INHALT
Dritte Ehemaligenfeier von SHAN e.V. am 14. Mai 2011
Am 14. Mai feierte SHAN die dritte Ehemaligenfeier der Sinologie mit
einem abwechslungsreichen und feierlichen Programm. Das
SHAN-PR-Team lässt die Höhepunkte noch einmal Revue passieren.
Prof. Lothar Ledderose: „Als Heidelberger Wissenschaftler in China: Je länger, je lieber“
Im Rahmen der dritten Ehemaligenfeier von SHAN am 14. Mai sprach als
Festredner Prof. Dr. Lothar Ledderose. Er berichtete dabei von den
Anfängen seines Studiums, Erlebnissen bei seinen zahlreichen Reisen in
die VR und Taiwan und seinen aktuellen Forschungen.
Wo liegt die Grenze zwischen Asien und Europa?
Ende Mai stellten sich die fünf Professoren des Exzellenzclusters
„Asien und Europa im globalen Kontext“ in einer gemeinsamen Vorlesung
vor. Die Veranstaltung befasste sich mit einer stets aktuellen
ebenso wie kontrovers diskutierten Frage: Wo liegt die Grenze
zwischen Asien und Europa?
Chinesisch-deutsche Ehepaare
Kurz nach dem Ersten Weltkrieg kamen viele chinesische Studenten nach
Deutschland. Einige von ihnen heirateten deutsche Frauen und gingen mit
diesen nach China zurück. Darunter waren auch schillernde
Persönlichkeiten wie die spätere Autorin von „Ich kämpfte für Mao“: Anna
Wang.
SHAN-Restaurantkritik: Tiger & Dragon’s Food Corner
SHAN macht sich in der (ost-)asiatisch-kulinarischen Landschaft auf
die Suche nach dem 源(味)道 und die erste SHAN-Restaurantkritik widmet sich
dem Tiger&Dragon’s Food Corner.
Sprachkolumne. Folge 2: 狗血 – Hundeblut
„Diese TV-Serie ist viel zu viel „Hundeblut“! Die Probleme zwischen
der Ehefrau und der Schwiegermutter sind noch nicht genug, da gibt’s
noch die andere Frau!“ Die Wendung „狗血“ benutzen viele chinesische junge
Leute in den letzten Jahren ganz häufig im Internet und in der
Umgangssprache, um ihre Kritik an Geschichten auch dramatisch
auszudrücken.
Filmrezension: 刺陵 – The Treasure Hunter
In dieser Ausgabe widmet sich die Filmrezension The Treasure Hunter
(刺陵). „Indiana Jones trifft die Mumie!“ (DVD-Cover) und „The Treasure
Hunter ist alles, was der letzte Indiana Jones hätte sein sollen!“
(amazon Produktbeschreibung), der Film verspricht viel, die Erwartungen
waren hoch…
Dritte Ehemaligenfeier von SHAN e.V. am 14. Mai 2011
Am 14. Mai feierte SHAN die dritte Ehemaligenfeier der Sinologie
in Heidelberg. Eingeladen waren neben den Absolventen früherer Jahrgänge
sowohl die Studierenden des Instituts, als auch dessen Mitarbeiter und
viele weitere China-Interessierte.
Der Tag begann mit einem Vortrag von Sara Tsudome, die über ihre Arbeit
für AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. berichtete.
Zunächst beschrieb sie ihren eigenen Werdegang vom Studium in
Heidelberg über Stationen in Shandong und den zunächst fachfremden
Berufseinstieg in der Computerbranche. Über ihre ehrenamtliche Tätigkeit
erhielt sie dann Kontakt zu AFS und arbeitet inzwischen seit 2004 für
die international tätige Organisation.
Jedes Jahr organisieren die 90 hauptamtlichen Mitarbeiter von AFS in
Deutschland die Entsendungen von 1200 deutschen Jugendlichen, die für
ein Jahr im Ausland in Gastfamilien leben. Im Gegenzug werden in
deutschen Familien für denselben Zeitraum jedes Jahr etwa 1000
aufgenommen.
