INHALT

Absolventenfeier des Zentrums für Ostasienwissenschaften

Das Zentrum für Ostasienwissenschaften,
das dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert, verabschiedete sich
im festlichen Rahmen in der Alten Aula von den diesjährigen
Absolventinnen und Absolventen.

>> Zum Artikel


Mit dem Schiff nach China – vor 75 Jahren

Reist man heute nach China, lehnt man
sich gemütlich im Flugzeug zurück und erreicht sein Ziel binnen weniger
Stunden. Mitte des 20. Jahrhunderts erwies sich eine Reise nach China
deutlich schwieriger. Dennoch wagten sich einige deutsche Auswanderer
mit dem Schiff auf den beschwerlichen Weg. Thomas Kampen erzählt uns von
ihnen.   

>> Zum Artikel


„Shikumen
Architektur in Shanghai – Eine neue Wohnform zwischen chinesischer
Tradition und fremden Einflüssen“ Vortrag von Claudia Criscino

Frei nach dem Motto „Sinology goes
public“ gewährte Claudia Criscino in einem Vortrag für das
Konfuzius-Institut Heidelberg einen Einblick in ihre Forschungen zur
Shikumen Architektur Shanghais.

>> Zum Artikel


Weltkriegsopfer: Drei Männer – drei Frauen – drei Hinrichtungen

Von Spionageaktivitäten in Japan und
China während des Zweiten Weltkriegs handelt Thomas Kampens Artikel, der
Aufschluss über die Schicksale deutscher Spione gibt.

>> Zum Artikel


Absolventenfeier des Zentrums für Ostasienwissenschaften

Nach Jahren von Mühen und Büffeln, aber
eben auch süßer Freiheit und Möglichkeit zur Selbstentfaltung endet so
manches Studium mit einem trockenen Schmatzen. Dann nämlich, wenn der
Mitarbeiter des Prüfungsamts den Eingang der BA, MA oder Magisterarbeit
mit dem Stempelabdruck bestätigt. Und das soll es gewesen sein? 

Zum Glück erhalten die Absolventen des
Zentrums für Ostasienwissenschaften bereits seit einigen Jahren einen
persönlicheren Abschied von der Universität. Damit erfährt dieser doch
so zentrale Moment eine angemessene Würdigung, da mit dem Studium doch
auch ein zentraler Lebensabschnitt zu Ende geht. 

Aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums
des Bestehens des ZOs und des inzwischen fünften Jahres einer
Abschlussfeier, wurden die Absolventen am Abend des 17. Oktober in
besonders festlichem Rahmen verabschiedet. In diesem Jahr hatte das ZO
die Alte Aula und für den anschließenden Empfang die Bel Etage
reserviert. Nach einem kurzen Grußwort von der Leiterin des ZOs, Frau
Prof. Melanie Trede, eröffneten Maximilian P. und Odila Schröder das
Programm mit einigen schwungvollen Liedern. Um den anwesenden Eltern,
Freunden und Kommilitonen der Absolventen einen Einblick in die
Studienleistungen am ZO zu geben, folgten drei kurze Vorträge von
Absolventen auf BA, MA und Promotionsniveau. Trotz der Zeitnot
geschuldeten Verdichtung veranschaulichten die Vorträge, wie breit das
Spektrum der Profile und Studienbereiche an den drei Instituten ist. Mit
der individuellen Würdigung der Absolventen folgte daraufhin der
Hauptteil der Veranstaltung. Die Professoren gingen dabei nicht nur kurz
auf das Thema der Abschlussarbeit der einzelnen Absolventen ein,
sondern sie stellten auch die Besonderheiten des individuellen
Studienhintergrunds vor, bevor sie den Absolventen eine persönliche
gestaltete Urkunde und eine Rose überreichten. Dabei ist hervorzuheben,
dass es so gelungen ist – im Vergleich zu anderen Instituten – engere
persönliche Verhältnis zwischen Dozenten und Studierenden am ZO auch in
diesem festlichen Rahmen abzubilden. Auch die Absolventen, die leider
nicht an der Feier teilnehmen konnten, fanden in der Nennung Ihrer
Abschlüsse und Themen der Abschlussarbeiten Erwähnung. 

Insgesamt war es eine sehr gelungene
Veranstaltung, die es den Absolventen sowie ihren Kommilitonen, Freunden
und Familie ermöglichte in festlichem und doch ganz nach ZO-Art
persönlich unkomplizierter Atmosphäre den Studienabschluss zu feiern.
Der herzliche Dank geht an die Organisatoren! Außerdem wünscht SHAN e.V.
allen Absolventen viel Erfolg auf ihrem weiteren Lebensweg und wir
hoffen, dass über SHAN viele mit dem Institut und den Studierenden in
Kontakt bleiben werden.

Bild1 Nl77
Die Bachelorabsolventinnen und -absolventen


Bild2_NL77
Die Masterabsolventinnen und -absolventen


 

Text: Helen Hübner

Fotos: Susann Henker

 

<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis


 

Mit dem Schiff nach China – vor 75 Jahren

Auf einer Passagierliste der „Potsdam“
vom 29. November 1938 steht der Name Adolf Storfer, dahinter: m, 50,
led., Wien, Deutsch, Schriftsteller, Shanghai. Knapp fünf Wochen nach
der Abfahrt von Bremen  erfolgte die Ankunft in Shanghai. Mit dem
gleichen Schiff reiste auch der Journalist Ladislaus Frank, der schon in
Wien mit Storfer (1888-1944) befreundet war. (Links zu den
Passagierlisten finden sie hier und hier.)

Storfers Flucht war typisch für die
damalige Zeit, aber seine Aktivitäten nach der Ankunft im Fernen Osten
waren ungewöhnlich: schon Anfang Mai 1939 veröffentlichte er in Shanghai
die erste Ausgabe seiner neuen Zeitschrift „Gelbe Post“.

Storfer war Herausgeber, Autor,
Buchrezensent und Filmkritiker. Die Zeitschrift erschien bis 1940, dann
musste Storfer – vor allem wegen finanzieller Probleme – aufgeben. Auch
sein Gesundheitszustand war schlecht, das schwüle Shanghaier Klima
vertrug er nicht. Storfer gelang zwar bald darauf die Weiterreise nach
Australien, starb dort aber schon 1944.

Shanghai Jewish Chronicle, ein Konkurrenzblatt, bei dem Ladislaus Frank arbeitete, hielt sich ein paar Jahre länger.

Bild4_NL77
Familie Krips


Im März 1939 flohen auch Hermann und Ilse Krips aus Frankfurt über
Genua, Suez, Colombo, Singapur und Hongkong nach Shanghai, wo sie Ende
April eintrafen. Ende Oktober wurde dort Tochter Sonja geboren, die im
Januar 2014 Heidelberg besuchte.  Sonja schrieb:
“ Ich denke, dass im Jahre 1939 eventuell 20 Babies von ihren tapferen
Müttern ‚im Bauch‘ mit auf die Flucht aus Deutschland und Österreich
mitgenommen worden sein könnten.“

Der schon 1934 geborene Martin Beutler
(aus Merseburg) verließ Ende April 1939 mit seinen Eltern Deutschland
und erreichte Shanghai nach „einer zehnwöchigen Reise um Afrika“ auf dem
Schiff „Usaramo“.

[Der Ausstellungskatalog „Leben im Wartesaal“ (Berlin, 1997) enthält ein Kapitel über ‚Kindheit in Shanghai‘.]

Etwa zur gleichen Zeit ist wohl auch der Mannheimer Student Wilhelm Mann über Frankreich nach China gereist und arbeitete dort jahrzehntelang als Arzt und Biochemiker.

Bild3_NL77
Familie Jensen


Im gleichen Frühjahr hatten die Ärzte Dr. Becker, Dr. Jensen und Dr.
Kisch mit dem Schiff England verlassen – sie  reisten nach
Hongkong; im Sommer folgten Dr. Baer, Dr. Freudmann, Dr. Iancu und Dr.
Kanetti – sie hatten alle am Spanischen Bürgerkrieg teilgenommen.
Walter Freudmann schrieb später: „Sechs Wochen waren wir unterwegs
gewesen, als wir Hongkong anliefen.“ (S.19) Die meisten arbeiteten bis
zum Ende des Krieges in China, manche gingen nach Burma oder Indien. Dr.
Jensen starb bei einem Flugzeugabsturz, die meisten andern kehrten nach
Europa zurück. Dr. Becker und Dr. Mann gingen in die DDR.

