INHALT

EXPO 2010 in Shanghai

Vor noch nich allzu langer Zeit wurde
die EXPO 2010 in Shanghai beendet. Zum Abschluss der EXPO berichtet SHAN
über das Großereignis aus unterschiedlichen Perspektiven.  Eine
Sinologie-Studentin berichtet über ihre Tätigkeit als Messehostess, eine Besucherin lässt Sie an ihrem persönlichen Eindruck teilhaben, außerdem haben wir  weitere wissenswerte Daten und Fakten für Sie aufbereitet.


Kristina Bodrozic-Brnic: Ai Weiwei: Ein selbstgeschaffenes Ready-Made

Im Newsletter September startete SHAN
die Reihe die Artikel-Serie der Sinologie Abschlussarbeiten mit einem
Artikel aus dem wirtschaftlich-rechtlichen Bereich. In diesem Newsletter
erfaren wir im Artikel von SHAN-Mitglied Kristina Bodrozic-Brnic mehr
über den chinesischen Künstler Ai Weiwei und sein Werk, das die
ehemalige Leiterin des SHAN-PR Teams für ihre Magisterarbeit untersucht
hat.

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China Underground:Chinesisches Filmfestival in Heidelberg

Chinesische Independentproduktionen gab
es Ende September im Karlstorkino in Heidelberg zu sehen. SHAN hat diese
Gelegenheit genutzt Alumni und Mitglieder zu einem gemeinsamen Abend
einzuladen und hatte Gelegenheit die anwesenden Regisseure zu einem
Interviewtermin zu treffen.

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Walter“ Woidt – ein ungewöhnlicher Geschäftsmann in China

Wer war „Walter“ Woid? Zum Beispiel
Mitglied im shanghaier Spionagering von Ruth Werner oder deutscher
Geschäftsmann mit Kontakten zur Regierung in Nanking. Doch trotz
zahreicher Hinweise, blieb seine Identität doch immer ein Rätsel. Lesen
Sie mehr über diesen mysteriösen Geschäftsmann. 

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English Caidan: SHAN-Redakteurin Viktoria Dümer berichtet aus Taipeh

Viktoria Dümer, SHAN-Redakteurin, ist in
Taipeh und seit kurzem ungern Europäerin. In ihrer Glosse schreibt sie
über Hunde, Ausländer, einen Kulturschock der ganz anderen Art und –
unvorstellbar für die Redaktion – den ersten sprachlosen Moment ihres
Lebens. Wie es dazu kam, erfahren Sie in ihrem Beitrag. 

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Mondkuchen, Becks und Beckenbauer – Ein Jahr Konfuzius-Institut Heidelberg e.V.

Am 22. September gab es im
Konfuzius-Institut Heidelberg gleich zwei Gründe zum Feiern: Das
einjährige Bestehen des Vereins Konfuzius-Institut Heidelberg e.V. und
das chinesische Mondfest. Gefeiert wurde mit vielen Gästen, einem bunt
gemischten Programm und natürlich mit Mondkuchen. SHAN hat für Sie
einige Eindrücke gesammelt.

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Chinesische Filme vor siebzig Jahren – aus österreichischer Sicht

Von brandaktuellen Filmen in Heidelberg
machen wir einen Zeitsprung und betrachten die chinesische
Filmlandschaft und ihre Rezeption in Österreich vor 70 Jahren. Viele
dieser Filme sind heute Klassiker der chinesischen Filmgeschichte.
Begleiten Sie Dr. Thomas Kampen auf eine spannende Reise in die
Geschichte des chinesischen Films. 

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Filmrezension

Zum Start der Filmrezensionen gab es
einen absoluten Klassiker, dieses Mal hat Johann Platt das Debüt-Drama
der Jungregisseurin Wang Bang für SHAN rezensiert. Mehr zu diesem
ungewöhnlichen und auf eigene Art bemerkenswerten Debüt lesen Sie im Artikel.

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Als Messehostess auf der Expo 2010

Die Expo 2010 in Shanghai war
zweifelsfrei eines der Großereignisse dieses Jahres und eine
Weltausstellung der Superlative. Melanie Adamietz hatte, wie einige
andere Stundenten der Sinologie in Heidelberg, die Chance ein halbes
Jahr in Shanghai zu leben und auf der Expo zu arbeiten. Eine
Lebenserfahrung über die sie für SHAN berichtet.

 

Die Expo 2010 ist in vielerlei Hinsicht
die größte Weltausstellung, die es je gab. Angefangen bei der
Grundfläche von 5,28 Quadratkilometern auf beiden Seiten des Huangpu
Flusses auf der die Messe platziert wurde, bis hin zu der Teilnehmerzahl
an Nationen und internationalen Organisationen sprengt die Expo in
China jeden bisher vorhandenen Maßstab. Es wird mit einer
Gesamtbesucherzahl von ca. 70 Millionen Menschen gerechnet, wobei die
tägliche Gesamtbesucherzahl sich auf durchschnittlich 400.000 beläuft.
Der Deutsche Pavillon, der sich im Europäischen Distrikt auf der Pudong
Seite des Expogeländes befand und mit seinen 6000 Quadratmeter nach
Australien der zweitgrößte nationale Pavillon ist (der Chinesische
Pavillon natürlich ausgeschlossen), knüpft mit seinem Konzept „balancity
– Eine Stadt in Balance“ direkt an das Expomotto „Better City, Better
Life“ an.

Die Ausschreibungen für die zahlreichen
Stellen, die im Deutschen Pavillon zu haben waren, begannen bereits im
Frühjahr 2009 und richtete sich vorwiegend an Bewerber mit Deutschen,
Chinesischen und Englischen Sprachkenntnissen. Auf die Stelle aufmerksam
wurde ich durch eine Rekrutierungswerbung der Koelnmesse International
GmbH, welche durch die institutsinterne Sino-Info Mailingliste
verschickt wurde. Nach einem kurzen Online-Bewerbungsverfahren und einem
Bewerbungsgespräch verbunden mit einem 15-minütigen Sprachtest wurde
mir die Stelle als Messehostess letztendlich zugesichert. Um die Stelle
antreten zu können nahm ich ein Urlaubssemester im Sommer 2010 in
Anspruch.

Meine Aufgabe als Hostess ist es,
zusammen mit meinen 200 Kollegen, alle sich im Pavillon befindlichen
Stationen und Exponate in allen drei erforderlichen Sprachen, also
Deutsch, Chinesisch und Englisch bedienen und erklären zu können und die
Einlasskontrolle und das Besuchermanagement zu regeln. Außerdem stehen
jeden Tag viele Führungen durch den Pavillon und nach Bedarf Betreuung
von Delegationen aus verschiedenen Bereichen der Politik und Wirtschaft
an. Das Pavillonkonzept ist, wie bereits erwähnt stark an das EXPO Motto
„Better City, Better Live“ oder „城市让生活更美好“ angelehnt und hatt neben der
Darstellung einer Stadt in Balance den Anspruch eine Vielzahl von
neuartigen Methoden aufzuzeigen, die das Leben in Städten nachhaltig
verbessern soll. Der Fokus liegt dabei vorwiegend auf den
verschiedenartigsten Formen von erneuerbaren Energien, nachhaltigen
Gebäudetechnologien oder Schlüsseltechnologien zum Umweltschutz. Der
Pavillon fasst pro Tag zwischen 20.000 und 25.000 Besuchern von denen
über 95% aus den verschiedensten Provinzen Chinas anreisen. Auf Grund
der gewaltigen Besuchermengen, die tagtäglich in das Expogelände hinein
geschleust werden belaufen sich die Wartezeiten für die beliebtesten
Pavillons (Japan, Deutschland, China und Saudi Arabien) auf 3 – 7
Stunden. Vor dem Deutschen Pavillon warten die Menschen in der Regel 3 –
4 Stunden.

Es ist schwer die Erfahrung hier auf der
Expo in Worte zu fassen. Die Massen, die sich tagtäglich zwischen den
Pavillons hindurch schlagen, die Weite des Terrains und der oft auch
sehr schwierige Umgang mit den Besuchern lässt sich mit nichts
vergleichen was man zuvor in China erlebt hat. Man macht zwar viele
schöne Bekanntschaften und hat schöne Erlebnisse, doch gibt es auch
leider eine Kehrseite des Ganzen, welche bei einem Zusammentreffen so
vieler Menschen mit Sicherheit unvermeidlich ist. Bei den Shanghainesen,
welche ein Expo Ticket geschenkt bekommen, gilt: „Gehst du nicht hin,
wirst du es ein Leben lang bereuen, gehst du hin, bereust du es auch!“
Dieser Satz beschreibt das zwiespältige Gefühl sehr gut, welches man
nach einem gewissen Aufenthalt hier empfindet. Einerseits ist es eine
großartige Chance, die Kultur und die Denkart anderer Nationen und
Kulturkreise zu erkunden, woraus sich interessante Bekanntschaften und
auch Freundschaften ergeben. Auf der anderen Seite ist es sehr
anstrengend mit der gewaltigen Menschendichte ( bis zu 623000 Besucher
täglich ), der Lautstärke und auch dem äußerst rüpelhaften Verhalten
vieler Besucher umzugehen. Alles in allem würde ich jedoch die
Erfahrungen, die ich auf der EXPO gewonnen habe nicht missen wollen.