Im Anschluss an den Vortrag nutzten einige Studierende die Möglichkeit
Sara Tsudome sowohl konkret zu ihrer Arbeit, als auch eher allgemein zu
ihrer Einschätzung der Berufsmöglichkeiten von Sinologiestudenten zu
befragen. Dabei zeichneten Frau Tsudome, ebenso wie die ebenfalls
anwesenden Alumni ein klares Bild: das Studium ist erst der Anfang. Für
den Berufseinstieg von zentraler Bedeutung sind jedoch
Zusatzqualifikationen wie z.B. studienbegleitende Praktika, Nebenjobs,
aber auch Auslandserfahrungen und Flexibilität, durch die sich viele
Sinologen auszeichnen. Die rege Diskussion zu Berufschancen setzte sich
beim Mittagessen im Marstall fort.
Am Nachmittag begann dann mit einem Sektempfang in den Empfangsräumen
des Rektors neben der Alten Aula der offizielle, festliche Teil der
Ehemaligenfeier. Das fröhliche Wiedersehen und der Austausch von
Neuigkeiten standen vor dem Festvortrag im Zentrum des Treffens.
Der Höhepunkt folgte direkt im Anschluß. Zunächst berichtete Lena
Hessel, Vorsitzende von SHAN, von den Aktivitäten des Vereins im letzten
Jahr. Außerdem stellte sie den neuen Mitgliederbereich der Homepage
vor, der zu einer weiteren Vernetzung der Alumni beitragen soll.
Darauf folgte Zhan Yuanfang, die virtuos auf dem Guzheng chinesische
Volksweisen vortrug und auf den festlichen Vortrag einstimmte. Professor
Lothar Ledderose berichtete mit seinem Festvortrag unter dem Motto:
„Forschen in China – Je länger, je lieber“, von seiner inzwischen mehr
als 30 Jahre andauernden Auseinandersetzung mit China.
Herr Ledderose schmückte seinen Bericht mit zahlreichen Anekdoten. So
berichtete er u.a. wie es ihm gelungen war, den Wehrdienst zu umgehen.
In einem weiteren Exkurs schilderte er die Atmosphäre des Mißtrauens,
die dem Institut für Sinologie nach der Zündung der ersten Atombombe
Chinas zu schaffen machte: doch durch einen Trick wurde man die Spitzel
des Verfassungsschutzes auch rasch wieder los.
Für alle heutigen Studierende scheinen die einzigartigen
Erlebnisse Ledderoses im Taipeh der 70er Jahre die goldene Vergangenheit
zu sein. Herr Lederrose hatte so u.a. die Gelegenheit als eine Art
„Privatsekretär“ des Leiters des Palastmuseums dort zu arbeiten,
als auch zahlreiche illustre Persönlichkeiten und ranghohe
Politiker Taiwans persönlich kennen zu lernen.
Der Abend fand seinen gelungenen Abschluss beim gemeinsamen Abendessen im Restaurant Asia.
Helen Hübner
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„Als Heidelberger Wissenschaftler in China: je länger, je lieber“
Im Rahmen der Dritten Ehemaligenfeier von SHAN am 14. Mai sprach als
Festredner in diesem Jahr Professor Dr. Lothar
Ledderose. Von 1961 bis 1969 hatte er Ostasiatische
Kunstgeschichte, Europäische Kunstgeschichte, Sinologie und Japanologie
an den Universitäten von Köln, Bonn, Paris, Taipei und Heidelberg
studiert. 1969 wurde er in Heidelberg promoviert. Seit 1976 ist
Lothar Ledderose Professor für Ostasiatische Kunstgeschichte an der
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.
SHAN freute sich den international renommierten Wissenschaftler als
diesjährigen Festredner für die Ehemaligenfeier gewinnen zu können.
Bei den Studenten ist sein lebendiger, spontaner Vortragsstil sehr
beliebt – so erfreute er auch seine Zuhörer an diesem
Samstagnachmittag.
Prof. Ledderose schmückte seinen Bericht mit zahlreichen Anekdoten. So
berichtete er u.a. wie es ihm gelungen war den Wehrdienst zu umgehen:
zum Zeitpunkt seiner Musterung studierte er bereits im dritten
Semester bei Walter Fuchs und wollte nach Möglichkeit das Studium
auch nicht unterbrechen. Ob es das exotische Studienfach oder ein
persönlicher Gefallen war? Der Wehrdienst wurde ihm auf jeden Fall
erlassen.
