{"id":290,"date":"2011-10-01T12:00:00","date_gmt":"2011-10-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2011\/10\/01\/newsletter-oktober-2011-nr-56\/"},"modified":"2026-05-20T18:36:02","modified_gmt":"2026-05-20T17:36:02","slug":"newsletter-oktober-2011-nr-56","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2011\/10\/01\/newsletter-oktober-2011-nr-56\/","title":{"rendered":"Newsletter Oktober 2011 Nr. 56"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"Inhalt\" name=\"Inhalt\"><span id=\"parent-fieldname-title\">INHALT<\/span><\/a><\/h2>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<h3 id=\"anker_InderGrenzberschreitung:\"><span class=\"special\">In der Grenz\u00fcberschreitung: Ein Interview mit Uwe Kr\u00e4uter (Teil 2)<\/span><\/h3>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"apple-style-span\">Im<br \/> August-Newsletter haben wir den ersten Teil des Interviews mit Uwe<br \/> Kr\u00e4uter ver\u00f6ffentlicht. Im zweiten Teil berichtet er nun von seiner<br \/> Erfahrungen als Filmschaffender und Familienvater in China.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"#1\"><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum<\/span> <span class=\"internal-link\">Interview<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<h3 id=\"anker_ErzhlenSiemal...LotharWa\"><span class=\"special\">Erz\u00e4hlen Sie mal &#8230; Lothar Wagner<\/span><\/h3>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"apple-style-span\">Dr.<br \/> Lothar Wagner kennen die meisten Studierenden aus den Kursen zur<br \/> Einf\u00fchrung in Klassisches Chinesisch. SHAN hat ihn zu seinem Weg zu<br \/> einem Sinologiestudium und seinen Forschungsinteressen befragt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#2\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<h3 id=\"anker_Praktikumsbericht:Rebecc\"><span class=\"special\">Praktikumsbericht: Rebecca G\u00f6hner bei der &#8222;Rheinischen Sparkasse&#8220;<\/span><\/h3>\n<p>Seit dem letzten Jahr ist China kein Partner deutscher<br \/> Entwicklungszusammenarbeit mehr. W\u00e4hrend ihres Praktikums beim<br \/> Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bot<br \/> sich f\u00fcr Rebecca G\u00f6hner daher die Gelegenheit noch eine andere Region<br \/> kennenzulernen.<\/p>\n<p><a href=\"#3\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<h3><span class=\"special\">Vierzig Jahre deutsch-chinesischer Stipendiatenaustausch<\/span><a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2011\/shan-newsletter-august-nr.-55\/erzaehlen-sie-mal-...-mit-wang-huijuan-738b61675a1f\" title=\"Erz\u00e4hlen Sie mal ... mit Wang Huijuan (\u738b\u6167\u5a1f)\"> <span class=\"kssattr-atfieldname-title kssattr-templateId-widgets\/string kssattr-macro-string-field-view\" id=\"parent-fieldname-title\"> <\/span><\/a><\/h3>\n<\/div>\n<p>Im Herbst 2009 kam die allseits beliebte Wang Huijian an unser<br \/> Institut nach Heidelberg. Im Interview mit Fabienne Wallenwein berichtet<br \/> sie von ihrer Liebe zu deutschem Brot und ihren humorvollen Studenten<br \/> aus der Sinologie.<\/p>\n<p><a href=\"#4\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<h3 id=\"anker_Unddann...HeidelbergerAl\"><span class=\"special\">Und dann&#8230; Heidelberger Alumni erz\u00e4hlen.<\/span><\/h3>\n<p>Jedes Jahr verabschiedet das Institut f\u00fcr Sinologie von Heidelberg<br \/> aus Alumni in die weite Welt. In dieser Ausgabe berichtet Maximilian<br \/> Kalkhof, wie er nach seinem Bachelor sein Studium in Taiwan fortgesetzt<br \/> hat.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#5\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\">&nbsp;Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><span class=\"special\">Sprachkolumne:&nbsp;<\/span> <span id=\"parent-fieldname-title\">\u840c \uff08m\u00e9ng\uff09- cute \u2013 s\u00fc\u00df, goldig, liebenswert <\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"apple-style-span\">In der<br \/> f\u00fcnften Folge ihrer Sprachkolumne berichtet He Xiangling von der<br \/> heilenden, stressberuhigenden Kraft einer kleinen Katze. Wie das geht?<br \/> Lesen Sie hier.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#6\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; <\/span><span class=\"internal-link\">Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<h3 id=\"anker_Filmrezension:StillLife\"><span class=\"special\">Filmrezension: Still Life<\/span><\/h3>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser Ausgabe der Filmrezension stellt Johann Platt ein Juwel aus dem Jahre 2006 vor: <em>Still Life<\/em> (\u4e09\u5cfd\u597d\u4eba) von Regisseur Jia Zhangke. <em>Der Film<\/em><br \/> erz\u00e4hlt die Geschichte eines Familiendramas, aber auch die der Region<br \/> um Fengjie, die nach dem Bau des Drei-Schluchten-Damms zur Flutung<br \/> verurteilt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"#7\"><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"1\" name=\"1\"><span id=\"parent-fieldname-title\">In der Grenz\u00fcberschreitung: Ein Interview mit Uwe Kr\u00e4uter (Teil 2) <\/span><\/a><\/h2>\n<p class=\"documentDescription\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>In diesem&nbsp;Newsletter<br \/> ver\u00f6ffentlichen wir den zweiten Teil des Interviews, das wir von SHAN<br \/> e.V.&nbsp;(Lena Hessel, Helen H\u00fcbner, Hanni Truong und Dr. Thomas<br \/> Kampen)&nbsp;am 22. Juni 2011 mit Herrn Kr\u00e4uter gef\u00fchrt haben. Zu dieser<br \/> Zeit war er f\u00fcr einen Besuch in Deutschland und las u. a. im Rahmen der<br \/> Jubil\u00e4umsfeierlichkeiten der Universit\u00e4t Heidelberg aus seinen<br \/> Erinnerungen:&nbsp;<a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2011\/shan-newsletter-juli-nr.-54\/literaturgespraech-uwe-kraeuters-grenzueberschreitungen\" title=\"Literaturgespr\u00e4ch: Uwe Kr\u00e4uters &quot;Grenz\u00fcberschreitungen&quot;\"> Literaturgespr\u00e4ch: Uwe Kr\u00e4uters &#8222;Grenz\u00fcberschreitungen&#8220;<\/a>.&nbsp;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<h3 id=\"anker_DarfeinAuslndereineChine\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Darf ein Ausl\u00e4nder eine Chinesin heiraten?<\/strong><\/h3>\n<div style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>SHAN: Sie waren nun schon weit l\u00e4nger als nur die urspr\u00fcnglichen zwei Jahre in China&#8230;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Uwe Kr\u00e4uter: Wissen Sie, das Land ist so<br \/> spannend, Jahr f\u00fcr Jahr! Egal, ob jemand 1980 nach Peking kam, oder<br \/> heute, viele von den Neuankommenden sagten damals und sagen heute,<br \/> w\u00f6rtlich: Ich bin ja so froh, dass ich gerade in diesem Jahr nach China<br \/> komme, wo hier doch gerade jetzt soviel passiert!&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach neun Jahren dachte ich, es d\u00fcrfen<br \/> nicht zehn werden, denn nach zehn Jahren w\u00fcrde ich nicht mehr den Weg<br \/> zur\u00fcck nach Deutschland finden (<em>lacht<\/em>). Da lernte ich Ende 1983 Shen Danping kennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ihre Frau&#8230;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja. Das war brisanter, als es sich so<br \/> anh\u00f6rt. Allein schon das private Kennenlernen zwischen einem Ausl\u00e4nder<br \/> und einer jungen Chinesin war ein Fehler. Wie hatten sich die beiden<br \/> kennenlernen k\u00f6nnen, ohne einen offiziellen Rahmen, ohne dass es<br \/> zwischen ihnen eine Arbeitsbeziehung gab? Liebesbeziehung mit einem<br \/> Ausl\u00e4nder war verboten. Ebenso war nat\u00fcrlich auch die Heirat mit einem<br \/> Ausl\u00e4nder nicht erlaubt, es gab solche nur mit seltener<br \/> Sondergenehmigung. Nun, wir hatten uns kennengelernt und wollten uns<br \/> wiedersehen. Also wagten wir es. Sie wohnte im Pekinger Film Studio, sie<br \/> war Schauspielerin. &nbsp;Manchmal trafen wir uns in ihrem Zimmer,<br \/> w\u00e4hrend in der einen Ecke f\u00fcnf oder sechs Freunde sa\u00dfen, w\u00e4hrend wir in<br \/> der anderen Ecke unser Liebesgefl\u00fcster betrieben. Die Freunde waren da,<br \/> um immerhin als Alibi zu dienen, falls jemand unwillkommen drau\u00dfen<br \/> geklopft h\u00e4tte. Es war eine phantastisch rebellische Atmosph\u00e4re. Oder<br \/> wir gingen auf dem Boulevard des Langen Friedens spazieren \u2013 mit<br \/> mehreren Metern Abstand voneinander.