Die nach Shanghai geflohenen blieben
meist die ganze Kriegszeit dort und konnten die Stadt nicht verlassen;
die Familien Beutler und Krips kehrten gemeinsam 1947 auf dem Seeweg
nach Europa zurück und lebten dann im Osten Deutschlands.

 

Literatur:

Walter Freudmann: Tschi-lai!, Linz, 1947.

Arthur Clegg: Aid China – A memoir of a forgotten campaign, Beijing, 1989.

Georg Armbrüster/Michael
Kohlstruck/Sonja Mühlberger (Hrsg.): Exil Shanghai. Jüdisches Leben in
der Emigration 1938-1947, Teetz und Berlin, 2000.

Sonja Mühlberger: Geboren in Shanghai als Kind von Emigranten, Teetz und Berlin, 2006.

Thomas Kampen: Chinesen in Europa – Europäer in China: Journalisten, Spione, Studenten, Gossenberg, 2010.

[Von der GELBEN POST ist vor einigen Jahren in Wien ein Reprint erschienen.]

 

Dr. Thomas Kampen

 

<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis


„Shikumen
Architektur in Shanghai – Eine neue Wohnform zwischen chinesischer
Tradition und fremden Einflüssen“ Vortrag von Claudia Criscino

Das Konfuzius-Institut Heidelberg bietet
Absolventinnen und Absolventen der Heidelberger Sinologie mit der
Vortragsreihe „Sinology goes public“ die Möglichkeit, ihre
Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.

Vergangenen Mittwoch gewährte Claudia
Criscino im Rahmen der Vortragsreihe einen Einblick in ihre Arbeit zur
Shikumen Architektur Shanghais. Claudia Criscino, die klassische und
moderne Sinologie, sowie Öffentliches Recht in Heidelberg und Shanghai
studiert hat und zurzeit am Exzellenzcluster „Asia and Europe in a
Global Context“ tätig ist, bot zunächst eine Einführung in die noch
junge Disziplin der chinesischen Architekturforschung.

Sie erläuterte, wie – angetrieben durch
Liang Sicheng, Sohn von Liang Qichao, und dessen Ehefrau, Lin Huiyin –
die Erforschung der chinesischen Wohnarchitektur ihren Höhepunkt im
Laufe der 1980er-Jahre erlebte. Im Zuge des Baubooms der 1990er-Jahre
wurde jedoch bereits ein Großteil der Shanghaier Shikumen Architektur
zerstört und man gelangte zu der späten Einsicht, dass die Shanghaier
Wohnarchitektur noch nicht genügend erforscht sei.

Die noch erhaltenen Lilong Viertel, die
im Stile der Shikumen Architektur errichtet wurden, sind heute stumme
Zeugen der Shanghaier Geschichte. Claudia Criscino zeigte anhand
zahlreicher Bilder, wie sich die Viertel als Schmelztiegel chinesischer
und europäischer Architektur von Flüchtlingsunterkünften zu
Luxusimmobilien wandelten.

Während der Taiping Rebellion wurden als
Antwort auf die nicht enden wollenden Flüchtlingsströme in den
britischen Konzessionen erste Siedlungen, die noch aus Holzhütten
bestanden, errichtet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wandelten sich die
Flüchtlingssiedlungen zu Arbeitervierteln. Nach Vorbild der damaligen
Reihenhaussiedlungen, wie sie in Manchester und Essen vorzufinden waren,
entstanden erste Lilong Viertel, die klassische chinesische Architektur
mit dem „Charme“ westlicher Arbeiterviertel verbanden. Mit der
industriellen Entwicklung der zwanziger Jahre wandelte sich auch die
Architektur der Shikumen Viertel. Der Stil wurde „verwestlicht“,
Fachwerk wurde durch Stahlbeton ersetzt und Sanitäranlagen hielten
Einzug in den Vierteln. Mit dem Komfort stiegen jedoch auch die
Mietpreise, sodass 1930 bezahlbarer Wohnraum in den Vierteln rar wurde.
Die Bewohner der Viertel wussten sich zu helfen: Selbst der kleinste
Raum wurde untervermietet, sogenannte „falsche“ Stockwerke wurden
eingezogen, in den Betten wurde schichtweise geschlafen. Die beengten
Lebensverhältnisse in den Shanghaier Vierteln setzte der konfuzianischen
Abschottung des Privaten ein Ende. Enge Bindungen zu den Nachbarn
ließen die Lilong Viertel zu einem Ort der Gemeinschaft werden und in
ihnen liege das kulturelle Erbe Shanghais, so Claudia Criscino.

Ein Großteil der Lilong Viertel ist dem
Abrisstrend im Zuge der wirtschaftlichen Öffnung Chinas zum Opfer
gefallen, sodass sich viele Bewohner gezwungen sahen in günstige
Neubauten an den Stadtrand zu ziehen. Claudia Criscino berichtete von
Gesprächen mit älteren Shanghaiern, die mit Wehmut an ihre Zeit in den
Lilong Vierteln zurückdenken. Besonders vermissen sie die
gemeinschaftliche Atmosphäre der Viertel, die kein Vergleich zu der
Anonymität in den Hochhäusern sei, die das Stadtbild heute prägen.

Das Schicksal der noch erhaltenen Lilong
Viertel stehe im ständigen Konflikt zwischen Denkmalpflege und Kommerz,
so Claudia Criscino. Beispielhaft für diese Entwicklung seien die
Shikumen Viertel Xintiandi und Tianzifang in Shanghai. Xintiandi wurde
vollständig abgerissen, um an gleicher Stelle moderne Versionen der
alten Shikumen Häuser zu errichten. Sie beherbergen heute noble
Modeketten und teure Restaurants, die sich der Durchschnittschinese kaum
leisten kann. Das Beispiel Tianzifang zeige jedoch, dass in Shanghai
Denkmalschutz und Investorenwünsche vereinbar seien. Hier wurden die
alten Shikumen Häuser renoviert und sie beherbergen heute kleinere Läden
und Bars.

Claudia Criscinos Vortrag bot einen
lebendigen Einblick in die gesellschaftliche, wirtschaftliche und
architektonische Entwicklung Shanghais und bewies, wie vielseitig die
Sinologie sein kann. Sicherlich wird das Publikum die kleinen Gassen
Shanghais nach Claudia Criscinos Vortrag mit völlig anderen Augen sehen.

Der nächste Vortrag
im Rahmen der Reihe „Sinology goes public“ findet am 5. November statt
und widmet sich nur wenige Tage nach Halloween dem Thema der Unterwelt
im vorbuddhistischen China.

Weitere Informationen zu „Sinology goes public“ finden sie hier.

 

Anna Schiller

 

<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Weltkriegsopfer: Drei Männer – Drei Frauen – Drei Hinrichtungen

Vor 70 Jahren – am 7.11.1944, dem
Jahrestag der Russischen Revolution – wurden in Japan Richard Sorge und
Ozaki Hotsumi getötet, sie galten als kommunistische
Agenten.    

Schon im Dezember 1942 war in Berlin die
deutsche Widerstandskämpferin Ilse Stöbe hingerichtet worden; sie wurde
im Juli 2014 im Auswärtigen Amt geehrt.    

Bild5_NL77
Ilse Stöbe


1931 war Ilse Stöbe, die aus einer Berliner Arbeiterfamilie stammte,
einem Kommunisten namens Dr. Bosch vorgestellt worden, der sie für den
militärischen Geheimdienst der sowjetischen Armee anwarb.  Sie
arbeitete in den folgenden Jahren in verschiedenen Ländern vor allem in
Polen.    

Dr. Bosch, der offenbar aus Lettland
stammte, blieb bis 1933 in Deutschland. Im Frühsommer des Jahres traf er
dort Richard Sorge, der von 1930-1932 für die Sowjetunion in Shanghai
gearbeitet hatte. Er war Sohn eines deutschen Vaters und einer
russischen Mutter, hatte in Deutschland studiert und war 1919 Mitglied
der KPD geworden. Zehn Jahre später war er in den Fernen Osten geschickt
worden. Da Sorge 1932 von Verhaftung bedroht war, kehrte er nach Europa
zurück. Er sollte nun in Japan weiterarbeiten, Dr. Bosch sollte den
Posten in Shanghai übernehmen. Im Herbst 1933 trafen beide unabhängig
voneinander in Ostasien ein.    

Die finnische Kommunistin Aino Kuusinen,
die damals – für den gleichen Arbeitgeber – nach China und Japan
reiste, schrieb: „Der Chef wurde mir als Dr. Bosch vorgestellt.“ Sie
sah, „daß Bosch in Shanghai als der Lette Abramov fungierte“. Von
Shanghai reiste sie nach Tokyo und traf dort
Sorge.    

Im Frühsommer 1935 wurde Dr. Bosch in
China verhaftet, allerdings machte er kaum Aussagen, sodass Identität
und Herkunft nicht geklärt werden konnten. Er benutzte auch die Namen
Bronin und Walden, tatsächlich war sein ursprünglicher Name jedoch
Lichtenstahl bzw. Lichtenstein.  Die deutsche Kommunistin Ursula
Hamburger, die von 1930-1933 in Shanghai lebte und sich 1935 in Peking
aufhielt, schrieb – als Ruth Werner – in Sonjas Rapport:  „In
Shanghai war ein ausländischer Genosse, der Richards frühere Arbeit
fortsetzte, verhaftet worden. Er schwieg bei allen Verhören, nicht
einmal sein Name wurde bekannt. […] Die Weltpresse berichtete über ihn
als Mr. X.“  Er konnte nach etwa zweijähriger Haft China verlassen
und ging in die Sowjetunion.    

Aino Kuusinen wurde in Japan nicht
enttarnt und konnte unbehelligt nach Moskau zurückkehren. Allerdings
wurde sie dort später verhaftet. Nach dem Krieg veröffentlichten die
beiden Überlebenden Bücher über ihre Tätigkeit. Kuusinen starb 1970, Dr.
Bosch 1984.

Richard Sorge und Ozaki Hotsumi hatten
sich Anfang der dreißiger Jahre in Shanghai kennengelernt. Ozaki, der
lange in Taiwan und China gelebt hatte, arbeitete für eine japanische
Zeitung und lernte so die amerikanische Journalistin Agnes Smedley
kennen. Richard Sorge schrieb später über seine Gruppe: „Hauptmitglied
war Ozaki, den ich wie schon vorher erwähnt, meiner Ansicht nach durch
A. Smedley kennen gelernt habe. Aus dieser Zeit hatte ich ihn in
Erinnerung als ich nach Japan kam.“ Ozaki hatte gute Beziehungen zur
japanischen Regierung und war daher für Sorge äußerst nützlich; Ozaki
war kein Kommunist, aber ein Gegner der japanischen
Militärpolitik.    

Im Oktober 1941 wurden in Japan der
Deutsche Richard Sorge, der Japaner Ozaki Hotsumi und weitere
europäische und japanische Mitglieder der Gruppe festgenommen; ihnen
wurde Spionage für die Sowjetunion vorgeworfen. Die meisten wurden zu
langjährigen Haftstrafen verurteilt und dann nach der japanischen
Kapitulation 1945 freigelassen. Zu diesen gehörte der Funker Max
Christiansen-Clausen, der – wie Ruth Werner – später in der DDR
lebte.         

 

Literatur: 

Willoughby, Charles: Shanghai Conspiracy, New York, 1952. 

Kuusinen, Aino: Der Gott stürzt seine Engel, Wien, 1972. 

Werner, Ruth: Sonjas Rapport, Berlin, 1977. 

Kampen, Thomas: Chinesen in Europa – Europäer in China, Gossenberg, 2010. 

Blasius, Rainer: Späte Ehrung – Steinmeiers Widerstandskämpferin, FAZ, 9.7.2014.    

 

Dr. Thomas Kampen

 

<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert