{"id":329,"date":"2013-04-01T12:00:00","date_gmt":"2013-04-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2013\/04\/01\/newsletter-april-2013-nr-69\/"},"modified":"2026-05-20T18:35:37","modified_gmt":"2026-05-20T17:35:37","slug":"newsletter-april-2013-nr-69","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2013\/04\/01\/newsletter-april-2013-nr-69\/","title":{"rendered":"Newsletter April 2013 Nr. 69"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: justify;\">\n\t<a id=\"Inhalt\" name=\"Inhalt\">INHALT<\/a><\/h3>\n<h3 id=\"anker_KrisenmanagementinChina\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span class=\"special\"><span dir=\"ltr\">Krisenmanagement in China<\/span><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tWas sind &#8222;Gl\u00fcckseligkeitspartikel mit chinesischen Charakteristika&#8220;?<br \/> Wie wird Life of Pi zu Life of Pig? Solche Ausw\u00fcchse aktueller Krisen in<br \/> China werden in einem Kurs an der Tsinghua besprochen. Doch zuvor wird<br \/> noch Meditationsmusik gespielt&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#1\"><strong><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_Restaurantkritik:HotPotH\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span class=\"special\"><span dir=\"ltr\">Restaurantkritik: Hot Pot House<\/span><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<span class=\"apple-style-span\">Bereits Ende letzten Jahres feierte das<br \/> einzige Hot Pot Restaurant in Heidelberg Neuer\u00f6ffnung. Grund genug f\u00fcr<br \/> unser PR-Team, es einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong><a href=\"#2\"><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_DreiVerhaftungenimJahre1\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span class=\"special\"><span dir=\"ltr\">Drei Verhaftungen im Jahre 1933: Hu Lanqi, Egon Erwin Kisch und K. A. Wittfogel<\/span><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDr. Thomas Kampen berichtet \u00fcber die Inhaftierungen der chinesischen<br \/> Studentin, des tschechischen Journalisten und des deutschen Sinologen<br \/> infolge der Reichstagsbrandverordnung von 1933.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong><a href=\"#3\"><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_Sprachkolumneeinmalander\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span class=\"special\"><span dir=\"ltr\">Sprachkolumne einmal anders<\/span><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tBegeben sie sich mit Fabian L\u00fcbke auf die Suche nach Schriftzeichen in den Bildern der Shanghaier Studentin Zhu Rencen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong><a href=\"#4\"><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_Rezension:TheHermitofBei\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span class=\"special\"><span dir=\"ltr\">Rezension: The Hermit of Beijing<\/span><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&#8222;The Hermit of Beijing&#8220; ist die Biographie eines geheimnisumwobenen,<br \/> gewieften F\u00e4lschers &#8211; eines englischen Barons, der sich w\u00e4hrend und nach<br \/> des Boxeraufstandes in China umtrieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong><a href=\"#5\"><span class=\"internal-link\">&gt;&gt;<\/span><span class=\"internal-link\"> Zum Artikel<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h3 id=\"anker_Seminar:China-Chanceoder\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span class=\"special\"><span dir=\"ltr\">Seminar: &#8222;China &#8211; Chance oder Risiko f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt&#8220; &#8211; SHAN in Berlin<\/span><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tSHAN berichtet von dem durch die Europ\u00e4ische Akademie Berlin<br \/> veranstalteten Seminar: \u201eChina-Chance oder Risiko f\u00fcr den europ\u00e4ischen<br \/> Markt\u201c. Fachleute aus den Bereichen Wirtschaft und Politik haben dort<br \/> \u00fcber aktuelle Themen rund um die VR China und ihre Beziehungen zu<br \/> Deutschland und der EU informiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong><a href=\"#6\"><span class=\"internal-link\">&gt;&gt; Zum Artikel<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span id=\"parent-fieldname-title\"><a id=\"1\" name=\"1\">K<\/a>risenmanagement in China <\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tProfessor Peng Zongchao (\u5f6d\u5b97\u8d85) legt vor Unterrichtsbeginn immer gerne<br \/> nochmal ein paar Minuten meditative Musik auf. Er bereitet seine nach<br \/> und nach eintrudelnden Stundenten mit Klangschalen und Sitarkl\u00e4ngen auf<br \/> die n\u00e4chsten zwei Stunden spirituell vor, in denen er absolute<br \/> Konzentration von ihnen verlangen wird. Und tats\u00e4chlich scheint w\u00e4hrend<br \/> der n\u00e4chsten zwei Stunden niemand auf seinem Notebook nebenbei Leute auf<br \/> Renren zu stalken oder Sachen in irgendwelchen Onlineshops einzukaufen \u2013<br \/> daf\u00fcr bleibt keine Zeit. Unaufmerksamkeit kann in diesem Unterricht ein<br \/> Menschenleben kosten. Aber das liegt nicht etwa daran, dass Peng<br \/> Zongchao bei der Disziplinierung seiner Studenten manchmal das<br \/> Temperament durchgehen w\u00fcrde. Ganz im Gegenteil. Auch ohne medititative<br \/> Musik ist er die Ruhe selbst. Er unterrichtet mit sanfter Stimme und<br \/> geht dabei gemessenen Schrittes durch den Raum. Er verliert keine Worte.<br \/> Ein Chengyu jagt das N\u00e4chste \u2013 die vorwiegend aus vier Zeichen<br \/> bestehenden Redewendungen erweisen sich hier oft als extrem dichte<br \/> Komplexe von Bedeutungen. Ich komme nur deshalb mit, weil sie die<br \/> zusammenfassenden Stichworte auf den PowerPoint-Folien sind. Kurz und<br \/> b\u00fcndig. Peng spricht leise, aber deutlich. Manchmal mehr zu sich selbst.<br \/> Man k\u00f6nnte den Eindruck gewinnen, dass er gleichzeitig neben uns im<br \/> Klassenraum sitzt und sich sehr genau nochmal selber zuh\u00f6rt, vielleicht<br \/> genauer als wir. Und vielleicht geht es ihm dabei manchmal wie mir und<br \/> er ist selber milde erstaunt, <em>was<\/em> und besonders <em>wie<\/em> er uns <em>was<\/em><br \/> gerade so seelenruhig lehrt. Aber Seelenruhe zu bewahren ist<br \/> Grundvoraussetzung f\u00fcr unser Thema. Peng Zongchao unterrichtet<br \/> Krisenmanagement an der Tsinghua-Universit\u00e4t in Peking.