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir trafen uns auch, ganz verwegen, in<br \/> meinem Hotel, sie begleitet von einem ehemaligen Kommilitonen, der dann<br \/> in dem einen Zimmer ein Buch las, w\u00e4hrend wir beide uns im anderen<br \/> Zimmer austauschten. Solch ein Liebesverh\u00e4ltnis h\u00e4tte, wenn es entdeckt<br \/> worden w\u00e4re, dramatische Auswirkungen, die Chinesin w\u00fcrde in ferne<br \/> Provinz verschickt werden, ihre Karriere w\u00e4re beendet, der Ausl\u00e4nder<br \/> h\u00e4tte allemal das Land zu verlassen. Die Bekanntheit von Shen Danping<br \/> als Schauspielerin h\u00e4tte die Lage eher verschlimmert als erleichtert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aber Sie waren wild entschlossen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, auch wilde Entschl\u00fcsse m\u00fcssen<br \/> reifen. Bald war uns klar, wir h\u00e4tten denen gegen\u00fcber, die uns illegaler<br \/> Beziehung bezichtigen mochten, die Kraft des h\u00f6heren Rechts der Liebe<br \/> und den Vorteil der Ehrlichkeit. Nach wenigen Monaten beantragten wir<br \/> die Heirat, sie bei ihrer Arbeitseinheit, ich bei meiner. Die Nachricht<br \/> schlug ziemlich ein, es bl\u00fchten unm\u00f6glichste Ger\u00fcchte, und wir st\u00fcrzten<br \/> in den Wochen von einer Aufregung in die andere, aber agierten<br \/> \u00fcberlegt&#8230; und auf einmal, noch v\u00f6llig unerwartet, wurde uns vom<br \/> Pekinger Amt f\u00fcr zivile Angelegenheiten die in rote Seide gebundene<br \/> Heiratsurkunde \u00fcberreicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">Photo&nbsp;(\u00a9 Uwe Kr\u00e4uter):<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">Photo mit Shen Danping, aufgenommen am Tag des Empfangs der Heiratsurkunde<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir waren so \u00fcberrascht, wir liefen uns<br \/> an den H\u00e4nden haltend durch die sonnendurchflutete Wangfujing-Stra\u00dfe,<br \/> die Menschen starrten uns an, manche nickten total verwundert. Als man<br \/> am Eingang meines Hotels Shen nicht einlassen wollte, z\u00fcckte ich die<br \/> Heiratsurkunde \u2013 und wir konnten passieren. Es war der 21. Juli 1984.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie ist es heute, wenn eine Chinesin oder ein Chinese jemand aus dem Ausland heiraten m\u00f6chte?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute? (<em>lacht<\/em>) Oh, sie lernen<br \/> sich heute im Caf\u00e9, auf einer Party kennen, k\u00f6nnen morgen heiraten, und<br \/> sich, wenn sie wollen, \u00fcbermorgen scheiden lassen. Es gibt sogar<br \/> entsprechende Agenturen zur Heiratsvermittlung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegens\u00e4tze ziehen sich an. So auch die<br \/> von Ost und West. Es gibt heute t\u00e4glich solche Heiraten \u2013 aber nach der<br \/> ersten Faszination folgen auch nicht wenige Scheidungen, denn die<br \/> Erwartungen sind h\u00e4ufig zu unterschiedlich, und es fehlt manchen die<br \/> notwendige Geduld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Shen Danping und ich genie\u00dfen in China<br \/> einige Popularit\u00e4t. Man kennt unsere Geschichte. In den ersten Jahren<br \/> nach der Heirat war es f\u00fcr Shen schwierig, Rollen zu bekommen. Doch<br \/> durch harte Arbeit hat sie sich ihre Position lange schon<br \/> wiedererk\u00e4mpft. Die Tatsache \u2013 und das ist jetzt gar nicht witzig<br \/> gemeint \u2013 dass wir, wo alles in China so schnellebig ist, von den<br \/> \u00fcblichen Scheidungen nicht zu sprechen, auch die der Chinesen<br \/> untereinander, nach wie vor zusammen sind, ist ein wichtiger Grund f\u00fcr<br \/> eben die Popularit\u00e4t&#8230; ich kann auch sagen: f\u00fcr das Vertrauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<h3 id=\"anker_VonDazhaizuWanLi\" style=\"text-align: justify;\">Von Dazhai zu Wan Li<\/h3>\n<div style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wann haben Sie Ihren ersten Film gedreht?&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war 1985\/86, ich war schon nicht<br \/> mehr bei meiner urspr\u00fcnglichen Arbeitseinheit, k\u00e4mpfte unabl\u00e4ssig um<br \/> Visumsverl\u00e4ngerung, meine Frau erwartete unser erstes Kind, wir hatten<br \/> keine geregelte Wohnungssituation, aber der von mir seit drei Jahren<br \/> angedachte Film war mir ein Anliegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Film handelt von Ihren<br \/> \u201ePekinger K\u00fcnstlerfreunden\u201c. Wie konnten Sie sich zutrauen, einen Film<br \/> zu produzieren, zumal unter den Bedingungen im damaligen China, und<br \/> woher kam die Finanzierung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es waren eben gerade die Bedingungen im<br \/> damaligen China, die Unm\u00f6gliches erm\u00f6glichten! Ich war viel mit<br \/> Filmleuten zusammen, wir sprachen \u00fcber ihre Projekte, ich beobachtete<br \/> sie bei der Arbeit, ich \u00fcbernahm selber diese oder jene Rolle und wuchs<br \/> so in diese Atmosph\u00e4re hinein. Wer w\u00fcrde meinen Film finanzieren? Da war<br \/> eine Gruppe von Freunden, junge Filmk\u00fcnstler und junge Unternehmer, die<br \/> bei der Suche halfen. Und so erschienen eines Tages bei mir sechs<br \/> Bauern, mit S\u00e4cken von Fr\u00fcchten ihrer Produktion, die sie mir<br \/> \u00fcberreichten, und sie umarmten mich und sagten, sie w\u00fcrden gerne meinen<br \/> Film finanzieren, sie seien jetzt reich und wollten neben der<br \/> Landwirtschaft Filmproduktion betreiben, und warum sollten sie keinen<br \/> Film \u00fcber die ber\u00fchmtesten K\u00fcnstler des Landes machen, und zwar in<br \/> Kooperation mit einem ausl\u00e4ndischen Freund! Sie repr\u00e4sentierten einen<br \/> Distrikt f\u00fcnf Zugstunden von Peking entfernt. Ich war sehr bewegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wu\u00dften Sie, was auf dem Land vor sich ging?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicher.<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">Photo&nbsp;(\u00a9 Uwe Kr\u00e4uter):<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">Im Kamerakran bei der Produktion der Serie &#8222;Wuestenkinder&#8220; in Xinjiang<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>War es f\u00fcr Sie als Ausl\u00e4nder einfach, in die Provinz reisen? Sozusagen als \u201eLandpartie\u201c am Wochenende?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, nicht so. Aber wir reisten in den<br \/> Jahren von Anfang an viel und regelm\u00e4\u00dfig, und ich kriegte das ganze Land<br \/> zu sehen. Sehen Sie, z.B. in dem Jahrzehnt, wo ich im Verlag arbeitete,<br \/> war man dort sehr interessiert, dass wir wu\u00dften, was im Land passierte,<br \/> wie es sich entwickelte, schon damit wir unsere Arbeit angemessen<br \/> leisten konnten. Ich bin viel herumgekommen, habe Menschen aus allen<br \/> Schichten kennengelernt, war in Bergwerken und Erd\u00f6lraffinerien, in<br \/> vielen D\u00f6rfern, in Fabriken und H\u00e4fen, Schulen und Universit\u00e4ten, und<br \/> habe zahllose Gespr\u00e4che und Interviews gef\u00fchrt. Ein besonderes Interesse<br \/> hatte ich eine Zeitlang f\u00fcr das Dorf Dazhai entwickelt&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das \u201eMusterdorf\u201c f\u00fcr die kollektive Landwirtschaft?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230;genau. Ich habe Dazhai mit seinen<br \/> Terrassenfeldern drei- oder viermal besucht und viele der Bauern einen<br \/> nach dem anderen interviewt, besonders auch die Parteisekret\u00e4rin Guo<br \/> Fenglian, Chinas fr\u00fches Poster Girl, ein sogenanntes \u201eeisernes M\u00e4dchen\u201c,<br \/> das den M\u00e4nnern nicht nachstehen wollte. Sie war eine<br \/> &nbsp;gutaussehende Frau von Ende zwanzig, die auch zu reden verstand.<br \/> Sogar die St\u00e4dterinnen waren von ihr begeistert, sie wird bis heute<br \/> bewundert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/div>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">Photo&nbsp;(\u00a9 Uwe Kr\u00e4uter):<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">Mit der Leiterin des Musterdorfs Dazhai, Guo Fenglian<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ruhm des kleinen Dorfes stammte von<br \/> vor der Kulturrevolution, als es in einem Unwetter weggewaschen wurde,<br \/> und der damalige Parteisekret\u00e4r Chen Yonggui die Bauern aufforderte,<br \/> nicht auf Hilfe von oben zu hoffen, sondern auf die eigene Kraft zu<br \/> vertrauen. Dieser Chen Yonggui wurde als einfacher Bauer eine<br \/> Vorbildfigur im Land, und schlie\u00dflich \u2013 stellvertretender<br \/> Ministerpr\u00e4sident.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Chen Yonggui galt als lebendes Symbol<br \/> f\u00fcr das Denken von Yu Gong, dem t\u00f6richten Weisen, der mit der Schaufel<br \/> den Berg vor seiner H\u00fctte abtragen wollte. Ich hatte die Gelegenheit zu<br \/> einem langen Gespr\u00e4ch mit ihm, in der Gro\u00dfen Halle des Volkes. In dem<br \/> Gespr\u00e4ch \u2013 faszinierend zu dem Datum \u2013 k\u00fcndigte sich der Abgang einer<br \/> ganzen politischen Generation an, der Abgang eines ganzen<br \/> gesellschaftlichen Modells.