In Heidelberg führte Lothar Ledderose sein Studium bei Prof. Wolfgang
Bauer und Prof. Dietrich Seckel in Heidelberg fort. In einem weiteren
Exkurs schilderte er die Atmosphäre des Mißtrauens, die dem Institut für
Sinologie nach der Zündung der ersten Atombombe in der Volksrepublik
1964 zu schaffen machte: doch durch einen Trick wurde man die Spitzel
des Verfassungsschutzes auch rasch wieder los. Innerhalb von drei Wochen
beraumte der Dozent eine Sprachprüfung Chinesisch an, die die
„Schlapphüte“ nicht bestanden. Und danach wurden sie am Institut nicht
mehr gesehen..
Von Heidelberg ging Ledderose 1965 nach Paris, da die Studierenden in
Frankreich bereits die Möglichkeit erhielten während ihres Studiums in
die VR China zu reisen. Doch seine Versuche ebenfalls an dem Austausch
teilzunehmen, scheiterten. Und auch die französischen Studierenden kamen
nach einigen Monaten wegen des Beginns der Kulturrevolution 1966 wieder
nach Europa zurück.
Für alle Studierenden, die inzwischen mit zahlreichen anderen
Auslandsstudenten nach China, sowohl in die VR als auch nach Taiwan
reisen, scheinen die einzigartigen Erlebnisse Ledderoses im Taipeh der
70er Jahre die goldene Vergangenheit zu sein. Herr Ledderose hatte so
u.a. die Gelegenheit als eine Art „Privatsekretär“ des Leiters des
Palastmuseums dort zu arbeiten. Er lernte zahlreiche illustre
Persönlichkeiten und ranghohe Politiker Taiwans persönlich kennen. Dazu
gehörte sogar eine Begegnung mit Jiang Kaishek persönlich! Wenn auch aus
der Entfernung.
Mit einer Gruppe von Professoren aus der BRD erhielt Prof. Ledderose
im Jahr 1977 erstmals die Gelegenheit in die Volksrepublik zu reisen.
Seither ist er regelmäßig für Forschungsarbeiten u.a. in Shandong und
Hebei. Auch davon zeigte er während des Vortrags zahlreiche Fotos.
Wir danken Herrn Prof. Lothar Ledderose herzlich für seinen Vortrag
und können uns dem Motto des Nachmittags anschließen: „Als Heidelberger
Wissenschaftler in China: je länger, je lieber“.
Helen Hübner
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Wo liegt die Grenze zwischen Asien und Europa?
Im Rahmen der diesjährigen Jubiläumsfeier der Universität Heidelberg
gab es im Laufe des Jahres bereits einige interessante Vorträge. So auch
am Mittwoch, den 25. Mai, an dem die fünf Professoren des
Exzellenzclusters „Asien und Europa im globalen Kontext“ zu einer
gemeinsamen Vorlesung mit anschließender öffentlicher Debatte einluden.
Einen passenden Rahmen fand die Veranstaltung, die sich mit den Grenzen
zwischen Asien und Europa beschäftigte, in der Alten Aula der
Universität.
Eingeleitet wurde die Veranstaltung vom geschäftsführenden Direktor des
Clusters, Prof. Dr. Rudolf G. Wagner. Nach einer kurzen Vorstellung des
Clusters und seinen Aufgaben, gab er das Podium an den ersten Redner
des Abends, Herrn Prof. Dr. Joachim Kurtz weiter. Als Professor für
Wissensgeschichte berichtete dieser über die globale Verbreitung der
Begriffe „Asien“ und „Europa“, wobei er auch mehrere, dem Europäer eher
fremde Weltkarten, aus chinesischer Perspektive zeigte. Diese Karten
zeigten deutliche Unterschiede zu den uns geläufigen Weltkarten, denn
falls Europa überhaupt auftauchte, befand es sich in einer Randposition
zu dem zentral liegenden China und war auch im Vergleich zu eher
phantastischen Gebieten, wie dem „Land der Frauen“, größenmäßig
unterlegen.
