{"id":296,"date":"2010-03-01T12:00:00","date_gmt":"2010-03-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/01\/01\/newsletter-maerz-2010-nr-42\/"},"modified":"2026-05-20T18:36:35","modified_gmt":"2026-05-20T17:36:35","slug":"newsletter-maerz-2010-nr-42","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/03\/01\/newsletter-maerz-2010-nr-42\/","title":{"rendered":"Newsletter M\u00e4rz 2010 Nr. 42"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"Inhalt\" name=\"Inhalt\"><span id=\"parent-fieldname-title\">INHALT <\/span><\/a><\/h2>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_Umzuliebenlebenundsterbe\">\n\tUm zu lieben, leben und sterben wir Menschen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tMut zum Risiko bewiesen die Verantwortlichen des Heidelberger Stadttheaters mit der Entscheidung eine japanische Oper in Originalsprache &#8222;nur&#8220; mit deutschem Untertitel zu inszenieren. Das Ergebnis ist eine faszinierende Reise in das Japan des 8. Jahrhunderts und eine bewegend in Szene gesetzte Liebesgeschichte. Standing Ovations und ausverkaufte Vorstellungen bewiesen, dass es sich gelohnt hat als erstes europ\u00e4isches Theater Ai-En in Heidelberg zu inszenieren. Die Oper wurde 2006 am Neuen Nationaltheater in Tokio uraufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#1\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_ChinesinneninDeutschland\">\n\tChinesinnen in Deutschland: Song Qingling, Hu Langqi und Chen Qiying<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tZwischen den beiden Weltkriegen hielten sich zahlreiche Chinesinnen aus verschiedenen Gr\u00fcnden in Deutschland und in den Nachbarl\u00e4ndern auf. Einige studierten, einige arbeiteten, einige unternahmen Vergn\u00fcgungsreisen, manche flohen vor den chinesischen B\u00fcrgerkriegswirren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#2\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_AuslnderinneninChina:Die\">\n\tAusl\u00e4nderinnen in China: Die amerikanische Journalistin Agnes Smedley und ihre chinesischen Freundinnen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tVor sechzig Jahren starb die amerikanische Journalistin Agnes Smedley (1892-1950), die in den zwanziger Jahren in Deutschland und in den drei\u00dfiger Jahren in China gelebt hatte. \u00dcber ihre westlichen Freunde und Kollegen &#8211; wie Egon Erwin Kisch, Edgar Snow und Richard Sorge &#8211; ist viel geschrieben worden, ihre chinesischen Freundinnen sind &#8211; abgesehen von Sun Yatsens Witwe Song Qingling &#8211; dagegen weitgehend unbekannt. Da sie die Biographien einiger mit ihr befreundeter Chinesinnen auch in ihren Reportagen verwendete, ist die Suche nach den tats\u00e4chlichen Personen sehr aufschlussreich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#3\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_ErzhlenSiemal...SusianSt\">\n\tErz\u00e4hlen Sie mal &#8230; Susian St\u00e4hle<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tFast jeder am Institut f\u00fcr Sinologie hat schon einmal einen Kurs bei ihr belegt: Unsere Sprachlehrerin Susian St\u00e4hle. Im SHAN-Interview erz\u00e4hlt sie von ihrem Studium der Germanistik und ihren ersten Jahren in Deutschland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#4\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; zum Interview<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 style=\"text-align: justify;\" id=\"anker_Rezension:XuZechen-ImLau\">\n\tRezension: Xu Zechen &#8211; Im Laufschritt durch Peking<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&#8222;Ich bin raus. Dunhuang wollte es gerade lauthals herausschreien, da erhob sich vor ihm ein Wirbelwind, der eine Wolke aus feinem Sand in seine Nase, seine Augen und seinen Mund trieb [.]&#8220; Mit diesen ersten Zeilen beginnt die mitrei\u00dfende Geschichte des ehemaligen H\u00e4ftlings Dunhuang, die Xu Zechen in seinem Roman &#8222;Im Laufschritt durch Peking&#8220; erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#5\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"1\" name=\"1\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Um zu lieben, leben und sterben wir Menschen<\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong>Mut zum Risiko bewiesen die Verantwortlichen des Heidelberger Stadttheaters mit der Entscheidung eine japanische Oper in Originalsprache \u201enur\u201c mit deutschem Untertitel zu inszenieren. Das Ergebnis ist eine faszinierende Reise in das Japan des 8. Jahrhunderts und eine bewegend in Szene gesetzte Liebesgeschichte. Standing Ovations und ausverkaufte Vorstellungen bewiesen, dass es sich gelohnt hat als erstes europ\u00e4isches Theater Ai-En in Heidelberg zu inszenieren. Die Oper wurde 2006 am Neuen Nationaltheater in Tokio uraufgef\u00fchrt.