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">Photo&nbsp;(\u00a9 Uwe Kr\u00e4uter):<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/div>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">Mit<br \/> Vizeministerpraesident&nbsp;Chen Yonggui in der Gro\u00dfen Halle des Volkes.<br \/> Uwe Kr\u00e4uter raucht die ihm von Chen angebotene Zigarette und \u00fcberreicht<br \/> ihm ein St\u00fcck Kunsthandwerk von einer deutschen B\u00e4uerin. Der<br \/> Dolmetscher im Hintergrund&nbsp;ist Herr Ma Jie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sp\u00e4ter hat Ihnen der<br \/> stellvertretende Ministerpr\u00e4sident Wan Li den R\u00fccken gest\u00e4rkt \u2013 &nbsp;wo<br \/> die von Wan Li in der Folge vertretene politische Linie gewisserma\u00dfen<br \/> den Gegenpol zu dem Dazhai-Denken darstellte?&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist richtig. Wan Li war h\u00f6chst<br \/> popul\u00e4r, seit er als F\u00fchrer der Provinz Anhui genehmigt hatte, Agrarland<br \/> unter den Bauern aufzuteilen und diese ihre \u00fcbersch\u00fcssigen Produkte<br \/> frei verkaufen durften, also v\u00f6llig weg von den Gleichheitsprinzipien<br \/> der Volkskommune. Die nationale Politik \u00fcbernahm dies als<br \/> richtungsweisend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Welche Beziehung gab es zu Ihrem Film?&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Film war abgedreht und<br \/> fertiggestellt. Es hatte allerhand Schwierigkeiten gegeben, da w\u00e4hrend<br \/> der Produktion auf einmal die Direktive gekommen war, Kollektivbetriebe<br \/> h\u00e4tten nicht das Recht zur Filmproduktion. Der Film wurde zwar<br \/> produziert vom Jugendfilmstudio unter der Pekinger Filmakademie, aber es<br \/> war gerade unser Film in den Medien, der eben von einem<br \/> Kollektivbetrieb finanziert war. &nbsp;So, und nun erhielt der Film<br \/> nicht die Vertriebsgenehmigung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">Photo&nbsp;(\u00a9 Uwe Kr\u00e4uter):<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">Bei Filmarbeit auf dem Tiananmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bauern schafften es darauf, eine Verbindung zu dem Vizeministerpr\u00e4sidenten Wan Li (<em>Anm. d. Red.: 1988 \u2013 93 Vorsitzender des Nationalen Volkskongresses<\/em>)<br \/> herzustellen, und der war bereit, sich den Film im Kinosaal des<br \/> Zhongnanhai am Sitz der Regierung anzusehen. Er klatschte nach der<br \/> Vorstellung und sagte die befreienden Zauberworte: \u201eDer Film weist<br \/> keinerlei Probleme auf\u201c, und \u201eEuer Film ist mit dem Herzen gemacht.\u201c So<br \/> war auch ich von haltlosen Vorw\u00fcrfen befreit, die sich im Verlauf der<br \/> Produktion wieder einmal verbreitet hatten. Drei Wochen darauf kriegten<br \/> wir die Zustimmung zum Recht auf Vertrieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich war dies der Beginn, Film- und<br \/> Fernseharbeit zu betreiben, sp\u00e4ter gr\u00fcndete ich meine Joint Venture<br \/> Firma \u201eAsia World Network Ltd.\u201c. Ich drehte Filme, repr\u00e4sentierte<br \/> deutsche Fernsehanstalten, brachte Fernsehserien und Spielfilme aus<br \/> Deutschland nach China, seltener von China nach Deutschland,<br \/> organisierte etwa eine gro\u00dfe deutsch-chinesische Fernsehshow von China<br \/> Central Television CCTV und dem Westdeutschen Rundfunk WDR, Titel:<br \/> \u201eHeute Abend in Beijing\u201c, oder auch mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen<br \/> ZDF und Bavaria Film International den ersten Programmmarkt von<br \/> deutschen Fernseh- und Kinofilmen in China.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<h3 id=\"anker_Die80erJahreundderUmbruc\" style=\"text-align: justify;\">Die &#8217;80er Jahre und der Umbruch von den &#8217;90ern bis heute<\/h3>\n<h3 id=\"anker_\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie haben Sie die &#8217;80er Jahre<br \/> sonst erlebt? Es gab doch eine ganze Reihe von Kampagnen, \u201eGegen<br \/> geistige Verschmutzung\u201c, \u201eGegen b\u00fcrgerliche Liberalisierung\u201c&#8230;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist eine gute Frage. Die &#8217;80er Jahre<br \/> zeichneten sich aus durch den Wunsch nach \u00d6ffnung zur Welt, Austausch<br \/> mit dem Westen, ja, Bewunderung f\u00fcr den Westen. So viele Menschen, egal<br \/> wie alt, suchten nach M\u00f6glichkeiten, ein westliches Land zu besuchen, am<br \/> besten f\u00fcr l\u00e4nger, ein Studium, ein Praktikum, oder \u00fcberhaupt f\u00fcr immer<br \/> in den Westen zu gehen. Ganz oben auf der Reisewunschliste waren die<br \/> USA, gleich danach kam Westdeutschland. Der Westen erschien traumhaft.<br \/> Die Politik der Konservativen war au\u00dferstande, damit umzugehen und bot<br \/> allein die altbekannten L\u00f6sungen an, n\u00e4mlich politische Kampagnen,<br \/> Kritik, Verbote.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein in Hongkong gedrehter Film meiner<br \/> Frau, \u201eYe Shanghai\u201c, in dem sie die S\u00e4ngerin Zhou Xuan aus den 40er<br \/> Jahren spielt und also auch deren Lieder singt, wurde verboten, weil die<br \/> Liedinhalte angeblich von geistiger Verschmutzung zeugten. Die beiden<br \/> politischen Haltungen, die der liberaleren und die der radikaleren<br \/> Kr\u00e4fte, bek\u00e4mpften sich unabl\u00e4ssig. In solcher Situation war es mir z.B.<br \/> dennoch m\u00f6glich, zahlreiche Folgen von \u201eDerrick\u201c als erste deutsche<br \/> Fernsehserie in China zur Ausstrahlung zu bringen. Da wurden an jedem<br \/> zweiten Abend zwei Folgen gezeigt, und ganz China sah zu!&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derricks Aussehen kam bei den M\u00e4dchen<br \/> nicht sonderlich an. Dagegen sagten die Jungen, seine Nase usw., das sei<br \/> doch nun wirklich nicht entscheidend, wichtiger sei seine<br \/> Herangehensweise an einen Fall. Doch, die Serie f\u00fchrte zu Fragen,<br \/> Diskussionen und Debatten, auch bei der F\u00fchrung und sogar bei der<br \/> Polizei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Da haben die Macher von \u201eDerrick\u201c beim ZDF gejubelt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1989 in Shanghai, als es dort auf der<br \/> Kippe stand, ob die Armee wie in Peking eingreifen w\u00fcrde, stoppte die<br \/> Shanghaier Stadtregierung kurzerhand die amerikanische Serie \u201eHunter\u201c,<br \/> die gerade lief, und wo der Kommissar \u2013 im Unterschied zu unserem<br \/> Derrick \u2013 immer gleich sein Schie\u00dfeisen zur Hand hat und Menschen<br \/> abknallt, und ersetzte \u201eHunter\u201c eben durch \u201eDerrick\u201c. Die Absicht war<br \/> eindeutig, n\u00e4mlich auf Beruhigung und mehr Nachdenklichkeit hinzuwirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Welches sind f\u00fcr Sie die<br \/> wichtigsten Wandlungen in den zwei Jahrzehnten von 1989 bis heute<br \/> hinsichtlich Chinas Verh\u00e4ltnis zum Westen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(<em>lacht<\/em>) Ein zu gro\u00dfes Thema!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nach der Niederschlagung der<br \/> Rebellion von 1989 gab es die Vermutung, China werde in lange Finsternis<br \/> fallen und die Selbstisolation w\u00e4hlen. Aber Deng Xiaoping forderte in<br \/> der Situation mehr denn je Chinas \u00d6ffnung zur Welt.&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ausreise wurde erleichtert.<br \/> Studenten und Wissenschaftler, Gesch\u00e4ftsleute und Touristen,<br \/> Politikerdelegationen, machten sich auf nach Westen. Von 1992 an nahm<br \/> Chinas Austausch mit Europa und den USA beispiellos zu. Westliche<br \/> Literatur und Sachb\u00fccher kamen in die L\u00e4den, Hollywood-Filme zogen die<br \/> Massen in die Kinos, immer mehr westliche Luxusautos konkurrierten, auch<br \/> bei fast 300 % Aufpreis, mit japanischen Brands. Das Ausland begann,<br \/> massiv in China zu investieren. T\u00e4glich entstanden neue internationale<br \/> Niederlassungen, Produktionsst\u00e4tten, Repr\u00e4sentanzen, Luxushotels,<br \/> Restaurants, sogar westliche Schulen. Gleichzeitig str\u00f6mten Besucher aus<br \/> Asien, Amerika und Europa ins Land. Der unerreichbare Westen fing<br \/> endlich an, in den K\u00f6pfen der Menschen von einem Traumgebilde zur<br \/> berechenbaren realen Normalit\u00e4t zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und unerwartet begannen Chinesen, die<br \/> sich jahrelang im Westen aufgehalten hatten, in gro\u00dfer Zahl<br \/> zur\u00fcckzukehren. Denn China bot ihnen auf einmal M\u00f6glichkeiten, wie sie<br \/> vorher unvorstellbar gewesen waren. Das Land befand sich in einer<br \/> gewaltigen Entwicklung, die mehr Wege fuer individuelle Initiativen<br \/> offenhielt als irgendwo sonst in der Welt, und empfing sehr gerne diese<br \/> R\u00fcckkehrer, die au\u00dferdem vielseitiges Wissen aus fernen Gesellschaften<br \/> plus Investition nach Hause mitbrachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Prozess gewann das Verst\u00e4ndnis<br \/> an Boden, dass man den bewunderten Menschen im Westen langfristig<br \/> keineswegs nachzustehen brauchte, die Chinesen die gleichen F\u00e4higkeiten<br \/> und Energien wie der Westen erlangen k\u00f6nnten und man durchaus in<br \/> Konkurrenz w\u00fcrde treten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sie kommen j\u00e4hrlich mehrmals<br \/> nach Deutschland und Heidelberg. Hat sich Heidelberg ver\u00e4ndert, seit Sie<br \/> 1974 von hier fortgegangen sind?