INHALT

25 Jahre Tian’anmen-Massaker

Am 4. Juni jährte sich das Massaker am Tiananmen zum 25. Mal. Um
diesem traurigen Jubiläum Beachtung zu schenken, organisierte Oliver
Schulz einen Diskussionsabend, der die damaligen Ereignisse und Folgen
von „六四“ beleuchtete.

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Erzählen sie mal … Marina Rudyak

SHAN-Gründungsmitglied Marina Rudyak berichtet in unserem Interview
von ihrer Arbeit für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
in Peking und bietet einen Einblick in ihr Promotionsthema: Die
chinesische Entwicklungshilfe.

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Die Schauspielerin Li Lili und der Filmregisseur Sun Yu

Thomas Kampen begibt sich mit uns in die Zeit des chinesischen
Stummfilms. Anhand der Biografien der Schauspielerin Li Lili und des
Regisseurs Sun Yu verfolgen wir den Wandel der chinesischen
Filmgeschichte vom Stumm- zum Tonfilm.

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Die Global China Connection jetzt auch in Heidelberg

Zu Beginn des Sommersemesters gründeten Heidelberger Studentinnen und
Studenten eine Regionalgruppe der Global China Connection in Heidelberg.
Im Interview mit SHAN stellt Vorsitzende Vera Grossegesse die neue
Hochschulgruppe vor und berichtet von der Arbeit der ersten Wochen.

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25 Jahre Tian’anmen-Massaker

Am 4. Juni jährte sich das Tian’anmen-Massaker zum 25. Mal, und zur
Erinnerung daran kamen genau 25 Mitglieder des Sinologischen Instituts
Heidelberg, darunter zwei Dozenten, zusammen, um über die damaligen
Geschehnisse und deren Folgewirkungen zu diskutieren.

Zum ersten Mal in der chinesischen Geschichte wurde 1989 eine
politische Demonstration in die Welt übertragen. Durch den mit Spannung
erwarteten Besuch von Michail Gorbatschow ab dem 15. Mai hatten sich
viele internationale Beobachter auf den Weg nach Beijing gemacht, und
konnten dabei feststellen, dass sich in China schier Unglaubliches
zutrug: Der Tian’anmen-Platz von Zehntausenden von Menschen besetzt;
Demonstrationen von Hunderttausenden, verbunden mit Forderungen nach
Presse- und Meinungsfreiheit, einer effektiven Bekämpfung der Korruption
sowie der aufkommenden Ungleichheit; die Verbündung von Studenten,
Arbeitern, Journalisten und den Bewohnern Pekings; Hungerstreiks; ein
innerparteilicher Richtungskampf zwischen liberalen und konservativen
Kräften; sowie ein spürbar neues Maß an Freiheit und Kreativität unter
den Demonstranten, die sich in einer Kombination aus zahlreichen
Gedichten, Musik, theoretischen Diskussionen und bildender Kunst
manifestierte, das herausragende Beispiel hierzu ist die Göttin der
Demokratie, die nicht als Kopie der Freiheitsstatue gedacht war, sondern
auch Anleihen an der Skulptur Arbeiter und Bauern in Moskau nahm. 

Die Demonstrationen, die sich nicht nur in Peking, sondern in
zahlreichen Städten Chinas, und nicht nur am 04.06., sondern auch in den
Tagen danach, abspielten, korrespondierten zeitlich und inhaltlich mit
den Kundgebungen für mehr Demokratie und Freiheit in den sowjetisch
kontrollierten Ländern Europas, wo die chinesischen Forderungen und
Protestformen auf ein besonders gesteigertes Interesse stießen. Für die
Erinnerung an die friedlichen Montagsdemonstrationen in der DDR ist
diese Verbindung von besonderem Belang, erklärte sich die Volkskammer in
Ost-Berlin doch solidarisch mit der KPCh und rechtfertigte das
Massaker. Mit diesen Gedanken im Kopf wurde „Keine Gewalt!“ für viele
Demonstranten in Leipzig zu einem zentralen Slogan. 

Während in Hongkong dieses Jahr über 100.000 Menschen an der
jährlichen Gedenkveranstaltung teilnahmen und es dort nun das erste
feste Museum für den 4. Juni gibt, wird in China seit langem versucht,
die Erinnerung an dieses so wichtige Ereignis vor 25 Jahren
auszulöschen. In den Wochen vor dem Jahrestag wurden zahlreiche
Intellektuelle und potentielle „Störenfriede“ festgenommen, unter
Hausarrest gestellt oder wurde ihnen gar Geld angeboten, nur dass sie
Peking verließen. Zwar ist es der Führung mit ihren Maßnahmen gelungen,
unter den meisten jungen Chinesen dieses Ereignis der Vergessenheit
anheimfallen zu lassen, auf der anderen Seite verzeichneten die
Organisatoren der Hongkonger Gedenkveranstaltung einen starken Anstieg
der in Renminbi, also von Festlandchinesen getätigten
Spenden.  