Aus japanischer Perspektive wurde hingegen das Problem der Grenzziehung
von Herrn Prof. Dr. Harald Fuess betrachtet. Sein Schwerpunkt war dabei
die Zuordnung zum „Westen“, also Europa oder zum „Osten“, also Asien,
wie Japan ihn im Laufe der Geschichte selbst vorgenommen hatte. Harald
Fuess ist Professor für Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. Am Ende
seines Vortrags ließ er die Frage offen, wo sich Japan zukünftig in der
Welt einreihen werde.
Prof. Dr. Birgit Kellner, Professorin für Buddhismusstudien, führte die
Zuhörer in die Zusammenhänge zwischen Grenzziehung und Buddhismus ein.
Dabei konzentrierte sie sich auf die Identitätsstiftende Funktion des
Buddhismus im 19. Jahrhundert und beschrieb wie dieser, obwohl er
ursprünglich aus Indien stammt, später auch die Entwicklung Ostasiens
nachhaltig prägte.
Der nächste Vortrag führte uns in den Bereich der Kunstgeschichte und
des interkulturellen Umgangs mit Grenzziehungen in Kunstwerken. Als
erste Professorin für Globale Kunstgeschichte in Deutschland, erläuterte
Frau Prof. Dr. Monica Juneja diesen Bereich an Hand von antiken
Heldinnen aus Asien und Europa und deren künstlerische Darstellung. Auch
sie verwies dabei auf Bildmaterial, das die Verschmelzung der
Geschichten dieser Heldinnen in den Werken der Künstler zeigt.
Der letzte Vortrag vor der öffentlichen Diskussion kam aus dem Bereich
der Ethnologie. Frau Prof. Dr. Christiane Brosius, Professorin für
Visuelle- und Medienethnologie, machte an Hand des Beispiels des
indischen Künstlers Anish Kapoor die Probleme einer klaren Grenzziehung
zwischen Asien und Europa deutlich. Sie berichtete, wie es einem
Künstler indischer Herkunft mit Wohnsitz in Großbritannien gelingen
konnte, sich durch seine Kunst soweit in beiden Nationen zu integrieren,
dass sowohl Indien als auch Großbritannien ihn als einen der ihren und
als Identifikationsfigur betrachten.
Anschließend gab es die Möglichkeit einer öffentlichen Diskussion, die
von der Co-Direktorin des Exzellenzclusters, Frau Prof. Dr. Madeleine
Herren-Oesch, geleitet wurde.
Einen wundervollen Abschluss fand die Veranstaltung mit der
Gesangseinlage eines Zuhörers aus Chicago, der ebenfalls zum Vortrag des
Clusters gekommen war.
Ronja Brögger und Fabienne Wallenwein
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Chinesisch-Deutsche Ehepaare: die Familien Liao, Wang, Wu und Xiao
Kurz nach dem Ersten Weltkrieg kamen viele chinesische Studenten
nach Deutschland. Einige von ihnen heirateten deutsche Frauen und
gingen mit diesen nach China zurück. Vier Paare sollen hier
vorgestellt werden.
Wu Jianxi (aus der Provinz Henan) kam Anfang der zwanziger Jahre
nach Göttingen und studierte dort Mathematik. Er bildete mit
anderen chinesischen Studenten eine kommunistische Gruppe. Zu
seinen Bekannten gehörten Zhu De (der später die Rote Armee führte)
und Xie Weijin, der im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte. (Von Sichuan nach Deutschland und Spanien: Xie Weijin (1900-1978)).
Wu traf in Göttingen Irene Weitemeyer und beide reisten später
über Moskau nach China. Wu arbeitete für den sowjetischen Agenten
Richard Sorge, seine Frau betrieb – vermutlich im Auftrag der
Komintern – einen Buchladen. (Der Zeitgeist Buchladen in Shanghai und die Buchhändlerinnen Irene, Isa und Ursula).
Mitte der dreißiger Jahre ging Wu nach Peking, seine Frau nach
Moskau, die genauen Hintergründe sind unklar. Wus weiteres Leben in
China ist gut dokumentiert, über seine Frau ist nicht mehr
bekannt. Der Universitätsprofessor Wu starb 1973 in China; seine
Frau soll 1978 in der Bundesrepublik gestorben sein.