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oh, da haben wir sicher unterschiedliche<br \/> Vorstellungen. Klar, ich liebe, wie immer schon, die Jugendlichkeit in<br \/> der Altstadt. Aber f\u00fcr mich hat sich hier in Heidelberg \u2013 unglaublich \u2013<br \/> nichts ver\u00e4ndert. Nun, Heidelberg soll Heidelberg bleiben. Das sind<br \/> andere Voraussetzungen, Pl\u00e4ne, Perspektiven. Wenn ich manchmal dieses<br \/> oder jenes Stadtviertel in Peking oder Shanghai oder Nanking drei, vier<br \/> Monate nicht besucht habe, kann es passieren, dass ich mich da pl\u00f6tzlich<br \/> nicht mehr zurechtfinde, weil alles anders aussieht. Mein Eindruck in<br \/> den gro\u00dfen chinesischen St\u00e4dten ist, dass die St\u00e4dte uns Menschen<br \/> \u00fcberragen, w\u00e4hrend wir hier in Heidelberg, aber auch etwa (<em>l\u00e4chelt<\/em>)<br \/> in Berlin, uns doch weiterhin behaglich als \u00fcberragend empfinden<br \/> d\u00fcrfen. Die Rasanz der Entwicklung in China hat gleichzeitig den Effekt,<br \/> dass wir, egal wie alt wir sind, uns dort j\u00fcnger f\u00fchlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K\u00f6nnen Sie das genauer erkl\u00e4ren?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil man nicht davon abl\u00e4\u00dft, sich<br \/> t\u00e4glich und intensiv als Beobachter wie als Lernender sowie Mitwirkender<br \/> bei all den Wandlungen zu empfinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch, Herr Kr\u00e4uter!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;Und nun noch die Aufl\u00f6sung zum &#8222;Bildr\u00e4tsel&#8220;:<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;Photo&nbsp;(\u00a9 Uwe<br \/> Kr\u00e4uter): Das Photo zeigt die von Huang Yongyu&nbsp;gemalte Eule, ein<br \/> Auge geschlossen,&nbsp;mit den Zuegen von UK, naemlich Schnurrbart und<br \/> wallendes rotblondes&nbsp;Haar.<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"discreet\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erkl\u00e4rung dazu:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Huang Yongyu war in der<br \/> Kulturrevolution unter den Malern ein Hauptangriffsziel der Viererbande<br \/> gewesen. Eines seiner Bilder, eine Eule, die ein Auge geschlossen und<br \/> eins ge\u00f6ffnet hatte, wurde zu einem Beispiel &#8222;schwarzer Kunst&#8220; erkl\u00e4rt.<br \/> Denn das eine Auge sei geschlossen, so die Behauptung, in Ablehnung des<br \/> Sozialismus und der revolution\u00e4ren Theorie des Vorsitzenden Mao. Das<br \/> Bild wurde in einer &#8222;Ausstellung schwarzer Kunst&#8220; im Peking Hotel 1973<br \/> als prominentestes Beispiel gegen die Revolution gerichteter Kunst<br \/> pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Grund f\u00fcr den L\u00e4rm um die von Huang<br \/> in vier Minuten hingeworfene Eule war, dass er zu den vom<br \/> Ministerpr\u00e4sidenten Zhou Enlai ausgew\u00e4hlten K\u00fcnstlern geh\u00f6rte, die f\u00fcr<br \/> die k\u00fcnstlerische Ausstattung des gerade fertiggestellten Peking Hotels<br \/> sorgten. Die Kulturrevolution\u00e4re konnten nicht den Ministerpr\u00e4sidenten<br \/> pers\u00f6nlich angreifen. Um ihn dennoch in Verruf zu bringen, griffen sie<br \/> diejenigen in seinem Umfeld an: Chinesisches Schattenboxen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An Weihnachten 1978, bei unserer zweiten<br \/> Begegnung, entrollte Huang Yongyu vor mir ein Bild, das eine<br \/> phantastische Eule mit einem geschlossenen und einem ge\u00f6ffneten Auge<br \/> zeigt. Das Wesen hat eine goldene Augenbraue und tr\u00e4gt einen wallenden<br \/> rotblonden Schopf und einen ebenso leuchtenden Schnurrbart (wie eben<br \/> damals U.K.) und sitzt in gelassener Ruhe mit scharfen Krallen auf einem<br \/> Ast. Darunter steht in Huangs Kalligraphie:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser n\u00fctzliche Vogel f\u00e4ngt jeden<br \/> Sommer 1200 M\u00e4use. Also rettet er f\u00fcr uns tausend Tonnen Getreide. Er<br \/> ist ein wirklich gro\u00dfer Held bei der Vernichtung von Sch\u00e4dlingen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"2\" name=\"2\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Erz\u00e4hlen Sie mal\u2026 Herr Wagner. <\/span><\/a><\/h2>\n<p class=\"documentDescription\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser Ausgabe f\u00fchren wir unsere<br \/> Vorstellungsreihe von InstitutsmitarbeiterInnen des Instituts f\u00fcr<br \/> Sinologie fort und haben mit Herrn Dr. Lothar Wagner gesprochen. Die<br \/> meisten Studierenden kennen ihn aus seiner Einf\u00fchrung in das klassische<br \/> Chinesisch und den weiterf\u00fchrenden Lekt\u00fcrekursen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was viele jedoch nicht wissen: Herr<br \/> Wagner kennt das Institut f\u00fcr Sinologie schon seit seiner Schulzeit in<br \/> den fr\u00fchen 1960er Jahren. Damals war das Institut noch am<br \/> Hans-Thoma-Platz 44 angesiedelt, modernes Chinesisch gab es nur als<br \/> Beifach und auch Japanisch stand noch auf dem Stundenplan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>SHAN: Die erste unausweichliche Frage: Wie sind Sie zur Sinologie gekommen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ich zur Sinologie gekommen bin? Nun<br \/> ich habe mit Chinesisch schon als Sch\u00fcler angefangen, das war in der<br \/> Oberstufe. Ich hatte gerade Russisch als Zusatzsprache gelernt, was mir<br \/> sehr leicht gefallen war und mir Mut auf mehr machte. Daraufhin beging<br \/> ich den Fehler, erstens zu viel Mut zu mir selbst zu haben und zweitens<br \/> ein paar B\u00fccher zu chinesischen Geschichte zu lesen, denn da dachte ich<br \/> mir: Das m\u00fcsste man doch auch in den Quellentexten lesen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Irgendjemand meinte dann zu mir: &#8222;Geh<br \/> doch mal zu den Sinologen, die sind froh um jeden, der da kommt. &#8220; Und<br \/> da bin ich dann hin hingestiefelt. Erst war ich bei den Indologen, weil<br \/> ich gar nicht so richtig wusste, was Sinologie eigentlich ist, doch die<br \/> haben mich dann sehr schnell zu den Sinologen, damals noch am<br \/> Hans-Thoma-Platz (<em>in den fr\u00fchen 1960er Jahren befand sich das<br \/> Institut f\u00fcr Sinologie unter Prof. Wolfgang Bauer am Hans-Thoma Platz<br \/> 44, siehe hierzu <a class=\"external-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2009\/05\/01\/newsletter-mai-2009-nr-33\/#2\"> Newsletter Mai 2009<\/a>)<\/em><br \/> geschickt. Und da war ich dann, glaube ich, seit der Untersekunda.<br \/> Einmal habe ich wegen der Schule kurz unterbrechen m\u00fcssen, bin aber<br \/> wiedergekommen und hatte mit dem Abitur dann auch schon den H\u00e4nisch (<em>Lehrbuch der chinesischen Schriftsprache von Prof. Erich H\u00e4nisch, 1860-1966)<\/em> durch. So war das damals.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>SHAN: Die meisten Studenten<br \/> kennen Sie aus der Einf\u00fchrung in das klassische Chinesisch. Sehen Sie<br \/> sich in erster Linie als klassischen Sinologen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von meiner Ausbildung her, ja.