{"id":278,"date":"2011-02-01T12:00:00","date_gmt":"2011-02-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2011\/02\/01\/newsletter-februar-2011-nr-49\/"},"modified":"2026-05-20T18:36:19","modified_gmt":"2026-05-20T17:36:19","slug":"newsletter-februar-2011-nr-49","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2011\/02\/01\/newsletter-februar-2011-nr-49\/","title":{"rendered":"Newsletter Februar 2011 Nr. 49"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"documentDescription\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"Inhalt\" name=\"Inhalt\">INHALT<\/a><\/h2>\n<h3 id=\"anker_IntellectualPropertyProt\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">Intellectual Property Protection in China: Policy Implementation under Fragmented Authoritarianism<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem wirtschaftspolitischen Thema setzt Johannes Lejeune die Reihe zu Abschlussarbeiten aus der Sinologie fort. In der westlichen Berichterstattung wird h\u00e4ufig der Vorwurf ge\u00e4u\u00dfert, China gehe zu leichtfertig mit geistigen Urheberrechten um. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Probleme und Hindernisse bei der Umsetzung von neuen Richtlinien aus Peking: einmal \u201acopy cat\u2018 \u2013 immer \u201acopy cat\u2018?&nbsp; <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2011\/shan-newsletter-januar-2011\/intellectual-property-protection-in-china-policy-implementation-under-fragmented-authoritarianism\" title=\"Intellectual Property Protection in China: Policy Implementation under Fragmented Authoritarianism\"> <\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#1\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_DasJahrdesTigers-KleineH\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">Das Jahr des Tigers &#8211; Kleine H\u00fcrden, neue Unternehmungen, jedenfalls nichts Allt\u00e4gliches&nbsp;<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 03. Februar begann gerade das neue Jahr des Hasen. Unsere Vorsitzende Lena Hessel hat deshalb r\u00fcckblickend noch einmal das vergangene Jahr des Tigers Revue passieren lassen und berichtet von den Ver\u00e4nderungen im Verein im Zuge der Einf\u00fchrung des Bachelors und Masters, von Erweiterungen f\u00fcr die Homepage und wachsenden Kontakten in alle Welt.&nbsp; <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2011\/shan-newsletter-januar-2011\/das-jahr-des-tigers-2013-kleine-huerden-neue-unternehmungen-jedenfalls-nichts-alltaegliches\" title=\"Das Jahr des Tigers \u2013 Kleine H\u00fcrden, neue Unternehmungen, jedenfalls nichts Allt\u00e4gliches\"> <\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#2\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_Heidelberg-Shanghai-Toki\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">Heidelberg &#8211; Shanghai &#8211; Tokio: Die Karriere eines Diplomaten<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Dienst f\u00fcr das Ausw\u00e4rtige Amt f\u00fchrte Erwin Wickert von Heidelberg \u00fcber Shanghai nach Tokio. So tr\u00e4gt seine Autobiografie den Titel \u201eMut und \u00dcbermut\u201c: Dr. Thomas Kampen portr\u00e4tiert einen Diplomaten mit kontroverser Vergangenheit. &nbsp; <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2011\/shan-newsletter-januar-2011\/heidelberg-2013-shanghai-2013-tokio-die-karriere-eines-diplomaten\" title=\"Heidelberg \u2013 Shanghai \u2013 Tokio: Die Karriere eines Diplomaten\"> <\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#3\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_DasBsekommt\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">Das B\u00f6se kommt<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wieder berichtet SHAN-Redakteurin Viktoria D\u00fcmer f\u00fcr uns aus Taiwan: Von Dieben und Schlange stehen und wie Touristen die Insel ver\u00e4ndern. Denn wir k\u00f6nnen alle noch eine Menge von der Schatzinsel lernen!&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#4\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; <\/span><span class=\"internal-link\">Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_EinpaarGrndemehrinHeidel\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">Ein paar Gr\u00fcnde mehr, in Heidelberg Sinologie zu studieren<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Computerlinguisten, Physiker \u2013 und Sinologen. Studenten berichten \u00fcber ihren Weg an die Universit\u00e4t Heidelberg. Auch f\u00fcnf Studierende und Angeh\u00f6rige unseres Instituts haben dazu jeweils ihre ganz eigene Geschichte zu erz\u00e4hlen.