Liao Huanxing, der aus der Provinz Hunan stammte und dort mit Mao
Zedong befreundet war, reiste kurz nach der Gründung der KP Chinas
(1921) nach Deutschland und lebte in Berlin. Er traf offenbar schon
früh seine spätere Frau Dora, die die Tochter eines süddeutschen
Schusters gewesen sein soll. Ende der zwanziger Jahre gingen sie
nach Moskau, wo sie lange Zeit arbeiteten. Während der
stalinistischen Säuberungskampagnen wurde Liao verhaftet und
verbrachte viele Jahre in Lagern. Erst nach der Gründung der VR
China (1949) wurde er – angeblich aufgrund einer Initiative Mao
Zedongs – freigelassen und starb aufgrund seines schlechten
Gesundheitszustands nach wenigen Jahren (1964). Seine Frau und sein
Sohn lebten weiter in der chinesischen Hauptstadt. In
manchen Bibliotheken findet man heute noch deutschsprachige Bücher,
die von „Dora Liau“ übersetzt wurden.
Wang Bingnan (aus Shaanxi) reiste Ende der zwanziger Jahre zum
Studium nach Deutschland. In Berlin lernte er die Studentin Anna
(Anneliese) kennen, die aus Ostpreußen stammte. 1936 gingen die
beiden, die damals schon an kommunistischen Aktivitäten beteiligt
waren, nach China. Anna war schwanger und bekam im Oktober einen
Sohn namens Liming. Als sie noch in Shanghai wohnte, war ihr Mann –
im Dezember 1936 – am berühmten Xi’an-Zwischenfall beteiligt.
(Zwei Deutsche in Xi’an: Anna Wang und Herbert Wunsch im Dezember 1936).
Nach der Gründung der VR China lebten beide – schon getrennt – in
der chinesischen Hauptstadt. Er wurde später Botschafter in Polen
(wo ihr Geburtsort lag) und starb 1988. Sie siedelte zunächst in
die DDR über und ging später in die BRD. Dort wurde sie durch das
Buch „Ich kämpfte für Mao“ bekannt. Sie heiratete noch einmal,
lebte mit ihrer Familie im Hamburger Raum und starb 1989. Auch Wang
Liming lebte lange in Hamburg.
Alle oben erwähnten Personen kannten auch die aus Breslau
stammende Photographin Eva Sandberg, die in Moskau den Dichter und
Journalisten Xiao San traf und mit diesem später nach China ging.
(Auch Xiao San stammte aus Hunan und kannte Mao Zedong.) Sie
nannte sich nun Eva Siao und hatte drei Söhne (Vitja, Lion,
Heping). In Yan’an lernte sie u.a.
Xie Wejins Sohn Han Sen kennen, der besser Deutsch als
Chinesisch sprach. In den neunziger Jahren veröffentlichte sie ihre
Memoiren und reiste wiederholt nach Deutschland. Sie starb im
Jahre 2001, ihr Mann war schon 1983 gestorben.
Es fällt auf, daß alle Ehegatten aus China waren, die Gattinen
aus Deutschland; dies lag an der geringen Zahl von Chinesinnen, die
vor dem Krieg in Deutschland lebten. Die Männer starben alle in
China vor ihren Frauen, von denen zwei (Eva Siao und Dora Liao) in
China blieben, die anderen beiden kehrten nach Deutschland zurück.
PS:
In der gerade erschienenen Ausgabe der Briefe (1953-1983) von Anna
Seghers (Berlin, 2010) gibt es einen Brief von ihr an das Ehepaar Liau
v. 5.4.1955:
„Liebe Dora, Lieber Hansin, ich bin sehr froh von Euch Post zu bekommen. […]
Mein Mann und ich, wir wünschen uns heiss nach China zu fahren,
diesmal zusammen. Ich hoffe sehr, dass wir uns in Peking oder Berlin in
nicht zu langer Zeit wiedersehen werden. […]“ (S. 37) In einer Anmerkung
hierzu steht ausserdem: A.S. und ihr Mann „kannten Hansin Liau,
der zwischen 1925 und 1928 in Berlin ein wichtiger chinesischer
Verbindungsmann zur KPD war, und seine deutsche Frau Dora aus ihrer
frühen Berliner Zeit. […] Eine spätere Reise kam nicht zustande.“ (S.
366) (Die Heidelberger Sinologin Netty Reiling und die Berliner Schriftstellerin Anna Seghers )
Literatur:
Anna Wang: Ich kämpfte für Mao, Hamburg, 1964, 1973.
Ruth Werner: Sonjas Rapport, Berlin, 1977.
Eva Siao: China, mein Traum, mein Leben, Bergisch Gladbach, 1990.
Thomas Kampen: Deutsche und österreichische Kommunisten im
revolutionären China, Jahrbuch für historische Kommunismusforschung,
1997, 88-104.
Thomas Kampen: Xie Weijin und die Gebrüder Kisch, Das neue China, Juni
2001, 27-28.
Han Sen: Ein Chinese mit dem Kontrabass, München, 2001.
Thomas Kampen: Chinesen in Europa – Europäer in China: Journalisten,
Spione, Studenten, Gossenberg, 2010.
Dr. Thomas Kampen
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SHAN-Restaurantkritiken: Tiger&Dragon’s Food Corner
SHAN-Restaurantkritiken
源 (味) 道
Öfters hört man, besonders von Studenten, die gerade vom Festland oder
aus Taiwan zurückgekommen sind, die Klage, das (ost-) asiatische Essen
in Heidelberg sei einfach nicht das Wahre.
Das hat SHAN neugierig gemacht auf die (ost-) asiatisch-kulinarische
Landschaft Heidelbergs und nachdem eine Recherche 18 Restaurants und
Schnellimbisse zu Tage gefördert hatte, machten wir uns mit knurrendem
Magen auf die Suche nach dem 源 (味) 道.
Tiger & Dragon’s Food Corner
In dieser Ausgabe begann SHAN mit dem Naheliegenden und besuchte den Tiger&Dragon‘s Food Corner. Unweit des Instituts für Sinologie im Carré
gelegen, liegt es sicherlich auch an dieser zentralen Lage, dass man in
der Rush-Hour der Mittagspause schon einmal nach einem der letzten
Sitzplätze suchen muss.
Atmosphäre und Ambiente
Das Restaurant lädt mit seiner liebevollen Einrichtung dazu ein, sich
das Essen nicht nur zum Mitnehmen zu bestellen, auch wenn es mit den
großen Fensterfronten das Aquarium, das in der Mitte des Restaurants
steht, architektonisch aufzugreifen scheint. Im Außenbereich finden sich
außerdem Sitzplätze für sonnige Tage, allerdings direkt neben der
vielbefahrenen Rohrbacherstraße – der Preis für die zentrale Lage. Nur
in der Mittagszeit kann es trotz der zahlreichen Tische etwas eng
und laut werden.
Um an sein Essen zu kommen, muss man selbst aktiv werden und sich an
der langen Theke mit einem Tablett anstellen – das weckt vor allem bei
längeren Wartezeiten Erinnerungen an die Heidelberger Mensen.
Die Karte und das Essen
Am günstigsten kommt man hier mit Krabbenchips für 1 € davon – auch
wenn man davon nicht satt wird, 7,60 € zahlt man für Gerichte mit
Shrimps. Das ist der Rahmen, in dem sich alle Gerichte bewegen.
Geschmacklich war sich unser SHAN-Team einig, nicht überrascht worden
zu sein. Was bestellt wurde, hielt was es versprach und blieb eher durch
die sich anschließende Sättigung als durch einen exklusiven Geschmack
in Erinnerung.
Abwechslung kommt bei der Soup Yourself – Suppenbar auf, bei der man auf eigene Faust je vier Nudelsorten, Suppen-Basen und Beilagen kombinieren kann.
In Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis ist wohl die kleine Portion
gebratenen Nudeln für 2,70 € unschlagbar, die sich großzügiger Weise,
abgesehen von dem Preis, kaum von der großen Portion unterscheidet und
bis jetzt noch jeden leeren Bauch gefüllt hat.