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich studierte habe ich den Fehler<br \/> begangen zwei F\u00e4cher zu kombinieren, die man nur in Heidelberg studieren<br \/> konnte: Ostasiatische Kunstgeschichte, damals noch bei Herrn Seckel (<em>erster Professor f\u00fcr Ostasiatische Kunstgeschichte, 1920-2007, siehe hierzu <a class=\"external-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/08\/01\/newsletter-august-2010-nr-45\/#5\"> Newlsetter August 2010<\/a>)<\/em> und politische Wissenschaften S\u00fcdostasiens. Diese Kombination war t\u00f6dlich, weil man damit nicht mehr weggehen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Heidelberg war die Ausbildung<br \/> eindeutig klassisch, die moderne Sprache wurde nur so unter fernen<br \/> liefen unterrichtet. Es war auch kein eigenst\u00e4ndiges Fach, sondern nur<br \/> ein Beifach. Man musste damals klassische Sinologie, Japanisch und<br \/> modernes Chinesisch in einem Fach studieren, das war ein Fach, wobei der<br \/> Schwerpunkt nat\u00fcrlich eindeutig auf der Klassik lag. Modernes<br \/> Chinesisch habe ich so auch erst recht sp\u00e4t gelernt, das kann ich auch<br \/> nicht so f\u00fcrchterlich gut, um ehrlich zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>SHAN: Was ist ihr Spezial- oder Forschungsgebiet oder f\u00fcr welche Themen interessieren Sie sich am meisten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Forschungsgebiet das war<br \/> urspr\u00fcnglich Dichtung und Literatur, dann sehr bald aber \u00c4sthetik im<br \/> weitesten Sinne. Ich habe mich dabei vor allem mit Siegeln besch\u00e4ftigt,<br \/> w\u00e4hrend ich mich heutzutage sehr f\u00fcr die Ming-Zeit interessiere:<br \/> vornehmlich das Verh\u00e4ltnis von Individuum zum Staat und wie sich das<br \/> Individuum in einer vormodernen Gesellschaft einrichtet, unter der<br \/> Vermutung, dass die Verh\u00e4ltnisse in der Ming-Zeit sich letztendendes,<br \/> gerade auch wenn man sich die Pr\u00e4senz von Staat, Polizei, Obrigkeit<br \/> betrachtet, nicht grunds\u00e4tzlich von dem unterscheiden, was wir heute<br \/> haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben sozusagen ein Modell aus<br \/> weiter Ferne vor Augen, das wir durchaus f\u00fcr uns heute nutzbar machen<br \/> k\u00f6nnen. Die grunds\u00e4tzlichen Probleme sind in gro\u00dfen Teilen dieselben:<br \/> Wie richtet sich der Einzelne in der Gesellschaft ein? Wie ist das<br \/> Verh\u00e4ltnis zur Obrigkeit, wie die Machtwelt der Polizei oder die<br \/> Machtwelt der staatlichen Kontrolle? Das sind Fragen, die sind gar nicht<br \/> so unterschiedlich von unseren Fragen heute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>SHAN: Sie erw\u00e4hnten, dass die Lyrik eine Ihrer ersten Interessensgebiete war. War das auch das Thema ihrer Dissertation?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, das Interesse an Lyrik und<br \/> Dichtung muss man so erkl\u00e4ren, dass das alles auch etwas mit Moden zu<br \/> tun hatte; auch die Wissenschaft hat Moden. Als ich so richtig mit dem<br \/> Studium anfing, das war in den 1970er Jahren, da war das Interesse an<br \/> chinesischer Dichtung gerade im Ausklingen. Da gab es noch die gro\u00dfen<br \/> Namen: Alfred Hoffmann zum Beispiel (<em>1911-1997, von 1961-63 klassisch-philologischer Sinologe an der FU Berlin)<\/em> oder auch Herr Debon, mein Doktorvater (<em>von 1968-1986 Professor f\u00fcr Sinologie in Heidelberg),<\/em><br \/> der sich sehr mit Dichtung besch\u00e4ftigte. Dichtung war eines der gro\u00dfen<br \/> und wichtigen Themen dieser Zeit, aber es war auch irgendwie so eine<br \/> Modegeschichte und ich pers\u00f6nlich wollte nicht in der Literatur weiter<br \/> machen, das fand ich nicht so interessant.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Problem in der Literaturwissenschaft<br \/> habe ich immer darin gesehen, dass Leute Texte lesen und sich dann<br \/> dar\u00fcber \u00e4u\u00dfern m\u00fcssen. Das ist eine Sache, die sich in meinen Augen<br \/> irgendwann blind l\u00e4uft. Das hat nichts mit Wertsch\u00e4tzung oder Interesse<br \/> zu tun, es ist nur in kein Thema, das sich meiner Meinung f\u00fcr eine<br \/> Darstellung besonders eignet, denn ab einem bestimmten Punkt dreht man<br \/> sich im Kreise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Urspr\u00fcnglich wollte ich also etwas<br \/> Historisches machen, das wurde mir aber verwehrt. Ich wurde von meinem<br \/> Doktorvater quasi gezwungen, das Thema Siegel zu bearbeiten, was ich<br \/> eigentlich \u00fcberhaupt nicht machen wollte. Ich wusste nichts von Siegeln<br \/> und wollte mich eigentlich um Li Tao k\u00fcmmern. Li Tao war ein Historiker<br \/> aus der Song-Zeit und er war der erste Historiker gewesen, der mit<br \/> modernen Zettelk\u00e4sten gearbeitet hatte. Er hat ein riesiges historisches<br \/> Werk hinterlassen, ein riesiges \u0152uvre, aber wie gesagt, das wollte mein<br \/> Doktorvater nicht. Ich war damit einer der ersten, dem vorgeschrieben<br \/> wurde, was er nicht machen durfte, was ich nie verstanden habe. Aber<br \/> dann hat es mich doch gepackt und Siegel wurde eine meiner gro\u00dfen<br \/> Leidenschaften \u2013 bis heute. Meine Dissertation hei\u00dft \u201eDie ganze Welt in<br \/> einem Zoll\u201c und es ist eine Darstellung der Kulturgeschichte des<br \/> Siegels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>SHAN: Die Einf\u00fchrung in das<br \/> klassische Chinesisch ist f\u00fcr alle Studenten eine Pflichtveranstaltung<br \/> und Sie sagen selbst immer wieder, dass Sie die Begeisterung f\u00fcr das<br \/> klassische Chinesisch gerne weitergeben m\u00f6chten. Erz\u00e4hlen Sie deshalb,<br \/> weshalb es sich lohnt, das klasissche Chinesisch auch nach Shadick II<br \/> noch weiterzuverfolgen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, es gibt hier in Heidelberg eine<br \/> unselige Trennung zwischen klassisch und modern, eine Trennung, die<br \/> eigentlich so nicht gegeben ist. Es geht ja beim Erlernen des<br \/> klassischen Chinesisch nicht darum, dass man einen bestimmten<br \/> klassischen Autor lesen k\u00f6nnen muss, sondern das Entscheidende ist<br \/> grunds\u00e4tzlich zweierlei:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man das, was sich mit dieser<br \/> Sprache verbindet \u2013 und das ist mehrdimensionaler als es sich in dem<br \/> Ausdruck \u201eklassisches Chinesisch\u201c anh\u00f6rt \u2013 wenn man das nicht kann, dann<br \/> schneidet man sich von sagen wir mal 98 % der chinesischen<br \/> Literaturgeschichte und des chinesischen Schrifttums \u00fcberhaupt ab. Warum<br \/> sollte man das tun?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das andere ist, dass ich diese Trennung<br \/> gar nicht f\u00fcr gegeben halte, weil die Trennung zwischen klassischer und<br \/> moderner Sprache gar nicht so klar ist; es ist vielmehr eine Frage der<br \/> Ebene. Wenn Sie z. B. einen modernen Essay schreiben, sich bei Zeitungen<br \/> oder wissenschaftlichen Essays umschauen, dann sehen Sie, dass die<br \/> Sprache gar nicht so f\u00fcrchterlich weit entfernt ist von der Klassik, so<br \/> dass es sich lohnt diese klassische Sprache zu lernen und<br \/> weiterzuverfolgen. Erstens weil man sich diesem Stil leichter ann\u00e4hern<br \/> kann, wenn man es \u00fcber die Angebote macht, die es hier am Institut f\u00fcr<br \/> klassisches Chinesisch gibt und zweitens, weil der Bildungshorizont auch<br \/> moderner Chinesen nun einmal so beschaffen ist, dass sie einen Gro\u00dfteil<br \/> dieser Tradition nicht nur kennen, sondern auch sch\u00e4tzen und gerne<br \/> lesen. Man w\u00fcrde sich selbst irgendwie von dieser ganzen Tradition<br \/> abschneiden, wenn man das alles ignorieren w\u00fcrde. Dann k\u00f6nnte man nur<br \/> das lesen, was vielleicht seit 20 Jahren gerade aktuell ist und auch<br \/> davon wieder nur einen gewissen Teil, denn f\u00fcr den anspruchsvollen Teil<br \/> brauchen Sie wiederum das, was Sie im klassischen Chinesisch lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht also nicht darum, dass Sie jetzt<br \/> Han Feizi oder Su Dongpo lesen k\u00f6nnen, sondern es geht darum, dass Sie<br \/> sich diese ganze Tradition erschlie\u00dfen. Wobei ich nat\u00fcrlich niemals<br \/> erwarten w\u00fcrde, dass, wenn Sie sich nicht f\u00fcr Dichtung interessieren,<br \/> Dichtung lesen. Es geht nur darum, dass Sie sich diese Kultur, diese<br \/> letzten 2000 Jahre irgendwie erschlie\u00dfen, dass Sie daran Anteil haben,<br \/> denn ich denke, das m\u00fcssen Sie. Denn stellen Sie sich einmal vor, sie<br \/> w\u00fcrden Romanistik studieren, aber w\u00e4ren nicht in der Lage, sagen wir<br \/> einmal Verlaine (<em>Paul Verlaine, 1844-1896<\/em>) oder Proust (<em>Marcel Proust 1871-1922<\/em>) zu lesen oder Gide (<em>Andr\u00e9 Gide, 1869-1951<\/em>)<br \/> oder sie w\u00fcrden Englisch machen, aber w\u00e4ren nicht in der Lage, nun na<br \/> gut, Ulysses zu lesen, das ist vielleicht eine andere Kategorie, aber<br \/> sie w\u00e4ren eben nicht in der Lage vieles von dieser Tradition zur<br \/> Kenntnis zu nehmen, was es nat\u00fcrlich auch im angels\u00e4chsischen Bereich<br \/> gibt. Und das w\u00e4re eben der Fall, wenn Sie nur das Allermodernste<br \/> k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>SHAN: Sie haben selbst auch l\u00e4ngere Zeit auf Taiwan verbracht . Was haben Sie dort gemacht und was vermissen Sie am meisten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe dort Siegelschneiden betrieben<br \/> und in Bibliotheken gearbeitet. Ich war insgesamt drei Mal dort, einmal<br \/> relativ lange und danach nur noch k\u00fcrzere Aufenthalte. Und nun, in<br \/> Taiwan, aber auch in China, nun, das ist einfach eine andere Art des<br \/> Lebens und ich glaube jeder Sinologe m\u00f6chte gerne dort sein, zumindest<br \/> einen Gro\u00dfteil des Jahres