INHALT

Interview mit Dr. Wilfried Spaar – Teil 1

Wie ist unser langjähriger Sprachlehrer
Dr. Spaar zu seinem Studienfach und Beruf gekommen? Interessiert ihn
heute noch das gleiche wie vor 50 Jahren? Der Leverkusener wurde von der
wissbegierigen Bonnerin Mariana Münning befragt. Dies ist der erste
Teil einer langen Geschichte – Fortsetzung folgt.

Das Interview führte Mariana Münning.

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Chinesische Schauspielerinnen, österreichische Regisseure und der Film „Children of the World“

1941 drehten
österreichische Flüchtlinge in Shanghai einen Film mit dem Titel
„Children of the World“. Sie sprachen Deutsch und Französisch, die
übrigen Beteiligten Chinesisch und etwas Englisch. Wie konnte das gut
gehen?

Von Dr. Thomas Kampen.

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Dong Jianwu, Dong Weijian, sowie Chen Yun, Pu Huaren und Qin Bangxian in Shanghai

Dong Jianwu und Pu
Huaren gingen auf Missionarsschulen und waren christlich geprägt. Doch
durch die dramatischen politischen Entwicklungen des Jahres 1927 wurden
sie zu Kommunisten. Wie war ihr weiteres Schicksal?

Von Dr. Thomas Kampen.

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Han Sen (1925-2018) und Ullabritt Horn (1956-2017)

Der in Berlin geborene Han Sen ist nun auch in seiner Heimatstadt
gestorben. Ullabritt Horn, die einen Film über ihn gedreht hatte, starb
wenige Monate vor ihm. Der zeitweilige Berliner Thomas Kampen, der auch
ein Buch über den Chinesen gelesen hat, schreibt über beide.

Von Dr. Thomas Kampen.

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Das Deutsch-Chinesische Alumni-Netzwerk ALUROUT

Denis Daus stellt das neue Deutsch-Chinesische-Alumni-Netzwerk ALUROUT und den Wissensaustausch beider Länder vor.

Von Denis Daus.

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Interview mit Dr. Wilfried Spaar – Teil 1

MM: Lieber Herr Dr. Spaar, Ihr rheinischer Akzent ist für mich als Bonnerin unverkennbar. Wo sind Sie aufgewachsen?

WS: Da kann man nichts machen, der Singsang bleibt. Ich bin in Leverkusen aufgewachsen.

MM: Wie sind Sie zur Sinologie und zur chinesischen Sprache gekommen?

WS: Das war so. Ich war auf einem
altphilologischen Gymnasium und habe Latein und Griechisch gelernt. Dann
dachte ich mir, ich will mal etwas anderes machen und habe mit Sanskrit
angefangen. Und dann dachte ich mir, man könnte ja noch etwas weiter
nach Osten gehen, und dann wollte ich Japanisch machen. Und der
japanische Sprachkurs war voll, da war kein Platz mehr, und außerdem
sagte man mir: “Die Lehrer für Japanisch sind Faschisten, da gehst du
besser nicht hin! Geh lieber zu den Lehrern für Chinesisch!” So bin ich
zum Chinesischen gekommen, obwohl ich eigentlich Japanisch machen
wollte. Das war erst auf der Universität Köln und dann in Bochum.

MM: Wer waren Ihre Dozenten für Chinesisch?

WS: An der Universität Bochum war der
Ordinarius für Chinesisch Professor Alfred Hoffmann, der jetzt schon
lange verstorben ist. Der hatte den Spitznamen “Gauleiter China”.

MM: Weil er wirklich eine Nazi-Vergangenheit hatte?