Was nicht in der Karte steht
Zum Tagesessen gibt es für 1 € ein Heidelberger Pils dazu.
Die gebratenen Nudeln gibt es auch vegan ohne Ei und Fleisch.
Fazit
Tiger&Dragon‘s Food Corner ist genau das Richtige für ein
schnelles Essen in der Mittagspause oder nach einem langen Arbeitstag,
wenn der Magen laut knurrt. Denn satt und zufrieden verlässt man das
Restaurant mit Sicherheit wieder.
Esther Berg
Tiger&Dragon’s Food Corner
Rohrbacher Str. 8
69115 Heidelberg
Öffnungszeiten: Mo-Sa 11-22 Uhr, So. und feiertags 13-22 Uhr.
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Sprachkolumne: 狗血 – Hundeblut
Beispiel:
“这部电视剧也太狗血了吧! 光是婆媳问题还不够,还有第三者!”
„Diese TV-Serie ist viel zu viel „Hundeblut“! Die Probleme zwischen der
Ehefrau und der Schwiegermutter sind noch nicht genug, da gibt’s noch
die andere Frau!“
Die Wendung „狗血“ benutzen viele chinesische junge Leute in den letzten
Jahren ganz häufig im Internet und in der Umgangssprache, um ihre Kritik
an Geschichten auch dramatisch auszudrücken. Im oben dargestellten
Beispiel kann man schon die Spur finden, dass diese Fernsehserie ganz
klischeehafte Konflikte thematisiert.
Mit „狗血“ meint man hier, dass die Handlung eines Films, Romans, oder
von TV- Sendungen, Musik, Theater usw. nichts Originales haben, sondern
nur „klassische“ Dramen, die alle schon lange kennen. Die Darstellung
ist meistens formelhaft, banal und trivial. Die Gute werden nach jenen
Dramen endlich ihr Happy-End finden und die Schlechten bekommen trotz
aller erfolgreichen Listen am Ende den von Allen erhofften Untergang.
Vor diesem Ende sind so viel wie möglich klischeehafte Konflikte
willkommen. Jeder weiß, dass die Geschichte schon nicht mehr schlechter
werden kann, und doch schaut es sich jeder wie hypnotisiert an.
Und warum?! Vielleicht, weil man doch wissen möchte, ob es noch
eine Grenze für „schlecht“ gibt?
Im Alltag benutzen die jungen Leute auch „狗血“ zum Beispiel in dem Fall,
wenn jemand Ihnen eine komplizierte Liebesgeschichte erzählt hat. Sie
können einfach sagen, „这故事真够狗血的!“ – „Diese Geschichte ist wirklich genug
Hundeblut!“ Was da passiert ist, können Sie sich vielleicht schon
selbst vorstellen.
Ursprung:
Diese Redewendung „洒狗血“ (Hundeblut verspritzen) kam zuerst unter den
Schauspielern der Pekingoper auf. Ihre Darstellung einer Rolle kann man
in drei Stufen beurteilen und die heftigste Kritik nennt man „洒狗血“.
Damit kritisiert man, dass die Schauspieler die Figuren mit zu viel
Emotion, und dabei ganz oberflächlich und übertrieben gezeigt haben. Sie
spielen, als ob sie die Figuren gut verstanden hätten. Aber tatsächlich
haben sie die Figuren völlig ungeschickt dargestellt.
In einem empfehlenswerten Film über zwei Schauspieler der Pekingoper
„Lebewohl, meine Konkubine“ (Originaltitel: 霸王別姬, Bàwáng Bié Jī,
inszeniert von Chen Kaige) tauchte diese Redewendung ebenfalls auf. Die
Hauptfigur Dieyi sagt in einer Szene zur Freundin ihres Geliebten
Xiaolou, eine Prostituierte und ebenfalls eine der Hauptfiguren:
„没学过戏,那就别在这儿洒狗血了.“ – „Wenn du die Oper nicht gelernt hast, dann
verspritz‘ hier auch kein Hundeblut mehr.“
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Filmrezension – The Treasure Hunter (刺陵)
The Treasure Hunter, erschienen 2009 zuerst in
Taiwan, ist ein Actionfilm, der auf der deutschen DVD Ausgabe mit der
Beschreibung „Indiana Jones trifft die Mumie“ beworben wird. Dies klingt
ebenso vielversprechend wie die Starbesetzung mit Jay Chou (周杰倫) und
Lin Chi-ling (林志玲) sowie Ching Siu-tung (程小東) als Action-Director für
die Stuntszenen. Ching Siu-tung zeichnet sich verantwortlich als
Regisseur für Filme wie A Chinese Ghost Story 1-3 und als Action-Director für Filme wie Hero, House of Flying Daggers, und Curse of the Golden Flower.
Leider muss an dieser Stelle bereits gesagt werden, dass der Film
auf allen Ebenen die Erwartungen an Darsteller und Crew enttäuscht. Mit
einem Budget von 15 Millionen US-Dollar, und somit einer der teuersten
Filme aus Taiwan aller Zeiten, nahm The Treasure Hunter an den
Kassen in Taiwan, Hong Kong, und dem Rest von China nur 11 Millionen
US-Dollar ein, was angesichts der zum Teil katastrophal schlechten
Leistung der Schauspieler und vor allem der des Regisseurs und der
Setdesigner liegen dürfte.
Die Handlung spielt sich größtenteils in der Wüste im Westen Chinas
oder der Mongolei ab, wo angeblich ein riesiger Schatz verborgen liegt.
Dieser Schatz wird von einer Gruppe mysteriöser Krieger beschützt, und
dies schon seit Ewigkeiten (Die Mumie lässt grüßen…). Eine geheime Karte
mit der exakten Position des Schatzes existiert, wird aber von einer
internationalen Verbrecher-Organisation namens „The Company“ geklaut.
Diese „Company“ begibt sich dann auf die Suche nach dem Schatz. Jay Chou
alias Qiao Fei, zusammen mit Lan Ting, seiner früheren Geliebten, und
einem berühmten, wenngleich dubiosen, Archäologen, versuchen daraufhin
die Karte zurückzubekommen und so kommt es zu einer wilden wüsten
Verfolgungsjagd mit mittelmäßigen Kampfszenen in einer nicht näher
definierten Wüste.
Um nicht lange bei der eher langweiligen Handlung des Films zu
verweilen, wird nun Kritik am durchaus einfach schlechten Setting und
vor allem Set des Films geübt. Erstens, die Lage der Wüste in der The Treasure Hunter
spielt ist unbekannt (oder dieser Autor hat sie einfach nicht
mitbekommen). Zweitens, die Requisiten und Gebäude sind in ihren
zeitlichen Kontexten wild durcheinander gemischt, soll heißen, es
entsteht ein komischer Mix aus Neuzeit, altem China, dem Wilden Westen, Star Wars Episode IV (jedenfalls nach der Meinung des Autors samt Mitgucker) und Tomb Raider 1,
um nur einige wenige zu nennen. Drittens, die Action- und Kampfszenen
sind nichts an was man sich später erinnern würde und erzeugen, obwohl
sie teuer produziert erscheinen, nie wirklich Spannung. Viertens, The Treasure Hunter reicht in keinster Weise an Die Mumie und Indiana Jones
heran, wobei man sich bei Letzterem wirklich streiten kann, ob dies
überhaupt möglich ist. Ferner liegt der Film auch nirgendwo zwischen
beiden, sondern irgendwo wo man noch nie von Rick O’Connell, Dr. Marcus
Brody, Henry und Indiana Jones, oder Imhotep gehört hat. Und letztlich
fünftens, Jay Chou nutzt sein Markenzeichen der genuschelten
sprachlichen Darbietung konsequent aus, sodass man kaum ein einziges
Wort versteht, das aus seinem Mund kommt. In Taiwan ist dies anscheinend
vor allem von weiblichen Fans geschätzt (man sagt auch „er spreche als
habe er ein Ei im Mund“), jedoch als Film zur Übung des
Hörverständnisses für den gemeinen Sinologiestudenten ist dies völlig
unbrauchbar.
Fazit: Nicht anschauen oder gar kaufen! Außer für große Jay Chou Fans ist The Treasure Hunter eine Zeitverschwendung von ca. 2 Stunden.
Johann Platt
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