INHALT
Ein Autounfall in der chinesischen Hauptstadt und die Folgen für Ling Jihua und Hu Jintao
Die Fahrt mit seinem Ferrari endete für
einen jungen Chinesen tödlich. Nach einer überraschend langsamen
Aufklärung des Unfallhergangs entwickelte sich der Vorfall zu einem
politischen Skandal.
Buchrezension: Japan Inc. (2011) von Karl Pilny
Biowaffen, die an Menschen getestet
werden, Yakuzas, Korruption und Fukushima: Mit diesen brisanten Themen
beschäftigt sich der Politthriller Japan Inc. von Karl Pilny, einem deutschen Juristen und Unternehmensberater, der lange Zeit in Japan lebte.
TCM: Hokuspokus oder ernstzunehmende Heilmethode?
Eine Podiumsdiskussion, die von der
Global China Connection organisiert wurde, befasste sich mit der
wachsenden Popularität der Traditionellen Chinesischen Medizin bei
deutschen Patienten. Im Fokus der Veranstaltung stand auch die Frage
nach der wissenschaftlichen Legitimität der chinesischen Heilmethoden.
Something different: Buck Clayton in Shanghai
Wer einmal einen Abend im House of Blues and Jazz in
Shanghai verbracht hat, weiß um die gute Qualität der dortigen
Musikszene. Auch Jazzlegende Buck Clayton spielte schon in der Stadt am
Huangpu.
Ein Autounfall in der chinesischen Hauptstadt und die Folgen für Ling Jihua und Hu Jintao
Als im Frühjahr 2012 in Beijing der
junge Fahrer eines Ferrari ums Leben kam, wurde wochenlang über dessen
Identität gerätselt. Da die Zahl der in Frage kommenden
Ferraribesitzer überschaubar war, überraschte die Langsamkeit der
Aufklärung. Wie zu erwarten, war eine prominente Familie involviert.
Schließlich wurde bekannt gegeben, dass der Fahrer Ling Gu hieß und er
der Sohn von Ling Jihua und Gu Liping war.
Ling Jihua war Mitglied des
Zentralkomitees und gehörte damals zu den wichtigsten Vertrauten von
Staats- und Parteichef Hu Jintao; als noch nicht 60-jähriger besaß er
noch Aufstiegschancen. Im Herbst 2012 fand ein Parteitag statt, Hu gab
erwartungsgemäß seine Ämter ab; Lings Aufstieg erfolgte jedoch nicht.
Der Verkehrsunfall hatte viele Fragen bezüglich der
Einkommensverhältnisse der Familie Ling provoziert. Es war Pech für die
Familie, dass Parteichef Xi Jinping zu dieser Zeit die
Korruptionsbekämpfung zu eine seiner Hauptaufgaben gemacht hatte.
Am 20. Juli 2015 meldeten die chinesischen Medien schließlich den Parteiausschluß und die Festnahme von Ling Jihua.
Eine ungewöhnliche Familie

Ling Jihua
Im Zusammenhang mit der Aufklärung seines Falls wurden auch
zahlreiche andere Familienmitglieder untersucht und zum Teil verhaftet.
Verwirrend war die große Zahl von Namen und Personen. Die Familie besaß
ursprünglich den seltenen Namen Linghu: einige Personen benutzen diesen
noch, andere – vor allem die KP-Mitglieder – nennen sich einfach Ling.
Der Vater Linghu Ye, der zur Zeit des Autounfalls schon über hundert
Jahre alt war und in diesem Jahr gestorben ist, hatte viele Kinder,
darunter die Söhne Ling Fangzhen, Ling Zhengce, Ling Jihua und Ling
Wancheng; eine Tochter nennt sich Linghu Luxian. Auch die Mutter Wang
Liming starb im Frühjahr 2015. Der Vater und die meisten Kinder traten
der KP bei. Der um die Jahrhundertwende höchstrangige Politiker namens
Linghu war Linghu An; er war zehn Jahre älter als Ling Jihua, schon 1965
KP-Mitglied und später ZK-Mitglied. Die Verwandschaftsverhältnisse sind
jedoch unklar. Ein Sohn des früh verstorbenen Ling Fangzhen soll von
Ling Jihua adoptiert worden sein und lebt offenbar in den Vereinigten
Staaten. Frau Gu Liping soll bei einem Fluchtversuch (nach Japan) in
Shandong festgenommen worden sein.