<\/strong><\/p>\n<p> \tEs ist eine Geschichte \u00fcber die Liebe und den Tod, \u00fcber das Sterben f\u00fcr die Liebe, die Minoru Miki, einer der wichtigsten zeitgen\u00f6ssischen Komponisten Japans, in der Oper \u201eAi-En\u201c erz\u00e4hlt. Er n\u00e4hert sich der Thematik auf verschiedenen Ebenen, beschreibt die Liebe zwischen Mann und Frau, die Liebe zur Heimat, der Familie, den Freunden, der Musik und dem Leben selbst. Die Quintessenz dabei: Im Leben der Menschen dreht sich alles um dieses gro\u00dfe Gef\u00fchl und doch gibt es keine Garantie daf\u00fcr, wirklich gl\u00fccklich zu werden, wenn man es gefunden hat.<\/p>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie sch\u00f6ne Sakurako liebt den jungen Adligen Kiyoko. Aber den Liebenden bleibt nur eine Nacht, da Kiyoko am n\u00e4chsten Morgen als Gesandter nach China reisen muss, um das geheime Musikst\u00fcck Ai-En nach Japan zu bringen. Doch sein Schiff sinkt und in dem Glauben, er w\u00e4re tot, ertr\u00e4nkt sich die schwangere Sakurako. Kiyoko hat jedoch \u00fcberlebt, l\u00e4sst sich von seinem Auftrag nicht abbringen und begibt sich auf die lange Reise zum Chinesischen Kaiserhof. Dort trifft er auf Ryurei, die Zofe der Kaiserin und Sakurakos Zwillingsschwester. Sie geh\u00f6rt zu den wenigen, die Ai-En beherrschen und erkl\u00e4rt sich dazu bereit, sie Kiyoko beizubringen, obwohl darauf die Todesstrafe steht. Der Kaiser m\u00f6chte Kiyoko als seinen Untertan in China behalten und setzt deshalb einen Go-Wettkampf zu seinem Geburtstag an, der Gewinner bekommt Ryurei. Kiyoko wollte seine Teilnahme eigentlich verweigern, doch dann erreicht ihn die Kunde von Sakurakos Tod und er beschlie\u00dft f\u00fcr Ryurei zu gewinnen. Als ihm sein Sieg sicher scheint, verr\u00e4t sein Gegner Mouken, dass Ryurei die Kunst Ai-En zu spielen an Kiyoko weiter gegeben hat, worauf diese Gift schluckt. Aus Liebe folgt Kiyoko ihr in den Tod, auf dass sie in der Ewigkeit vereint sein m\u00f6gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tNelly Danker, eine junge Regisseurin deutsch-japanischer Herkunft,&nbsp; greift bei ihrer Inszenierung immer wieder auf metaphorische Stilmittel zur\u00fcck, um dem Publikum die besondere Tiefe der Story n\u00e4her zu bringen. So symbolisieren, zum Beispiel, Kinderschauspieler die Vergangenheit der Hauptcharaktere. Mit Hilfe des B\u00fchnen- und Kost\u00fcmbildners Andreas Auerbach gelingt es ihr, die Zuschauer in eine faszinierende asiatische Gartenlandschaft zu entf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie Hauptdarsteller sind sehr \u00fcberzeugend: Der Koreaner Byoung Nam Hwang stellt als Kiyoko authentisch die Zerrissenheit zwischen seiner alten und neuen Liebe sowie den unbeugsamen Willen, trotz aller Hindernisse nicht aufzugeben, dar. Seine Partnerin Hye-Sung Na bewegt in ihrer Doppelrolle als Sakurako und Ryurei. Herausragend ist die Darstellung der Ryurei, die sich, traurig und vom Leben entt\u00e4uscht, doch der Liebe \u00f6ffnet und sich am Ende selbstlos opfert. Auch die Nebendarsteller, fast nur Deutsche, begeistern das Publikum, indem sie die Gef\u00fchle trotz Sprachbarriere ber\u00fchrend darstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tKritisiert wurde in einigen Medienberichten der Hang zum \u201e\u00fcberdrehten B\u00fchnenspiel\u201c, \u201eunn\u00f6tige Spielelemente\u201c und die Dauer von dreieinhalb Stunden. Doch in einem Aspekt waren sich die Kritiker einig: Der besondere H\u00f6hepunkt ist das Solo der Pipa-Spielerin Yang Jing. Ihr Spiel harmonisiert aufs Feinste mit dem Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Dieter Holm. Gemeinsam gelingt ihnen ein Br\u00fcckenschlag zwischen westlichem Orchesterklang und fern\u00f6stlicher Musiziertradition. Die einf\u00fchlsame Komposition, gepaart mit der tragischen Handlung macht Ai-En zu einem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Opernerlebnis, dessen Hauptaussage ber\u00fchrt. Denn, wie die Darsteller am Ende singen, \u201eum zu lieben, leben und sterben wir Menschen\u201d.