INHALT

Heidelberger Sinologinnen gewinnen „International Varsity Debate“

Bei der diesjährigen „Double Stars 2011 International Varsity Debate“
hat das Team aus Heidelberg gewonnen. Unser herzlicher Glückwunsch geht
an das Team mit Mareike Ohlberg, Christine Koch und Sophia Zasche! Hier
berichten sie über ihre Eindrücke aus Qingdao.

>> Zum Artikel


Der neue Master-Studiengang „Transcultural Studies“

Was genau bietet der neue Master „Transcultural Studies“? Oliver Lamers
berichtet im Interview mit SHAN über Zielsetzungen, Studierende und die
ersten Erfolge des Programms.

>> Zum Interview


Erzählen Sie mal … Petra Thiel

Petra Thiel ist den meisten Studierenden als Dozentin für chinesische
Literatur bekannt. Gleichzeitig ist sie Doktorandin bei Frau Prof.
Mittler und am Exzellenzcluster tätig. Im Zentrum des Interviews standen
ihre Forschungen zur Kinder- und Jugendbuchliteratur in China.

>> Zum Interview


Sprachkolumne: Das Wortspiel von Glas und Tragödie

Die Begriffe 悲剧 und  杯具 sind der Inhalt eines der neuesten
Sprachspiele im chinesischsprachigen Internet. Und deshalb erklärt He
Xiangling in dieser Ausgabe ihrer Sprachkolumne wie ein Glas zur
Tragödie wird.

>> Zum Artikel


Lu Xun und die Ausländerinnen

Was haben die amerikanische Journalistin
Agnes Smedley, die Wienerin Ruth Weiss, Ruth Werner, Anna Wang und die
beiden Amerikanerinnen Helen Foster und Viola Robinson gemeinsam?

>> Zum Artikel


SinoJobs Career Days: SHAN in Düsseldorf

Im Oktober fand zum ersten Mal in drei
deutschen Städten eine Karriere- und Weiterbildungsmesse mit Chinafokus
statt. SHAN war bei der Veranstaltung in Düsseldorf. Hier berichten wir
von unseren Eindrücken.

>> Zum Artikel


Sinology goes Public: Vorträge zur chinesischen Wirtschaft im Konfuzius Institut Heidelberg

Über spannende Aspekte zur weltweiten Wirkung der chinesischen
Wirtschaftskraft, die insbesondere auch Deutschland betreffen,
refererierten die Sinologen und SHAN-Mitglieder Benjamin Kemmler und
Cora Jungbluth im Konfuzius Institut in Heidelberg.

>> Zum Artikel


Heidelberger Sinologinnen gewinnen „International Varsity Debate“

China Central Television (CCTV) und Singapore New Media Group
organisieren seit 1993 alljährlich abwechselnd in China und in Singapur
TV-Duelle zwischen Vertretern internationaler Hochschulen. Die „Double
Stars 2011 International Varsity Debate“ (2011年双星杯国际大学群英辩论会) fand dieses
Jahr vom 16. bis zum 19. Oktober in Qingdao statt.

Unter den 16 eingeladenen Universitäten befand sich, wie in den Jahren
zuvor, auch die Universität Heidelberg. Unser Team bestand aus Christine
Koch (MA Sinologie), Sophia Zasche (BA Sinologie) und Mareike Ohlberg
(Doktorandin am Exzellenzcluster „Asia and Europe in a Global Context“).
Als Mentorin unterstützte uns Yuan Xin, Doktorandin am Exzellenzcluster
„Asia and Europe in a Global Context“. Als Gegner in unserer Debatte
wurde uns die Universität Princeton zugelost.

Auch das Thema, der im chinesischen Fernsehen nicht zum ersten Mal
diskutierte „Generationenkonflikt“, wurde uns per Los zugeteilt. Unser
Standpunkt, den wir der achtköpfigen Jury überzeugend vortragen sollten,
lautete: Die Hauptverantwortung am Generationenkonflikt trägt die
jüngere Generation: –代沟的主要责任在晚辈!

Ankunft in Qingdao: Vorbereitung auf den Wettbewerb

Mit dieser Information im Gepäck machten wir uns auf zu unserem
einwöchigen Abenteuer in Qingdao. Da unser Team aus Studentinnen
unterschiedlicher Jahrgänge bestand, lernten wir uns erst dort kennen.
Unser Auftritt war für den letzten Tag geplant und so verbrachten wir
die ersten drei Tage damit uns die anderen Debatten anzuschauen, die uns
gehörigen Respekt einflößten, und natürlich mit der Vorbereitung
unseres eigenen Themas.

Der Wettbewerb unterscheidet zwischen muttersprachlichen (National
Taiwan University, Zhejiang University, National University of
Singapore, Tsinghua University, University of Hong Kong, Sun Yat-Sen
University, University of Malaya und Wuhan University) und
nicht-muttersprachlichen Teams (University of Sheffield, Tel Aviv
University, University of Nottingham, Harvard University, Princeton
University, Universität Heidelberg, University of Melbourne und Moscow
State University), die in unterschiedlichen Kategorien bewertet werden.
Drei Abende saßen wir bis spät in die Nacht zusammen, diskutierten,
warfen Ideen in den Raum, verwarfen sie nicht selten wieder, und
arbeiteten so Stück für Stück unsere Hauptargumente heraus.

 

Debatten mit Unterhaltungswert

Den Wettbewerb selbst als „Debatte“ zu bezeichnen wird den
tatsächlichen Ereignissen nicht gerecht. Es gab zwar klassische Elemente
einer Debatte, wie die Eröffnungsrunde und natürlich das freie
Debattieren gegeneinander. Doch daneben nahmen die Show-Elemente
wesentlich mehr Raum ein, wie z.B. Rollenspiele, in denen man durch
glaubwürdige schauspielerische Darstellung den eigenen Standpunkt
untermauern sollte, oder gezielte Fragen eines Ehrengastes, die
Schwachpunkte der eigenen Argumentation aufdecken sollten. Nicht zuletzt
handelte es sich natürlich um eine Fernsehsendung für ein
Millionenpublikum, bei dem der Unterhaltungswert auf keinen Fall zu kurz
kommen durfte.