Eine erstaunliche Provinz
Politisch und geographisch ist die
Angelegenheit auch dadurch interessant, dass die Familie Ling aus der
nordchinesischen Provinz Shanxi stammt. An sich nichts besonderes, aber
auch die prominente Familie Bo stammt auch aus Shanxi. Politbüromitglied
Bo Xilai, der Sohn des Spitzenpolitikers Bo Yibo, ist vor einigen
Jahren zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden, ebenso seine Frau Gu Kailai, die Tochter eines Shanxi-Politikers. Eventuell sind durch die langwierigen Untersuchungen der Familie Bo auch Informationen über die Familie Ling bekannt geworden.
Der Autounfall war nicht nur für die
Familie Ling peinlich, sondern auch für Hu Jintao. Gerüchte besagten,
dass die Kritik an Ling vor allem von Jiang Zemin und seinen Anhängern
kam. Jiang war der Vorgänger von Hu und besitzt immer noch großen
Einfluss. Komplizierter wurde die Situation dadurch, dass Jiang den
Aufstieg des – inzwischen gestürzten – Sicherheitschefs Zhou Yongkang
ermöglicht hatte – Jiang und Zhou stammen beide aus Ostchina. Der Skandal hat Hu Jintaos Ansehen geschadet und er wirkt jetzt schon schwächer als Ex-Präsident Jiang.
Im August wurde bekannt, dass Ling
Wancheng auch in die USA geflohen ist. Xi Jinping, Jiang Zemin und Hu
Jintao nahmen an der großen Septemberparade teil.
Literatur:
BBC: China charges former president’s top aide Ling Jihua, 20. 7. 2015.
New York Times (Dan Levin): Top Chinese Official Is Ousted From Communist Party, 20. 7. 2015.
Dr. Thomas Kampen
<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Buchrezension: Japan Inc. (2011) von Karl Pilny
Für Ostasienwissenschaftler kann es
manchmal ganz erfrischend sein, zeitgenössische Populärliteratur zu
Ostasien lesen. Wenn man bedenkt, dass solche Werke die deutschen China-
und Japan-Bilder vermutlich viel stärker prägen als der
wissenschaftliche Betrieb an den universitären Ostasien-Zentren, kann
man dieser Literatur ruhig auch als Sinologie-Student mal seine Zeit
opfern. Das man dabei auch wunderbar prokrastinieren kann, durfte ich
letztens bei der Lektüre des Buches Japan Inc. von Karl Pilny erfahren (2011 im Heyne-Verlag erschienen).
Pilny, ein deutscher Jurist, Sachbuchautor und Unternehmensberater, der lange Zeit in Japan gelebt und gelehrt hat, hat mit Japan Inc.
einen Politthriller vorgelegt, um das Thema der
Vergangenheitsbewältigung in Japan und China für breitere Kreise
zugänglich zu machen (so Pilny in einem Interview 2011).
Die Story entspinnt sich an dem gescheiterten Prozess gegen einen
skrupellosen, japanischen Pharmakonzern, den der Protagonist – ein
britischer Anwalt, dessen Biografie zahlreiche Ähnlichkeiten mit der von
Pilny aufweist (außer, dass er Brite ist) – nach Jahren wieder
aufrollt. Weil er dabei zahlreiche Kontinuitäten zwischen der Gegenwart
und den düsteren Zeit des Zweiten Weltkriegs aufdeckt, gerät er ins
Visier der „Japan Inc.“, einem ultrarechten Zusammenschluss von Yakuzas,
Militärs und Konzernokraten.
Die Geschichte kreist dabei besonders um
die Menschenversuche der Einheit 731, die der Pharmakonzern insgeheim
für die Entwicklung seines Biowaffenprogramms weiter fortsetzt. Pilny
fügt seine Erzählung kontinuierlich an historische Begebenheiten an und
vermischt dabei Fakt und Fiktion. So wird der fiktive Pharmakonzern
Kuroi von den fiktiven Nachfahren Shirō Ishiis geleitet, dem
historischen Kommandanten der Einheit 731, der in historischen
Rückblicken auch selbst im Roman auftaucht. Ähnlich wie die Narrativen
von Verschwörungstheorien gewinnt Pilnys Erzählung dadurch eine größere
Plausibilität, befeuert jedoch auch die um das Thema tobenden,
historischen Kontroversen. Die Sympathien liegen dabei eindeutig und
relativ unreflektiert auf Seiten Chinas. Bei aller moralischen
Entrüstung bleibt beispielsweise das Kalkül des chinesischen Regimes
unbeleuchtet, das die japanischen Kriegsverbrechen seit der 1991/92
gestarteten Kampagne zur patriotischen Erziehung propagandistisch
ausgeschlachtet hat. Dessen ungeachtet gelingt Pilny jedoch in Bezug auf
Japan, wo eindeutig seine kulturellen Kompetenzen liegen, eine
eindrückliche Skizze der nationalen Identität. Während es durch
Erinnerungen und Tagebucheinträge immer wieder Rückblenden in die
Vergangenheit gibt, ist die Haupthandlung des Buches in der nahen
Zukunft (nach 2011) angesiedelt. Dabei ist besonders Pilnys Versuch
spannend, die Auswirkungen des Fukushima-Schocks zu antizipieren. Sein
Japanbild scheint dabei allerdings stark der
Schwert-und-Chrysantheme-Lesart und der Unterscheidung zwischen Scham-
und Schuldkultur verpflichtet zu sein. Vielleicht übertreibt er es etwas
mit der Psychologisierung, wenn er den „Scham-Komplex“ als Triebkraft
für einen Terroranschlag unter falscher Flagge auf das Shanghai World
Financial Center durch japanische Ultra-Rechte und einen Putschversuch
des japanischen Militärs herhalten lässt. Aber dadurch wird es natürlich
auch nicht langweilig.
Was den Lesespaß von Japan Inc.
hingegen etwas verdirbt, sind Pilnys holzschnittartige Romanfiguren und
ihre klischeehaften Liebesbeziehungen. Prinzipiell sprechen und handeln
alle Charaktere von Anfang bis Ende so, wie es das Drehbuch eines
Hollywood-Blockbusters vorgeben würde (und vielleicht wird ja aus dem
Roman mal eins). Pilny reproduziert die kulturellen Stereotypen, die bei
der Skizzierung von abstrakten Phänomenen wie Mentalitäten oder
Nationalcharakteren unumgänglich sind, leider auch in seinen Figuren,
anstatt diese in ihnen wieder aufzubrechen und ihre Gültigkeit in der
Lebenswelt zu relativieren. Andererseits sind aber auch viele der
Figuren farblose Expats mit kosmopolitischer/konsumistischer Identität,
darunter der Protagonist. Und bei diesem handelt es sich keineswegs um
den straighten Siegertyp. Immer wieder hat er mit Selbstzweifeln und
Depressionen zu kämpfen, die er mit Südsee-Kreuzfahrten mit seiner
Privatyacht bewältigen muss. Und letztendlich entdeckt man dann
natürlich doch bei allen Figuren einen authentischen, kulturellen Kern –
ob es sich dabei um den britischen Anwalt, den amerikanischen Colonel
oder den koreanischen Filmproduzenten handelt – an den Stellen, in denen
sie psychologisch wirklich überzeugen, scheinen sie alle so wie der
Autor Deutsche zu sein.
Mit dem Schreibstil wurde ich bis zum
Ende nicht wirklich warm. Besonders die Dialoge befremden, weil die
Personen in nahezu jedem Satz den Vornamen ihres Gesprächspartners
aussprechen und fast allesamt offen rassistisch sind (sexistisch
sowieso). Statt von „Japanern“ oder „Chinesen“ ist die Rede überwiegend
von „Japsen“ und „Chinaken“ (?), „Walfressern“ und „Reisfressern“, oder
einfach „Schlitzaugen“. Hier stellt sich wieder die Frage, wie es um die
von Pilny geäußerten, pädagogischen Absichten bestellt ist. Es wäre
schon sehr deprimierend, wenn diese Bezeichnungen wirklich notwendig
wären, um das Thema „breiteren Kreisen“ zu erschließen.
Nach dem Lesen von Japan Inc. bleibt
bei mir der Gesamteindruck zurück, dass das Buch zwar an einigen
Stellen interessant und unterhaltsam war (insb. wenn es um die Japan Inc. geht),
aber dass ich auf den Durststrecken dazwischen fast verendet wäre und
mich besser um meine Hausarbeiten hätte kümmern sollen. Bleibenden
Eindruck hat nur das kontrafaktische Szenario eines Putschversuchs durch
ultra-rechte Kräfte in Japan hinterlassen, das Pilny durch dessen
historische und regionalpolitische Einbettung doch unheimlich
überzeugend gelungen ist.
Jason Franz
<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis
TCM: Hokuspokus oder ernstzunehmende Heilmethode?
Außerhalb Chinas greifen bereits 800
Millionen Patienten auf traditionelle chinesische Heilmethoden zurück
und schon jetzt wird in Deutschland jährlich mehr Geld für fernöstliche
Arzneien und Anwendungen ausgegeben als auf dem Gebiet der Gynäkologie
oder der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
Diese erstaunlichen Daten eröffneten
eine von der Global China Connection (GCC) organisierte
Podiumsdiskussion zum Thema „Tradition in der Moderne: Welche Rolle
spielt die chinesische Medizin im Zeitalter der Globalisierung?“. Die
Heidelberger Hochschulgruppe GCC hat sich den interkulturellen Austausch
zwischen China, Deutschland und der Welt auf ihre Fahnen geschrieben.
In einer Podiumsdiskussion widmete sich die studentisch organisierte
Gruppe nun dem Thema der traditionellen chinesischen Medizin (TCM),
ihrem heutigen Stellenwert in China und in Deutschland sowie ihrem
Verhältnis zur „modernen“ westlichen Medizin. An der Diskussion nahmen
Prof. Henry Johannes Greten, Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Traditionelle Chinesische Medizin, Prof. Michael Wink, Direktor der
Abteilung Biologie des Instituts für Pharmazie und Molekulare
Biotechnologie an der Universität Heidelberg und Prof. Wolfgang Eich,
Spezialist für integrierte Psychosomatik am Zentrum für psychosoziale
Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg, teil.
„Der Anfang der traditionellen
chinesischen Medizin liegt im geschichtlichen Dunkel“, erläuterte
Professor Greten zu Beginn des Abends. So lägen die Ursprünge der
chinesischen Medizin bereits 6000 bis 7000 Jahre zurück. Er zeigte
außerdem, dass sich hinter dem bekannten Symbol der Theorie von Yin und
Yang ein komplexes mathematisches System verberge und chinesische
Medizin auf mehr beruhe als reinen Placeboeffekten, wie von vielen
Kritikern behauptet. Außerdem bestünden zwischen der chinesischen und
der griechischen Medizinform, auf der die westliche Idee von Medizin
beruht, mehr Gemeinsamkeiten als man erwarten möge. So teilen
beispielsweise beide Modelle ihre Patienten in vier Menschentypen ein.
„Beide sind Gleichgewichtsmodelle und wollen eine bestimmte Form von
Harmonie wieder herstellen“, hob Professor Eich hervor. Professor Wink
stellte zudem Ähnlichkeiten auf dem Gebiet der Pflanzenheilkunde fest.
So stimmten die verwendeten Heilpflanzen zu 90 Prozent miteinander
überein. Allerdings verbinde die chinesische Medizin Stoffe in fixen
Kombinationen, während in der westlichen Medizin noch heute
hauptsächlich sogenannte Monopräparte mit nur einem Wirkstoff verwendet
würden.
Angesichts dieser Ähnlichkeiten
plädierte Professor Greten dafür, die strenge Trennung zwischen
westlichen und östlichen Heilmethoden, wie sie momentan noch in
Deutschland besteht, abzubauen: „Auch in China werden westliche und
östliche Medizin kombiniert. Jede Medizinform hat ihre Grenzen. Wenn wir
aber beide miteinander verbinden, haben wir weniger Grenzen. In China
geht man mit diesem Thema wesentlich unverkrampfter um; da macht man
einfach, was wirkt.“ Von einer willkürlichen Kombination der beiden
Medizinformen riet Professor Eich jedoch vehement ab. „Ich warne davor,
die traditionelle chinesische Medizin zu idealisieren. Sie ist nicht
ausreichend evident nachgewiesen. Es ist nicht trivial, diese Mittel
alle miteinander zu kombinieren“, gab der Internist besonders in Bezug
auf chinesische Medikamente zu bedenken.
Kritische Stimmen konfrontieren die
westliche Medizin nicht selten mit einer Art Imperialismus-Vorwurf. So
hinterfragte auch Moderator Eric Lindberg kritisch, ob die westliche
Medizin nicht manchmal von sich selbst behaupte, den höheren
Wahrheitsanspruch zu haben. „Wissenschaft ist ein Wettbewerb der Ideen.
Leider blockieren manchmal wirtschaftliche Interessen und Ideenkriege
den Blick auf das Ganze“, entschärfte Professor Gretel den Vorwurf an
die westliche Medizin. Nicht wissenschaftliche Überheblichkeit, sondern
das ökonomische Interesse der Krankenkassen bestimme, welche
Behandlungen akzeptiert würden.
In Deutschland und China sind es heute
besonders die Eliten, die sich traditionellere Heilmethoden
zurückwünschen. Auch Professor Eich räumte ein, dass immer mehr
Patienten vermeintlichen „Chemie-Medikamenten“ der westlichen Medizin
kritisch gegenüberstehen. „Viele Patienten suchen dort Hilfe. Die
westliche Medizin ist aber ein Akt der Ehrlichkeit. Wir sind eine
systematische Wissenschaft, die ihre Nebenwirkungen offen legt und jeden
Stoff erforscht. Da hat es der chinesische Mediziner einfacher: Er legt
die Hand auf, kann sich Zeit nehmen und ist nicht rechtlich gebunden“,
so der Heidelberger Experte für Psychosomatik. Auch Professor Wink
betonte, dass einige Probleme auf dem Gebiet der Qualitätskontrolle noch
ungelöst seien. „Viele Patienten glauben, chinesische Medikamente
hätten mit Chemie nichts zu tun. Aber wenn sie nicht als Placebo wirken,
dann ist es auch nur eine normale Wirkstoffkette“, klärte der Fachmann
für Arzneipflanzen auf.
Er blickt jedoch optimistisch in die
Zukunft der chinesischen Medizin. In China werde die traditionelle
chinesische Medizin bereits mit naturwissenschaftlichen Methoden
erforscht. Basis hierfür seien die zahlreichen chinesischen
Medizinstudenten, die mit ihren im Ausland erworbenen Kenntnissen in
ihre Heimat zurückkehren. „Hier sehe ich große Chancen. In China wird
bereits an vielen Stellen besonders von jungen Medizinern Forschung auf
diesem Gebiet betreiben“, so der Professor für Pharmazeutische Biologie.
Auch Professor Gretel ist überzeugt davon, dass sich die chinesische
Medizin dauerhaft in unserem Gesundheitssystem etablieren wird: „Diese
Entwicklung lässt sich nicht mehr umkehren; die traditionelle
chinesische Medizin ist schon da.“
Anna Schiller
<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Something different: Buck Clayton in Shanghai

Clayton mit Band
Kürzlich sah ich eine Jazz CD, die mit dem Titel „One O’Clock
Jump“ beginnt. Zu den Musikern gehörten neben Count Basie (1904-1984)
auch Lester Young (1909-1959) und Buck Clayton. Bemerkenswert ist das
Aufnahmedatum: 7. Juli 1937 – der Tag, der als Beginn des (2.)
Chinesisch-Japanischen Krieges angesehen wird. Der nahende Krieg war ein
Grund für die Rückkehr Buck Claytons nach Amerika, er hatte nämlich
vorher in Shanghai gespielt.
Der – im chinesischen Revolutionsjahr –
1911 in Kansas geborene Wilbur „Buck“ Clayton war der bekannteste
amerikanische Jazztrompeter, der in den dreißiger Jahren in Shanghai
spielte. Da beide Eltern Musiker waren (und auch sangen) waren die
Voraussetzungen für eine Musikerkarriere günstig; ungewöhnlich war, daß
sein Vater auch als Journalist tätig war und seine Mutter als Lehrerin
arbeitete. Dies war vielleicht ein Grund dafür, daß Clayton zu den
wenigen Jazzmusikern gehörte, die Memoiren schrieben.
Abreise
In den frühen dreißiger Jahren traf
Clayton in Kalifornien Duke Ellington (1899-1974). Dort suchte gerade
ein anderer Musiker namens Teddy Weatherford (1903-1945), der aus China
kam, neue Bandmitglieder für Shanghai. Da dies die Zeit der großen
amerikanischen Wirtschaftskrise war, gewannen plötzlich ausländische
Auftritte an Attraktivität; so sagten Clayton und einige Kollegen zu.
Dazu gehörte auch eine Sängerin, die Clayton vor der Abreise noch
heiratete – Duke Ellington ist auf dem Hochzeitsphoto zu sehen. (Die Ehe
überstand das Shanghai-Abenteuer nicht.)

Schon vor den Amerikanern hatten philippinische und russische
Jazzmusiker in Shanghai gespielt, waren aber nicht so hoch angesehen.
In Shanghai spielten Buck Clayton
und die „Harlem Gentlemen” zunächst im Canidrome Ballroom: „On our
opening night Madame Chiang Kai-shek was there. […] She was with her
sister, who insisted on learning tap-dancing.“ (Dies waren offenbar Song
Meiling und Song Ailing.)
Später wechselten sie zum Casa Nova
Ballroom, hier begannen sie auch, aktuelle chinesische Lieder zu
spielen. Nach einigen Monaten löste sich die Gruppe langsam auf,
einzelne Musiker kehrten in die USA zurück.
Rückkehr
Nach Claytons Ankunft in Kalifornien
reiste er bald nach New York; nun folgten seine ersten Radio- und
Schallplattenaufnahmen mit Count Basie, Lester Young und Billie Holiday
(1915-1959). Nach dem Krieg spielte er auch in Europa.
1986 wurde das Buch Buck Clayton’s Jazz World veröffentlicht; der Musiker starb 1991.
In diesem Jahr wurde Billie Holidays
hundertster Geburtstag gefeiert, in diesem Zusammenhang wurde Clayton
auch häufig erwähnt. Auf den DVDs „The Story of Jazz“ (2011) und “Lady
Day – The many faces of Billie Holiday” (2011) gibt es auch Aufnahmen
von Buck Clayton, Count Basie, Lester Young und Billie Holiday.
Literatur:
Buck Clayton: Buck Clayton’s Jazz World, Houndmills, 1986.
Lester Young: Lester’s Be-Bop Boogie (CD).
Dr. Thomas Kampen


Schreibe einen Kommentar