon vielf\u00e4ltige Zensurbem\u00fchungen gab; als dann japanische<br \/> Truppen das Land besetzten, wurde die Filmproduktion noch schwieriger.<br \/> Dieser Artikel ist jedoch auch eine Art Ratespiel; Personen und<br \/> Filmtitel sind nicht immer leicht zu identifizieren: &#8222;Die revolution\u00e4re<br \/> Bewegung in China hat die Kinobesucher f\u00fcr den modernen<br \/> Gesellschaftsfilm reif gemacht. Einen durchschlagenden Erfolg hatte der<br \/> 1933 gedrehte Film &#8218;Zwei Schwestern&#8216; in dem die begabte Butterfly Wu<br \/> eine Doppelrolle spielt.&#8220; Butterfly Wu hiess gar nicht Wu sondern Hu Die<br \/> (1907-1989) und war damals neben Ruan Lingyu (<a class=\"external-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/05\/01\/newsletter-mai-2010-nr-43\/#5\">Vgl. SHAN-NL Nr 43, Mai 2010<\/a>)<br \/> die bekannteste Filmschauspielerin Chinas. Bei dem Film handelt es sich<br \/> um &#8218;Zimeihua \/ Twin Sisters&#8216;, der Regisseur war Zheng Zhengqiu<br \/> (1889-1935).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Bezug auf die Rolle ausl\u00e4ndischer<br \/> Filme ist folgender Absatz interessant: &#8222;Trotz des grossen Einflusses<br \/> des amerikanischen Films auf die Millionen der chinesischen<br \/> Kinobesucher, hat der chinesische Gesellschaftsfilm im allgemeinen keine<br \/> Neigung zur optimistischen Sch\u00f6nf\u00e4rberei und zum Happy End Hollywoods.<br \/> Es ist bezeichnend, dass die chinesischen Filmproduzenten ihre Stoffe<br \/> gerne aus der russischen Literatur und vorzugsweise aus Werken Tolstois<br \/> holen. So ist z.B. in Shanghai jetzt ein neuer chinesischer Film zu<br \/> sehen, der sich auf des grossen Russen bekannte Drama &#8218;Macht der<br \/> Finsternis&#8216; st\u00fctzt.&#8220;Der Autor geht auch auf die schwierige politische<br \/> Lage Ende der drei\u00dfiger Jahre ein: &#8222;Auf der anderen Seite m\u00fcssen aber<br \/> die Filme, die in den Hafenst\u00e4dten gespielt werden sollen, sowohl auf<br \/> die Zensur der Beh\u00f6rden der Fremdenkonzessionen, als auf die japanische<br \/> Zensur und nat\u00fcrlich nicht minder auch auf die Gef\u00fchle der chinesischen<br \/> Zuschauer R\u00fccksicht nehmen. So erkl\u00e4rt sich vermutlich, dass neuerdings<br \/> eine ausgesprochene &#8218;Flucht in die Vergangenheit&#8216; wahrnehmbar ist. Der<br \/> historische Kost\u00fcmfilm &#8218;Kaiserin Wu&#8216;, der vor einigen Wochen in Shanghai<br \/> seine Urauff\u00fchrung erlebte, hat einen betr\u00e4chtlichen Erfolg zu<br \/> verzeichnen, anscheinend nicht zuletzt auch wegen seiner gef\u00e4lligen<br \/> musikalischen Untermalung. Dem nicht chinesischen Zuschauer verhelfen<br \/> unterlegte englische Titel zum Verst\u00e4ndnis des Films. Die Titelrolle<br \/> spielt die begabte Violet Koo, die sich schon vorher in &#8218;The Sable<br \/> Cicada&#8216; einen guten Namen gemacht hatte.