Es gab drei Runden, nach jeder Runde stimmte die Jury ab und ließ
jeweils einen Teilnehmer aus jedem Team ausscheiden. Meist wurde die
Wahl derer, die eine Runde weiter kamen, mit viel Lob und konstruktiver
Kritik von den Preisrichtern begründet; manch eine weibliche
Teilnehmerin bekam aber auch eine Stimme, weil sie „so hübsch
aussah“. 

Einstimmige Begeisterung aufgrund ihrer schauspielerischen Leistung
rief Christines Darbietung als Großmutter hervor, die mit Hilfe ihrer
Tochter den Generationenkonflikt überwinden konnte. Tatsächlich wurde
sie sogar mit der Schauspielerin Song Dandan 宋丹丹verglichen.

 

Spannende Endrunde

In der letzten Runde standen sich nur noch jeweils ein Teilnehmer aus
Heidelberg und Princeton gegenüber – für Heidelberg war das Sophia
Zasche. Ihr Gegner aus Princeton wird in China wohl namenlos bleiben:
Nachdem der Moderator ihn mit Harry Potter verglichen hatte, blieb
dieser Spitzname an ihm kleben und zog sich fortan durch sämtliche
Medienberichte.

Für besagte letzte Runde betrat der Ehrengast die Bühne, Professor Yu
Qiuyu 余秋雨, eine der bekanntesten Figuren in chinesisch-sprachigen
Kultur- und Literaturkreisen. Er hielt zunächst, wie sich das für einen
Kultur- und Literaturkritiker gehört, einen kurzen Vortrag, in dem er
das Thema auf eine abstraktere Ebene hob und stellte dann den beiden
verbliebenen Teilnehmern erst eine Frage und ließ sie dann spontan eine
weitere zweiminütige Rolle spielen.

 

Zuletzt überzeugte Sophia die Jury durch ihr fließendes, beinahe
akzentfreies Chinesisch, ihre Logik, schauspielerisches Talent und eine
Prise weiblichen Charmes. Damit wurde sie zur Siegerin der Debatte
gewählt. Bei der Abschlussfeier erhielt sie außerdem den Preis für die
beste Teilnehmerin aus der Gruppe der Nicht-Muttersprachler – eine
kleine Sensation, wie wir später erfuhren: Sie ist die erste weibliche
Gesamtsiegerin in der 18-jährigen Geschichte des Wettbewerbs.

Die Zeit in Qingdao war ein wirklich schönes Erlebnis. Nicht nur weil
unser Team den Sieg errang und ganz sicher nicht, weil man in den ersten
Tagen nur mit viel Geduld und einigen Tricks ins Internet oder an
warmes Duschwasser kam, sondern weil wir viele unheimlich nette Leute
aus aller Welt kennen gelernt haben.

Nicht zuletzt möchten wir unserer Mentorin Yuan Xin von ganzem Herzen
danken. Yuan Xin: Du hast mit uns bis spät in die Nacht unser Material
überarbeitet und korrigiert, uns aufgebaut, wenn wir kurz vorm
Verzweifeln waren und uns immer wieder zum Lachen gebracht. Wir werden
dich und deine Pomelo niemals vergessen!

 

Mareike Ohlberg, Christine Koch und Sophia Zasche

Bericht zur Debatte:
http://www.asia-europe.uni-heidelberg.de/de/aktuelles/nachrichten/detail/m/champions-in-chinese-debate.html

http://
www.rnz.de/cgi-bin/netcontent/suche?
func=anzeigen&id=101426012&filename=9cf02d52c5d7d12ff476e4c2cb04b937.xml&sqlsuche=china&linknummer=200&code=&fastsearch=&searchout=on&archivsearch=&forumsearch=&votesearch=&preview=&telefon=&pwd=&template=&sprache=&pictureline=&officeline=&control=&weitere=&filelock=&personalsearch=&range=&mobile=&refreshstring=&.html

Video:
http://huodongpub.qtv.com.cn/system/2011/10/24/010038132.shtml

weitere Bilder:
http://bbs.qtv.com.cn/forum.php?mod=viewthread&tid=34145&extra=page%3D12
http://bbs.qtv.com.cn/forum.php?mod=viewthread&tid=34353&extra=page%3D11

 

<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Der neue Master-Studiengang „Transcultural Studies“

 

Oliver Lamers koordiniert am Exzellenzcluster „Asien und Europa im
Globalen Kontext“ die Einführung des neuen Masterstudiengangs
„Transcultural Studies“. Fabienne Wallenwein hat ihn zu Beginn des
Wintersemesters über die Studierenden, Zielsetzungen und die ersten
Erfolge des Programms interviewt.

 

SHAN: Was genau verbirgt sich hinter dem Namen „Transcultural Studies“

Oliver Lamers: Die Wahl der Bezeichnung des Master-Studiengangs hatte
zum einen unipolitische Gründe, denn Transkulturalität ist ein wichtiges
Prinzip des Clusters „Asia and Europe in a Global Context“ und der
dritten Säule der Exzellenzinitiative, aus deren Kontext heraus der
Master-Studiengang eingerichtet worden ist. Zum andern spielten auch
inhaltliche und methodische Gründe eine wichtige Rolle. Wenn man sich
mit Kulturen beschäftigt, so sollte man diese nicht nur aus einer
Perspektive und nicht als Abgrenzungen zueinander betrachten. Vielmehr
sollte man sich die Überschneidungen von Kulturen anschauen, denn das
ist viel interessanter als ihre Unterschiede. Um ein Beispiel zu nennen:
Yoga, ursprünglich eine philosophisch – meditative Weltanschauung aus
Indien, war dort eine ganze Zeit lang gar nicht mehr so populär, bis es
in den letzten Jahren als Re-Import einer amerikanischen Mode nach
Indien zurückgekommen ist. Im Master-Studiengang „Transcultural Studies“
versuchen wir solche Verflechtungen nachzuziehen und betrachten
einzelne Themen daher aus dem Blickwinkel mehrerer Disziplinen.
 