&nbsp; <a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2011\/shan-newsletter-januar-2011\/ein-paar-gruende-mehr-in-heidelberg-sinologie-zu-studieren\" title=\"Ein paar Gr\u00fcnde mehr, in Heidelberg Sinologie zu studieren\"> <\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#5\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_Filmrezension:RedCliff\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">Filmrezension: &#8222;Red Cliff&#8220;&nbsp;<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Red Cliff \u2013 eines der gro\u00dfen Kinoereignisse in Asien ist auch auf dem europ\u00e4ischen Markt bereits als DVD und Blu-Ray erh\u00e4ltlich. Katja Modis hat sich den Film f\u00fcr SHAN angesehen und berichtet unter anderem \u00fcber die Fallstricke der amerikanisch-europ\u00e4ischen Version.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#6\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; <\/span><span class=\"internal-link\">Zur Rezension<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"1\" name=\"1\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Intellectual Property Protection in China: Policy Implementation under Fragmented Authoritarianism <\/span><\/a><\/h2>\n<p class=\"documentDescription\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eKurz gesagt: Unsere Bem\u00fchungen zum Schutz geistigen Eigentums in China werden nicht weich wie Tofu sein, sondern hart wie Stahl.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wen Jiabao gegen\u00fcber europ\u00e4ischen Pressevertretern, 2006<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss nicht lange suchen, um in den chinesischen Medien solche Aussagen der Staats- und Parteif\u00fchrung zu finden. Noch schneller findet man hingegen in den westlichen Medien Berichte \u00fcber in China illegal nachgebaute Maschinen, f\u00e4lschlich angebrachte Markenzeichen oder raubkopierte Software. Auch entsprechende Statistiken der EU und Umfragen unter Unternehmern zeigen, dass sich das Problem in den letzten Jahren eher versch\u00e4rft hat. Da liegt (einmal mehr) der Schluss nahe, dass man den sch\u00f6nen Worten aus Peking nicht trauen kann: Blo\u00dfe Lippenbekenntnisse zur Abwehr internationaler Kritik, w\u00e4hrend die chinesische Wirtschaft weiter ungest\u00f6rt profitieren kann. Aber ist es wirklich so einfach? In meiner Magisterarbeit bin ich diesem Widerspruch zwischen offizieller chinesischer Politik und chinesischer Realit\u00e4t auf den Grund gegangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Literatur verweist vor allem auf die Probleme, mit denen sich der chinesische Staat bei der Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte (intellectual property rights, IPR) konfrontiert sieht. Dabei gibt es zwei gro\u00dfe, recht unverkn\u00fcpft nebeneinander stehende Argumentationslinien: Die eine sieht vor allem kulturelle Faktoren als hinderlich f\u00fcr den Schutz geistigen Eigentums in China. Ihre Vertreter argumentieren mit dem Fehlen einer mit dem Westen vergleichbaren Rechtstradition und der weitgehenden Akzeptanz von Plagiaten in der chinesischen Kultur. Auch der traditionell starke Einfluss des Staates auf die Verbreitung von Ideen, der mit der modernen Konzeption eines privaten Besitzes an geistigem Eigentum unvereinbar sei, wird hervorgehoben. Das Ergebnis ist klar: Selbst wenn Peking es mit seinen Bem\u00fchungen zum Schutz geistigen Eigentums ernst meint, so kann es doch nicht innerhalb weniger Jahre ein \u00fcber Jahrtausende gewachsenes Rechtsbewusstsein umwandeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der andere Argumentationsstrang betont vor allem strukturelle&nbsp; Faktoren. Demnach ist es in erster Linie Pekings eingeschr\u00e4nkter Zugriff auf die lokalen Verwaltungsebenen, der der Umsetzung politischer Leitlinien im Wege steht. Chinas politisches System eines fragmentierten Autoritarismus, in dem die theoretisch gro\u00dfe Machtkonzentration an der Spitze aufgrund regionaler Dezentralisierung relativiert wird, sei nicht in der Lage, den von der Zentrale gewollten Schutz geistigen Eigentums gegen die Interessen der lokalen Kader durchzusetzen. Auch hier ist das Ergebnis klar: Selbst wenn Peking es mit seinen Bem\u00fchungen zum Schutz geistigen Eigentums ernst meint, so sind seine Machtressourcen doch zu gering, um die Gesetze in einen effektiven IPR-Schutz umzusetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schnittstelle der beiden Argumentationslinien bildete den Ansatzpunkt meiner Arbeit. Anhand einer knappen Darstellung der historischen Entwicklung von IPRs in China habe ich zun\u00e4chst die wesentlichen Argumente des kulturzentrierten Ansatzes herausgearbeitet. Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass die historischen und kulturellen Rahmenbedingungen in der Tat eher hinderlich f\u00fcr die Entwicklung und sp\u00e4ter Einf\u00fchrung eines mit der westlichen Konzeption vergleichbaren IPR-Schutzes waren, dass IPRs inzwischen aber dennoch auch in China \u00fcber ein lange Geschichte verf\u00fcgen und die entsprechenden Gesetze sp\u00e4testens seit dem WTO-Beitritt 2001 internationalen Standards gen\u00fcgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im strukturzentrierten Teil meiner Arbeit habe ich zun\u00e4chst die unterschiedlichen Akteursgruppen untersucht, die Einfluss auf die Politikformulierung und -implementierung nehmen k\u00f6nnen. Letztlich lie\u00dfen sie sich auf ein IPR-freundliches und ein IPR-feindliches Netzwerk herunter brechen. Zu &nbsp;ersterem lassen sich der chinesische Staat auf nationaler Ebene, ausl\u00e4ndische Akteure und chinesische Besitzer von IPRs z\u00e4hlen, zu letzterem die Profiteure von IPR-Diebstahl in der Wirtschaft sowie im Partei- und Staatsapparat. Da sich das IPR-feindliche Netzwerk auf der lokalen Ebene konzentriert , kann es zwar keinen Einfluss auf die offizielle Politikformulierung nehmen, wohl aber deren Implementierung sabotieren. Angesichts eines komplexen Interessengeflechts von Kadern und Wirtschaft bei gleichzeitigem Mangel an effektiven Kontrollm\u00f6glichkeiten und teilweise widersprechenden Vorgaben durch die Zentrale, gibt es sowohl zahlreiche Anreize als auch M\u00f6glichkeiten zur mangelhaften Politikumsetzung auf lokaler Ebene. Diese Problematik beschr\u00e4nkt sich nicht nur auf Kader in Partei und Lokalregierungen, sondern umfasst auch die Justiz und den auf IPRs spezialisierten b\u00fcrokratischen Apparat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar gab es in den letzten Jahren zaghafte Reformversuche, doch gingen diese nicht weit genug, um die Probleme grundlegend zu l\u00f6sen. Stattdessen setzt die KPC verst\u00e4rkt auf Erziehungskampagnen, die mit dem Hinweis auf mangelhaftes Rechtsbewusstsein in der Bev\u00f6lkerung begr\u00fcndet werden. In der Tat erkl\u00e4rt der chinesische Staat die Probleme im IPR-Schutz vor allem unter R\u00fcckgriff auf das oben skizzierte kulturelle Argument. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass nicht etwa Fehler im politisch-administrativen System, sondern die r\u00fcckst\u00e4ndigen Einstellungen der Massen f\u00fcr die anhaltenden M\u00e4ngel beim Schutz geistigen Eigentums verantwortlich gemacht werden k\u00f6nnen. Umfragen zum chinesischen Wissen \u00fcber das Konzept geistigen Eigentums und der Vergleich mit westlichen Erfahrungen legen jedoch nahe, dass Pekings erzieherische Bem\u00fchungen vergeblich sein k\u00f6nnten, wenn sie nicht durch umfassende strukturelle Reformen flankiert werden: Einerseits ist das Bewusstsein f\u00fcr IPRs in China gr\u00f6\u00dfer als oftmals behauptet, andererseits ist effektiver IPR-Schutz auch in westlichen Gesellschaften (die nicht als per se feindlich gegen\u00fcber geistigem Eigentum gelten) nur m\u00f6glich, wenn Verst\u00f6\u00dfe durch entsprechende Sanktionen seitens des Staates geahndet werden. Wer schon illegale MP3s heruntergeladen oder den neuesten Blockbuster per Stream geschaut hat kennt die Problematik\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle kommt ein abgewandeltes kulturelles Argument ins Spiel: So ist es weniger die Kultur der breiten Masse, die heute einem effektiven Schutz geistigen Eigentums im Wege steht, als vielmehr die politische Kultur der herrschenden Partei. Grundlegende, f\u00fcr den Rechtsschutz dringend notwendige strukturelle Reformen \u2013 wie die Kontrolle von Politikern und Beamten durch unabh\u00e4ngige Organe und eine kritische \u00d6ffentlichkeit oder die Trennung von Staat und Wirtschaft \u2013 sind mit dem Selbstverst\u00e4ndnis der KPCh unvereinbar. Somit sind es im Gro\u00dfen und Ganzen zwar vor allem die in dieser Arbeit analysierten strukturellen Probleme, die einen effektiven Gesetzesvollzug verhindern; ihre Reform wird jedoch durch die politische Kultur eines autorit\u00e4ren Staates verhindert. Da es gegenw\u00e4rtig kaum Anzeichen f\u00fcr einen grundlegenden Wandel des politischen Systems und der dazugeh\u00f6rigen politischen Kultur gibt, steht zu erwarten, dass sich der Schutz geistiger Eigentumsrechte in absehbarer Zeit nicht wesentlich verbessern wird. Die gr\u00f6\u00dfte Hoffnung ruht auf den chinesischen Eigent\u00fcmern von IPRs, die sich zunehmend f\u00fcr den Schutz ihrer Rechte einsetzen k\u00f6nnten. Aber selbst dann wird die Entwicklung nur langsam und schrittweise sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Johannes Lejeune<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"#Inhalt\">&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"2\" name=\"2\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Das Jahr des Tigers \u2013 Kleine H\u00fcrden, neue Unternehmungen, jedenfalls nichts Allt\u00e4gliches <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\">2010 liegt hinter uns, und auch das f\u00fcnfte Lebensjahr von SHAN neigt sich langsam seinem Ende zu. Im Mai 2011 j\u00e4hrt sich die Gr\u00fcndung des Vereins zum f\u00fcnften Mal. SHAN besteht in alter Frische, und die anstehenden Feierlichkeiten geben Anlass zur Freude auf das Sommersemester. Bis wir allerdings dem Jubil\u00e4um sorgenfrei entgegensehen konnten, galt es in den vergangenen zw\u00f6lf Monaten noch ein paar H\u00fcrden zu nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anfang des Jahres hatten wir vor allem mit Nachwuchssorgen und EDV-Problemen zu k\u00e4mpfen. Einige \u201ealte Hasen\u201c waren uns an Abschlussarbeiten und Berufsleben verloren gegangen. Der Verein brauchte dringend neue aktive Mitglieder. Also brauchten wir mehr Angebote f\u00fcr die Studierenden. Wir f\u00fchrten die SHAN-Kneipenabende wieder ein und belebten das Team Unternehmenskontakte neu; es ist seit dem Sommersemester wieder am Institut pr\u00e4sent, mit einigen berufsvorbereitenden Angeboten. Ein Teil des Problems bleibt jedoch unserem Zugriff entzogen: Die Jahrg\u00e4nge sind kleiner geworden. Die Strukturen des BA lassen den Studierenden weniger Zeit und Freiraum. Aber zu unserem Gl\u00fcck wird der Exodus der BA-Absolventen durch den Master etwas aufgefangen. Und wir freuen uns sehr, dass einige BA-Studierende schon in den ersten Semestern bei SHAN aktiv werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der Auftritt des Vereins im Internet stand lange unter keinem guten Stern. Au\u00dfenstehende l\u00f6schten 2009 versehentlich unsere neue, verbesserte Homepage. Die alte Seite war schlecht zug\u00e4nglich. Wir wichen auf einen Blog bei WordPress aus. In China war SHAN damit aber kaum sichtbar. Bis zum Sommersemester 2010 dauerte es schlie\u00dflich, eine dritte Homepage zu erstellen. Auf diese Seite k\u00f6nnen wir uns nun verlassen: Sie ist seit neun Monaten online. Alle Inhalte sind komplett \u00fcbertragen. Zu danken haben wir daf\u00fcr Christian Straube, dem PR-Team und allen Helfern, die mit unerm\u00fcdlicher Geduld an der neuen Homepage gearbeitet haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So konnten wir uns wieder st\u00e4rker unserer Hauptaufgabe widmen: Pflege und Erweiterung des Alumni-Netzwerks. Dazu geh\u00f6ren \u201ekleine\u201c Ehemaligentreffen wie die Kino-Abende im September und Januar und die \u201egro\u00dfe\u201c Ehemaligenfeier 2011, mit deren Organisation wir seit dem Wintersemester besch\u00e4ftigt sind. Auch der Newsletter soll ja allen Ehemaligen helfen, den Kontakt zu ihrer Heimatuniversit\u00e4t zu halten. Er kam im vergangenen Jahr zwar nicht immer p\u00fcnktlich, aber weiterhin regelm\u00e4\u00dfig heraus. Die Artikel behandeln nach wie vor Neuigkeiten rund um China und die Sinologie in Heidelberg. Das Netzwerk des Vereins machte es m\u00f6glich, \u00fcber aktuelle Ereignisse ganz aus der N\u00e4he zu berichten: SHAN-Mitglieder erz\u00e4hlten von ihren Erfahrungen im Expo-Shanghai. Und es war auch ein SHAN-Mitglied, das den Kontakt zu Bei Ling hergestellt hat. Der Dichter kam daraufhin im Dezember nach Heidelberg und sprach \u00fcber seinen Freund Liu Xiaobo, den diesj\u00e4hrigen Friedensnobelpreistr\u00e4ger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem wollten wir den Alumni gern mehr Gelegenheit zum aktiven Austausch bieten und zwar unabh\u00e4ngig davon, wo auf der Welt sie sich gerade befinden. Dazu wird die Homepage seit August um ein kleines <em>Social Network<\/em> erweitert. SHAN-Mitglieder sollen Zugang zu einem eigenen Postfach erhalten und die M\u00f6glichkeit, einander Nachrichten zu schicken sowie eigene Profile und Seiten zu erstellen. Die neuen Funktionen werden voraussichtlich im M\u00e4rz online gehen und die SHAN-Homepage in eine echte Austausch-Plattform f\u00fcr unsere Alumni verwandeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der Pflege des Netzwerks haben wir auch die Erweiterung unserer Kontakte vorangetrieben: SHAN-Vorstandsmitglied Sabine Hieronymus ist zugleich Mitglied der China-Initiative e.V.; das PR-Team ist mit dem Konfuzius-Institut