&#8220; Bei diesen Filmen handelt es<br \/> sich um &#8218;Wu Zetian&#8216; (des Regisseurs Fang Peilin) und &#8218;Diaochan&#8216; von Bu<br \/> Wancang, die Hauptdarstellerin Violet Koo war Gu Lanjun (1917-1989). Bu<br \/> Wancang (1903-1974) war &#8211; Anfang der drei\u00dfiger Jahre &#8211; auch der<br \/> Regisseur von <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2008\/11\/01\/newsletter-november-2008-nr-27\/#1\" title=\"Love and Duty: Ein englisches Buch und ein chinesischer Film\"> &gt;&gt; &#8218;Lianai yu Yiwu \/ Love and Duty&#8216;<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erfreulicherweise sind auch Photos von<br \/> einigen Filmen abgedruckt, so ist mehrfach die heute nicht mehr so<br \/> bekannte Schauspielerin Y. S. Chen zu sehen, die tats\u00e4chlich Chen<br \/> Yunshang hiess; sie spielte kurz darauf in Bu Wancang&#8217;s Verfilmung von<br \/> Ba Jins Roman &#8218;Jia \/ Familie&#8216; eine Hauptrolle. Die meisten erw\u00e4hnten<br \/> Filme &#8211; vor allem die mit Hu Die und Chen Yunshang &#8211; sind auf<br \/> verschiedenen Festivals gezeigt worden und sind heute als VideoCD oder<br \/> DVD erh\u00e4ltlich. &#8218;Lianai yu Yiwu \/ Love and Duty&#8216; ist 2004 in Heidelberg<br \/> gezeigt worden (<a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.sino.uni-heidelberg.de\/eacs2004\/content\/programme\/film_love_and_duty\/index.php\"> http:\/\/www.sino.uni-heidelberg.de\/eacs2004\/content\/programme\/film_love_and_duty\/index.php<\/a>).<\/p>\n<p>Beeindruckend an diesem und an andern Artikeln Storfers ist nicht nur<br \/> das gro\u00dfe Interesse eines gerade erst in Shanghai<br \/> eingetroffenenMitteleurop\u00e4ers am ostasiatischen Film, sondern vor allem<br \/> die Vielseitigkeit des Mannes; er besch\u00e4ftigte sich mit Politik,<br \/> Wirtschaft, Kultur, Sprache, Geschichte und besonders mit Psychoanalyse.<br \/> Daher sah er diese Filme mit anderen Augen als die Filmkritiker oder<br \/> Journalisten. Auch der Hinweis auf die englischen Untertitel bei vielen<br \/> chinesischen Filmen ist interessant, denn er zeigt, da\u00df Shanghai eine<br \/> internationale Stadt war und auch die chinesische Filmindustrie sehr<br \/> international war. Hu Die reiste nach ihren ersten Erfolgen in China in<br \/> mehrere europ\u00e4ische L\u00e4nder, Charlie Chaplin besuchte China und wurde<br \/> dort begeistert empfangen. Wenige Monate nach dem Erscheinen von<br \/> Storfers Artikel drehte ein nach Shanghai geflohener \u00f6sterreichischer<br \/> Regisseur zusammen mit einem Chinesen den Film &#8218;Children of the World&#8216;.<\/p>\n<p>(Von der GELBEN POST ist vor einigen Jahren in Wien ein Reprint erschienen.)<\/p>\n<p> Dr. Thomas Kampen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"10\" name=\"10\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Filmrezension:The rat trap and the rose <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders als in der letzten<br \/> Newsletterausgabe, wird diesen Monat ein brandaktueller Film rezensiert.<br \/> Als letzter Film der Veranstaltung: \u201eChina Underground \u2013 Ein kritischer<br \/> Blick von Unten\u201c wurde am 30.09.2010 im Karlstorkino der Film \u201eThe Rat<br \/> Trap and the Rose\u201c der Regisseurin Wang Bang gezeigt. Das Deb\u00fct-Drama<br \/> der Regisseurin, die bisher Dokumentarfilme drehte, besticht durch seine<br \/> unvoreingenommene Herangehensweise an das Leben vierer Menschen in der<br \/> s\u00fcdchinesischen Metropole Guangzhou. Es wird kaum Musik hinterlegt, um<br \/> Stimmung zu erzeugen, und in fast allen Szenen nimmt die Kamera die<br \/> Haltung eines neutralen Betrachters ein.