Wer ist auf die Idee gekommen diesen „transkulturellen“ Studiengang einzurichten und warum?

Konzipiert wurde der Master-Studiengang durch die Studienkommission der
Gemeinsamen Kommission für Transkulturelle Studien. Der Studiengang
spiegelt den kulturwissenschaftlichen Schwerpunkt der Universität
Heidelberg auf dem Thema „Transkulturalität“ wider. Wie auch das
Exzellenzcluster wurde dieser also im Rahmen der Exzellenzinitiative
gegründet und ist daher eng mit der Einrichtung des Clusters verbunden.

 

Wie viele Studenten studieren im ersten Durchgang und aus welchen Disziplinen stammen sie?

Die Studenten kommen sowohl aus verschiedenen Disziplinen, als auch aus
verschiedenen Ländern. Wir haben beispielsweise Studenten aus China,
Korea, den USA, Japan und Südamerika. An Disziplinen sind
Politikwissenschaften, Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften, aber
auch Regionalwissenschaften, wie die Sinologie beispielsweise,
vertreten. Im ersten Durchgang studieren etwa 30 Studenten, etwa 20
davon im Hauptfach und knapp 10 im Nebenfach. Außerdem sind in einzelnen
Lehrveranstaltungen auch Studenten aus anderen Studiengängen dabei, zum
Beispiel aus den Politikwissenschaften oder Global History.

 

Gibt es bestimmte Aufnahmebedingungen oder kann man aus jedem Fachbereich kommen?

Da die Kernlehre auf Englisch abgehalten wird, sind sehr gute
Englischkenntnisse eine notwendige Voraussetzung, um den
Lehrveranstaltungen folgen zu können. Weiterhin wichtig ist das
Interesse, sich mit Kulturen zu beschäftigen, was auch heißt, weitere
Sprachen sprechen zu können. Neben Englisch sollte man noch zwei weitere
Sprachen beherrschen, wobei auch die Muttersprache ausländischer
Studierender dazu zählt. Außerdem muss man einen überdurchschnittlich
abgeschlossenen BA-Studiengang im Bereich der Geistes-, Sozial- oder
Kulturwissenschaften vorweisen können.

 

Warum würden Sie den Studiengang empfehlen?

Der transkulturelle Ansatz ist in Europa und in Deutschland noch nicht
so verbreitet, das macht den Studiengang nicht besser als andere, aber
verleiht einen gewissen Alleinstellungscharakter. Es ist eben etwas
Anderes, z. B. wird auch interdisziplinär unterrichtet, das bedeutet,
dass mehrere Dozenten zusammen eine Lehrveranstaltung abhalten, die auch
zusammen arbeiten und daher sehr forschungsbezogen vorgegangen werden
kann. Es gibt sozusagen eine sehr lebhafte Infrastruktur und die
Studierenden können sich auf einen Schwerpunktbereich konzentrieren.
Nach einer eher allgemeinen BA-Ausbildung spezialisiert man sich im MA
zunehmend und es muss klar werden, was vermittelt wird, darf aber
wiederum auch nicht zu speziell sein. Daher gibt es einen
Schwerpunktbezug in unserem Programm, wo einerseits ein regionaler
Schwerpunkt gesetzt wird: Asien-Europa und drei Grundaspekte des
kulturellen Austauschs zur Wahl stehen, nämlich „Knowledge, Belief and
Religion“, „Society, Economy and Governance“ und „Visual, Media and
Material Culture“.

 

Was kann man später beruflich mit seinem Abschluss in „Transcultural Studies“ machen?

Nun, der Studiengang ist hauptsächlich wissenschaftlich orientiert und
nicht in erster Linie berufsqualifizierend. Er zielt auf eine Promotion
ab, trotzdem sind Berufe aus dem Kulturbereich eine Möglichkeit, mit
NGOs, Museen, dem Verlagswesen oder internationalen Unternehmen als
potentiellen Berufsfeldern. Hat man während des Studiums schon ein
bestimmtes Berufsfeld vor Augen, so sollte man nach Möglichkeit Praktika
in diesen Bereichen absolvieren. Was man später damit macht, ist also
auch stark personell abhängig.

Kann man in diesem Programm auch ins Ausland gehen?

Ja, ein Auslandsaufenthalt ist eigentlich für das 3. Semester geplant
und wird auch gerne gesehen. Das erste Semester ist eher als
Orientierungsphase gedacht und das zweite dann als Vertiefung. Es bietet
sich natürlich an, nach Asien zu gehen, aber hier müssen wir noch
Erfahrungen sammeln, was die Studenten interessiert, evtl. könnte man in
diesem Zeitraum Praktika machen oder auch Feldforschung für die
MA-Arbeit betreiben. Von der Universität werden Austauschprogramme
angeboten und besonders für den asiatischen Raum gibt es Abkommen mit
anderen Universitäten.

 

Wie ist es mit der Schwerpunktwahl, kann man trotzdem Kurse aus anderen Bereichen besuchen?

Nicht jede angebotene Lehrveranstaltung fällt immer eindeutig in einen
Schwerpunktbereich. Wenn beispielsweise Prof. Brosius eine Veranstaltung
zu „Global Cities“ anbietet, wo es viel um mediale Repräsentationen
geht und dies also in den Bereich „Visual, Media and Material Culture“
hineinfällt, so spielen dabei aber auch soziale Aspekte eine Rolle,
sodass man die Veranstaltung auch in „Society, Economy and Governance“
einordnen könnte. Außerdem gibt es in den Modulen
„Importveranstaltungen“, man kann also Kurse aus anderen Fachbereichen
besuchen und verwandte Disziplinen kennenlernen.

 

Ist der Studiengang sehr durchgeplant oder hat man Wahlmöglichkeiten?