 

Melanie Adamietz

 

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Byebye Haibao! – Ein Besuch der EXPO

Wie lebt es sich in der Stadt, die sich
sechs Monate lang im Dauer-Ausnahmezustand befindet? Anfang Oktober
fallen nur noch gleichgültige Blicke auf die Bildschirme in der U-Bahn.
Die Dauerschleife aus Besucherstatistiken, die sich inzwischen konstant
bei rund 400 000 eingependelt hat, und „News from the Expo site“ mit den
Zusammenfassungen der Höhepunkte des Tagesprogramms scheint bei den
meisten Pendlern nur noch wenig Begeisterung zu wecken. Denn abgesehen
von den Klagen über die allgemeine Teuerungsrate wird es sogar den
Menschenmassen-erprobten Shanghaiern inzwischen zu bunt. Viele sehnen
das Ende der Veranstaltung und ein Quäntchen mehr Ruhe entgegen. Sie
sind stolz auf ihre Stadt und deren repräsentative Darstellung, doch
nicht wenige sehen sich das baldige Ende der Großveranstaltung mit
Erleichterung. Ist das Großveranstaltungs-Fieber für bereits am
Abklingen?

Unterwegs durch die Stadt, auf der Suche nach dem „EXPO-Spirit“ sind die
luxuriös großen EXPO-Taxis rar und heißbegehrt. Die zahlreichen
Busverbindungen ergänzen die letzten Neuzugänge zu den insgesamt 11
Metro-Linien: eben pünktlich fertig geworden, sind sie bereits jetzt zur
Rush Hour an der Kapazitätsgrenze. Linien und Pfeile an den Eingängen
sollen die Menschenmengen kanalisieren. Doch es wiederholt sich stetig
dasselbe Spiel: noch während es aus den Lautsprechern plärrt: „Xian xia,
hou shang!“ drückt es schon von allen Seiten in den U-Bahn-Wagen. Die
Menge wogt, schiebt und man kann sich dem Sog nicht entziehen: die Flut
schwemmt alle und alles mit in den Waggon. Manche Idealisten knurren
über die „unzivilisierten Bauern“, doch die allgemeine Reaktion ist
Resignation. Zu den Stoßzeiten gibt es hier kein Erbarmen. Die
Bildschirme an jeder Seite zeigen eine der zahlreichen
Erziehungskampagnen zu richtigem Verhalten in der Metro: die kleinen
grünen Männchen im Cartoon haben allen Umstehenden, die an den
Haltegriffen baumeln, sich an den Haltestangen lümmeln oder auf ihrem
stolzen Sitzplatz dösen (daddeln/tratschen/Fingernägel pflegen) neben
ihrer offenbar als ziviler angesehenem Verhalten eine selige
Gelassenheit voraus.

Doch Gelassenheit und eine gute Kondition sind Grundvoraussetzungen für
einen Tag auf der EXPO. Noch strömen täglich hunderttausende Besucher
aus dem In- und Ausland auf das Austellungsgelände. Die letzten
Shanghaier lösen die kostenlos an alle Haushalte verteilten Tickets ein.
Eine bewunderswerte Geduld eint viele in den endlosen Schlangen vor den
beliebten Pavillons; selbst Frühaufsteher mit langem Atem und
Durchhaltevermögen bis in den späten Abend schaffen bei stundenlangem
Anstehen oftmals nicht mehr als drei Pavillons an einem Tag. Nach den
tropischen Temperaturen, bei denen auch die überall verteilten
Wasserspender und Sprühnebel entlang der längsten Schlangen kaum
Linderung boten, lockt das milde Oktoberwetter mit strahlendem
Sonnenschein.

Allein ein Wassertropfen auf Beinen stört die Harmonie und spaltet die
Besucher: es kann nur Liebe oder Hass sein. Die positiven Reaktionen
überwiegen, viele finden ihren persönlichen Schatz der Meere in
Plüschform und entdecken in der Hawaii à la Strohrock oder auch der
Cowboy-Variante die weniger softe Seite des kleinen Blauen. Die
Skeptiker dagegen lassen sich auch von dem Hinweis auf den tieferen Sinn
als stilisiertes Schriftzeichen von ren in der Farbe des wichtigsten
aller Elemente, Wasser, nicht überzeugen. Was soll dieser dauergrinsende
Tropfen mit einer Weltausstellung zu nachhaltiger Entwicklung und
umweltbewusstem Leben in Stadt zu tun? Und niemand hat die Wahl: Haibao
ist allgegenwärtig. Er baumelt als Anhänger von Handys und
Schlüsselanhängern, tanzt auf den Bildschirmen der Taxis, wird von
Kinderarmen umarmt und liebkost. Auf allen Verpackungen für
Lebensmittel, auf Flaschen und Tüten, Verpackungen wie Kleidung, es
besteht kein Entkommen.  Entlang der Straßen und an jeder Ecke in
Form akkurat gestutzter Buchsbäume oder Blechschilder grüßt der kleine
Blaue. Seinen größten Auftritt hat er im Video zum EXPO-Song, ein
Ohrwurm der ganz fiesen, peinigend schlechten Sorte.

EXPO-Ticker vor vielen Wohnanlagen und an prominenten Stellen in der
Innenstadt zählten Jahre, Monate, Tage, Stunden und Sekunden bis zur
Eröffnung am 1. Mai; jetzt läuft der Countdown bis zur Abschlußfeier am
31. Oktober. Welches Großereignis wird folgen?Sicher ist: die EXPO wird
als internationale Großveranstaltung von ungekannter Dimension in
Erinnerung bleiben. Über 60 Millionen Besucher haben in den
Länderpavillons, Urban Best Practice  Area, bei Präsentationen und
Veranstaltungen in der ganzen Stadt Ideen zum Thema „Better City, Better
Life“ gesehen. Über die architektonische und inhaltliche Gestaltung
einiger Pavillons lässt sich sicher diskutieren: nicht alle Macher der
Konzept schienen sich für das Motto zu interessieren oder sich weiter
damit auseinandergesetzt zu haben, sondern präsentierten auf Hochglanz
polierte Demonstrationen ihrer nationalen Größe, Naturschönheit oder
schlicht touristischer Perlen. Doch gerade auch diese Selbstdarstellung
kann für den Besucher von besonderem Interesse sein: Marokko vermittelt
den dringenden Wunsch sofort das nächste Flugzeug in einen Traum aus
1001 Nacht zu nehmen, in Afghanistan lässt sich fantastisch einkaufen
und die Henna-Tattoos sind ein weiteres Souvenir der besonderen Art,
„gegenüber“ im „Staat Palästina“ schlendert man durch die Straßen der
„Hauptstadt“ Jerusalem und Nordkorea entführt seine Besucher auf eine
Zeitreise in die ebenso unwirklichen wie ewiges, allgemeines Glück
versprechende Sphären des gelebten Sozialismus in der Liebe zur Heimat
und den geliebten Führern. Pakistan und Iran in nächster Nähe bringen
der Welt den langersehnten Frieden, Neuseeland ist ein einziges großes,
grünes Spielkinder-Paradies  und die Niederlande sind im
Modellmaßstab beinahe so bunt und putzig wie in der Realität. Dabei
lassen sich diese Pavillons oftmals ohne Wartezeiten und abseits der
großen Besuchermassen besichtigen.

Für ein Praktikum war ich die Sommermonate über in Shanghai und in
dieser Zeit insgesamt auch drei Mal auf dem EXPO-Gelände. Von großer
Freude war dabei jede einzelne der Begegnungen mit den chinesischen
Besuchern aus fern und nah, die auch nach stundenlangem Anstehen noch
fröhlich und mit ungebremster Neugierde mit dem laowai plaudern wollten.
Meine Favoriten unter den Pavillons? Der UK-Pavillon in seiner
Konzeption als gestalterischer Blickfang, hinter mit der „Seed
Cathedral“ außerdem ein spannendes, wie nachhaltiges Konzept steht.
Außerdem die Pavillons Deutschlands, insbesondere der Teil zum Umgang
mit der deutschen Vergangenheit, die Urban Best Practice Area, die Joint
Pavillons des Nahen Ostens und der Pavillon Nordkoreas sowie das
Deutsch-Chinesische Haus in seiner filigranen Bambusstruktur.
Befremdlich erschienen mir dagegen die inflationär verteilten VIP-Pässe
sowie der wundersame Handhabung dieser seitens des Personals diverser
Pavillons; außerdem empfand ich Verwunderung jedes Mal aufs Neue, dass
auch auf dem EXPO-Gelände KFC und Family Mart das Essensangebot
dominierten.