vernetzt; und wir haben engeren Kontakt mit dem Verein Chinesischer Wissenschaftler und Studenten in Heidelberg e.V. (VCWSHD) aufgenommen. Zusammen mit dem VCWSHD planen wir momentan ein Sprachaustausch-Projekt, das sowohl Alumni als auch Studenten zugute kommen soll. Und schlie\u00dflich bem\u00fchen wir uns, auch in der \u00d6ffentlichkeit sichtbar zu bleiben: Wie schon 2009 war SHAN auch im Sommer 2010 im \u201eChinesischen Dorf\u201c w\u00e4hrend des Aktionstags \u201eLebendiger Neckar\u201c mit einem eigenen Stand vertreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Jahr des Tigers hielt f\u00fcr SHAN, was es versprach: kleine H\u00fcrden, neue Unternehmungen,&nbsp; jedenfalls nichts Allt\u00e4gliches. Es war ein Jahr des Umbruchs, auch im Kleinen: Der alte SHAN-Raum im 2.Stock des Instituts wurde in einen Aufenthaltsraum f\u00fcr die Studierenden umgewandelt. Die Wand wurde nach vorn versetzt; der Raum ist gr\u00f6\u00dfer, neu m\u00f6bliert und eine T\u00fcr f\u00fchrt in die renovierte K\u00fcche. SHAN zog ein Stockwerk nach oben, in das Zimmer 309, das wir uns zwar gelegentlich mit einem Gastprofessor und dauerhaft mit B\u00fccherschr\u00e4nken teilen m\u00fcssen, das aber auch gen\u00fcgend Raum f\u00fcr eine Vorstandssitzung bietet \u2013 und eine sch\u00f6ne Aussicht auf das Heidelberger Panorama.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lena Hessel<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"#Inhalt\">&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"3\" name=\"3\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Heidelberg \u2013 Shanghai \u2013 Tokio: Die Karriere eines Diplomaten <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\">1939 promovierte der Brandenburger Erwin Wickert (1915-2008) \u2013 nach etwa dreij\u00e4hrigem Studium \u2013 in Heidelberg und reiste (nach mehrmonatiger T\u00e4tigkeit im Ausw\u00e4rtigen Amt in Berlin) nach Shanghai. Dies war sein zweiter Ostasienaufenthalt; er hatte schon 1936 Japan und China besucht und dabei den Oberstleutnant Hermann Kriebel und den Gesch\u00e4ftsmann John Rabe (beide NSDAP) kennengelernt. 1939 war Kriebel wieder in Berlin und vermittelte dem Freund eine Stelle im AA. Dort traf Wickert, wie er in seinen 1991 erschienenen Memoiren schrieb, auch Hans Schirmer (NSDAP und SS): \u201eMitte August 1940 [\u2026] rief Hans Schirmer an: \u2018Du mu\u00dft sofort nach China fahren.\u2018 \u201c (S. 294)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wickert selbst war \u2013 wie es in dem gerade erschienenen Werk \u201eDas Amt\u201c hei\u00dft \u2013 \u201e1933 zun\u00e4chst der SA und 1940 auch der NSDAP beigetreten. Im September 1939 war Wickert durch SA-Obergruppenf\u00fchrer Hermann Kriebel, einem Teilnehmer der Hitler-Putsches von 1923 und ehemaligen Mith\u00e4ftling Hitlers in Landsberg, zur AA-Auslandspropaganda gesto\u00dfen. Kriebel war bis 1937 deutscher Generalkonsul in Shanghai gewesen und hatte im April 1939 die Leitung der Personalabteilung \u00fcbernommen. Kurz nachdem er Wickert in das Rundfunkreferat der Kulturabteilung geholt hatte, \u00fcbertrug Kriebel dem erst 25-j\u00e4hrigen die Aufgabe, einen deutsch-japanischen Gro\u00dfsender im besetzten China aufzubauen. Im September 1940 \u2013 Wickert war kurz zuvor zum Rundfunkattach\u00e9 bef\u00f6rdert worden \u2013 folgte die Versetzung an die deutsche Botschaft in Shanghai, wo die neue Radiostation eingerichtet werden sollte.\u201c (S.702)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Shanghai-Aufenthalt dauerte nicht lange; im gleichen Buch wird erw\u00e4hnt \u201edass Wickert bereits im Juni 1941 an die deutsche Botschaft in Tokio versetzt wurde, wo er unter der Leitung des Gesandten Erich Kordt wiederum den Posten eines Rundfunkattach\u00e9s \u00fcbernahm. Im Herbst 1947 wurde Wickert zusammen mit Franz Krapf, dem damaligen Wirtschaftsfachmann der Botschaft, nach Deutschland repatriiert.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Jahr 1941 war f\u00fcr Wickert in vieler Hinsicht dramatisch: im Fr\u00fchjahr war Kriebel in Deutschland gestorben, kurz darauf griff Deutschland die Sowjetunion an; im Sommer ging Wickert von China nach Japan; im Herbst wurde in Japan der Sowjetagent Richard Sorge verhaftet, den Wickert aus der deutschen Botschaft kannte; im Winter griff Japan Pearl Harbor an und Deutschland erkl\u00e4rte den USA den Krieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Japan geh\u00f6rten Botschafter Eugen Ott (NSDAP), Erich Kordt und Franz Krapf (beide NSDAP und SS) zu Wickerts wichtigsten Kollegen; sie werden in den oben genannten Memoiren h\u00e4ufig erw\u00e4hnt und sind auf mehreren Fotos zu sehen. In dem Buch \u201eSeilschaften\u201c steht: \u201eErich Kordt, der von 1938 bis 1941 das Ministerb\u00fcro von Ribbentrops leitete, auf dessen Empfehlung 1938 Sturmbannf\u00fchrer der SS wurde und 1941 bis 1945 als Gesandter I. Klasse in Tokio beziehungsweise Nanking (China) amtierte [\u2026]\u201c (S.79). \u201eDas Amt\u201c beginnt mit den Worten \u201eFranz Krapf wurde 1911 geboren. 