Wie bereits erklärt lassen sich durch Importveranstaltungen auch einige
Kurse frei wählen, in diesem Punkt gibt es aber noch keine genauen
Vorgaben, welche gängige Importkurse wären. Wir wollen hier für jeden
Studenten eine eins zu eins Studienberatung und einen personalisierten
Plan anbieten, sodass man auch weiterhin seine individuellen
Schwerpunkte mit einbringen kann.

 

Es gibt zwei Professoren aus den Ostasienwissenschaften, aber
nicht so viele Studenten aus diesem Bereich. Woran könnte das liegen?

Genau gesagt haben wir mindestens drei Professoren mit Ostasienbezug,
Prof. Kurtz, Prof. Fuess und Prof. Kellner, die selbst längere Zeit in
Japan gelebt hat. Nun, die Studiengänge im ZO sind sicher auch gut
aufgestellt. Manche Studenten sind vielleicht mit ihrem regionalen
Schwerpunkt schon sehr zufrieden und dieser Schwerpunkt ist für sie am
Wichtigsten. Für diese Studenten ist es vielleicht besser nur im
Nebenfach eine neue Richtung einzuschlagen. Die Wahl hängt davon ab, wo
man seinen Schwerpunkt setzt.

Gibt es einen besonderen Bezug zur Sinologie? Hat es Vorteile, wenn man aus dem asiatischen Forschungsbereich kommt?

Herr Fuess und Herr Kurtz verwenden sicherlich oft Beispiele aus dem
ostasiatischen Bereich und eventuell wird es auch Kurse geben, für die
bestimmte sprachliche Vorkenntnisse Voraussetzung sind. Der Bezug zu den
Ostasienwissenschaften ist auf jeden Fall vorhanden. Im MA findet
einfach eine Schwerpunktverschiebung statt.

 

Kann man die Kurse auch außerhalb des Master-Programms
besuchen, wenn man sich dafür interessiert, bzw. sich diese auch
anrechnen lassen?

Ja, wie gesagt besucht man im Begleitfach beispielsweise drei Kurse,
die Einführung und zwei Seminare. Außerdem stehen Einzelveranstaltungen,
grundsätzlich Studenten anderer Fachbereiche offen.

 

Wie stark ist die Verbindung zum Cluster? Können dadurch viele Vorträge organisiert und Gast-Professoren eingeladen werden?

Das Cluster unterstützt unseren MA-Studiengang und auch die fünf
Professoren werden über das Cluster installiert. Die Clusterprofessoren
machen zwar die Kernlehre, aber wir sind trotzdem bei der
Philosophischen Fakultät angesiedelt. Wir erhalten daher nicht unbedingt
zusätzliche Ressourcen, außer den Räumlichkeiten natürlich. Allerdings
gibt es zusätzliche Informationen, beispielsweise über Workshops, die
angeboten werden. Aber wir bekommen nicht mehr finanzielle Unterstützung
als andere Studiengänge auch.

 

Gibt es eine Philosophie oder ein Motto, das die Professoren aus den fünf unterschiedlichen Disziplinen verbindet?

Das Thema „Transkulturalität“ ist immer zentral. Weitere Begriffe, die
öfter in gemeinsamen Veranstaltungen fallen, sind „border zones“,
„floating concepts“ oder auch „asymmetry“. Was alle fünf Professoren
verbindet, ist die Offenheit von dem anderen zu lernen und Neues mit
aufzunehmen. Alle wissen, dass sich durch den offenen Ansatz neue Fragen
ergeben und die Antworten darauf oft spannender sind, als die alten.

 

Kann man schon einen Rückblick auf den Erfolg des Programms
geben, bzw. wird man beim nächsten Durchgang etwas anders machen als
jetzt?

Von unserer Seite aus hat alles so funktioniert, wie es geplant war.
Wir warten jetzt auch auf Rückmeldungen der Studenten. Eventuell könnte
man bei der Vorabinformation über den Studiengang etwas deutlicher
werden. Wir haben viele Anfragen von Studenten erhalten, die den
Studiengang als so etwas wie „Interkulturelle Kommunikation“ oder eine
abgespeckte BWL-Version mit etwas Kulturwissenschaft aufgefasst haben,
aber so etwas ist der Studiengang ja nicht. Er stellt eine
Kulturwissenschaft dar, die auch historisch arbeitet, darauf werden wir
noch deutlicher hinweisen.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Lamers!

 

Das Gespräch führte Fabienne Wallenwein

 

<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Erzählen Sie mal, Petra Thiel!

 

Petra Thiel ist den meisten Studierenden als Dozentin für
chinesische Literatur, insbesondere Kinder- und Jugendliteratur,
bekannt. Gleichzeitig ist sie Doktorandin bei Frau Prof. Mittler und am
Exzellenzcluster „Asia and Europe in a Global Context“ Koordinatorin der
Research Area B „Public Spheres“. SHAN sprach mit ihr über ihre
Forschungen zur Kinder- und Jugendbuchliteratur in China.

 

 

 

SHAN: Zunächst einmal die übliche erste Frage: Wie bist du zum Sinologiestudium gekommen?

Petra Thiel: Die erste Anregung dazu gab mir einer meiner Lehrer am
Gymnasium, der in den 1980er Jahren nach China gereist war und seinen
Schülern begeistert von seinen Erfahrungen erzählte. Außerdem haben wir
in der Geographie AG über die Sowjetunion und China gesprochen. Schon
damals hatte ich den Wunsch, meinen Blickwinkel nach Osten zu erweitern
und einmal nach Peking zu reisen.  Eigentlich wollte ich
Sprachwissenschaftlerin werden. Aber dann habe ich doch erst eine
Ausbildung absolviert, bevor ich mich für ein Studium entschieden habe.
Schließlich habe ich dann in Frankfurt, Heidelberg und Shanghai im
Magisterstudiengang die Fächer Moderne Sinologie, Romanistik mit
Schwerpunkt italienische Literaturwissenschaft sowie
Religionswissenschaft studiert.
 

Dein Schwerpunkt im Studium lag also bei den Literaturwissenschaften?