&nbsp; Es wird gezeigt was<br \/> geschieht, ohne eine Wertung dessen, weder durch die Bevorzugung einer<br \/> Figur, noch durch stilisierte Kamerapositionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer Art Episodenfilm, den Wang Bang<br \/> selbst als trockene Kom\u00f6die bezeichnet, werden die Gro\u00dfstadt-Schicksale<br \/> eines erfolgreichen franz\u00f6sischen Gesch\u00e4ftsmannes, seiner frustrierten<br \/> Ehegattin, einer geschiedenen Frau aus dem Westen Chinas, sowie das<br \/> eines illegalen Einwanderers aus dem Kongo verkn\u00fcpft. Die Figuren ahnen<br \/> nicht in welchem Zusammenhang sie zu einander stehen, nur die Zuschauer<br \/> k\u00f6nnen vermuten in welche Richtung die Handlung sich bewegt, bevor in<br \/> einem fulminanten Schluss alle vier Geschichten zusammengef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den ersten Blick merkt man dem Film<br \/> seinen Erstlings-Charakter an. Den Figuren fehlt&nbsp; an manchen<br \/> Stellen die n\u00f6tige Tiefe.&nbsp; Einige Details im Setting des Films<br \/> erscheinen auf den ersten Blick als eher unwahrscheinlich gestaltet (wie<br \/> z.B. die Wohnung des reichen Ehepaars). Einige Schnitte und<br \/> Kameraeinstellungen mangelt es an Finesse in Sachen Kamerafokus und<br \/> Perspektive und wirken eher ungelenk. Wenn man aber herausfindet, dass<br \/> die Regisseurin Wang Bang ihre Filme haupts\u00e4chlich mit eigenem Kapital<br \/> finanziert, weil F\u00f6rderungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Independent-Filme in der VR<br \/> China mehr als knapp sind, und dar\u00fcber hinaus die \u201eSchauspieler\u201c alles<br \/> Laien und Freunde der Regisseurin sind, gewinnt man neuen, gro\u00dfartigen<br \/> Respekt f\u00fcr diese Art des Filmemachens. Es entsteht ein Film voller<br \/> Herzblut in dem Wang Bang, wie sie berichtet,&nbsp; ihre eigenen<br \/> Erlebnisse aus ihren 10 Jahren in Guangzhou verarbeitet und ihre Figuren<br \/> zeichnet, indem sie ihnen Charaktereigenschaften verleiht, die sie<br \/> selbst besitzt. Heraus kommt, trotz der erschwerten Finanzlage, ein sehr<br \/> unterhaltsamer Film, der eine Seite des modernen Chinas zeigt, die man<br \/> in China und auch hier nicht sehr oft in Filmen zu sehen bekommt.&nbsp;<br \/> Weit ab vom chinesischen Mainstream-Film zeigt sich ein d\u00fcsteres China<br \/> mit Figuren, die unbekannte Tiefen und Abgr\u00fcnde erleben und durchleben<br \/> m\u00fcssen.&nbsp; Nicht gerade eine trockene Kom\u00f6die, aber das sollte auch<br \/> nicht zu erwarten sein von einer Filmemacherin, die Michael Haneke,<br \/> bekannt zuletzt durch den Film \u201eDas Wei\u00dfe Band\u201c und als \u00f6sterreichischer<br \/> Meister der Trostlosigkeit und des Verst\u00f6renden gilt, als ihr gr\u00f6\u00dftes<br \/> Vorbild bezeichnet.&nbsp; Dennoch ein gelungenes Deb\u00fct und ein durchaus<br \/> sehenswerter Film.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> Johann Platt<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INHALT EXPO 2010 in Shanghai Vor noch nich allzu langer Zeit wurde die EXPO 2010 in Shanghai beendet. 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