Meinen eigenen Eindrücken möchte ich außerdem noch die folgenden
Kurzantworten zu Fragen an drei weitere Besucher gegenüberstellen:

Jiawen, Germanistikstudentin, hat als Freiwillige eineinhalb Monate auf der EXPO gearbeitet:

SHAN: Was hat dir an der EXPO besonders gut gefallen?

Jiawen: Die Pavillons da sind super. Sie
bieten uns eine ausgezeichnete Gelegenheit an, durch welche wir die
Landeskunde, die Geschichte, den Lebensstil u.s.w von einem Land
kennenlernen, auch wenn wir es noch nie besucht haben.

Gab es auch negative Erlebnisse?
 

Man muss stundenlang in der Schlange
stehen, bevor man einen beliebten Pavillon besuchen möchte. Ich kann es
nicht ertragen, dass man vor irgendeinem Pavillon wie Saudi Arabien über
8 Stunden zu warten braucht, wenn die Temperatur über 35 Grad liegt.

Wird die EXPO einen nachhaltigen Eindruck auf die Entwicklung im Land
hinterlassen? Glaubst du, dass es einen messbaren Fortschritt geben
wird?

Mithilfe der EXPO haben viele Ausländische Shanghai und China besser
kennengelernt, eine ganze Reihe Touristen und Investoren werden
infolgedessen hier angezogen. Dann wird unsere Stadt sowie unser Land
sich weiterentwickeln.

Hannes Mayer, Redakteur der Züricher Architekturzeitschrift „Archithese“, war einen Tag lang zu Besuch auf der EXPO:

SHAN: Was hat dir an der EXPO besonders gefallen?

Mayer: Die Parkanlage am Huangpo River und der Niederländische Pavillon von John Körmeling (Eindhoven).
 
Was hat dich auf der EXPO gestört, was hätte man bei der Planung beachten sollen?

Die bis auf die Ufergestaltung äusserst ideenlose und konventionelle
Gestaltung des öffentlichen Raumes, also des Raumes, welcher auch über
die Expo hinaus benutzt werden wird und die Grundlage für eine
zukünftige Bebauung bildet.
 
Wird die EXPO einen nachhaltigen Eindruck auf die Entwicklung im Land
hinterlassen? Glaubst du, dass es einen messbaren Fortschritt geben
wird? 

Die Expo hat sicherlich auf Seite der chinesischen Entscheidungsträger
für die Darstellung von zukunftsrelevanten Fragen sensibilisiert. Es
bleibt jedoch zweifelhaft, ob die Darstellungen tatsächlich als Leitbild
übernommen und zum Massstab für das Land erkoren werden. Für viele
chinesische Besucher war die Expo eine Möglichkeit von fernen Ländern zu
erfahren.
 
Die Ärztin Wang Huilin, hat insgesamt bereits sechs Mal mit Freunden die EXPO besucht:

SHAN: What did you like about the EXPO?

Wang Huilin: They put some of the best or famous restaurant there, but a
large crowd made the dining environment worse.It is really too many
people, impossible to enjoy without VIP pass. Lining feels more tiring
that work.

Any downturn?

Without enough coordination, EXPO pavilions are filled with multimedia
presentation, on the contrary lack of bringing the national treasures
for demonstration which is a real resemble of different characteristic
of each civilization. I like the EXPO in older time before better.

What do you think is going to be the long-term effect of the EXPO on Shanghai? Is there going to be any sustainable progress?

Don’t exactly know except to hear so much about many expats want to find
a job in Shanghai. My parents were very happy to travel along all the
national pavilions and enjoyed seeing all different cultures. Of course
there are always many positive prospective from PRC saying that it will
make Shanghai an international city. Actually it already is, maybe after
EXPO it will be more famous.
 

Interview und Artikel: Helen Hübner

 

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„Better City, Better Life“ – die größte Weltausstellung aller Zeiten

Nachdem die Weltausstellung im Laufe des
vergangenen Jahrhunderts mehrmals in Japan (1970, 1975, 1985) und auch
in Südkorea (1993) stattfand, reiht sich nun auch die Volksrepublik
China in die ostasiatischen Gastgeberländer ein. Vom 01. Mai bis 31.
Oktober findet die Weltausstellung Expo 2010 unter dem Motto Better
City, Better Life in Shanghai statt, an der 242 Aussteller, davon 192
Nationen und 50 internationale Organisationen, teilnehmen. Dieser
Artikel möchte einige Zahlen und Fakten dieser größten Weltausstellung
aller Zeiten vorstellen.

Das 5,28 Quadratkilometer große
Expogelände auf beiden Seiten des Flusses Huangpu, ist offiziell das
größte in der Geschichte der Weltausstellung. Zentral für diese Expo
sind fünf verschiedene Themenpavillons, die sich unterschiedlichen
Aspekten städtischer Entwicklung widmen: Urban Footprints, Urban Planet,
Urban Dwellers, Urban Beings und Urban Dreams. Ein Teil dieser
Themenpavillons befinden sich in einem Ausstellungsgebäude mit 11,5
Hektar Grundfläche, dem größten Bau in der Geschichte der Expo.

Auch verkehrstechnisch ist die Expo 2010
ein Mammutprojekt. Das Expogelände ist über den Huangpu durch mehrere
Fährverbindungen vernetzt. Auf dem Gelände selbst verkehren über 200
Elektrobusse und Elektro-Spezialfahrzeuge. Nach dem Ende der Expo sollen
diese Busse im öffentlichen Verkehrsnetz von Shanghai zum Einsatz
kommen. Um den großen Besucherandrang, der schon vor Beginn der Expo
rasant wuchs, zu entlasten, wurde das Shanghaier Verkehrsnetz u.a. mit
mehreren neuen U-Bahnstationen sowie 4000 zusätzlichen Taxis ausgebaut.
Während des chinesischen Neujahrsfest 2010 konnte eine 12% Steigerung
der Touristenanzahl in Shanghai zum Vorjahr vermerkt werden, sowie ein
13% plus im Umsatz in der Tourismusbranche.
 

Seit Anfang Mai haben nahezu 60
Millionen Menschen die Weltausstellung in Shanghai besucht, mit den
höchsten Besucherzahlen pro Tag in den Monaten Juni und Juli.
Interessierte können auf der offiziellen englischsprachigen Homepage der
Expo Shanghai täglich ablesen, wie viele Besucher zu welchen
Tageszeiten auf das Gelände strömen sowie die kompletten Besucherzahlen
vom 01. Mai bis zum aktuellen Datum. So lässt sich beispielsweise für
die Tage vom 05.10. bis 07.10. beobachten, dass es am Tag zwei
Besucheranstürme gab. Der erste zwischen 9:00 und 11:00 morgens, und der
zweite zwischen 16:00 und 18:00. (http://en.expo2010.cn/yqkl/index.htm)

Wir freuen uns, Ihnen in dieser Ausgabe des SHAN Newsletters interessante Beiträge von Besuchern, die Teil dieser Besucheranstürme waren, sowie beeindruckende Bilder der Expo 2010 in Shanghai präsentieren zu können.

 

Johann Platt

 

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Ai Weiwei: Ein selbstgeschaffenes Ready-Made – Kristina Bodrozic-Brnic

Ai Weiwei – das ist ein Künstler, der in
den westlichen Medien gerne immer dann aufgegriffen wird, wenn es darum
geht, Kritik über China zu formulieren. Er ist aber auch ein Künstler,
der den Westen mit China verbindet. 1993 kehrte er nach einem
zwölfjährigen USA-Aufenthalt zurück in die Volkrepublik China und
brachte dabei auch einiges an Erfahrung und westlichem Kunstverständnis
mit. Die Bedeutung Ai Weiweis für die Entwicklung der Beijinger
Kunstszene seit Mitte der 1990er wird heute noch leider von Vielen
unterschätzt. Bei meiner Magisterarbeit interessierte ich mich weniger
für Ai Weiweis Kritik an seiner Heimat, oder auch am Westen, als
vielmehr, für das was sein künstlerisches Schaffen ausmacht. 2009 sagte
Ai Weiwei in einem Interview der FAZ gegenüber, er sei sein eigenes
Ready-Made. Und da war sie: Die Idee meiner Magisterarbeit. Ai Weiwei =
Mensch = Ready-Made. Wer und was ist das und wie ist es möglich?

In der modernen Kunst gibt es eine
Theorie, die besagt, dass alles ein Kunstwerk sein kann, wenn es vom
Künstler zu einem solchen erklärt wird. Der französisch-stämmige
Künstler Marcel Duchamp (1887-1968) war der Urvater der sogenannten
Ready-Mades und hatte Zeit seines Lebens und auch noch lange nach seinem
Tod einen großen Einfluss auf das künstlerische Arbeiten folgender
Generationen. Für Duchamp lagen bei der Kreation eines Ready-Mades
alltägliche Gegenstände im Zentrum seines Schaffens. Er entriss sie aus
ihrem gewohnten Zusammenhang und präsentierte sie als Kunstobjekte in
privaten und öffentlichen Ausstellungen. Viele kennen sicherlich sein
berühmtes Werk „Fountain“ von 1917, das lediglich aus einem von ihm mit
seinem Pseudonym signierten handelsüblichen Urinal bestand. „Fountain“
ist das Symbol für eine Art Revolution in der Kunst.

Als Ai Weiwei in den USA lebte, kam er
mit den Ideen Marcel Duchamps, Andy Warhols und Joseph Beuys in Kontakt,
doch sein größter Einfluss ist nach eigenen Angaben Marcel Duchamp
gewesen. Aber Ai Weiweis Kunstbegriff unterscheidet sich von dem
Ready-Made Verständnis Duchamps. Das Ausarbeiten der Anfänge und der
Weiterentwicklung der Ready-Made-Idee, in Betracht von Ai Weiweis
kreativem Arbeiten, ist das Hauptthema meiner Magisterarbeit. Untersucht
werden in chronologischer Folge das Werk „Profile Duchamp“ von 1985,
welches den Anfang der Auseinandersetzung mit Ready-Mades setzt, seine
Ausstellungsobjekte auf der von ihm kuratierten Shanghaier Ausstellung
„Fuck Off“ aus dem Jahr 2000, die eine erste Veränderung seines Begriffs
Ready-Made darstellen, das Phänomen des Bloggens als
Präsentationsplattform des Ready-Mades „Ai Weiwei“, und abschließend die
Niederschlagung seiner bis dahin erfolgten künstlerischen Entwicklung
in dem Stück „Remembering“, bei dem 9000 Rucksäcke von Oktober 2009 bis
Januar 2010 im Haus der Kunst (HDK) in München ausgestellt wurden, die
repräsentativ an die kindlichen Opfer des Sichuan-Erdbebens von 2008
erinnern sollten.  Bei der Betrachtung dieser Werke fällt einem
gleich auf, dass bei Ai Weiwei alles miteinander zu tun hat und
ineinander verstrickt ist. Wenn auch ein Werk sich  dem Betrachter
nicht auf den ersten Blick erschließt, so zeigt sich nach einer gewissen
Recherche ein roter Faden in der Kunst Ai Weiweis. Dieser rote Faden
besteht vor allem im Aufarbeiten der Bedeutungswandlung chinesischer
historischer Kulturgüter und dem Hinterfragen von sozialer Realität in
seiner Heimat China. Wenn es um Ready-Mades geht, so löste sich Ai
Weiwei nach seiner Rückkehr nach Beijing von Duchamps Vorstellung und
wurde allmählich zum Massenproduzenten seiner eigenen Kunst. Um dies zu
verdeutlichen, sei kurz das Werk „Sunflower Seeds“ (2010 in der Tate
Modern) erwähnt, wofür Ai Weiwei hundertmillionen von keramischen
Sonnenblumenkernen in Chinas berühmtester Porzellan-Manufaktur-Stadt
Jingdezhen produzieren ließ. Auch für die in der Magisterarbeit
besprochene Installation „Remembering“ (2009) ließ er 9000 formgleiche
Rücksäcke anfertigen. Dieser Aspekt des künstlerischen Produzenten, des
Ideengebers hinter der Verwirklichung, gepaart mit der offenen
Präsentation seiner Gedanken auf diversen Blogs im Internet, erschaffen
das Ready-Made Ai Weiwei.

Was die Ausführung dieses Themas im
Rahmen einer Magisterarbeit betrifft, muss ich sagen, dass es enorm
schwierig war auf profunde Literatur zurückzugreifen. Die Aktualität
seines Erfolgs lässt viele Kunsthistoriker erst jetzt aufsehen. Was den
Effekt auf mein eigenes Kunstverständnis chinesischer Gegenwartskunst
betrifft, kann ich aber nicht klagen. Mit diesem Thema habe ich nicht
nur den Künstler Ai Weiwei aufgearbeitet, sondern auch wichtige
Ereignisse der zeitgenössischen chinesischen Kunst betrachtet, und
darüber hinaus die Einflüsse aus dem Westen unter die Lupe genommen. Im
Anschluss an die Arbeit hatte ich nach sechs-jährigem Studium endlich
das Gefühl ein wenig von Moderner Kunst und Gegenwartskunst und ihrer
Interkulturalität zu verstehen.

Kristina Bodrozic-Brnic

 

Weitere SHAN-Beiträge zu diesem Thema

Ai Weiwei So Sorry

 

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China Underground – Chinesische Independent-Filme in Heidelberg

Zur jährlichen Chinaveranstaltung China Time 2010
in Hamburg wurden dieses Jahr chinesische Independent-Filmemacher nach
Deutschland eingeladen. Vom 28. bis zum 30. September 2010 wurden einige
von ihnen nach Heidelberg eingeladen, ihre Filme im Karlstorkino in
Heidelberg zu zeigen. Die Filmveranstaltung unter dem Namen China Underground – Ein kritischer Blick von unten,
zeigte spezielle Wahrnehmungen der Regisseure zur chinesischen
Gesellschaft und bot Betrachtungsperspektive, die in Mainstream-Filmen
über China selten zu sehen sind. SHAN interviewte während der
Veranstaltung den chinesischen Organisator Herrn Ni Kun (倪昆) und beiden
Regisseure, Frau Wang Bang (王梆) und Herrn Ma Zhandong (马占冬). 

Shan: Herzlich willkommen
in unserer Universitätsstadt Heidelberg. Herr Ni (倪昆), Sie sind einer
der Organisatoren dieser chinesischen Filmveranstaltung und kennen sich
im Bereich der Independentfilme in China aus . Können Sie bitte kurz
darstellen, wie sich die Independentfilme in China in der letzten
Zeit  entwickelt haben?

Ni: Der erste Höhepunkt in der Entwicklung der Independentfilme in China
war im Jahr 2002. Es lag an der Verbreitung der Videotechnik. Aber es
ist sehr interessant zu sehen, dass dieser Trend in den Jahren 2003 und
2004 wieder zurückgegangen ist. Viele Filmmacher, die nur für eine kurze
Zeit Interesse hatten, sind nicht mehr in diesem Bereich geblieben.
Diejenigen die bleiben, können wir als richtige Independentfilmmacher
ansehen.

Shan: Arbeiten die Independent-Filmemacher in einigen bestimmten Großstädten in China?

Ni: Nein. Die Festivals oder
Austauschprogramme für Independentfilme sind normalerweise in
Großstädten, aber  die Regisseure sind überall in China verteilt.

Sind die meisten Independent-Filmemacher Studenten?

Ni: Das kann man so sagen. In China haben heutzutage fast alle Künstler
der bildenden Kunst eine akademische Ausbildung. Entweder waren sie,
oder sind sie, Kunststudenten oder Literaturstudenten. Zum Beispiel war
der berühmte Independent-Filmemacher Zhu Wen (朱文) früher ein
Schriftsteller, hat aber später Filme gedreht, wie z.B. Meeresfrüchte (海鲜 Haixian),
und dafür auch einen Preis bekommen (Venice International Film Festival
2001, Cinema of The Present-Special Jury Prize). Der Film ist eine
andere Ausdrucksmöglichkeit für die Literaten. Die Independentfilmmacher
versuchen ihre Filme auf den nicht-staatlichen Filmveranstaltungen oder
bei den Austauschprogrammen im Ausland zu zeigen. So wie diesmal in
Heidelberg. Das ist sehr wichtig für diese Regisseure.

In welchen Ländern findet ein Austausch mit den Independent-Filmemachern statt?

Ni: Europa ist jetzt so zu sagen der Fokus des Austausches. Im
Mittelpunkt stehen Länder wie Frankreich, England und Deutschland.

Finanzieren die chinesischen Independentfilmmacher  ihre Filme immer selbst?

Ni: In der frühen Phase ihrer Filmkarriere finanzieren sie sich fast
alle selbst. Danach kommt es darauf an, wie gut sie sind. Manche
bekommen Sponsoren für ihre nächsten Filme.

Und warum haben die deutschen Partner diesmal diese Filme ausgewählt?

Ni: Wir glauben, dass diese Filme die individuelle Einstellung und eine
individuelle politische Haltung gut zeigen. Wenn man einen der Filme für
sich betrachtet, ist das noch nicht so auffällig. Betrachtet man sie
aber zusammen, merkt man das sofort. Diese Filme unterscheiden sich
stark von den chinesischen Mainstream-Filmen, die man in Deutschland
sonst sehen kann. Wenn die deutsche Presse über China berichtet (oft
negativ), sind kaum Stimmen von einzelnen Chinesen zu hören. Die Filme
der aktuellen Veranstaltung zeigen, wie einzelne Chinesen in schwierigen
Situationen handeln. Unsere deutschen Partner glauben, dass diese Filme
das Mainstream-Image über China in Deutschland ein Stück weit verändern
können.