1938 trat er in den Ausw\u00e4rtigen Dienst ein. Bereits seit 1933 geh\u00f6rte er der SS an, 1936 wurde er Mitglied der NSDAP, seit 1938 war er Untersturmf\u00fchrer im Stab des SS-Hauptamts. Von 1940 an verbrachte er die Kriegsjahre an der deutschen Botschaft in Tokio und wirkte dort auch als Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts der SS.\u201c (S.9)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Krieg lebte Wickert wieder mehrere Jahre in Heidelberg; seine brandenburgische Heimat, die in der Sowjetischen Besatzungszone lag, kam als Wohnsitz wohl nicht mehr in Frage. \u00dcber die Heidelberger Zeit schrieb er in seinem Buch \u201eDie gl\u00fccklichen Augen\u201c: \u201eErich Kordt, im Krieg eine Zeitlang Gesandter, und Eugen Ott, damals Botschafter in Tokio, kamen oft zu Besuch.\u201c (S.29). \u201eErich Kordt war in Tokio als Gesandter mein Vorgesetzter gewesen. [\u2026] Er wurde sp\u00e4ter mein Freund mit dem ich bis zu seinem Tod eng zusammenarbeitete.\u201c (S.40) \u201eMeine alten Freunde waren wieder in Staatsdiensten [\u2026] die Freunde aus der Botschaft Tokio: Franzl Krapf, [\u2026.] und Erich Kordt; Hans Schirmer, der mich 1940 nach Shanghai entsandt hatte\u201c (S.57)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab 1955 durfte Wickert im Ausw\u00e4rtigen Amt arbeiten, wo Krapf schon seit 1951 wieder t\u00e4tig war. (Ebenfalls 1955 reiste Wickert \u2013 ohne dass diplomatische Beziehungen bestanden \u2013 nach Taiwan und besuchte dort f\u00fchrende Kuomintang-Politiker, darunter: Chiang Kaishek.) In den siebziger Jahren war Krapf BRD-Botschafter in Japan, Schirmer in \u00d6sterreich und Wickert in Rum\u00e4nien und in der Volksrepublik China (1976 bis 1980); mit 65 ging Wickert dann in den Ruhestand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Anbetracht der mehr als f\u00fcnfzigj\u00e4hrigen Freundschaft und Zusammenarbeit der beiden Diplomaten ist es nicht \u00fcberraschend, dass der Tod Krapfs 2004 f\u00fcr Wickert eine besondere Bedeutung hatte. Da der damalige Au\u00dfenminister Fischer wegen der Nazivergangenheit Krapfs gegen eine offizielle Ehrung des Verstorbenen war, protestierten einige alte Diplomaten unter der Leitung Wickerts gegen Fischers Politik. Dieses Vorgehen f\u00fchrte dann zu der Bildung der Historikerkommission, die 2010 \u201eDas Amt und die Vergangenheit\u201c publizierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wickert selbst ver\u00f6ffentlichte u.a. 1991 \u201eMut und \u00dcbermut: Geschichten aus meinem Leben\u201c, 1996 \u201eJohn Rabe \u2013 Der gute Deutsche von Nanking\u201c (die Vorlage f\u00fcr den bekannten Film) und 2001 \u201eDie gl\u00fccklichen Augen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Literatur:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hans-J\u00fcrgen D\u00f6scher: Seilschaften: die verdr\u00e4ngte Vergangenheit des Ausw\u00e4rtigen Amts, Berlin, 2005.<br \/> Eckart Conze, u.a. (Hg.): Das Amt und die Vergangenheit, M\u00fcnchen, 2010.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Thomas Kampen<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"#Inhalt\">&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"4\" name=\"4\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Das B\u00f6se kommt <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal m\u00f6chte ich Taiwan umarmen. Und es besch\u00fctzen. Vor s\u00e4mtlichen b\u00f6sen Einfl\u00fcssen. Von au\u00dfen. Nat\u00fcrlich ist es verkl\u00e4rt, wenn ich schreibe, dass ich glaube, dass auf Taiwan die besseren Menschen wohnen. Taschendiebe, Betr\u00fcger, M\u00f6rder \u2013 die gibt\u2019s hier auch. Ganz bestimmt. Nur bin ich noch keinem einzigen begegnet. Woanders hingegen\u2026 Ich erinnere mich noch an Zeiten und Orte, da h\u00e4tte ich niemals den Reisverschluss meiner Tasche versehentlich offen gelassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier ist alles anders. Neulich lie\u00df ich mein Netbook in einer B\u00e4ckerei liegen. Eine Stunde sp\u00e4ter fiel es mir auf. Eine Stunde! Man kann sagen, dass ich in Panik war. So sehr, dass ich rannte. Ich st\u00fcrzte in das