WS: Einige haben es ihm nachgesagt. Aber
er hat sich natürlich, wie so viele andere, die damals zu der Zeit in
Ostasien gelebt und gearbeitet haben, irgendwie arrangiert. Aber direkte
Zuarbeit für die Nationalsozialistische Partei… einige Leute sagen das.
Mir war das eigentlich vollkommen egal. Der Mann hat mich beeindruckt
durch seine Chinesischkenntnisse. Er konnte Chinesisch sprechen,
Chinesisch und Japanisch, und zwar in jeder Situation! Die Professoren
damals (es gab noch keine Professorinnen) konnten kein Chinesisch.

MM: Und Alfred Hoffmann war zur Zeit des Dritten Reiches in China?

WS: Ja, er war erst in Beijing und dann
in Nanjing. Er hat mit der Fotografin Hedda Hammer einen sehr schönen
Fotoband über Nanjing gemacht, der ist 1944 bei Noessler in Shanghai
erschienen und dokumentiert das damalige Nanjing. Das Buch ist sehr
schön und sehr selten, in Deutschland sind nur drei Exemplare erhalten.
Eins ist bei mir, eins ist in Berlin, eins ist in Leipzig. Eine echte
Rarität. Er hat sich also für China und gerade für die neuere und
aktuelle Geschichte und die chinesische Revolution sehr interessiert und
war sehr sachkundig.

MM: Und er war in Bochum?

WS: Ja, die Universität war damals eine
Neugründung, 1964 gegründet, und ich bin 1971 dann dorthin gekommen, als
die Baulichkeiten gerade fertig geworden waren. Das ist so eine
monumentale Protz-Beton-Uni, das muss man mal gesehen haben. Aber mir
hat das nichts ausgemacht, ich fand das ganz interessant. Und die
Möglichkeiten, die wir als Studierende damals dort hatten! Ich habe
alles Mögliche studiert, auch Farsi, das ist modernes Iranisch, immer
wieder ein bisschen Latein, allgemeine Sprachwissenschaft, und dann habe
ich auch ein bisschen Theologie gemacht, Psychologie… damals hatte man
Zeit und konnte so etwas machen.

MM: Die 1968er Studentenbewegung, war die 1971, als Sie an die Uni kamen, noch spürbar?

WS: Ja, die war immer noch höchst virulent. Ich bin mit diesen Schulungen aufgewachsen, Karl Marx, Das Kapital
1 bis 3, das haben wir runterbeten können. Diese ganze Terminologie,
und dann später die Kulturrevolutions-Terminologie, damit ist meine
Generation groß geworden. Ich war auch Mitglied in ach weiß ich gar
nicht mehr. Aber irgendwann sind mir die ultra-linken Organisationen zu
chaotisch geworden, also wenn jeder sein eigenes Zentralkomitee ausruft,
das kam mir dann doch etwas merkwürdig vor.

MM: Haben Sie auch das „Kleine rote Buch“ (Maos Zitate) gehabt?

WS: Natürlich, das hatte jeder. Ich habe
die noch, hier stehen auch noch ein paar rum. [Spaar deutet auf die
gefüllten Bücherregale in seinem Büro.] Ich habe noch Büchersammlungen
aus der Zeit, auch Flugblätter, die habe ich archiviert und aufgehoben,
das kann noch mal interessant werden.

MM: Das war also eine politisierte Zeit.

WS: Ja, das war es.

MM: Und wann sind Sie dann zum ersten Mal ins chinesischsprachige Ausland gefahren?

WS: Sehr spät. Da hatte ich mein
Chinesischstudium schon abgeschlossen und konnte alles Mögliche, Zeitung
lesen, klassische Texte, und so weiter. Aber was ich nicht konnte, das
war flüssig reden, Alltagsgespräche führen. Das hat mit uns niemand
gemacht. Und dann habe ich ein Stipendium bekommen vom DAAD und bin 1979
nach Taibei gekommen, und da bin ich erstmal „ertrunken“. Ich erinnere
mich noch gut an den Einstufungstest an der Shida, und da haben die mich
erstmal in so eine Anfänger-Klasse gesteckt. Einfach weil ich auf die
einfachen Fragen, die sie mir gestellt haben, nicht recht habe antworten
können. Aber das hat sich dann schnell geändert.