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tKatja Modis, Viktoria D\u00fcmer<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tFotos: Markus Kaesler<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\thttp:\/\/www.markuskaesler.de\/<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"2\" name=\"2\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Chinesinnen in Deutschland: Song Qingling, Hu Lanqi und Cheng Qiying <\/span><\/a><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tZwischen den beiden Weltkriegen hielten sich zahlreiche Chinesinnen aus verschiedenen Gr\u00fcnden in Deutschland und in den Nachbarl\u00e4ndern auf. Einige studierten, einige arbeiteten, einige unternahmen Vergn\u00fcgungsreisen, manche flohen vor den chinesischen B\u00fcrgerkriegswirren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tZur letzten Gruppe geh\u00f6rte Song Qingling (1893-1981), die Witwe des KMT-Gr\u00fcnders Sun Yatsen (1866-1925). Als im Sommer 1927 die Einheitsfront von Kuomintang (KMT) und KP Chinas auseinanderbrach, wurden viele Kommunisten get\u00f6tet, manchen KMT- und KP-Mitgliedern gelang die Flucht ins Ausland. Song Qingling besa\u00df schon vorher viel Auslandserfahrung und sprach flie\u00dfend Englisch; sie war mit ihren Schwestern Song Ailing (1888-1973) und Song Meiling (1897-2003) in den Vereinigten Staaten zur Schule gegangen. Daher war sie auch bei ihrer Ankunft in Moskau (1927) und Berlin (1928) in einer besseren Lage als viele andere chinesische Fl\u00fcchtlinge. In Deutschland lernte sie viele Intellektuelle und Politiker kennen, darunter den KPD-Funktion\u00e4r und Publizisten Willi M\u00fcnzenberg. W\u00e4hrend ihres Deutschlandaufenthalts besuchte sie Ende 1928 auch Heidelberg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tZu den prominenten Fl\u00fcchtlingen geh\u00f6rte auch He Xiangning (1878-1972), die Witwe des 1925 ermordeten KMT-Politikers Liao Zhongkai. Sie lebte Ende der zwanziger Jahre mit ihrem Sohn Liao Chengzhi (1908-1983) und ihrer Tochter Liao Mengxing (1904-1988) in Deutschland. Mutter und Tochter wohnten in Berlin, der Sohn war meist in Hamburg, wo er mit chinesischen Seeleuten Kontakt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t1929 traf auch die aus Chengdu in der Provinz Sichuan stammende Hu Lanqi (1901-1994) in Europa ein, ab 1930 lebte sie in Berlin. Ihr Vater war schon an der Revolution von 1911 beteiligt gewesen, sie selbst ging in den fr\u00fchen zwanziger Jahren zu den Kommunisten und lernte damals den sp\u00e4teren chinesischen Au\u00dfenminister Chen Yi kennen. In Berlin war sie unter anderem mit der Schriftstellerin und Sinologin Anna Seghers befreundet. Hu wurde 1933 von den Nazis verhaftet und dann ausgewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tIn Deutschland lernte Hu Lanqi auch Cheng Qiying kennen, die den ebenfalls aus Sichuan stammenden Xie Weijin (1900-1978) geheiratet hatte. 1925 wurde der Sohn Han Sen in Berlin geboren, doch kurz darauf verlie\u00df Cheng Qiying die beiden M\u00e4nner und kehrte nach China zur\u00fcck. In den drei\u00dfiger Jahren flohen Mann und Sohn vor den Nazis in die Schweiz, sp\u00e4ter nahm Xie Weijin am Spanischen B\u00fcrgerkrieg teil. Cheng Qiying kehrte zwar noch einmal nach Deutschland zur\u00fcck, vermied aber den Kontakt mit ihrer Familie; sie starb in China in der Kulturrevolution. Der Sohn Han Sen f\u00fchlte sich als \u201cBerliner\u201d in China nicht wohl und bem\u00fchte sich um die R\u00fcckkehr nach Europa, was aber sehr schwierig war; er lebte lange in der Ukraine und konnte erst nach zahlreichen Visa-Antr\u00e4gen in seine Geburtsstadt zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tBis 1934 hatten alle erw\u00e4hnten Chinesinnen Deutschland verlassen. Hu Lanqi hatte in Paris noch mit Anna Seghers Kontakt und traf sie sp\u00e4ter noch einmal in China. Song Qingling lernte in den folgenden Jahrzehnten in China mehrere deutsche Frauen kennen, darunter Anna Wang, Eva Siao und Ruth Werner.<\/p>\n<p> \tLiteratur:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tHu Lanqi: Hu Lanqi huiyilu, Chengdu, 1985.<br \/> \tL\u00fc Mingzhuo: Song Qingling zhuan, Shanghai, 1988.<br \/> \tLiu Jiaquan: Song Qingling liuwang haiwai suiyue, Beijing, 1994.<br \/> \tHan Sen: Ein Chinese mit dem Kontrabass, M\u00fcnchen, 2001.<br \/> \tThomas Kampen: \u201cAnna Seghers und Hu Lanqi \u2013 Die geheimnisvolle Freundschaft zweier junger<br \/> \tKommunistinnen\u201d, Das neue China, M\u00e4rz 2001, 31-33.<br \/> \tThomas Kampen: \u201cSolidarit\u00e4t und Propaganda: Willi M\u00fcnzenberg, die Internationale<br \/> \tArbeiterhilfe und China\u201d, Zeitschrift f\u00fcr Weltgeschichte, Jahrgang 5 Heft 2 (Herbst<br \/> \t2004), 99-105.<br \/> \tThomas Kampen: Von Sichuan nach Deutschland und Spanien: Xie Weijin (1900-1978), SHAN<br \/> \tNewsletter, Juli 2008, (http:\/\/www.sino.uni-heidelberg.de\/alumni\/newsletter\/08-06\/xie.html )<br \/> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDr. Thomas Kampen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tQuellen verwendeter Fotografien:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tSong Meiling 1911 &#8211; Foto: www.cspecial.de<br \/> \tHu Lanqi, Foto: www.chinalzs.com<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"3\" name=\"3\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Ausl\u00e4nderinnen in China: Die amerikanische Journalistin Agnes Smedley und ihre chinesischen Freundinnen <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tVor sechzig Jahren starb die amerikanische Journalistin Agnes Smedley (1892-1950), die in den zwanziger Jahren in Deutschland und in den drei\u00dfiger Jahren in China gelebt hatte. \u00dcber ihre westlichen Freunde und Kollegen \u2013 wie Egon Erwin Kisch,&nbsp; Edgar Snow und Richard Sorge \u2013 ist viel geschrieben worden (http:\/\/www.sino.uni-heidelberg.de\/alumni\/newsletter\/08-05\/kisch.html ), ihre chinesischen Freundinnen sind \u2013 abgesehen von Sun Yatsens Witwe Song Qingling \u2013 dagegen weitgehend unbekannt. Da sie die Biographien einiger mit ihr befreundeter Chinesinnen auch in ihren Reportagen verwendete, ist die Suche nach den tats\u00e4chlichen Personen sehr aufschlussreich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tWegen fehlender Chinesischkenntnisse pflegte Agnes Smedley vor allem Kontakte mit Chines(inn)en, die Englisch oder Deutsch sprachen. Hierzu geh\u00f6rte zum Beispiel Hu Lanqi, die wie Smedley einige Jahre in Berlin gelebt hatte und mit Song Qingling, dem Milit\u00e4rf\u00fchrer Chen Yi (sp\u00e4terer Au\u00dfenminister) und dem Schriftsteller Mao Dun befreundet war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tAls Agnes Smedley den Schriftsteller Lu Xun traf, wurde sie von Cai Yongshang und ihrem Mann begleitet, die beide gut Englisch sprachen und Romane \u00fcbersetzten. Cai hatte ihre Sprachkenntnisse beim Medizinstudium erworben, aber nicht als \u00c4rztin gearbeitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tEine weitere Bekannte war Huang Junjue, die an der Shanghaier Fudan Universit\u00e4t studiert hatte, und als Journalistin und Agentin arbeitete. Ihr Bruder hatte in Deutschland studiert und kannte einige Kommunisten und KMT-Politiker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tSmedley traf au\u00dferdem Zhang Yiping, die im B\u00fcro des sowjetischen Agenten Richard Sorge arbeitete. Zhangs erster Mann war ein Kommunist, der kurz zuvor von der KMT hingerichtet worden war. Sie selbst lebte \u2013 zur Tarnung \u2013 mit einem anderen Chinesen zusammen, der vorher in Deutschland studiert hatte und mit einer Deutschen verheiratet war; diese Frau war auch mit Smedley und mit der deutschen Agentin Ruth Werner befreundet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDa die amerikanische Journalistin die Lebensl\u00e4ufe ihrer kommunistischen Freundinnen nicht direkt verwenden konnte, vermischte sie die Biographien und \u00e4nderte die Namen und Heimatprovinzen. So entstanden die Geschichten Shan-Fei, Communist (D: Schan Fei) und The Dedicated (Die Ergebenen), die schon 1933 in dem Band Chinese Destinies (China blutet) enthalten waren. Da Smedley die Biographien schon bald nach ihrer Bekanntschaft mit den jungen Kommunistinnen schrieb, wurden vor allem deren Kindheit und Jugend dargestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tUngew\u00f6hnlich und tragisch war auch das Schicksal von Wang Ying, die in den drei\u00dfiger Jahren in Shanghai als Schauspielerin und Agentin t\u00e4tig war und dabei andere linke Schauspielerinnen wie Jiang Qing kennen lernte. Sie ging in den vierziger Jahren in die USA und half dort Agnes Smedley bei der Arbeit an ihrem letzten Buch The Great Road, der Biographie des Generals Zhu De, das erst nach Smedleys Tod erschien. Wang Ying kehrte 1955 nach China zur\u00fcck und starb in der Kulturrevolution.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tVon den erw\u00e4hnten Chinesinnen starben Cai Yongshang und Huang Junjue schon in den vierziger Jahren, die eine in Hongkong, die andere bei einem japanischen Angriff in Nordchina. Hu Lanqi und Song Qingling erlebten die ersten Jahrzehnte der Volksrepublik, Hu als weitgehend unbekannte \u00dcbersetzerin, Song als die prominente Witwe von Sun Yatsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tAm l\u00e4ngsten lebte Zhang Yiping, die eigentlich Zhang Wenqiu hie\u00df und die ungew\u00f6hnlichste Familie hatte: Ihre beiden T\u00f6chter heirateten die beiden S\u00f6hne Mao Zedongs (Mao Anying und Anqing). Zhang Wenqiu starb \u2013 fast hundertj\u00e4hrig \u2013 im Jahre 2002.<\/p>\n<p> \t\tLiteratur:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tAgnes Smedley: Chinese Destinies, New York, 1933.<br \/> \t\tAgnes Smedley: China blutet, Moskau, 1936.<br \/> \t\tAgnes Smedley: The Great Road, New York, 1956.<br \/> \t\tAgnes Smedley: Der grosse Weg, Berlin, 1958.<br \/> \t\tJanice und Stephen MacKinnon: Agnes Smedley, Z\u00fcrich, 1989.<br \/> \t\tRuth Price: The Lives of Agnes Smedley, New York, 2005.<br \/> \t\tThomas Kampen: Es bl\u00fche die Weltrevolution: Ruth Werner, Meisterspionin und Erfolgsautorin, ist gestorben, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Juli 2000.<br \/> \t\tThomas Kampen: Komplizierte Familienverh\u00e4ltnisse: Mao Zedongs S\u00f6hne, Schwiegert\u00f6chter und die geheimnisvolle Schw\u00e4gerin, in SHAN Newsletter, Juli 2008 ( http:\/\/www.sino.uni-heidelberg.de\/alumni\/newsletter\/08-07\/maoshao.html ).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDr. Thomas Kampen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tQuelle verwendeter Fotografien:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tPortrait A. Smedley &#8211; www.asu.edu<br \/> \t\tGruppenfoto &#8211; www.asu.edu<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"4\" name=\"4\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Erz\u00e4hlen Sie mal &#8230; Susian St\u00e4hle <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<em>Susian St\u00e4hle lebt seit 1970 in Deutschland und unterrichtet seit 1987 am Sinologischen Seminar beziehungsweise dem 2006 umbenannten Institut f\u00fcr Sinologie. Die meisten kennen sie aus dem Prop\u00e4deutikum oder ihren Sprachkursen \u00fcber Texte aus der VR China, Wirtschaftskommunikation und vieles mehr. Im Interview erz\u00e4hlt Frau St\u00e4hle, wie sie nach Deutschland gekommen ist und welche Erfahrungen sie im damals noch fremden Land gemacht hat.<\/em><\/p>\n<p> \t\t<strong>SHAN: Frau St\u00e4hle, Sie haben zuerst Deutsch in Taiwan studiert.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tSusian St\u00e4hle: Ich habe vier Jahre Germanistik in Taiwan studiert, aber wir haben wenig deutsche Literatur gelesen. Ich kannte nur klassische Werke, zum Beispiel von Goethe und Schiller. Erst als ich in Deutschland Germanistik studierte, kam ich mit moderner Literatur in Ber\u00fchrung.<\/p>\n<p> \t\t<strong>Wieso haben Sie sich die deutsche Sprache ausgesucht?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDas ist eine lange Geschichte. Ich kannte Heidelberg schon zu meiner Schulzeit durch den Film \u201eXuesheng Wangzi \u2013 The Student Prince\u201c, eine Verfilmung der amerikanischen Operette von Sigmund Romberg. Was mein Interesse an Deutschland geweckt hat, war die Architektur in den deutschen Filmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIm Jahr 1965 fing ich an Germanistik zu studieren. Im zweiten Studienjahr gab es einen \u201eyanjiang bisai\u201c, einen Vortragswettbewerb. Den Wettbewerb habe ich gl\u00fccklicherweise mit dem ersten Preis gewonnen und bekam als Preis einen dicken Bildband \u00fcber Deutschland. Darin waren sch\u00f6ne Aufnahmen von H\u00e4usern, D\u00f6rfern und St\u00e4dten. Da sagte ich schon: \u201eDort will ich unbedingt hin\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tNach dem Studium habe ich ein Jahr als Assistentin bei Professor Xiao gearbeitet. Der Professor fragte mich: \u201eWollen Sie denn nicht mal nach Deutschland zum Studium?\u201c Und ich sagte: \u201eNat\u00fcrlich! Aber ich kann das nicht selbst finanzieren.\u201c Vor 30 Jahren war das ja noch sehr teuer. Er riet mir ins Deguo Wenhua Zhongxin \u2013 das Deutsche Kulturzentrum zu gehen und mich bei dem Direktor nach einem Stipendium zu erkundigen. Ich ging hin, sprach mit dem Direktor, machte eine Pr\u00fcfung und bestand. Dann konnte ich mit einem DAAD-Stipendium 1970 zum Studium nach Deutschland kommen. So ging ich nach M\u00fcnchen und studierte ein Semester Germanistik und Sinologie. Einmal kam ein Referent vom DAAD und erkundigte sich, wie das Studium in M\u00fcnchen verlief. Ich sagte, dass es eine gro\u00dfe Universit\u00e4t sei. Au\u00dferdem habe ich keinen Kontakt zu den anderen ausl\u00e4ndischen Studenten. Er schlug mir vor, nach Heidelberg zu gehen, weil es kleiner und gem\u00fctlicher sei, und dort k\u00f6nnte ich mit anderen ausl\u00e4ndischen Studenten studieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDann war ich f\u00fcr f\u00fcnf Semester in Heidelberg im IDF (Seminar f\u00fcr Deutsch als Fremdsprachenphilologie). Dort machte ich eine Sprachdiplompr\u00fcfung und wechselte zum Germanistischen Seminar. Insgesamt habe ich f\u00fcnf Jahre in Heidelberg studiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Wie war das damals mit der Internationalit\u00e4t in Heidelberg?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tVor 30 Jahren gab es nicht so viele ausl\u00e4ndische Studenten. Aber innerhalb des IDF waren die meisten Studenten Ausl\u00e4nder. Im Germanistischen Seminar waren wenige ausl\u00e4ndische Studenten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tHeutzutage gibt es sehr viele internationale Studenten, und die Angeh\u00f6rigen einer Nationalit\u00e4t haben vermehrt Kontakt untereinander. Dadurch haben sie oft Schwierigkeiten, sich der hiesigen Kultur anzun\u00e4hern. Ich nehme an, Sie hatten diese Probleme damals nicht. Sie waren ja gezwungen, ihren Freundeskreis auf Deutsche auszurichten, oder?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIch glaube, heute ist es einfacher, Kontakte zu kn\u00fcpfen, denn das Interesse, Kontakte zu kn\u00fcpfen, ist gr\u00f6\u00dfer und manchmal notwendig, gerade f\u00fcr die Leute, die Fremdsprachen studieren. Damals waren die deutschen Studenten meist unter sich, Tandempartner waren auch unbekannt. In M\u00fcnchen sa\u00df ich einmal in einem Seminarraum, umgeben von 20 deutschen Studenten, keiner hat mit den anderen gesprochen. Ich war diejenige, die aktiv sein musste, ich habe die Leute angesprochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tAuch nach 20 Jahren habe ich von den Erasmus -Austauschstudenten, die \u00e4hnliche Erfahrung hatten, die&nbsp; Frage gestellt bekommen: \u201eFrau St\u00e4hle, wie k\u00f6nnen sie das denn hier so lange aushalten?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Haben Sie eine besondere Erinnerung aus Ihren Heidelberger Studienzeiten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tEine nette Geschichte ist, wie ich meine Schwiegereltern in Heidelberg kennenlernte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIch war erk\u00e4ltet und ging zu einem Hausarzt, der ganz in der N\u00e4he der IDF seine Praxis hatte. Nach der Behandlung hat er mich ausgefragt. Er sammelte Asiatika, Skulpturen und anderes, und fragte mich zu Datierungen seiner Sammelst\u00fccken. Dadurch, dass mein Onkel auch Sammler war und mir immer erz\u00e4hlt hatte, wie man eine Antiquit\u00e4t einsch\u00e4tzt und die Echtheit pr\u00fcft, konnte ich die St\u00fccke aus&nbsp; der Sammlung tats\u00e4chlich ungef\u00e4hr datieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDabei habe ich meine Schwiegereltern kennengelernt. Sie waren mit dem Arzt befreundet.<\/p>\n<p> \t\t<strong>War Ihr Mann der ausschlaggebende Grund, dass Sie dann in Deutschland bleiben wollten?<\/strong><\/p>\n<div style=\"text-align: center;\">\n<div style=\"text-align: justify;\">\n\t\t\tJa, schon, ich wollte urspr\u00fcnglich zur\u00fcck nach Taiwan. Die<br \/>\nUniversit\u00e4t in Taipei hatte mir eine Stelle als Assistenzprofessorin<br \/>\nangeboten. Durch die Beziehung zu meinem sp\u00e4teren Mann bin ich in<br \/>\nDeutschland geblieben.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\t&nbsp;<\/p>\n<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p> \t\t<strong>Sie haben zwei Kinder. Ich vermute, dass sich ihre Kinder mehr der deutschen Kultur zugeh\u00f6rig f\u00fchlen. Aber haben sie sich auch f\u00fcr Taiwan interessiert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tSelbstverst\u00e4ndlich interessierten sie sich f\u00fcr Taiwan, zumal weil wir Verwandten dort haben&nbsp; und hin und wieder dorthin reisen. Nach dem Abitur haben sie dort Sprachkurse besucht. Mein Sohn hat w\u00e4hrend des Studiums einige Monate bei der Deutschen Wirtschaftsvertretung in Taipei ein Praktikum absolviert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Wieso unterrichteten Sie zuerst in Darmstadt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tMein Mann hat in Darmstadt studiert. Nach dem Studienabschluss war er an der TH Darmstadt als Assistent t\u00e4tig. Wir haben geheiratet. Er bat mich nach Darmstadt zu ziehen. Ich schrieb mich an der TH Darmstadt ein. Dort habe ich angefangen, Chinesisch an der TH Darmstadt und sp\u00e4ter auch an der VHS zu unterrichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Die Sinologie in Heidelberg war noch winzig und machte eher einen privaten Eindruck, richtig?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tJa, das Institut war zu meiner Studentenzeit noch am Ende der Hauptstra\u00dfe, kurz vor dem Karlstor. Professor Debon war Institutsleiter. Es gab wenige Studenten, es war alles sehr pers\u00f6nlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>M\u00fcssen die Studenten heute mehr leisten als die Studenten damals?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tKlar, aber die damaligen Studenten wussten, was sie wollten und machen mussten. Heutzutage ist das nach der Studienreform mehr mit Zwang verbunden, es ist alles anders. Man wird gef\u00fcttert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Demnach hat sich wohl auch der Unterrichtsstil an die Zeit angepasst. Gibt es in Ihrer langen Geschichte als Dozentin einen Kurs, von dem Sie sagen, dass er Ihnen besonderen Spa\u00df gemacht hat?