Und so stellte sich auch in der an unserem Institut von Chinesen,
Taiwanern und Deutschen gleichermaßen lebhaft geführten Debatte die
Frage, wie und wo das Tian’anmen-Massaker nun eigentlich verarbeitet
wurde. Während in den letzten Jahren in Deutschland mit Liao Yiwu 廖亦武
und Ai Weiwei 艾未未 zwei Künstler vermehrt Aufmerksamkeit gefunden haben,
die ein kritisches Verhältnis zur chinesischen Regierung einnehmen und
dabei auch das Jahr 1989 nicht aussparen, leben viele der damaligen
Aktivisten in den USA, wo sie ihre Erfahrungen thematisieren, zum Teil
in Buchform wie mit Moving the Mountain von Li Lu 李錄. Die Göttin der
Demokratie ist selbst zu einer Ikone und einem interessanten Symbol der
transcultural flows geworden, war sie doch inspiriert von russischen und
US-amerikanischen Vorbildern und findet sich nun wiederum in mehreren
Städten der USA, Kanadas sowie in Hongkong. 

Doch auch in China ist liu si 六四 in der Populärkultur vertreten, der
vom populären Regisseur Lou Ye 婁燁 gedrehte Film Yihe yuan 頤和園
(Sommerpalast) verbindet die damaligen Ereignisse mit einer
Liebesgeschichte. Zwar wurde der 2006 erschienene Streifen verboten,
erfreute sich dennoch einiger Beliebtheit in China. Mit Briefen,
Petitionen und mittlerweile auch mit Videos wiederum versucht die
„Bewegung der Tian’anmen-Mütter“ die Erinnerung auf dem Festland an das
Tian’anmen-Massaker wachzuhalten.  Sie waren auch 2014 aktiv und
berichteten über eine besonders enge Überwachung und Kontrolle. So
ergibt sich ein komplexes Bild verschiedener Erinnerungskulturen, deren
internationale Verwobenheit die einseitige und elliptische Darstellung
der KPCh weiter vor Herausforderungen stellen dürfte. 

Während viele Teilnehmer ihr Vorwissen einbringen konnten, bestand
auch Einigkeit darin, dass es gut sei, wenn an unserem Institut
aktuellere politische Ereignisse unter multiethnischer Beteiligung
diskutiert werden, um verschiedene Perspektiven kennenzulernen und die
eigenen Kenntnisse zu vertiefen. Der Autor möchte sich an dieser Stelle
für die vielen inhaltlichen Hinweise bedanken, die auf seine Mail an die
ZO-Liste folgten und stellt jedem Interessenten und jeder Interessentin
die zahlreichen Materialien auf Anfrage gern zur Verfügung.

Weitere Informationen zu den Spenden vom Festland und zur „Bewegung der Tian’anmen-Mütter“

 

Oliver Schulz 舒奧力 (shuaoli@googlemail.com)

 

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Erzählen sie mal … Marina Rudyak

SHAN: Es ist schön, in diesem Rahmen ein frühes Mitglied von
SHAN vorstellen zu können! Hast du in Peking weiter fleißig weiter den
Newsletter gelesen?

Ja klar! Ich bin SHAN-Gründungsmitglied, damals im Wirtschafts- und Praxisteam.

Mit Oli Radtke?

Ja!

Inzwischen seid ihr ja dann alle schon in der Praxis!

Ja, oder schon wieder zurück.

Gut, lass uns das Gespräch von da aufrollen! Du bist jetzt wieder zurück nach Heidelberg gekommen, um zu promovieren?

Genau, ich habe 2009 das Studium abgeschlossen und bin fast direkt
nach dem Studium zur GIZ (Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit) gegangen, die damals noch GTZ hieß. Davor habe ich noch
drei Monate mit dem Lehrauftrag für gerade Magistrierte hier am Institut
für Sinologie ein Proseminar unterrichtet.

Zu welchem Thema?

Zu Energiesicherheitspolitik, denn zu diesem Thema hatte ich auch
meine Magisterarbeit geschrieben. Danach bin ich nach Peking gegangen
und habe dort gearbeitet bis Ende Oktober 2013. Jetzt bin ich seit
Jahresanfang zurück in Heidelberg und promoviere.