Gesch\u00e4ft, dr\u00e4ngelte mich zur Kasse, wollte gerade erkl\u00e4ren\u2026 Und die Verk\u00e4uferin? Sie drehte sich um. Ich dachte, wun-der-bar! Sie tut so als kenne sie mich nicht. Cle-ver. Oder sie wei\u00df wirklich von nichts, weil ein anderer Kunde meinen Computer l\u00e4ngst entf\u00fchrt hat. Ein Leben ohne Skype. Internet in der Bibliothek. Mein Netbook bei einem Fremden. Mir wurde elend, ich verfluchte mich selbst \u2013 bis sich die Verk\u00e4uferin wieder zu mir drehte, meinen, etwas bemehlten Schatz in den H\u00e4nden, darauf ein Zettel mit unmissverst\u00e4ndlicher Beschriftung: \u201e\u5916\u4eba\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So. Wir lernen also: Die Menschen hier sind gute Menschen. Jetzt ein Gegenbeispiel: Es gibt hier einen \u00d6sterreicher, der bezahlt niemals, wenn er nicht muss. Jeden Tag holt er sich bei 7\/11 ein Sandwich und geht einfach wieder hinaus. Er findet das okay. So lange bis ein Verk\u00e4ufer etwas sagt, wird er das fortf\u00fchren. Man spart viel Geld. Sagt er. Das Problem ist, dass niemand niemals irgendetwas sagen wird. Da bin ich leider sicher. Seit Monaten geht das schon so. Ich k\u00f6nnte diesen \u00d6sterreicher umbringen! Und er ist nicht der einzige. Man hat schon von Leuten geh\u00f6rt, die haben riesige W\u00f6rterb\u00fccher aus Buchl\u00e4den geschleppt. Ohne sie zu bezahlen. Dreist, fand eine Kommilitonin dieses Verhalten. Sie selbst hatte zuvor Messer und Gabel in der einzigen Pizzeria nahe des Campus\u00b4 geklaut. Asozial, f\u00e4nde ich treffender.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist also so, dass wir auf Taiwan nicht beklaut werden, einige Ausl\u00e4nder daf\u00fcr selbst zu Dieben werden! (Und ich bin ziemlich sicher, dass sich Menschen wie der \u00d6sterreicher in ihrem eigenen Land so etwas niemals trauen w\u00fcrden.) W\u00e4re ich Taiwanerin, ich w\u00fcrde mich \u00fcber so viel Frechheit aufregen! Und, w\u00e4re ich ein schwacher Mensch dazu, unter Umst\u00e4nden mein eigenes Verhalten \u00fcberdenken\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass dies so geschieht, zeigt sich beim Schlange stehen. Dort vollzieht sich, situationsbedingt, schon ein sanfter, aber besorgniserregender Wandel. Jeder, der schon einmal auf der Schatzinsel war, der wei\u00df: Im Schlange stehen sind die Taiwaner einsame Spitze! Der Gipfel der Gelassenheit und Selbstdisziplin! Ob in der MRT, an der Bushaltestelle, vor noch geschlossenen Einkaufsl\u00e4den\u2026 Man reiht sich ein, wartet geduldig. Vor ein paar Wochen war ich im Palastmuseum. Auf dem WC. Stand in der Schlange. Wir waren f\u00fcnf Frauen, au\u00dfer mir eine Finnin und drei Taiwanerinnen. Wir standen da, ahnten nichts B\u00f6ses \u2013 bis wir ein lautes Stimmengewirr h\u00f6rten. Das Summen nahte und \u00fcberfiel uns von hinten. Gesch\u00e4tzte drei\u00dfig Damen, eine Viertel-Reisegruppe sozusagen, mit flie\u00dfenden Sprachkenntnissen und wenig Kleidungsstil betraten den Raum. Sie sahen uns, die da standen, schossen vorbei und er\u00f6ffneten pro einzelne Toilettent\u00fcr eine neue Reihe! Unsere Schlange war vernichtet. Sekundenschnell. Nach der ersten Schockstarre murmelte ich: \u201eAndere L\u00e4nder, andere \u2026 Das sind niemals Taiwaner.\u201c \u201eSicher nicht.\u201c, sagte die Einheimische vor mir. Und dann tat sie etwas, was ich mir nicht h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen. Sie begann zu dr\u00e4ngeln, mit den Worten: \u201eDa drau\u00dfen sind noch mehr von denen! Wenn wir uns jetzt nicht so wie die verhalten, kommen wir nie dran!\u201c Ich finde ja, dass es umgekehrt sein m\u00fcsste. Touristen sollten sich anpassen. An \u00f6rtliche Gegebenheiten. Und mit dieser Anpassung meine ich nicht Dr\u00e4ngeln und Klauen, wenn sich die Gelegenheit bietet! W\u00e4ren wir doch alle Taiwaner\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viktoria D\u00fcmer<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"#Inhalt\">&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"5\" name=\"5\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Ein paar Gr\u00fcnde mehr, in Heidelberg Sinologie zu studieren <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit kurzem sind auf der Website der Universit\u00e4t und auch auf der Internetpr\u00e4senz des Sinologischen Instituts des ZO f\u00fcnf kurze Videos zu finden, in denen f\u00fcnf Studenten bzw. Alumni der Sinologie in Heidelberg erkl\u00e4ren auf welchem Weg sie nach Heidelberg und in die Sinologie gekommen sind.&nbsp; Die Videos sollen als Entscheidungshilfe f\u00fcr Interessierte an der Sinologie in Heidelberg, und als Werbung f\u00fcr unser Fach in Heidelberg dienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beachtenswert ist dabei, dass die Sinologie momentan nur eines von drei ausgew\u00e4hlten F\u00e4chern ist, die mit Videos zu ihrem Studieninhalt auf der Website der Universit\u00e4t zu finden sind.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es lohnt sich also auf jeden Fall unter <a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.uni-heidelberg.de\/studium\/video\/sinologie_01.html\">www.uni-heidelberg.de\/studium\/video\/sinologie_01.html <\/a>einen Blick darauf zu werfen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"#Inhalt\">&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"6\" name=\"6\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Filmrezension &#8222;Red Cliff&#8220; <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der chinesische Monumentalfilm von John Woo aus dem Jahr 2008 handelt vom Ende der Han Dynastie, und erz\u00e4hlt die Geschichte der ber\u00fchmten Schlacht zwischen drei chinesischen K\u00f6nigreichen am Jangtse im Jahre 208 v. Chr. Das Drehbuch basiert auf einigen zentralen Kapiteln aus dem &#8222;Roman der drei Reiche&#8220; (&#8222;San Guo Yan Yi&#8220;) von Luo Guan-zhong, einem Klassiker aus dem 14. Jahrhundert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der machtbesessene Premierminister Cao Cao \u00fcberzeugt den wankelm\u00fctigen Kaiser Han, den K\u00f6nigreichen Xu im Westen und East Wu im S\u00fcden den Krieg zu erkl\u00e4ren um China endg\u00fcltig zu vereinen. In ihrer Not schlie\u00dfen die beiden eigentlich verfeindeten K\u00f6nigreiche eine Allianz gegen den \u00fcberm\u00e4chtigen Feind. Im Film entwickelt sich zwischen Wus Armeechef Zhou Yu und dem brillanten Strategen Zhuge Liang aus Xu bald eine enge Freundschaft und gemeinsam gelingt es ihnen schlie\u00dflich, die riesige Armee der Han am \u201eRed Cliff\u201c vernichtend zu schlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich kommt auch die Romantik nicht zu kurz: Die Frau von Zhou Yu ist so sch\u00f6n und klug, dass Cao Cao diesen Krieg auch deswegen f\u00fchrt, um sie f\u00fcr sich zu gewinnen. Durch eine List gelingt es ihr, Cao Caos letzten Angriff zu verz\u00f6gern und so den Truppen von Xu und Wu einen klaren Vorteil zu verschaffen, durch den sie am Ende die Schlacht f\u00fcr sich entscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In China brach das 288 Minuten lange und als Zweiteiler im Kino ver\u00f6ffentlichte Epos Kassenrekorde und ist mit einem Budget von US$ 80 Millionen der aufwendigste asiatische Film \u00fcberhaupt. Laut dem Lexikon des Internationen Films, ist der Film ein <em>\u201eWendepunkt in der Bio- und Filmografie von John Woo, der nach 15 Jahren in den USA in seine Heimat zur\u00fcckkehrte.\u201c<\/em> \u201eRed Cliff\u201c wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, f\u00fcnf Mal erhielt er den Hong Kong&nbsp; Film Award und gewann bei den \u201e3rd Asian Film Awards\u201c den Preis f\u00fcr die bestens Spezialeffekte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider wurde der Film, um ihn in den USA und Europa vermarkten zu k\u00f6nnen, enorm gek\u00fcrzt: Von urspr\u00fcnglich mehr als vier Stunden auf 148 Minuten, wodurch vieles von der Handlung verloren geht. \u201eWoos elaborierte Bildmontagen sind durch harte Schnitte verst\u00fcmmelt worden.\u201c (Ralph Umard <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/kino\/0,1518,664576,00.html\">bei Spiegel Online<\/a>) Neben brutalen Kampfszenen und Gewaltbildern, fielen auch poesievolle und kom\u00f6diantische Szenen den Zensoren zum Opfer. Viele Charaktere, die im Original eine wichtige Rolle spielen, werden an den Rand des Geschehens verbannt. Szenen, die f\u00fcr den Verlauf der Geschichte von Bedeutung sind wurden teilweise oder vollst\u00e4ndig herausgeschnitten, wodurch Handlungsspr\u00fcnge entstehen, die einen schnell den \u00dcberblick verlieren lassen. Wer sich den Film also anschauen will, sollte versuchen an das chinesische Original zu kommen und sich nicht mit der gek\u00fcrzten Fassung zufrieden geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Katja Modis&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"#Inhalt\">&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INHALT Intellectual Property Protection in China: Policy Implementation under Fragmented Authoritarianism Mit einem wirtschaftspolitischen Thema setzt Johannes Lejeune die Reihe zu Abschlussarbeiten aus der Sinologie fort. 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