oder seines Lebens. Wenn es nicht so w\u00e4re,<br \/> dann w\u00fcrde ich nicht Sinologie studiert haben, dann h\u00e4tte mich das auch<br \/> nicht fasziniert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich wollte ich das nie machen,<br \/> mein Vater wollte nie, das ich das mache. Er war dann auch ziemlich<br \/> ungehalten, als ich dann doch Sinologie studierte und nicht etwas<br \/> \u201eVern\u00fcnftigeres\u201c (in Anf\u00fchrungszeichen) wie Medizin. Was ich nun hier<br \/> aber vermisse, das ist nichts Chinaspezifisches, das w\u00fcrde auch f\u00fcr<br \/> Amerika gelten: Hier ist alles so eingefasst in etwas \u00f6de Bahnen, finde<br \/> ich. Also was hier fehlt, ist so etwas Dynamik, die man in diesen<br \/> L\u00e4ndern hat. Gerade in Amerika hatte ich den Eindruck, dass man mit<br \/> allem, was man macht, auf ein viel gr\u00f6\u00dferes Echo trifft. Man findet eher<br \/> Leute, die es interessant finden, was man da macht, einen danach fragen<br \/> und ermuntern weiter zu machen. Hier muss das alle irgendwie m\u00fchsam aus<br \/> eigenem Antrieb kommen und hat keine Resonanz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und China, nun das Leben dort ist<br \/> einfach anders, das wissen Sie ja selbst und viel einfacher, finde ich,<br \/> f\u00fcr einen Ausl\u00e4nder zumindest; f\u00fcr Chinesen vermutlich nicht, sonst<br \/> w\u00e4ren nicht so viele Chinesen hier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Herr Wagner, vielen herzlichen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"3\" name=\"3\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Praktikum in einer &#8222;Rheinischen Sparkasse&#8220; <\/span><\/a><\/h2>\n<p class=\"documentDescription\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem ich mich einige Monate zuvor im<br \/> Referat 201 (Ost- und Zentralasien) im Bundesministerium f\u00fcr<br \/> wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beworben hatte,<br \/> fand ich mich am ersten August 2011 in der \u201eRheinischen Sparkasse\u201c ein<br \/> (so soll Helmut Schmidt 1976 missmutig und stirnrunzelnd das damalige<br \/> Kanzleramt beschrieben haben, das fortan seine neue Arbeitsst\u00e4tte werden<br \/> sollte). Die zust\u00e4ndige Personalreferentin empfing uns Praktikanten und<br \/> gab uns einen \u00dcberblick \u00fcber die Geschichte des Hauses, in dem bis Ende<br \/> der 90er Jahre das Bundeskanzleramt untergebracht war, und wies uns in<br \/> grundlegende Abl\u00e4ufe ein. Nachdem wir alle auf unsere Referate verteilt<br \/> worden waren, erfuhr ich, dass ich zwar im Gegensatz zu vielen anderen,<br \/> wie gew\u00fcnscht dem Referat f\u00fcr Ost- und Zentralasien zugeteilt worden<br \/> war, mit China aber nichts zu tun haben w\u00fcrde. Da China seit vergangenem<br \/> Jahr kein Partnerland deutscher Entwicklungszusammenarbeit mehr ist,<br \/> beschr\u00e4nkt sich die Arbeit f\u00fcr China&nbsp; im Wesentlichen auf die<br \/> Betreuung auslaufender Projekte und bietet nicht mehr genug Arbeit um<br \/> Praktikanten sinnvoll einzubinden.<\/p>\n<p>Ich sollte also in der Folge vor allem in die bevorstehenden<br \/> Regierungsverhandlungen mit Kirgisistan, aber auch in die danach<br \/> stattfindenden Regierungskonsultationen mit Tadschikistan eingebunden<br \/> werden. Die Regierungskonsultationen bezeichnen Treffen zwischen den<br \/> Regierungsvertretern des Geberlandes und des Empf\u00e4ngerlandes, w\u00e4hrend<br \/> welcher neue Projekte geplant und laufende Projekte gemeinsam evaluiert<br \/> werden. Meist ein Jahr sp\u00e4ter finden dann Regierungsverhandlungen statt,<br \/> bei denen nun \u00fcber die genauen Zuwendungen gesprochen wird. Deutschland<br \/> macht bei solchen Verhandlungen&nbsp; Zusagen f\u00fcr<br \/> Entwicklungshilfe-Gelder, die in den n\u00e4chsten Jahren ins Empf\u00e4ngerland<br \/> flie\u00dfen sollen. Daher war ich die erste Zeit damit besch\u00e4ftigt, mich in<br \/> die wichtigsten politischen, \u00f6konomischen, sozialen und historischen<br \/> Aspekte der L\u00e4nder Zentralasiens einzuarbeiten, was sehr spannend war.<\/p>\n<p>Als die Regierungsverhandlungen mit Kirgisistan n\u00e4her r\u00fcckten, nahm das<br \/> Arbeitspensum zeitweise enorm zu, da es meine Aufgabe war die<br \/> Reisemappen f\u00fcr die Delegation vorzubereiten und zusammenzustellen.<br \/> Diese Reisemappen sind meist sehr dicke Leitzordner, in denen alle<br \/> wichtigen Dokumente enthalten sind. Dazu z\u00e4hlen unter anderem<br \/> Delegationslisten, Terminabl\u00e4ufe, Lebensl\u00e4ufe der Gespr\u00e4chspartner und<br \/> bei wichtigen Reisen auch kulturelle Hinweise und Faux-Pas, die es zu<br \/> vermeiden gilt: Zum Beispiel darf man in einer mongolischen Jurte nicht<br \/> auf die Schwelle des Zeltes treten.<\/p>\n<p>Neben der Vorbereitung der Delegationsmappen hatte ich auch die<br \/> Gelegenheit geplante Programme zu kommentieren und eigene Ideen und<br \/> Fragestellungen in Planungsprozesse einzubringen. Das Anfertigen von<br \/> Redeentw\u00fcrfen und die Beantwortung von B\u00fcrgerbriefen geh\u00f6rten ebenfalls<br \/> zu den Aufgaben meines Praktikums. Das Redenschreiben habe ich dabei als<br \/> besonders herausfordernde und spannende Aufgabe erlebt, da es hier auch<br \/> galt Kritik in Diplomatie zu h\u00fcllen.<\/p>\n<p>Die L\u00e4nderreferenten des BMZ treffen sich zu Zwecken der Abstimmung oft<br \/> mit den sogenannten Durchf\u00fchrungsorganisationen (DOs), die vor Ort die<br \/> beschlossenen Projekte umsetzen. Zu diesen DOs geh\u00f6ren unter anderem die<br \/> Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die<br \/> Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau (KfW). An zahlreichen solcher Treffen<br \/> konnte ich teilnehmen und dadurch mein Verst\u00e4ndnis von der Umsetzung von<br \/> Entwicklungshilfeprojekten vor Ort, aber auch von der<br \/> Steuerungsfunktion des BMZ in diesem Prozess erweitern.<\/p>\n<p>Insgesamt habe ich das Praktikum im BMZ als eine bereichernde Erfahrung<br \/> wahrgenommen, wenn auch das Arbeitspensum stark fluktuierte.&nbsp; Das<br \/> sch\u00f6ne Arbeitsumfeld (ein riesiger Park mit dem Palais Schaumburg und<br \/> dem Kanzlerbungalow) aber auch die Stadt Bonn an sich haben mir sehr gut<br \/> gefallen und ich k\u00f6nnte mir vorstellen nach dem Studium dorthin<br \/> zur\u00fcckzugehen. Ebenfalls als enorm wertvoll bewerte ich die Tatsache,<br \/> dass ich mich in eine ganz neue Region mit ganz eigenen Problemen<br \/> einarbeiten musste und damit meinen Wissensschatz erweitern konnte.<br \/> Daher w\u00e4re es f\u00fcr mich auch vorstellbar noch w\u00e4hrend des Studiums in<br \/> Zentralasien ein weiteres Praktikum im Bereich der<br \/> Entwicklungszusammenarbeit zu absolvieren.<\/p>\n<p>Rebecca G\u00f6hner<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"4\" name=\"4\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Vierzig Jahre deutsch-chinesischer Stipendiatenaustausch <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor vier Jahrzehnten wurde die<br \/> Volksrepublik China von der UNO anerkannt und die<br \/> chinesisch-amerikanischen Beziehungen verbesserten sich durch die<br \/> Besuche von Henry Kissinger und Richard Nixon in der chinesischen<br \/> Hauptstadt. Dies f\u00fchrte auch zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen<br \/> zwischen der BRD und der VR China. Dadurch wurde auch der offizielle<br \/> Austausch von Stipendiaten beider L\u00e4nder erm\u00f6glicht. Die Aufnahme der<br \/> offiziellen Beziehungen war relativ unkompliziert, da die BRD \u2013 im<br \/> Gegensatz zu anderen westlichen L\u00e4ndern \u2013 niemals diplomatische<br \/> Beziehungen zur Republik China (Taiwan) unterhalten hatte; allerdings<br \/> gab es vor 1971 einen inoffiziellen deutsch-taiwanesischen<br \/> Studentenaustausch, damals studierten unter anderem (die sp\u00e4teren<br \/> Professoren) Lothar Ledderose und Helmut Martin in Taiwan (<a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2011\/shan-newsletter-juni-nr.-53\/als-heidelberger-wissenschaftler-in-china-je-laenger-je-lieber\" title=\"&quot;Als Heidelberger Wissenschaftler in China: je l\u00e4nger, je lieber&quot;\"> &#8222;Als Heidelberger Wissenschaftler in China: je l\u00e4nger, je lieber&#8220;<\/a>).<br \/> (In den f\u00fcnfziger Jahren hatte auch ein Studenten- und<br \/> Wissenschaftleraustausch zwischen der DDR und der VR China begonnen,<br \/> dieser war jedoch in den sechziger Jahren wegen der Eskalation des<br \/> sino-sowjetischen Konflikts eingestellt worden.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste Stipendiat war Ulrich Manthe,<br \/> der heute Juraprofessor an der Universit\u00e4t Passau ist; er hatte sich<br \/> erst f\u00fcr ein Stipendium in Taiwan beworben, konnte aber &nbsp;\u2013 nachdem<br \/> er schon eine Zusage bekommen hatte &nbsp;\u2013 noch umdisponieren und dann<br \/> \u00fcber Frankreich und Pakistan nach China fliegen. (Damals musste man<br \/> wegen der schlechten Beziehungen zu Indien, das Land umkreisen; in den<br \/> achtziger Jahren durfte man wegen des Afghanistankrieges nicht \u00fcber<br \/> Zentralasien fliegen.) Weitere fr\u00fche Stipendiaten waren Heidi<br \/> Brexendorff (Heidelberg\/Berlin), Volker Kl\u00f6psch (<a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2008-1\/februar\/201ewir-als-sinologen-haben-die-verpflichtung-chinesische-literatur-erst-einmal-bekannt-zu-machen-201c\" title=\"\u201eWir als Sinologen haben die Verpflichtung chinesische Literatur erst einmal bekannt zu machen!\u201c\"> \u201eWir als Sinologen haben die Verpflichtung chinesische Literatur erst einmal bekannt zu machen!\u201c<\/a>), Wolfgang Kubin (Berlin\/Bonn) und Anne Labitzky (<a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2009\/dezember\/erzaehlen-sie-mal-...-frau-labitzky-wagner\" title=\"Erz\u00e4hlen Sie mal, ... Frau Labitzky-Wagner\">Erz\u00e4hlen Sie mal, &#8230; Frau Labitzky-Wagner<\/a>). In dieser Zeit arbeitete auch Uwe Kr\u00e4uter schon in der chinesischen Hauptstadt. (<a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2011\/shan-newsletter-august-nr.-55\/in-der-grenzueberschreitung-ein-interview-mit-uwe-kraeuter\" title=\"In der Grenz\u00fcberschreitung: Ein Interview mit Uwe Kr\u00e4uter\"> In der Grenz\u00fcberschreitung: Ein Interview mit Uwe Kr\u00e4uter<\/a>) &nbsp;1977 reisten dann zum ersten Mal Sinologieprofessoren nach China (<a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2011\/shan-newsletter-august-nr.-55\/sinologieprofessoren-in-china-2013-eine-bemerkenswerte-reise-vor-ueber-dreissig-jahren\" title=\"Sinologieprofessoren in China \u2013 Eine bemerkenswerte Reise vor \u00fcber drei\u00dfig Jahren\"> Sinologieprofessoren in China \u2013 Eine bemerkenswerte Reise vor \u00fcber drei\u00dfig Jahren<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den ersten zehn Jahren wurden nur<br \/> Stipendiat(inn)en vom DAAD nach China geschickt, die offiziell<br \/> Stipendiat(inn)en der chinesischen Regierung waren. Ab Anfang der<br \/> achtziger Jahre konnten dann auch Selbstzahler fahren, soda\u00df die<br \/> Studierendenzahlen schnell zunahmen. Damals blieb man meist ein oder<br \/> zwei Jahre, ein Vollstudium war bei Europ\u00e4ern sehr selten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den fr\u00fchen Jahren konnten die<br \/> Deutschen in nur wenige St\u00e4dte gehen: Beijing, Tianjin, Shenyang, Jinan,<br \/> Nanjing und Shanghai. Man konnte auch nur wenige F\u00e4cher \u2013 wie<br \/> Geschichte, Wirtschaft, Literatur und Sprache \u2013 studieren, in den<br \/> achtziger Jahren gab es dann viel mehr M\u00f6glichkeiten. (Zu dieser Zeit<br \/> tauchten auch wieder DDR- Student(inn)en auf.) Anfangs waren die<br \/> Reisem\u00f6glichkeiten sehr beschr\u00e4nkt, f\u00fcr jede individuelle Reise brauchte<br \/> man eine Genehmigung; daf\u00fcr organisierten die meisten Unis ein- oder<br \/> zweimal im Jahr Gruppenreisen \u2013 zum 70. Jahrestag der Xinhai-Revolution<br \/> (1981) wurden z.B. Reisen nach Guangzhou und Wuhan besucht. Bei<br \/> Aufenthalten in Changsha gab es meist auch Ausfl\u00fcge nach Shaoshan, dem<br \/> Heimatdorf Mao Zedongs. In den achtziger Jahren konnte man schon ohne<br \/> gro\u00dfe Probleme nach Xinjiang und Yunnan und sogar nach Hongkong fahren.<br \/> 1989 gab es \u2013 trotz gro\u00dfer Nervosit\u00e4t \u2013 f\u00fcr die Stipendiaten keine<br \/> besonderen Probleme, in den neunziger Jahren nahmen die<br \/> Studierendenzahlen weiter zu, nun war es auch m\u00f6glich zu arbeiten, was<br \/> vorher nicht erw\u00fcnscht war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Herbst 2007 veranstaltete der DAAD in Bonn ein erstes Alumnitreffen von Chinastipendiaten (<a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2007\/dezember\/das-erste-grosse-china-alumni-treffen-des-deutschen-akademischen-austauschdienstes-nach-35-jahren\" title=\"Das erste gro\u00dfe China-Alumni-Treffen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach 35 Jahren\"> Das erste gro\u00dfe China-Alumni-Treffen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach 35 Jahren<\/a>),<br \/> das auch zur Ver\u00f6ffentlichung des Bandes Abenteuer China f\u00fchrte. An dem<br \/> Treffen nahmen nicht nur zahlreiche fr\u00fchere Stipendiaten, sondern auch<br \/> viele DAAD-Angestellte und chinesische Diplomaten und Lehrer teil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Literatur:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thomas Kampen: Ostasienwissenschaften in<br \/> der DDR und in den neuen Bundesl\u00e4ndern, in: Krauth\/Wolz: Wissenschaft<br \/> und Wiedervereinigung &#8211; Asien- und Afrikawissenschaften im Umbruch,<br \/> Berlin: Akademie Verlag, 1998, 269-306.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">DAAD: Spuren in die Zukunft \u2013 Der Deutsche Akademische Austauschdienst 1925-2000, Bonn 2000.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">DAAD: Abenteuer China, Bonn, 2009.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Thomas Kampen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"5\" name=\"5\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Und dann&#8230; Heidelberger Alumni erz\u00e4hlen. <\/span><\/a><\/h2>\n<p class=\"documentDescription\" style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Jedes Jahr verabschiedet das Institut f\u00fcr Sinologie Alumni aus seinen Reihen in die weite Welt.<br \/> SHAN hat sich auf die Suche gemacht, um herauszufinden, was aus einigen von ihnen geworden ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>In dieser Ausgabe erz\u00e4hlt Maximilian Kalkhof, wohin es ihn nach seinem Studium in Heidelberg verschlagen hat.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl ich w\u00e4hrend des Heidelberger<br \/> Bachelors zwecks Praktikum sowie Studium insgesamt anderthalb Jahre in<br \/> Taiwan verbracht hatte, schien es, als h\u00e4tte ich dadurch gerade erst<br \/> richtig Blut geleckt. Mich d\u00fcrstete nach mehr Chinesisch, der geballten<br \/> Ladung, am besten einem chinesischen Fachstudium. Die Entscheidung zur<br \/> Sinologie war keine Kopfgeburt gewesen. Schon meinen Zivildienst hatte<br \/> ich aus reiner Abenteuerlust und ohne einen Brocken Chinesisch im Gep\u00e4ck<br \/> in Taiwan bestritten. So fiel die Wahl auf einen Master in chinesischer<br \/> Literatur an der National Taiwan University.<br \/> Doch da chinesische Literatur an chinesischsprachigen Unis meist<br \/> vormoderne Literatur meint und mein Interesse eher der modernen<br \/> Komparatistik und vergleichenden Kulturwissenschaft galt, war die Wahl<br \/> eher ein Kompromiss als Liebe auf den ersten Blick. Kurz vor Beginn des<br \/> Masters lernte ich auf einem in Heidelberg veranstalteten Symposium dann<br \/> zuf\u00e4llig Studenten und Professoren des Graduate Institute of Taiwan<br \/> Literature kennen. Erstaunt stellte ich fest, da\u00df sich hinter diesem<br \/> irref\u00fchrenden Institutsnamen in etwa das verbarg, was ich mir von einem<br \/> Studium der modernen chinesischen Literatur erhoffte. So wechselte ich<br \/> mir nichts, dir nichts noch im ersten Masterjahr an das Graduate<br \/> Institute of Taiwan Literature. Derzeit befinde ich mich im dritten und<br \/> hoffentlich letzten Masterjahr. Als Fu\u00dfnote soll hier angemerkt sein,<br \/> da\u00df die taiwanischen Masterprogramme mindestens drei Jahre, wenn nicht<br \/> sogar l\u00e4nger dauern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">R\u00fcckblickend stelle ich fest, da\u00df ich<br \/> viele interessante Kurse, aber wahrscheinlich auch ebenso viele f\u00fcr mich<br \/> unsinnige Veranstaltungen, wie zum Beispiel einen<br \/> sprachwissenschaftlichen Kurs \u00fcber den Hokkien-\u00ad-Dialekt, von dem ich<br \/> rein gar nichts verstehe, zu absolvieren hatte. Gr\u00f6\u00dfte Probleme<br \/> bereitete mir zu Beginn des Studiums das Erarbeiten einer<br \/> wissenschaftlich-\u00ad- theoretisch fundierten Arbeitssprache. Diffuse<br \/> westliche Kulturwissenschaftstheorien, \u00fcbersetzt in vages Chinesisch,<br \/> lie\u00dfen mich oft unbefriedigt, unverstanden, ohne Boden unter den F\u00fc\u00dfen<br \/> und irgendwie lost in translation zur\u00fcck. Mittlerweile ist das Ende<br \/> meiner Wanderjahre abzusehen und diesmal habe auch ich \u2013 vorerst? \u2013<br \/> genug. Nach mehreren Praktikumsstationen im Journalismus habe ich<br \/> gegenw\u00e4rtig auch von meinem einstigen Berufswunsch Chinajournalist die<br \/> Nase voll. Falls ich also nicht demn\u00e4chst den Pulitzer-\u00ad-Preis abr\u00e4ume,<br \/> stehen die Chancen gar nicht schlecht, da\u00df ich doch noch promoviere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"6\" name=\"6\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Sprachkolumne: \u840c \uff08m\u00e9ng\uff09- cute \u2013 s\u00fc\u00df, goldig, liebenswert <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;Die urspr\u00fcngliche Bedeutung des Worts \u840c ist \u201eBl\u00fctenknospe\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Hilfe dieser originalen Definition<br \/> von \u840c kann man schon einen Hinweis auf die neue Bedeutung des Worts<br \/> finden. \u201eOtakus\u201c und Fans von Animations in Japan verwenden \u840c f\u00fcr eine<br \/> Art M\u00e4dchen-Figuren, die sie sehr \u201ecute\u201c finden. Das Idealbild dieser<br \/> M\u00e4dchen \u00e4hnelt einer Puppe: gro\u00dfe Augen (ungef\u00e4hr ein F\u00fcnftel des<br \/> Gesichts), eine kleine Nase, aber ein gro\u00dfer Kopf, ein verj\u00fcngtes<br \/> Gesicht, usw.