Ja, sowohl in der Sinologie als auch in der Romanistik. Für meine
Magisterarbeit habe ich mich dann mit Erziehungsratgebern und dem
privaten Bildungsmarkt in China auseinander gesetzt. Dabei gibt es zwei
wichtige Trends zu verzeichnen: einige Bücher propagieren das „Endziel
Harvard“ und schildern, wie man sein Kind entsprechend fordern und
fördern muss. Und dann gibt es die vollkommen konträre Richtung, nach
dem Motto „Schule ist nicht alles“ und mit dem Ziel, die Kinder nicht
mehr, sondern weniger unter Druck zu setzen. Das ist ja ein schwieriges
Thema in China.
 

Wie hat sich dann dein aktuelles Forschungsprojekt und
Dissertationsthema, die Kinder- und Jugendbuchliteratur in China,
entwickelt? 

Ich habe mich schon immer sehr für Kinder- und Jugendbücher
interessiert. In ihnen spiegeln sich viele aktuelle soziokulturelle
Trends; in Deutschland ebenso wie in China. Hier in Heidelberg, aber
auch auf meinen Reisen nach Skandinavien oder in die USA gehe ich immer
in die entsprechenden Buchhandlungen oder Abteilungen für Kinder- und
Jugendbuchliteratur und verfolge aufmerksam die Neuerscheinungen. In
China habe ich mich regelmäßig nach Schulschluss in die Kinder-
Jugendbuchabteilungen der 书城 shucheng gesetzt und beobachtet,
zu welchen Büchern die Schulkinder greifen, die sich dort aufhalten und
lesen. In einem zweiten Schritt habe ich dann die Kinder und
Jugendlichen bzw. die Verkäufer gefragt: Welche Bücher werden häufig
gekauft? Was lesen die Kinder und Jugendlichen gerne?
 

Und welche Trends und Themen hast du in deinen bisherigen Forschungen in eben dieser Literatur in China gefunden?

Ich gehe immer den Fragen nach: Wie wächst man auf in China? Welche
Facetten gibt es? Die Kinder- und Jugendbuchliteratur der letzten zehn
Jahre in China ähnelt zum Teil der im Deutschland der 1990er Jahre.
Darin wird eine Art „pragmatische Jugend“ porträtiert, die ihren Tag und
dessen Ablauf nach den eigenen Vorliebe und Launen, nicht nach Idealen,
ausrichtet.

Natürlich gab es auch in China einen Boom bei den Übersetzungen von
Twilight und ähnlichen Romanen. Aber Harry Potter beispielsweise ist
erst in der Verfilmung richtig populär geworden. Das ist mit den von
Fans geschriebenen Varianten und Fortsetzungen aber auch nochmals ein
ganz eigenes Phänomen. Insgesamt aber gibt es diesen Trend der „all
age“-Literatur, d.h. Romane, die Jugendliche ebenso lesen wie
Erwachsene, in China nicht.
Grimms oder Andersens Märchen oder andere „Kinderbuch-Klassiker“, wie
z.B. die Bücher von Astrid Lindgren, stellen den größten Anteil an
Übersetzungen ausländischer Literatur für Kinder dar, die sich auch
tatsächlich in der für Kinder- und Jugendliteratur reservierten
Abteilung finden lassen.  Ansonsten stehen Übersetzungen auch von
Kinder- und Jugendbüchern meist in dem Bereich, der für die
Übersetzungen ausländischer Literatur eingerichtet wurde.

 

Hast du für Einsteiger in die chinesische Jugendliteratur eine Leseempfehlung?

Ich persönlich finde, dass Cao Wenxuan in 草房子 Cao fangzi
eindrücklich die Geschichte des Aufwachsens auf dem Land nacherzählt. Er
hat hier auch seine eigenen, glücklichen Kindheitserinnerungen
einfließen lassen.  Dabei zeichnet er sehr schön die einzelnen
Charaktere und in den einzelnen Kapiteln lässt sich der
Entwicklungsprozess des Protagonisten innerhalb dieses Personen-Netzes
gut nachvollziehen. Inzwischen habe ich den Autor auch persönlich
kennengelernt, über guanxi wie üblich. Er ist Literaturprofessor in
Peking und mit dem chinesischen Doktorvater einer meiner Freundinnen
hier befreundet.
An diesem Roman lassen sich auch gut die Fragen zeigen, die meine
Themen bestimmen: welche Idole und Rollenmodelle werden dargestellt?
Welches Verständnis von Raum, des Gegensatzes zwischen Stadt und Land
wird geschildert?  In weiteren Fallstudien beschäftige ich mich mit
zeitgenössischen Themen und der Darstellung der heutigen Lebenswelt von
Kindern und Jugendlichen in China: Wie geht die sogenannte „branded
youth“, Jugendliche einer neuen chinesischen Mittelschicht, die mit
Konsum und Markenartikeln aufwachsen, mit eben diesem Materialismus um?
Welche Prozesse des Heranwachsens, welche alternativen Lebensmodelle
beschreiben Autoren in ihren Schülerromanen?

Hast du auch schon Einblicke bekommen, wie die Kinder- und Jugendbuchliteratur von Seiten der Verlage betrachtet wird?

Ja, ich durfte letztes Jahr bei der Lizenzmesse des
Buchinformationszentrum Peking (BIZ) teilnehmen. Das BIZ ist eine
Dependance der Frankfurter Buchmesse in Peking und fungiert als
Schnittstelle zwischen Verlagen in Deutschland und China. Jedes Jahr
wird dort eine Liste mit Vorschlägen für eine Übersetzung
Deutsch-Chinesisch erarbeitet. Dabei habe ich erfahren, dass viele, auch
große Verlage trotz sehr engagierter Mitarbeiter und trotz eines
vielfältigen Programms Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung von
Kinder- und Jugendbüchern auf dem chinesischen Buchmarkt haben – nicht
nur aus inhaltlichen oder übersetzungstechnischen Gründen. Denn diese
sind oftmals von der Aufmachung, d.h. der Gestaltung, her sehr
aufwendig.  Deshalb werden oft nur die Bücher in die engere Auswahl
aufgenommen, die auch in ihrem Heimatland sehr erfolgreich waren. So
hofft man, dass sich mit diesem internationalen Kaufargument mehr Leser
finden und auch in China die Perspektive auf Gewinn gut ist.