 

Wieder zu Energiesicherheit? 

Nein, zu China als Entwicklungshilfegeber, „Chinese foreign aid“.
Dabei bringe ich meine sinologische Kompetenz und Praxiserfahrung in der
Entwicklungszusammenarbeit zusammen.

 

Das klingt ja sehr spannend! Geht es um China als Geber von Entwicklungshelfer global oder fokussiert auf eine bestimmte Region?

Ich konzentriere mich auf die innerchinesischen Debatten,
insbesondere wie China damit umgeht, dass die eigene Entwicklungshilfe
von vielen Seiten kritisch gesehen wird. China ist seit 1956
kontinuierlich ein Geberland in der Entwicklungshilfe, steht aber erst
seit den 2000er Jahren im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit.
Denn in diesen Jahren haben sie die Gelder für Afrika massiv
hochgefahren. China hat bei der 3. FOCAC-Konferenz (Forum on
China-Africa Cooperation) Zusagen gemacht, die die der Weltbank
übertrafen! Somit sind sie ins Licht der allgemeinen Aufmerksamkeit
gerückt und stehen jetzt im Zentrum einer Debatte: Was ist eigentlich
diese chinesische Entwicklungshilfe? Wie geht man um mit „no strings
attached“? Ist das eine Gefahr für die westliche Entwicklungshilfe? Wie
stellt sich China als sozusagen „neuer“ Geber auf, gemeinsam mit anderen
neuen Gebern, Kooperation, usw.?

Was ich mir anschaue ist, wie China mit der Kritik des Westens
umgeht, denn das Interessante ist, dass die offensichtliche Reaktion ist
zu sagen: Wir machen das seit den fünfziger Jahren, wir machen das, was
wir bei uns als erfolgreich erlebt haben, und zwar sowohl als Empfänger
von Entwicklungshilfe als auch als Geberland, und genau dieses Modell
exportieren wir in die Länder. Auf der anderen Seite möchte China
international als ein „responsible stakeholder“ anerkannt werden, daher
wird die internationale Kritik sehr wohl ernst genommen. Wir haben eine
große interne Debatte, wir haben eine Neubewertung der
Entwicklungshilfe, ein Aufgreifen der Kritikpunkte und einen Lernprozess
in Interaktion mit westlichen Gebern, der unter dem Radar, aber nicht
völlig unsichtbar stattfindet. Und genau diesen internen Prozess schaue
ich mir an, insbesondere vor dem Hintergrund wie eigentlich die hybride
Identität des chinesischen Staates, zum einen als Zivilisationsmacht,
zum anderen als Nationalstaat in die Rollenfindung hineinspielt. 

Also, um Deine Frage nach den Regionen zu beantworten: Ich schaue mir
nicht an: Was macht China eigentlich in Afrika? Oder in Südostasien?
Oder in Lateinamerika? Hierzu gibt es bereits Forschungsansätze in der
Entwicklungsökonomie und den Politikwissenschaften. Ich mache eigentlich
das, was die genuin sinologische Forschungsleistung ist und stoße damit
in die Forschungslücke schlechthin: Warum machen die Chinesen die Dinge
so wie sie sie machen?

 

Und die Quellentexte sind dabei vor allem „policy papers“?

Genau, „policy paper“, Reden und Interviews, die zum Teil schon
geführt und zum Teil noch zu führen sind. Dadurch, dass ich relativ nah
an der chinesischen Politik gearbeitet habe, auch an den Stellen, die
Entwicklungszusammenarbeit machen, habe ich auch einen relativ guten
Überblick, was die relevanten Themen sind und in welche Richtung sich
die Dinge entwickeln.

 

Das heißt, du hast in Peking auch noch Kontakte und erhälst weiterhin laufend aktuelle Informationen?

Genau, darüber, dass ich z.T. auch immer noch mit meinem alten
Projekt zusammenarbeite, komme ich an entsprechend interessante Leute
heran.

 

Über das chinesische Engagement in Afrika ist viel bekannt, aber wie ist es mit der Entwicklungshilfe für Lateinamerika?

Ja, auch dort hin fließen viele Gelder aus China. Dabei steht die
Entwicklungshilfe dort nicht so sehr im Fokus wie in Afrika. Die Frage
ist: Warum interessiert es den Westen? Es wird dann spannend, wenn man
auf einmal mit einander konkurriert – wenn es darum geht, dass die
westliche Entwicklungshilfe mit Auflagen in Richtung Rechtsstaatlichkeit
oder gute Regierungsfühung verbunden ist und die chinesische ohne diese
Auflagen kommt. Denn die Chinesen sind der Meinung, dass sie aus ihrer
Position als „Entwicklungsland“ heraus gar kein Recht haben politische
Forderungen zu stellen. Das läuft in deren Verständnis viel mehr als
Zusammenarbeit unter Entwicklungsländern: Ihr kriegt das Krankenhaus
oder die Straße, wir bekommen dafür von euch, z.B. Zugang zu Rohstoffen
oder Häfen.