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tEs gibt viele Kurse, die mir Spa\u00df gemacht haben. Fr\u00fcher hatte ich viele Fortbildungskurse f\u00fcr den Sprachunterricht besucht und neue Methoden ausprobiert, zum Beispiel die Superlearning Methode habe ich oft im Ting Shuo Du Xie Unterricht angewandt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tAber wenn man die ganze Periode betrachtet f\u00e4llt mir auf: Bevor das Prop\u00e4deutikum eingef\u00fchrt wurde, waren die Gruppen klein, jede Gruppe hatte ca. 15 Studenten,&nbsp; jede Gruppe bekam eine feste Lehrkraft f\u00fcr zwei Jahre, und es gab einen intensiven Austausch zwischen Lehrern und Studenten. Die Gruppendynamik war damals anders. Einige Studenten halten auch heute noch E-Mail Kontakt zu mir. Ich glaube, dass alle Lehrer sagen w\u00fcrden, dass die erste Klasse, die man unterrichtet, einem am tiefsten in Erinnerung bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Sie sind Dozentin und arbeiten auch mit \u00dcbersetzungen. Vor ein paar Jahren haben sie ein Lehrbuch mit VR-Texten zusammengestellt. Was f\u00fcr Projekte stehen bevor?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIch schreibe an einem W\u00f6rterbuch, mit Beispiels\u00e4tzen in Pinyin-Angabe. 300 Seiten sind fertig, katalogisiert nach Fachgebieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Welchen Tipp geben Sie Studienanf\u00e4ngern, sich die Zeichen leichter einzupr\u00e4gen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tChinesische Schriftzeichen zu erkennen, zu lesen und wiederzugeben erfordert Geduld und Zeit. 90 Prozent der Zeichen kann man sich nur mit wiederholtem Schreiben einpr\u00e4gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Es gibt also immer noch keinen Trick, schneller zu lernen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIch kenne keinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t<strong>Herzlichen Dank Frau St\u00e4hle! Es war mir ein Vergn\u00fcgen!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tSusian St\u00e4hles Lebenslauf findet sich auch auf der Seite unseres Insitutes: http:\/\/sun.sino.uni-heidelberg.de\/staff\/staehle\/<br \/> \t\t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDas Interview f\u00fcr SHAN f\u00fchrte Kristina Bodrozic-Brnic.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"5\" name=\"5\"><span id=\"parent-fieldname-title\">Rezension: Xu Zechen \u2013 Im Laufschritt durch Peking <\/span><\/a><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\u201eIch bin raus. Dunhuang wollte es gerade lauthals heraus schreien, da erhob sich vor ihm ein Wirbelwind, der eine Wolke aus feinem Sand in seine Nase, seine Augen und seinen Mund trieb [\u2026]\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tMit diesen ersten Zeilen beginnt die Geschichte von Dunhuang und sein Umherwandern durch die Stra\u00dfen Pekings, als er unmittelbar nach seiner Freilassung aus dem Gef\u00e4ngnis in einen gewaltigen Sandsturm ger\u00e4t, der jeden Winkel der Hauptstadt erfasst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tSo wird eine Szenerie geschaffen, in der nur noch wenige, verlorene Menschen durch die Pekinger Stra\u00dfen irren. Dunhuang begegnet so Xiaorong, die unterwegs ist, um durch den Verkauf von DVD-Raubkopien ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Ihr gr\u00f6\u00dfter Wunsch besteht darin, endlich in ihre Heimat&nbsp; zur\u00fcck zu kehren und dort eine Familie zu gr\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIn ihr findet der zu Anfang skeptische Dunhuang eine Gef\u00e4hrtin und Partnerin, mit der er in den anschlie\u00dfenden Wochen gemeinsam durch den Stadtteil Zhongguancun streicht und DVDs an den Mann bringt. Mit der Zeit \u00fcbernimmt Dunhuang den Verkauf von pornographischen Filmen, um so Geld anzuh\u00e4ufen und seinen Freund Baoding aus dem Gef\u00e4ngnis frei zukaufen. Xiaorong erwirbt diese Filme zwar, sch\u00e4mt sich jedoch vor deren Weiterverkauf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie gemeinsame Zeit der beiden und ihre Beziehung, die zwischen Zweckverbindung und aufkeimender Liebe hin und her schwankt \u2013 Xiaorong wurde gerade von ihrem langj\u00e4hrigen Freund verlassen, Dunhuang ist frisch aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen, all seine Bezugspersonen sind noch hinter Gittern -, endet abrupt mit der R\u00fcckkehr von Xiaorongs Ex-Freund Shan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tVon nun an widmet sich Dunhuang ganz dem Verkauf seiner pornographischen Raubkopien und der Suche nach Qibao, Baodings Freundin. Nachdem er \u00fcber viele Umwege, in denen er immer wieder auch auf Xiaorong und Shan trifft, Qibao findet, beginnt er beinahe \u00fcbergangslos eine chaotische und exzessive Beziehung mit ihr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tMit sehr knappen, oftmals schroffen Ausdr\u00fccken und S\u00e4tzen, schildert Xu Zechen das Leben auf den Stra\u00dfen Pekings, indem er sich ganz der Perspektive derer widmet, die am Rande der Gesellschaft stehen und illegal ihren Lebensunterhalt bestreiten. Diese Menschen sind getrieben von einer st\u00e4ndigen Unruhe und Rastlosigkeit, die sich auch im Schreibstil des Autors \u00e4u\u00dfert. Nichts wird besch\u00f6nigt, verschn\u00f6rkelt oder umschrieben. Die unbarmherzige Betonung der Gegens\u00e4tze steht im Vordergrund der Darstellung und l\u00e4sst die Hauptcharaktere des Romans letztendlich allein auf den Stra\u00dfen zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tAuch wenn die einzelnen Charaktere in diesem Kurzroman nur angedeutet und wenig vielschichtig dargestellt werden und die Schilderungen des Autors mehr wie ein Fragment als ein abgerundeter Text wirken, beeintr\u00e4chtigt dies keineswegs das Verst\u00e4ndnis der Darstellung. In den Kulissen einer Stadt, in einem Viertel, das st\u00e4ndig in Bewegung bleibt, wo nichts still steht und bleibt wie es ist, wirkt Xu Zechens Kurzroman wie ein Abriss, ein Ausschnitt aus den unruhigen Leben derer, die nicht wissen wohin, st\u00e4ndig umherirren, niemals f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit an einem Ort verweilen: Die einen mit dem sehnlichen Wunsch nach Best\u00e4ndigkeit und Stabilit\u00e4t, die anderen ohne Hoffnung, f\u00fcr die ein Leben in gefestigten Verh\u00e4ltnissen nicht einmal in ihren Tr\u00e4umen zu existieren scheint. Oder doch?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie Tatsache, dass auf den letzten Seiten ziemlich viel Information in sehr wenig Text gedr\u00e4ngt wird, wirkt zwar ein wenig \u00fcberladen, hat jedoch auch einen enormen Effekt auf den Leser: Nachdem Xu Zechen den Leser anfangs mitten in das Geschehen, hinein in den Sandsturm geworfen hat, der das Chaos und die Verlorenheit der Hauptperson widerspiegelt, rei\u00dft er ihn schlie\u00dflich ebenso abrupt wieder aus der Handlung heraus. Der Eindruck einer tickenden Zeitbombe, von der sicher ist, dass sie irgendwann losgehen wird, nur keiner wei\u00df, wann genau, besteht von Anfang an und wird mit dem Verlauf der Handlung immer dringlicher und pr\u00e4senter, bis sie am Schluss explodiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tEs handelt sich \u2013 trotz einiger Ungereimtheiten und vielleicht sogar gewollter Oberfl\u00e4chlichkeiten \u2013 um einen durchaus interessanten Kurzroman, der eine gewisse Rastlosigkeit auf den Leser \u00fcbertr\u00e4gt und Wort w\u00f6rtlich in einem Atemzug gelesen werden sollte!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t&nbsp;<\/p>\n<address style=\"text-align: justify;\">\n\t\tXu Zechen (2009): Im Laufschritt durch Peking (dt. \u00dcbersetzung: Marc Hermann)<\/address>\n<address style=\"text-align: justify;\">\n\t\tISBN: 3833305991<\/address>\n<address style=\"text-align: justify;\">\n\t\tOriginaltitel: Paobu chuanguo Zhongguancun \u8dd1\u6b65\u7a7f\u8fc7\u4e2d\u5173\u6751<\/address>\n<address style=\"text-align: justify;\">\n\t\tBvT, Berlin<br \/>\n\t\t&nbsp;<\/address>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tNadja Becker<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INHALT Um zu lieben, leben und sterben wir Menschen Mut zum Risiko bewiesen die Verantwortlichen des Heidelberger Stadttheaters mit der Entscheidung eine japanische Oper in Originalsprache &#8222;nur&#8220; mit deutschem Untertitel [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_EventAllDay":false,"_EventTimezone":"","_EventStartDate":"","_EventEndDate":"","_EventStartDateUTC":"","_EventEndDateUTC":"","_EventShowMap":false,"_EventShowMapLink":false,"_EventURL":"","_EventCost":"","_EventCostDescription":"","_EventCurrencySymbol":"","_EventCurrencyCode":"","_EventCurrencyPosition":"","_EventDateTimeSeparator":"","_EventTimeRangeSeparator":"","_EventOrganizerID":[],"_EventVenueID":[],"_OrganizerEmail":"","_OrganizerPhone":"","_OrganizerWebsite":"","_VenueAddress":"","_VenueCity":"","_VenueCountry":"","_VenueProvince":"","_VenueState":"","_VenueZip":"","_VenuePhone":"","_VenueURL":"","_VenueStateProvince":"","_VenueLat":"","_VenueLng":"","_VenueShowMap":false,"_VenueShowMapLink":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-296","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-newsletter"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.6 - 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