Diese Filmveranstaltung heißt China Underground- Ein kritischer Blick von Unten (中国地下电影节 – 批判的视角). Ich weiß, dass sich die deutschen Organisatoren diesen Titel ausgedacht haben. Der Begriff Dixia (地下 Underground)
klingt auf Chinesisch eher negativ. Wie finden Sie diesen Titel? Und
wollten Sie beim Drehen der Filme wirklich irgendwas kritisieren? Oder
wollten Sie nur dokumentieren?

Ma: Ich persönlich finde, dass es egal ist welchen Namen die
Veranstaltung hat. Wichtig ist, unsere Filme von  den
Mainstream-Filmen zu unterscheiden.

Shan: Herr Ma, Sie haben den Film über das Erdbeben in Sichuan gedreht. War es aus einer kritischen Perspektive?

Ma: Ich wollte nicht unbedingt irgendetwas kritisieren. Aber ich drücke
natürlich meine eigene Einstellung damit aus. Es gibt sehr viele
offizielle Berichte über dieses Erdbeben. Ich habe mich auf die
ignorierten, einzelnen Personen konzentriert, die meistens nicht
beachtet werden.  Eine Familie, eine  Person und so weiter.

Das war damals ihr Anlass, das Erdbeben zu filmen? Im Internet steht,
dass Sie zuerst den Leuten dort helfen wollten und Ihnen dann die Idee
kam den Film zu machen. Stimmt das?

Ma: Nicht ganz. Ich wohne in Chengdu. Als das Erdbeben kam, war ich im
13. Stock. Ich habe das Erdbeben sehr stark gespürt. Am Tag danach bin
ich mit meiner Frau direkt in das Katastrophengebiet gefahren. Wir haben
ein Auto gemietet und sind überall herum gefahren, wo wir mit Auto
hinfahren konnten und haben immer dabei gefilmt.  Die Idee, einen
Film aus diesen Video-Stücken zu machen, kam mir erst Ende Mai. Die
„Hauptfiguren“ haben wir auch zufällig getroffen. Der Film dreht sich
hauptsächlich um eine Familie, ein junges Ehepaar. Sie haben ein Kind,
das in der Stadt zur Schule geht. Die beiden arbeiten ziemlich hart, um
das Kind zu finanzieren. Ihr Kind ist im Erdbeben gestorben. Als ich sie
getroffen habe, wollten die beiden ihre traurige Geschichte erzählen,
um ihre Trauer zu erleichtern. Deswegen haben wir ihre Geschichte
dokumentiert.

Wie lange waren Sie insgesamt im Katastrophengebiet?

Ma: Von Mai bis Oktober.

Wenn man jetzt spontan fragen würde, was ihr größter Eindruck von diesem Erdbeben ist, was würden Sie sagen?

Ma: Man kann gar nicht nachvollziehen und nachspüren, welche Schmerzen
die Leute dort empfunden haben, egal wie man für sie weint, egal wie man
ihnen hilft.

 Frau Wang, ihre beiden Filme sind vom Thema und Stil her sehr
unterschiedlich. Haben Sie die beiden Filme in einem bestimmten Kontext
zusammen gedreht?

Wang: Die beiden Filme sind meine neuesten Filme, ungefähr aus dem
letzten Jahr. Ich habe mehr als zehn Jahre in Guangzhou gelebt. Mit den
beiden Filmen möchte ich verschiedene Seiten von Guangzhou zeigen: Ein
Guangzhou mit Konflikten zwischen der Regierung und den Bauern, ein
anderes Guangzhou als internationale Metropole, wo Menschen aus vielen
Kulturen aufeinander treffen. Man kann in den Filmen die Spuren der
Urbanisierung Guangzhous sehen. 

Frau Wang, eine Frage über den Film University City Savages: Wussten Sie am Anfang schon, dass das Thema sehr sensibel ist?

Wang: Am Anfang dachte ich gar nicht, dass das Thema sensibel ist. Als
ich angefangen habe, den Aufbau der Universitätsstadt zu filmen, waren
die Bauarbeiten noch nicht sehr weit fortgechritten- Das war im Jahr
2004. In China schenkte man damals dem Dingzihu (钉子户)-Problem nicht so
große Beachtung. Es gibt zwar auch offizielle Berichte draüber. Aber es
war (oder ist) kein so großes Thema. Ich wollte damals nur einem Freund
helfen, der Anwalt für diesen Fall in Guangzhou war. Er hat mich
gebeten, Fotos von den demonstrierenden Bauern zu machen. Ich dachte,
dass das kein Problem wäre. Aber im Jahr 2009 wurde dieser Fall
ernsthaft, weil die Regierung von Guangzhou die Stadt zu einer Art
„zivilisierten Stadt“ (文明城市) bauen wollte. So wie damals die Regierung
Beijing für die Olympischen Spiele umgebaut hat, wollte die Regierung
diesmal Gaungzhou für die Asian Games (亚运会) umbauen. Das
Dingzihu-Problem, bleibt normalerweise unter der Oberfläche. Aber weil
es solche Großevents, spitzt sich die Sitation immer öfter zu und es ist
es zu einem ernsten Problem geworden, das man dringend lösen muss. Die
Regierung hat viel Polizei eingesetzt um die Bauern wegzutreiben, die
dort zelteten und demonstrierten. Nach den Großevents beruhigt sich die
Situation dann wieder. Aber beim nächsten Großevent, wird das Problem
wieder aufkommen. So geht es hin und her.

Zelten die Bauern jetzt immer noch da?

Wang: Nein, sie wurden weggetrieben und haben keine Zelte mehr, sie
mieten jetzt Appartements. Aber das Gerichtsverfahren läuft immer noch.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Independentfilme in China in der Zukunft entwickeln?

Ni: Ich denke in den nächsten zehn Jahren werden viele gute Regisseure
auftauchen. Jetzt gibt es schon ziemlich gute. Wie ich gesagt habe,
traten viele Jung-Regisseure erst 2000 auf die Bildfläche. Sie müssen
erst einmal  „erwachsen“ werden, müssen auch ihre Technik und ihren
Ausdruck verfeinern.

Wang:  Ich stimme dem zu. Ich sehe es auch optimistisch.

Ma: Ich stimme auch zu. Ich persönlich versuche mehr Filme zu drehen.

Wir freuen uns auf ihre neuen Filme. Vielen Dank für das Gespräch.

 

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„Walter“ Woidt – ein ungewöhnlicher Geschäftsmann in China