 

Aber ist es dann nicht viel mehr „other strings attached“ als „no strings attached“?

Man könnte das vielleicht eher als einen Tauschhandel betrachten,
konzessionäre Kredite im Austausch für eine Direkte Gegenleistung. Es
gibt keine politischen Konditionen, außer der Nichtanerkennung Taiwans.
Daneben gibt es aber auch „klassische“ Entwicklungshilfe, v.a
technischer Art, die ohne Gegenleistungen erfolgt. Die gilt auch für
humanitäre Hilfe. Aber der Großteil in der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit zwischen China und afrikanischen Staaten, die wir als
Entwicklungshilfe wahrnehmen, läuft in Form von konzessionären Krediten.

 

Und abgesehen von Investitionen in den Ländern Afrikas fließt ja auch viel Geld in Stipendien.

Ja, das wird als wirtschaftliche Hilfe gezählt.

 

Auf die Idee mit deinem Promotionsthema bist du noch während der Arbeit für die GIZ gekommen?

Mir war immer klar, dass ich noch promovieren wollte, ich wollte aber
zuerst für einige Jahre in der Praxis. Ich hätte direkt in Heidelberg
bleiben können, hatte aber gleichzeitig das Angebot von der GIZ und habe
mich dann dafür entschieden. Ich habe mich schon immer sehr für die
chinesische Politik interessiert und für einen Ausländer gibt es
wahrscheinlich keine Möglichkeit, näher an der chinesischen Politik zu
sein, als in der unmittelbaren Reformberatung. Die GIZ berät auf
höchster politischer Ebene und das war sehr spannend, ich habe
unglaublich viel gelernt. Da ich ziemlich schnell viel Verantwortung
übernommen habe, mit einer 60-Stunden-Woche und vielen Reisen, war ein
nebenberufliches Schreiben der Dissertation nicht möglich! Deswegen habe
ich mich entschieden, eine „Pause“ zu machen, wobei hier natürlich
keine Rede von einer Pause sein kann, und mich ausschließlich der
Dissertation zu widmen.  

 

Und danach geht es zurück zur GIZ nach Peking?

Naja, ich arbeite ja zu neuen Entwicklungshilfegebern. Und es muss
nicht unbedingt Peking sein: Egal wo wir hingehen ist China präsent. In
Asien, in Lateinamerika, in Afrika. Ich möchte auf jeden Fall im
internationalen Bereich bleiben. Vielleicht bleibe ich auch in der
Wissenschaft. Im Moment ist es eine sehr spannende Phase, auch weil ich
die letzten fünf Jahre sehr praktisch gearbeitet habe. Und dann war ich
irgendwann an einem Punkt, an dem ich mir gesagt habe: Jetzt muss ich
mal wieder rausgehen und selber was lernen. Eigentlich wird das doch das
Modell der Zukunft sein: Man arbeitet eine Zeit lang und dann geht man
raus, speist das Praxiswissen in die Theorie, nimmt aber neue Theorie in
die Praxis mit und bildet sich so fort. So betreibt man lebenslanges
Lernen. An der Uni denkt man ja nicht den nächsten, sondern den über-
und den überübernächsten Schritt. Man macht sich Gedanken darüber: Wo
könnten wir in 20 oder 30 Jahren stehen? Denn eigentlich soll die
Universität nicht nur für den Beruf ausbilden, sondern die Menschen
darin zu schulen zu denken. Ich habe in meinem Job wirtschaftspolitische
Reformberatung gemacht, dabei habe ich moderne und klassische Sinologie
und öffentliches Recht studiert. Aber was man an diesem Institut hier
exzellent lernt, das sind Methoden und sich in etwas Neues rein zu
arbeiten. Und wenn man das wirklich drauf hat, dann kann man in jedem
Bereich tätig sein.

 

Wie groß ist denn das Team der GIZ in Peking?

Insgesamt sind es circa 180 Mitarbeiter, davon 40-50 deutsche Entsandte und etwa 130 chinesische Mitarbeiter.

 

Und wie sieht es mit der Zukunft der GIZ in Peking aus?

Die klassische Entwicklungshilfe für China wurde nach den Wahlen 2009
beendet. Die Projekte laufen jetzt noch aus, das letzte bis 2015. Was
noch läuft sind Projekte aus der internationalen Klimainitiative, das
sind Gelder aus Rückflüssen von dem Verkauf von Emissionszertifikaten,
die Entwicklungs- und Transformationsländer bei der Anpassung an den
Klimawandel unterstützen sollen. Da werden spannende Sachen gemacht im
Bereich Umweltpolitik, Stadtentwicklung, Elektromobilität, erneuerbare
Energien, Abfall. Aber auch der Rechtsstaatsdialog oder Themen, die
gleichermaßen für Deutschland und China wichtig sind wie z.B.
Produktsicherheit, die auch Exportprodukte, die nach Deutschland gehen
betrifft. An die Stelle der Entwicklungshilfethemen sind Agenden der
strategischen Partnerschaft zwischen China und Deutschland getreten.
Elektromobilität finde ich besonders spannend, da ist China für deutsche
Automobilhersteller und Stadtplaner ein Labor – einfach mal eine Stadt
testen, die komplett auf Elektromobilität setzt, das ginge hier in
Deutschland gar nicht

 

Gehen wir nochmal einen Schritt zurück. Woher kam bei dir ursprünglich das Interesse an China?

Oh, ich bin über Umwegen zur Sinologie gekommen. Eigentlich wollte
ich Psychologie studieren, hatte auch schon einen Studienplatz, hatte
aber immer das Problem, dass mich zu viel interessiert hat. Bei Herrn
Spaar in der Studienberatung habe ich mich schließlich informiert, was
das mit der Sinologie so auf sich hat und war begeistert über die
Vielfalt, die das Fach beinhaltet und die Möglichkeit im Magister
mehrere Fächer zu kombinieren. Und dann habe ich mir gedacht: du
probierst es aus, lernst ein Jahr Chinesisch und falls nicht … Und nach
dem Propädeutikum war ich ein Jahr in Shanghai – und dann hatten sie
mich eingekauft!

Und eigentlich bin ich dann doch dort gelandet wo ich hinwollte.
Zuerst wollte ich in Richtung Auswärtiges Amt, aber dann bin ich doch
schnell auf die Schiene internationale Kooperation eingeschwenkt, über
diverse Praktika – und das hat dann geklappt.

 

Das heißt, du würdest auch sagen, dass das die zentrale Kompetenz ist, die uns Sinologen auszeichnet?

Ja! Und ich glaube wir können das besser als Andere, weil es kaum ein
Fach gibt, in dem es diese breite Palette gibt. In einem Semester
beschäftigt man sich mit Literatur, im nächsten mit
Urbanisierungspolitik und im übernächsten arbeitest du zur
Taiping-Rebellion und dann über Medizin in chinesischen Enzyklopädien
des 17. Jahrhunderts – und du musst alles gleichermaßen können. Alle
Wissenschaften in einem Fach!

 

Was man aus dem Studium mitnimmt, ist also vor allem die Flexibilität?

Flexibilität, Belastbarkeit, Stressresistenz und eine gute methodisch
Werkzeugkiste, gerade so diese ganze Ausbildung in digitalen
Ressourcen, die Hilfsmittelkunde, das ist das A und O. Wie orientiere
ich mich schnell in Datenbanken? Wie finde ich schnell die wichtigen
Informationen in Datenbanken, wenn ich in drei Tagen ein Papier fertig
geschrieben haben muss?

 

Sprachliche und methodische Kompetenzen lernt man im Studium, aber praktische Fähigkeiten dann im Job?

Inhaltlich? Ja, das lernt man im Job. Ich habe schon während dem
Studium ein Praktikum gemacht zu regionaler Kooperation, allerdings
nicht in China. Man ist dann da und arbeitet sich rein. Meine Kompetenz
in Wirtschaftspolitik habe ich mir „on the job“ erarbeitet. Es kann
Glück oder Unglück sein direkt ins kalte Wasser geworfen zu werden. Es
war da niemand, der mir viel „input“ gegeben hat, aber ich konnte ein
Projekt von Grund auf aufbauen. Und dann passiert das in Interaktion:
man ist bei Workshops, lernt von Kollegen, Experten, arbeitet sich ein;
im Prinzip ist es gar nicht so unähnlich, wie wenn man eine Hausarbeit
schreibt, wenn man sich komplett allein in ein Thema einarbeitet. Die
Volkswirte in meinem Team kannten zwar die Theorie, waren dann aber
nicht besser dran als die Sinologen mit mehr politischem Gespür, denn
die regionalen Gegebenheiten in Ostasien mussten sich alle gleich
erarbeiten. Das thematische Einarbeiten ist bei beiden gleichermaßen
notwendig.

 

Praktika, ist das der Schlüssel zur Jobfindung?

Ja, auf jeden Fall, für beide Seiten. Wenn man die Wahl hat stellt
man jemand ein, den man kennt und von dem man weiß, dass er gut ist.
Gerade im Bereich Entwicklungszusammenarbeit gibt es ein riesiges
Angebot an wirklich guten Leuten, die im Ausland studiert haben, zig
Sprachen sprechen, zig Praktika mitbringen und da kommt man ohne
Praktika gar nicht rein. Man sollte sich das genau überlegen wo man
hinwill, um die Institution und die Leute kennen zu lernen.
Andererseits, wenn man das gut macht, dann hat man sozusagen den Fuß
schon drin.

 

Für den Übergang vom Studium ins Berufsleben sollte man sich dann also frühzeitig Gedanken machen.

Ja genau. Frühzeitig Praktika anpeilen, sich Gedanken machen: Was
interessiert mich? Was für Bereiche interessieren mich? Ist das was ich
mir vorstelle, ist es in der Realität so wie ich es mir vorstelle?
Manchmal stellt man sich etwas vor, schöner Glanz, aber in der Realität
ist es dann doch gar nicht meins. Und dann, wenn man für sich weiß, wo
will ich hin, dann auch schon strategischer zu den Institutionen oder
Firmen gehen, die einen interessieren würden. Denn über die Kontakte,
die man dort knüpft, entweder in der Institution selbst, oder je nachdem
auch im Rahmen des eigenen Projekts aus Institution heraus, das ist das
was einem dann am Ende des Studiums nutzt.

 

Aber ist die Schwelle beim Jobeinstieg für Absolventen beider
Fächerbereiche gleich hoch oder gleich niedrig, wenn sie
Praktikumshürde schon genommen haben?

Das ist schwer so allgemein zu sagen. Wenn ein Projekt aufgebaut wird
schaut man sich nach alten Praktikanten um oder geht im weiteren Pool
auf die Suche. Ansonsten hängt es sehr davon ab, wer da sitzt: Also wenn
da ein Volkswirt sitzt, dann stellt er wahrscheinlich eher einen
Volkswirt ein. Wenn da ein Politologe sucht, dann nach jemandem, der
denkt wie er. Ich habe in meinem Team eher versucht es ausgewogen zu
halten, denn ich brauche Regionalwissenschaftler ebenso wie Volkswirte,
die mehr wissen in Bereichen, die ich selber nicht so gut kenne. Im
Prinzip ist es nicht so relevant, was man studiert hat, sondern wie man
darstellt was man kann – in Vorstellungsgesprächen und Anschreiben und
das stringent aufzeigen kann: Das kann ich und das passt zu der Stelle.
Was zentral ist in unserem Studium, das ist die kulturelle Kompetenz, in
alles andere liest man sich ein. Aber dieses Gespür für China, das muss
man vermittelt bekommen.

 

Liebe Marina Rudyak, vielen herzlichen Dank für das Gespräch und die spannenden Einblicke in die Arbeit der GIZ!

 

Das Gespräch führte Helen Hübner.

 

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Die Schauspielerin Li Lili  und der Filmregisseur Sun Yu

Li Lili wurde vor knapp einhundert Jahren geboren, Sun Yu noch
fünfzehn Jahre früher. Beide begannen zur Stummfilmzeit ihre Karrieren
und waren auch beim Tonfilm erfolgreich; beide lebten und starben in der
Volksrepublik China. Vor achtzig Jahren bekam Li die Hauptrolle in dem
Spielfilm Tiyu Huanghou (Sports Queen) von Sun Yu. 
 
Die Filmschauspielerin
 
Li Lili (1915-2005) war ein ungewöhnlicher Star aus einer
ungewöhnlichen Familie. Ihr Vater, der den Familiennamen Qian trug, war
ein kommunistischer Geheimagent, der Anfang der dreißiger Jahre im
Sowjetgebiet von Jiangxi lebte und früh starb. Die Tochter benutzte
dagegen den unauffälligen Familiennamen Li, da der Leiter der Kunst- und
Tanzschule, die sie besuchte, so hieß. Ihr Vater hatte sich auch für
Musik und Theater interessiert und hat vermutlich die Berufswahl der
Tochter beeinflusst. Der Chef des Geheimdiensts war zu dieser Zeit Zhou
Enlai (1898-1976), der in Tianjin zur Schule ging und dort wohl auch Sun
Yu (1900-1990) zum ersten Mal traf.  Sun und Zhou wurden beide von
Zhang Pengchun (1892-1957) unterrichtet, dessen älterer Bruder Zhang Boling (1876-1951) die Nankai Universität gegründet hatte.
Beide Brüder hatten in den USA studiert und legten viel Wert auf das
Englischlernen. (Ein etwas späterer Student war der Autor und
Theaterregisseur Cao Yu (1910-1996), der in der Volksrepublik sehr
beliebt war.) 
 
Der Regisseur
 
Sun Yu war ein moderner, politisch interessierter Regisseur, der sich
besonders mit der Filmtechnik beschäftigte. Aus diesem Grunde besuchte
er schon in den zwanziger Jahren Nordamerika und schaute sich die
Studios in Hollywood an; er kaufte auch Geräte für chinesische
Filmstudios – dies war genau die Zeit in der die Tonfilmtechnik
entwickelt wurde. 1927 begann Sun für ein Filmstudio in Shanghai zu
arbeiten, 1930 wechselte er zu der Firma Lianhua und drehte seinen ersten Spielfilm Gudu chunmeng (Spring dream in the old capital) mit der berühmten Schauspielerin Ruan Lingyu.
 
Stummfilm
 
Li Lili war ebenfalls sehr modern: im Gegensatz zu früheren
Schauspielerinnen, die keine besondere Ausbildung bekamen, lernte sie
spielen, tanzen, singen und – reiten! In vielen Filmen trug sie – kurze –
Hosen, selten elegante Kleider. Außerdem sprach sie perfekt
Hochchinesisch während viele Stummfilmstars kantonesisch oder andere
Süddialekte sprachen. Sie war schon als Kind 1926 (mit Mutter und
Bruder) an einer Filmproduktion beteiligt, 1932 übernahm sie ihre erste
Spielfilmrolle. Li spielte dann in den folgenden drei Jahren in Sun Yus
Filmen Huoshan qingxue (Volcano in the blood),Tianming (Day break), Xiao
Wanyi (Little Toys), Tiyu Huanghou (Sports Queen) und Dalu (Big Road)
wichtige Rollen. 
 
Tonfilm
 
1935 ging – nicht nur durch den Selbstmord von Ruan Lingyu – die
Stummfilmzeit in China zu Ende, der Tonfilm erhöhte die
Produktionskosten, die Kinos mussten investieren und die Preise erhöhen;
Schauspieler, die nur Dialekt sprachen, waren kaum noch zu gebrauchen.
Zu dieser Zeit war die Wirtschaftslage insgesamt schlecht, japanische
Truppen rückten von Nordostchina nach Nordchina und dann nach Shanghai
vor. 1937 verließen viele Filmstudios Shanghai und gingen nach Hongkong
oder nach Südwestchina. 
 
Die vierziger Jahre
 
Sun Yu verbrachte einen Teil der Kriegsjahre in Chongqing und ging
dann für drei Jahre in die USA. Nach seiner Rückkehr drehte er einen
Film über Wu Xun (Wu Xun zhuan) für den er in den Gründungsjahren der
Volksrepublik heftig kritisiert wurde. Sun erreichte zwar ein hohes
Alter konnte aber keine großen Filme mehr drehen. Seine Amerikareisen
und Englischkenntnisse habe ihm in der sowjetisch dominierten Phase eher
geschadet.  Li Lili war in den frühen Kriegsjahren noch an einigen
Filmprojekten beteiligt, verbrachte nach dem Krieg zwei Jahre in den
USA und lebte ab 1949 in der neuen Hauptstadt Beijing. Sie übernahm nur
noch kleinere Rollen und wurde zur Filmlehrerin. Einen letzten großen
Auftritt hatte sie bei dem biographischen Film Center Stage – Ruan
Lingyu (1992) mit Maggie Cheung.  
 
Literatur: 
Jay Leyda: Dianying – Electric Shadows, Cambridge (Mass.), 1972.
Sun Yu: Dalu zhi ge, Taibei, 1990. 
 
 
Dr. Thomas Kampen

 

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Die Global China Connection jetzt auch in Heidelberg

Anfang dieses Semesters haben Studierende unserer Universität eine
Regionalgruppe der Global China Connection, kurz GCC, in Heidelberg
gegründet, um den kulturellen Austausch zwischen China und Deutschland
zu fördern. Gründungsmitglied und Vorsitzende Vera Grossegesse im
Gespräch mit SHAN. 

 

Was ist GCC?

GCC steht für Global China Connection. Es ist eine weltweit agierende
Organisation, die in den USA gegründet wurde und dort sehr häufig
vertreten ist. Besonders an den Elite-Unis Harvard, Yale und Princeton.
Diese Unis haben ein großes Netzwerk aufgebaut, mit dem Ziel den
Austausch zwischen China und den Nationen der Welt zu fördern.
Mittlerweile hat sich dieses Netzwerk auf China ausgeweitet, auch dort
gibt es bereits sogenannte Chapter, also Regionalgruppen, so wie wir in
Heidelberg eine sind. Dort organisiert GCC halbjährlich Kongresse, auf
die dann Repräsentanten von Unternehmen, Hochschulen und anderen
Organisationen eingeladen werden. Die wichtigsten Summits finden in
Peking und New York statt, wo sich alle Regionalgruppen des jeweiligen
Landes treffen.  In anderen Ländern, wie auch in Deutschland,
befindet sich GCC noch im Aufbau.

 

Seit wann gibt es GCC in Heidelberg und wie bist du auf die Idee gekommen, eine Regionalgruppe in Heidelberg zu gründen?     

Von einem ehemaligen Kommilitonen in Bayreuth habe ich erfahren, dass
dort ein neues Chapter, als eines der ersten seiner Art in Deutschland,
gegründet wird. Das fand ich sehr interessant, besonders die Idee, ein
Netzwerk für Deutschland aufzubauen, hat mich gereizt. Natürlich ist es
ein hoch gestecktes Ziel, hier ein gut ausgebautes Netzwerk, wie es in
den USA bereits vorhanden ist, aufzubauen, deswegen wollte ich anfangs
eigentlich nur einmal schauen, inwiefern Interesse bei den Heidelberger
Studenten besteht. Daher habe ich am Anfang des Sommersemesters auf
Facebook Werbung gemacht und versucht, andere Studenten für diese Idee
der Gründung eines Chapters in Heidelberg zu gewinnen. Ich habe nicht
damit gerechnet, dass die Resonanz so groß sein würde, mittlerweile
besteht unser Team aus fast 20 Mitgliedern.

 

Wie seid ihr organisiert?

Ich habe während meiner Studienzeit bereits bei anderen
Hochschulgruppen mitgearbeitet und mich hat immer die streng
hierarchische Struktur gestört. Für GCC Heidelberg wollte ich das nicht
übernehmen und so arbeiten wir in kleinen Teams innerhalb der Gruppe
zusammen. Außerdem war es von Anfang an mein Ziel, Ideen und Projekte zu
realisieren hinter denen alle Gruppenmitglieder stehen. Ich hatte die
Erfahrung gemacht, dass wenn beispielsweise ein Vorstand ein Projekt
vorgibt, an dem die ganze Gruppe arbeitet, die Motivation der Mitglieder
schnell abnimmt. Das verhält sich anders, wenn ein Projekt realisiert
wird, bei dem alle ihren vollen Einsatz zeigen, weil sie selbst
dahinterstehen. Deswegen konnte gerade am Anfang jeder seiner Ideen für
Veranstaltungen und Projekte einbringen. Nach gemeinsamer Abstimmung
beschlossen wir, dass unser erstes Event ein deutsch-chinesischer Abend
sein wird. Wir sind in der Gestaltung unserer Events sehr frei und
müssen lediglich drei Veranstaltungen organisieren, um von GCC Global
offiziell als Regionalgruppe anerkannt zu werden.  

 

Wie kann man bei GCC mitmachen?

Bei GCC kann jeder mitmachen, der  am kulturellen Austausch mit
China interessiert ist, unabhängig von Fachrichtung oder Vorwissen zu
China. Unser Team ist bunt gemischt und besteht aus Ethnologen,
Sinologen, Biologen, Physikern, Economics-Studenten und chinesischen
Austauschstudenten. Der kulturelle Austausch beginnt also schon bei der
Arbeit im Team. Ende des Semesters wird es ein Recruiting-Event geben,
bei dem wir Verstärkung für unser Team im nächsten Semester suchen
werden.

 

Was habt ihr bislang schon erreicht?

Gerade stecken wir in den Vorbereitungen für unsere erste
Veranstaltung. Am 12. Juni veranstalten wir einen deutsch-chinesischen
Abend, die GCC-Lounge. Es wird einen Vortrag unserer Teammitglieder zum
Thema kulturelle und sprachliche Missverständnisse zwischen Deutschen
und Chinesen geben. Eben alles rund um den Kulturschock. Im Anschluss
wird es deutsche und chinesische Snacks geben und das Publikum hat die
Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen.

 

Das Interview führte Anna Schiller.

Mehr Informationen zur GCC finden sie hier.
 

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