Welche Einflüsse gibt es sonst auf die Jugendliteratur in China?

Die Jugendkultur Ostasiens, insbesondere Japans und Südkoreas, ist im
visuellen Bereich sicher von Bedeutung, aber nicht so sehr in den
Romanen für Kinder.

Sagst du uns noch einige Worte zu deinem zweiten Standbein, dem Cluster?

Am Exzellenzcluster „Asia and Europe in a Global Context“ bin ich
Koordinatorin der Research Area B, „Public Spheres“. Das bedeutet, dass
ich als Ansprechpartnerin für die einzelnen Projekte die Leitlinien der
Clusterdirektion weitergebe und helfe umzusetzen. Außerdem bin ich
Mitglied des innerhalb der Research Area B angesiedelten
Forschungsprojekts „Rethinking Trends“, das sich aus einer
Doktorandengruppe von Frau Mittler entwickelt hat.
2008 haben wir eine erste Konferenz veranstaltet, die sich mit der
Frage auseinandersetzte, welche Faktoren Einfluss auf sogenannte trend
flows zwischen Asien und Europa haben und wie sich globale Trends auf
lokaler Ebene wiederfinden und gestalten. Ich untersuchte z.B., wie der
internationale Kinderbuchmarkt funktioniert und fragte mich, weshalb
Pippi Langstrumpf einen festen Platz innerhalb des chinesischen
Kinderbuchmarkts einnimmt, Sun Wukongs Reise nach Europa jedoch weniger
erfolgreich war – trotz der Versuche der chinesischen Verlage, den
Affenkönig auch in Deutschland zu etablieren.  Erst jetzt, im
Oktober, fand dann die Abschlusskonferenz des Projekts statt, auf der
die Projektmitglieder neue Fallstudien vorstellten  und diese mit
geladenen Wissenschaftlern aus den USA, Kanada, England und Deutschland
diskutierten.

Ich empfinde das Cluster als einen großen Gewinn, sowohl für die
Forschung, als auch für die Studierenden der Uni Heidelberg. Alle sind
jederzeit zu den vielfältigen Vorträgen eingeladen! Es ist wirklich eine
großartige Chance, Wissenschaftler aus aller Welt und so manche „big
shot names“ bestimmter Disziplinen hier vor Ort kennenzulernen. Es gibt im Institut für Sinologie mittlerweile auch die Möglichkeit, Vorträge als Seminar anrechnen zu lassen.
Man bekommt dabei nicht nur in kurzer Zeit eine gezielte Aufbereitung
eines bestimmten Themas präsentiert, man lernt vielmehr auch, kritisch
zuzuhören und Fragen zu stellen.

Außerdem arbeiten am Cluster Wissenschaftler der unterschiedlichsten
Fächer und Spezialisierungen gemeinsam an interdisziplinären
Fragestellungen. So ergibt sich ein ganz neuer, spannender Mix an Input,
Methoden und Feedback. Davon wiederum profitiert jeder Einzelne! 
Und es gibt einem auch nochmals einen ganz anderen Blickwinkel auf das
eigene Fach und Forschungsfeld.

Vielen Dank für das Gespräch! 

Das Interview führte Helen Hübner

 

<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Sprachkolumne: Das Wortspiel von 杯具 Glas und 悲剧 Tragödie

 

Im gewöhnlichen Kontext meint man mit 杯具 ein einfaches Glas, aus dem
man Wasser trinkt. Doch 悲剧, die Tragödie, wird genau gleich
ausgesprochen. Deshalb benutzen immer mehr Internetuser 杯具 als einen
witzigen Ersatz für das ernsthafte 悲剧, um negative Gefühle wie
Unzufriedenheit, Unglück, Enttäuschung oder sogar Trauer zum Ausdruck zu
bringen.

 

Als 杯具  immer häufiger auftauchte, entwickelten sich weitere Varianten dieses Wortspiels.

Ein beliebtes Beispiel ist: „人生就像一个茶几,上面摆满了杯具和餐具。“

In der wörtlichen Übersetzung heißt das:

„Das Leben ist wie ein Tee-Tisch, der voller Gläser und Geschirr steht.“

餐具, das Geschirr, erfährt eine ähnliche Verwendung wie 杯具.

Gemeint wird damit eigentlich auch ein anderes Wort für Tragödie, nämlich 惨剧.

 

 

Eigentlich ist dieser Satz auch keine originelle Schöpfung, sondern stammt ursprünglich von 张爱玲 Eileen Chang. Ihr Roman Gefahr

und Begierde wurde im Jahr 2009 von Ang Lee mit großem Erfolg verfilmt.

Das Original des Satzes lautet: „生命是一袭华美的袍,上面爬满了虱子。“ 张爱玲 《天才梦》

„Das Leben ist wie ein prächtiges Kleid, das voller Läuse ist.“

Die umgeschriebene Version, die heute im Internet kursiert, hat den ernsten Sinn von Eileen Changs Ausspruch verloren. Trotzdem

spiegelt der satirische Unterton das Gefühl vieler Chinesen wider, die
beklagen, dass ihr Leben schwierig und voller Widrigkeiten sei.

 

Im Jahr 2011 erreichte die Wendung 杯具 das Fernsehen. In der beliebten Serie 《武林外传》 My Own Swordsman verwendet der

Drehbuchautor 宁财神 (Pseudonym) 杯具für einen Ausspruch über das Leben, nämlich:

„人生就像茶叶,终究浸入杯具。“

„Das Leben ist wie ein Teeblatt, am Ende taucht es in die Tragödie (oder eben das Teeglas) ab.“

 

Weitere Beispielsätze mit 杯具:

Als Verb: 今天课上我的报告杯具了…..

Mein Referat heute war eine Katastrophe…

 

Als Substantiv: 《变形金刚Ⅲ》就是个杯具。

Der Film Transformer Ⅲ ist schlichtweg ein schlechter Film.