MM: Hat man da noch etwas vom „Weißen Terror“ gemerkt?

WS: Nein, überhaupt nicht. Offiziell war
das Land noch unter Militärverwaltung, und war, wie man heute sagen
würde, eine Einparteiendiktatur unter der Guomindang. Damals war Jiang
Jieshi 蔣介石 vor nicht allzu langer Zeit verstorben, und sein Sohn, Jiang
Jingguo 蔣經國, der war damals Präsident. Von innerer Unterdrückung habe
ich da nichts gemerkt. Was aber offensichtlich war, war, dass die Post
von Ausländern mitgelesen und archiviert wurde. Das war halt üblich und
das hat man gewusst. Und ansonsten war das für mich ein bestimmter
Kulturschock. In Deutschland hatten wir das, was man gemeinhin „Linke
Bewegung“ nennt: „Wider den Konsum-Terror“ hieß es. Naja,
„Konsum-Terror“ in Deutschland Mitte der Siebziger Jahre, einfach
lächerlich verglichen mit dem, was in China los ist. Und das hat mich
ziemlich geschockt. Der richtige „Konsum-Terror“, wie er Ende der 79er
und in den 80er Jahren in Taiwan herrschte, wie da konsumiert wurde, das
war für mich unbegreiflich, das war neu.

MM: Und sind Sie dann auch in die Volksrepublik gefahren?

WS: Ja, das war in der Zeit nach der
Kulturrevolution und als die Reform- und Öffnungspolitik begonnen hatte,
allerding noch nicht richtig in Schwung gekommen war. Deshalb konnte
man als Ausländer von Taiwan aus in die Volksrepublik China fahren, und
das habe ich auch gemacht und habe das Nach-Kulturrevolutionäre China im
Aufbruch von Reform und Öffnung kennen gelernt.

MM: Hat die Konkurrenz zwischen den zwei politischen Systemen zwischen Taiwan und Volksrepublik auch die Sinologie gespalten?

WS: Ja. Die Leute, die sich mit Taiwan
beschäftigt haben und nicht mit den „Verkürzten Schriftzeichen“, die
galten als „reaktionär“. Und wer das Kurzzeichen-Lehrbuch benutzt hat
und die Kurzzeichen verwendet hat, der galt als progressiv. Das war zum
Beispiel so, dass viele traditionelle oder konservativ eingestellte
Sinologie-Professoren alles, was aus der Volksrepublik kam, radikal
abgelehnt haben, die haben das gar nicht wahrgenommen. Dagegen war
dieser Alfred Hoffmann, der ja angeblich so reaktionär gewesen ist, der
Erste in Bochum, der gesagt hat: „Wir nehmen diese neuen
Lehrbücher  mit den verkürzten Zeichen für den Unterricht auf.“ Er
hat die Zeichen im Unterricht besprochen und erklärt, dass diese
verkürzten Zeichen ja nicht irgendwie eine kommunistische teuflische
Erfindung sind, sondern dass sie eine Geschichte haben, die bis zur
Han-Zeit zurückgeht.

MM: Sie haben da doch auch etwas darüber geschrieben, über die zweite Schriftreform 1978, oder?

WS: Da habe ich mal etwas
zusammengestellt. Das ist eigentlich nur so ein kommentierter Index zu
den Formen der Kurzzeichen die nur für etwa zwei Monate offiziell gültig
waren. Und die man aber ab und zu auch immer wieder sieht, vor allen
Dingen im Alltag, auf dem Markt zum Beispiel. Ein Musterbeispiel ist:
Ich war ja viel in Tibet. [Am Fenster von Spaars Büro hängt ein
tibetisches Tuch mit einem „endlosen Knoten“.] Und der chinesische Name
Xizang 西藏 ist ja blöd zu schreiben, das zang oder cang 藏 wird dann
einfach mit dem caozitou 草字头 und darunter ein shang
geschrieben: 䒙. Das ist ein ganz inoffizielles Zeichen, aber das sieht
man immer wieder. Ich habe das immer fotografiert, abgeschrieben und
dokumentiert, wenn ich so etwas gesehen habe.  

MM: Was hat Sie nach Tibet geführt?

WS: Tibet hat mich immer interessiert –
nicht unbedingt sinologisch oder akademisch. Ich hatte früher noch einen
Nebenberuf, ich war geprüfter Bergführer und war also immer im
Hochgebirge unterwegs, meistens mit Jugendgruppen, und deshalb hatte ich
von der Bergsteigerei her großes Interesse an Tibet. In den Achtzigern
gab es so einen Sommer in Tibet, wo Tibet geöffnet war für alle, der hat
mich sehr erinnert an die Zeit Anfang der 70er Jahre an Orten wie Kabul
oder Goa. Lauter hippytoid gewandete Leute, jüngerer und älterer
Generation, trieben da durch Lhasa, an jeder Ecke gab es Popmusik und
Yak-Burger und allen möglichen Krempel, und das hat mich sehr daran
erinnert, wie ich Anfang der 70er in Iran, in Afghanistan, Pakistan,
Indien natürlich, Nepal gereist bin. Da hat man sich damals einfach so
rumgedrückt, mit Ruck- und Schlafsack.

Das Interview führte Mariana Münning am 12. Juli 2018 im Institut für Sinologie, Heidelberg.

Die weiteren Teile des Interviews finden Sie hier: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

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Chinesische Schauspielerinnen, österreichische Regisseure und der Film „Children of the World“

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Während des Zweiten Weltkriegs entstand
in Shanghai ein bemerkenswerter Film, den ein österreichisches Ehepaar
zusammen mit chinesischen Schauspielerinnen, Schauspielern und
Technikern drehte. Dieser hatte viele Namen:

Children of the WorldKinder der WeltShijie ernü 世界儿女 – Söhne und Töchter der Welt.

Dieses ungewöhnliche Werk wurde im Juni 2018 zum ersten Mal in Heidelberg gezeigt: https://www.karlstorkino.de/programm/kinder-der-welt/.

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L(o)uise  und Jakob Fleck 佛莱克, die
beide schon seit Jahrzehnten Filme produziert hatten, waren 1940 von
Österreich nach China geflohen. Dort lernten sie den chinesischen
Regisseur Fei Mu 费穆 kennen, der nach dem Krieg durch den Film Xiao cheng zhi chun 小城之春 berühmt wurde. Zu dritt – aber ohne eine gemeinsame Sprache – leiteten sie nun dieses bemerkenswerte Projekt.

Der Film war im Oktober 1941 fertig,
konnte aber nur kurz gezeigt werden. Der japanische Angriff auf Pearl
Harbor im Dezember des Jahres und die japanische Besetzung von Shanghai
verhinderten weitere Aufführungen. Danach geriet das Werk in
Vergessenheit.

Die beiden Hauptdarstellerinnen waren Lan Lan 蓝兰 und Ying Yin 英茵. Der (später) bekannteste Schauspieler dieses Films war Shi Hui 石挥.

Lans Familie kam eigentlich aus Fujian,
sie wuchs jedoch im Norden auf und studierte in Beijing; eine jüngere
Schwester wurde in der Volksrepublik China Filmregisseurin und Übersetzerin.

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Lan Lan war ursprünglich Theaterschauspielerin, spielte aber während des Krieges mehrfach Filmrollen.

Ying Yin stammte aus einer mandschurischen Familie in Beijing und war
entfernt mit dem späteren Schauspieler (und Kulturpolitiker) Ying
Ruocheng 英若诚  („Der letzte Kaiser“) verwandt.

Sie hatte schon als Zwanzigjährige in dem beliebten Film Shizi jietou 十字街头 mitgespielt. 1942 beging sie – nach der Tötung eines guten Freundes durch die Japaner – Selbstmord.

Fei Mu, Shi Hui und die Flecks starben alle in den fünfziger Jahren, Lan Lan vermutlich auch.

Autor: Dr. Thomas Kampen

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Dong Jianwu, Dong Weijian, sowie Chen Yun, Pu Huaren und Qin Bangxian in Shanghai

Vor fünfzehn Jahren erschien in einer
chinesischen Zeitschrift über Parteigeschichte ein kleiner Aufsatz mit
dem (verkürzten) Titel: Dong Jianwu war nicht Dong Weijian. Auch wenn
die Überschrift für mich nicht überraschend war (da der erste aus
Jiangsu und der zweite aus Hunan stammte), war der Beitrag trotzdem
interessant. Es stellte sich nämlich heraus, dass beide Herren in
Shanghai viele gemeinsame Bekannte hatten, darunter Chen Yun, Pu Huaren
und Qin Bangxian.

Chen Yun gehörte von den dreißiger
Jahren bis in die achtziger Jahre – mit Unterbrechungen – der KP-Führung
an, ein Rekord, dem nur Zhou Enlai nahe kam.

Qin Bangxian war einmal (inoffizieller)
KP-Führer (1931-1935), geriet allerdings wegen seines frühen Todes
schnell in Vergessenheit; Pu Huaren war nie besonders berühmt, gehörte
aber ab 1937 zu den wichtigsten Mitgliedern der damals gegründeten
Xinhua-Nachrichtenagentur in Yan’an.

From Christ to Marx

Dong Jianwu und Pu Huaren stammten beide
(wie auch Chen Yun und Qin Bangxian) aus Jiangsu, lernten sich früh
kennen und verbrachten einige Jahre in Shanghai. Beide wurden Christen,
lernten Englisch und studierten an der St. John’s University. Dong
kannte die Familie Song recht gut und pflegte Kontakte mit Song
Qingling, Song Ziwen und ihrer Mutter.

Pu Huaren reiste 1927 nach Moskau. Sheng Yueh, der ihn dort kennen lernte, schrieb:

“Some members […] later became
Communists. P’u Hua-jen, for example, shifted his ardent faith from
Christ to Marx and preached communism instead of Christianity.” (S.148)

Durch Vermittlung von Pu Huaren, wurde
1928 auch Dong Jianwu Kommunist. Als Pastor hatte Dong in Shanghai eine
eigene Kirche in der gelegentlich geheime KP-Aktivitäten stattfanden.
Zur unauffälligen Aufrechterhaltung der Kontakte mit Song Qingling wurde
Dongs Tochter Huifang eingesetzt, die damals noch Schülerin war. (Ich
sah sie vor mehr als zwanzig Jahren bei einer Konferenz in der
chinesischen Hauptstadt.)

Dong Weijian studierte nach der 1911
Revolution in den USA (Columbia), kehrte nach der Promotion in seine
Heimatprovinz Hunan zurück und verließ diese 1927 – in dem Jahr wurde er
auch KP-Mitglied. In Shanghai lernte er – neben Pu Huaren – auch die
Schriftsteller Lu Xun, Tian Han und Yu Dafu kennen. Er arbeitete in
Shanghai für die (illegale) KP und wurde 1935 mit Pu verhaftet. 1937 kam
Dong frei, war aber gesundheitlich sehr angeschlagen, ging 1940 nach
Hongkong und starb 1942.

Pu Huaren war ab 1937 in Yan’an,
arbeitete für Xinhua und wurde später auch Sprachlehrer. Aufgrund ihrer
Englischkenntnisse waren Pu und die beiden Dongs oft als Dolmetscher und
Übersetzer tätig.

Red Star over China

1936 wurde Dong Jianwu beauftragt, in
Xi’an Kontakt mit dem amerikanischen Journalisten Edgar Snow
herzustellen. Dieser war von Peking angereist und wollte die
kommunistischen Gebiete besuchen. Als „Pastor Wang“ wurde Dong durch das
Buch „Roter Stern über China“ weltberühmt, aber der Name Dong Jianwu
blieb ein Geheimnis. Dong starb 1970, Pu Huaren 1974.

Literatur:

Sheng Yueh: Sun Yatsen-University in Moscow and the Chinese revolution: a personal account (Kansas, 1971).

E. Snow: Roter Stern über China (Frankfurt, 1974).

T. Kampen: „The secret life of Pastor Wang: Edgar Snow’s guide revealed“, CCP Research Newsletter, Nr. 2 (1989), S. 7-8.

Kong Fanling: „Dong Jianwu yu Dong Weijian bu shi tong yi ren“, Dang de wenxian, Nr.5, 2003, S. 93-94.

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Tochter Dong Huifang (in der Mitte).

Autor: Dr. Thomas Kampen

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Han Sen (1925-2018) und Ullabritt Horn (1956-2017)

Aus einer Berliner Pressemeldung:

„Unter den Besuchern wird auch Han Sen,
der Autor des Buches ‚Ein Chinese mit dem Kontrabass‘, sein. 1925 in
Berlin als Sohn chinesischer Eltern geboren und aufgewachsen, 1933 in
die Schweiz emigriert, reiste er 1940 nach China aus. In seinem Buch
beschreibt er die Stationen seines Lebens und die Zeit in China als
Übersetzer bis hin zum Sekretär für Maos Stellvertreter Tschou-Enlai.
Mit gleichem Titel entstand ein Dokumentarfilm von Ullabritt Horn.“ (https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2003/pressemitteilung.48624.php)

Han Sen wurde in Berlin geboren, Ullabritt Horn in Bremerhaven. Beide wurden vor fünfzehn Jahren durch ihren gemeinsamen Film Ein Chinese mit dem Kontrabass
bekannt, der noch gelegentlich im TV  läuft. Das gleichnamige Buch
wurde zuerst 2001 in München veröffentlicht, später gab es auch eine
Taschenbuchausgabe.

In Buch und Film wird der Weg des
Chinesen von Berlin über die Odenwaldschule in die Schweiz und dann die
„Rückkehr“ der Familie (mit einer Stiefmutter) über Indien, Singapur,
Vietnam nach China beschrieben. Im Odenwald hatte er eine holländische
Erzieherin, die über ihn schrieb: „Han-Sen-Shien. Er ist ein lieber,
guter, sanftmütiger Kerl, der von jedermann geliebt wird. […] Er spricht
aber kein Chinesisch sondern richtig Berlinerisch.“ (S.15)

Singapur gefiel dem Jungen gar nicht und
er stritt sich mit seinem Vater: „Mich erschreckte auch, dass mein
Vater  trotz der vielen in Europa verbrachten Jahre durch und durch
Chinese geblieben war und sich überhaupt nicht in die Haut seines in
Europa aufgewachsenen Sohnes versetzen konnte.“ (S.67)

Nach fünfzehn Jahren in Europa und
fünfzehn Jahren in China (Chongqing – Yan’an – Harbin) reiste der junge
Mann dann in die Sowjetunion aus und verbrachte mehrere Jahrzehnte in
der Ukraine. Dort heiratete er und wurde dann selbst Vater.

Ende der siebziger Jahre gelang es ihm –
mit seiner Frau – in die DDR und nach Ostberlin zu reisen. Dort konnte
er nicht nur die ihm vertrauten Stadtbezirke, sondern auch einige alte
Bekannte wiedersehen. In den neunziger Jahren versuchte er, zunächst
erfolglos, sich dauerhaft in der BRD niederzulassen. Buch und Film
trugen dann dazu bei, dass er seine letzten Lebensjahre in seiner
Geburtsstadt verbringen konnte.

Ullabritt Horn, die vor allem in Österreich ausgebildet wurde und verschiedene Film- und Kulturpreise bekam, reiste mit Han Sen nach China und besuchte die Orte in denen er in den vierziger und fünfziger Jahren gelebt hatte. Sie starb im Dezember 2017 in Nürnberg, Han Sen im März 2018 in Berlin.

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Han Sens Vater war Xie Weijin, seine Mutter Cheng Qiying.
Beide stammten aus Sichuan und trafen sich etwa 1924 in Göttingen, wo
auch der aus der gleichen Provinz stammende, später berühmt gewordene
General Zhu De lebte.

Autor: Dr. Thomas Kampen

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Das Deutsch-Chinesische Alumni-Netzwerk ALUROUT

China ist in kurzer Zeit zu einem der
innovativsten Länder der Welt geworden und auf dem besten Weg zu einer
globalen Supermacht. Dies gilt insbesondere auch für den Wirtschafts-
und Wissenschaftsbereich der Logistik sowie angrenzende Themenfelder.
Chinesische Unternehmen sind nicht mehr nur Nachahmer westlicher
Technologien, sondern treten mit eigenem Fachwissen zunehmend in der
ganzen Welt als Großinvestoren und ernstzunehmende Konkurrenten in
Wirtschaft und Wissenschaft auf. Im Gegensatz dazu ist China für
Europäer immer noch schwer zugänglich, da Sprache, Kultur und Politik
enge Grenzen setzen. Dabei könnten deutsche Unternehmen viel von China
lernen und einen maßgeblichen Wettbewerbsvorteil erlangen, wenn sie
verstehen, wie Chinas Welt funktioniert.

Gerade in der digitalen
Transformationszeit ist eine nachhaltige Zusammenarbeit beider Länder im
Bereich der Logistik stärker denn je gefragt. Denn hier bestehen sowohl
viele Anwendungsfelder in Forschung und Industrie als auch
Schnittpunkte zu anderen Themenbereichen.

Dazu sind jedoch intensive Kooperationen
auf Augenhöhe erforderlich. Ein Wissensaustausch von deutschen und
chinesischen Logistikexperten führt zu gewinnbringenden Chancen und zu
einem Fortschritt in Wissenschaft und Wirtschaft.

Um die Wissenskooperation beider Länder
im Kontext der Logistik zu stärken, wurde das erste Deutsch-Chinesische
Alumni-Netzwerk ALUROUT ins Leben gerufen. Das vom BMBF geförderte
Projekt fokussiert die fachorientierte Vernetzung im Bereich der
Logistik. Den Alumni stehen zwei Anlaufstellen für Wissensaustausch und
Projektanbahnung zur Verfügung – das Fraunhofer IML in Dortmund und der
Ökopark in Qingdao in China. Beide Standorte nehmen eine herausragende
Stellung in der Logistik ein und ergänzen sich optimal in fachlicher
Hinsicht.

Mitglieder des Netzwerks profitieren in vielerlei Hinsicht von unseren Programmen:

    •  
 Finden und Pflegen vielversprechender Kontakte zu Branchenexperten
in Deutschland und China.
    •    Identifikation relevanter Themen für Wissenschaft und Industrie.
    •    Gemeinsame Forschungs- und Industrieprojekte.
    •    Internationale Netzwerkveranstaltungen, Workshops und Thementage.
    •    Fachvorträge hochkarätiger Experten zu aktuellen Entwicklungen rund um Logistik.

Weitere Informationen und wie sie dem Netzwerk kostenlos und unverbindlich beitreten können, erfahren sie auf der ALUROUT-Webseite. Wir freuen uns, auch sie bald in unserem Netzwerk begrüßen zu dürfen.

Autor: Denis Daus

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