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tZuf\u00e4llig ist in Peking gerade Krise. Man kriegt sie, wenn man nach Atem<br \/> ringt. An manchen Tagen kommt es einem vor, als ob man die kleinen<br \/> Partikel sp\u00fcren k\u00f6nnte, die man gerade inhaliert \u2013 im digitalen<br \/> Volksmund auch als die \u201efr\u00f6hlichen Partikel mit den chinesischen<br \/> Charakteristika\u201c (\u4e2d\u56fd\u7279\u8272\u5e78\u798f\u9897\u7c92) bekannt, um nur eine der humorvollen<br \/> Wendungen zu nennen, die gerade auf den Microblogs kursieren.<br \/> Klassfiziert als <em>PM<sub>2.5<\/sub><\/em> (auch bekannt als<br \/> \u201eSenkt-die-Lebenserwartung-um-25%\u201c-Index, BIP-Index oder<br \/> \u201eich-steh-direkt-vor-dir-aber-du-kannst-mich-nicht-sehen-Index\u201c) haben<br \/> die Teilchen einen Durchmesser von weniger als 2.5 Mikrometern.<br \/> &nbsp;Peng macht <em>PM<sub>2.5<\/sub><\/em>, bzw. den allgemein<br \/> vorherrschenden \u201eDunstnebel\u201c (\u96fe\u973e), gleich zu einem der Fallbeispiele der<br \/> ersten Sitzung. Er beginnt damit, einen Teil der umfassenden<br \/> Berichterstattung an die Wand zu werfen, die seit Mitte Januar durch<br \/> alle wichtigen Medien gerollt ist (einschlie\u00dflich People\u2019s Daily und<br \/> CCTV). Anders als die Bodenbelastung kann die Luftverschmutzung kein<br \/> \u201eStaatsgeheimnis\u201c bleiben. Dann lenkt Peng den Blick in die<br \/> ausl\u00e4ndischen Medien. Ein US-Fernsehmoderator mimt einen hustenden<br \/> Pekinger Politiker und erntet beif\u00e4lliges Gel\u00e4chter. Es folgen<br \/> sarkasmenreiche Ausschnitte aus Microblog-Treads und entr\u00fcstete B\u00fcrger.<br \/> Fotos von Leuten, die die Nebeldichte mit ihren Iphones fotografieren.<br \/> Wir h\u00f6ren einen neuen Popsong \u00fcber das Leben und Leiden in der Pekinger<br \/> Smogosph\u00e4re. Schon im April 2012 war <em>PM<sub>2.5<\/sub><\/em> das Motto<br \/> des unweit der Universit\u00e4t im Haidian-Distrikt stattfindenden Midi<br \/> Music Festivals gewesen, doch die damalige Verschmutzung verblasst im<br \/> Vergleich mit den j\u00fcngsten Rekordleveln im Januar. Zusammen mit der<br \/> miserablen Wasserqualit\u00e4t und den vergifteten Nahrungsmitteln, die<br \/> momentan in aller Munde sind, sorgt der Smog f\u00fcr eine kontinuierliche<br \/> Dreifach-Chance auf Krebs. Und was die Luft betrifft, k\u00f6nne man sich dem<br \/> Krebsrisiko auch mit allem Geld nicht entziehen, wie der Milliard\u00e4r und<br \/> Alibaba-Chef Ma Yun (\u9a6c\u4e91) j\u00fcngst auf seinem <a href=\"http:\/\/www.weibo.com\/mayun?from=profile&amp;wvr=5&amp;loc=myfollow\"> Blog<\/a><br \/> zu Bedenken gab. Ma prognostizierte, dass es in sp\u00e4testens zehn Jahren<br \/> in jeder chinesischen Familie F\u00e4lle von Krebs geben w\u00fcrde, aber das<br \/> erscheint vielen noch zu optimistisch. In einem <a href=\"http:\/\/www.yicai.com\/news\/2013\/03\/2594141.html\">Artikel vom 31. M\u00e4rz<\/a> wurde auf Yicaiwang (\u4e00\u8d22\u7f51) sogar die horrende Zahl von 1.23 Millionen <em>PM<sub>2.5<\/sub><\/em>&#8211;<br \/> Toten f\u00fcr das Jahr 2010 behauptet. Tja, hie und da schnappt man durchaus<br \/> ein sarkastisches \u79bb\u5f00\u5317\u4eac oder \u9003\u79bb\u5317\u4eac auf \u2013 aus Beijing fl\u00fcchten. The people<br \/> are not amused, wie es scheint. \u201eWas tun?\u201c fragt also Peng Zongchao in<br \/> die Runde. Wie k\u00f6nnte die Regierung diese Krise schnell und erfolgreich<br \/> handhaben? Umweltvorschriften zu versch\u00e4rfen und durchzusetzen ist ein<br \/> guter Plan, aber das dauert viel zu lange, Krisen dulden keinen Verzug &#8211;<br \/> \u201ealle Autos in Peking verbieten!\u201c, schl\u00e4gt eine Kommilitonin vor; \u201eAlle<br \/> Fabriken anhalten!\u201c wirft ein anderer ein. Peng nickt belustigt.<br \/> W\u00e4hrend dieser Sitzung vertrug sich das zwar noch schlecht mit der von<br \/> der Regierung kontinuierlich proklamierten No.1-Priorit\u00e4t auf<br \/> Wirtschaftswachstum, aber das sollte sich ja schon ein paar Tage sp\u00e4ter<br \/> laut Wen Jiabao\u2019s letzter Ansprache vor dem nationalen Volkskongress am<br \/> 5. M\u00e4rz \u00e4ndern. \u201eAber wie bringt man den Leuten eine Krise bei?\u201c fragt<br \/> Peng. \u201eUnd auf welche Weise sollte \u00fcber eine Krise gesproch werden?\u201c<br \/> \u201eAuf Ehrliche!\u201c kommt es von allen Seiten. Wie wir im Verlauf der<br \/> n\u00e4chsten Stunden anhand zahlreicher Fallbeispiele sehen werden, ist<br \/> dieser Punkt in China, wie auch in den meisten anderen L\u00e4ndern, von<br \/> jeher mit Schwierigkeiten verbunden. Die chinesische Regierung lie\u00df \u00fcber<br \/> die korrekten Werte der Luftverschmutzung so viel verlauten, wie die<br \/> demokratisch gew\u00e4hlte Regierung Japans \u00fcber die korrekten Werte der<br \/> radioaktiven Verseuchung w\u00e4hrend des Fukushima-Desasters.<br \/> Hiobsbotschaften f\u00e4rben ihren Verk\u00fcnder und sind \u00fcberall gleicherma\u00dfen<br \/> unbeliebt. \u201eGefahr erkannt, Gefahr gebannt\u201c, hei\u00dft es im Deutschen, und <span class=\"apple-style-span\">\u6709\u5907\u65e0\u60a3<\/span><br \/> im Chinesischen (gleichwohl \u201eErkennen\u201c in der Krisenmanagementtheorie<br \/> nat\u00fcrlich nur die erste von mehreren Stufen darstellt), doch was<br \/> passiert, wenn die Gefahr unter Verschluss gehalten und niemand<br \/> vorgewarnt wird? Dann kommt es zu Trag\u00f6dien wie im Januar in Handan,<br \/> Hebei Provinz, wo in Unwissenheit gelassene Bewohner f\u00fcnf Tage lang<br \/> vergiftetes Wasser tranken. Oder Ungewissheit macht sich breit und<br \/> br\u00fctet Ger\u00fcchte (\u8c23\u8a00) und Verschw\u00f6rungstheorien (\u9634\u8c0b\u8bba) aus, die es<br \/> manchmal sogar schaffen, die wirkliche Katastrophe noch zu \u00fcberbieten \u2013<br \/> so zum Beispiel 2005, als nach der Explosion einer Chemie-Fabrik in<br \/> Jilin Giftstoffe in den Songhua-Fluss gerieten. Die Provinzregierung<br \/> hielt den Zwischenfall unter Verschluss und beg\u00fcnstigte dadurch das<br \/> Ausbrechen einer Massenpanik unter den Einwohnern der Provinzhauptstadt<br \/> Harbin, die ein nahendes Erdbeben bef\u00fcrchteten. Nebenbei lie\u00dfen die<br \/> ersten Verantwortlichen die Gifte stillschweigend in die Nachbarprovinz<br \/> Heilongjiang hin\u00fcberflie\u00dfen. War dann deren Problem, und danach das von<br \/> Russland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tAber es scheint auch Situationen zu geben, in denen man vielleicht<br \/> wirklich besser mal den Mund h\u00e4lt, bevor man die Krise mit<br \/> dreist-provokanten \u00c4u\u00dferungen noch weiter anheizt. Unter den zahlreichen<br \/> Negativbeispielen, die Peng in seiner Sitzung \u00fcber die sprachlichen<br \/> Feinheiten und No-Gos von offiziellen Krisenstatements anf\u00fchrt, begegnen<br \/> wir unter anderem dem Ex-Sprecher des Eisenbahnministeriums <a href=\"http:\/\/147.142.222.80:8081\/Plone\/SHAN\/newsletter\/2012\/shan-newsletter-januar-2012\/sprachkolumne\/?searchterm=glaubst%20oder%20nicht\"> Wang Yongping (\u738b\u52c7\u5e73)<\/a><br \/> &nbsp;und dem Spr\u00f6ssling von Li Gang (\u674e\u521a), der mit einem eigens nach<br \/> ihm benannten \u201eZwischenfall\u201c geadelt wurde (der sogenannte \u201c<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Li_Gang_incident\">\u6211\u7238\u662f\u674e\u521a\u201d\u4e8b\u4ef6<\/a>). John J. Mearsheimer, einer der Stars unter den US-Theoretikern der internationalen Beziehungen, geht <a href=\"http:\/\/articles.washingtonpost.com\/2011-04-15\/entertainment\/35230481_1_bush-and-iraq-egyptian-citizens-deceptions\"> in seinem neusten Buch<\/a> sogar noch einen Schritt weiter und propagiert am Beispiel der Kuba-Krise die Existenz von \u201eedlen L\u00fcgen\u201c (<em>noble lies<\/em>) als ad\u00e4quate Mittel des Krisenmanagements, sei es auch in den abgeschw\u00e4chten Formen der Zur\u00fcckhaltens von Informationen (<em>concealment<\/em>) oder des Hoch-\/herunterspielens bestimmter Aspekte (<em>spinning<\/em>).<br \/> Peng fasst das alles unter \u201c\u7792\u5929\u8fc7\u6d77\u201c zusammen, zieht jedoch ein galanteres<br \/> \u201estatt Worten Taten sprechen lassen\u201c&nbsp; vor (\u884c\u80dc\u4e8e\u8a00). Und sind<br \/> Operationen nicht einfacher, wenn sie ohne Bewusstsein und Partizipation<br \/> der Patienten geschehen? Dem Krisenmanagement in der Volksrepublik<br \/> stehen auch ohne Partizipationsrechte gen\u00fcgend Hindernisse im Weg \u2013<br \/> jeder effektive Schritt ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein<br \/> potentieller Tritt auf eingeschlafene F\u00fc\u00dfe.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tPeng zeigt auf, wie der b\u00fcrokratische Sumpf (\u7e41\u6587\u7f1b\u8282) \u00fcberbr\u00fcckt werden<br \/> kann, indem Krisengremien einberufen (\u53ec\u5f00\u5371\u673a\u4f1a\u8bae) und die verschiedenen<br \/> Institutionen kurzfristig in eine gemeinsame Zwangsjacke gesteckt<br \/> werden. Es geht um Sekunden \u2013 wieviel Zeit bleibt da noch f\u00fcr die<br \/> wissenschaftliche Konsolidierung der Ma\u00dfnahmen durch Experten? Peng<br \/> \u00fcberl\u00e4sst uns fr\u00f6hlich dem Ausnahmezustand und der Debatte dar\u00fcber, ob<br \/> die Dezision des Krisenmanagers so einschneidend sein muss (\u5f53\u673a\u7acb\u65ad), wie<br \/> es die lateinische Wurzel des Begriffs nahelegt. Um Inspirationsquellen<br \/> ist der Professor jedenfalls nicht verlegen \u2013erst neulich diskutierten<br \/> wir den Abschuss einer von Terroristen gekaperten Boeing 747, die mit<br \/> Massenvernichtungswaffen und Hunderten von Passagieren an Board Kurs auf<br \/> Washington nahm. Pate daf\u00fcr stand ein Ausschnitt aus dem Actionfilm <em>Executive Decision<\/em><br \/> mit Kurt Russell von 1996. Szenarien wie diese bezeichnet Peng gelassen<br \/> als \u201eDilemmata\u201c (\u77db\u76fe\u5173\u7cfb), aber in diesem Fall konnten wir mit einer guten<br \/> (und vermutlich \u00e4hnlich realistischen) L\u00f6sung kontern, die wir aus<br \/> einer Szene des neusten Batman-Films entnahmen. &nbsp;In Situationen wie<br \/> diesen stellt Peng die Frage, die er halb im Scherz gerne als die<br \/> Prim\u00e4re des chinesischen Krisenmanagements bezeichnet: <em>Wie<\/em> das Problem l\u00f6sen? \u600e\u4e48\u529e\uff1f<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDoch Peng Zongchao versteht es auch, alles komplizierter zu machen und<br \/> mit der Frage des \u201eschweizerischen Krisenmanagements\u201c die<br \/> ontologisch-epistemologische B\u00fcchse der Pandora aufzumachen \u2013 <em>Was<\/em><br \/> ist das Problem? (\u4ec0\u4e48\u95ee\u9898\uff1f) Dann streut er die verschiedensten Theorien in<br \/> unseren Krisen-Sandkasten, nur um sie sp\u00e4ter wieder alle ad absurdum zu<br \/> f\u00fchren \u2013 denn wer wei\u00df schon, ob sich bei der Ankunft eines &#8222;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/The-Black-Swan-Impact-Improbable\/dp\/0141034599\/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;qid=1365353552&amp;sr=8-2&amp;keywords=black+swan+taleb\">schwarzen Schwans<\/a>\u201c,<br \/> foucaultsche Biopolitik und Risk Governance nach Ortwin Renn in der<br \/> heutigen (Beckschen\u2026) Risikogesellschaft zusammenbringen lie\u00dfen. \u4ec0\u4e48\uff1f<br \/> Deutsche Risikoforscher wie der Stuttgarter Professor Ortwin Renn<br \/> scheinen jedenfalls hoch im Kurs zu stehen. Die gewisse Ironie, die sich<br \/> damit verkn\u00fcpft, wird mir gew\u00f6hnlich dann bewusst, wenn Peng mich nach<br \/> der Diskussion eines verheerenden Ausschnitts aus der von Erdbeben und<br \/> \u00dcberschwemmungen gepr\u00e4gten chinesischen Geschichte sehr h\u00f6flich dazu<br \/> einl\u00e4d, einmal von der Lage in Deutschland zu erz\u00e4hlen, und mir nichts<br \/> Schlimmeres als Elbhochwasser einf\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tAber was ist an der Sache denn so schrecklich \u201eminggan\u201c? In der<br \/> chinesischen Geschichte hatten Naturkatastrophen oft politische<br \/> Katastrophen im Schlepptau. Das ist auch heute nicht vergessen, denn dem<br \/> ist durchaus noch immer so. Katastrophen publik zu machen bleibt eine<br \/> heikle Angelegenheit. Wie an allen Orten, werden sie von denjenigen, die<br \/> aus ihnen unangenehme Konsequenzen ziehen m\u00fcssten, solange wie m\u00f6glich<br \/> heruntergesp\u00fclt, bis dann irgendwann <a href=\"http:\/\/www.21cbh.com\/HTML\/2013-3-25\/3MNjc1XzY0NzI3Mw.html\">Tausende von toten Schweinen<\/a><br \/> auf der Wasseroberfl\u00e4che auftauchen und Millionen w\u00fctender Blogeintr\u00e4ge<br \/> auf Sina Weibo erscheinen. Der Sinologe und Politikwissenschaftler<br \/> Sebastian Heilmann bezeichnete die die KPCh in einem k\u00fcrzlich<br \/> ver\u00f6ffentlichten <a href=\"http:\/\/www.chinapolitik.de\/resources\/no_101.pdf\">Artikel<\/a><br \/> als \u201efragiles Nervensystem\u201c mit \u201eeigenst\u00e4ndig agierenden Organen\u201c, dem<br \/> eine h\u00f6here Reaktionsschnelligkeit als jeder hierarchischen Organisation<br \/> einzur\u00e4umen sei. Der Haken sei dabei nur, so Heilmann, dass das<br \/> \u201eZentralhirn\u201c nur noch \u00fcber eine \u201egrobe Impulssteuerung\u201c verf\u00fcge, jedoch<br \/> nicht \u00fcber die \u201eFeinkontrolle&nbsp; gegen\u00fcber der Aktivit\u00e4t der<br \/> Gliedma\u00dfen\u201c. Wie ist es im Krisenzustand bestellt? Peng Zongchao wei\u00df an<br \/> zahlreichen Beispielen aufzuzeigen, dass die betroffene Bev\u00f6lkerung<br \/> sich im Ernstfall oft nicht zu Helfen wei\u00df und wie gel\u00e4hmt ist. Das<br \/> liegt unter anderem an den zu sp\u00e4t kommenden Warnungen, sicherlich aber<br \/> auch nicht zuletzt an der weitgehenden Blockierung einer<br \/> Zivilgesellschaft, die sich selbstst\u00e4ndig organisiert. W\u00e4hrend<br \/> betroffene lokale Gemeinden in China meist passiv auf eine Regierung<br \/> angewiesen sind, die vorerst selbst noch den \u00dcberblick \u00fcber die<br \/> Situation gewinnen muss, macht man sich in anderen L\u00e4ndern mit immer<br \/> gr\u00f6\u00dferem Erfolg die Potentiale des Crowdsourcings zu Nutze. W\u00e4hrend<br \/> j\u00fcngerer Krisen in Kenia und Haiti konnten sich Freiwillige mit open<br \/> source-Software wie <a href=\"http:\/\/www.ushahidi.com\/\"><em>Ushahidi<\/em><\/a> digital als <a href=\"http:\/\/blog.standbytaskforce.com\/\"><em>Standby Task Forces<\/em><\/a><br \/> (SBTF) organisieren, und den Einwohnern der betroffenen Gebiete<br \/> Kommunikationsplattformen und Kartenmaterial zur Verf\u00fcgung stellen.<br \/> Dadurch wurde es m\u00f6glich, Informationen und Geodaten unter Hilfsbereiten<br \/> und Hilfsbed\u00fcrftigen in k\u00fcrzester Zeit zu aggregieren und<br \/> auszutauschen, und dem Hilfsmob ein \u201egeteiltes Bewusstsein\u201c (<em>shared awareness<\/em>) einzuimpfen. Trotz des subversiven Potentials dieser Plattformen, lie\u00df man eine solche SBTF auch w\u00e4hrend der <a href=\"http:\/\/irevolution.net\/2012\/08\/01\/crisis-map-beijing-floods\/?blogsub=confirming#blog_subscription-3\"> Pekinger \u00dcberschwemmungen im Juli 2012<\/a><br \/> gew\u00e4hren, die auf dem sozialen Netzwerk Guokr.com Karten mit<br \/> Gefahrenzonen und \u00dcberlebensratschl\u00e4ge verbreitete. Die Aktion hatte<br \/> gro\u00dfen Erfolg und wurde von Xinhua mit einem lobenden <a href=\"http:\/\/english.peopledaily.com.cn\/90882\/7886642.html\">Artikel<\/a> bedacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tAuch Peng Zongchao bekundet seine Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr den Eifer und den<br \/> \u201eHeroismus\u201c (\u8c6a\u6c14) der spontanen Aktivisten, doch h\u00e4lt er weitere<br \/> Schritte, die Bev\u00f6lkerung zu informieren und mit Krisensituationen<br \/> vertraut zu machen, f\u00fcr dringend notwendig. W\u00e4hrend der \u00dcberschwemmungen<br \/> in Beijing gef\u00e4hrdeten \u00fcbereifrige Aktivisten Fu\u00dfg\u00e4nger und<br \/> Fahrradfahrer, indem sie beispielsweise, um das Wasser abflie\u00dfen zu<br \/> lassen, Kanaldeckel entfernten. So viel Selbstvertrauen, so viel<br \/> Tatendrang. In unserem Krisengremium hagelt es Vorschl\u00e4ge und hei\u00df<br \/> werden die F\u00e4lle debattiert und politisiert.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tPeng begreift Krisenmanagement in zwei unterschiedlichen Modellen \u2013 das<br \/> eine ist \u00f6ffentlich (\u516c\u5171\u53c2\u4e0e), das andere arkan (\u5355\u9879\u544a\u77e5). Beide haben ihre<br \/> Schw\u00e4chen und er l\u00e4sst uns mit keiner einfachen L\u00f6sung davonkommen.<br \/> &nbsp;Egal, wie viele vorgefertigte Probleml\u00f6sungen wir der Geschichte<br \/> entnehmen und wie schnell wir unsere Entscheidungen treffen \u2013 Peng<br \/> trifft munter alle Vorbeugungen f\u00fcr eine fortdauernde Krise der<br \/> Unentschiedenheit im Angesicht der Katastrophe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tJason Franz<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">\n\t<span id=\"parent-fieldname-title\"><a id=\"2\" name=\"2\">R<\/a>estaurantkritik: Hot Pot House <\/span><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDas im Oktober letzten Jahres er\u00f6ffnete Hot Pot House Shanghai ist das<br \/> einzige Restaurant in Heidelberg, das den beliebten chinesischen<br \/> Feuertopf Huoguo fest in seiner Speisekarte anbietet. Selbstverst\u00e4ndlich<br \/> lie\u00df es sich das PR-Team von SHAN nicht nehmen, das Restaurant einmal<br \/> auf Herz und Nieren zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIn der N\u00e4he des Adenauer Platzes, in der Rohrbacher Stra\u00dfe 16 gelegen,<br \/> ist das Hot Pot House gut mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln zu<br \/> erreichen. Im Gastraum erwartet den Besucher ein sch\u00f6nes Ambiente und<br \/> definitiv kein hektischer China-Imbiss-Flair. Cremefarbene Stuhlhussen<br \/> und Tischdecken, klassische Musik, eine beachtliche Deckenh\u00f6he und<br \/> S\u00e4ulen im Kolonialstil tragen zu einer ansprechenden Atmosph\u00e4re bei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie chinesische Bedienung war bei unserem Besuch sehr freundlich und<br \/> freute sich dar\u00fcber, uns Sinologen die regional unterschiedlichen<br \/> Bezeichnungen einer Gem\u00fcseart zu erl\u00e4utern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tNun aber zum Kernpunkt einer Restaurantkritik: Das Essen. Auf seiner<br \/> Internetseite wirbt das Restaurant mit \u201eOriginal Shanghai-K\u00fcche\u201c. Sollte<br \/> einmal keine Zeit f\u00fcr ein gem\u00fctliches Hot-Pot-Essen sein, so findet man<br \/> auf der Karte daher auch allerlei andere chinesische Gerichte. Diese<br \/> konnten von uns leider nicht getestet werden, allerdings entschied sich<br \/> eine Gruppe Chinesen am Nachbartisch f\u00fcr einige der Spezialit\u00e4ten. Dies<br \/> d\u00fcrfte als G\u00fctesiegel f\u00fcr die Authentizit\u00e4t der Speisen gelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDas PR-Team entschied sich nat\u00fcrlich f\u00fcr den Hot Pot. Zun\u00e4chst kann<br \/> man zwischen einer Handvoll verschiedener Saucen f\u00fcr den Hot Pot<br \/> ausw\u00e4hlen, die preislich zwischen 2 bis 3 Euro liegen. Wir entschieden<br \/> uns f\u00fcr die \u201eCurrysauce scharf\u201c, die es f\u00fcr zartere Gem\u00fcter auch \u201eohne<br \/> scharf\u201c gibt. Anschlie\u00dfend hat man die Qual der Wahl bei der Bestellung<br \/> der Einlagen, die zwischen 3 (f\u00fcr Gem\u00fcse und Tofu) und 7 Euro (f\u00fcr<br \/> Fleisch, Fisch und Meeresfr\u00fcchte) kosten. Wir bestellten Tofu, Pak Choi,<br \/> Scampi und Danjiao. Es gibt auch noch eine gro\u00dfe Auswahl an Fleisch-<br \/> und Fischsorten, sowie weitere Gem\u00fcse und Meeresfr\u00fcchte. Wir erhielten<br \/> zu dritt einen Topf mit Flamme, der nach Bestellung auf den Tisch<br \/> gestellt wird. Die Menge der Sauce und der Einlagen war mehr als<br \/> ausreichend. Auch am Geschmack lie\u00df sich nichts meckern, alles schmeckte<br \/> ausgezeichnet und f\u00fcr einen kleinen Moment f\u00fchlte man sich, als esse<br \/> man gerade in China. Der Sud war so lecker, dass wir ihn zum Schluss als<br \/> Suppe l\u00f6ffelten. Das T\u00fcpfelchen aus dem i sind allerdings die<br \/> verschiedenen Dips, die man sich f\u00fcr 1,50 Euro an einem B\u00fcffet nehmen<br \/> darf. Dort findet man auch eingelegten Sesam, Fr\u00fchlingszwiebeln und<br \/> Knoblauch zum verfeinern der eigenen Dip-Kreationen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tEin kleiner Tipp f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Gruppen: Ab sechs Personen kann man ein<br \/> ganzes Hot-Pot-Men\u00fc bestellen, das 15 Euro pro Person kostet. In diesem<br \/> Preis inbegriffen sind die Hot-Pot-Saucen und gro\u00dfe gemischte Platten<br \/> mit verschiedenen Einlagen, die an den Tisch gebracht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tF\u00fcr unser leckeres Abendessen mit drei Personen bezahlten wir<br \/> insgesamt 33,20 Euro inklusive zweier kleiner Getr\u00e4nke und einem Glas<br \/> Wein. Das Hot Pot House Shanghai liegt damit zwar eventuell \u00fcber dem<br \/> normalen studentischen Budget, allerdings ist es auch kein Essen f\u00fcr<br \/> alle Tage. Sucht man ein sch\u00f6nes Ambiente und hervorragenden Huoguo f\u00fcr<br \/> einen besonderen Anlass, ist man hier genau richtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tAnna Schiller<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span id=\"parent-fieldname-title\"><a id=\"3\" name=\"3\">D<\/a>rei Verhaftungen im Jahre 1933: Hu Lanqi, Egon Erwin Kisch und K. A. Wittfogel <\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDer bekannte tschechische Journalist Egon Erwin Kisch (1885-1948) war<br \/> im Fr\u00fchjahr 1932 nach China gereist, kehrte im Sommer nach Europa zur\u00fcck<br \/> und schrieb dann sein Buch China geheim, das am Jahresende erschien<br \/> (vgl. <a class=\"external-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2008\/05\/01\/newsletter-mai-2008-nr-22\/#3\" target=\"_blank\"> SHAN Newsletter Mai 2008<\/a>).<br \/> Der Autor wurde nach dem Reichtagsbrand am 28. Februar 1933 in Berlin \u2013<br \/> auf Anordnung des Polizeipr\u00e4sidenten vom gleichen Tag \u201eim Interesse der<br \/> \u00f6ffentlichen Sicherheit\u201c \u2013 verhaftet. Nach Intervention durch<br \/> tschechoslowakische Beh\u00f6rden wurde er am 11. M\u00e4rz freigelassen und<br \/> ausgewiesen; er lie\u00df sich zun\u00e4chst in Prag nieder und ging sp\u00e4ter nach<br \/> Frankreich und schlie\u00dflich nach Mexiko. Schon im M\u00e4rz 1933 hatte er<br \/> einen Bericht \u00fcber den Gef\u00e4ngnisaufenthalt in Berlin-Spandau<br \/> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tKarl August Wittfogel (1896-1988) geh\u00f6rte zu den bekanntesten deutschen<br \/> Kommunisten und Sinologen der drei\u00dfiger Jahre und sollte am gleichen<br \/> Tag wie Kisch verhaftet werden. Er konnte aber, weil er rechtzeitig<br \/> gewarnt wurde, Berlin verlassen und versuchte in die Schweiz zu fliehen.<br \/> Mitte M\u00e4rz wurde er jedoch an der Grenze festgenommen und verbrachte<br \/> die n\u00e4chsten Monate in mehr als zehn verschiedenen Gef\u00e4ngnissen und<br \/> Lagern. Im folgenden Winter kam er frei und floh zun\u00e4chst nach England,<br \/> reiste aber dann 1935 mit seiner Frau \u00fcber Amerika nach Japan und China.<br \/> Im folgenden Jahr erschien sein Bericht \u201eStaatliches<br \/> Konzentrationslager VII\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;Hu Lanqi (1901-1994) studierte Anfang der drei\u00dfiger Jahre in Berlin (vgl. <a class=\"external-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2010\/03\/01\/newsletter-maerz-2010-nr-42\/#3\" target=\"_blank\"> SHAN Newsletter M\u00e4rz 2010<\/a>) und war wie Kisch KPD-Mitglied, beide waren mit Anna Seghers befreundet (vgl. <a class=\"external-link\" href=\"https:\/\/shan-hd.de\/index.php\/2007\/09\/01\/newsletter-september-2007-nr-15\/#3\" target=\"_blank\"> SHAN Newsletter Sept. 2007<\/a>).<br \/> Hu wurde im Sommer 1933 festgenommen und ver\u00f6ffentlichte sp\u00e4ter ein<br \/> Buch \u00fcber ihren Gef\u00e4ngnisaufenthalt \u2013 Zai Deguo N\u00fclaozhong. Diese<br \/> Verhaftung wurde auch von Liang Hsi-huey, dem Sohn eines chinesischen<br \/> Diplomaten best\u00e4tigt: \u201eLiang added that the Legation knew the identity<br \/> of thirteen Chinese Communists in Berlin. [\u2026] The German Foreign<br \/> Ministry and the Prussian Ministry of Interior immediately set to work.<br \/> Two weeks later, the Gestapo had taken a girl student, Hu Lan-she, into<br \/> \u2018protective custody.\u2019 \u201c (S. 79)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tHier wird deutlich, da\u00df die Verhaftung rein politisch motiviert war und<br \/> auf chinesische Initiative zur\u00fcckging. Allerdings erhielt Hu aus China<br \/> auch Unterst\u00fctzung. Einige Prominente &#8211; zu denen die Witwe von Sun<br \/> Yatsen Song Qingling und der Schriftsteller Lu Xun geh\u00f6rten &#8211;<br \/> protestierten bei der deutschen Botschaft gegen die Festnahme. Nach etwa<br \/> drei Monaten wurde Hu Lanqi freigelassen und ausgewiesen. Sie<br \/> verbrachte die n\u00e4chsten Jahre in Paris, wo sie auch Anna Seghers<br \/> wiedersah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tLiteratur:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tWittfogel, Karl August: Das erwachende China: ein Abri\u00df der Geschichte und der gegenw\u00e4rtigen Probleme Chinas, Wien, 1926.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tWittfogel, Karl August: Wirtschaft und Gesellschaft Chinas.<br \/> Produktivkr\u00e4fte, Produktions- und Zirkulationsprozess, Leipzig, 1931.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tWittfogel, Karl August: Staatliches Konzentrationslager VII : eine Erziehungsanstalt im Dritten Reich, London, 1936.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tKisch, Egon Erwin: China geheim, Berlin, 1933.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tLiang Hsi-huey, The Sino-German Connection, Assen, 1978.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tHu Lanqi:&nbsp; Hu Lanqi huiyilu, Chengdu, 1985.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tKampen, Thomas: Chinesen in Europa &#8211; Europ\u00e4er in China: Journalisten, Spione, Studenten, Gossenberg, 2010.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDr. Thomas Kampen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span id=\"parent-fieldname-title\"><a id=\"4\" name=\"4\">S<\/a>prachkolumne einmal anders <\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDie Sprachkolumne kommt heute nahezu ohne Worte aus: Studentin Zhu<br \/> Rencen aus Shanghai haucht chinesischen Schriftzeichen auf sehr kreative<br \/> Art und Weise Leben ein. Einige ihrer Bilder werde ich hier in loser<br \/> Reihenfolge vorstellen. Viel Spa\u00df beim Schriftzeichen suchen!<\/p>\n<div class=\"i-iwe2-image-container\" style=\"margin: 0px;\">\n\t<img decoding=\"async\" alt=\"2013_69_meiliguniang\" data-node-id=\"\/2\/477\/478\/850\/851\/133921\/142586\/147468\" src=\"https:\/\/shan-hd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/zhu_rencen_-_meiliguniang.jpg\" style=\"width: 637px; height: 689px; display: block; margin-left: auto; margin-right: auto; text-align: justify;\"><\/div>\n<div class=\"i-iwe2-image-container\" style=\"margin: 0px; text-align: justify;\">\n\t<br \/>\n\t&nbsp;<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\u00a9Zhu Renzhen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tFabian L\u00fcbke<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span id=\"parent-fieldname-title\"><a id=\"5\" name=\"5\">C<\/a>atch me if you can &#8211; E.T. Backhouse <\/span><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<div style=\"text-align: justify;\">\n\t\t<strong><em>The Hermit of Peking. The Hidden Life of Sir Edmund Backhouse<\/em><em>&nbsp;(Hugh Trevor-Roper: 1976)<\/em><\/strong><\/div>\n<div style=\"text-align: start;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\t&#8222;Hermit of Beijing&#8220; ist zwar keineswegs ein neues Buch, doch es<br \/> verspricht schnelle, unterhaltsame, gar spannende Lekt\u00fcre. Es<br \/> illustriert das Leben eines ungew\u00f6hnlichen Englishman im China der<br \/> sp\u00e4ten Qing und Republikzeit in abstrusen&nbsp;Facetten&nbsp;und hat<br \/> trotz seines Erscheinungsdatums eine gewisse Aktualit\u00e4t. &#8222;Hermit of<br \/> Beijing&#8220; rekonstruiert das Leben des vielleicht gewieftesten,<br \/> geheimnisvollsten und skandaltr\u00e4chtigsten Individuums, das die<br \/> &#8222;Sinologie&#8220; je gesehen hat.&nbsp;&nbsp;Es ist die Biographie eines<br \/> erfolgreichen, konsequenten Schwindlers. Die Geschichte eines F\u00e4lschers.<br \/> Aber auch die Geschichte eines einsamen Mannes.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDer Biograph Hugh Trevor-Roper ist nun bekannt durch seine zeitweise<br \/> Autorisierung der Hitler-Tageb\u00fccher, er war Journalist und Professor f\u00fcr<br \/> Moderne Geschichte und Master von Peterhouse College Cambridge. Schon<br \/> sein Bericht \u00fcber den detektivischen Prozess der Quellensammlung ist<br \/> beeindruckend &#8211; und verleitet zu leichtfertigem Glauben.<\/p>\n<div style=\"text-align: start;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\tSir Edmund Trelawny Backhouse wurde 1873 in Darlington geboren. Er<br \/> kam nach einigen Wirrungen 1899 in China an und verblieb dort &#8211; seine<br \/> h\u00e4ufigen Reisen ins Heimatland ausgenommen &#8211; bis zu seinem Tod 1944. Als<br \/> &#8222;Sinologe&#8220; bekannt wurde er durch seine Mitautorenschaft am<br \/> einflussreichen und nicht weniger umstrittenen Werk &#8222;<a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.questia.com\/library\/708134\/china-under-the-empress-dowager-being-the-history\"> China under the Empress Dowanger<\/a>&#8220;<br \/> (1910). Gemeinsam mit dem Journalisten J.O.P. Bland ver\u00f6ffentlichte er<br \/> im Anschluss au\u00dferdem &#8222;Annals and Memoirs of the Court of Peking&#8220;<br \/> (1914). Die beiden B\u00fccher waren, wenn auch umstritten, die Referenzwerke<br \/> \u00fcber die Wirrungen im Kaiserpalast um die Zeit des Boxeraufstandes. Vor<br \/> allem das Ersterschienene. Es enth\u00e4lt eine f\u00fcr Sinologen scheinbar<br \/> wertvolle Quelle: Die \u00dcbersetzung des Tagebuches von Jing Shan, eines<br \/> hohen Offiziellen am Kaiserhof unter Cixi, der \u00fcber die intimste Politik<br \/> des Hofes um 1900 Auskunft gibt. Das Tagebuch war angeblich von<br \/> Backhouse kurz nach dem Aufstand im ehemaligen Haus Jing Shans gefunden<br \/> worden. Backhouse war nach den Unruhen tats\u00e4chlich das Haus zugesprochen<br \/> worden und er berichtete sp\u00e4ter &#8211; sehr viel sp\u00e4ter &#8211; detailliert von<br \/> den Umst\u00e4nden seiner Entdeckung. Das Tagebuch enth\u00e4lt intimste<br \/> Schilderungen der Vorg\u00e4nge zu Hofe. Vor allem bestimmt und rehabilitiert<br \/> es die politische Position eines engen Beraters von Cixi, Runglu, dem<br \/> Backhouse offensichtlich zugeneigt war.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: start;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\tDoch die Echtheit des Tagebuches sowie anderer Texte, die als Quellen<br \/> f\u00fcr &#8222;China under the Empress Dowanger&#8220; gedient hatten, wurden schon<br \/> sehr bald angezweifelt. Unter anderem von Dr. George Ernest Morisson,<br \/> einem Times-Korrespondenten, mit und f\u00fcr den Backhouse seit seiner<br \/> Ankunft in China 1899 gearbeitet hatte. Morisson konnte jedoch kein<br \/> Chinesisch und h\u00e4tte so, selbst wenn die originale, chinesische Version<br \/> des Jing Shan Tagebuches jemals aufgetaucht w\u00e4re, seine Echtheit nicht<br \/> \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen. Jeder, der sich mit diesbez\u00fcglichen Anfragen an<br \/> Backhouse wendete, wurde konsequent vertr\u00f6stet. Genau wie Backhouse<br \/> widerspr\u00fcchliche Aussagen \u00fcber seine Erkenntnis des Wertes des<br \/> Tagebuches machte, um die sp\u00e4te Ver\u00f6ffentlichung zu begr\u00fcnden, so<br \/> schaffte er es auch Jahre lang das Original unter Verschluss zu halten<br \/> und letztlich herausgefordert den Verlust durch Verkauf in Geldnot<br \/> &#8222;zuzugeben&#8220;. Die Spekulationen \u00fcber eine m\u00f6gliche F\u00e4lschung zogen sich<br \/> auf diese Weise \u00fcber Jahrzehnte hin. H\u00f6chstwahrscheinlich hat ein<br \/> solches Tagebuch nie existiert, genauso wenig, wie es im Besitz<br \/> Backhouses gelandet war. Trevor-Roper sucht das Leben von Backhouse als<br \/> das eines notorischen F\u00e4lschers zu &#8222;entlarven&#8220; und so reiht sich auch<br \/> die Geschichte des Tagebuches in die der F\u00e4lschungen ein.<br \/> H\u00f6chstwahrscheinlich hat Backhouse das Tagebuch des Jing Shan, das<br \/> Herzst\u00fcck seiner Geschichte des Boxeraufstandes, selber verfasst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\tGest\u00e4rkt wird Trevor-Ropers Argument durch Backhouse weitere Scoops:<br \/> Trevor-Roper erz\u00e4hlt Backhouse Leben wie das &#8222;Catch me if You Can&#8220; eines<br \/> abtr\u00fcnnigen Englischen Barons. Dieser Erz\u00e4hlmodus, der Trevor-Roper als<br \/> Investigativ-Journalist auszeichnet, ist einer der Eigenschaften, die<br \/> dieses Buch so spannend machen. Obwohl man die teleologische Schreibart<br \/> des Biographen bald durchschaut, bleibt das Buch aufregend. Man kann<br \/> sich einer gewissen Schadenfreude ob des Erfolges Backhouse nicht<br \/> erwehren: So war Backhouse w\u00e4hrend des ersten Weltkrieges f\u00fcr den<br \/> englischen Geheimdienst mit Waffenhandel beauftragt. Doch die f\u00fcr viel<br \/> Geld erworbenen Waffen wurden nie zugestellt. Weniger erfreulich lie\u00dft<br \/> sich der vermutliche Betrug der Bodleian Bibliothek in Oxford, die noch<br \/> heute die Manuskripte h\u00e4lt, die Backhouse spendete, unter anderem in der<br \/> Absicht einen Ruf auf einen Lehrstuhl f\u00fcr Sinologie zu erhalten. Einige<br \/> der Manuskripte wurden als minderwertige F\u00e4lschungen bestimmt. Die<br \/> Biographie strotzt nur so vor \u00e4hnlichen Geschichten. Jedem, der Spa\u00df an<br \/> Kriminalromanen hat und beim Lesen eines solchen immer mal \u00fcber den<br \/> Namen eines aus dem Geschichtskurs bekannten Chinesen stolpern will, sei<br \/> die Lekt\u00fcre anempfohlen!<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: start;\">\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\t\tDoch warum f\u00e4lschte Backhouse? Und wie konnte seine Arbeit im<br \/> Geheimen geschehen? Trevor-Roper beschreibt Backhouse als Exzentriker,<br \/> einen Menschen, der sich zwar den Gepflogenheiten eines English<br \/> Gentleman anpassen konnte, der jedoch gerne alleine lebte. Motiviert<br \/> wurde Backhouses F\u00e4lschen jedoch vermutlich durch Geldnot. Backhouse<br \/> floss das von seiner Adelsfamilie zur Verf\u00fcgung gestellte Geld nur so<br \/> durch die Finger. Schon aus Oxford musste er vor Gl\u00e4ubigern fliehen.<br \/> Dabei scheint Backhouse eine ungeheure Gabe gehabt zu haben, nicht nur<br \/> neue Vertraute zu finden, die bereit waren ihm Geld zu spenden, sondern<br \/> diese durch rhetorisches Geschick sehr lange zu vertr\u00f6sten und sich im<br \/> \u00e4u\u00dfersten Notfall in Luft aufzul\u00f6sen. Oftmals verschwand er f\u00fcr Monate<br \/> von der Bildfl\u00e4che &#8211; h\u00e4ufig auch legitimiert durch sein kr\u00e4nkelndes<br \/> Wesen. Durch diese spontanen Fluchten kam Backhouse jedoch weit herum:<br \/> Er besuchte Frankreich, Griechenland, Russland, Japan, wom\u00f6glich sogar<br \/> die USA, bevor er in China landete. Auf seinen Reisen lernte er meist<br \/> die jeweiligen Landessprachen. Damit war er anderen Westlern in China in<br \/> Fremdsprachen weit \u00fcberlegen. Trevor-Ropers Beschreibungen seines<br \/> Charakters ist detailliert, aber vorsichtig formuliert. Sodass man zu<br \/> dieser in Lebzeiten oftmals unerreichbaren Pers\u00f6nlichkeit eine gewisse<br \/> N\u00e4he entwickelt.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\t\tBackhouse und Blands Buch &#8222;China under the Empress Dowanger&#8220; war<br \/> zwar schon bald als verl\u00e4ssliche Quelle ausgeschlossen, doch<br \/> &#8222;sinologisch nachgewiesen&#8220; wurde die F\u00e4lschung erst 1995 durch <a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.eastasianhistory.org\/sites\/default\/files\/article-content\/01\/EAH01_05.pdf\"> Lo Hui-Min<\/a>, der \u00fcberzeugendere, da dem Dokument inh\u00e4rente Argumente findet.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: start;\">\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\t\tDoch Backhouse gr\u00f6\u00dfter Scoop w\u00e4ren seine Memoiren geworden &#8211; h\u00e4tten<br \/> sie vor 2011 einen Verleger gefunden. Backhouse begann auf Anraten<br \/> seines Vertrauten und Arztes &#8211; dem Schweizer Konsul Dr. Richard Hoeppli &#8211;<br \/> seine Memoiren zu schreiben. W\u00e4ren diese kurz nach seinem Tod 1944<br \/> tats\u00e4chlich ver\u00f6ffentlicht worden, w\u00e4ren sie vermutlich tats\u00e4chlich<br \/> skandaltr\u00e4chtig gewesen: Sie enthalten Details \u00fcber Backhouse<br \/> Liebesleben, unter anderem lebhafte Beschreibungen seiner wenig<br \/> platonischen Beziehungen mit einer Sammlung an illustren<br \/> Pers\u00f6nlichkeiten seiner Zeit. Dass Backhouse schon w\u00e4hrend seiner<br \/> Studienzeit in Oxford zu einem Kreis an Studenten z\u00e4hlte, die sich der<br \/> &#8222;griechischen Liebe&#8220; hingaben, war wohl bekannt. Doch in seinen Memoiren<br \/> beschreibt er Treffen mit Oscar Wilde, Paul Verlaine und Tolstoy. Doch<br \/> am spannendsten sind die geheimen Treffen mit Cixi.&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\t\tTrevor-Roper tut die Memoiren als &#8222;pornographische Schriften&#8220; ab,<br \/> als die sp\u00e4te Bl\u00fcte eines lang im Verborgenen lebenden alternden<br \/> Homosexuellen. Manche haben Trevor-Ropers negatives Portrait seiner<br \/> angeblichen Intoleranz Homsexuellen gegen\u00fcber zugeschrieben und versucht<br \/> Backhouse zu rehabilitieren. Doch Trevor-Ropers Bruder Patrick war<br \/> einer der fr\u00fchen offen homosexuellen Intellektuellen in England. Die<br \/> Beziehung zwischen den Br\u00fcdern wird auch von Trevor-Ropers Biograph<br \/> Sisman im Dunkeln gelassen. Fragen die Hughs Sexualit\u00e4t angehen, w\u00fcrden<br \/> schnell versacken. Nicht ausgeschlossen werden kann solch eine<br \/> pers\u00f6nliche Motivation, sei sie negativ oder positiv. Der Enttarnung<br \/> eines F\u00e4lschers sollte jedoch ein Reinfall folgen. Nur sechs Jahre<br \/> sp\u00e4ter wurde Trevor-Roper durch einen weiteren Tagebuch-F\u00e4lscher &#8211;<br \/> Konrad Kujau &#8211; zum Narren gemacht.&nbsp;Die Geschichte der F\u00e4lscherei<br \/> wird weiter geschrieben &#8211; auch und gerade in China.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\t&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: start;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\t\t\tOdila Schroeder<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n<hr>\n<h2 class=\"documentFirstHeading\" style=\"text-align: justify;\">\n\t<span id=\"parent-fieldname-title\"><a id=\"6\" name=\"6\">S<\/a>eminar: &#8222;China &#8211; Chance oder Risiko f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt&#8220; &#8211; SHAN in Berlin <\/span><\/h2>\n<div id=\"parent-fieldname-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tVom 7.-10. April 2013 fand in der Europ\u00e4ischen Akademie Berlin (EAB)<br \/> in Zusammenarbeit mit dem Verband \u00d6konomische Bildung an allgemein<br \/> bildenden Schulen (V\u00d6BAS e.V.) ein Seminar mit dem Titel \u201eChina \u2013 Chance<br \/> oder Risiko f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt\u201c statt. In direkter<br \/> Nachbarschaft zum chinesischen Botschafter in Deutschland Shi Mingde \u53f2\u660e\u5fb7<br \/> wurde hier im Berliner Stadtteil Grunewald drei Tage lang intensiv \u00fcber<br \/> die deutsch-chinesischen Beziehungen, sowie die aktuelle politische und<br \/> wirtschaftliche Lage Europas und der VR China im Vergleich, diskutiert.<br \/> Die Teilnehmer des Seminars setzten sich zum Gro\u00dfteil aus im Verband<br \/> V\u00d6BAS e.V. t\u00e4tigen Lehrkr\u00e4ften und Studenten verschiedener<br \/> Fachrichtungen zusammen, darunter Jura, Politik und Sinologie. Auch die<br \/> Sinologie Heidelberg war mit drei Studentinnen vertreten (Ren Yijun,<br \/> Rebecca G\u00f6hner und Fabienne Wallenwein).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDas Seminar war so strukturiert, dass Vortragende verschiedener<br \/> Institutionen in Bl\u00f6cken zu jeweils 90 Minuten Informationen zu einem<br \/> mit China oder der \u00d6konomie in Verbindung stehenden Themen \u00fcbermittelten<br \/> und im Anschluss frei mit den Vortragenden diskutiert werden konnte. Zu<br \/> den Vortragenden z\u00e4hlten unter anderen der Leiter des Referats Asien<br \/> und Pazifik der Friedrich-Ebert-Stiftung J\u00fcrgen Stetten, der<br \/> Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Asien-Pazifik-Instituts f\u00fcr Management GmbH und<br \/> Stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Chinesischen<br \/> Wirtschaftsvereinigung e.V. der Region Berlin-Brandenburg Jochen Noth<br \/> und zwei Professoren der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft und Recht Berlin. Die<br \/> Themen umfassten eine sehr gro\u00dfe Bandbreite an allem, was mit China und<br \/> der EU in Verbindung steht, wie Entwicklungen und Herausforderungen im<br \/> europ\u00e4ischen und chinesischen Wirtschaftsraum, Urbanisierung und<br \/> Ver\u00e4nderungen in der Landwirtschaft, aber auch Menschenrechte und<br \/> Umweltprobleme in China.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tEin H\u00f6hepunkt des Seminars war zweifellos der Besuch in der<br \/> chinesischen Botschaft, wo die Teilnehmer des Seminars erstmals durch<br \/> einen Vertreter des Botschafters empfangen wurden. Der Leiter der<br \/> Wirtschafts- und Handelsabteilung der Botschaft der VR China in<br \/> Deutschland, Meng Fanzhuang \u5b5f\u7e41\u58ee, hielt zun\u00e4chst einen Vortrag \u00fcber China<br \/> und Deutschland als Handelspartner und stellte sich dann den Fragen der<br \/> Seminarteilnehmer. In seinem Vortrag sprach er ganz gezielt<br \/> grundlegende \u00c4ngste von deutscher Seite an, wie beispielsweise die eines<br \/> unkontrollierten Technologietransfers und eines Abflusses von Know-how<br \/> durch Spionaget\u00e4tigkeiten. Gleichzeitig betonte er, dass China auch<br \/> starke Partner im europ\u00e4ischen Raum ben\u00f6tige, sodass beide Seiten von<br \/> der Zusammenarbeit profitieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tIn der nachfolgenden Diskussion kristallisierten sich ganz<br \/> unterschiedliche Reaktionen auf den Besuch in der Botschaft heraus.<br \/> W\u00e4hrend einige sich in ihren Erwartungen best\u00e4tigt sahen, zeigte sich<br \/> ein Gro\u00dfteil der Besucher positiv \u00fcberrascht \u00fcber die Offenheit des<br \/> Gesandten. So beantwortete er beispielsweise die Frage nach der in der<br \/> VR China immer noch praktizierten Todesstrafe ganz direkt und ohne<br \/> Umschweife. Er wies darauf hin, dass 80-90% der Bev\u00f6lkerung diese<br \/> unterst\u00fctzen w\u00fcrden. Die Offenheit des Gespr\u00e4chs wurde weiterhin von<br \/> einer Teilnehmerin best\u00e4tigt, welche bereits an mehreren<br \/> Botschaftsbesuchen teilgenommen hatte und dort ganz andere Erfahrungen<br \/> machen musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tInsgesamt profitierte das Seminar sowohl von der gro\u00dfen Altersspanne<br \/> der Teilnehmer, als auch den sehr lebhaften Diskussionen. Besonders im<br \/> Abschlussgespr\u00e4ch wurde deutlich, dass das Chinabild der \u00e4lteren<br \/> Generationen und das der Studenten, besonders auch der<br \/> Sinologiestudenten, erhebliche Unterschiede aufweist. Es bestand ein<br \/> Konsens dar\u00fcber, dass die Berichterstattung in den deutschen Medien oft<br \/> sehr negativ behaftet ist. Dennoch wurde immer wieder betont, dass eine<br \/> kritische Betrachtungsweise der Beziehungen und einzelner Prozesse<br \/> angebracht und notwendig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t\tDie intensive Besch\u00e4ftigung mit China und den deutsch-chinesischen<br \/> Beziehungen auf diesem Seminar f\u00fchrte bei vielen Teilnehmern zu neuen<br \/> Denkanst\u00f6\u00dfen und ist durchaus weiter zu empfehlen. Die EAB informiert<br \/> auf ihrer <a class=\"external-link\" href=\"http:\/\/www.eab-berlin.de\/\">Website<\/a> \u00fcber solche Veranstaltungen, sodass diese bei Interesse jederzeit wahrgenommen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\t\tFabienne Wallenwein<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"relatedItems\" style=\"text-align: justify;\">\n\t&nbsp;<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<a href=\"#Inhalt\"><strong>&lt;&lt; Zur\u00fcck zum Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INHALT Krisenmanagement in China Was sind &#8222;Gl\u00fcckseligkeitspartikel mit chinesischen Charakteristika&#8220;? Wie wird Life of Pi zu Life of Pig? 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