 

Und ein weiteres Beispiel für alle Fußballfans:

Als Adjektiv: 今晚国足踢得可真杯具….

Die Nationalmannschaft hat heute Abend so tragisch schlecht gespielt….

 

He Xiangling

 

Quelle für das Bild

http://pigsky.net/wp-content/uploads/2011/04/cups.jpg

 

<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Lu Xun und die Ausländerinnen

Vor 75 Jahren starb Lu Xun (1881-1936), einer der bekanntesten Schriftsteller des modernen China. (Lu Xun, Xu Fancheng und Heidelberg)
Der Autor, der eigentlich Zhou Shuren hiess, hat sich immer besonders
für Frauen interessiert; und diese haben nach seinem Tod auch meist
recht wohlwollend über ihn geschrieben, Ruth Weiss veröffentlichte sogar
eine ausführliche Biographie. Obwohl Lu Xun niemals Europa oder Amerika
besuchte, hatte er viel Kontakt mit Europäerinnen und Amerikanerinnen.
Da er besser Deutsch als Englisch verstand war die Kommunikation mit
deutschsprachigen Gästen am einfachsten, er kannte allerdings auch viele
fremdsprachenkundige Studentinnen und Übersetzerinnen, die für ihn
dolmetschten.

Im Jahre 1929 traf die amerikanische Journalistin Agnes Smedley
(1892-1950), die vorher viele Jahre in Berlin gelebt hatte, in Shanghai
ein. Die erste Begegnung mit Lu Xun soll schon im gleichen Jahr
stattgefunden haben. Sie pflegte in den folgenden sechs Jahren
regelmäßigen Kontakt mit dem Schriftsteller, zu ihren Dolmetscherinnen
gehörte gelegentlich Cai Yongshang, die in Peking Medizin studiert hatte.
Bei einer anderen Gelegenheit dolmetschte der Schriftsteller Mao Dun.
Bekannt wurde vor allem Smedleys Teilnahme an einer Feier zu Lus 50.
Geburtstag (1931), sowie ein Treffen der beiden mit Song Qingling, Lin
Yutang und George Bernard Shaw (1933), das auf mehreren Photos
dokumentiert wurde.

1930 kam Ursula Hamburger (1907-2000), die später den Autorennamen Ruth
Werner benutzte, mit ihrem Mann nach Shanghai. Sie arbeitete in dem
Zeitgeist-Buchladen und hatte mit Lu Xun vor allem 1932 im Zusammenhang
mit der Vorbereitung einer Käthe Kollwitz Ausstellung
Kontakt. Sie schrieb: „Lu Shün habe ich öfter in seiner Wohnung
besucht, wo er mit seiner viel jüngeren Frau und seinem kleinen Sohn
lebte. […] Lu Shün wollte einen Band mit Bildern von Käthe Kollwitz
herausgeben, ich half ihm, die Bilder zu beschaffen.“ (S.46-47)

1933 reiste die Wienerin Ruth Weiss
(1908-2006) nach China und beabsichtigte einige Monate im Fernen Osten
zu bleiben. Nachdem sie Agnes Smedley kennen gelernt hatte, traf sie auch Lu Xun.
In ihren Memoiren erwähnte sie: „Im Gedächtnis ist mir geblieben, daß
Lu Xun mir bei einem meiner Besuche ein großformatiges Album
überreichte, das Nachdrucke von Käthe Kollwitz-Grafik enthielt, mit
einem Vorwort von Agnes Smedley.“ (S.101) Auch von Lu und Weiss gibt es
ein Photo, das 10 Tage vor seinem Tod entstanden sein soll. Ein halbes
Jahrhundert später lebte sie immer noch in China und veröffentlichte den
Band Lu Xun: a Chinese writer for all time (1985).

1936 traf die schwangere Anna Wang (1907-1989) in Shanghai ein, die
wenige Monate zuvor mit ihrem Mann (Wang Bingnan) Deutschland verlassen
hatte. ( Zwei Deutsche in Xi’an: Anna Wang und Herbert Wunsch im Dezember 1936)
Sie schrieb über die erste (und einzige) Begegnung mit Lu Xun: „Als ich
ihn in den ersten Oktobertagen in seinem armseligen Reihenhaus
besuchte, war er ein todkranker Mann. […] Am 19. Oktober, dem Tag an dem
mein Sohn geboren wurde, starb Lu Xun.“ (S.64-65) 

Zwei weitere Amerikanerinnen, die Lu Xun in der englischsprachigen Welt
bekannt machten, waren Helen Foster und Viola Robinson, die mit ihren
Gatten (Edgar Snow und Harold Isaacs) in Shanghai und Peking lebten und
die beiden Übersetzungsbände Living China und Straw Sandals
produzierten.  

 

Literatur:

Anna Wang: Ich kämpfte für Mao, Hamburg, 1964, 1973;

Ruth Werner: Sonjas Rapport, Berlin, 1977.

Meng Shuhong: Lu Xun nianpu gao, Guilin, 1988.

Janice und Stephen MacKinnon: Agnes Smedley, Zürich, 1989.

Li Yunjing: Zhongguo xiandai banhua shi, Taiyuan, 1996.

R.D. Findeisen: Lu Xun, Basel, 2001.

Ruth Weiss: Am Rande der Geschichte – Mein Leben in China, 2005.

Thomas Kampen: Chinesen in Europa – Europäer in China: Journalisten, Spione, Studenten, Gossenberg, 2010.

 

 

Dr. Thomas Kampen

 

<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis


SinoJobs Career Day

 

Im Oktober fand zum ersten Mal deutschlandweit eine Karriere- und
Weiterbildungsmesse mit Chinafokus statt: die SinoJobs Career Days. SHAN
war bei der Veranstaltung in Düsseldorf. Hier berichten wir von unseren
Eindrücken.