Als >> Rudolf und Ursula Hamburger
1930 von Berlin nach Shanghai reisten, konnten sie vorübergehend in dem
Haus von „Walter“ wohnen, der zu dieser Zeit selbst verreisen wollte.
„Walter“ war der Name, den Ruth Werner
in ihrem Buch „Sonjas Rapport“ für einen Bekannten wählte, dessen Namen
sie nicht verraten wollte. Trotzdem schrieb sie einige interessante
Details: Die Hamburgers kannten den Herrn schon viele Jahre; dieser
hatte – nachdem er selbst eine Stelle in China bekommen hatte – seinem
Freund Rudolf in Shanghai eine Stelle vermittelt und lud sie ein, in
ihrem Haus zu wohnen (S.31). Nachdem Ursula ihre Agententätigkeit für >> Richard Sorge
begonnen hatte, versuchte sie „Walter“ ebenfalls anzuwerben. Sie
bezeichnete ihn als „einer der führenden europäischen Geschäftsleute in
Shanghai mit Verbindung zu chinesischen Geschäftsleuten und zur
Nanking-Regierung“. (S.96) Eigentlich sollten diese Angaben ausreichen,
um einen – von nicht allzu vielen – deutschen Geschäftsleuten in
Shanghai zu identifizieren, dies ist aber bisher wohl nicht gelungen.
Erst nach dem Tod der Autorin (2000) gab es entscheidende Hinweise in
einem Buch eines Kollegen aus DDR-Zeiten: E. Panitz schrieb in
„Treffpunkt Banbury oder Wie die Atombombe zu den Russen kam“: in
Shanghai „hatte Rudi Hamburger eine Anstellung als Architekt durch
Vermittlung seines Freundes Helmuth Woidt gefunden, in dessen Haus er
zunächst mit seiner Frau wohnte“.  Dies scheint nun der richtige
Name zu sein, weitere Informationen gibt es an dieser Stelle nicht.
Interessant ist jedoch, daß der SPIEGEL vor mehr als einem halben
Jahrhundert (34/1951) in einem Artikel eine Reihe von Mitarbeitern von
Richard Sorge aufzählte – darunter: „Dr. Woidt (auch sonst unbekannt)“
Die Klammer steht so im Original und deutet an, daß weitere
Informationen auch hier nicht zu finden sind, auch bleibt die Quelle
unklar. Bemerkenswert ist, daß sich die Liste auf Japan Ende der
dreißiger Jahre bezieht; dies scheint eine Bestätigung dafür zu sein,
daß der mysteriöse Herr erstens für Sorge arbeitete und zweitens sowohl
in China und als auch in Japan tätig war. Da hier nicht nur der seltene
Name in gleicher Schreibweise auftaucht, sondern auch der Titel, stellt
sich die Frage, wann und wo Woidt studiert und promoviert hat. Da er
1930 bereits in China war, müßte er schon in den zwanziger Jahren sein
Studium abgeschlossen haben. In der Universität Jena gab es 1924 von
einem Helmut Woidt die folgende wirtschaftswissenschaftliche
Dissertation: „Die Anwendung der Kartellverordnung gegen Missbrauch
wirtschaftlicher Machtstellung.“ Es ist zwar nicht eindeutig der gleiche
Autor, das Thema würde jedoch zu einem Geschäftsmann der dreißiger
Jahre passen. Interessant wäre es auch zu wissen für wen der Dr. nun in
China tätig war. Ein chinesischer Aufsatz von 1997 – in dem der Name
Woidt vorkommt – erwähnt, daß dieser 1938 (im Regierungsauftrag) in
China war und einige Jahre vorher in Shanghai für die deutsche PUTONG
DIANLIAO GONGSI gearbeitet hatte – das ist die AEG. Ein deutscher Autor –
Udo Ratenhof – bestätigt beide Angaben; im Register seines Buches
steht: Woidt, Mitarbeiter der AEG, Generalbevollmächtigter des
Reichswirtschaftsministers für Ostasien. (Dies würde Ruth Werners oben
erwähnte Einschätzung, er wäre „einer der führenden europäischen
Geschäftsleute“ gewesen, durchaus bestätigen. Gleichzeitig verwundert
es, daß so wenig über diesen Mann bekannt wurde.) In Ratenhofs Buch
steht über die Person und die frühen Chinaaktivitäten Woidts nichts, die
Darstellung beschränkt sich auf die Zeit 1938/39. In einer
umfangreichen Dissertation über Shanghai erwähnt Astrid Freyeisen einen
Brief des Journalisten Klaus Mehnert (1906-1984) an Woidt (1942), der
beweist, daß die beiden sich kannten. (Kurioserweise findet sich in
Mehnerts Shanghaier Zeitschrift „XXth Century“ – 1945 – ein Beitrag von
einer Hanna Woidt, über die sonst nichts bekannt ist.) Es ist auch davon
auszugehen, daß der NS-Propagandamann Erwin Wickert (1915-2008), der
damals in China und Japan arbeitete und Sorge kannte, Woidt gesehn oder
zumindest von ihm gehört hat. Interessant ist in diesem Zusammenhang
auch, daß der Geschäftsmann John Rabe
(1882-1950),der ebenfalls NSDAP-Mitglied und ein Bekannter von Wickert
war, zur gleichen Zeit in China (für Siemens) arbeitete und vermutlich
in den gleichen Kreisen wie Woidt verkehrte. Ein weiterer
Propagandaexperte, der sich – wie Woidt – für den deutsch-chinesischen
Handel interessierte, war Wolf Schenke (1914-1989). Dieser publizierte
im Winter 1937/38 ebenso wie Woidt im OAB (Ostasiatischer Beobachter)
über ostasiatische Wirtschaftsprobleme. Auf diesen Zusammenhang wies
Christian Taaks in einem neueren Buch hin, in dem er Woidt als Leiter
der Wirtschaftsstelle der Landesgruppe China der NSDAP-AO
(Auslandsorganisation) in Shanghai bezeichnet. (S.445) In diesem Buch
wird auch für „Hellmut Woidt“ das Geburtsjahr 1903 angegeben (Geburtsort
Penzig oder Landeshut, beides Schlesien), außerdem: NSDAP Mitglied seit
1933, Autor zahlreicher OAB-Beiträge. Ein weiterer Name, der schon in
Sonjas Rapport auftauchte, findet sich auch in dem neuen auch: der
Lehrer Fritz Kuck. Laut Ruth Werner war dieser einer der ersten
Deutschen, die sie in Shanghai kennen lernte als sie bei „Walter“ wohnte
(S.36); laut Taaks wurde er 1934 Leiter der Pressestelle der
NSDAP-Landesgruppe China-Japan und übernahm 1937 die Schriftleitung des
OAB – Woidt war zu dieser Zeit einer der Autoren. (S.546) (Das in diesem
Buch angegebene Geburtsjahr von Woidt ist das gleiche wie bei dem oben
erwähnten Rudolf Hamburger, auch dieser stammte aus Landeshut –
möglicherweise kannten sich beide schon als Schüler.) Allerdings steht
auch in dem letztgenannten Buch nichts über die Nachkriegsaktivitäten
Woidts, ein Todesjahr ist auch nicht angegeben. Ruth Werner schrieb in
ihrem Buch von 1977: „Er starb vor einigen Jahren.“ Bemerkenswert ist,
daß sie davon wußte, da er sicher bis dahin nicht in der DDR – sondern
vermutlich in der BRD – gelebt hatte. (Vgl. SHAN-NL Nr. 04, Oktober 2006)

Zusammenfassend kann man also festhalten, daß Woidt wohl aus Schlesien
stammte, in den frühen zwanziger Jahren in Deutschland studiert hatte
und – mit Unterbrechungen – mindestens zehn Jahre in China gearbeitet
hat und in dieser Zeit „nebenberuflich“ für Richard Sorge tätig war. Da
beide in der Öffentlichkeit als Nazis auftraten und in den Botschaften
verkehrten, konnten sie sich problemlos treffen. Unklar sind vor allem
die tatsächliche politische Einstellung des Mannes und der Zeitpunkt des
Endes der Zusammenarbeit mit Sorge. Weiterhin wäre es interessant zu
wissen, ob Woidts Aufstieg vom
AEG-Geschäftsmann zum NSDAP-Funktionär von Sorge (und seinen
sowjetischen Auftraggebern) inspiriert oder gefördert wurde und wie weit
Sorge später von Informationen aus diesem Umfeld profitierte. Woidt war
offenbar nicht von der Verhaftung der meisten Mitglieder des
Spionagerings in Japan (1941) betroffen und lebte vermutlich – wie
Mehnert, Rabe, Schenke und Wickert – nach Kriegsende im Westen
Deutschlands und war in den fünfziger Jahren wahrscheinlich noch
berufstätig. Da die heutigen Bibliothekskataloge ihn nicht als Autor
weiterer Bücher aufführen, gibt es wohl keine (veröffentlichten)
Memoiren, zumindest nicht unter seinem Namen. Man wüßte gern mehr.

Literatur:

Ruth Werner: Sonjas Rapport, Berlin, 1977.

Eberhard Panitz: Treffpunkt Banbury oder Wie die Atombombe zu den Russen kam, Berlin, 2003.

Udo Ratenhof: Die Chinapolitik des Deutschen Reiches 1871 bis 1945, Boppard, 1987.

Huang Cuifang: 1938 nian Deguo teshi Fode mimi fang Hua shuping, Minguodang’an, 1997/4.

Astrid Freyeisen: Shanghai und die Politik des Dritten Reiches,Würzburg, 2000.

Christian Taaks: Federführung für die Nation ohne Vorbehalt, Stuttgart,2009.

Dr. Thomas Kampen

 

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English Caidan – Eindrücke aus Taipeh

Es reicht. Ich habe die Nase voll – von
Leuten, die sich in Sachen China, Wirtschaftswunder, gelber Gefahr und
ähnlich schönen Stammtisch-Themen zu profilieren versuchen. Vor allem,
wenn eben diese Menschen zu mir sagen: „Ich habe mal eine ganz spezielle
Frage an dich, du studierst das doch… Was genau ist nun eigentlich
Mandarin?“ Und nur für den Fall, dass einige vorhaben, jetzt mit dem
Lesen aufzuhören, eines sollen sie gelernt haben – wobei ich keinen
Zweifel hege, dass die Leser dieses Newsletters es nicht eigentlich
schon wissen: In China essen sie keine Hunde. Zumindest nicht in dem
bestialischen Umfang wie es gerne von sensationslüsternen Touristen und
Austauschstudenten behauptet wird. Die meisten Chinesen, möchte ich
behaupten, haben kein Interesse an Hunden. Und wenn, dann als Haustier,
als Schoßhündchen, als Dekorationsobjekt. Die wenigsten werden sie
gegessen haben. Seit knapp vier Wochen studiere ich in Taipeh und bin
kurz davor abzureisen. Ich habe einen Kulturschock und zwar nicht wegen
der 2,6 Mio. Taiwanesen, die hier leben, sondern wegen der geschätzten
zweihundert Ausländer, die mit mir studieren. 

Zum ersten Mal sprachlos in meinem Leben war ich genau vor einer Woche.
Ich saß mit einer Gruppe internationaler Studenten in einem
italienischen Restaurant. Wo auch sonst? Denn, wie einer der Spanier,
bemerkte: „Chinesisches Essen kann man nicht essen. Weißt du, es ist
ganz anders und… die benutzen hier Holzstäbchen.“ Bedeutungsvolles
Schweigen seiner-, Belustigung meinerseits. Dann sagte Rodriguez,
genannt „Rollo“: „Nun, ich bin erst seit drei Wochen in Taipeh, aber
eines fasziniert mich wirklich. Die Spuren der alten Kolonialmächte sind
noch immer zu spüren.“ „Welche meinst du da genau?“, hakte ich
vorsichtig nach und was dann folgte, möchte ich eigentlich nicht
schreiben. „Nun ja, du weißt schon, Portugal, England… Und die
Taiwanesen sehen ja, dass wir aus Europa kommen. Sie behandeln uns mit
viel mehr Respekt als ihre eigenen Landsleute, die Klassenunterschiede
sind noch deutlich zu spüren. Was sagst du als, ähem, Sino, Sino…
China-Wissenschaftlerin dazu?“ Er strahlte. Mir fehlten die Worte. Als
ich mich über so viel Dummheit, Ignoranz, Arroganz bei einer Freundin
beschwerte, sagte sie: „Weißt du, sie sind hier, weil sie BWL studieren.
Es macht sich gut in ihrem Lebenslauf, du weißt schon, wegen des
Wirtschaftsaufschwungs in China und so.“ Ich war gereizt und
wortklauberisch, sagte: „Wir.Sind.In.Taiwan.“ – „Ja, ja, schon klar. Nur
ist es eben so, dass die meisten von uns, bevor sie hierhergekommen
sind, nicht einmal wussten, dass es Taiwan gibt, geschweige denn, dass
es sich von  der Volksrepublik unterscheidet.“

An dieser Stelle sollte ich sagen, wer
„uns“ ist. „Uns“ ist eine unerträglich große Gruppe internationaler
Studenten, die BWL und International Management studieren. Für drei bis
zwölf Monate sind sie hier, belegen Kurse, die in Englisch angeboten
werden. Man stelle sich vor: Als Vorbereitung müssen sie englische Texte
lesen. DAS ist in Spanien und Frankreich, glaubt man dieser Horde, eher
unüblich. Die Amerikaner beschweren sich hingegen, dass die Professoren
keine Muttersprachler sind. Wer hätte all dies vorher ahnen können?

Ohnehin lohnt es sich nicht, so auch die Meinung vieler
Master-Studenten, die hier zwei Jahre sein werden, die chinesische
Sprache zu lernen. Sätze wie folgende reichen vollkommen aus, um mit den
Einwohnern zu kommunizieren. Hier die Top 3 der internationalen Gruppe
(ich verzichte auf die Töne (Töne? Welche Töne?):

1.    Wo yao he pijiu. (Alternativ: Pijiu, pijiu!)
2.    Ni de toufa hen piaoliang.
       (Lustige Anekdote eines anderen
Spaniers: „So hat mein Kumpel seine Freundin kennen gelernt!“)
3.    English caidan!

Ich überlege einen Verein zu gründen. Dieser Verein wird Geld sammeln,
um pro Semester ein Flugzeug zu chartern, das solche Menschen außer
Landes bringt. Wer möchte mitmachen?

Viktoria Dümer

 

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Mondfest im Konfuzius-Institut Heidelberg

Am 22. September wurden im
Konfuzius-Institut Heidelberg gleich zwei freudige Anlässe gefeiert. Die
Gründung des Vereins Konfuzius-Institut Heidelberg e.V. am 22.
September 2009 und das chinesische Mondfest. Für das durchaus zahlreiche
und bunt gemischte Publikum gab es über den ganzen Tag verteilt
verschiedene Angebote, die einen ersten Kontakt mit chinesischer Kultur
ermöglichten. Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführenden Direktor
des Instituts Dr. Klaus Grimm hatten die Gäste bei Zheng Qian
Gelegenheit sich zu entspannen, die Kunst der chinesischen Teezeremonie
zu genießen und ein wenig zur Ruhe zu kommen. Auch über Verarbeitung,
Ernte und Herkunft des Tees wusste die aus Ningbo stammende Zheng Qian
einiges zu berichten.

Im nächsten Raum wartete eine ganz
andere Herausforderung auf die Besucher: Tuschemalerei mit Li Haibin.
Die Motive der chinesischen Tuschemalerei sind den meisten Sinologen
vertraut. Berglandschaften, Kaki-Früchte, Pflaumenblüten und nicht
zuletzt der Bambus begegnen uns, nicht nur im Studium, immer wieder.
Aber die Bewunderung für diese Kunstform nimmt tatsächlich noch zu, wenn
man einmal versucht hat selbst eine Garnele aufs Papier zu bringen. Die
Technik der Pinselführung, der Umgang mit dem Reibestein und die
unterschiedlichen Mischverhältnisse von Wasser und Farbe sind für viele
nicht so mühelos zu erlenen, wie es die anmutigen Landschaften
vielleicht vermuten lassen. Schon gar nicht an einem Nachmittag.
Letztendlich verließen aber doch fast alle den Saal mit einem kleinen
Kunstwerk. Egal wieviel Nerven und Mühen die Mitbringsel für zu Hause am
Ende gekostet hatten, stolz und zufrieden mit ihrem Werk waren dann
doch alle. Zur Tradition und Legende des Mondfestes konnten die
Besucher  im Anschluss von Heidi Marweg, Leiterin des
Kulturprogramms des Konfuzius-Instituts Heidelberg, einiges erfahren.
Das musikalische Glanzlicht des Tages war der Auftritt von Zhang
Yuanfang, die mit ihrer Darbietung auf der Guzheng und ihrer charmanten
Art das Publkum bezauberte und mit zarten, nachdenklichen und fröhlichen
Klängen für eine wirklich festliche Stimmung sorgte. Unter den von ihr
dargebotenen Stücken befand sich auch 春江花月夜 Chunjiang Huayueye,
ein klassisches Musikstück, das häufig anlässlich des chinesischen
Mondfestes gesungen und gespielt wird und ein harmonisches Zusammensein
bei Mondlicht muskalisch darstellt.

Höhepunkt des Abends war zweifellos der
Vortrag von SHAN-Gründungsmitglied Oliver Lutz Radtke, der mit seinem
Vortragstitel „Benz, Beck’s und Beckenbauer – Gedanken zur
Deutschlandwahrnehmung in China“ nicht nur Sinologie-Studenten ins
Konfuzius-Institut gelockt hatte. Und er enttäuschte seine Zuhörer
nicht. Mit seiner lockeren Art und seinen scharfsinnigen Beobachtungen
hatte er nicht nur die Lacher der Zuhörer, sondern auch ihr Interesse
schnell auf seiner Seite. Ausgehend von einer typischen Konversation mit
einem chinesischen Taxifahrer, zeigte er typische Deutschlandbilder –
schnelle Autos, Bier, Fussball – auf und machte seinen Zuhörern kreative
Vorschläge, wie ein jeder, als Botschafter deutscher Kultur, mehr aus
dieser Unterhaltung machen könne. Eine Alternative zur einfache
Zustimmung auf Sätze wie „Deutsche trinken sehr viel Bier“ oder
„Deutsche Frauen vertragen mehr Bier als chinesische Frauen“ sei es zu
erwähnen, dass es in Deutschland auch die meisten Biersorten oder so
etwas wie ein Reinheitsgebot gäbe. Ein nützlicher Hinweis für alle, die
bald wieder nach China fahren, auch wenn die meisten Reinheitsgebot
wohl erst im Wörterbuch nachschlagen müssen. Nach einigen Anekdoten und
anschaulichen Beispielen entspann sich dann eine lebhafte Diskussion
über Deutschlandbilder, Chinabilder und unterschiedliche Wahrnehmungen.
Für den stimmungsvollen Abschluss des Tages sorgte dann Zhang Yuanfang
mit einem zweiten Auftritt und der Vollmond, der sich an diesem 
Abend am sternenklaren Himmel zeigte, begleitete die Besucher auf ihrem
Heimweg.

 

Sylvia Schneider

 

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Chinesische Filme vor siebzig Jahren – aus österreichischer Sicht

In der 1939 von A. J. Storfer (1888-1944)
in Shanghai gegründeten Zeitschrift GELBE POST erschienen auch einige –
von ihm selbst verfaßte – Aufsätze über Filme. Schon im ersten Heft vom
Mai 1939 gab es einen Überblick über einige bekannte chinesische Werke.
Bemerkenswert ist, daß nicht nur Filme und Schauspieler(innen), sondern
auch politische und ökonomische Hintergründe behandelt wurden: „Wie
gross der Filmbedarf in China ist, kann man daraus ersehen, daß im Jahre
1936 in Shanghai der Filmzensurstelle des Municipal Councils und der
französischen Polizei neben 812 ausländischen und 21 chinesischen
Kurzfilmen 415 abendfüllende Spielfilme vorgelegt worden sind, unter
denen 51 chinesischer Erzeugung waren.“ Weiter heisst es: „Unter den
ersten chinesischen Filmen überwogen Melodramen, Märchen, mythologische
Geschichten; die Nationalregierung erliess aber im Filmgesetz vom 4.
April 1935 ein Verbot der Filme, ‚die geeignet sind, den Aberglauben zu
ermuntern.‘ “ Hier wird schon deutlich, daß es auch in den dreißiger
Jahren schon vielfältige Zensurbemühungen gab; als dann japanische
Truppen das Land besetzten, wurde die Filmproduktion noch schwieriger.
Dieser Artikel ist jedoch auch eine Art Ratespiel; Personen und
Filmtitel sind nicht immer leicht zu identifizieren: „Die revolutionäre
Bewegung in China hat die Kinobesucher für den modernen
Gesellschaftsfilm reif gemacht. Einen durchschlagenden Erfolg hatte der
1933 gedrehte Film ‚Zwei Schwestern‘ in dem die begabte Butterfly Wu
eine Doppelrolle spielt.“ Butterfly Wu hiess gar nicht Wu sondern Hu Die
(1907-1989) und war damals neben Ruan Lingyu (Vgl. SHAN-NL Nr 43, Mai 2010)
die bekannteste Filmschauspielerin Chinas. Bei dem Film handelt es sich
um ‚Zimeihua / Twin Sisters‘, der Regisseur war Zheng Zhengqiu
(1889-1935).

In Bezug auf die Rolle ausländischer
Filme ist folgender Absatz interessant: „Trotz des grossen Einflusses
des amerikanischen Films auf die Millionen der chinesischen
Kinobesucher, hat der chinesische Gesellschaftsfilm im allgemeinen keine
Neigung zur optimistischen Schönfärberei und zum Happy End Hollywoods.
Es ist bezeichnend, dass die chinesischen Filmproduzenten ihre Stoffe
gerne aus der russischen Literatur und vorzugsweise aus Werken Tolstois
holen. So ist z.B. in Shanghai jetzt ein neuer chinesischer Film zu
sehen, der sich auf des grossen Russen bekannte Drama ‚Macht der
Finsternis‘ stützt.“Der Autor geht auch auf die schwierige politische
Lage Ende der dreißiger Jahre ein: „Auf der anderen Seite müssen aber
die Filme, die in den Hafenstädten gespielt werden sollen, sowohl auf
die Zensur der Behörden der Fremdenkonzessionen, als auf die japanische
Zensur und natürlich nicht minder auch auf die Gefühle der chinesischen
Zuschauer Rücksicht nehmen. So erklärt sich vermutlich, dass neuerdings
eine ausgesprochene ‚Flucht in die Vergangenheit‘ wahrnehmbar ist. Der
historische Kostümfilm ‚Kaiserin Wu‘, der vor einigen Wochen in Shanghai
seine Uraufführung erlebte, hat einen beträchtlichen Erfolg zu
verzeichnen, anscheinend nicht zuletzt auch wegen seiner gefälligen
musikalischen Untermalung. Dem nicht chinesischen Zuschauer verhelfen
unterlegte englische Titel zum Verständnis des Films. Die Titelrolle
spielt die begabte Violet Koo, die sich schon vorher in ‚The Sable
Cicada‘ einen guten Namen gemacht hatte.“ Bei diesen Filmen handelt es
sich um ‚Wu Zetian‘ (des Regisseurs Fang Peilin) und ‚Diaochan‘ von Bu
Wancang, die Hauptdarstellerin Violet Koo war Gu Lanjun (1917-1989). Bu
Wancang (1903-1974) war – Anfang der dreißiger Jahre – auch der
Regisseur von >> ‚Lianai yu Yiwu / Love and Duty‘

Erfreulicherweise sind auch Photos von
einigen Filmen abgedruckt, so ist mehrfach die heute nicht mehr so
bekannte Schauspielerin Y. S. Chen zu sehen, die tatsächlich Chen
Yunshang hiess; sie spielte kurz darauf in Bu Wancang’s Verfilmung von
Ba Jins Roman ‚Jia / Familie‘ eine Hauptrolle. Die meisten erwähnten
Filme – vor allem die mit Hu Die und Chen Yunshang – sind auf
verschiedenen Festivals gezeigt worden und sind heute als VideoCD oder
DVD erhältlich. ‚Lianai yu Yiwu / Love and Duty‘ ist 2004 in Heidelberg
gezeigt worden ( http://www.sino.uni-heidelberg.de/eacs2004/content/programme/film_love_and_duty/index.php).

Beeindruckend an diesem und an andern Artikeln Storfers ist nicht nur
das große Interesse eines gerade erst in Shanghai
eingetroffenenMitteleuropäers am ostasiatischen Film, sondern vor allem
die Vielseitigkeit des Mannes; er beschäftigte sich mit Politik,
Wirtschaft, Kultur, Sprache, Geschichte und besonders mit Psychoanalyse.
Daher sah er diese Filme mit anderen Augen als die Filmkritiker oder
Journalisten. Auch der Hinweis auf die englischen Untertitel bei vielen
chinesischen Filmen ist interessant, denn er zeigt, daß Shanghai eine
internationale Stadt war und auch die chinesische Filmindustrie sehr
international war. Hu Die reiste nach ihren ersten Erfolgen in China in
mehrere europäische Länder, Charlie Chaplin besuchte China und wurde
dort begeistert empfangen. Wenige Monate nach dem Erscheinen von
Storfers Artikel drehte ein nach Shanghai geflohener österreichischer
Regisseur zusammen mit einem Chinesen den Film ‚Children of the World‘.

(Von der GELBEN POST ist vor einigen Jahren in Wien ein Reprint erschienen.)

Dr. Thomas Kampen

 

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Filmrezension:The rat trap and the rose

Anders als in der letzten
Newsletterausgabe, wird diesen Monat ein brandaktueller Film rezensiert.
Als letzter Film der Veranstaltung: „China Underground – Ein kritischer
Blick von Unten“ wurde am 30.09.2010 im Karlstorkino der Film „The Rat
Trap and the Rose“ der Regisseurin Wang Bang gezeigt. Das Debüt-Drama
der Regisseurin, die bisher Dokumentarfilme drehte, besticht durch seine
unvoreingenommene Herangehensweise an das Leben vierer Menschen in der
südchinesischen Metropole Guangzhou. Es wird kaum Musik hinterlegt, um
Stimmung zu erzeugen, und in fast allen Szenen nimmt die Kamera die
Haltung eines neutralen Betrachters ein.  Es wird gezeigt was
geschieht, ohne eine Wertung dessen, weder durch die Bevorzugung einer
Figur, noch durch stilisierte Kamerapositionen.

In einer Art Episodenfilm, den Wang Bang
selbst als trockene Komödie bezeichnet, werden die Großstadt-Schicksale
eines erfolgreichen französischen Geschäftsmannes, seiner frustrierten
Ehegattin, einer geschiedenen Frau aus dem Westen Chinas, sowie das
eines illegalen Einwanderers aus dem Kongo verknüpft. Die Figuren ahnen
nicht in welchem Zusammenhang sie zu einander stehen, nur die Zuschauer
können vermuten in welche Richtung die Handlung sich bewegt, bevor in
einem fulminanten Schluss alle vier Geschichten zusammengeführt werden.

Auf den ersten Blick merkt man dem Film
seinen Erstlings-Charakter an. Den Figuren fehlt  an manchen
Stellen die nötige Tiefe.  Einige Details im Setting des Films
erscheinen auf den ersten Blick als eher unwahrscheinlich gestaltet (wie
z.B. die Wohnung des reichen Ehepaars). Einige Schnitte und
Kameraeinstellungen mangelt es an Finesse in Sachen Kamerafokus und
Perspektive und wirken eher ungelenk. Wenn man aber herausfindet, dass
die Regisseurin Wang Bang ihre Filme hauptsächlich mit eigenem Kapital
finanziert, weil Förderungsmöglichkeiten für Independent-Filme in der VR
China mehr als knapp sind, und darüber hinaus die „Schauspieler“ alles
Laien und Freunde der Regisseurin sind, gewinnt man neuen, großartigen
Respekt für diese Art des Filmemachens. Es entsteht ein Film voller
Herzblut in dem Wang Bang, wie sie berichtet,  ihre eigenen
Erlebnisse aus ihren 10 Jahren in Guangzhou verarbeitet und ihre Figuren
zeichnet, indem sie ihnen Charaktereigenschaften verleiht, die sie
selbst besitzt. Heraus kommt, trotz der erschwerten Finanzlage, ein sehr
unterhaltsamer Film, der eine Seite des modernen Chinas zeigt, die man
in China und auch hier nicht sehr oft in Filmen zu sehen bekommt. 
Weit ab vom chinesischen Mainstream-Film zeigt sich ein düsteres China
mit Figuren, die unbekannte Tiefen und Abgründe erleben und durchleben
müssen.  Nicht gerade eine trockene Komödie, aber das sollte auch
nicht zu erwarten sein von einer Filmemacherin, die Michael Haneke,
bekannt zuletzt durch den Film „Das Weiße Band“ und als österreichischer
Meister der Trostlosigkeit und des Verstörenden gilt, als ihr größtes
Vorbild bezeichnet.  Dennoch ein gelungenes Debüt und ein durchaus
sehenswerter Film.

Johann Platt

 

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