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Zeit hat sich die Liste der<br \/> Gegenst\u00e4nde, die man mit \u840c beschreiben kann, erweitert: manche Objekte,<br \/> Tiere und inzwischen sogar auch M\u00e4nner k\u00f6nnen \u840c sein. Man kann<br \/> dar\u00fcberhinaus sagen, dass der Ausdruck \u840c eine ganze Reihe von Eindr\u00fccken<br \/> und Gef\u00fchlen beschreiben kann, ebenso wie pers\u00f6nliche Eigenschaften<br \/> z.B. Arglosigkeit, Naivit\u00e4t, aber auch Zuneigung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u5356\u840c \uff08m\u00e0i m\u00e9ng\uff09<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Internet verwendet man \u840c meistens in<br \/> der alleinstehenden, ungebundenen Form oder in der Verbindung \u5356\u840c. Mit<br \/> dem Wort \u5356 (verkaufen) wird hier betont, dass jemand versucht sich<br \/> absichtlich als \u840c darzustellen, um die Zuneigung einer anderen Person<br \/> oder einen Gefallen von jemandem zu erhalten oder&nbsp; jemand dazu zu<br \/> bringen einer Bitte nachzukommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> <strong>Beispiele:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[1]. \u8fd9\u53ea\u5c0f\u732b\u597d\u840c\uff01<br \/> Die kleine Katze ist unglaublich s\u00fc\u00df!<\/p>\n<p>[2]. \u522b\u518d\u5356\u840c\u4e86\uff0c\u6211\u4e0d\u4f1a\u7b54\u5e94\u4f60\u7684\u8981\u6c42\u7684\uff01<br \/> Versuch nicht mich mit deiner s\u00fc\u00dfen Schnute zu beeindrucken, ich werde deiner Bitte nicht nachgeben!&nbsp;<\/p>\n<p>[3]. \u5356\u840c\u662f\u5b9d\u5b9d\u7684\u5929\u804c\uff01<br \/> Es ist die Aufgabe von Babys s\u00fc\u00df zu sein.<\/p>\n<p>[4]. \u6211\u5bf9\u8fd9\u4e2a\u5356\u840c\u7684\u4e16\u754c\u7edd\u671b\u4e86\u2026\u2026<br \/> Ich habe meinen Glauben an diese Welt, die nach dem sch\u00f6nen Schein strebt, verloren.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein&nbsp;<\/strong> <strong>\u840c &#8211; Star: Die \u304b\u3054\u732b \uff08\u7bee\u5b50\u732b\uff09\u2014\u2014\u732b\u53d4<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich soll \u732b\u53d4 s chinesischer Name<br \/> \u201e\u7bee\u5b50\u732b\u201c (\u201eKorb-Katze\u201c) sein, man sieht in links im Bild. Seine Fans in<br \/> China aber haben ihm einen sehr \u56e7 Namen (SHAN-<a class=\"internal-link\" href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2011\/shan-newsletter-juli-nr.-54\/56e7-jiong\" title=\"\u56e7 - ji\u01d2ng\">Newsletter Nr. 55<\/a>) gegeben: \u732b\u53d4, \u201eOnkel Katze\u201c. Er ist in Japan geboren, und lebt jetzt in einer gew\u00f6hnlichen Bauernfamilie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In China wird er \u732b\u53d4 genannt, weil er<br \/> tats\u00e4chlich wie ein Onkel ist. Er ist schon neun Jahre alt, das<br \/> entspricht umgerechnet in ein menschliches Alter ungef\u00e4hr 50 Jahren. Er<br \/> ist \u00fcbergewichtig und hat ein zu gro\u00dfes Gesicht. Er schl\u00e4ft gerne in<br \/> einem kleinen Korb und macht seine Augen sehr selten auf. Alle seine<br \/> Eigenschaften entsprechen dem eines alten Onkel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Fotos sieht man ihn oft mit einer<br \/> Sonnenbrille und au\u00dferdem hat er immer etwas auf dem Kopf. Blumen, zum<br \/> Beispiel; aber manchmal auch Auberginen, Kartoffeln, Kohlrabi o.\u00e4.<br \/> H\u00e4ufig sind es unglaubliche Dinge in komischen Formen: wie das Ding auf<br \/> seinem Kopf liegen bleibt und er darunter noch weiter schlafen kann wird<br \/> wohl ein R\u00e4tsel bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Internet sagen seine Fans nun gerne:<br \/> \u201e\u53d4\uff01\u4f60\u6cbb\u6108\u4e86\u6211\uff01(Onkel, du hast mich geheilt!)\u201c Geheilt haben soll er sie<br \/> allein durch sein \u840c-Sein von Stress und \u00dcbel aller Art.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hat \u732b\u53d4 dich auch geheilt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">He Xiangling<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"7\" name=\"7\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Filmrezension \u2013 Still Life (\u4e09\u5cfd\u597d\u4eba) <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser Ausgabe der Filmrezension wird ein Filmjuwel aus dem Jahre 2006 vorgestellt: <em>Still Life<\/em> (\u4e09\u5cfd\u597d\u4eba) von Regisseur Jia Zhangke. <em>Still Life<\/em><br \/> erza\u0308hlt die Geschichte zweier Menschen, Han Sanming und Shen Hong, die<br \/> in die Stadt Fengjie kommen, um ihre Ehepartner wiederzufinden. Han<br \/> Sanming und Shen Hong kommen beide aus der Provinz Shanxi, kennen sich<br \/> jedoch nicht und treffen auch im Film nie aufeinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Han (gespielt von Han Sanming) und Shen<br \/> Hong (gespielt von Zhao Tao) geho\u0308ren eigentlich schon zum regula\u0308ren<br \/> Inventar eines Jia Zhangke Films. Han spielte zuvor in Jias <em>Shijie<\/em> mit und Zhao Tao in bisher jedem Jia Zhangke Film seit <em>Platform<\/em> aus dem Jahre 2000, inklusive der unvergesslichen Rolle der Qiao Qiao in <em>Unkown Pleasures<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In <em>Still Life<\/em> sucht Han seine<br \/> Frau, die vor 16 Jahren von Shanxi nach Fengjie in ihre Heimatstadt<br \/> floh. Vor allem geht es ihm aber auch darum, seine Tochter<br \/> wiederzusehen, die in einem nahegelegenen Ort arbeitet. Shen Hong<br \/> dagegen sucht ihren Ehemann, der in Fengjie arbeitet und sich seit zwei<br \/> Jahren nicht mehr bei ihr gemeldet hat. Diese beiden Geschichten klingen<br \/> beide eher unspektakul\u00e4r, jedoch &#8211; wie der Titel des Films schon<br \/> vermuten la\u0308sst &#8211; hat <em>Still Life<\/em> noch einen dritten<br \/> Hauptdarsteller: den Schauplatz. Hierbei handelt es sich um die Gegend<br \/> oberhalb des Drei-Schluchten-Damms, die vor der geplanten Flutung nach<br \/> und nach ab- und zur\u00fcckgebaut und deren Bewohner umgesiedelt werden.<br \/> Inmitten dieses fast schon surrealen Ortes spielen sich die beiden<br \/> Familiendramen von Shen Hong und Han Sanming ab. Surreal einerseits,<br \/> weil die Kulissen im Minutentakt zu verschwinden scheinen (entweder<br \/> durch Abriss oder Flutung), surreal&nbsp; aber andererseits auch, weil<br \/> Jia Zhangke mit Hilfe von CGI-Effekten einige merkwu\u0308rdige Objekte und<br \/> Szenen trickreich mitten in diese Landschaft hinein platziert, die schon<br \/> so manchen Filmkritker\/in zu wagemutigen Interpretationen derselben<br \/> getrieben haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was <em>Still Life<\/em> aber noch<br \/> au\u00dfergewo\u0308hnlicher macht, ist die Tatsache, dass er, so surreal alles<br \/> erscheinen mag, oft wie ein Dokumentarfilm wirkt. Jia Zhangke versteht<br \/> es, die Landschaft so einzufangen, dass ein einmaliges Zeitdokument des<br \/> Gro\u00dfprojektes Drei-Schluchten-Damm sowie dessen weitreichenden Folgen<br \/> entsteht.<br \/> Letztlich kann <em>Still Life<\/em> als ein kleines Meisterstu\u0308ck des<br \/> Kinos im 21. Jahrhundert bezeichnet werden. Auf den Filmfestspielen von<br \/> Venedig 2006 gewann der Film den Goldenen Lo\u0308wen und erschien auf den<br \/> Top-10 Listen von nicht wenigen Filkritikern gro\u00dfer amerikanischer<br \/> Tageszeitungen. Dies ist zwar nicht immer ein Ma\u00dfstab fu\u0308r die Qualita\u0308t<br \/> eines Films, jedoch kann man sich in diesem Fall einmal auf die Noten<br \/> der Kritiker (inkl. Rotten Tomatoes und Metacritic) verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Johann Platt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INHALT In der Grenz\u00fcberschreitung: Ein Interview mit Uwe Kr\u00e4uter (Teil 2) Im August-Newsletter haben wir den ersten Teil des Interviews mit Uwe Kr\u00e4uter ver\u00f6ffentlicht. 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