 

Johann Platt:  Obwohl die ausstellenden Firmen auf den Sinojobs
Career Days in Düsseldorf nicht so sehr an Sinologen als Anwärter auf
freie Stellen in ihren Unternehmen interessiert waren, war der Tag
trotzdem sehr erlebnisreich und auch eine gute Erfahrung.  Ich bin
froh diese gesammelt zu haben, da ich jetzt weiß wie eine Jobmesse
abläuft, wie man sich darauf vorbereitet und wie man ein Gespräch mit
einem Personaler führt.

 

Helen Hübner: Ich war zum ersten Mal auf einer Jobmesse. Ich wollte
mich ganz unverbindlich informieren und hatte nicht viele Erwartungen an
die Veranstaltung. Viele andere Teilnehmer hatten Bewerbungsunterlagen
dabei und haben sich direkt bei den Personalern informiert bzw.
vorgestellt. Also weiß ich jetzt, wie ich mich das nächste Mal
vorbereiten werde! Ansonsten hat sich wieder einmal bewahrheitet, was
oft gesagt wird: die meisten Unternehmen suchen weniger Sinologen, als
vielmehr chinesische Studierende der Wirtschaftswissenschaften oder
technischer Fächer, die langfristig zurück nach China entsandt werden.

 

Max aus der Fünten: Ich habe einige Anregungen für meine spätere
Berufswahl und insbesondere für die Wahl meines Masterstudiengangs
gefunden, da die meisten Aussteller im Prinzip nur
Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure gesucht haben.

 

Esther Berg: Auch ich war zum ersten Mal auf einer Jobmesse und bin
froh nun mit ruhigem Gewissen sagen zu können, dass auch dort nichts so
heiß gegessen wie gekocht wird. Es war eine gute Erfahrung die Jobmesse
„Ernst zu nehmen“, Bewerbungsunterlagen vorzubereiten, sich Fragen für
die Personaler zu überlegen und über dress codes nachzudenken;
Erfahrungen die Sicherheit und Selbstvertrauen für Vorstellungsgespräche
und Bewerbungen geben. Inhaltlich war die Jobmesse aber, wie schon
berichtet worden ist, weniger für Geistes- und Sozialwissenschaftler
gedacht, dass für mich deshalb „nichts dabei war“, war für mich keine
große Überraschung – um so mehr dafür das Essen in der japanischen
Nudelbar danach!

 

<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Sinology goes Public – Vorträge zur chinesischen Wirtschaft im Konfuzius-Institut Heidelberg

Im Oktober und November bot die Vortragsreihe des Konfuzius Instituts
Heidelberg „Sinology goes Public“ zwei Vorträge zu wirtschaftlichen
Themen. Zum einen sprach Benjamin Kemmler (M.A.) über die Reaktion der
chinesischen Regierung auf die internationale Wirtschafts- und
Finanzkrise, während Cora Jungbluth (M.A.) über die Diskrepanz zwischen
den Wünschen chinesischer Investoren, die in Deutschland investieren,
und der tatsächlich von ihnen erlebten Wirklichkeit sprach.

Für beide Referenten war es eine Rückkehr an ihren Studienort. Beide
sind Absolventen der Sinologie in Heidelberg und auch Mitglieder von
SHAN e.V. Die Vorträge waren sehr gut besucht und boten nicht nur
interessante und kurzweilige Einblicke in komplexe Themen, es folgte
jeweils auch eine angeregte Diskussion zwischen den Referenten und dem
anwesenden Publikum zum Thema des Abends.

Die Themen der beiden Vorträge bilden jeweils den Schwerpunkt der
Abschlussarbeiten von Herrn Kemmler und Frau Jungbluth. Derzeit arbeitet
Benjamin Kemmler bei der Deutschen Bank. Seine Magisterarbeit befasste
sich mit der Reaktion der chinesischen Regierung auf die internationale
Finanzkrise und insbesondere mit dem von der Regierung im November 2008
geschnürten Konjunkturpaket. Während seines Vortrags ging er zunächst
auf den geschichtlichen Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung
Chinas ein und beleuchtete die wichtigsten politischen und
wirtschaftlichen Akteure, welche die Geschicke der chinesischen
Wirtschaft massgeblich beeinflussen. Darauffolgend erklärte er in gut
nachvollziehbarer Weise die Auswirkung der Finanzkrise auf China, und
mit welchen Maßnahmen und politischen Begründungen die chinesische
Regierung auf diese Ausnahmensituation reagierte.

Cora Jungbluth beschäftigte sich in ihrer Dissertation, die sie im
Sommer 2011 abschloss, mit dem Internationalisierungsprozess
chinesischer Unternhemen. Seit März 2011 ist sie am Institut für
Sinologie der Universität Freiburg als wissenschaftliche Mitarbeiterin
tätig, wo sie zur Entwicklung von Umwelttechnologien und erneuerbaren
Energien forscht. Ihr „Sinology goes Public“ Vortrag ging auf die
Wünsche und erlebten Realitäten chinesicher Investoren in Deutschland
ein, insbesondere vor dem Hintergrund der 走出去 (zouchuqu – Going Global –
Strategy) Strategie der chinesischen Regierung. Diese förderte seit
Ende der 1990er Jahre und besonders ab 2000 die Foreign Direct
Investments (FDI) chinesischer Unternehmen und Investoren außerhalb von
China. Wie auch Benjamin Kemmler, begann Frau Jungbluth mit dem
historischen Hintergrund von FDI in China und widmete sich danach den
Zielen der Going Global-Strategy sowie einigen Fallbeispielen von
Erfolgen und Misserfolgen solcher Unternhmungen vor allem in
Deutschland. Danach zeigte sie noch die Berichterstattung von
chinesischen Investitionen im Ausland in den deutschen Printmedien und
bot einen Ausblick auf die Zukunft für die wirtschaftliche
Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland.

Beide Vorträge waren interessant und kurzweilig, was nicht zuletzt in
den regen Diskussionen im Anschluss Ausdruck fand. Die
Veranstaltungsreihe „Sinology goes Public“ macht Lust auf mehr, und
lässt hoffen, dass die nächsten Vorträge bald folgen werden.

 

Johann Platt

 

<< Zurück zum Inhaltsverzeichnis


 


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert